Der Schlag ins Gesicht. Aber so richtig.

Niemand wird sich mehr an diesen einen Eintrag erinnern: We used to be friends befasste sich mit einem Menschen, der in der ersten Klasse Gymnasium zu meinem besten Freund (zumindest was man zu dieser Zeit und in diesem Alter darunter bezeichnete) wurde, und dann wieder wegzog. Seine Geschichte ist schräg, brutal, hart. Mir wäre all das viel zu heftig, was ihm passiert ist. Und ihm war es das schlussendlich auch.

Vor – was weiß ich – zwei Wochen (oder so) warf er sich vor einen Zug oder legte sich auf die Schienen. Ich will keine genauen Einzelheiten haben, mir hat allein schon die Nachricht, dass er das war, zutiefst hinuntergerissen. Er lebte ja seit Jahren wieder hier, wir waren uns wieder einige Male begegnet. Er, immer mit seinem typischen Lächeln, welches er schon als 10 oder 11-Jähriger hatte, und welches mich ungeheim mitriss und mein Gemüt erhellte. Er sitzt nun im Krankenhaus, Bereich Psychiatrie. Der Zug hat ihm einen Arm zerstört, sodass er amputiert werden musste, sein Gesicht ist verletzt.

Es war hart, als diese Person, dieses unpersönliche Wesen, welches Selbstmord begehen wollte, kein Unbekannter mehr war. Sondern eine Person, die ich noch wenige Tage zuvor am See gegrüßt habe. Ein Mensch mit Namen, und mit einer Geschichte, in der auch ich kurz einmal vorkomme. Es war ein Schlag ins Gesicht, als ich diese Nachricht während meines Urlaubes erfuhr. Jeder kannte ihn übrigens irgendwie.

Und ich dachte mir immer nur, was gewesen wäre, wenn wir uns in diesen frühen Jahren nicht aus den Augen verloren hätten. Wenn wir jetzt noch Freunde wären, womöglich beste Freunde. Und besonders brutal wirken nun die Worte aus meinem alten Text: Ich hätte dich vielleicht davor bewahren können.

Ja, verdammt.
Vielleicht hätte ich das.

Es War Einmal.

Märchen sind doch etwas für Kinder. Kinder und Träumer.

Als ich vor den Zug sprang, bereute ich meine Tat. Es wäre doch auch anders gegangen. Hätte ich mich weggedreht und wäre wieder nach Hause gegangen, es wäre vieles anders. Aber ich bin eben gesprungen, und der Sprung, dieses Hundertstel einer Sekunde, war großartig. Die Luft durchfloss meinen ganzen Körper und meine Augen begannen Tränen zu produzieren. Einfach so. Ich bin also gesprungen, und als ich auf den Schienen aufschlug, kam auch schon der Zug. Der Schmerz war kurz aber er war. Es hätte auch anders sein können. Ich hätte mich entschließen können, mich mit meinen Problemen zu konfrontieren. Doch ich hatte Angst vor mir und der Konsequenz. Das was jetzt ist, ist natürlich scheiße. So hätte ich mir das vor kurzem noch nicht vorgestellt.

Ich mag keine Märchen. Sie erzählen Geschichten, die sich so nie zutragen könnten. Geben ein falsches Bild von Liebe und ein falsches von Freundschaft. Märchen wissen gar nichts. In keinem Märchen ist irgendjemand vor den Zug gesprungen und ist dadurch geflüchtet. Die Typen in solchen Geschichten finden immer einen Weg. Das Wort Sackgasse kennen die nicht. Sie wissen rein gar nichts und ich weiß alles. Ich weiß viel zu viel und deswegen habe ich es auch getan.

Ich kann damit nicht umgehen. Warum auch. Wie denn auch. Es sind einfach Dinge, die man nicht so einfach vorüberziehen lassen kann. Irgendwann kommt’s wieder zurück. Und dann erwarte ich es nicht, und es macht Bumm. Und mich wirft es aus der Bahn. Langsam aber sich bereue ich schon nichts mehr.

Was sind schon Träume. Träume sind die Märchen des naiven Menschens. Da kann man immer noch hoffen und glauben, das alles besser wird. Und wenn’s nicht besser wird, wünscht man sich eine weitere Träumerei. Weil irgendwann muss das Glück ja auf ihrer Seite sein. Was für Verlierer. Leben in ihrer Märchenwelt. Ihr Idioten. Ich habe einen anderen Weg gewählt.

Blickte ganz rational in die Welt und fasste einen Beschluss. Blickte ganz frontal in die Lichter des Zuges, und dann war Schluss. Ihr … Idioten.