Das Lächeln am Ende.

Als er das Gespräch mit einem Lächeln beendete, vermutete sie nur Gutes in seiner Aussage. Aber sie hatte aufgehört, ihm aufmerksam zuzuhören, als er immer mehr vom eigentlich interessanten Thema abwich. Oder schien es ihr nur so. Sie konnte zumindest all das, was er ihr gerade offenbarte, nicht wirklich verarbeiten. Er sprach von Ende, und von der Unmöglichkeit des Wirs. Nach all diesen Jahren. Als hätte es die Vergangenheit nie gegeben. Doch er hatte es sich lange überlegt, tage-, nein: wochenlang schon plagte ihn all das durch den Tag. Ließ ihn nicht schlafen, nicht ruhen, nicht reden. Nur mit ganz wenigen Menschen sprach er darüber und doch war all das hier nur das Resultat einer spontanen Entscheidung.

Sein Lächeln schien nur gekünstelt. Sollte er jetzt weinen. So offen vor ihr. Sollte er schreien, sollte er wutentbrannt mit der Faust gegen die Wand schlagen. Nein. Er beendete das Gespräch mit einem Lächeln und wandte sich schnell von ihr ab. Das war es also nun. Viel zu schnell ist all das nichts mehr. Es überrascht sie. Sie hatte damit gerechnet und sie verstand ihn auch, und doch kam all das so unerwartet, wie der Wetterumbruch am anderen Ende der Welt. Sie schien gerade so unwirklich, so zeitlupenartig. Sie blieb emotionslos und gerade das machte ihn innerlich noch leerer. Verspürte sie denn gar nichts. Steht sie jetzt hier, am Ende des Regenbogens und fühlt einfach nichts?

Sie würde wohl noch Tage gebrauchen, oder Wochen, bis sie all das wirklich zu realisieren beginnen könne. Sie hatte andere Sorgen und gerade das machte sie gerade eben irgendwie kaputt. Das war es also und es fühlte sich an, als wäre es schon wochenlang so gewesen. Als wäre das nur der Punkt vor einem wochenlangen Satz. Als wäre das der Abschluss des Vorhersehbaren. Wobei niemand vor einem Jahr hätte davon sprechen können. Als die Welt noch heil und alles luftig-leicht war. 

Manchmal verändert sich die Welt eben so rapide. Und man kommt einfach nicht mit und nimmt nicht auf und steht da. Und erst Momente später realisiert man, welchen extremen Umbruch man nun in seinem Leben erleben wird. Dieser Zeitpunkt ist vielleicht einer der Schmerzhaftesten ever. Und er wird bleiben.

[…] was wir im Grunde für das Richtige halten.

Plötzlich dreht er sich um und sagt, ganz so als würden wir ein Gespräch führen, zu mir: “Aber was mich wirklich beeindruckt ist, dass wir eigentlich die größte Angst vor genau dem haben, was wir im Grunde für das Richtige halten.” [4404 | Alternativen]

Nachdem der Wind meine sowieso schon störrischen Haare ein weiteres Mal durchfährt und ein Chaos zurücklässt, bleibe ich stehen und sehe mich um. Die Sonne scheint, zwischen den Häuserschluchten ist immer noch der blaue Himmel zu sehen. Doch für den kurzen Moment scheint gerade wieder einmal nichts wirklich zu passen. Überlegungen müssen angestrengt werden, um am Ende nicht vollkommen überrumpelt dazustehen. Doch schon der nächste Schritt ist gezeichnet von Zuversicht. Blinder, naiver Zuversicht. Wie ein kleines Kind, welches stolpert, sich erschreckt, die Kieselsteine aber sofort wieder sorgfältig aus den zarten Kniescheiben herauspuhlt um unbesorgt den Weg fortzusetzen. 

Es ist nicht schwer, sich glücklich zu fühlen. Man kann sich vieles einreden, kann vom unendlichen Glücksgefühl sprechen, sich hineinsteigern und plötzlich ist es ein Muss. Ich weiß nicht, ob es das ist, was mich seit Wochen und Monaten so schweben lässt, ganz sanft. Aber es ist doch immer unsere Aufgabe, einfach mal aufzustehen. Genau das ist es doch, wofür wir leben. Würden wir bei jedem kleinen Hindernis liegen bleiben, wäre die Welt gesäumt von liegengebliebenen Gestalten. Man muss noch vorne blicken. Und voller Angst in die ungewisse Zeit hineinleben.

Ich erinnere mich noch an die Magenkrämpfe, die mich vor und während meiner ersten Wochen in Wien begleiteten. Der Neuanfang, den ich mir so lange wünschte wurde zu einem schmerzhaften Pfad, der erst nach und nach durch Bekanntschaften und Begegnungen aufgelockert wurde. Was für mich noch ein viel größeres Problem als die Angst selbst darstellt, ist die ständige Frage, ob es das Richtige ist, was ich hier tue. Ob ich nicht für etwas anderes bestimmt bin. Der eingeschlagene Weg ist die Notlösung bis ich endlich dazu im Stande bin, meinen großen Traum zu verwirklichen. So denke ich zumindest. Wie lange es noch dauern wird, und wie ich mich dann schließlich verhalten werde, weiß ich nicht.

[…] was wir im Grunde für das Richtige halten. Was ist richtig und was falsch? Ich entscheide dabei immer aus dem Bauch heraus. Und nach der einfachen Grundregel: Richtig ist, was mich glücklich macht. Bis jetzt bin ich immer gut damit durch die Welt spaziert. Dass sich in diesem Jahr sowieso wieder alles zum Guten, zum Besten und womöglich gar zum Großartigsten wenden wird, davon bin und bleibe ich überzeugt. So ganz naiv und blind. 

Bild von Sam Jolly

Abseits der Tagesordnung. [Ein Monolog]

„Als ich dich das erste Mal sah, bist du mir aufgefallen. Nicht so besonders. Vielleicht stellst du dir jetzt vor, dass die Welt um mich herum plötzlich langsamer wurde, und du in einem hellen Schein dastandst und ich mit leuchtenden Augen in die deinen blickte. Nein. Ich fand dich einfach nur auffallungswürdig. Vielleicht erklärt das ja auch, warum ich dich anschließend die ganze Zeit ansehen musste. Immer kurz den Blick schweifen lassen, deinen Kopf, deinen Körper erkennen, verharren. Bis du dich für den kurzen Moment eines Augenblicks bewegtest. Immer und immer wieder musste ich zu dir hinsehen. Glaubst du, ich hätte es zu diesem Zeitpunkt schon geschafft, dich anzusprechen? Nein. Dafür bin ich viel zu schüchtern. Wenn mir jemand so besonders auffällt, so … besonders ist womöglich, kann ich mich noch weniger dazu überwinden, ein kurzes Hallo zu spenden und zu lächeln und in tiefen Smalltalk zu verfallen. So blieb mir einfach nur die Zeit, in der ich dich betrachten konnte. Und ich habe sie genossen. Aber weißt du eigentlich, wie komisch es sich anfühlte, als du plötzlich wieder weg warst? Meine Augen hatten Urlaub, mein Kopf erlaubte ihnen nicht einmal mehr, irgendjemand anderen anzusehen. Er wollte dich wieder sehen. Mein Kopf genauso wie meine Augen und mein Herz. Es dauerte lange, aber es stimmt wirklich. Man trifft sich immer zwei Mal im Leben. Dass es nun schon so lange Zeit her ist, überrascht mich. Hast du dich doch kaum verändert. Noch immer strahlt dein Auftreten etwas Besonderes aus. Und du wirkst so … unschuldig, so brav. Als hätte es all die Jahre zuvor nicht gegeben. Als wärst du an diesem einen ersten Tag nach Hause gegangen und heute wäre das Morgen von gestern. Vielleicht hast du mich ja auch erkannt. Obwohl. Hast du mich denn überhaupt bemerkt, damals? Ich weiß es nicht. Und jetzt sitze ich neben dir und erzähle dir die Geschichte meines Lebens. Ach nein. Es ist die Geschichte von uns beiden. Von dir und mir und wir kennen uns nicht einmal. Ich weiß nur wie du aussiehst, und jetzt auch wie du riechst. Wie du lächelst und wie du dich bewegst. Dir kommt das komisch vor? Es ist ganz normal. Man bemerkt die überraschendsten und nebensächlichsten Dinge wenn man jemanden beobachtet. Aber dein Lächeln ist definitiv nicht nebensächlich. Es ist vielmehr wunderschön und setzt auf das Besondere an dir noch eine Piemont-Kirsche hinauf. Ich weiß nicht, wie du das getan hast, aber damals, an diesem einen Tag hast du mich verzaubert. In einem Moment, als Verzaubern ja mal sowas von gar nicht auf der Tagesordnung stand. Hast mich gepackt, nicht mehr losgelassen und bist schließlich einfach abgehauen. Hast mich alleine gelassen in dieser Traumwelt, in diesem Gedankenkomplex und tauchst jetzt plötzlich wieder auf. Wirbelst mein ganzes Leben durcheinander. Vielleicht hast du heute Lust, den Abend mit mir zu verbringen. Wir würden Wein trinken, Weißwein. Würden auf einer Decke liegen und reden. Würden reden über die Sterne, über das frische Gras, welches noch so saftig duftet und mit jedem Frühlingsregen weiter aus der Erde sprießt. Wir würden über Kinofilme reden und über Musik, die vielleicht Tränen in uns erzeugt hat. Über unser Leben und unserer Erlebnisse. Wir würden die ganze Nacht damit verbringen, uns kennen zu lernen. Und. Ach ja. Ich bin übrigens Dominik.“

Bild von fotologic

Und ich hoffe, es geht dir gut.

Weißt du, manchmal denke ich noch darüber nach, wie es wäre, wenn wir es geschafft hätten. Wenn mein Wunsch in Erfüllung gegangen wäre. Er war mir wichtig und ging mir monatelang nicht aus meinem Kopf. Und doch habe gerade ich die Verwirklichung eben dieses meinen Wunsches torpetiert. Mit jeder dummen Nachricht, die ich dir in diesen Social Communities geschickt habe. Mit jeder melanchotraurigen SMS, welche ich dir nächtens, um zwei oder drei in beinahe brennender Schlaflosigkeit gesendet habe. Mit all diesen Gedanken und den Gefühlen, denen ich viel zu lange viel zu viel Platz eingeräumt habe in meinem Leben. Ja, selbst heute denke ich noch manchmal darüber nach, wie es wäre, wenn das Danach irgendwie anders verlaufen wäre. Wenn ich weniger Kind und dafür mehr Mensch gewesen wäre. 

Ich habe im Versuch, aus Liebe Freundschaft zu machen, vielleicht sogar aufgehört zu leben. Rein geistig. Ich schritt zwar körperlich weiter voran, und wechselte geografisch sogar meinen Wohnort. Aber im Gedanken blieb ich bei dir und hoffte manchmal auf eine mögliche noch aufkeimende Freundschaft, und leider viel zu oft auch noch auf möglicherweise noch nicht erloschene Liebesgefühle. 

Ich weiß nicht, ob ich dir zurecht nachgetrauert habe. Ob meine Stalking-Auswüchse gesunder Natur waren. Ich weiß einfach nur, dass die Zeit mit dir eine wundervolle und – trotz allem – erinnerungswürdige (und wahrscheinlich auch eine exquisit schöne) Zeit war. Ich hätte mit unserer Vergangenheit nicht spielen, mit meinen Gefühlen nicht jonglieren und mit meinen Worten nicht noch weiter Öl ins Feuer gießen sollen.

Ob ich nun für alle sprechen kann, wenn ich sage, dass es nicht möglich ist. Dass man nicht von einen Tag auf den anderen von Liebe auf Freundschaft umswitchen kann. Ich würde es auch gar nicht. Aus Liebe kann Freundschaft werden. Zwar bedeutet es viel (wirkliche) Arbeit und einen schönen Batzen Zeit. Aber es funktioniert. Ich weiß nicht, ob du es denn jemals versucht hast. Aber ich weiß zumindest, dass die wohl größte Schuld hier bei mir liegt.

Ich weiß. Du hasstest meinen Blog, du hasst ihn möglicherweise immer noch, aber du wirst ihn wahrscheinlich nicht mehr lesen. Ich verstehe dich. Warst du doch mehr als ein Jahr lang Vorlage für rund 90 Prozent meiner Texte über Liebe. Selbst ich würde mich im Nachhinein für all dies hassen, wäre ich denn in einem Zustand wie jetzt zu so etwas im Stande.

Mein Leben hat sich verändert. Von einem Moment auf den anderen. Es geschah. Irgendwann Anfang des Jahres. Völlig unscheinbar und anfangs nur spärlich bemerkbar veränderte ich meine Sicht der Dinge. Ich bin viel gesonnener, viel ruhiger. Und ja, erst seit diesem Datum, beinahe zwei Jahre nach unserer Trennung, kann ich mich mit einem Lächeln an unsere Zeit zurückerinnern. Erst seit diesen Tagen bin ich über dich hinweg. Vielleicht freut es dich, das zu hören.

Ich finde es traurig, dass es so lange hat dauern müssen. Dass so viel passsieren musste. Am Liebsten würde ich mich hiermit mit einem Schlag für alles entschuldigen. Aber dazu müsste ich mir selbst erst einmal verzeihen. Ja, hörst du es. Ich bin unfähig, mich selbst zu hassen. Aber ebenso unfähig, mir selbst zu verzeihen. Eine dieser Ungereimtheiten in meinem Leben, die dich damals oft den Kopf schütteln ließen. 

Ob ich denn jetzt noch Interesse an einer Freundschaft habe? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Womöglich, weil es mir auch jetzt gerade so überhaupt nicht in mein Leben passt. 

Seit einigen Monaten (und eben seit diesen ominösen Tagen zu Jahresbeginn) schwebe ich auf einer Welle. Bin mit mir selbst zufrieden, glaube an meine Träume, tauche in Optimismus, und fröhne dem Genuss. Nichts kann mich unterkriegen (selbst einige Selbstversuche zeigten glücklicherweise keine veränderte Wirkung). Man könnte einfach sagen: ich lebe. Womöglich zum ersten Mal seit ungefähr zwei Jahren. 

Es freut mich.  
Und ich hoffe, es geht dir gut.

Heut‘ Nacht. [Ein Gedicht]

Lass‘ mich
Dich spüren
Dich verführen
Jeden Abend.
Heut‘ Nacht.

Lass‘ mich
Atmen, lass mich
Warten
Für immer.
Heut‘ Nacht.

Lass‘ mich
Hoffen, lass mich
Lächeln.
Nur kurz.
Heut‘ Nacht.

Lass‘ mich
Flehen, lass mich
Gehen.
Auf ewig.
Heut‘ Nacht.

Lass‘ uns
Zeit. Für immer.
Für die Ewigkeit.
Lass‘ uns
Stehen. Irgendwo.
In der Unendlichkeit. 

Lass‘ es
Sein
Nur den Schein.
Bewahre.
Heut‘ Nacht.

Bild von whatmegsaid

Liebe brauchen. [Ein Gedanke]

Der Satz „Ich liebe dich.“ wird viel zu inflationär benutzt. Egal ob in kindlicher „Ich hab‘ dich lieb“-Version, oder in ihrer, für viele beinahe wie ein Feiertag gefeierter, Grundform.

Einen wahren Liebesbeweis sehe ich erst in dem Satz „Ich brauche dich.“ Man gibt seine eigene Unzulänglichkeit bekannt, zeigt, dass das Gegenüber zu einem Teil von ihm geworden ist. Dieser Satz nennt die entstandene Abhängigkeit (die zwar niemals gesund, aber doch viel zu oft existent ist). Dass man das Gegenüber braucht, um sich vollwertig zu fühlen. 

[Ein schrecklicher Gedanke, eigentlich. Man sollte sich auch ohne dem Gegenüber vollwertig fühlen. Aber zu das Alleinsein hindert einen oft genug daran.]

[Und sowieso: Ich fühle mich zurzeit pudelwohl. Vollwertig sozusagen. Eine Liebe wäre dann vielleicht nur das Häufchen mehr; die 10 Prozent von 110 Prozent. Oder so.]

Du liebst mich. Ich liebe dich nicht.

Hey.

Ich weiß es. Und ich wusste es schon vor Monaten. Und warum habe ich nichts gesagt, warum habe ich nicht die Initiative ergriffen, um es zu sagen, um es zur Sprache zu bringen? War es meine eigene Feigheit über gerade dieses Thema zu sprechen, welches mich selbst schon viel zu viele Male selbst betroffen hat? Oder ist es einfach die Angst davor, jemand anderen gehörig zu enttäuschen? Man enttäuscht sehr ungerne, aber manchmal geht es einfach nicht anders. Manchmal ist es einfach so und man kann nichts daran ändern. Warum jetzt das Ganze? Ich weiß es nicht.

Es tut mir Leid, dass Liebe weh tun kann. Oder das Verliebtsein. Liebe ist ein zu mächtiges (und auch ein so schönes Wort), als dass man davon überhaupt zu reden beginnen sollte. Aber das tut es. Es tut weh und manchmal glaubt man wirklich, dass einem das Herz zerspringt. In Tausend Teile und ohne Anleitung zum Wieder-Zusammenbauen. Ich wollte nie ein Grund dafür sein, dass jemand das schmerzhafte Verliebtsein erlebt. Aber wie schon gesagt: Manchmal geht es einfach nicht anders.

Ich kann hier jetzt keine Lösung nennen, oder ein Kummerheilrezept. Könnte ich das, wäre ich wohl auch noch zu anderen Wundern im Stande. Aber man muss, so Leid es mir tut, da einfach durch. Durch all die Schmerzen, die gedanklichen Dauerregenfälle, durch tränendurchweichte Gedanken. Das gehört genauso dazu. Leider. Liebe sollte eigentlich schön sein, ich weiß. Ich habe es selbst sogar schon ein Mal erlebt. Jeder sollte das Anrecht auf das Erleben dieser wundervollen Liebe haben.

Aber ich kann dir nicht geben, was du von mir verlangst. Du weißt doch: Zur gegenseitige Liebe braucht man immer zwei. Aber das fehlt bei mir. Kein Knistern, kein Wusch, kein Leuchten in meinen Augen, keine Schmetterlinge. Nichts. So ist es eben. Ich selbst kann daran nichts ändern und eine alte Weisheit aus all meinen misslungenen Verliebtheitserfahrungen lautet: Man kann/darf/soll nichts erzwingen. Vor allem kann man es nicht. Hätte es irgendwann einmal Klick gemacht, oder Wusch oder wie auch immer, du hättest davon erfahren. Aber es fand nicht statt.

Ich selbst habe schon einmal am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn man in jemanden verliebt ist, aber dieser jemand nicht bereit ist, sich voll und ganz der Beziehung hinzugeben. Keine 100 Prozent.Manchmal hat man einfach nicht die Kraft, den Willen oder die Möglichkeit dazu. Wobei es wahrscheinlich vermessen ist, so etwas überhaupt zu verlangen.  Aber man sollte nie eine Beziehung starten, wo man schon zu Beginn das nahe Ende vorhersehen kann. Deshalb kann man eigentlich einfach nur froh sein, dass nichts passiert ist. Die Verletzung danach wäre viel tiefgehender, viel herzausschürfender, viel beschissener. Das wünsche ich niemanden, und ich möchte auch nicht der Grund für so etwas sein.

Wahrscheinlich kann ich mir nur schwer vorstellen, wie es dir jetzt geht. Es tut mir Leid. Für jedes mögliche Anzeichen, das du vielleicht falsch interpretiert hast. Für all deine Erwartungen, die nun unerfüllt bleiben. Für dich. Das hast du nicht verdient und das hat niemand verdient. Es tut mir Leid, dass ich Grund für all die Enttäuschung bin. 

Wie kommen wir über all das hinweg? Gibt es dafür einen Ausweg? Einen Notausgang, der uns noch einmal bei 0 beginnen lässt, als wäre nichts geschehen. Nein, den gibt es nicht. Man kann maximal versuchen, aus all dem noch das Beste rauszuholen. Behalten wir doch unsere – in den letzten Monaten – entstandene Freundschaft bei. Ich genoss es, mit dir bei Kaffee oder Jugendgetränk über die verschiedensten Themen zu sprechen oder im Weltcafé einen ruckelnden Film anzusehen. Tun wir doch einfach so, als wäre nichts geschehen. Zwar kann man Gefühle nicht von einen Moment auf den anderen abschalten. Dazu fehlt eindeutig der Stopp-Taste. Sie werden noch bleiben, soweit ich weiß. Noch einige Zeit. Außer man versucht, sie mit aller Gewalt zu unterdrücken (was aber höchstwahrscheinlich nicht den erhofften Effekt hervorrufen würde). Aber lass‘ es uns doch einfach gemeinsam versuchen, über diese Zeit hinwegzukommen. Vielleicht bist du ja an der Weiterführung der Freundschaft interessiert, und vielleicht verschwinden die Gefühle in absehbarer Zeit auch wieder. 

Was ich aber jetzt brauche, ist vielleicht mal eine Pause. Zu vieles läuft gerade in meinem Leben ab. Ein arbeitsintensives Studium, viele Veranstaltungen, immer auf Achse. Und wie gewöhnlich brauche ich jetzt gerade sehr viel Zeit für mich allein. Gib mir die Zeit, die ich brauche. Und dann verspreche ich dir, dass ich alles daran setzen werde, unsere Freundschaft zu erhalten. 

Ich hoffe, du liest diesen. Brief? Ich hoffe, du verstehst ihn. Ich würde am Liebsten keine weiteren Worte mehr darüber verlieren, bin am Ende angelangt, hab‘ geschrieben, was geschrieben werden musste und fühle mich jetzt nur etwas müde und ausgelaugt. Und um nicht mit den berühmten (und wahrscheinlich schon geflügelten Worten) Das wars. zu enden, überlege ich mir noch schnell, die richtigen Worte zum Schluss.

[…]

Ich wünsche dir, dass du die Person findest, mit der du glücklich wirst. Ehrlich.
Nur ich.

Ich bin es nicht.

Dunkel ist es. [Ein Dialog]

I

Du riechst gut.
Beginnst du eigentlich immer auf diese Art und Weise eine Konversation? Wir kennen uns ja kaum.
Hm. Ist mir nur aufgefallen.
Schön.
Mhm. Schön.
Nach was rieche ich denn?
Weiß nicht. Irgendwie natürlich.
Ich schwitze? Willst du mir das sagen?
Nein. Nein. Ach, nein. Natürlich nicht. Du riechst…-
Natürlich. Ich weiß. Und sonst?
Sonst?
Mhm. Sonst?
Nichts. Du riechst nur außergewöhnlich gut.
Schön. 

II

Wieso so griesgrämig?
Ich? Griesgrämig. Ist das nicht alles nur eine subjektive Meinung von dir?
Ach? Und du fühlst dich also wohl, oder wie?
Mhm.
Und nicht vielleicht irgendwie…-
Griesgrämig?
Mhm.
Hm. Nei..- Naja. Vielleicht.
Und wieso?
Wieso was?
Wieso so griesgrämig?
Ach. Du würdest dich ja doch nicht auskennen.
Schön.
Was?
Das Lächeln eben, als ich statt Schade nur Schön vorweisen konnte. 
Hab ich etwa gelächelt?
Mhm.
Tut mir Leid.
Da! Schon wieder! Hast du es wenigstens jetzt mitbekommen?
Hm.

III

Ach, es ist schon dunkel.
Wie?
Dunkel ist es.
Mhm.
Hm. 

IV

Ist dir kalt?
Warum?
Du zitterst.
Wirklich? Das habe ich bei all dem Zähneklappern beinahe übersehen.
Schon wieder. Komm.
Wohin?
Nirgendwo hin. Komm. Nimm meine Jacke.
Und du?
Wie?
Erfrierst du denn nicht?
Ach wo. Kalt ist es zwar schon, aber…-
Aber?
Aber ich hasse es, wenn Menschen in meiner Umgebung frieren. Komm!
Wohin?
…-
Ha. Jetzt hast du gelächelt. Für mich. Na, gib‘ sie schon her!
Was?
Die Jacke. Die Jacke möchte ich bitte.

V

Ich friere noch immer.
Wir kennen uns kaum.
Ich weiß. Aber …-
Aber was?
Aber hindert es uns an irgendetwas?
Woran sollte es uns hindern?
Ich weiß nicht.
Na, komm schon her.
Aber eigentlich sollte ich ja dich unter meiner … äh, deiner Jacke aufwärmen. 
Egal. Komm her. Wenn wir ganz nah nebeneinander gehen, dann wärmen wir uns gegenseitig.
Stimmt.
Stimmt.
Weißt du eigentlich…-
Mhm. 
Deine Hand ist warm.
Und du riechst gut.
Als würden wir uns schon ewig kennen.
Und uns nicht verlieren. In Träumen.
Von uns?
Mhm. Von uns beiden. 
Schade.
Wie?
Es wär‘ schade drum.  Würden wir uns schon ewig kennen.
So ohne Träume, wie?
Mhm. Das…- Das wär schrecklich. 
Drum..- Drum lass uns uns nie kennenlernen. 

Im Müllsack. [Ein Abschiedsbrief]

Und dann.

Ich muss zugeben, ich musste erst unter all dem Müll suchen, bis ich den dafür vorgesehenen Sack fand. Schon vor Wochen hatte ich ihn mir bereitgelegt, um endlich ein bisschen auszumisten. Oder besser gesagt: Um den Boden wieder begehbar zu machen. Aber die Motivationskrise, wahrscheinlich resultierend aus dem stupid-einfärbigen Anblick des verschneiten Winters und dem Zustand der Weltwirtschaft an sich, ließ ihn beinahe schon mit dem eigenen Verfallsprozess beginnen. Aber heute habe ich ihn gefunden, herausgekramt und fühle mich nun dazu im Stande, mit diesem Chaos Schluss zu machen. Vor allem, um auch den immer stärker werdenden Geruch zu bekämpfen.

Ich will jetzt nicht wie dieser Typ klingen, der mit 30 Jahren, in Jogging-Hose, Brille und zerwuschelten Kurzhaar zuhause wohnt, [wobei Brille und zerwuscheltes Haar eindeutig hinkommen würden], aber meine Mutti sagt immer, das Aufräumen hier in meinem Zimmer ist der erste Schritt, um den Chaos in meinem Leben entgültig zu bekämpfen. Meine Mutti glaubt nämlich, mein Leben sei chaotisch. Nur weil ich eben nicht dieser Typ bin, der mit dem Terminkalender in der Hosentasche durch das Leben rennt, auf der Suche nach Terminen, die meinen Alltag beeinflussen. Und ich bin eben auch nicht der Typ, der ’ne Stunde vorher losfährt, um ja überpünktlichst eben einen solchen Termin einzuhalten. Bei mir muss man immer die geplante Ankunftszeit plus der durchschnittlichen Fahrzeit einplanen. Und dass ich nicht der Typ bin, der sich schnell entscheidet und sich an Stimmungsschwankungen manchmal fast zu sehr verschluckt, haben wohl auch schon so einige erkannt. Aber ich würde nicht sagen, dass mein Leben chaotisch ist. Und dass mein Zimmer, diese (geräumigen, aber unglaublich schlecht genutzten) dreißig Quadratmeter, irgendetwas mit meinem innersten Ich zu tun haben, habe ich meiner Mutter sowieso schon mal nicht abgenommen.

Nach einigem Stöbern finde ich ihn wieder. Diesen einen Pullover, im Übrigen mein Lieblingspullover. Stimmt. Ich hatte ihn nach diesem einen Mal in diesem verrauchten Lokal spät nachts einfach ausgezogen und habe ihn auf den Boden geworfen. Der Rest hier im Zimmer war wohl schon zu voll mit all der Schmutzwäsche. Und so krame ich ihn heraus und erfreue mich auf absolut kindliche Weise über diese wohlwollende Entdeckung zu Beginn meiner Expedition. Und während ich all die Wäsche schnell in meine ausgebreiteten Arme stopfe, und sie hinübertrage in die Waschküche (zwischen ihr und mir liegen tatsächlich nur wenige Meter und zwei Türen), erkenne ich zum ersten Mal seit Langem diesen einen tollen Teppich wieder. Er, mit seinem rot-schwarz-gekringelten Etwas, welches ihn auf irgendeine Art und Weise wundervoll psychedelisch wirken lässt. Und mit einer umgreifenden Armbewegung schiebe ich all den Mist auf diesem Boden (neben Zeitschriften, und verschiedenen Discs auch mal das ein oder andere Teller und Besteck) immer weiter vom Teppich weg. Das würde es also sein. Meine ersten Quadratmeter dieser neuen Welt. Und wie auch schon bei der Entdeckung des Pullovers, fühlte ich mich jetzt wie Kolumbus 1492, als er Indien zu entdecken glaubte. 

Um mein Land zu verteidigen, lasse ich mich auf meinem Teppich nieder, den Müllsack nur knapp neben mir platziert. Und beginne, all den Kram am verschobenen Boden zu Sortieren. Neben dem einen Stoß namens „Vielleicht noch nützlich“ befindet sich auch noch ein „Du Vollidiot. Das sind Akten!“-Stoß. Und eben der Müllsack. Der das entgültige Ende bedeuten solle. Und so greife ich jeden einzelnen Zettel auf, beginne manchmal zu lesen, blättere in Zeitschriften und bohre auch mal aus purer Laszivität in meiner Nase. Die Zeit hier auf meiner rot-schwarz-gekringelten Insel scheint stillzustehen. Und von Fortschritt kann man deshalb auch nichts sehen. Denn irgendwann verliert der Sack immer mehr seine Daseinsberechtigung und man sieht in jedem Müll-Utensil irgendeine Bedeutung für die nähere Zukunft. Und schließlich packe ich all das zusammen und schiebe es in ein freies Fach in diesem einen riesigen Raumteiler vom schwedischen Möbelhaus. 

Mein Raumteiler ist ja eine Besonderheit. Denn leider kann er seine Profession nicht direkt ausleben, da er aufgrund komplett falscher Architektur meines im Gedanken aufgebauten Zimmers nicht wirklich Platz hat, um den Raum zu teilen. Und so nimmt er einen beträchtlichen Teil der länglichen Teilseite ein. Und je nach Motivation sieht man die Wichtigkeit der Dinge. Auf nichts in den ersten drei Reihen würde ich verzichten wollen. Und die Reihen vier bis fünf sind meine Fächer für den Müll. Wenn eben der erste Enthusiasmus nachgelassen hat. Durch das Ausnützen aller bisher ungenützten Stauräume in meinem Zimmer wird der Boden immer leerer. Das Parkett wirkt matt, und die durch Fingerabdrücke verschmutzten Fenster lassen natürlich nicht das richtige Licht herein. Irgendwann beginne ich, mit einem Mop zu wischen, und anschließend den restlichen Staub zu saugen. 

Das wars. Eigentlich. Doch es ist immer so. Nachdem ich die für andere völlig unverständliche Unordnung am Boden meines Zimmers in Ordnung gebracht habe, nehme ich mir stets meine Bücher, CDs, Filme und Spiele vor, um sie in ihrer Ordnung (natürlich auch für alle vollkommen unverständlich) neu zu ordnen. Dafür nehme ich mir meistens die längste Zeit. Um den Soundtrack meiner letzten Jahre zu betrachten. Die Bücher, die mich verfolgten, oder zum Teil auch immer noch begleiten (auf so manche Zugreise oder auf die Toilette). Und daneben auch noch Bilder. Von meinem Neffen. Meiner besten Freundin. Für diese Arbeit brauche ich keinen Müllsack. Das sind Bestandteile meiner letzten 20 Jahre. Dinge, die wohl auch noch länger hier so bleiben sollen. Und hinter diesem einen Buch sehe ich auch diese Schneekugel. 

Ich nehme sie in die Hand. Und was mich beunruhigt: Ich werde immer noch ganz still, wenn ich sie in der Hand halte und schüttle. Die Flocken steigen auf und gleiten anschließend langsam wieder zu Boden. Und dahinter sind wir zu sehen. Sie, mit ihren wundervollen Augen und ich mit meinen langen , blonden Haaren. Seit eineinhalb Jahren steht sie schon hier in diesem Zimmer. Ich habe sie am Tag unserer Trennung bekommen, und verspüre selbst jetzt noch ein mulmiges Gefühl, wenn ich daran denke. Wo ist der Müllsack? Oder meine Box der Erinnerungen? Soll ich sie wegwerfen, oder in eine Schachtel verschwinden lassen. Und nachdem der Schnee wieder nach unten gesunken ist, stelle ich sie wieder auf ihren Platz zurück. Und schlucke erst Mal.

Das hier soll ein Abschied sein. Aber kann man sich von Erinnerungen verabschieden? Kann man Geschenke einer liebgewonnenen Person überhaupt wegwerfen? Es soll ein Abschied sein. Und ich bin nicht bereit, es endgültig zu tun. Ich möchte mich nicht von meinem Chaos verabschieden, der eine Charaktereigenschaft von mir geworden ist. Und ich weiß auch, dass in wenigen Tagen oder Wochen mein Zimmer wieder den beinahen Mülltod sterben würde. Außer Gefühle war bei mir noch nie etwas von Dauer. Sollte ich es beklagen? Was ich für diese Person empfinde, die mit mir in dieser Schneekugel die Flocken fängt? Ich empfinde wundervolle Erinnerungen. Diese Schneekugel ist ein Teil aus der Vergangenheit, welches mich hier und auch in Zukunft begleiten soll. Als Erinnerung. 

Das hier … ist ein Abschiedsbrief.

Finished: 23:10 Uhr, 31. Jänner 2009