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Und wie es nervt. Diese Zeit, die hier. Eben gerade. Das Jetzt, also. Alles so stinklangweilig und stressig, so laut, so niederstreckend unnötig. In der Zeit der Stille kann von Stille wohl keine Rede sein. Viel eher befindet sich mein Leben in genau diesem einen Monat im Ausnahmezustand. Schon klar. Man muss ja nicht. 

Nichts muss man. Ist ja selbstbestimmend und schon groß. Schon gut. Lassen wir das.

Weihnachten nervt solange bis Weihnachten da ist. [Twitter, 20:58] Eine, meine Weisheit. Weihnachtsfeiern mit Freunden sind großartig, aber wer hat diesen Arsch von Kater eingeladen, der immer am Tag danach auftaucht? [Twitter, 21:01] Und jetzt nur noch schnell morgen zertreten werden von hysterischen Menschenmassen, dann heim, packen, und Weihnachten kann kommen. [Twitter, 21:03] Und womöglich noch einmal Skifahren. Mit Freunden. Am Weihnachtsvortag. Um dann physisch tot noch einmal mit Freunden zu feiern. [Twitter, 21:05] That’s it. Nicht mehr und nicht weniger. 

Ich möchte in diesen Wochen einmal aufwachen, ohne dass mir irgendjemand meiner Elternriege es mir an den Kopf wirft, dass kein normaler, gesunder Mensch in meinem Alter so viel Schlaf nötig hat. Wären sie in meinem Körper, würden sie mich wohl verstehen. Denn wenn der Winterschlaf für Tiere wunderbar ist, warum sollte dann ich als Mensch denn darauf verzichten.

Okay, zugegeben. Ich weigere mich weitesgehensd diesem Eintrag irgendeine Art von Sinnhaftigkeit zu verleihen. Ich bin nur gerade so müde, so matt, so zermürbt und so schrecklich overdressed [und bin verwundert, dass die Abschlussalben des Jahres 2008 so furchtbar einfallslos sind, dazu aber vielleicht später mehr]. Ich wollte eigentlich nur noch einmal zeigen, dass es mich noch gibt. Und das ich im innersten Inneren meines Inneren weder traurig noch glücklich bin. Entscheidungsfreudig war ich noch nie, und so stehe ich einfach dazwischen. Mal sehen, was dabei rauskommt. Und vor dem Jahreswechsel kommt hier noch was. Das war ja klar.

Bild von +Maco+

Ein weiterer Versuch.

Der Zug rattert unruhig in die tiefe Nacht hinein. Es ist dunkel geworden, überraschend schnell. Als er die Augen das letzte Mal schloss, war der Himmel noch von einem sanften Pastellton, etwas violett, gesäumt und in der Stille dieser Zeit hatte er den seit langem benötigten Schlaf bekommen. Erst jetzt schreckte er hoch, aufgeweckt vom Bremsen des Zuges. Er schien zum Stillstand gekommen zu sein, aber er kann es nicht wirklich erkennen. Irgendwo, in der Pampa, im Niemandsland zwischen zwei Orten. Kein Licht leuchtet da irgendwo in der Ferne. Dichte Dunkelheit umhüllt den Zug. Plötzlich beginnen die anderen Mitreisenden aus ihrer Stille oder ihren Gesprächen gerissen zu werden. Auch sie haben bemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt.

‚Bitte entschuldigen sie diesen unplanmäßigen Stopp. Aufgrund eines Personenschadens wird sich unsere Weiterreise etwas verzögern.’

Das Getuschel verliert an Intensität, und irgendwann hat wohl auch der letzte Mensch bemerkt, was der Schaffner meinte. „Entschuldigung?“ Irgendjemand beginnt wieder leise mit jemandem zu sprechen. Es dauert, bis Noah merkt, dass jemand gerade ihn etwas fragen möchte. Er dreht sich um (bis jetzt blickte er wie gespannt aus dem Fenster, hinein in die Dunkelheit und das Spiegelbild der vor ihm sitzenden Personen) und erblickt, am Platz neben sich, eine junge Frau. „Ähm, ja?“ – „Warum glaubst du, dass sich hier jemand vor den Zug geworfen hat. Hier, in dieser Gegend.“ Sie fragt frei heraus, und sieht es als selbstverständlich an, mit einer wildfremden Person gerade mithilfe dieses sehr außergewöhnlichen Themas eine Konversation zu beginnen. Er muss kurz lächeln und blickt sie an. „Ich glaube es war Angst. Die Angst vor der-“ – „Der Dunkelheit.“ Er sieht sie, nun zum ersten Mal richtig, an. Das war genau sein Gedanke. Auch wenn die Diagnose der Angst mehr als lächerlich wirkt in Anbetracht der Tatsachen, die Menschen einen Selbstmord begehen lassen, irgendetwas scheint die beiden zu verbinden. Ein Mal, in der Grundschule während einiger Projekttage gingen Noahs Klasse nachts spazieren, mit Taschenlampen. Und mitten im Wald sollten sie nun für kurze Zeit jedwedes Licht abschalten. In diesem Moment bemerkte er zum ersten Mal diese Angst vor der Dunkelheit, vor dem Alleinsein, vor der Hilflosigkeit. Deshalb kam er auch jetzt zuallererst auf diesen Gedanken, nachdem er zuvor minutenlang die Dunkelheit nach Lichtquellen absuchte.

Er nickt. Der Zug steht immer noch und die ersten Menschen werden unruhig. Schimpfen auf diese verdammte Bundesbahn und dass sie wahrscheinlich den Anschlusszug am nächsten Bahnhof versäumen würden. Noah blickt langsam wieder aus dem Fenster, hinein in die Dunkelheit.

„Du?“
– „Ja.“
„Mein Name ist übrigens Emilie. Ich hoffe, ich habe dich vorhin nicht zu sehr überrascht. Ich habe nur gesehen, dass du aufgewacht bist, und …“
– „Ich bin Noah. Und das war schon okay. Ich bin froh…-“
„Dass ich dich angesprochen habe?“

Sie lacht etwas auf. Aber so Unrecht hat sie mit dieser Vermutung gar nicht. Einen Gesprächspartner auf einer Zugfahrt zu haben, kommt Noah gerade gelegen. Es nervt ihn jedes Mal, wenn er diese Reise antreten muss, und als einer von ungefähr fünfhundert Menschen in einem der Waggons sitzt und schlussendlich nur auf die Ankunft des Zuges in der Endstation wartet.

„Und wohin fährst du?“
– „Ich bin auf der Heimreise. Dieses Wochenende verbringe ich wieder einmal bei meiner Familie.“
„Studierst du etwa auch in Wien?“
– „Mhm.“

Er weiß bis jetzt noch nicht, wie lange sie wohl neben ihm sitzen würde. Die nächste Haltestelle war vielleicht eine halbe Stunde entfernt, aber der Zug machte auch keine Anstalten, sich in den nächsten Minuten zu bewegen. Während sie ihre Blicke im Waggon schweifen lässt, mustert er zum ersten Mal bewusst ihr Gesicht. Diese makellosen Formen. Dieses schöne Haar. Emilie hatte irgendetwas, eine außergewöhnliche Ausstrahlung und wie er jetzt schon bemerkt hatte, war sie auch noch überaus selbstbewusst und freundlich. Ihr Blick kehrt zurück und plötzlich sehen sich die beiden in die Augen. Sie lächeln und setzten die Konversation fort, während sie sich auf den Sitzplätzen einander weiter zuwenden.

„Du. Du bist schön.“

Für den kurzen Moment dieses Augenblicks ist Noah von seinen Worten selbst überrascht und wendet seinen Blick langsam ab. Was für ein dummer Satz war ihm hier nur über die Lippen gekommen. Diese junge Frau, er kennt sie jetzt erst seit zehn oder fünfzehn Minuten und dann das. Aber sie lächelt nur und meint: „Dankeschön.“

„Ich fahre übrigens bis Sankt Valentin.“, fügt sie hinzu. Etwas traurig blickt er auf den Sitz vor ihm. Es würde nicht mehr lange dauern, bis sie an ihrem Zielbahnhof angekommen war, und dann würde er sie wahrscheinlich nie mehr wieder sehen. Doch er ahnt nicht, wie viel Zeit den Beiden noch bleiben würde.

„Ein Personenschaden. Was für ein dämlicher Begriff“, entkommt er langsam dem beinahe peinlichen Schweigen, in das sie geraten sind. „Das klingt so schrecklich trivial. Durch diesen Ausdruck vergisst man beinahe, dass sich hier ein Mensch möglicherweise aus vollstem Bewusstsein vor diesen Zug hier geworfen hat.“ Sie nickt.

„Hast du eigentlich jemals daran gedacht?“
„An Selbstmord?“ Er blickt Emilie fragend an.
„Mhm.“
„Klar -.“

Seine Stimme wird plötzlich leise, als er den Satz zu Ende spricht. „Wer hat das denn noch nicht?“. „Stimmt.“ Sie nickt, und die beiden denken wohl gerade wieder an diesen Menschen dort draußen, wahrscheinlich tödlich verletzt, noch einige hundert Meter mitgeschleift von diesem Koloss von Zug.

Das hier ist ein weiterer Beginn meines Buchprojektes. Ich stehe zurzeit. Irgendwo im Nirgendwo. Gefällt euch dieser Beginn besser als der andere? Nachdem ich von der Schreibweise des Herrn Kluun (Mitten ins Gesicht und Ohne Sie) begeistert bin, und ich kein Mensch der großen Umschreibungen bin (die Landschaft ist ja mal sowas von uninteressant), gefällt mir dieses, dialoglastige Dingens um einiges besser als mein sogenannter „zweiter Versuch“, welcher in Wahrheit wahrscheinlich nur mein erster war. Ich bitte um Reaktionen.

Needed you tonight.

Walk Away

Ich wollte gerade eben fahren. Doch Gedanken fraßen sich in meinen Kopf. Ich will da eigentlich gar nicht hin, keine zehn Pferde sollten es schaffen mich dorthin zu schleppen. Aber verabredet ist verdammt noch mal auch verabredet. Ich könnte mir eigentlich ins Knie schießen, so dumm war die Annahme, dass zumindest dieser Abschlussball etwas Groß- und Einzigartiges sein würde. Abschlussbälle sind natürgemäß unter aller Sau. Selbst der eigene war nur deswegen so genial, weil wir einfach die Coolsten waren. Doch das lag schon hinter mir. Zwar nur wenige Monate aber immerhin. Und selbst die Freundin, für die ich mir das alles antat, hatte sich schlussendlich beschlossen, ihre Klasse freiwillig zur Wiederholen. Einzig und allein die Tatsache, dass vieles auf diesem Ball aus ihrer Feder stammte, sollte schließlich Anlass genug sein, um mir diese Gräueltat anzutun. 

Timi begann an diesem Abend immer wieder zu husten. Bronchialhusten würde man es nennen, ein bellender Schrei aus diesem kleinen Kindermund. Erst vor wenigen Monaten hatte er seinen ersten Geburtstag gefeiert, mit seinen beiden Großmüttern, seinem Vater, seiner Mutter und ihrem neuen Freund und eben mir. Was waren das damals nur für sonnige Tage. Jetzt stoßen bei jedem Husten Tränen aus seinen Augen hervor. Meine Mutter bemühte sich, ihn gesund zu pflegen. Mit einer heilenden Salbe, mit einem lauwarmen Tee. Und ich hielt ihn, weinend, schreiend und hustend auf meinem Arm. Dieses kleine sanfte Wesen, so arm. Und ich so hilflos. Ich kann ihm nicht helfen. Nur langsam durch das Wohnzimmer schlendernd, ihn am Rücken streichelnd. Und er legt die Arme um meinen Hals und meine Schulter, das Gesicht mir zugewendet. Den Blick werde ich nie vergessen, und die Tränen, die langsam auf mein T-Shirt fielen. Zum ersten Mal hat er mich so umarmt, hat mir all seine Wärme geschenkt und ich. Ich mache mich schließlich auf den Weg zu diesem ach so bescheuerten Abschlussball.

Aufgrund meines Fahrertums verdonnere ich mich zur Alkoholabstinenz. Ich habe auch wirklich nicht gerade Lust dazu, mich mit diesem Bullshit volllaufen zu lassen, um dann peinlich herumzuspazieren und wieder einmal Dinge zu tun, die ich anschließend bereuen werde. Erst vor einem Tag etwa habe ich erfahren, was meine Schwester sich selbst und uns zugefügt hatte. Ich konnte es anfangs nicht glauben, aber meine Mutter bestätigte es, bis es mir einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte. Was soll das heißen: Selbstmordversuch? Das machen doch nur. Nein. Sage es nicht, Dominik. Denke es dir nicht einmal. Auch du hast schon einmal darüber nachgedacht, und die wichtigste Frage war schließlich immer nur, wer denn wohl so richtig trauern würde. Wer sich denn nun aller Sorgen machen würde. Es wäre die Aufmerksamkeit, die einem das Gefühl geben würde, dass all das eben doch Sinn geben würde. Aber es ist egal, jetzt im Moment. Ich stehe hier, im Anzug mit Hemd und Krawatte und diese elendigen Schuhen. 

Alle Menschen um mich herum, und die Betonung auf alle, sind sturzbetrunken. Die Aufmachung des gesamten Balls hat wohl ihres dazu beigetragen, dass die Besucher nur mehr im vollen Suff diese Veranstaltung verlassen können. Eine gute Freundin, damals, kommt plötzlich auf mich zu, und ihre Absichten waren mir schon im Vorhinein klar. Es würde uns beiden nichts bedeuten, nur an diesem Abend hier. Wir könnten es anschließend vergessen, es könnte in die Bedeutungslosigkeit verschwinden. Doch da steige ich aus. Das will und das kann ich einfach nicht. Ich kann nicht vergessen, und schon gar nicht Begegnungen mit Frauen. Jede zärtliche Berührung von einem Mädchen geht mir nie mehr aus dem Kopf. Vielleicht (nein, viel eher wahrscheinlich) ist das nicht unbedingt positiv, in einer Zeit, in der man sich ausleben sollte. Ficken für den Weltfrieden, würde man meinen. Aber es würde mir etwas bedeuten, und gerade eben das lässt mich zurückschrecken. Und eben auch diese Begegnung lässt diesen Abend zu einer schrecklichen Parade unverständlich miserabler Aneinanderreihungen negativer Begegnungen werden. Ich will nach Hause. Sofort.

Doch dazu kommt es nicht. Zuerst fahren wir noch zu einem Freund, der nicht unweit eine chillige Wohnung hat. Dort liefere ich den Großteil meiner Mannschaft ab und rauche eine unglaublich starke und unvorstellbar lange Zigarette. Kein Gras inside. Nicht jetzt, nicht heute. Wobei mir dieses Gefühl, sollte ich es denn endlich wieder einmal spüren, diese gesamte Anspannung wegnehmen würde. Mein Slogan wäre eher ‚Kiffen für den Weltfrieden‘, und das, obwohl ich schon lange keinen Joint mehr in der Hand hielt. Und diese Zigarette soll für mich nun den Abschluss dieses Abends bedeuten, welcher beschissener nicht hätte laufen können. Um kurz nach zwei bin ich wieder zuhause. Blogge noch fröhlich von diesem Ball, mit wenig harten Worten, um nicht mitlesende Schüler dieser Schule zu beleidigen. Aber es war wohl einer der abgefucktesten Bälle, auf denen ich war. Außer natürlich den zweien vorher und dem einen danach. Irgendwann schlafe ich schließlich auch ein. Was für ein Tag. Was für ein Abend. Alles einfach nur Bullshit.

Mehr Kapitel der Geschichte „Walk Away

All Alright.

Es ist schon die zweite Nacht, in der ich nicht einschlafen kann. Obwohl ein anstrengender und zeitraubender Tag voranging. Und so liege ich hier im Bett. Es wird beinahe schon drei Uhr. Morgen soll ich früh raus, ein Projekt abschließen, packen und rechtzeitig wieder nach Wien fahren. Weil ein ganz spezielles Highlight auf mich zu warten scheint. Mein Konzert, nach mehr als einem Jahr Ruhe mein großes Comeback als Statist in einem schwitzenden und schunkelnden Publikums. Und dann es ist auch noch Pete Murray, ein wundervoller australischer Gitarrenpop-Sänger. 

Die zweite Nacht also. Von Freitag auf Samstag. Und von heute auf morgen. Oder von gestern auf heute. Wie man es gerne sehen möchte. Am Freitag war ich mir ja noch bewusst, warum ich die Augen nicht lange wirksam zudrücken konnte. Gedanken schossen mir durch den Kopf. Ich bekam einfach keinen klaren Kopf hin, alles wurde mit allem verbunden, ich dachte an den Tod und was wäre wenn. Und kam einfach nicht zur Ruhe. Bis ich irgendwann, ebenfalls einige Zeit nach Mitternacht endlich die Möglichkeit hatte – in einem kurzen Moment Gedankenpause – die Augen ganz fest zuzudrücken und so dem Schlaf die Vorfahrt gewährte.

Heute Gestern bin ich verkatert und nach ebenso wenig Schlaf aufgewacht und habe sogleich mit der Arbeit an einem Projekt, welches morgen heute fertig sein muss. Es ist nicht mehr viel zu tun, eigentlich handelt es sich nur um die Aufgabe, Texte in ein vorgefertigtes Layout einzufügen und druckbereit zu machen. Aber es ist nicht immer so alles, wie es sich vielleicht anfänglich anhört. Vor allem, wenn man mit einem veralteten und komplizierten Programm arbeitet. Aber egal. Mit meinem Kater saß ich so stundenlang vor dem Computer und probierte und arbeitete. Ich könnte eigentlich müde sein. Aber.

Die Augen wollen eigentlich schon. Doch irgendwie habe ich wieder Angst vor meinen Gedanken. Sie würden mich heute erdrücken. Ich hasse es, wenn sie erst so spät (und in geballter Ladung) kommen. Entschuldigung, hallo? Ihr hattet doch den ganzen Tag Zeit, um auf mich einzuprasseln. Aber Gedanken sind scheinbar Nerds. Sehr nachtaktiv.

Und mit Sigur Rós in der Playlist, ein bisschen með suð í eyrum við spilum endalaust und plötzlich auch noch das Lied All Alright völlig jungfräulich in meinen Gehörgängen. Wundervoll. Dazu fällt mir jetzt nur The Killers ‚Everything will be alright‘ ein. Ja. Hoffen wir es. Denn zurzeit fühle ich mich gerade wieder an dem Punkt, wie wirklich gar nichts zu nothing passt. Alles komisch und schräg und alles kaputt was irgendwann einmal auch noch funktionierte. Es nervt gerade. Alles, ehrlich. Die Welt ist doof und mit ihr alle Menschen. Und Houellebecq hat also doch Recht. (Und obwohl er zu meinen Lieblingsautoren zählt, stimme ich nur selten mit ihm überein; außer eben, ich fühle mich so wie eben gerade). Und nach dieser einen Zigarette, welche ich gleich im Anschluss rauchen werde, versuche ich es noch einmal. Ein letztes Mal. Die Augen ganz fest zuzudrücken um auf einen besseren Tag zu hoffen. Manchmal funktioniert das. Wirklich.

Foto von kevindooley

So why does the wind go howling her name?

Er atmet tief ein. Und so sehr er es sich auch wünscht, die Stimme in seinem Kopf gestattet ihm keine Sekunde der Stille. Es ist kalt hier, draußen, an der frischen Luft. Der Himmel, so blau. Und immer. Ja, immer denkt er nur an sie und vergisst zu vergessen. Er hat das Vergessen nie erlernt. Alles Geschehene bleibt in ihm. Und an manchen Momenten scheint ihm die Vergangenheit den letzten Schlag versetzen zu wollen. Es ist unerbitterlich und auch der Wind setzt seinen Weg fort, staubt die Kristalle von den Schneedecken und wirbelt sie mutlos in die Luft.

Es ist doch schon so lange aus. Er versteht einfach nicht. Er versteht sich selbst nicht und zweifelt – wieder einmal – an sich selbst. Er dachte, er könnte nun endlich an jemand anders denken. Doch trotzdem taucht sie noch immer jeden Tag auf. In seinen Gedanken, und manchmal auch in seinen Worten. Als könne er mit ihr einfach nicht den Frieden finden. Eigentlich kommen ihm immer nur die wunderschönen Tage mit ihr unter. Die sonnigen Tage am See, die Spaziergänge rund um den Sumpf. Die Abende, als sie gemeinsam einschliefen und am nächsten Tag gemeinsam aufwachten. Seither hatte er nie wieder so etwas erlebt, so etwas gespürt. Vielleicht mag es auch daran liegen. 

Er lehnt sich ans Brückengeländer. Vom Frost etwas kalt geworden, hält es ihn immer noch davon ab, sich in den reißenden, und zu dieser Jahreszeit wahrscheinlich umso kälteren Bach zu fallen. Hier sind sie einmal gelegen. Auf einer Decke, mitten in der Nacht. Und haben die Sterne gezählt. Ein Stern trägt immer noch ihren Namen. Ein Stern. Und er blickt auch heute noch oft, egal wo er sich gerade befindet, hinauf. Zu den Sternen. Welche ein ganz besonderes Gefühl in ihm entwickeln. Jeder Mensch, welchen er auf (manchmal auch unergründliche Weise) liebt, befindet sich dort oben. Warum er auch für sie noch so viel empfindet, versteht er nicht. Aber es soll wohl so sein. Vielleicht findet sich ja wieder die Zeit und Gespräche brechen den Bann und irgendwann können sie auch wundervoll ihr Leben teilen. Als Freunde womöglich. Er würde es sich wünschen. Wahrhaftig. Selbst wenn es noch lange dauern wird. Er würde erst aufgeben, wenn sie ihm die Möglichkeit eines langen Gespräches geben würde. Denn dann würden wohl auch die Gedanken einmal ruhen und die Stille in seinen Kopf einkehren. Zumindest, was diese Sache betrifft. 

Foto von Misserion

What am I to you?

Er lächelt, als er sich in diesem wunderschönen Park, mit herbstlichen Farben und bestrahlt von dieser wärmenden Sonne, auf der Bank niederlässt. Das Lächeln war überraschend und erzählte die Geschichte der Schmetterlinge, die sich in seinem Bauch breit gemacht hatten. Er blickt in den Himmel, der sich mit kuschelig weichen Wolken zu füllen beginnt. Lange schon war er nicht mehr in dieser Stadt gewesen und selbst dieser Ausflug heute war eher spontan entschieden worden. Er wollte nur mal wieder den See sehen und die Natur, die an diesem Plätzchen der Erde so einzigartig und wundervoll ist.

Wie lange hatte er sie nun schon nicht mehr gesehen? Jahre müssen das sein. Seit fünf Jahren war er ständig unterwegs, kam nur mehr kurz nach Hause, in seine Wohnung. Alleine, in einer Großstadt, Stunden von seiner Heimat entfernt. Und dann zieht es ihn zufällig mal wieder nach Hause und er erblickt sie. Sie, deren braune Augen so berührend, deren Lächeln so entwaffnend ist. Sie, die ihm vor so vielen Jahren den Kopf verdreht und anschließend auch das Herz gebrochen hatte. Er hatte lange gebraucht, um über sie hinweg zu kommen. Aber obwohl Jahre ins Land einzogen und sich alles verändert hatte, selbst der Park hier schien erst vor kurzem angelegt worden zu sein. Obwohl nichts so ist, wie es damals war, haben sich die Beiden beim ersten Aufeinandertreffen der Blicke wiedererkannt.

Zwischen all den Büchern. Er kramte gerade, um ein Buch einer Freundin zu finden. Erst kürzlich sagte sie, dass ihr neuer Roman erscheinen würde, und um nichts wollte er ihr neues Werk versäumen. Und während er so suchte, versuchte er zudem, nicht daran zu denken, dass auch der Verlag von ihm ein neues Buch erwartete. Er konnte nie auf Kommando schreiben, und das hatte er dem Vorstand auch schon erklärt. Wenn es Zeit wäre, und vor allem wenn er die richtige Eingebung hatte, dann könnten sie in Kürze schon seinen neuen Roman lesen. Aber das konnte dauern. Und während er suchend und über seine nahe Zukunft nachdenkend im Bücherladen umherirrte, stellte sich plötzlich eine Frau in den Weg.

Dunkle Haare, so natürlich wie eh und je. Und es kam ihm vor, als würden sie auch noch immer so riechen. Ja, es war der Geruch, der ihn aufblicken ließ und im seine erste Vermutung bewahrheitete. „Hey.“, sagte er, etwas zu impulsiv. Sie blickt überrascht auf und das war er dann. Der Moment der sich begegnenden Blicke. „Hey!“, antwortete sie freudig und das Lächeln zauberte sich in ihr Gesicht. Jetzt im Nachhinein, die Sonne kitzelte ihn immer noch im laubverschneiten Park, erkennt er erst, wie jung sie doch noch aussieht. Sie mag jetzt … 28 Jahre alt sein. Ja, genau. Achtundzwanzig, ungefähr zwei Jahre jünger als er. 

Und während er so in dieser Buchhandlung steht, neben ihm sie und dazwischen diese peinliche Stille möchte er beinahe schon mit diesem unsäglichen Smalltalk beginnen, als sie das in der Luft schwebende Wort ergriff. „Du … du schreibst über uns. Nicht wahr?“ Und schon ließ sie den Blick zwischen dem Boden und seinen Augen schweifen. Früher tat er das immer. „Ich hab‘ es gelesen. Dein erstes Buch. Es … es ist gut.“ Er schwieg, die ganze Zeit. Auch das tat er früher genauso. „Du schreibst doch über uns, oder?“ Er nickte und er fühlte sich gerade so, als wäre das womöglich der peinlichste Moment seines bisherigen Lebens, ausgenommen natürlich seiner Zeit des Bettnässens. „Ja. Stimmt. Ich schreibe von uns.“

„Denkst du eigentlich noch manchmal an mich?“, fragte er sie, einfach so frei heraus. „Nein. Und du?“ „Ne, nicht wirklich.“ Und er begann zu lächeln, ein ganz kleines Bisschen. „Wie geht’s es dir eigentlich? Was machst du denn so?“ „Musik.“, sagte sie. Schon damals spielte sie zwei oder drei Instrumene. Er hatte so etwas erwartet. Als er das nächste Mal den Blick schweifen ließ, erblickte er das Buch seiner Freundin. Er zog es heraus, drehte sich noch einmal zu ihr um. „Schön, dich wieder einmal getroffen zu haben.“ „Ja. Stimmt. Vielleicht sieht man sich ja wieder.“

Und da sitzt er also nun. Nach Jahren hatte er seine erste große Liebe wiedergesehen. Sie hatte bemerkt, dass sein erstes Buch zu einem Teil auch von ihr handelte. Sie hatte das Buch auch gelesen. Und. Und sie denkt noch an ihn. So wie er. Da ist er sich sicher. Aber er will sie nun einfach nicht wieder sehen. Es war ein schönes Aufeinandertreffen, aber ein Kaffee mit ihr wäre schon wieder zu viel gewesen. Und so blickt er hinaus auf den See. Als er gehen möchte, bemerkt er, dass sie nun von hinten auf ihn zukam. „Es ist. Es ist wunderschön. Das … das Buch. Die Geschichte. Von uns und dir und mir. Ich liebe sie.“ Sie wirkt etwas aufgewühlt. Er will jetzt einfach nicht zu viel sagen. Vielleicht wäre ein Kaffee doch nicht so schlecht. „Dankeschön.“

Foto von orangeacid

Und inspiriert übrigens von Bridschi

Falling or flying. Something like this.

dust

In Momenten wie diesen passt nichts besser. Einfach mal nur die Soundtracks von Grey’s Anatomy auf Dauerrotation schmeißen und warten bis alles irgendwie wieder besser wird. Es ist vielleicht auch gar nicht so schlimm. Es tut nur auf irgendeine vollkommen beschissene Art und Weise doch etwas weh. 

Man hat es vielleicht bemerkt, an den letzten Texten, die doch schon so einige Zeit zurückliegen. Ich fühlte mich plötzlich wohl, in meiner neuen Heimat, an meinem neuen Platz. Und es stimmt auch. Ich habe jetzt schon so viele neue tolle Menschen kennengelernt, Menschen, die ich sehr, sehr schnell in mein Herz geschlossen habe. Menschen, die ich schon jetzt als gute und wichtige Freunde bezeichnen würde. Und in eine junge Frau habe ich mich eben verkuckt. Komisch, so ein Gefühl, nach so vielen Monaten. Mal einige kurze Zwischenverliebungen (ein oder zwei werden es wohl schon gewesen sein). Aber irgendwie schien hier einfach alles wieder zu passen. Eine SMS, aus purer Feigheit und dem Wunsch, endlich Gewissheit zu haben, nahm mir dann die Illusionen und trotzdem freut es mich, dass sich nun doch alles so wunderbar weiterentwickelt. Kein gewünschter Abstand, kein Übelnehmen, wenn man das überhaupt kann und darf. Aber das war es eben. Und das Entlieben, so glaube ich, ging schnell. Ich lebe gerade in einer viel zu schnelllebigen Zeit. Nicht allgemein, nein. Mein Leben ist so.

Ich verbringe nun auch mein erstes Wochenende in Wien. Und freue mich, erst wieder kommenden Samstag nach Hause zu kommen. Mir fehlte letzte Woche, als ich auf der Heimreise war, das Studentenheim und all die Leute. Zugegeben, am Wochenende ist es nicht wirklich belebt. Aber es hat schon was. Und so werde ich eben erst am Samstag die heimatlich-verschneite Luft riechen (nachdem ich am Freitag einer Party beiwohne). Ich werde erwachsen. Irgendwie. Irgendwie aber auch nicht. Ich bin immer noch. Noch. Auf der Suche.

Auf der Suche nach mir selbst. Ein Bild von mir hat die Selbstliebe und gleichzeitig auch den Selbsthass in mir entfacht. Dieses Bild hier. [Bild funktioniert endlich] Es zeigt mich, 2006. In einem großartigen Sommer. Als ich vielleicht zum ersten und einzigen Mal halbwegs mit mir zufrieden war. Da möchte ich wieder hin. Mit dieser kindlichen Leichtigkeit. Alles hat sich verändert und auch meine Freunde. Wenn wir von Studium und Job sprechen, es geht mir alles einfach zu schnell. Vielleicht hätte ich einfach abhauen sollen, in den Sommerferien. Einfach mal weg, für ein Jahr. Vorher noch eine Bank ausrauben und dann nach Kanada trampen, mir eine Hütte an einem einsamen See – umzingelt von Wald und Grizzlys – zu kaufen. Und um dort einfach mal allein zu sein. Ohne Stress, ohne Freunde, Familie. Alleine. Um endlich einmal zu mir selbst zu finden. Um zu schreiben. Um nachzudenken. Um keine Aufgaben zu haben. Um durchatmen zu können. Ich werde mich nicht finden, und niemand wird mich je so kennenlernen, wie ich wirklich bin. Ich bin ein viel zu gespaltetes Ich. Es ist schwer. Aber ich werde euch Bescheid geben, wenn ich mich endlich gefunden habe. 

Und so fühle ich mich. Am Boden und vor kurzem noch vollkommen hoch oben. Und irgendwie fühle ich mich auch jetzt nicht schlecht. Es geht mir gut und trotzdem ist es scheiße und trotzdem doch so gut. Ich fühle mich auf dem besten Weg zu meinem neuen alten Ich. Ich will nicht der großartige Journalist sein, der super Schriftsteller, womöglich auch ein Schauspieler (die täglichen Rollen spiele ich noch nicht mal richtig gut). Ich möchte zuerst einmal ich sein. Da hilft kein Druck. Ich weiß, was ich geben kann, ich weiß, dass ich schreiben kann, Menschen mit meinen Texten auch berühren kann. Und allein das zeigt mir, zu was ich fähig bin. Ich habe Träume. Und in diese Träume passt eben gerade überhaupt nicht dieses Studium.

Ich werde es abbrechen.

Ja. Nach 7 Jahren Träumen vom Publizistikstudium in Wien nun das. Ich werde, womöglich, relativ unsicher, auch Wien den Rücken kehren. Mal sehen, was die Zukunft, der Selbstfindungstrip bis zum Sommer und auch anschließend, bringen wird. Aber ich lasse mich einfach mal durch nichts mehr aus der Ruhe bringen. Für den nächsten September werde ich mich an einer Fachhochschule für Journalismus bewerben. Jährlich werden nur 36 Menschen genommen. Man muss also gut sein, und ich weiß, dass ich es bin. Ich kann es schaffen. Als einer von 1700 Publizistikstudenten oder als einer von 36 professioneller und spezifischer Ausgebildeter einer FH … natürlich werde ich es schaffen.

NaNoWriMo fiel flach. Ich hatte zu viel zu tun und nicht die Zeit. Aber ich werde mir von nun an wieder überall hin den Block mitnehmen und an der Geschichte kritzeln. Ich werde sie formen und vielleicht gibt es schon bis Ende des Jahres ein kleines Erfolgserlebnis. Und das gibt es auch schon, für alle, die Wohlfühlgewicht 2.0 nicht mehr mitverfolgen für mich. Letzte Woche stand ich kurz vor meinen ersten 10 Kilogramm, die ich abgenommen habe. Diese Woche kann ich, dank fehlender Waage, nicht mitwiegen, aber vielleicht trink ich nächste Woche schon einen Prosecco zur Feier des Tages. Man wird sehen. 

Und was man abschließend schon sagen kann: Ein Besuch von Freunden im neuen Heim ist wundervoll, ich hasse „Religionsgemeinschaften“, die nichts anderes sind als blinder Gehorsam, und sich in der Küche unseres Heims für diesen Abend eingenistet haben, ich muss mir endlich mal die Namen der bisher wenig Bekannten im Heim merken, Schnee ist weiß und auch relativ kalt, wenn man nur mit Sommerschuhen unterwegs ist. Und was ich schon immer mal sagen wollte: Es gibt Männer, für welche man gerne schwul wäre.

Und somit befinde ich mich irgendwo zwischen Falling und Flying. Somewhere between waking and sleeping. Irgendwie am falschen Ende des Regenbogens und es ist doch ein Kobold da. Irgendwie alles gerade sehr verwirrt. Aber das ist es. Eindeutig.

11:11

Es war der Bruchteil einer Sekunde. Jetzt, in seiner Erinnerung kommt es ihm so vor als hätte er gerade in diesem Augenblick gezwinkert. Er blickt sich das Reh an, welches regungslos auf der Straße liegt. Den Kopf interessant verrenkt. Wahrscheinlich war es auf der Stelle tot, als sein Auto noch auszuweichen versuchte. Langsam zieht er an seiner Zigarette und lehnt sich gegen das – nun im Straßengraben befindliche Fahrzeug. Die Sterne. Sie sind schön, in dieser Nacht.

Das er aber auch immer in solche Situationen kommen muss. Auf irgendeiner Freilandstraße, kilometerweites „Fast-nichts“, nur unzählige Felder und vielleicht ein suizidgefährdetes Reh. Er braucht keine Angst zu haben, dass ein nachkommendes Fahrzeug hinzustoßen könnte. Hier war nichts und hier wollte niemand hin. Diese Dunkelheit, verstört nur durch die Glut der Zigarette und das Abblendlicht des Wagens. Leicht genervt wirft er die Zigarette zu Boden. Die Funken verteilen sich am kalten Asphalt.

Langsam öffnet er seinen Kofferraum. Wie geschaffen für ein junges Reh, denkt er sich, während er den kleinen Teppich ausstreifte. Es soll ja das Auto nicht dreckig werden. Etwas verstört bückt er sich dann zum Reh hinunter. Ein wunderschönes Tier, grazil, mit samtigem Fell. Und tot. Als es im Kofferraum verstaut ist, setzt er sich wieder ans Steuer und steuert seinen Wagen langsam aus dem Straßengraben. Es wird wohl drei Uhr sein. Um diese Uhrzeit möchte er den Tierazt auch nicht mehr aufwecken und überhaupt … das Ding ist tot. Und auch er will endlich ins Bett.

Die Todesanzeige kann man wohl auch morgen ausfüllen. Erst einmal erzeugte er einen Sachschaden an der Natur. Ein Eichhörnchen war ihm einmal direkt vors Auto gelaufen, wenige hundert Meter vor seinem Zuhause. Er bemerkte es aber erst, als er am nächsten Tag Reste davon an Reifen und Auto fand. Er ekelt sich – selbst heute noch – wenn er daran zurückdenkt.

Die Heimfahrt gestaltete sich ganz angenehm. Im Autoradio dauerrotierte Jose Padillos „Adios Ayer“. Er fährt jene unzähligen Kilometer zurück nach Hause, die er unsinnig in Kauf genommen hatte, nur um endlich mal wieder raus zu kommen. Das macht er häufig. Eigentlich immer, wenn es ihm in den eigenen vier Wänden zu eng wird. Es ist ihm doch so lange nun so gut gegangen, und dann plötzlich dieser schnelle Verfall. Vielleicht nur ein kurzer Durchhänger. Das tote Reh in seinem Kofferraum ist ihm eigentlich relativ egal. In irgendeiner Art und Weise amüsiert es ihn sogar. Er hatte es ja nicht absichtlich getötet, hatte nicht extra Gas gegeben. Versuchte sogar auszeichen, nur um das Reh zu retten, und sich selbst vielleicht in größere Gefahr zu bringen. Innerlich lachte er gerade. Es wird schon wieder. Alles wird gut. Nur das Reh, das bleibt tot.

Zuhause angekommen haute er sich noch ein paar Cevapcici in die Pfanne, trank ein Bier dazu und ging schlafen. Das Reh bewegte sich trotzdem nicht mehr. Was für ein Tag.

Diese Geschichte entstand während der letzten Wienheimfahrt, auf das Reh kam ich, als ich zum ersten Mal seit einigen Tagen einen Wald erblickte. Gespickt wurde die Geschichte mit den Worten von einem meiner besten Freunde, Lukas. Teppich, Eichhörnchen und Cevapcici. War interessant und vielleicht ein Vorgeschmack auf PS09. Der Titel entstand spontan und hat nichts mit dem Datum und der trivialen Uhrzeit zu tun, die am gestrigen Tag so unglaublich angesagt war. Mich brachte ein Song von Rufus Wainwright dazu. Und nein, bei uns hat es noch nicht geschneit. Aber kalt wird es.

Foto von smile4camera

Running to stand still.

Nicht schon wieder das Liebestheme. Hier in meinem Leben. Hier in dieser Gedankenansammlung. Hat man denn niemals seine Ruhe. Wohl kaum, vor allem wenn es um dieses Thema geht. Alles hat sich verändert und doch werde ich immer noch enttäuschen. Ich bin mit mir noch lange nicht im Reinen, fühle mich aber wohl than ever before. Ich lerne kennen und lerne lieben. Auf irgendeine Art und Weise. Aber … es tut mir Leid. Ich weiß nicht.

Ich war noch nie in dieser Lage. Never ever. Really. Zu viel zu wissen. Zu viel über Liebe. Über Liebe und Gegenseitigkeit und über Einseitigkeit und ein richtig beschissenes Gefühl. Ich lebe dieses neue Leben hier in Wien und fühle mich von Tag zu Tag wohler, liebe den Tag, jeden, egal welchen. Liebe das Wetter und den Tee, den ich gerade zur Genüge runterschlürfe. Das Leben ist schon und ich fühle mich wunderbar. Ich liebe diese Hochs, die manchmal über mich kommen. Vielleicht dauert dieses ja etwas länger an. Maybe.

Eigentlich habe ich beinahe keine freie Zeit mehr. Oder verbringe die Zeit vor allem mit neuen Freunden und auch alten. Im Studentenheim habe ich mir schon einen Namen mit der neu eingeführten donnerstäglichen Teerunde gemacht. Und überhaupt fühle ich mich gerade wie Gott Ronaldinho Peter Jackson das beste Ich. Das beste Ich seit langem. 

Das so lange so sehr verhasste Wien wird zu dem, was ich mir immer wünschte. Ein lebenswerter Lebensraum. Eine Aufgabe für all die kommenden Wochen und Monate und Jahre und maybe. Okay, und ich gebs auch zu. Von der anfänglichen Befürchtung über das Thema Liebe schon wieder zu schreiben. Liebe umfasst ein weites Spektrum. Die Stadt, den Tag, die Welt. Alles ist gerade schön.

Und wenn ich dann heute zu Mittag bekocht werde (Jamjam, Kaiserschmarrn | Link) und man dann in die Bibliothek um eine Arbeit für Publizistik zu machen, dann freue ich mich einfach schon wieder auf den Tag nach der Nacht. Es wird schön. Es wird großartig. Und ich … will gar nicht erst an das möglicherweise kommende Tief kommen. Das wird jetzt mein Hoch. Bis … 2012. Mindestens, okay?

Der Titel gefällt mir deswegen so gut, weil es wieder einmal so perfekt auf mich zutrifft. Ich laufe, bin ständig unterwegs, mein Leben ist vollkommen und sinnvoll und großartig. Und erst jetzt kann ich mal still stehen. Und dann geht es mir einfach nur gut. Also … einfach mal einen Daumen hoch. Mit Obama kam also wirklich der so erhoffte Change. Dankeschön, und Gratulation natürlich noch einmal, Barack …

Foto by extranoise

NaNoWriMo 2008

Schon mal etwas vin NaNoWriMo gehört? Der National Novel Writing Month ist mir auch erst seit heute ein Begriff. Und naja, eigentlich müsste man ihn ja schon InterNational nennen. Jeder auf der Welt kann mitmachen. Und das mache ich jetzt.

Ich werde mich nun also in diesem Monat (wahrscheinlich aber erst ab morgen) an die Arbeit machen. Das Ziel ist es, bis zum 30. November 50.000 Worte zu schreiben. Eine harte Aufgabe, täglich also mehr als 1600 Wörter. Ich werde mich bemühen … und mein Projekt: Ja, genau. Volle Distanz. Näher zu dir.

Nur um euch mal darauf vorzubereiten.