Liebe. [Ein Abschiedsbrief]

(via  Sara Alfredflickr)

Hey, du.

Es war wohl nie schwieriger, irgendwelche Worte zu finden. Worte, die auch nur ansatzweise dem gerecht werden könnten, was mir auf dem Herzen liegt. Ich erinnere mich noch an deinen letzten Blick zurück, als du mit dem Auto in meiner Einfahrt umdrehtest und dann den Weg zu dir nach Hause in Angriff nahmst. Und ich weiß auch, was ich dabei fühlte. Es ist kein schönes Gefühl. Es ist nicht schön, zu spüren, dass da etwas ist, was hier nicht sein sollte.

Erinnerst du dich noch an unseren ersten Kuss? Es war ein Kampf, eine Überwindung, eine persönliche Mutprobe. Ich habe schon andere Mädchen geküsst, aber bei dir war es trotzdem etwas Anderes. Als sich unsere Lippen zum ersten Mal berührten, war ich einfach nur froh, dass wir saßen. Meine Knie zitterten und die Welt um mich herum verlor mehr und mehr an Bedeutung. Es war wohl eines der schönsten Gefühle, die ich bis heute verspürte. Ich weiß nicht, wie du dich fühltest, aber das tut hier nichts zur Sache. Das hier ist mein Brief.

Erinnerst du dich an den Abend am Lagerfeuer, oder als wir gemeinsam in der Wiese lagen, die Wolken Wolken sein ließen und die Sonne hinter uns für den damaligen Tag das Zeitliche segnete? Als das Blau des Himmels überschattet war von den wunderbarsten Nuancen des Abendrots? Oder als wir durch das alte Gewölbe dieser Buchhandlung wanderten, an den vielen Säulen und Durchgängen vorbeihuschten und du irgendwann mit einem Reclambuch vor mir standest? Gedichte von Erich Fried und du hauchtest sie mir leise in meine Ohren, dass sich meine Nackenhaare noch heute wohlig aufstellen, wenn ich daran denke.

Manchmal ist es nicht gut, darüber nachzudenken, was war. Wir waren ein Traum, wir passten zueinander wie. Ach, es gibt nichts, mit dem wir zu vergleichen wären. Wir lebten unser eigenes Leben, in unserer eigenen Welt, sobald sich unsere Hände berührten und unsere Schritte der gleichen Richtung folgten. Wir bauten uns unsere Traumschlösser gemeinsam auf, hatten den Mut, schon nach so kurzer Zeit die unzähligen Zimmer mit IKEA-Möbeln zu bestücken und aus dem Nichts, das vorher war, entstand etwas ganz Besonderes. Aber vielleicht haben wir uns irgendwo nicht genug angestrengt.

Irgendetwas muss passiert sein und ich kann mir nicht erklären, was es ist. Unzählige Tage habe ich mir schon den Kopf darüber zerbrochen und mir überlegt, welchen Auslöser das nur haben konnte. Ich weiß es bis heute nicht, meine Liebe. Aber irgendwie fühlt es sich gerade so unendlich falsch an, in deinen Armen zu liegen und so unendlich falsch, in ihnen wieder aufzuwachen.

Es war keine Bestimmung, kein Schicksal, dass wir uns trafen, kein Glück, dass wir uns küssten und kein Wunder, dass aus dir und mir wir wurde. Es passte ganz einfach, und es fühlte sich gut an. Ich weiß nicht, ob du sie auch hattest. Aber mein Bauch war tage-, wochen-, monatelang voller Schmetterlinge, die sich mit ihren Flügelschlägen beinahe überschlugen. Es war mir alles Recht, Hauptsache, ich würde dich sehen, dich hören, dich spüren, ganz nah hier bei meiner Seite. Aber jetzt? Würde ich dich nun eine Woche nicht sehen, nichts von dir hören, es würde mir trotzdem gut gehen. Die Schmetterlinge sind weg, meine Liebe, und irgendwie ist jetzt alles anders.

Habe ich dir jemals von meiner Theorie des perfekten Moments erzählt? Nein? Diese Theorie besagt, dass Liebe nicht zwangsläufig etwas Unendliches ist. Du weißt, wie sehr ich die Ewigkeit hasse. Aber woran ich glaube, ist die Liebe für genau diesen einen Moment. Überschwängliche Liebe. Liebe, so sehr, dass es einen selbst überrascht, dass man so zu lieben im Stande ist. Und dieser Moment kann nur einen Blick lang dauern, ein paar Wochen oder manchmal sogar Jahre. Dieser Moment wird gefüllt mit Geborgenheit, Nähe, Zärtlichkeit. Mit Auf-den-Händen-Tragen und Gemeinsam-die-höchsten-Berge-Überwinden. Und ja, ich glaube, unser Moment liegt hinter uns.

Das ist das Furchtbare am Mensch sein. Nicht einsehen zu wollen, was jeder andere sieht. Bestreiten, was ist, um vorzutäuschen, was nicht ist. Dein letzter Blick zurück, gestern oder wann immer das war. Er war anders als all die anderen Tage davor. Und wie du vielleicht bemerkt hast, war mein Blick leer, während ganz langsam die Erinnerungen an uns in meinem Gehirn zu rattern begannen. Ich blickte deinem Auto noch nach, bis es um die Ecke des Hauses verschwand und zündete mir eine Zigarette an. Scharrte mit meinen Füßen am Boden und musste beinahe heulen, als all das Schöne an mir vorbeizog.

Wir beide haben gewagt, wovor viel zu viele Menschen Angst haben. Wir haben unsere Einsamkeit geteilt und begonnen, uns wortlos zu verstehen. Ein Blick von dir reichte oft schon, um mir den Mut zuzusprechen, den ich oft brauchte, um im täglichen Leben zu bestehen. Du hast mir Botschaften dagelassen, kleine Post-Its, wenn du mal früher weg musstest und ich noch schlief. Ich liebte es, wenn ich dann, nach dem Aufstehen aufs Klo ging, und mich eines deiner Post-Its daran erinnerte, mich hinzusetzen. Du bist der erste Mensch, der mich in seiner Nichtpräsenz so sehr zum Lachen brachte.

Und jetzt fühlt es sich plötzlich so komisch an. Sind es die Schmetterlinge, die in meinem Bauch womöglich ratzeputz verdaut wurden? Ist es womöglich die hoffende Gewissheit, dass uns nichts mehr auseinanderbringen könnte. Oder ist es vielleicht sogar deshalb, weil die Liebe fehlt? Ja, ich habe mir selbst Letzteres immer wieder durch den Kopf gehen lassen.

Doch dann spüre ich trotzdem wieder diese einzigartige Vorfreude, wenn mein Handy vibriert, ich abhebe und Sekunden warte, bis du dein erstes, fragendes „Hallo?“ zu mir rübersendest. Und ich fühle mich immer noch so nah bei dir, wenn du mir ganz zärtlich durch die Haare streichst, wenn wir wieder einmal nebeneinander einschlafen, Gesicht an Gesicht, Hand an Körper. Es darf nicht die Liebe sein, weißt du. Nicht das, nicht jetzt.

Vielleicht habe ich mir mit diese Theorie des richigen Moments ja irgendein Hirngespinst zusammengesponnen. Vielleicht besagt diese Momenttheorie ja einfach nur, dass es am Besten wäre, gemeinsam mit den Schmetterlingen zu gehen. Schmetterlinge sind wie Feuerwerkskörper und wenn die einmal erloschen sind, ist da eben auch nur mehr das Schwarz des Himmels. Vielleicht fühlt es sich nur deshalb so verdammt falsch an, weil wir in gewisser Weise ganz einfach berechenbar wurden. Aus unserer Liebe wurde Brauchen. Wir haben uns auf eine ungesunde Abhängigkeit eingelassen.

Wir haben es verlernt, verliebt zu sein. Wir spüren noch immer, dass wir etwas ganz Besonderes sind, aber es fühlt sich anders an. Veränderungen sind angsterregend und mir fehlt der Mut. Ich liebe dich, ja, das mache ich. Aber, warum ich dir eigentlich diesen Brief schreibe. Liebe mich. Zeige mir mit jeder Faser deines Körpers, dass du mich liebst, nimm mich in den Arm und fang mich auf, denn ich fühle mich gerade dem Fallen so nah. Mehr ist es nicht. Nur einmal noch dieses Gefühl.

Und dann können wir ganz rational vorgehen. Wir wären dann nicht mehr diese Menschen, die bei jeder Rolltreppe auf- und abwärts, küssend die gestressten Linksüberholer aufhalten. Wir könnten auch auf den Pärchensitz im Kino verzichten, weißt du. In Wahrheit ist es mir eben doch lieber, auf beiden Seiten meines Sitzes eine Lehne für mich zu haben. Und wenn du Lust auf Chinesisch und ich auf Pizza habe, dann machen wir das auch. Wir sind nicht eins. Wir hätten wohl auch nie dieses Gefühl bekommen sollen.

Ich glaube, jetzt ist es gerade noch rechtzeitig genug, um wieder damit zu beginnen, du und ich zu sein. Du und ich und wir beide hätten die Möglichkeit, ein außergewöhnliches Leben zu führen, mit dir an meiner Seite. Wir hätten die Macht, all unsere Träume zu verwirklichen und würden niemals aufgeben. Niemals. Wir haben aufgehört, verliebt zu sein. Vielleicht ist es jetzt unsere Aufgabe, uns täglich neu zu verlieben.

Es wäre schön, wenn wir das schaffen würden, weißt du.

Und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Wenn wir es nicht schaffen, dann ist es okay. Wir sind auch keine Menschen, die Wunder vollbringen können. Wir sind auch nur genau solche Menschen, die manchmal ganz einfach mit dem offenen Mund in einen Haufen Hundescheiße stolpern. Wir dürfen uns irren und wir dürfen auch der Liebe freien Lauf lassen. Die Liebe ist nicht für ewig, nichts ist für ewig, nichts.

Ich weiß nicht, wie ich das sagen soll. Aber vielleicht kommt irgenwann einmal der Tag, an dem ich deine Post-Its wutentbrannt von allen Stellen der Einrichtung herunterreiße und am Klo ganz einfach aus Protest stehen bleibe. Wenn du neben mir einschläfst und ich kein Auge zubekomme. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass nach dem Ende der Schmetterlinge, früher oder später auch ein Ende von allem hier ansteht.

Wenn das wirklich eintreten sollte, dann lass uns ehrlich zueinander sein. Zueinander und zu jener Welt, die außerhalb der Unseren ihren Alltagstrott ausbreitet. Lass uns nicht nach Gründen suchen, oder nach Möglichkeiten, wie wir es eben doch schaffen könnten. Weil wir es ja doch nicht würden. Wir würden uns einen Plan für die Zukunft zusammenschustern, was wir nicht alles tun würden, um diese Beziehung aufrecht zu erhalten, und in Wahrheit schaufeln wir weiter und weiter ein Grab für unsere Wunschvorstellung. Lass es uns bitte akzeptieren, lass uns darüber reden.

Wir sind keine Zauberer und wir schaffen auch keine Wunder. Wir sind ordinary people. Mit der architektonischen Kraft, Schlösser bis hoch in den Himmel zu bauen. Aber wir haben auch die Fähigkeit, all das wieder einstürzen zu lassen. Und wenn wir mal unter einem unserer Trümmer begraben liegen, sollten wir wissen, dass es genau so gut war. Das es das jetzt war und dass ein Wiederaufbau nur wenig Sinn hätte. Lass uns die Zerstörer unseres Imperiums sein und schenken wir uns dann einen letzten Kuss.

Finished: 23:03 Uhr, 19. September 2010
In gewisser Weise eine Inspiration:
hoch21 mit
Ein Brief über Liebe [2008]
Bald auch auf: NEON.de, jetzt.de
und womöglich auch als Podcast

Nein. Es wird nie wieder so sein. Es wird anders. Anders schön.

Ich weiß nicht, ob sich jeder in meine Situation und in meine Gedanken hineinversetzen kann. Wer von euch hat schon einmal etwas so sehr liebgewonnen und – innerhalb eines kurzen Tages, eigentlich innerhalb weniger Sekunden, innerhalb eines Moments – ist alles so, wie es nie hätte sein sollen. Am Schrecklichsten ist es, wenn es sich dabei um einen Menschen, ein Kind handelt. Hätte ich vor einigen Jahren darüber nachgedacht, dass all das passieren würde, ich hätte mich selbst ausgelacht. So unrealistisch, so unwirklich mutet all das an.

Nicht verstehen, sondern akzeptieren. Warum all das passiert ist, ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass es passiert ist. So schmerzhaft allein dieser Gedanke ist, so soll er mich doch nicht davon abhalten, nach vorne zu blicken. Ich weiß: Damals, und es war zu diesem Zeitpunkt nicht nur das, versank ich in ein Loch, in eine Höhle, verlor den Kontakt zur Außenwelt und orienterte mich vollkommen neu. Über diese Neuorentierung freue ich mich nun im Nachhinein, muss ich  zugeben. Vieles hat sich zum Besseren gewandt. Aber es hat lange gedauert, bis ich die Tatsache akzeptieren konnte, dass es nie wieder so sein würde. Dass nie wieder sein Lächeln mich aufmuntern kann.

Ein Gespräch mit meiner Mutter, eines unserer täglichen Telefonate, brachte mich zurück zu diesem Thema. Der Wunsch meiner Schwester, ein Kind zu kriegen, wächst von Tag zu Tag. Und jeder von uns kann verstehen, warum. Niemand von uns kann fühlen, wie es innen drin in ihr aussieht. Aber ich wünsche es ihr. Ich wünsche mir, dass ihr Wunsch bald in Erfüllung geht.

„Aber es wird nie wieder so sein.“
„Nein. Ich weiß.“
„…“
„Es  wird anders schön.“

Wir dürfen nicht den Fehler machen, und all unser Leben nach der Vorstellung konzipieren, wie es war, als es war. Es ist nicht mehr, und selbst wenn es heute noch so oft schmerzt, so bin ich mir vollkommen sicher, dass alles gut wird. Anders gut, wahrscheinlich. Aber gut.

[Und Menschen nach Maßstaben zu messen ist niemals okay.]

Und ich hoffe, es geht dir gut.

Weißt du, manchmal denke ich noch darüber nach, wie es wäre, wenn wir es geschafft hätten. Wenn mein Wunsch in Erfüllung gegangen wäre. Er war mir wichtig und ging mir monatelang nicht aus meinem Kopf. Und doch habe gerade ich die Verwirklichung eben dieses meinen Wunsches torpetiert. Mit jeder dummen Nachricht, die ich dir in diesen Social Communities geschickt habe. Mit jeder melanchotraurigen SMS, welche ich dir nächtens, um zwei oder drei in beinahe brennender Schlaflosigkeit gesendet habe. Mit all diesen Gedanken und den Gefühlen, denen ich viel zu lange viel zu viel Platz eingeräumt habe in meinem Leben. Ja, selbst heute denke ich noch manchmal darüber nach, wie es wäre, wenn das Danach irgendwie anders verlaufen wäre. Wenn ich weniger Kind und dafür mehr Mensch gewesen wäre. 

Ich habe im Versuch, aus Liebe Freundschaft zu machen, vielleicht sogar aufgehört zu leben. Rein geistig. Ich schritt zwar körperlich weiter voran, und wechselte geografisch sogar meinen Wohnort. Aber im Gedanken blieb ich bei dir und hoffte manchmal auf eine mögliche noch aufkeimende Freundschaft, und leider viel zu oft auch noch auf möglicherweise noch nicht erloschene Liebesgefühle. 

Ich weiß nicht, ob ich dir zurecht nachgetrauert habe. Ob meine Stalking-Auswüchse gesunder Natur waren. Ich weiß einfach nur, dass die Zeit mit dir eine wundervolle und – trotz allem – erinnerungswürdige (und wahrscheinlich auch eine exquisit schöne) Zeit war. Ich hätte mit unserer Vergangenheit nicht spielen, mit meinen Gefühlen nicht jonglieren und mit meinen Worten nicht noch weiter Öl ins Feuer gießen sollen.

Ob ich nun für alle sprechen kann, wenn ich sage, dass es nicht möglich ist. Dass man nicht von einen Tag auf den anderen von Liebe auf Freundschaft umswitchen kann. Ich würde es auch gar nicht. Aus Liebe kann Freundschaft werden. Zwar bedeutet es viel (wirkliche) Arbeit und einen schönen Batzen Zeit. Aber es funktioniert. Ich weiß nicht, ob du es denn jemals versucht hast. Aber ich weiß zumindest, dass die wohl größte Schuld hier bei mir liegt.

Ich weiß. Du hasstest meinen Blog, du hasst ihn möglicherweise immer noch, aber du wirst ihn wahrscheinlich nicht mehr lesen. Ich verstehe dich. Warst du doch mehr als ein Jahr lang Vorlage für rund 90 Prozent meiner Texte über Liebe. Selbst ich würde mich im Nachhinein für all dies hassen, wäre ich denn in einem Zustand wie jetzt zu so etwas im Stande.

Mein Leben hat sich verändert. Von einem Moment auf den anderen. Es geschah. Irgendwann Anfang des Jahres. Völlig unscheinbar und anfangs nur spärlich bemerkbar veränderte ich meine Sicht der Dinge. Ich bin viel gesonnener, viel ruhiger. Und ja, erst seit diesem Datum, beinahe zwei Jahre nach unserer Trennung, kann ich mich mit einem Lächeln an unsere Zeit zurückerinnern. Erst seit diesen Tagen bin ich über dich hinweg. Vielleicht freut es dich, das zu hören.

Ich finde es traurig, dass es so lange hat dauern müssen. Dass so viel passsieren musste. Am Liebsten würde ich mich hiermit mit einem Schlag für alles entschuldigen. Aber dazu müsste ich mir selbst erst einmal verzeihen. Ja, hörst du es. Ich bin unfähig, mich selbst zu hassen. Aber ebenso unfähig, mir selbst zu verzeihen. Eine dieser Ungereimtheiten in meinem Leben, die dich damals oft den Kopf schütteln ließen. 

Ob ich denn jetzt noch Interesse an einer Freundschaft habe? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Womöglich, weil es mir auch jetzt gerade so überhaupt nicht in mein Leben passt. 

Seit einigen Monaten (und eben seit diesen ominösen Tagen zu Jahresbeginn) schwebe ich auf einer Welle. Bin mit mir selbst zufrieden, glaube an meine Träume, tauche in Optimismus, und fröhne dem Genuss. Nichts kann mich unterkriegen (selbst einige Selbstversuche zeigten glücklicherweise keine veränderte Wirkung). Man könnte einfach sagen: ich lebe. Womöglich zum ersten Mal seit ungefähr zwei Jahren. 

Es freut mich.  
Und ich hoffe, es geht dir gut.

Liebe, oh du verbrauchtes, verhasstes Wort.

Maybe it’s love but. Immer dieses aber. Kein because. Kein without a doubt. Alles rein auf diesem verdammten aber aufgebaut. Als wäre Liebe nur ein Spiel, mit Sieg und Niederlage. Mit Ausgleich und mit Chancen. Kein verdammt geniales Gefühl, kein Ausdruck allerhöchster Vollkommenheit. Liebe ist ein viel zu häufig gebrauchter Ausdruck. Ein von mir unglaublich gern gelesener Blogger meinte in seinem Brief über die Liebe:

Im Übrigen bin ich dafür „Ich liebe Dich“ durch „Ich brauche Dich“ zu ersetzen. Ich halte das sowohl für authentischer als auch angemessener.

Liebe ist, ohne als irsinnig betrachtet werden zu müssen, stark in Zusammenhang mit Abhängigkeit. Man fühlt sich alleine, wenn man lange nichts voneinander gehört hat. Wenn man auf den nächsten Anruf wartet, den nächsten Moment, an dem man sich melden kann. Man fühlt sich glücklich, wenn man Teil dieser einzigartigen Liebe ist. Wie eine Droge. Manchmal auch mit bescheuerten Nebenwirkungen. Nebenwirkungen sind immer scheiße, sobald sie eintreten. Und in Sachen Liebe kann man nicht verhindern, dass sie eintreten. Sie kommen und dann ist es meist schon zu spät.

Träume von Liebe, Liebe im Traum. Eine Scheindarstellung der Wünsche. Der Hoffnungen. Meist ein Problem für den gerade Erwachten. Denn jeder Traum mit dem Inhalt Liebe lässt mich noch tiefer sinken, lässt mich hoffen, wünschen, warten. Baut Stress auf, ohne für den Abbau zu sorgen. Lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass Liebe einer der kompliziertesten Gefühlszustände ist? Weil es so viel Freiraum lässt, so viel Interpretationsspielraum. Nicht so wie Hass, der leicht zu definieren und schnell zu verlieren ist. Hass entsteht, wird bei längerem Darüber-Nachdenken aber meist schon etwas abgeschwächt. Liebe ist so was Entgültiges.

Ein Gemüts-, Gefühlszustand. Ein Gedankenproduzent. Ein Wort, über dies nichts und doch so viel zu berichten gibt. Unzählige Wörter finden den Weg aus meinen Kopf in diesen Eintrag und doch spreche ich von nichts. Rein gar nichts. Nur Gedanken, über Liebe irrational nachgedacht. Sie ist schwierig, die Liebe. Sie manuell zu entfachen unmöglich, so plötzlich zu stoppen schmerzlich. Und ein „Ich brauche dich“, muss, wie das ausgeleierte Pendant dazu, an genau dem richtigen Zeitpunkt gesagt werden. Nie zu früh. Denn sonst könnte man den Glauben an ein Einengung erzielen. Man könnte eine Abhängigkeit vorspielen, die zwar schon vorhanden, aber noch nicht vorzeigbar ist. Nur der richtige Moment bringt die Worte zur perfekten Auslegung.

Und so liebe Leute, lasst uns lieben und lasst uns uns brauchen. Wir sind nicht allein und werden es nie sein. Und doch werden wir ewig suchen und nicht finden. Selbst in dem Partner, mit dem wir dann schon 20 oder 30 Jahre das Bett teilen, lässt uns nicht aufhören zu suchen. Nach dem Geheimnis der Liebe, nach der Magie, dem Geist.