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„Und, was ist so passiert bei dir?“

Sie fragt mich, nachdem wir uns jetzt wohl genau ein Jahr nicht mehr gesehen haben. Ich lächle. 

„Willst du eine Kurzfassung oder die ganze Geschichte?“

Diesen dummen Klischeefilmsatz hasse ich und deswegen habe ich ihn hier auch benutzt. Ich kenne die Antwort ja schon. Bevor ich mit meiner Geschichte beginne, suche ich mir noch einen gemütlichen Platz für meinen Kopf in ihrem Schoß. Und kaue an diesem saftig grünen Grashalm herum.

„Eigentlich ist es ja nichts. Nicht wirklich. Eigentlich war das letzte Jahr nur das „Danach“ worauf ich so lange Zeit wartete und hoffte.“
– „Und?“
„Ich wurde enttäuscht. Derbstens enttäuscht.“

Sie streicht mir durchs Haar und sieht mir dabei in die Augen. Als würden ihre Augen in ein tiefes schwarzes Loch fallen, verlieren sie sich in den meinen.

„Wien war nicht das, was ich erwartete. Wien war Neubeginn. Und für das war ich einfach noch nicht bereit. Und ich bin es selbst jetzt noch nicht. Ich mache mir einfach nur eine schöne Zeit daraus.“
– „Wien ist … anders.“
„Mhm. Und mal sehen, wie es in St. Pölten sein wird. Dahin möchte ich nämlich nächstes Jahr ziehen.“
– „Ein neues ‚Danach‘, oder wie?“
„Mhm. Nur eben irgendwie anders.“

Ihr Hand berührt sanft meinen Hals. Die Nackenhaare bäumen sich auf.

„Aber. Wie soll ich es sagen. Es … es geht mir gut!“
– „Ah. Das ist schön.“
„Ja. Es … es kam über Nacht.“
– „Das ‚Gutgehen‘?“
„Mhm. Ich kann mich zumindest an keinen Auslöser erinnern. Es geschah.“

Und es fühlt sich gut an. Verdammt gut. Sie hat immer noch diese schönen Augen.

„Und … das heißt: Ich bin scheinbar wirklich über meine Exfreundin hinweg gekommen. Und ich habe einen Weg gefunden, mit dem Tod meines Neffen umzugehen. Ich bin gerade der größte Optimist, der geborene Selbstüberschätzer, der Träumer, der Held von morgen. Und heute. Und gestern.“

Als sie blinzelt, erkenne ich, dass sie sich für mich freut.

Foto von sophiea

Das Lächeln am Ende.

Als er das Gespräch mit einem Lächeln beendete, vermutete sie nur Gutes in seiner Aussage. Aber sie hatte aufgehört, ihm aufmerksam zuzuhören, als er immer mehr vom eigentlich interessanten Thema abwich. Oder schien es ihr nur so. Sie konnte zumindest all das, was er ihr gerade offenbarte, nicht wirklich verarbeiten. Er sprach von Ende, und von der Unmöglichkeit des Wirs. Nach all diesen Jahren. Als hätte es die Vergangenheit nie gegeben. Doch er hatte es sich lange überlegt, tage-, nein: wochenlang schon plagte ihn all das durch den Tag. Ließ ihn nicht schlafen, nicht ruhen, nicht reden. Nur mit ganz wenigen Menschen sprach er darüber und doch war all das hier nur das Resultat einer spontanen Entscheidung.

Sein Lächeln schien nur gekünstelt. Sollte er jetzt weinen. So offen vor ihr. Sollte er schreien, sollte er wutentbrannt mit der Faust gegen die Wand schlagen. Nein. Er beendete das Gespräch mit einem Lächeln und wandte sich schnell von ihr ab. Das war es also nun. Viel zu schnell ist all das nichts mehr. Es überrascht sie. Sie hatte damit gerechnet und sie verstand ihn auch, und doch kam all das so unerwartet, wie der Wetterumbruch am anderen Ende der Welt. Sie schien gerade so unwirklich, so zeitlupenartig. Sie blieb emotionslos und gerade das machte ihn innerlich noch leerer. Verspürte sie denn gar nichts. Steht sie jetzt hier, am Ende des Regenbogens und fühlt einfach nichts?

Sie würde wohl noch Tage gebrauchen, oder Wochen, bis sie all das wirklich zu realisieren beginnen könne. Sie hatte andere Sorgen und gerade das machte sie gerade eben irgendwie kaputt. Das war es also und es fühlte sich an, als wäre es schon wochenlang so gewesen. Als wäre das nur der Punkt vor einem wochenlangen Satz. Als wäre das der Abschluss des Vorhersehbaren. Wobei niemand vor einem Jahr hätte davon sprechen können. Als die Welt noch heil und alles luftig-leicht war. 

Manchmal verändert sich die Welt eben so rapide. Und man kommt einfach nicht mit und nimmt nicht auf und steht da. Und erst Momente später realisiert man, welchen extremen Umbruch man nun in seinem Leben erleben wird. Dieser Zeitpunkt ist vielleicht einer der Schmerzhaftesten ever. Und er wird bleiben.

Der Stein und das Herz.

Manchmal geht es um einiges schneller als man glaubt. Und von einem Moment auf den anderen entschließt man sich zu etwas, und verändert damit so gut wie alles, was in den letzten Jahren Bestand hatte, was sich nie veränderte. Aus kleinen Holpersteinen wurden schlussendlich Brocken, aus kleinen Gefühlsungereimtheiten ein Stein auf dem Herzen. Manchmal packt man den Mut und tut es.

Auch wenn es weh tut.
Auch wenn es sich möglicherweise falsch anfühlt.
Auch wenn man es in zehn Minuten wieder zurücknehmen würde.

Ich melde mich ab. Versuche zu helfen, wo es etwas zu helfen gibt. [Es geht nicht um mich.]

Genießt die nächsten Tage, ich werde es schlussendlich wohl auch tun.

Und ich hoffe, es geht dir gut.

Weißt du, manchmal denke ich noch darüber nach, wie es wäre, wenn wir es geschafft hätten. Wenn mein Wunsch in Erfüllung gegangen wäre. Er war mir wichtig und ging mir monatelang nicht aus meinem Kopf. Und doch habe gerade ich die Verwirklichung eben dieses meinen Wunsches torpetiert. Mit jeder dummen Nachricht, die ich dir in diesen Social Communities geschickt habe. Mit jeder melanchotraurigen SMS, welche ich dir nächtens, um zwei oder drei in beinahe brennender Schlaflosigkeit gesendet habe. Mit all diesen Gedanken und den Gefühlen, denen ich viel zu lange viel zu viel Platz eingeräumt habe in meinem Leben. Ja, selbst heute denke ich noch manchmal darüber nach, wie es wäre, wenn das Danach irgendwie anders verlaufen wäre. Wenn ich weniger Kind und dafür mehr Mensch gewesen wäre. 

Ich habe im Versuch, aus Liebe Freundschaft zu machen, vielleicht sogar aufgehört zu leben. Rein geistig. Ich schritt zwar körperlich weiter voran, und wechselte geografisch sogar meinen Wohnort. Aber im Gedanken blieb ich bei dir und hoffte manchmal auf eine mögliche noch aufkeimende Freundschaft, und leider viel zu oft auch noch auf möglicherweise noch nicht erloschene Liebesgefühle. 

Ich weiß nicht, ob ich dir zurecht nachgetrauert habe. Ob meine Stalking-Auswüchse gesunder Natur waren. Ich weiß einfach nur, dass die Zeit mit dir eine wundervolle und – trotz allem – erinnerungswürdige (und wahrscheinlich auch eine exquisit schöne) Zeit war. Ich hätte mit unserer Vergangenheit nicht spielen, mit meinen Gefühlen nicht jonglieren und mit meinen Worten nicht noch weiter Öl ins Feuer gießen sollen.

Ob ich nun für alle sprechen kann, wenn ich sage, dass es nicht möglich ist. Dass man nicht von einen Tag auf den anderen von Liebe auf Freundschaft umswitchen kann. Ich würde es auch gar nicht. Aus Liebe kann Freundschaft werden. Zwar bedeutet es viel (wirkliche) Arbeit und einen schönen Batzen Zeit. Aber es funktioniert. Ich weiß nicht, ob du es denn jemals versucht hast. Aber ich weiß zumindest, dass die wohl größte Schuld hier bei mir liegt.

Ich weiß. Du hasstest meinen Blog, du hasst ihn möglicherweise immer noch, aber du wirst ihn wahrscheinlich nicht mehr lesen. Ich verstehe dich. Warst du doch mehr als ein Jahr lang Vorlage für rund 90 Prozent meiner Texte über Liebe. Selbst ich würde mich im Nachhinein für all dies hassen, wäre ich denn in einem Zustand wie jetzt zu so etwas im Stande.

Mein Leben hat sich verändert. Von einem Moment auf den anderen. Es geschah. Irgendwann Anfang des Jahres. Völlig unscheinbar und anfangs nur spärlich bemerkbar veränderte ich meine Sicht der Dinge. Ich bin viel gesonnener, viel ruhiger. Und ja, erst seit diesem Datum, beinahe zwei Jahre nach unserer Trennung, kann ich mich mit einem Lächeln an unsere Zeit zurückerinnern. Erst seit diesen Tagen bin ich über dich hinweg. Vielleicht freut es dich, das zu hören.

Ich finde es traurig, dass es so lange hat dauern müssen. Dass so viel passsieren musste. Am Liebsten würde ich mich hiermit mit einem Schlag für alles entschuldigen. Aber dazu müsste ich mir selbst erst einmal verzeihen. Ja, hörst du es. Ich bin unfähig, mich selbst zu hassen. Aber ebenso unfähig, mir selbst zu verzeihen. Eine dieser Ungereimtheiten in meinem Leben, die dich damals oft den Kopf schütteln ließen. 

Ob ich denn jetzt noch Interesse an einer Freundschaft habe? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Womöglich, weil es mir auch jetzt gerade so überhaupt nicht in mein Leben passt. 

Seit einigen Monaten (und eben seit diesen ominösen Tagen zu Jahresbeginn) schwebe ich auf einer Welle. Bin mit mir selbst zufrieden, glaube an meine Träume, tauche in Optimismus, und fröhne dem Genuss. Nichts kann mich unterkriegen (selbst einige Selbstversuche zeigten glücklicherweise keine veränderte Wirkung). Man könnte einfach sagen: ich lebe. Womöglich zum ersten Mal seit ungefähr zwei Jahren. 

Es freut mich.  
Und ich hoffe, es geht dir gut.

Sternschnuppennacht.

„Weißt du, dass ich jede einzelne Sekunde hier genieße.“
– „Mhm.“
„Es is einfach so schön hier.“
– „Und die Sonne. Wundervoll.“

Sie senkt sich gerade. Und taucht den Himmel in dieses Orange, für welches Abende zu dieser Jahreszeit schließlich bekannt sind. Die Campingsessel gebieten uns die nötige Gemütlichkeit für diese Uhrzeit. In dem einen Getränkehalter befindet sich diese Dose Bier, die nach der Mittagssonne sich wieder etwas abkühlt. Ich war noch nie der geborene Biertrinker. Und wenn ich schon nicht der Genussraucher bin, so kann ich mich zumindest als Genussbiertrinker bezeichnen. Nur liegt mein Problem vor allem darin, dass mein Bier (ob nun in Dose oder Flasche) nach mehr als zwei Stunden schon eher wie ein warmes Cervisia schmeckt. Dann ist schließlich der Genuss auch hin.

Im anderen Getränkehalter befindet sich, wie gewohnt, ein Päckchen Zigaretten. Lucky Strike, die Marke, mit der ich meinen Konsum begonnen habe. Vor ungefähr drei Jahren oder so. Schon wieder nuckle ich an einer der 20 Dinger, ziehe den Rauch in meine Lunge und lasse das Restgift aus meinem Mund entschwinden. Der Freund, der mir in diesem Ambiente beisteht, tut es mir gleich und so sitzen wir hier, trinken Bier, rauchen, und betrachten die Sonne beim Verschwinden.

„Wenn wieder einmal…“
– „Hm?“
„Wenn mal wieder eine Sternschnuppennacht ist…“
– „Mhm?“
„Dann suchen wir uns alle einen Platz. Und wünschen einfach drauf los.“

Einfach drauf loswünschen. Als hätte man nichts anderes zu tun. Nur den Platz, einen ganz besonderen, einen wunderschönen ruhigen Platz müssen wir uns noch suchen. Dürfen diese Nacht nicht verpassen. Aber ich habe keine Angst. Wir haben die letzten Tage genossen, habe unsre Leben gelebt, haben die Welt vorbeiziehen lassen. Es wird dunkel um uns herum, die Sonne ist verschwunden. Der Mond, hinter uns, schenkt noch einen dunkelgrauen Schimmer. Und die Sterne beginnen zu funkeln.

„Siehst du diesen Stern dort?“
– „Diesen Bunten?“
„Mhm.“
– „Den nenn‘ ich immer Diamantstern.“

Es gibt da wirklich einen Diamantstern. Er funkelt in allen Farben, wechselt von blau zu rot zu grün zu gelb. Faszinierend. Und während wir immer weiter uns in Gespräche vertiefen blicken wir zum Himmel hinauf. Und während der Tag beinahe zu Ende ist, erscheint am Himmel diese eine Sternschnuppe. Doch was wünscht man sich denn nun? Wenn man schon wunschlos glücklich ist.

Foto von jhoc

Wir werden nie enttäuscht werden.

Wir lassen uns gehen, lassen es uns gut gehen. Still und leise, auf holprigen Pfoten wandern wir den feuchten Boden entlang. Die Sonne hat schon aufgehört, ihr dumpfes Scheinen auf diesem Fleck der Erde zu offenbaren. Ich atme durch. Die zigarettenreichen, langen Abende und Nächte zuvor, seit dem Beginn dieser freien Tage haben leichte Spuren hinterlassen. Und doch bestärkt mich das Leben zurzeit in meiner Annahme, dass wahrscheinlich alles passieren könnte. Alles. Und wir würden nie enttäuscht werden. [Natürlich gibt es etwas, was mich vollkommen aus der Bahn werfen würde, aber von Tod einer nahestehenden Person möchte ich einfach nicht sprechen, geschweige denn auch nur einen einzigen Gedanken daran verschwenden.]

Langsam wende ich mich einem meiner Freunde zu. Auch er lächelt und wir setzen uns auf eine der Bänke, die querfeldein überall möglichst unpassend platziert wurden. Was kann uns denn schon passieren. Wir lassen uns gehen. Lassen es uns gut gehen. Wir kennen den Genuss und wir wissen, wie man da Leben möglichst unkompliziert halten kann. 

Eine weitere Zigarette kommt zum angeregten Konsum der letzten Tage hinzu. Wir sprechen. Über Gott und die Welt und über das Leben. Über uns. Schwelgen in Erinnerungen, träumen von unseren Plänen und genießen die Welt hier. Ewig könnten wir hier sitzen bleiben, könnten die Nacht Nacht bleiben lassen und den Tag Tag. Für uns gibt es keine Zeit. Dieses Gefühl haben wir schon vor langer Zeit verloren.

Wir tapsen auf dem holprigen Untergrund des Ungewissen und atmen langsam die Luft des Unvorhersehbaren. Aber wir lieben die Herausforderung und lassen uns nicht unterkriegen. Wir sind hungrig. Nach Neubeginn, nach Herausforderungen, nach neuen Ängsten. Und unser Hunger wird gestillt werden.

Und wir wissen.
Wir werden nie enttäuscht werden.

… [Ein Dialog]

I

Manchmal möchte man auch einfach nur still daliegen.
Hm?
Still daliegen. Und einfach mal nichts sagen.
Stimmt.
Aber vor genau so etwas haben so viele Menschen Angst.
Mhm.
Sie haben Angst vor der Stille.
Die Stille, so verrückt es klingt, macht einen ganz unruhig.
Und wibbelig.
Mhm. 
Aber manchmal tut es gut.

II

Woran mag das liegen?
Was?
Dass so viele Menschen nicht einfach mal schweigen können.
Weil … hm. Weil man Angst hat, dass irgendetwas Unausgesprochenes zwischen sich selbst und dem Anderen steht.
Mhm.
Wahrscheinlich ist das auch oft so.
Stimmt.

III

Ich kann das nur mit ganz wenigen Menschen.
Mhm. Ich auch.
Dabei gibt es ja kaum etwas Schöneres.
Wenn man in einer Frühlingswiese liegt, die Wolken betrachtet und einfach mal still ist.
Kommt es dir auch oft so vor, als liegt in diesen Momenten vollkommener Stille mehr Verständnis, mehr Kommunikation, als in all den Gesprächen. 
Mhm.
Eigentlich genial, so etwas.
Du?
Hm?
Wohin gehen wir eigentlich?
Ach, lass‘ dich doch überraschen.
Es ist schon dunkel.
Mhm.
Ich kenne den Weg hier nicht.
Frage einfach nicht. 

IV

Warte einen Moment.
Wieso?
Ich möchte eine rauchen.
Ach komm.
Hm.
Du hast später noch genug Zeit dafür.
Wie lange gehen wir denn noch?
Gleich. 
Hm?
Wir sind gleich da.

V

Komm. Setz‘ dich hin.
Wo sind wir hier?
Das ist doch egal. Setz‘ dich. 
Und was machen wir hier?
Still sein.

So. Jetzt kannst du eine rauchen.
 



 

Die Erwartungshaltung [Eine Feststellung]

Ich denke, die Erwartungshaltung in mich ist viel zu groß.

Was hat all das hier nur zu bedeuten? Dieser eine Gedanke kam mir vor kurzem erst, und selbst heute, beinahe zwei Wochen danach, ist er noch mein voller Ernst. Welche Erwartungshaltung? Man kann es nur sehr schwer erklären. Vielleicht mal in Richtung Berufswunsch. Ich wurde ein paar Mal in Tageszeitungen abgedruckt, aber bin ich alleine deswegen prädestiniert für so einen Job? Die Interesse ist da, ja. Keine Frage. Aber ist es das, was ich machen will? Eben. Genau das weiß ich nicht. Und ja, verdammt. Seit mehr als fünf Jahren schon renne ich dem Traum des Journalisten hinterher. Seit nunmehr beinahe 9 Jahren wusste ich, dass mein Beruf etwas mit Schreiben zu tun haben muss. Aber bin ich hier richtig? Hier, in dieser Welt. Ich weiß es nicht. Vielleicht will ich doch etwas ganz anderes machen? Vielleicht bin ich ein besserer Schauspieler als Journalist. Vielleicht will ich wirklich nur Bücher schreiben, und mich zwischen dem Veröffentlichungsdatum des einen Buches und des darauffolgenden in meiner Wohnung verkriechen. Ich hab‘ so viele Träume. So viele verdammte Träume, die mir jeden rationalen Zugang zu meinem zukünftigen Leben verwehren. Und ich will nicht der Typ sein, der irgendwann geschlagen aufgibt, um dem Trott zu folgen. Ich will nie zu träumen aufhören.

Aber man kann gerne sagen: Ich kann mehr, als ich zu zeigen bereit bin. Und ich sträube mich dagegen, Erwartungen zu erfüllen. Aber ihr werdet schon sehen.

Um es in den Worten von Kettcar (die gerade passend in meiner Playlist aufgetaucht sind): Wir Ich werden nie enttäuscht werden. Ihr vielleicht schon.

Life in Technicolor. Oder so.

180109nw

Ich fühle mich heute schon wieder etwas besser.3:02 PM Jan 16th Depressive Stimmung fast wieder weg. Ein leichtes Hoch spürbar. Das gefällt mir. 4:10 PM Jan 16th Mir geht es, soweit ich es sehe, gut. 6:31 PM Jan 16th Und an alle, denen es in letzter Zeit so ging wie mir, ein kurzer Hinweis: Es wird wieder. Irgendwann. Unerwartet. 6:54 PM Jan 16th Verdammte Uni. Am Liebsten würde ich alles hinschmeißen. ungefähr 22 Stunden ago So. Sorry. Die letzten Tage vor den Ferien nerven. Auf ein geiles Hoch kommt ein schnelles Tief und so. Immer und immer wieder. ungefähr 18 Stunden ago Status: Tief. Aber wenn Obama am Dienstag wieder von Hoffnung redet, stimme ich einfach mit ein. Yes, we can! 22 Minuten ago [powered by: Twitter und mir.]

Zwischen meinem letzten Eintrag über mein Leben [mit diesem schwungvollen und leicht zu merkenden Titel Ein Toast, auf das Leben. Seine Lügen. Und wie wir uns zeitlebens abmühen. Für nichts, und gar nichts. (Link)] und diesem hier liegen gerade einmal geschätzte drei Tage. Einen Tag nach diesem Scheißleben-Gefühl ging es aufwärts. Ich war wieder fit [vor allem gesundheitlich]. Ich erlebte zwei tolle Abende mit Freunden. Ich war wieder hoffnungsvoll. Gestern dann der Rückfall. Streit mit den Eltern und Unistress. Und jetzt bin ich zwar in einem Tief aber hoffnungsvoll. [Danke, Obama]

Aber zuallererst möchte ich bei den Schreiberlingen der Kommentare bedanken. Sie haben mich wieder zum Nachdenken angeregt und mir Anstöße gegeben. Vielen Dank fj, lexxa, Luca, schaezle, félix, und tshalina! Was habe ich denn nun vor? Wie soll mein Leben weiterlaufen? Zumindest die nächsten 8 Monate [Argh. Das ist schon arg lange.] Ich werde hier jetzt wieder unzählige Dinge aufzählen, und wie ich mich kenne, wird nur ganz Weniges umgesetzt.

In Sachen Liebe werde ich warten. Wobei ja warten auch irgendwie komisch klingt. Wenn es kommt, dann kommt es eben. Diese Schmetterlinge und so. Und ich würde nicht nein sagen, wenn sie plötzlich wieder in meinem Bauch auftauchen würden. Aber dazu müsste ich jemand komplett Neuen kennenlernen. Mal sehen. Aber ich denke, erst wenn ich wieder in der Lage bin, mich selbst zu akzeptieren [und diese Fähigkeit fehlt mir gerade absolut, wenn mich ein Tag nervt, bin vor allem ich es, der mich selbst nervt] muss ich meine Vorhaben erfüllen [beschrieben im Text Haarsträubend. (Link)]. Erstens wäre ich um Einiges selbstbewusster, und zweitens wäre es um Einiges einfacher, jemanden kennenzulernen. Wetten? [Sollte ich meine Ziele erreichen, werde ich es ausprobieren. Einträge werden folgen.]

Nun zum Thema Uni. Ich würde am Liebsten keinen einzigen Tag mehr dorthin gehen und gleich morgen mit der Fachhochschule in St. Pölten beginnen [Zugegeben: Ich bin noch nicht einmal angenommen, aber hier stirbt die Hoffnung scheinbar überhaupt nicht. Und die Liebe zur FH hat nichts mit ihren genial-langen Semesterferien zu tun. Ehrlich] Aber da die FH erst ab September, oder Oktober [was weiß ich] startet, werde ich auch noch im zweiten Semester zur Uni gehen. Und im Februar werde ich alle drei Prüfungen der ersten Studieneingangsphase ablegen. Und das eine negative Tutorium, welches ich dieses Semester verbockte, werde ich im nächsten Semester nachholen. Warum ich das mache? Wegen der Familienbeihilfe, die auf das Ablegen und Bestehen von Prüfungen angelegt ist. Das alles klingt nicht wirklich motiviert, aber vielleicht werde ich irgendwelche anderen Vorlesungen aus komplett anderen Bereichen besuchen. So wie Philosophie, Theater-, Film- und Medienwissenschaften oder so etwas.

Und dann noch dieses Jobtechnische: Auch wenn ich im zweiten Semester wirklich mehr machen würde, so in Sachen Uni. Ein Job würde sich schon noch ausgehen. So denke ich das zumindest. Luca hat mir in seinem Kommentar [Link] Anstöße gegeben. Ja, ich möchte professionell schreiben. Für eine Onlinezeitung oder Print. Irgendwas. Möchte, wenn nötig, auch einfach nur der Praktikant in einer Redaktion sein. Oder der Typ vom Kopierer. Ich möchte einfach mal hineinschnuppern. Und wenn möglich mit Bezahlung, und wenn nicht, auch egal.

Tja. Und sonst? Ich nehme mir, und des sowieso schon seit Längerem, wieder mehr Zeit für meine Freunde. Möchte so viel wie möglich unternehmen. Im Sommer – so wurde schon beschlossen – soll es nicht sehr weit weg gehen. Irgendwo an einen von Österreichs zahlreichen Seen oder in Norditalien. Vielleicht auch doch irgendwo am Meer. Aber nicht wieder Stockholm, wo man die Sonne schon mal suchen musste. Und nach Amsterdam soll es unbedingt dieses Jahr auch mal gehen. Und außerdem. Hm. Werde ich irgendwann einen Rythmus für meine Blogprojekte finden, an meinem Buchprojekt weiterschreiben. Und … [HAHA. Da ist es wieder. Das Hoffnungsvolle] irgendwann kommt alles ins Laufen. Ehrlich. Daran glaube ich jetzt. 2009 wird schon. [Aber das vielelicht auch nur, weil ich der Größte bin.] //Irgendwie verwunderlich. Kein Selbstwertgefühl und doch so selbstüberzeugt. Schizophrenie. Eindeutig. Und zum Abschluss verabschiede ich mich mal wieder für ein paar Tage. Unistress, wie man so schön sagt. [Hmpf³] Und vom Scheißleben will ich mich irgendwie gerade auch nicht lossagen. Irgendwie finde ich es schön. Scheißleben. Scheißleben. Scheißleben. [Und um hoch21 noch einmal zu Zitieren: Jetzt fällts mir wieder ein: Toilettenpapier!6:05 PM Jan 14th]

Falling or flying. Something like this.

dust

In Momenten wie diesen passt nichts besser. Einfach mal nur die Soundtracks von Grey’s Anatomy auf Dauerrotation schmeißen und warten bis alles irgendwie wieder besser wird. Es ist vielleicht auch gar nicht so schlimm. Es tut nur auf irgendeine vollkommen beschissene Art und Weise doch etwas weh. 

Man hat es vielleicht bemerkt, an den letzten Texten, die doch schon so einige Zeit zurückliegen. Ich fühlte mich plötzlich wohl, in meiner neuen Heimat, an meinem neuen Platz. Und es stimmt auch. Ich habe jetzt schon so viele neue tolle Menschen kennengelernt, Menschen, die ich sehr, sehr schnell in mein Herz geschlossen habe. Menschen, die ich schon jetzt als gute und wichtige Freunde bezeichnen würde. Und in eine junge Frau habe ich mich eben verkuckt. Komisch, so ein Gefühl, nach so vielen Monaten. Mal einige kurze Zwischenverliebungen (ein oder zwei werden es wohl schon gewesen sein). Aber irgendwie schien hier einfach alles wieder zu passen. Eine SMS, aus purer Feigheit und dem Wunsch, endlich Gewissheit zu haben, nahm mir dann die Illusionen und trotzdem freut es mich, dass sich nun doch alles so wunderbar weiterentwickelt. Kein gewünschter Abstand, kein Übelnehmen, wenn man das überhaupt kann und darf. Aber das war es eben. Und das Entlieben, so glaube ich, ging schnell. Ich lebe gerade in einer viel zu schnelllebigen Zeit. Nicht allgemein, nein. Mein Leben ist so.

Ich verbringe nun auch mein erstes Wochenende in Wien. Und freue mich, erst wieder kommenden Samstag nach Hause zu kommen. Mir fehlte letzte Woche, als ich auf der Heimreise war, das Studentenheim und all die Leute. Zugegeben, am Wochenende ist es nicht wirklich belebt. Aber es hat schon was. Und so werde ich eben erst am Samstag die heimatlich-verschneite Luft riechen (nachdem ich am Freitag einer Party beiwohne). Ich werde erwachsen. Irgendwie. Irgendwie aber auch nicht. Ich bin immer noch. Noch. Auf der Suche.

Auf der Suche nach mir selbst. Ein Bild von mir hat die Selbstliebe und gleichzeitig auch den Selbsthass in mir entfacht. Dieses Bild hier. [Bild funktioniert endlich] Es zeigt mich, 2006. In einem großartigen Sommer. Als ich vielleicht zum ersten und einzigen Mal halbwegs mit mir zufrieden war. Da möchte ich wieder hin. Mit dieser kindlichen Leichtigkeit. Alles hat sich verändert und auch meine Freunde. Wenn wir von Studium und Job sprechen, es geht mir alles einfach zu schnell. Vielleicht hätte ich einfach abhauen sollen, in den Sommerferien. Einfach mal weg, für ein Jahr. Vorher noch eine Bank ausrauben und dann nach Kanada trampen, mir eine Hütte an einem einsamen See – umzingelt von Wald und Grizzlys – zu kaufen. Und um dort einfach mal allein zu sein. Ohne Stress, ohne Freunde, Familie. Alleine. Um endlich einmal zu mir selbst zu finden. Um zu schreiben. Um nachzudenken. Um keine Aufgaben zu haben. Um durchatmen zu können. Ich werde mich nicht finden, und niemand wird mich je so kennenlernen, wie ich wirklich bin. Ich bin ein viel zu gespaltetes Ich. Es ist schwer. Aber ich werde euch Bescheid geben, wenn ich mich endlich gefunden habe. 

Und so fühle ich mich. Am Boden und vor kurzem noch vollkommen hoch oben. Und irgendwie fühle ich mich auch jetzt nicht schlecht. Es geht mir gut und trotzdem ist es scheiße und trotzdem doch so gut. Ich fühle mich auf dem besten Weg zu meinem neuen alten Ich. Ich will nicht der großartige Journalist sein, der super Schriftsteller, womöglich auch ein Schauspieler (die täglichen Rollen spiele ich noch nicht mal richtig gut). Ich möchte zuerst einmal ich sein. Da hilft kein Druck. Ich weiß, was ich geben kann, ich weiß, dass ich schreiben kann, Menschen mit meinen Texten auch berühren kann. Und allein das zeigt mir, zu was ich fähig bin. Ich habe Träume. Und in diese Träume passt eben gerade überhaupt nicht dieses Studium.

Ich werde es abbrechen.

Ja. Nach 7 Jahren Träumen vom Publizistikstudium in Wien nun das. Ich werde, womöglich, relativ unsicher, auch Wien den Rücken kehren. Mal sehen, was die Zukunft, der Selbstfindungstrip bis zum Sommer und auch anschließend, bringen wird. Aber ich lasse mich einfach mal durch nichts mehr aus der Ruhe bringen. Für den nächsten September werde ich mich an einer Fachhochschule für Journalismus bewerben. Jährlich werden nur 36 Menschen genommen. Man muss also gut sein, und ich weiß, dass ich es bin. Ich kann es schaffen. Als einer von 1700 Publizistikstudenten oder als einer von 36 professioneller und spezifischer Ausgebildeter einer FH … natürlich werde ich es schaffen.

NaNoWriMo fiel flach. Ich hatte zu viel zu tun und nicht die Zeit. Aber ich werde mir von nun an wieder überall hin den Block mitnehmen und an der Geschichte kritzeln. Ich werde sie formen und vielleicht gibt es schon bis Ende des Jahres ein kleines Erfolgserlebnis. Und das gibt es auch schon, für alle, die Wohlfühlgewicht 2.0 nicht mehr mitverfolgen für mich. Letzte Woche stand ich kurz vor meinen ersten 10 Kilogramm, die ich abgenommen habe. Diese Woche kann ich, dank fehlender Waage, nicht mitwiegen, aber vielleicht trink ich nächste Woche schon einen Prosecco zur Feier des Tages. Man wird sehen. 

Und was man abschließend schon sagen kann: Ein Besuch von Freunden im neuen Heim ist wundervoll, ich hasse „Religionsgemeinschaften“, die nichts anderes sind als blinder Gehorsam, und sich in der Küche unseres Heims für diesen Abend eingenistet haben, ich muss mir endlich mal die Namen der bisher wenig Bekannten im Heim merken, Schnee ist weiß und auch relativ kalt, wenn man nur mit Sommerschuhen unterwegs ist. Und was ich schon immer mal sagen wollte: Es gibt Männer, für welche man gerne schwul wäre.

Und somit befinde ich mich irgendwo zwischen Falling und Flying. Somewhere between waking and sleeping. Irgendwie am falschen Ende des Regenbogens und es ist doch ein Kobold da. Irgendwie alles gerade sehr verwirrt. Aber das ist es. Eindeutig.