Grenzen.

AttributionNoncommercialNo Derivative Works Some rights reserved by Kate Dreyer

„Weißt du, in Wahrheit gibt es nämlich gar keine Grenzen. Und jene, denen wir begegnen, sind allesamt in unseren Köpfen. Allein unser Gehirn birgt dieses Unheil, diesen Wall aus unberechtigter Angst und wohltuender Überheblichkeit. In Wahrheit sind wir uns nämlich alle unglaublich nah. Grenzen sind nur etwas für Verlierer, weißt du?“

Du versuchst mich zu verstehen, versuchst meinen Worten zu folgen. Doch es gelingt dir nicht. „Ich will kein Verlierer sein.“, murmelst du, während ich dir durch deine Haare streiche. Ich lächle. „Du verstehst doch, was ich sage. Es liegt alles in deiner Hand.“ Ein Nicken folgt meinen letzten Worten. Es scheint angekommen zu sein. „Wir können es verändern, können die Welt, nein, warte. Wir können unsere Welt zu einer besseren machen. Völlig grenzenlos.“

„Das wäre schön.“, sagst du und siehst mir ganz tief in die Augen, „Aber …“ Darauf habe ich gewartet. „… aber wir sind doch in einer Gesellschaft, in einem System gefangen, dass so etwas wie Grenzenlosigkeit nicht einmal in Betracht zieht. Das ist nicht möglich, weißt du?“ Ich nicke. Derselbe Gedanke ist mir selbst schon untergekommen. Haben wir uns doch die vergangenen hunderttausend Jahre damit beschäftigt, systematisch Mauern aufzuziehen, die unseren Weg vorbestimmen.

„Du hast Recht, natürlich. Und wir werden hier kein System zu Sturz bringen, keine Gesellschaft umwandeln. Aber vieles, was wir für vorbestimmt halten, ist uns in Wahrheit doch nur selbst überlassen. Wir müssen das nicht tun. Wir dürfen auch einmal nicht so funktionieren, wie man es von uns verlangt. Wir sind, wie man so schön sagt, ja auch nur Menschen. Und nach und nach werden wir es schaffen, dass wir sie einreißen. Die Grenzen, die uns aufhalten, all das zu tun, was unser Leben so viel schöner machen könnte. Wir dürfen nur nicht daran scheitern, es nicht versucht zu haben.“ Du nickst und lächelst. Und siehst dabei wunderschön aus.

About You.

Du.

Es fällt mir schwer, Worte zu fassen, wenn ich an dich denke. Es fällt mir schwer, Gedanken zu formen. Der Schmerz hält mich gefangen und lässt nicht los. Es regnet und das drückt vielleicht annähernd aus, was ich gerade empfinde. Deine Stimme hallt noch stundenlang nach und dein Lächeln lässt meinen Körper resignieren. Woher hast du all die Macht, all die Fülle an Mitteln, die mich stumm werden lassen.

Du bist ein mächtiges Wesen. Du wärst mein David. Ich der Goliath. Ich, über meine Grenzen hinauswachsend und doch von einem scheinbar kleinen Wesen in die Knie gezwungen. Ich hätte dich anders eingeschätzt. Wundere mich über die Entwicklung der Dinge. Du hast dich verändert. Ins Negative ebenso wie ins Positive. Ich mich auch. Aber um mich geht es hier nicht. Es ist nie um mich gegangen. Das Einzige, was zählte, war das Du.

Wer wäre ich ohne dir? Wie wäre ich. Du, wie all die anderen, ihr habt mein Leben bestimmt und mich begleitet. Oder ich hatte für kurze Momente die Möglichkeit, ein Teil von euch zu sein. Ihr habt mich verändert, du hast mich verändert. Und du hast mich nie verstanden. Alles was für dich von Bedeutung war, warst du. Mehr nicht.

So bist du eben. Niemand konnte dich jemals verändern. Du gingest deinen Weg, und setzt ihn auch jetzt ohne Probleme fort. Was bleibt ist die Hartnäckigkeit, mit der du mich nervös machst. Wenn du in einem Gespräch auftauchst, wirbelt mein Bauch, minutenlang. Alles rotiert, und jedes geplagt hervorgekämpfte Wort ist doch schon eines zuviel.