Klon.

Meine Traumfrau
ist ungefähr so wie du.
Das selbe wundervolle Lächeln.
Der Blick, wenn du mich ansiehst.
Die Zärtlichkeit, wenn du mich berührst.
Die Stille zwischen uns.

Sie ist genauso schön wie du.
Eigentlich ist sie wie du.
Du bist sie.

Aber jetzt gilt es nur mehr,
einen Klon zu finden.

Deinen Klon.

Herzpause. [Ein Dialog]

I

Du?
Mhm?
Du. Weißt du, manchmal-.

Hm?
Manchmal, da spüre ich mein Herz nicht mehr.
Wie?
Als würde es einfach aufhören. Zu schlagen. Und mich hier allein zurücklassen.
Oh. Aber-.
Wirklich. Hier. Fühl‘ mal.


Nichts.
Eben.

II

Manchmal, da wünsche ich mir, mein Herz würde nicht mehr schlagen.
Was?
Würde einfach aufhören und alles wäre vorbei.
Ach komm schon. Nein!
Und ich würde noch einmal die Augen aufreißen und würde den letzten Herzschlag mit voller Intensivität verspüren und würde mich in meinem Kopf von dieser Welt verabschieden und dann hört es auf. Für immer.
Sag‘ sowas nicht. Bitte!
Tut mir Leid. Aber denkst die nicht auch öfters daran?
Ans Sterben? Nein.
Echt?
Nein. Nicht so.

III

Du?
Ja?
Halt mich. Bitte.
Was ist los?
Nein. Frag‘ nicht. Halt mich nur. Stell dich hinter mich.
Mhm.
Und lege deine Arme um meinen Bauch. Und deinen Kopf auf meine Schulter.
Ist es gut so?
Ja. Und jetzt lass‘ uns versinken. In diese Stille hier.





Mein Herz hat gerade eben wieder aufgehört.

IV

Geht es dir jetzt besser?
Hm?
Spürst du dein Herz wieder?
Hm.
Du weinst ja. Komm‘. Dreh dich um. Sieh mich an.



Wofür war das?
Um -.
Hm?
Ich wollte probieren ob dein Herz dadurch wieder zu schlagen beginnt. Und?
Fühl‘ mal.
Dachte ich es mir doch.

V

Ich möchte anders sterben.
Hm?
Anders. Nicht einfach mit dem Ende des Herzschlagens.
Und wie sonst?
Durch Fallen.
Durch Fallen?
Ja. Ich möchte eine Schlucht hinabstürzen. Erst wenn niemand mehr da ist, um einen aufzufangen, ist es Zeit, zu sterben. Und dann genießt man die Sekunden bis zum Aufprall und ist genauso innerhalb Sekunden tot.
Hm. Okay. Aber-.
Aber?
Aber du brauchst keine Angst haben. Ich werde dich immer halten, fange dich auf. Du brauchst keine Angst zu haben.
Ich habe kein Angst.
Ich werde immer da sein. Für immer.
Aber nein. Sag‘ das nicht.
Warum?
Ich hasse die Ewigkeit.

photocredits: Je suis Samuel | flickr

Gedankentod.

„Weißt du, manchmal mache ich mir Gedanken, wie es ist, wenn man stirbt. Ob man dabei etwas verspürt, wenn der Schmerz ein Ende hat, wenn das bisher bekannte Leben ausgehaucht wird. Ob man sein eigenes Ableben überhaupt in unserem Sinne realisiert. Ob es überhaupt erlebenswert ist, das Sterben.“

Die Eiswürfel in diesem Vodka Red Bull scheinen, der Hitze ausgesetzt, doch nur für kurze Zeit ansehnlich zu sein. Der Strohhalm liegt ungebraucht daneben. Er muss schnell trinken, um die Gedanken zu verdrängen. Ein, zwei Schluck, das Glas verliert beträchtlich an Inhalt. Er möchte woanders hin. Möchte Stille, Ruhe, möchte träumen. Die Bar um ihn herum aber scheint ihn einzuschließen, überall rund um ihn all die zahllosen unbekannte Gesichter. Nur hie und da ein paar Bekannte, wenige Freunde.

„Noch einmal, bitte!“, brüllt er quer über den Tisch (und doch scheint es so, als würde er flüstern), während sein aktuelles Glas noch beinahe halb voll ist. Aber wenige Sekunden danach stellt er es ab und wartet auf Nachschub.

„Ich stelle mir den Tod einsam vor. Alles im Leben ist irgendwie  umfangen von verschiedenen Menschen. Von Geburt an schon. Aber den Tod kann man nur alleine meistern. Er passiert und niemand anderer kann dir nun etwas abnehmen, an keinen anderen Menschen kannst du dich nun festhalten. Man stirbt in trauter Einsamkeit.“

Die schwüle Luft in dem Lokal scheint ihm in den Kopf zu steigen. Er packt sich sein Getränk, bezahlt und deutet seinen Freunden an, dass er nur kurz mal raussehen würde. Wie war er nur hierher gekommen? Ein Freund folgt ihm. Er scheint bemerkt zu haben, dass mit ihm eben in diesem Moment irgendetwas gerade total falsch läuft.

„Warum ich über all das nachdenke? Besteht denn etwa seit Kurzem dieser unbändige Todeswunsch? Nein. Wie schon lange nicht mehr bin ich zum Leben aufgelegt. Es ist noch nicht Zeit dafür. Noch lange nicht. Aber manchmal versucht mich die Gedankenwelt vollkommen gnadenlos aus der Ruhe zu bringen.“

Sein Freund tut das einzig Richtige. Er umarmt ihn und klopft ihm auf die Schulter. ‚Komm, lass uns wieder reingehen‘, meint er und schließlich betreten die Beiden wieder das Lokal. Drei oder vier Gläser später fehlt ihm jede Erinnerung. Er hat es geschafft.

photocredits: DerrickT | flickr

Auch ohne mich. [Ein Abschiedsbrief]

Weißt du eigentlich, wie lange ich dich schon geliebt habe, bevor du mich überhaupt richtig kennen lernen konntest? Du warst immer die Traumvorstellung, die ich immer in mir trug. Wenn mich jemand nach meiner Zukunft fragte, sprach ich immer von dir. Nur von dir und all meinen anderen Träumen, die ich mit dir umsetzen wollte. Jetzt kennen, fühlen, spüren, hören wir uns nun schon seit beinahe 9 Monaten. Und für mich ist der Punkt gekommen, an dem ich gehen muss. Frag‘ bitte nicht. Kein Warum. Kein Weshalb. Akzeptiere es einfach.

Du bist immer noch groß und einzigartig, in meiner Vorstellung. Selbst jetzt, vermischt mit der monatelangen Realität, mit der du mich konfrontiertest, muss ich zugeben, dass du einfach unglaublich bist. Keine Minute kannst du ruhen. Und es dauert lange, um mit dir auch einmal in vollem inneren Frieden ruhig zu werden. Du hast mir neue Horizonte eröffnet und mich nun doch einen ganz wichtigen Schritt in meinem Leben begleitet. Hast mich geprägt, mir so viele neue, wundervolle Menschen vorgestellt. Und mir aber auch deine dreckigen Seiten gezeigt. Den schwarzen Fleck in deinem Herzen.

Nach diesen neun Monaten muss ich mich verabschieden. Und du kannst dir wahrscheinlich nicht vorstellen, wie sehr ich mich schon auf meinen letzten Tag hier freue. Auf den letzten Tag des Junis, dem letzten Tag meines Publizistikstudiums. Jenes Studium, welches ebenso ein Traum von mir war, und welches mich in Rekordgeschwindigkeit als anerkannten und hochgeschätzten Journalisten wieder ausspucken hätte sollen. Auch das hat mich enttäuscht. Vielleicht noch viel mehr als du. War es doch nichts mehr als ein unpersönliches Aussortieren und eine Ansammlung meist unfähiger Studenten. Vielleicht ist das auch nur ein guter Vorwand für mich, um mich von dir zu trennen.

Weißt du … manchmal kannst du so wundervoll sein. Wenn du mit deiner übermäßigen Schönheit prahlst. Dann möchte ich dich festhalten, möchte für immer bei dir bleiben. Aber es geht nicht. Es geht einfach nicht. Viel zu sehr saugst du mich aus, machst mich fertig, und manchmal trittst du auch noch extra auf mich ein, wenn ich schon auf dem Boden liege. Wirklich. Vielleicht ist es dir nur bis jetzt noch nicht aufgefallen. Aber ich will nicht mehr.

Und wenn ich ehrlich sein soll: Ich habe da jemand Neuen kennengelernt. Sie ist wundervoll. Etwas ruhiger als du. Ach, was sage ich: Beinahe zu still ist sie. Viel natürlicher, viel sanfter. Mit ihr könnte es schön werden. Mit ihr könnte ich leben, zumindest für ein paar Jahre. Ich weiß, das hört sich jetzt wirklich schlimm an, aber ihr zwei seid einfach nicht miteinander zu vergleichen. Du eröffnest mir ungeahnte Möglichkeiten, dein Gegenüber bietet mir einen Platz, an dem ich mich wohlfühle.

Du wirst nicht lange alleine sein. Da bin ich mir sicher. Jemand anderer, der mir gar nicht so unähnlich sein wird, hat sich wahrscheinlich genauso wie ich, schon vor Jahren in dich verliebt. Ich werde schnell ersetzt werden. Und wie du ja weißt, hasse ich diesen Satz. Aber hey … wir könnten doch … ähm, Freunde bleiben? Ich komme dich immer mal wieder besuchen. So kann ich dich auf eine total andere, wahrscheinlich bessere Art und Weise wieder neu kennenlernen. Bist du dazu bereit?

Egal. Ich gebe dir Zeit. Überlege es dir gut. Und wenn genug Zeit vorüber ist, melde ich mich wieder. Sehe mal wieder vorbei. Um nachzusehen, ob es dir eh noch gut geht. Auch ohne mich.

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Du zitterst.

Zigarette

Als sich die Nacht um uns verdichtet, deuten nur mehr die glühenden Spitzen unserer Zigaretten unseren Standort an. Jedes Mal, wenn du an ihr ziehst, kann ich dein Gesicht betrachten, nur für einen kurzen Moment. Du zitterst.

Ich würde mich ganz nah zu dir stellen. Würde dich umarmen, mit meinen Armen an deinem Rücken dir Wärme schenken, würde dir durch unsere Umschlungenheit all meine übermäßige Wärme abgeben. Nur damit du endlich zu zittern aufhörst. Und du könntest dich an mich kuscheln, könntest mir mit deinen Händen durch meine Haare streichen. Und mir deine Gedanken, all deine Gedanken ins Ohr flüstern.

Mein nächster Zug erhellt nun mein eigenes Gesicht. Du siehst mich an. Deiner sonst überschwänglichenFröhlichkeit sind Angst, Stille und Dunkelheit nachgefolgt. Nicht einmal deine Hand kann ich halten.

Wir sind uns noch viel zu fern. Obwohl ich mich dir so oft so nahe fühle.

Sommerregen.

Es riecht nach Regen.

Du ziehst mich zu dir heran, greifst meine Hand. Unsere Finger verflechten sich zur scheinbar unlösbaren Verkettung unserer beiden Körper. Ein Lächeln befleckt dein Gesicht, so herzhaft ungezwungen, so sonnig-zart. Wir fühlen uns einzigartig, zwischen all diesem promenierenden fahlgrauen Gestalten um uns herum.

Und mit dem ersten Regentropfen, dem ersten wundervoll warmen Sommerregen in diesem Jahr ziehen wir uns die Kapuzen unserer Pullis über unsere Köpfe. Wir sind glücklich. Als der Regen immer stärker wird, bleiben wir stehen. Die unbändigen Tropfen durchnässen unsere Kleidung, unsere Haare, unsere Körper. Und als wir uns zu küssen beginn, scheint es plötzlich so absolut vollkommen still. Wir sind allein hier. Einsam hier in der Mitte der Welt.

Es riecht nach. Nach Sonne wahrscheinlich.

[n1/the larch|flickr]

Doch ich bin nicht da.

Spürst du es? Ich fehle dir. Schon den ganzen Tag. Du möchtest dich festhalten an mir, möchtest mich umarmen, mich küssen. Möchtest neben mir einschlafen, und neben mir auch wieder aufwachen. Doch ich bin nicht da. Fühlst du es? Wie schmerzhaft es ist, einen geliebten Menschen so einfach gehen lassen zu müssen. Wie unbefriedigend kurze Anrufe oder Kurznachrichten sind. Du möchtest mich hören, mich riechen, möchtest, dass ich dir sanft in dein Ohr flüstere. Doch ich bin nicht da.

Warum denn auch?

Eintauchen.

Das kalte Wasser legt sich um seine Haut.
Er spürt den Schmerz.
Und folgt ihm.
Hinein in das eiskalte Nass.
Eintauchen.

Wahrscheinlich muss ich meist hineingestoßen werden. So wundervoll einfach ich selbst gerne in unbekannte Gewässer springe, so scheint die Metapher nur unter Mithilfe eines anderen Menschen zu funktionieren. Ein Stoß reicht meist aus, und ich gelange an den Punkt, an dem sich keine Rückkehr mehr auszahlt.

Dann heißt es: nach vorne sehen. Nicht in der Vergangenheit schwelgen. Sich den neuen Aufgaben stellen. Und immer und immer (und noch so viele verdammte Male) über den eigenen Schatten springen. Selbst wenn die Glieder nach jedem Sprung schmerzen. Sie bringen einen nach vorne. Weiter. Weiter hinauf auf den Berg, den man zu besteigen zuvor nicht bereit war.

Das wahre Leben beginnt wahrscheinlich erst, wenn man bereit ist, sich hinzugeben. Und einzutauchen.

Bild von bourdrez