Und ich hoffe, es geht dir gut.

Weißt du, manchmal denke ich noch darüber nach, wie es wäre, wenn wir es geschafft hätten. Wenn mein Wunsch in Erfüllung gegangen wäre. Er war mir wichtig und ging mir monatelang nicht aus meinem Kopf. Und doch habe gerade ich die Verwirklichung eben dieses meinen Wunsches torpetiert. Mit jeder dummen Nachricht, die ich dir in diesen Social Communities geschickt habe. Mit jeder melanchotraurigen SMS, welche ich dir nächtens, um zwei oder drei in beinahe brennender Schlaflosigkeit gesendet habe. Mit all diesen Gedanken und den Gefühlen, denen ich viel zu lange viel zu viel Platz eingeräumt habe in meinem Leben. Ja, selbst heute denke ich noch manchmal darüber nach, wie es wäre, wenn das Danach irgendwie anders verlaufen wäre. Wenn ich weniger Kind und dafür mehr Mensch gewesen wäre. 

Ich habe im Versuch, aus Liebe Freundschaft zu machen, vielleicht sogar aufgehört zu leben. Rein geistig. Ich schritt zwar körperlich weiter voran, und wechselte geografisch sogar meinen Wohnort. Aber im Gedanken blieb ich bei dir und hoffte manchmal auf eine mögliche noch aufkeimende Freundschaft, und leider viel zu oft auch noch auf möglicherweise noch nicht erloschene Liebesgefühle. 

Ich weiß nicht, ob ich dir zurecht nachgetrauert habe. Ob meine Stalking-Auswüchse gesunder Natur waren. Ich weiß einfach nur, dass die Zeit mit dir eine wundervolle und – trotz allem – erinnerungswürdige (und wahrscheinlich auch eine exquisit schöne) Zeit war. Ich hätte mit unserer Vergangenheit nicht spielen, mit meinen Gefühlen nicht jonglieren und mit meinen Worten nicht noch weiter Öl ins Feuer gießen sollen.

Ob ich nun für alle sprechen kann, wenn ich sage, dass es nicht möglich ist. Dass man nicht von einen Tag auf den anderen von Liebe auf Freundschaft umswitchen kann. Ich würde es auch gar nicht. Aus Liebe kann Freundschaft werden. Zwar bedeutet es viel (wirkliche) Arbeit und einen schönen Batzen Zeit. Aber es funktioniert. Ich weiß nicht, ob du es denn jemals versucht hast. Aber ich weiß zumindest, dass die wohl größte Schuld hier bei mir liegt.

Ich weiß. Du hasstest meinen Blog, du hasst ihn möglicherweise immer noch, aber du wirst ihn wahrscheinlich nicht mehr lesen. Ich verstehe dich. Warst du doch mehr als ein Jahr lang Vorlage für rund 90 Prozent meiner Texte über Liebe. Selbst ich würde mich im Nachhinein für all dies hassen, wäre ich denn in einem Zustand wie jetzt zu so etwas im Stande.

Mein Leben hat sich verändert. Von einem Moment auf den anderen. Es geschah. Irgendwann Anfang des Jahres. Völlig unscheinbar und anfangs nur spärlich bemerkbar veränderte ich meine Sicht der Dinge. Ich bin viel gesonnener, viel ruhiger. Und ja, erst seit diesem Datum, beinahe zwei Jahre nach unserer Trennung, kann ich mich mit einem Lächeln an unsere Zeit zurückerinnern. Erst seit diesen Tagen bin ich über dich hinweg. Vielleicht freut es dich, das zu hören.

Ich finde es traurig, dass es so lange hat dauern müssen. Dass so viel passsieren musste. Am Liebsten würde ich mich hiermit mit einem Schlag für alles entschuldigen. Aber dazu müsste ich mir selbst erst einmal verzeihen. Ja, hörst du es. Ich bin unfähig, mich selbst zu hassen. Aber ebenso unfähig, mir selbst zu verzeihen. Eine dieser Ungereimtheiten in meinem Leben, die dich damals oft den Kopf schütteln ließen. 

Ob ich denn jetzt noch Interesse an einer Freundschaft habe? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Womöglich, weil es mir auch jetzt gerade so überhaupt nicht in mein Leben passt. 

Seit einigen Monaten (und eben seit diesen ominösen Tagen zu Jahresbeginn) schwebe ich auf einer Welle. Bin mit mir selbst zufrieden, glaube an meine Träume, tauche in Optimismus, und fröhne dem Genuss. Nichts kann mich unterkriegen (selbst einige Selbstversuche zeigten glücklicherweise keine veränderte Wirkung). Man könnte einfach sagen: ich lebe. Womöglich zum ersten Mal seit ungefähr zwei Jahren. 

Es freut mich.  
Und ich hoffe, es geht dir gut.

5 thoughts on “Und ich hoffe, es geht dir gut.”

  1. ein unglaublicher text. du warst schon von jeher ein toller mensch, aber ich denke wirklich – und muss dir somit vollkommen zustimmen – dass du in den letzten monaten gereift bist, ruhiger und besonnener wurdest. ich hab dich lieb, kleiner bruder. ich freu mich so für dich, dass du jetzt so weit bist die sache dort zu lassen, wo sie hingehört. in eine wunderschöne erinnerungsblase, die dich immer daran erinnert.

  2. Das ist wohl das beste Gefühl. Wenn man eines Tages einfach aufsteht und merkt, dass man aufgehört hat, darüber nachzudenken. Dass sich im Laufe der Zeit eine völlig neue Sichtweise eröffnet hat. Aber es dauert manchmal sehr sehr lange um zu diesem Punkt zu kommen. Ich kenne das.

    Wenn man noch mittendrin steckt, kann man sich nicht vorstellen, dass sich jemals etwas ändern wird. Dass man jemals darüber hinweg kommen wird. So geht es mir zumindest. Und eines Tages ist es dann einfach so. Man kann darüber lachen und es ist ok. Es ist verdammt noch mal okay. Das durfte ich Ende letzten Jahres erleben. Jetzt stecke ich wieder mittendrin in so einer Geschichte. Und ich weiß nicht, ob es funktionieren kann, dass aus Liebe Freundschaft wird. Aber ich glaube im Moment ganz fest an deine Worte. Dass es viel Arbeit ist und viel Zeit kostet. Und darauf hoffe ich jetzt einfach.

    Schöner Text, wirklich, sehr sehr schön.

  3. Ich hab mal den Satz gelesen: Wenn man richtig geliebt hat, kann man nicht befreundet sein.
    Für mich trifft das bis heute zu, auch wenn wir noch „Kontakt“ haben.
    Aber irgendwann kommt an den Punkt, an dem man einfach weiß, daß es gut so war, wie es war.

  4. @lahja | Vielen lieben Dank!

    @Sternengreiferin | Auch dir vielen lieben Dank! Und ich weiß auch aus eigener Erfahrung, dass es funktionieren kann. Also … einfach dran glauben.

    @Nicole | Wie schon gesagt: Ich habe schon positivere Erfahrungen mit dem Thema gemacht. Und diesen Satz würde ich nicht wirklich unterschreiben. Aber diesen Punkt, ja … diesen Punkt habe ich höchstwahrscheinlich vor wenigen Wochen erreicht.

    @Lifecheater | Meinst du damit diese Abhängigkeit von einer bestimmten Person oder mein zurzeitiges Glücksgefühl? 😀

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