Die Antizipation des Unvorhersehbaren.

Ich spüre nichts. Rein gar nichts. Außer … ja, da kommt sie. Die Abneigung. Die Welt ist verrückt, nicht wahr? Da hätte ich vor Tagen noch die ganze Erdkugel hoch gehoben, wenn du dir darunter den Fuß eingeklemmt hättest, und jetzt würde ich wahrscheinlich einfach nur vorbeigehen. Nimmst du mir das übel? Ich kann es verstehen. Aber so musst auch du mich verstehen. Ich kann nicht mehr.

Ich hab‘ genug in meiner Traumwelt zu leben. In einer Traumwelt mit dir. Weißt du, normalerweise versucht man doch immer, seine Träume irgendwie zu verwirklichen. Ich habe mir gedacht, ich könnte es auch so. Könnte einen Strich ziehen zwischen dem was ich träume und dem was ist. Aber ich kann es nicht. Ich kann mich einfach nicht täglich Stunden um Stunden selbst belügen.

Weißt du, manchmal würde ich mir einfach nur wünschen, es wäre nie passiert. Ich hätte nie mehr gefühlt für dich. Hätte mich nie an dir festgehalten, als ich dich so wunderbar brauchte. Hätte mich nie fallen gelassen, mit der unfairen Gewissheit, von dir aufgefangen zu werden. Weißt du, ich habe dir viel zu früh mein Vertrauen geschenkt. Ich mach‘ das immer so. Vielleicht scheitert daran früher oder später alles. Denkst du nicht?

Irgendwie schaffe ich es immer, mich nach außen hin normal zu benehmen. Und ich sollte nicht Journalist oder Schriftsteller werden. Die Kunst des Schauspielens übe ich doch Tag für Tag. Und kann es ehrlich nicht schlecht. Dass es da einen Menschen unter dieser Fassade, weg von dieser Rolle gibt, siehst du nicht und ich. Ich auch nicht. Will es nicht sehen und will mich nicht spüren. Will den Schmerz und die Angst und die Ungewissheit vorbeiziehend wissen. Aber es geht nicht immer.

Und dann ist es hart. Aber es gehört dazu. Das ist die Konsequenz meiner unglücklichen Liebe. Jeder meiner unglücklichen Lieben, welchen ich zu Genüge abbekam in den letzten Wochen und Monaten (oder besser gesagt: zweieinhalb Jahren). Aber ich bin froh, glaubst du mir das? Bin froh auch diese Seite wieder einmal in mir kennengelernt zu haben. Bin froh, auch dieses ungute Gefühl mal wieder zwischen Herz und Kopf herumzuswitchen wissend. Vielleicht gehört das ja zu mir dazu, wie das Müsli am Morgen. Und wenn das so ist, so kann ich sagen: Dieses Gefühl wieder einmal zu erleben ist, so banal die Umstände auch wieder sein mögen, doch einfach wundervoll, nicht wahr? Es ist gut so.

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Es War Einmal.

Märchen sind doch etwas für Kinder. Kinder und Träumer.

Als ich vor den Zug sprang, bereute ich meine Tat. Es wäre doch auch anders gegangen. Hätte ich mich weggedreht und wäre wieder nach Hause gegangen, es wäre vieles anders. Aber ich bin eben gesprungen, und der Sprung, dieses Hundertstel einer Sekunde, war großartig. Die Luft durchfloss meinen ganzen Körper und meine Augen begannen Tränen zu produzieren. Einfach so. Ich bin also gesprungen, und als ich auf den Schienen aufschlug, kam auch schon der Zug. Der Schmerz war kurz aber er war. Es hätte auch anders sein können. Ich hätte mich entschließen können, mich mit meinen Problemen zu konfrontieren. Doch ich hatte Angst vor mir und der Konsequenz. Das was jetzt ist, ist natürlich scheiße. So hätte ich mir das vor kurzem noch nicht vorgestellt.

Ich mag keine Märchen. Sie erzählen Geschichten, die sich so nie zutragen könnten. Geben ein falsches Bild von Liebe und ein falsches von Freundschaft. Märchen wissen gar nichts. In keinem Märchen ist irgendjemand vor den Zug gesprungen und ist dadurch geflüchtet. Die Typen in solchen Geschichten finden immer einen Weg. Das Wort Sackgasse kennen die nicht. Sie wissen rein gar nichts und ich weiß alles. Ich weiß viel zu viel und deswegen habe ich es auch getan.

Ich kann damit nicht umgehen. Warum auch. Wie denn auch. Es sind einfach Dinge, die man nicht so einfach vorüberziehen lassen kann. Irgendwann kommt’s wieder zurück. Und dann erwarte ich es nicht, und es macht Bumm. Und mich wirft es aus der Bahn. Langsam aber sich bereue ich schon nichts mehr.

Was sind schon Träume. Träume sind die Märchen des naiven Menschens. Da kann man immer noch hoffen und glauben, das alles besser wird. Und wenn’s nicht besser wird, wünscht man sich eine weitere Träumerei. Weil irgendwann muss das Glück ja auf ihrer Seite sein. Was für Verlierer. Leben in ihrer Märchenwelt. Ihr Idioten. Ich habe einen anderen Weg gewählt.

Blickte ganz rational in die Welt und fasste einen Beschluss. Blickte ganz frontal in die Lichter des Zuges, und dann war Schluss. Ihr … Idioten.