Damals. Nackt.

Es waren nur Sekunden.

Wir haben uns berührt, an allen möglichen Stellen unserer Körper. Haben die Finger des Anderen über die eigene Haut streicheln fühlen können. Manchmal habe ich auch die Luft angehalten, nur um deinen Atem alleine in dieser vollkommenen Stille zu hören. Habe dein Gesicht beobachtet und die Nähe gespürt. Habe gefühlt, wie sanft sich unsere Nähe heranschmiegt. Bis sich unsere nackten Körper langsam berühren. Und wir verharrten so für Sekunden, ganz ruhig und still. Dieser eine Moment, an diesem einen Moment spürte ich mich zum ersten Mal „ganz“. Ich fühlte mich glücklich und nichts hätte mich und hat mich bisher glücklicher gemacht. Es ist traurig, dass sich das größte Glück, welches ich für mich empfinden konnte, mit dieser einen Berührung, mit dieser Nähe zu dir verbinde. Die Nähe ist weg und selbst aus der Ferne haben wir uns nichts mehr zu sagen.

Wir haben uns berüht, an allen möglichen Stellen unserer Körper. Haben uns beide auf den Rücken gedreht und an die Decke des Zimmers geblickt. Leichter Schweiß bildete sich auf unseren Körpern und die Hände wurden warm. Wir spielten uns mit unseren Fingern, strichen uns langsam über über die Arme. Damals. Nackt. Die Stille hat sich an uns gewöhnt. Nichts zu sagen hatten wir uns und kein Wort wäre auch angemessen gewesen. Nur die Stille konnte überzeugen und irgendwann gewöhnte sie sich auch daran. Wir hatten nur uns und waren die glücklichsten Menschen der Welt. Hatten uns und die Welt nur sich selbst.

Wir haben uns berührt, an allen möglichen Stellen unserer Körper. Haben gewartet, bis die Nacht sich mit der Dunkelheit vertraut gemacht hatte. Unsere Lippen berührten sich und unsere nackten Körper verharrten. Es war diese Zeit. Als wir uns hatten und uns langsam berührten. Als du bei mir Gänsehaut erzeugtest und ich bei dir. Ich habe dich nicht mehr gesehen. Die kurzen Treffen empfinde ich nicht. Sie waren nicht, denn ich hatte nichts von dir. Habe keinen Satz sagen können, welchen ich mir Wochen vorher vorbereitet hatte. Hatte nie die Möglichkeit, deine Hand zu berühren. Einfach nur, um sicher zu gehen, dass die Zeit vorüber ist. Ich habe dich nicht mehr gesehen. Wir haben uns berührt.

Und jetzt trennt uns. Es waren nur Sekunden.

Es War Einmal.

Märchen sind doch etwas für Kinder. Kinder und Träumer.

Als ich vor den Zug sprang, bereute ich meine Tat. Es wäre doch auch anders gegangen. Hätte ich mich weggedreht und wäre wieder nach Hause gegangen, es wäre vieles anders. Aber ich bin eben gesprungen, und der Sprung, dieses Hundertstel einer Sekunde, war großartig. Die Luft durchfloss meinen ganzen Körper und meine Augen begannen Tränen zu produzieren. Einfach so. Ich bin also gesprungen, und als ich auf den Schienen aufschlug, kam auch schon der Zug. Der Schmerz war kurz aber er war. Es hätte auch anders sein können. Ich hätte mich entschließen können, mich mit meinen Problemen zu konfrontieren. Doch ich hatte Angst vor mir und der Konsequenz. Das was jetzt ist, ist natürlich scheiße. So hätte ich mir das vor kurzem noch nicht vorgestellt.

Ich mag keine Märchen. Sie erzählen Geschichten, die sich so nie zutragen könnten. Geben ein falsches Bild von Liebe und ein falsches von Freundschaft. Märchen wissen gar nichts. In keinem Märchen ist irgendjemand vor den Zug gesprungen und ist dadurch geflüchtet. Die Typen in solchen Geschichten finden immer einen Weg. Das Wort Sackgasse kennen die nicht. Sie wissen rein gar nichts und ich weiß alles. Ich weiß viel zu viel und deswegen habe ich es auch getan.

Ich kann damit nicht umgehen. Warum auch. Wie denn auch. Es sind einfach Dinge, die man nicht so einfach vorüberziehen lassen kann. Irgendwann kommt’s wieder zurück. Und dann erwarte ich es nicht, und es macht Bumm. Und mich wirft es aus der Bahn. Langsam aber sich bereue ich schon nichts mehr.

Was sind schon Träume. Träume sind die Märchen des naiven Menschens. Da kann man immer noch hoffen und glauben, das alles besser wird. Und wenn’s nicht besser wird, wünscht man sich eine weitere Träumerei. Weil irgendwann muss das Glück ja auf ihrer Seite sein. Was für Verlierer. Leben in ihrer Märchenwelt. Ihr Idioten. Ich habe einen anderen Weg gewählt.

Blickte ganz rational in die Welt und fasste einen Beschluss. Blickte ganz frontal in die Lichter des Zuges, und dann war Schluss. Ihr … Idioten.

This Is Me.

Ich beneide jeden Menschen, der sich selbst in wenigen Worten erklären kann. Mir fällt es schwer.

„Das bin also ich.“ Ein klein bisschen verstört blicke ich in den Spiegel. Hm. Will ich das überhaupt. Dinge über mich herauszufinden, die nur ich wissen kann. „Das bin ich.“ Ich wiederhole den Satz und versuche weiter zu denken. Doch die Gedanken drängen sich nicht gerade vor. Ich überlege mir, was ich bin.

„Ein Mensch.“
„Etwas zu dick.“
„Gefühlsüberladen und schüchtern.“
„Bei weitem nicht vollkommen.“
„Anders.“
„So, wie alle anderen.“
„Manchmal nervig. Manchmal übertrieben.“

Nicht viel kommt dabei heraus. Dinge, die ich schon längst weiß. Die mich an mir stören und die einfach mir gehören. Die meine Einzigartigkeit ausmachen und mich doch zu einem unter mehr als 6,7 Milliarden Menschen. Das ist vielleicht gut. Der vollkommene Mittelpunkt möchte ich sowieso nicht sein. Aber da muss es doch mehr geben. Positives und Wichtiges.

„Ich habe Freunde.“
„Ich habe Familie.“
„Ich habe Talent.“
„Ich bin …“

Besitz? Wer rechnet schon mit Besitz. Man kann keine Familie besitzen und keine Freunde. Es muss schon einen Grund geben, warum ich von allen unterstützt werde. Warum ich immer darauf zählen kann, dass irgendjemand Zeit für mich hat. Ich kann sie jetzt nicht nennen, diese Gründe. Aber es gibt sie. Viel zu wunderbar sind all die Freundschaften und die Familienverkettungen.

„Ich bin glücklich.“

Das ist es. Ich habe einen Weg gefunden. Das sind sie. Die drei Wörter. Die mich beschreiben. Und selbst wenn ich es mal nicht bin, ist es das, wonach ich streben. Ich möchte glücklich sein, und möchte ebenso glücklich machen. Und das funktioniert nur wirklich, wenn man es selbst ist. Ich bin glücklich, mit all meinen Makeln, meinen riesigen Fehlern, die ebe die Meinen sind. Eigenheiten, die mich ausmachen. Ich bin glücklich. Auch ohne Sonne.

Ernsthaft.

Wie lächerlich.

Und wenn ich es dir sage. Wir hätten es versuchen sollen. Es hätte doch nur zwei Möglichkeiten gegeben, wie es ausgegangen wäre. Entweder wir wären gefallen oder wir hätten abgehoben. Zu höheren Höhen und weiteren Weiten. Doch du warst zu feige. Hast die Augen geschlossen um die Varianten nicht zu sehen. Du hast mich enttäuscht und dir wieder einmal gezeigt, dass du es nicht kannst. Dich auf etwas einzulassen. Ernsthaft zu sein.

Ich habe es mir ausgemalt. Wie es sein könnte. Immer auch mit dem Hintergedanken, wie die negative Seite aussehen könnte. Ich hätte mich eingelassen. Hätte es versucht und wäre schließlich auch gefallen, wenn es soweit gekommen wäre. Du bist weg. Ich kann dich nicht sehen und ich will es auch nicht.

Du hast mich enttäuscht. Tausende Male in wenigen Tagen. Hast mir gezeigt, wie viel ich dir bedeute. Oder wie wenig. Ich habe es über mich ergehen lassen, und habe nichts gesagt. Du hättest mir deinen Frust schon längst unter die Nase gerieben, doch ich schweige. Ich sage dir nichts, aber irgendwann musst doch auch du es bemerken. So blind und taub kann man doch nicht sein. Du hast dich verändert, genau zu dieser Person, die die früher nie sein wolltest. Wie lächerlich du nun wirkst. Es tut mir Leid. Wenn du mir nur weh tust, dann lass‘ es sein. Ich würde es tun, wenn ich nur könnte.

Unbewohnt.

Die Hand, die du hältst. Sie beginnt zu zittern. Lass mich los.

Es hat keinen Sinn mehr. Du hältst mich fest, lässt mich nicht los. Hältst mich zurück, versuchst mich zu beschützen. Und machst dabei doch alles noch schlimmer. Wo soll ich hin. Ich weiß es nicht. Ich kenne gerade keinen Ort, an dem ich mich wohl fühle. Glücklich und zufrieden. Ich bin nirgendwo zuhause, zurzeit. Es ist, als wäre ich ewig auf der Suche. Und erst wenn ich ihn gefunden habe, den Ort, bin ich beschützt. Like I’m Home.

Die Nähe zu dir tut weh. Sie schmerzt, sogar jetzt, wo du fürsorglich sanft meine Hand hältst. Ich beginne zu schwitzen und atme schwer. Ich schüttle dich weg und weiß doch, dass du nie ganz weg sein wirst. Irgendwo hast du einen Platz gefunden, wo du mich immer beobachtest, und auf mich wartest. Wo du mir Worte in meinen Kopf wirfst und der Gedankentopf irgendwann überfüllt wird.

Ich fühle mich gerade unwohl. In meiner Haut und meiner Routine. In diesem Haus und in diesem Ort. Irgendwie passt gerade gar nichts. Ich fühle mich beschissen und du hältst meine Hand. Du weißt gar nichts und lächelst. Lächelst, wie du immer schon gelächelt hast. Aber du weißt nichts. Hast keine Ahnung, wie es mir geht. Und ich habe keine Lust, es dir zu sagen. Du würdest mich doch nicht verstehen. Würdest es doch nicht einmal versuchen.

Zu Bett werde ich gehen. Werde mich einrollen in diese Decke, die mir Wärme zu schenken versucht. Ich fühle mich kalt. Allein in diesem Bett für zwei. Alleine in diesem Haus mit zwei anderen Menschen. Alleine auf dieser Welt. Fühle mich einsam. Gemeinsam einsam. Und du. Du lächelst. Vielleicht kommst du ja weiter mit dieser Masche. Ich würde es dir zumindest nicht wünschen. Aber lächle ruhig. Lächle und glaube immer daran, dass die Welt so wunderbar und so einfach ist. Irgendwann wird auch dir der Boden unter den Füßen weggezogen.

Too Late.

Ich hab‘ wohl irgendwas versäumt.

„Es ist zu spät.“, fauchst du mich an. ‚Es ist nie zu spät.‘, denke ich mir. Doch dein Blick sagt mir schon seit einiger Zeit, dass ich hier nichts mehr zu suchen habe. „Wir haben den Zenit überschritten.“, meinst du. ‚Du weißt doch gar nicht, wie groß wir hätten werden können.‘ rotiert es in meinem Kopf. Doch die Tür schließt sich und mit ihr bleiben die Hoffnungen, Schritt für Schritt, am Boden verstreut. Das Ende, lange Zeit nicht in Sicht, befindet sich hinter mehr. Das war es und so hätte es nicht sein sollen.

Wer hat nun Schuld. Es ist dumm, hier nun irgendeinen Schuldigen zu suchen. Du? Ich? Der Klimawandel? Keine Ahnung. Es hat eben einfach nicht funktioniert. Irgendeine Schraube fehlte, irgendeine Mutter hielt nicht und das Konstrukt stürzte in sich zusammen. Was uns jetzt noch bleibt, sind die Trümmer. Die Trümmer der Gegenwart, mit den wunderschönen Bildern der Vergangenheit.

Ich bin nicht einfach. Sicherlich nicht. Das kann jeder bestätigen, der mehr als einen Tag mit mir verbracht hat. Irgendwann kommt das wahre Ich heraus und nicht jeder hat Lust auf sowas. Doch du zeigtest Interesse, auch den Typen dahinter kennenzulernen. Du hast mich erlebt, wie sonst noch niemand. Und doch musste das Ende einkehren. Als wäre alles vorbeistimmt. Zuerst der überschwängliche Anfang, dann die wunderbare Mitte, der Hauptteil. Und wie bei jedem gesunden Deutsch-Aufsatz folgt natürlich auch der Schluss. Unerwartet aber doch mit einem abschließenden Punkt.

Ich hab‘ wohl irgendwas versäumt. Aber jetzt ist es zu spät. Langsam wiederhole ich deine Worte und wundere mich, wie ich ihnen auch nur ansatzweise Glauben schenken kann. Der Zenit wäre noch gefolgt und es ist nie zu spät, meine Liebe. Zu spät ist es nie.

Anders.


Langsam den Entschluss in meinem Kopf entstehen lassen. Wenn alles in Liebe, Freundschaft und Traumwelt nicht richtig läuft, ist es vielleicht wichtig, sich mal auf eines zu konzentrieren. Alles andere rechts außen liegen lassen. Weil eine dreifache Anstrengung einfach zuviel ist. Da nimmt man sich einfach zurück und zieht das eine Ding durch. Mein Leben mal anders. Bis zu meinem 20. Geburtstag.

Man konnte es mitverfolgen. Meine Probleme in der Liebe. Gefühle und Gedanken und Verliebtheit und Hoffnung und Absturz und Fall. Der regelmäßige Ablauf. Vielleicht kommt der Blog viel zu schmalzig rüber und vielleicht spürt man es nicht. Aber es tut mir schon weh. Wenn mir Menschen das Gefühl geben, mich zu lieben, es aber schlussendlich doch nicht bereit sind. Wenn ich als alleine unter Paaren sitze, ja, das ist ein beschissenes Gefühl. Ich wünsche mir einen Menschen, der so wunderbar und so einzigartig ist. Ich weiß nicht, wann ich sie finden werde. Ich weiß es nicht. Aber zumindest interessiert mich das Suchen einfach nicht mehr. Zu weh tat das alles schon.

Kürzlich erst kamen zwei Probleme, die ich mit Freunden hatte, irgendwie hoch. Jaja. Ich erzähle immer von der Wichtigkeit einer Freundschaft. Meiner Freundschaften, meiner Freunde. Ich möchte, dass es ihnen gut geht. Doch durch Verquerelungen innerhalb unseres Freundeskreises fällt es manchmal schon schwer. Dass ich jetzt die ganze Sache so beschrieben habe, dass ich mich von zwei wichtigen Freunden zurückziehen werde, nur um nichts kaputt zu machen, ist der Höhepunkt. Der Höhepunkt der beschissenen Woche und überhaupt. Zurzeit fühlt sich alles falsch an, aber ja, ich bin egoistisch. Ich lasse mir zurzeit echt nichts gefallen, bin ein großer egoistischer Arsch und habe ein mulmiges Gefühl im Bauch. Vielleicht muss das einfach raus.

Und nun komme ich zum Dritten. Das Buch „Volle Distanz. Näher zu dir“ ist in Arbeit. Ich schreibe auf einem kleinen Block (DIN A6) nach und nach Absätze. Gut überlegt und wohl geformt. Doch ich komme kein kleines Stückchen weiter. Es dauert viel zu lange. Und so werde ich mich bis zum 6. Mai aus der Liebe und der Freundschaft zurückziehen. Einfach zurückstecken, nicht überall dabei sein, nicht alles gefallen lassen. Denn ich bin nämlich immer viel zu kompromissbereit. Ja, jetzt seht ihr ihn auch mal. Den Arsch vom Ikarus. Und ich habe keine Schuldgefühle. Warum immer ich. Warum muss ich immer aufpassen, dass Freundschaften gut laufen, dass die Beziehung nicht zerbricht. Ich könnte jetzt fluchen und mit Schimpfwörtern herumjonglieren. Es würde ja doch nichts helfen.

Ich werde mich zurückziehen. Werde an meinem Buchprojekt arbeiten. Werde wohl auf keine Party meines Freundeskreis gehen. Ich selbst werde natürlich schon eine veranstalten. Und werde auch alle einladen, selbst wenn jetzt Probleme da sind. Vielleicht legen sie sich. Aber bis dahin beschränke ich mich auf irgendwelche Kaffees. Mit einzelnen Personen oder zu dritt. Mal sehen. Oder Kino. Ich werde Zeit für mich haben. Für mich und nicht für euch. Ihr werdet mir manchmal fehlen und manchmal werde ich froh sein, euch nicht zu sehen. Denn so wie es jetzt ist, versaut ihr mir manchmal richtig den ganzen Tag. Und dazu habe ich keine Lust.

Und so wären das jetzt 43 Tage. Ich werde mich hier natürlich melden. Werde einige Kapitel fertigstellen. Und vielleicht gelange ich auch schon weit hinein in die Geschichte. Ich bin gespannt, wie sich das Projekt entwickelt. Es wird schon. Und zurückkehren möchte ich leicht anders. Ich, auf dem Weg zur Perfektion. Zu meinem auferlegten Möchtegern-Sein. Ich möchte mich wieder sportlich betätigen, vielleicht versuche ich auch mal wieder das meditieren, und ich möchte einfach ganz, ganz viel nachdenken. Aus den letzten 25 Tagen bis zum Ende meines Zivildientes das Beste daraus machen. Und schrieben. Endlos schreiben. Jede freie Sekunde werde ich schreiben, weil meine Kreativität scheinbar einen mächtigen Schub bekommen hat. Es müssen immer solche Momente sein, dass man sich zu so etwas beschließt, und dass die Kreativität anspringt, so wie sie es gerade bei mir getan hat.

Ich tauche unter. Bei manchen möchte ich das „Look What You’ve Done“- Gefühl hervorheben. Andere vermisse ich schon jetzt. So wird es sein. Ich habe Angst. Aber nun gibt es kein Zurück. Wohin sollte ich den gehen?

Edit:// Ich werde mich nicht zuhause einschließen. Werde nicht den Kontakt zur Außenwelt abbrechen. Nein. Ich werde auch weiterhin auf kleinen Zusammenkünften zu finden sein. Aber ich werde große Parties meiden, werde Menschenaufläufe, wie schon damals, wieder meiden. Aber das Buchprojekt soll trotzdem jetzt einen großen Fortschritt erleben.

Wherever.

You will go.

Du wirst gehen. Ich weiß es, wenn ich dich nur kurz ansehe. Ich sehe dir an, dass du gehen wirst. In die falsche Richtung. Denn gehst weg von mir. Weg und blickst nicht zurück. Keine Sekunde überlegt du, ob du umkehren solltest. Deine Füße tragen dich wie von alleine. Ich verliere dich aus dem Blick und du bist weg. Einfach so weg. Und niemand weiß, wann du wiederkommen wirst. Weißt nicht einmal selbst, was mit dir los ist. Du lässt los, und hörst mich fallen. Aber es ist dir scheinbar egal. Alles ist dir scheißegal. Du denkst doch nie an andere. Denkst nicht, wie es mir gehen könnte. Jetzt, wo du doch einfach gehst.

Hättest du mir wenigstens zum Abschluss ein leises Lächeln geschenkt. Doch wieso hättest du es tun sollen. Um den Schmerz in mir noch größer zu machen. Du warst human und hast ein Ende gesetzt, als ich es noch nicht für mich sichtbar ist. Jetzt spüre ich es, dass es wohl richtig war. Nur eben viel zu überfallsartig. Und wir hätten doch noch hier sitzen können und reden. Über uns und die Welt. Doch du bist einfach gegangen.

Back to you.

Da gehe ich nun. Ich weiß nicht, wohin ich jetzt verschwinden soll. Ich muss weg. Fort von diesem Ort, fort von dir. Ich möchte mich noch einmal umdrehen, möchte dir zulächeln, möchte für das Hundertstel einer Sekunde gemeinsam mit dir ein Ganzes sein, bevor ich wirklich weg bin. Aber ich weiß, dass mich dieser letzter Kontakt unserer Blicke mich umstimmen würde. Und alles würde von vorne beginnen. Alles würde so weiterlaufen, bis wieder dieser eine Punkt kommen würde. Es wäre ein Teufelskreis und ich weiche aus. Leb wohl, mein Lieber. Ich gehe. Ich bin schon weg.

Ich will nicht „Auf Wiedersehen“ sagen. Vielleicht ist es besser, wenn wir uns nicht mehr wiedersehen. Vielleicht ist es besser, wenn du mir jetzt noch nachsiehst, mich mit deinen Blicken durchbohrst. Und vielleicht weinst du dann auch. So versteh‘ mich doch. Verstehe meine Gründe und akzeptiere meine Entscheidung. Vielleicht schaffst du ja schneller, es zu akzeptieren. Und ich. Ich gehe. Ich lasse dich sein. Leb wohl, mein Lieber. Leb wohl.

About You.

Du.

Es fällt mir schwer, Worte zu fassen, wenn ich an dich denke. Es fällt mir schwer, Gedanken zu formen. Der Schmerz hält mich gefangen und lässt nicht los. Es regnet und das drückt vielleicht annähernd aus, was ich gerade empfinde. Deine Stimme hallt noch stundenlang nach und dein Lächeln lässt meinen Körper resignieren. Woher hast du all die Macht, all die Fülle an Mitteln, die mich stumm werden lassen.

Du bist ein mächtiges Wesen. Du wärst mein David. Ich der Goliath. Ich, über meine Grenzen hinauswachsend und doch von einem scheinbar kleinen Wesen in die Knie gezwungen. Ich hätte dich anders eingeschätzt. Wundere mich über die Entwicklung der Dinge. Du hast dich verändert. Ins Negative ebenso wie ins Positive. Ich mich auch. Aber um mich geht es hier nicht. Es ist nie um mich gegangen. Das Einzige, was zählte, war das Du.

Wer wäre ich ohne dir? Wie wäre ich. Du, wie all die anderen, ihr habt mein Leben bestimmt und mich begleitet. Oder ich hatte für kurze Momente die Möglichkeit, ein Teil von euch zu sein. Ihr habt mich verändert, du hast mich verändert. Und du hast mich nie verstanden. Alles was für dich von Bedeutung war, warst du. Mehr nicht.

So bist du eben. Niemand konnte dich jemals verändern. Du gingest deinen Weg, und setzt ihn auch jetzt ohne Probleme fort. Was bleibt ist die Hartnäckigkeit, mit der du mich nervös machst. Wenn du in einem Gespräch auftauchst, wirbelt mein Bauch, minutenlang. Alles rotiert, und jedes geplagt hervorgekämpfte Wort ist doch schon eines zuviel.

Restless Stranger.

In deinem Gesicht spiegelt sich die Fremde, die mit dem, was uns verband, nichts mehr gemein hat.

Du reichst mir die Hand, ein Lächeln ziert deine Lippen. Du hast fast immer gelächelt, selbst als du schliefest. Nur als Tränen über dein Gesicht wanderten, lächeltest du nicht. Aber du hast es trotzdem versucht. Jetzt bist du endlich wieder über den Versuch hinausgekommen. Deine Hand ist trocken. Meine wohl kaum. Du hast mir weh getan, damals. Vor Monaten. Hast auf Rücksicht verzichtet und warst vielleicht eines der wenigen Male ehrlich. Und dass deine Ehrlichkeit mir wehtun würde, dass wussten wir beide.

Dein Lächeln scheint nicht aufgesetzt. Du versuchst es wirklich, mir mit Offenheit in die Augen zu sehen. Ich wandere mit meinen Blicken über dein Gesicht. Es fühlt sich falsch an, hier bei dir zu sein. Du fühlst dich falsch an, und siehst anders aus. Anders, als mein Gedächtnis dich mir in Erinnerung rufen kann. Du hast dich verändert und fühlst dich fremd an.

Worte werden gewechselt und Blicke getauscht. Du bist fremd und ich fühle mich unwohl. Du solltest gehen, denke ich mir. Ich sage nichts und schließe die Augen. Warst du mir jemals nicht fremd?

Why did this come up so quick
A spark moves in a dry world
As if something was just switched on
And then disappeared

– Restless Stranger (LP: Restless Stranger) – American Music Club

And then. Just disappeared.