Falling or flying. Something like this.

dust

In Momenten wie diesen passt nichts besser. Einfach mal nur die Soundtracks von Grey’s Anatomy auf Dauerrotation schmeißen und warten bis alles irgendwie wieder besser wird. Es ist vielleicht auch gar nicht so schlimm. Es tut nur auf irgendeine vollkommen beschissene Art und Weise doch etwas weh. 

Man hat es vielleicht bemerkt, an den letzten Texten, die doch schon so einige Zeit zurückliegen. Ich fühlte mich plötzlich wohl, in meiner neuen Heimat, an meinem neuen Platz. Und es stimmt auch. Ich habe jetzt schon so viele neue tolle Menschen kennengelernt, Menschen, die ich sehr, sehr schnell in mein Herz geschlossen habe. Menschen, die ich schon jetzt als gute und wichtige Freunde bezeichnen würde. Und in eine junge Frau habe ich mich eben verkuckt. Komisch, so ein Gefühl, nach so vielen Monaten. Mal einige kurze Zwischenverliebungen (ein oder zwei werden es wohl schon gewesen sein). Aber irgendwie schien hier einfach alles wieder zu passen. Eine SMS, aus purer Feigheit und dem Wunsch, endlich Gewissheit zu haben, nahm mir dann die Illusionen und trotzdem freut es mich, dass sich nun doch alles so wunderbar weiterentwickelt. Kein gewünschter Abstand, kein Übelnehmen, wenn man das überhaupt kann und darf. Aber das war es eben. Und das Entlieben, so glaube ich, ging schnell. Ich lebe gerade in einer viel zu schnelllebigen Zeit. Nicht allgemein, nein. Mein Leben ist so.

Ich verbringe nun auch mein erstes Wochenende in Wien. Und freue mich, erst wieder kommenden Samstag nach Hause zu kommen. Mir fehlte letzte Woche, als ich auf der Heimreise war, das Studentenheim und all die Leute. Zugegeben, am Wochenende ist es nicht wirklich belebt. Aber es hat schon was. Und so werde ich eben erst am Samstag die heimatlich-verschneite Luft riechen (nachdem ich am Freitag einer Party beiwohne). Ich werde erwachsen. Irgendwie. Irgendwie aber auch nicht. Ich bin immer noch. Noch. Auf der Suche.

Auf der Suche nach mir selbst. Ein Bild von mir hat die Selbstliebe und gleichzeitig auch den Selbsthass in mir entfacht. Dieses Bild hier. [Bild funktioniert endlich] Es zeigt mich, 2006. In einem großartigen Sommer. Als ich vielleicht zum ersten und einzigen Mal halbwegs mit mir zufrieden war. Da möchte ich wieder hin. Mit dieser kindlichen Leichtigkeit. Alles hat sich verändert und auch meine Freunde. Wenn wir von Studium und Job sprechen, es geht mir alles einfach zu schnell. Vielleicht hätte ich einfach abhauen sollen, in den Sommerferien. Einfach mal weg, für ein Jahr. Vorher noch eine Bank ausrauben und dann nach Kanada trampen, mir eine Hütte an einem einsamen See – umzingelt von Wald und Grizzlys – zu kaufen. Und um dort einfach mal allein zu sein. Ohne Stress, ohne Freunde, Familie. Alleine. Um endlich einmal zu mir selbst zu finden. Um zu schreiben. Um nachzudenken. Um keine Aufgaben zu haben. Um durchatmen zu können. Ich werde mich nicht finden, und niemand wird mich je so kennenlernen, wie ich wirklich bin. Ich bin ein viel zu gespaltetes Ich. Es ist schwer. Aber ich werde euch Bescheid geben, wenn ich mich endlich gefunden habe. 

Und so fühle ich mich. Am Boden und vor kurzem noch vollkommen hoch oben. Und irgendwie fühle ich mich auch jetzt nicht schlecht. Es geht mir gut und trotzdem ist es scheiße und trotzdem doch so gut. Ich fühle mich auf dem besten Weg zu meinem neuen alten Ich. Ich will nicht der großartige Journalist sein, der super Schriftsteller, womöglich auch ein Schauspieler (die täglichen Rollen spiele ich noch nicht mal richtig gut). Ich möchte zuerst einmal ich sein. Da hilft kein Druck. Ich weiß, was ich geben kann, ich weiß, dass ich schreiben kann, Menschen mit meinen Texten auch berühren kann. Und allein das zeigt mir, zu was ich fähig bin. Ich habe Träume. Und in diese Träume passt eben gerade überhaupt nicht dieses Studium.

Ich werde es abbrechen.

Ja. Nach 7 Jahren Träumen vom Publizistikstudium in Wien nun das. Ich werde, womöglich, relativ unsicher, auch Wien den Rücken kehren. Mal sehen, was die Zukunft, der Selbstfindungstrip bis zum Sommer und auch anschließend, bringen wird. Aber ich lasse mich einfach mal durch nichts mehr aus der Ruhe bringen. Für den nächsten September werde ich mich an einer Fachhochschule für Journalismus bewerben. Jährlich werden nur 36 Menschen genommen. Man muss also gut sein, und ich weiß, dass ich es bin. Ich kann es schaffen. Als einer von 1700 Publizistikstudenten oder als einer von 36 professioneller und spezifischer Ausgebildeter einer FH … natürlich werde ich es schaffen.

NaNoWriMo fiel flach. Ich hatte zu viel zu tun und nicht die Zeit. Aber ich werde mir von nun an wieder überall hin den Block mitnehmen und an der Geschichte kritzeln. Ich werde sie formen und vielleicht gibt es schon bis Ende des Jahres ein kleines Erfolgserlebnis. Und das gibt es auch schon, für alle, die Wohlfühlgewicht 2.0 nicht mehr mitverfolgen für mich. Letzte Woche stand ich kurz vor meinen ersten 10 Kilogramm, die ich abgenommen habe. Diese Woche kann ich, dank fehlender Waage, nicht mitwiegen, aber vielleicht trink ich nächste Woche schon einen Prosecco zur Feier des Tages. Man wird sehen. 

Und was man abschließend schon sagen kann: Ein Besuch von Freunden im neuen Heim ist wundervoll, ich hasse „Religionsgemeinschaften“, die nichts anderes sind als blinder Gehorsam, und sich in der Küche unseres Heims für diesen Abend eingenistet haben, ich muss mir endlich mal die Namen der bisher wenig Bekannten im Heim merken, Schnee ist weiß und auch relativ kalt, wenn man nur mit Sommerschuhen unterwegs ist. Und was ich schon immer mal sagen wollte: Es gibt Männer, für welche man gerne schwul wäre.

Und somit befinde ich mich irgendwo zwischen Falling und Flying. Somewhere between waking and sleeping. Irgendwie am falschen Ende des Regenbogens und es ist doch ein Kobold da. Irgendwie alles gerade sehr verwirrt. Aber das ist es. Eindeutig.

6 thoughts on “Falling or flying. Something like this.”

  1. Also ich bin auch erstmal froh, wieder von dir zu lesen.
    Und dann, aufs Studium bezogen: Schon nach kurzer Zeit festzustellen, dass ein eingeschlagener Weg nicht der richtige ist, mag zwar (kurz) frustrierend sein, aber wie du schon richtig erkannt hast, hast du jetzt wenigstens bis zum Sommer Zeit, um einen neuen „Masterplan“ zu schmieden. Wenn du dir zu Anfang des SoSe schon oder noch sicher bist, dass du nicht im Publizistikstudium bleiben möchtest, dann würde ich an deiner Stelle dieses Semester dazu nutzen, quer durch den Gemüsegarten alle möglichen Vorlesungen auszuprobieren, die dich interessieren – es sozusagen als rein bildende, nicht ausbildende, (Aus-)Zeit ansehen. Aber auch bis dorthin bleibt ja noch ein wenig Zeit. Ich bin mir sicher,dass du genau deinen Weg findest. Ob in Wien oder anderswo.

  2. Vor einiger Zeit habe ich Deinen Blog gefunden. Hier in der weiten Web-Welt. Ich mag es wie Du schreibst. Ohne Schnörkel. Ohne Schokoladenschicht. Ohne Zuckerguß. Gerade hinaus wie es ist. Ehrlich mit Dir selbst.

    Auch ich habe mein erstes Studium beendet. Weil es keinen Platz, keinen Raum für Träume bietet. Weil es schnöde ist. Weil es wehtut sich an jeder Kante das Herz aufzuschlagen. Weil die Seele schon vor blauen Flecken trotzt. Man darf kotzen. Man darf es.

    & man darf Schlußstriche ziehen. Auch wenn es noch nichtmal richtig begonnen hat. Ich wünsche Dir Kraft und Elfentriptrap in Dein Ohr. Weil es Elfen und Kobolde und Wunder eben doch gibt.
    Es gibt Wunder. Manchmal muss man warten bis man gefunden wird.

    Ich wünsche Dir alles Gute!

  3. Auf der Suche nach mir selbst.
    Das bin ich irgendwie auch. Und auf dieser Suche bin der Welt ins Netz gegangen. Bin bei den Bloggern hängen geblieben und hab mich in einem eingerichtet. Zuerst noch ohne Ziel und Plan. Bis ich merkte, das ist ein Teil meiner Suche. Ein Versuch nach außen zu tragen, was mich im inneren beschäftigt. Dinge zu formulieren, die sonst wie diese Schneeflocken hier durch meine Seele tanzen. Was passiert, wenn ich ihnen Formen geben?
    Doch wohin wird mich diese Suche führen? Zu mir selbst? Wird sie mir sagen, wer ich bin? Und wird diese Suche je ein Ende haben?
    Je mehr ich suche, desto wahrscheinlich wird mir die Antwort, daß diese Suche nie vorbei sein wird. Eigentlich auch nie vorbei sein darf. Denn wenn sie irgendwohin geführt hat, heißt es ja, daß sie am Ende ist. Und Ende ist irgendwie Stillstand. Das würde ja bedeuten, daß ich still stehe. Mich nicht mehr verändere. Und will ich das?
    Nein.
    Ich mag mich verändern. Mag neue Dinge kennenlernen. Neue Menschen. Neue Orte. Neue Ideen. Ich mag anfangen zu bloggen. Ich mag auch wieder aufhören dürfen. Ich mag Vorlieben entdecken dürfen, die mir bisher völlig unbekannt waren.
    Vielleicht ist diese Suche nach mir selbst einfach der Wunsch zu schauen, wo dieser Weg entlanggeht. Es mag manchmal einfacher sein Durststrecken zu überstehen, wenn wir das Ziel kennen. Aber das kennen wir nun mal nicht. Vielleicht müssen wir es deshalb manchmal mit der „Augen zu und durch“-Methode versuchen. Aber manchmal dürfen wir uns auch einfach von den Schönheiten am Wegesrand überraschen lassen.
    Ich bin gespannt wohin der Weg uns führen wird.
    Und ich wünsche Dir eine gute Reise!

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