In meine Dunkelheit.

AttributionNoncommercialNo Derivative Works Some rights reserved by Sitoo

In dieser Nacht
Wir stehen hier.
Atmen die Kälte
Vergessen den Weg.

Spielen Verstecken
In dieser Nacht.
Lieben das Schwarz
Ohne zu leben.

Tanzen alleine
Tauchen hinein.
In dieser Nacht
In diesen Regen.

Liegen in Armen
Weinen in Strömen
Lachen im Wahn
In dieser Nacht.

Sind angekommen
Es ist nicht mehr weit
Kommen nie wieder
Gehen zurück.

In meine Dunkelheit.

Und am Ende der Straße ist die Dunkelheit.

Richtung Nirgendwo. 29122010

Und am Ende der Straße ist die Dunkelheit. Das Nichts, das einen jeden Moment zu verschlingen droht. Ein Abgrund, der zu fallen es nicht wert ist. Eine Hürde, die zu überwinden viel zu groß ist. Langsam tastet sich das Licht voran, kommt nicht weit, fällt zurück. Es ist ein Nichts aus Schwarz und Stille und der Ungewissheit, die einen plagt. Und der Neugier, die sich immer mal wieder aufbäumt, bevor so vom Nirgendwo überrollt wird.

Und diese Fußspuren, denen wir folgen, ohne zu wissen, wem sie gehören und wohin er ging. Wir tapsen uns voran, ganz vorsichtig, blicken uns um. Irgendwo beginnt es zu rascheln, wir fuchteln mit den Taschenlampen bis wir in der Ferne zwei Augen entdecken, bleiben stehen. „Nur ein Reh.“ Du ziehst mich weiter, es ist kalt hier, und deine Hand zeigt mir deine Angst.

Und beinahe kommt es uns so vor, als würde es immer noch dunkler werden, und das Schwarz sich verdichten, zu einer undurchdringbaren Wand. Unsere Taschenlampen versuchen gemeinsam, irgendetwas sichtbar zu machen, aber selbst unsere Augen können schon kaum mehr viel erkennen. Ich halte dich fest, dich zurück und bleibe stehen. „Lass … lass uns umkehren, okay?“ Und du drehst dich zu mir, umarmst mich, drückst mir einen Kuss auf die Wange. Unsere Taschenlampen fallen zu Boden, wir lachen. Doch als wir sie wieder vom Boden aufgehoben haben, ist es plötzlich weg. Das letzte Fünkchen Orientierung. Nur mehr Schwarz, keine Spuren mehr. „Und wohin nun?“ Ich weiß es nicht. Aber ich will doch nur weg, weg aus diesem furchtbaren Fleck Erde, weg von diesem nervenaufreibenden Gefühl, das mich begleitet. Einfach nur weg.

So finster die Nacht. [23]

Dunkel der Nacht. 20122010

Menschen waren mir schon immer suspekt, denke ich mir und während ich etwas verzweifelt umherblicke, erkenne ich dein Gesicht in dieser Menge. Du winkst mir zu, und ich stolpere dir entgegen, remple den einen und die andere an, nur um so schnell wie möglich bei dir zu sein. Du nippst an deinem Strohhalm, nimmst einen tiefen Schluck deines alkoholhältigen Getränks und fällst mir um die Schulter. Es ist schön dich zu sehen, und schön langsam erhellt sich auch meine Stimmung etwas, doch du stellst das Getränk zur Seite und ziehst mich langsam aus der Menge wieder hinaus.

„Wir müssen hier weg.“, meinst du und packst meine Hand und wir beide verlassen den Platz so schnell, wie ich gerade gekommen bin. Verlassen die gewohnten Wege und wagen uns hinaus, in das Dunkel der Nacht. Spüren die Kälte des Windes, und orientieren uns an den Straßenlaternen, die die letzten sein würden, die uns für diesen einen Abend Licht schenken werden. Deine Hand ist warm, und meine zittert etwas, weil ich nicht weiß wohin und vor allem warum. Doch du willst es mir nicht sagen, aber deine Augen, die zuvor noch so wunderbar leuchteten, schimmern jetzt im Lichte der Laternen. Du weinst und ich habe keine Zeit und wohl auch keine Ahnung, wie ich dir helfen kann. Folge dir blind, nur um dir in diesem Moment so nahe wie möglich zu sein.

Wir biegen in eine unbekannte Straße ab, das Dunkel der Nacht hüllt uns endgültig ein und wir stolpern und wanken ganz hektisch und langsam durch unser neues Terrain. Deine Hand klammert sich an die meine und ich spüre dieses Unbehagen, deine Angst und am Liebsten würde ich dich an mich drücken, würde dir den Halt geben, denn du gerade so sehr brauchen könntest, doch ich kann nicht. Nichts ist wie es war, und die Stille, nur das Atmen unserer beiden Lungen, und ein paar quietschende Reifen in der Ferne tanzen fröhlich um uns herum. Was ist denn los, möchte ich fragen, doch bleibt mir keine Zeit dazu. Den kleinen Hügel ziehst du mich hoch und ungewohnten Schrittes folge ich dir hinauf bis du dich schließlich niederlässt. Dich setzt und mir den Platz neben dir anbietest. Es ist schön hier.

Und im Dunkel der Nacht legst du deinen Kopf auf meine Schulter und beginnst bitterlich zu weinen und ich lege meine Hand um dich und will gar nicht wissen, was geschehen ist. Will dich nicht belasten, dich durchlöchern, mit Fragen, die niemand hören will und mit Antworten, die niemand auszusprechen bereit ist. Will nicht mit Floskeln werfen wie „Das wird schon wieder“, oder „Ist schon gut.“. Und du schluchzt und ich zittere, und gemeinsam blicken wir hinaus in den Horizont, verdunkelt und doch hell erleuchtet. Und schweigen uns an, als wäre alles schon gesagt.

Ganz sanft schläfst du, liegst hier, neben mir. [14]

Hauptbahnhof. 07122010

Ganz sanft schläfst du, liegst hier, neben mir. Ich kann nicht schlafen, so sehr ich es auch versuche. Kann nicht aufhören nachzudenken, und fühle die Wärme deines Bauches, und wie er sich hebt und senkt, wenn du atmest. Keinen Zentimeter gibt es zwischen uns und diese Stille hier wird nur selten durchbrochen von vorbeifahrenden Zügen und quietschenden Reifen zu schnell gefahrener Autos. Kann nicht einschlafen und liege hier neben dir, ganz nah.

Ich habe nicht geglaubt, dass das passiert, nicht erwartet, dass wir uns an diesem Abend so wunderbar verstehen würden und du irgendwann einmal, etwas betrunken, deinen Kopf auf meine Schulter gelegt hast. Und wir haben geredet, hatten Spaß, fühlten uns frei alles zu tun, was in unserer Macht stand. Stießen an auf ich weiß nicht was, und waren inmitten von Menschen, die uns im Laufe der vergangenen paar Monate und Jahre so wichtig geworden waren.

Und dann dein zärtliches Hauchen, die Bitte, doch bei mir schlafen zu können. Als ich verzweifelt den Haustürschlüssel suchte, kaum ins Schloss fand, und wir irgendwann einmal im Bett lagen. Und unsere Blicke auf die Decke gerichtet, noch so wundervolle Gespräche ermöglichten. Und uns immer wieder mal ansehen, fast neckisch, so neugierig. Und wie du dann, meine Hand um deine Taille liegend, schließlich eingeschlafen bist.

Ich kann nicht schlafen, so sehr ich es auch versuche. Möchte diesen Moment noch viel genauer spüren, möchte Herr über dieses Gefühl sein, möchte jede einzelne Portion dieser Minuten auskosten. Möchte nie wieder weg hier, möchte liegen bleiben, für immer. Da, für einen kurzen Moment wachst du auf, und deine Hand wandert ganz langsam zu der meinen, legt sich darauf, bis du schließlich wieder einschläfst.

Der Morgen beginnt schon sich weiter auszubreiten, und ich, etwas zitternd, liege hier neben dir und warte. Warte, dass ich endlich einschlafen kann oder warte, dass du wieder aufwachst. Es ist ein außergewöhnliches Gefühl, hier, neben dir, neben diesem zarten Wesen zu liegen und zu wissen, dass da irgendetwas ist, was uns verbindet. Lege meinen Kopf an deinen Nacken, atme ein und atme aus. Genau so soll es sein, für immer. Wir beide, hier.

Hinein ins Ungewisse, in die Stille der Nacht, in das schwarze Nichts. [13]

Wohin? 12122010

Als du zum ersten Mal diesen Raum betrittst, ist es plötzlich still. Nur kurz, nicht merklich. Deine Haare fallen dir etwas ungestüm ins Gesicht und deine Augen kreisen umher, auf der hilflosen Suche nach bekannten Gesichtern. Du siehst etwas verloren aus, als du dir einen Becher schnappst und ihn mit Bowle befüllstt. Sekundenlang hältst du dir den Becher an die Lippen, die Augen schweifen durch den Raum. Und für den kurzen Moment haben sich auch unsere Blicke getroffen und ein kleines Lächeln ist über meine Lippen gehuscht. Deine Augen. Die so viele Geschichten zu erzählen wissen, welche ich erst später erfahre.

Schon jetzt möchte ich aufspringen, von dieser Couch, zu dir hingehen und uns beide in wilden, hemmungslosen Smalltalk stürzen. Aber natürlich bin ich zu feige. Du machst dich auf den Weg, zwischen an all den Partygästen, wanderst du durch den Raum. Kommst an denen vorbei, die mal wieder etwas zu viel von allem erwischt haben, vorbei am Kuchen, den einer der Gäste dem Einladenden mitbrachte. Und irgendwann kommst du auch in meine Nähe. Du blickst mich wieder an, (du hast wunderschöne Augen) und fragst: „Ist hier noch frei?“ Ich nicke.

„Ich…, ich bin neu hier.“, stolpern die ersten Worte aus dir heraus. „Und in Wahrheit kenne ich ihn ja gar nicht. Er hat mich nur einmal angesprochen, während einer Vorlesung, die wir gemeinsam belegen.“ Ich grinse. „Und du? Kennst du ihn besser?“ – „Nicht wirklich. Ich bin wohl so etwas wie der Freund eines Freundes von ihm.“ Du lächelst. Zwei Menschen, gemeinsam auf einer Party voll unbekannter Menschen.

„Und wie gefällt es dir bisher?“
– „Es ist-…“
„Gewöhnungsbedürftig?“
– „Mhm.“
„Das ist ganz normal. Ich hatte auch große Träume und musste dann erst Mal mit der Realität hier zurecht kommen.“

Deine Lippen schon wieder am Becher abgelegt, mit deinen Augen meinen Worten folgend, hoffst du auf eine Fortsetzung.

„Aber das legt sich. Das dauert nicht so lange.“

Ich lüge dich an, und hoffe, dass es zumindest für diesen Moment nicht auffliegt. Immer mehr Leute kommen auf diese Party, und als das Geburtstagskind den Raum betritt, hat irgendjemand die Kerzen auf dem Kuchen angezündet, die Meute beginnt zu singen. Während all das passiert, sind wir beide schon längst woanders.

Sitzen am Balkon, teilen uns eine Zigarette und blicken gen Himmel. Erzählen uns von unseren Erlebnissen und unseren Träumen, von Freude und Leid, von unserer Vergangenheit und unserer Zukunft. Völlig unkompliziert fallen wir von einem Gesprächsthema ins nächste. Ich liebe es, deiner Stimme zuzuhören, so sanft und einfühlsam. „Ich muss dir meine liebsten Plätze hier zeigen.“ Du nickst. „Ich bin mir sicher, die werden dir gefallen.“

Und während drinnen die Party brav weitergeht, wir unsere Becher auf einem der vielen Tische abgestellt haben und uns noch eine Flasche Wein stibitzt haben, schleichen wir uns raus aus dem Haus. Ziehen uns Jacke und Schuhe erst draußen an, lachen und fallen fast, als wir versuchen, so still wie möglich abzuhauen. Und gehen los. Hinein ins Ungewisse, in die Stille der Nacht, in das schwarze Nichts.

Du hast mich verstanden, als ich vor deiner Tür stand, etwas zitternd und mit der Bitte auf den Lippen, einfach nur mal abzuhauen.

Langsam treiben wir auf dem See entlang, etwas hilflos versuche ich, unser Boot zu rudern. Du hast mich verstanden, als ich vor deiner Tür stand, etwas zitternd und mit der Bitte auf den Lippen, einfach nur mal abzuhauen. Du hast das Nötigste eingepackt, und dann sind wir losgefahren. Fremde Straßen, unbekannte Autobahnen, überraschende Abfahrten. Und irgendwo ein See.

Da war es plötzlich, dieses nicht ganz sicher aussehende Boot. Uns war es egal, wir haben ganz wenig gesprochen, seit ich dich abgeholt habe. Du steigst ein, das Boot wackelt und ich folge dir, schnapp mir die Ruder und jetzt sind wir hier. Irgendwie auf einem See, irgendwohin unterwegs. Es ist warm hier draußen.


via  theartistbloo (Flickr)

„Da!“
– „Hm?“
„Da, schau mal. Das ist … eine Insel, glaub ich.“

Du hast Recht und ich bin richtig erstaunt, wie gut du in dieser Dunkelheit die Umgebung untersucht hast. Ich rudere auf das ‚Land in Sicht‘ zu. Es ist gut, dass du da bist.

Als wir die Insel, die so völlig überraschend hier in diesem See auftauchte, erreichen, ziehe ich noch schnell das Boot an Land. Wir wollen nicht stranden, wollen nicht von heute an hier gefangen sein, ohne einer Ahnung, wann hier der nächste Flüchtling vorbeikommt. Ja, ich bin geflohen, weil mich, trotz allem, irgendwie alles zu erdrücken droht.

Wir setzen uns in der Nähe des Ufers hin, und ich – furchtbar aufgewühlt und vollkommen irritiert – lege meinen Kopf in deinen Schoß. Langsam streichst du mir zärtlich durch meine Haare, kraulst mir das Gesicht. Immer noch haben wir kaum etwas gesagt.

„Ich dachte nicht, dass es so kommen würde.“
– „Hm?“
„Ach, ich weiß nicht. Es … es wird mir gerade einfach irgendwie zu viel. Ich lade mir zu viel auf, obwohl ich selbst weiß, dass ich nicht dazu im Stande bin, es zu schaffen. Und nein, das ist keine chronische Selbstunterschätzung sondern meine Erfahrung  aus meiner eigenen Erwartungshaltung. Ich enttäusche mich nur zu gerne selbst.“
– „Mhm.“
„Ich muss endlich mal wieder versuchen, das kleine bisschen Chaos zu beseitigen. Ich verliere den Überblick. Aber weißt du was?“
– „Hm?“
„Ich dachte nicht, dass es so weit kommen würde. Da lerne ich mich plötzlich von einer ganz neuen Seite kennen, stolpere von neuen Erfahrungen in wunderbare Erkenntnisse. Es wäre eigentlich gerade wieder das Up nach Jahren der Downs, weißt du? Und jetzt das.“

Die Sterne stolzieren am Himmelszelt entlang und manchmal treffen Wellen auf diese Insel ein.

„Aber weißt du, auch wenn es dir gerade nicht gut geht. Ich spür‘ das. Ich hab‘ mir das schon bei dem Telefonat heut‘ Nachmittag gedacht. Auch wenn es dir gerade scheiße geht. Ich kenne dich ja nun doch schon ein bisschen. Du schaffst das.“
– „Glaubst du wirklich?“
„Mhm. Du schaffst das. Du hast diese Ausdauer, die so vielen Leuten fehlt. Und ich glaub‘ auch nicht, dass es jetzt wieder bergab geht. Solche Tage hat doch jeder einmal. Auch wenn das Drumherum eigentlich perfekt ist, plötzlich fühlt man sich wieder so hilflos, wie ein Kleinkind, dass durch und durch auf die Bezugspersonen angewiesen ist.“

Ich sehe dich an. Als du diese Sätze sagtest, hast du deinen Blick auf die Weite des Sees gerichtet. Jetzt senkst du dein Gesicht zu mir, lächelst mich an, streichst mir weiter durchs Haar. Küsst mich und gibst  mir so einen kleinen Teil meiner Zuversicht zurück, die mir auf dem Weg durch die vergangenen Tage wohl verloren ging.

Es wird schon irgendwie, da bin ich mir sicher. Du lässt dich zurückfallen, gibst mir deine Hand, und gemeinsam betrachten wir noch eine Zeit lang die hellen Punkte über uns. Ich robbe zu dir rüber, ganz nah an dich ran. Und küsse dir ein Danke auf deine Schulter. Für alles.

Welcome Home.

„Uns fehlt der nötige Weitblick“, sagst du, und stellst dich vor mir hin und versuchst mit zusammengekniffen Augen voller Mut in die Dunkelheit dieser Nacht zu blicken. Es ist irgendwas nach Mitternacht und irgendetwas verdammt knapp vor Sonnenaufgang. Die Feuchtigkeit der Luft befeuchtet immer wieder unsere Lippen und schön langsam geht auch die Kälte aus unseren Gliedern und unserer Kleidung hinaus. „Welcher Weitblick?“, frage ich und wir setzen uns.

Wir brauchen keinen Weitblick, denk ich mir und streiche langsam über das nachtnasse Gras und robbe mich etwas von der Decke herab, die hartnäckig versucht, uns halbwegs trocken zu halten. Wir brauchen keinen Weitblick, weil wir doch nur jetzt sind. Wir sind hier und jetzt und verdammt. Ich denke meist nur die nächsten paar Tage weiter, habe nur einen groben Plan von der kommenden Woche. Aber du siehst mich an.

Siehst mich an und ich weiß, was du denkst. Es ist schwer mit mir zu leben, bin ich doch unzuverlässig wie kaum jemand anderer, und. Ja, es ist schwer mit mir zu leben.  Mit mir beisammen zu sein und sich ausgiebig mit mir zu beschäftigen. Dein Kopf ruht auf meiner Brust und du spürst wie ich atme. Ein. Aus. „Wir brauchen keinen Weitblick.“, sage ich schließlich. Die ersten Strahlen der frühen Morgensonne kommen heraus und du blickst mich an. Küsst mich und ich möchte dich einfach nur wegstoßen.

Weil du mir Angst machst und ich leider auch zur Genüge weiß, wie ich bin. So etwas wie das hier, mit dir. Dieses wir. Es lässt mich all die Unzuverlässigkeit verlieren und plötzlich würde mein Leben sogar wieder so etwas wie Rhythmus erlangen. Und ich wäre wie verändert, so mancher würde mich kaum wiedererkennen. Und dann wäre es eines Tages vorbei und ich würde wieder da stehen. Vollkommen alleine. Unter Freunden. Und würde durch den ungewohnt fehlenden Rhythmus stolpern und einfach nur hoffen, dass alles wieder vorbeigeht und ich vielleicht auch von selbst wieder zurückfinde.

Und aus Erfahrung weiß ich, dass ich es nicht kann. Dass ich nach solchen Enden, ob überraschend oder vorhersehbar, einfach nur peinlich bin. Wie ein kleines Kind, wie jemand, der mit Verlusten nicht umgehen kann. Und ja. Ich kann es nicht. Auch heute nicht, und auch nicht jetzt.

Deswegen lass‘ uns doch bitte hierbleiben. Hier, in diesem Moment. Folge mir hinein in meine Kurzsichtigkeit. So brauchen wir nie Angst zu haben, dass die Liebe irgendwann einmal vorbeigeht. Wir würden uns nie von der Angst treiben lassen und hätten die Freiheit uns zu lieben. Uns zu lieben, im Hier. Verstehst du was ich meine?

Die Sonne ist aufgegangen und du küsst mich immer noch. Ich halte es kaum aus, liebe die Nähe und spüre die Angst. Muss jetzt gehen, um nicht mich selbst zu verlieren. Verabschiede mich vorsichtig und setze zum Rückzug an. Ich will nicht mit dir gemeinsam nach Hause gehen, jetzt, so früh am Morgen. Ich möchte jetzt gerne alleine sein. Irgendwo in der Ferne geht eine Alarmanlage eines Autos los.

Und ich versuche, mich nicht umzudrehen und lasse dich einfach sitzen. Auf dieser Decke, in dieser Wiese. So früh am Morgen und irgendwann hört schließlich auch die Alarmanlage auf. Welcome home.

 


Like This!

Foto: enixii

Du zitterst.

Zigarette

Als sich die Nacht um uns verdichtet, deuten nur mehr die glühenden Spitzen unserer Zigaretten unseren Standort an. Jedes Mal, wenn du an ihr ziehst, kann ich dein Gesicht betrachten, nur für einen kurzen Moment. Du zitterst.

Ich würde mich ganz nah zu dir stellen. Würde dich umarmen, mit meinen Armen an deinem Rücken dir Wärme schenken, würde dir durch unsere Umschlungenheit all meine übermäßige Wärme abgeben. Nur damit du endlich zu zittern aufhörst. Und du könntest dich an mich kuscheln, könntest mir mit deinen Händen durch meine Haare streichen. Und mir deine Gedanken, all deine Gedanken ins Ohr flüstern.

Mein nächster Zug erhellt nun mein eigenes Gesicht. Du siehst mich an. Deiner sonst überschwänglichenFröhlichkeit sind Angst, Stille und Dunkelheit nachgefolgt. Nicht einmal deine Hand kann ich halten.

Wir sind uns noch viel zu fern. Obwohl ich mich dir so oft so nahe fühle.

Heut‘ Nacht. [Ein Gedicht]

Lass‘ mich
Dich spüren
Dich verführen
Jeden Abend.
Heut‘ Nacht.

Lass‘ mich
Atmen, lass mich
Warten
Für immer.
Heut‘ Nacht.

Lass‘ mich
Hoffen, lass mich
Lächeln.
Nur kurz.
Heut‘ Nacht.

Lass‘ mich
Flehen, lass mich
Gehen.
Auf ewig.
Heut‘ Nacht.

Lass‘ uns
Zeit. Für immer.
Für die Ewigkeit.
Lass‘ uns
Stehen. Irgendwo.
In der Unendlichkeit. 

Lass‘ es
Sein
Nur den Schein.
Bewahre.
Heut‘ Nacht.

Bild von whatmegsaid