Sturmwarnung. [17]

„Es soll Regen geben.“ Doch wir sitzen hier seit Stunden, trinken Wein und sind einfach nur am Leben.1 Der Wind rauscht durch die Bäume, reißt Blätter mit und macht auch vor unseren Haaren nicht Halt. Unaufhaltsam bahnt er sich den Weg, und ich sehe dich an. Es macht dir nichts aus. Du beobachtest die schwarzen Wolken, wie sich uns immer weiter nähern und bist erstaunt. Und vollkommen still. Es würde dir wohl auch nichts ausmachen, wenn es jetzt wild zu regnen beginnen würde. „Wir sollten gehen.“

Doch du bewegst dich nicht. Dieser Sommer, der innerhalb weniger Minute in Richtung Herbst abbog. Du saugst ihn auf, lässt ihn nicht los. Du blickst mich nicht mal an, als ich ein weiteres Mal versuche, dich von hier wegzulocken. Ich lasse mich zu dir nieder.

„Eine Sturmwarnung, siehst du.“, murmle ich noch, aber erwarte schon nicht mehr, dass du mich hörst. Du bist in deiner ganz eigenen Welt und kommst erst wieder zurück, wenn es dir genehm ist. Ich will dich nicht stören, will es aber doch auch spüren. Möchte versuchen, mit dir einzutauchen. Doch es geht nicht. Ganz hinten, am See, kommen schon die ersten Tropfen auf dem Wasser an.

„Komm, gehen wir!“, sagst du. Hüpfst auf, nimmst deine schon gepackte Tasche, drehst dich zu mir um, gibst mir die Hand. „Wir müssen weg hier.“ Und langsam tauchst du auch wieder heraus, aus der Stille. „Wunderschön, oder?“ – „Hm?“ – „Dieser Wechsel. Zuerst die Sonne und plötzlich diese düsterne Welt, diese dunkle Zeit.“ Du hast Recht. „Und der See, der plötzlich vollkommen still wird.“ Ich drehe mich um. Das war mir gar nicht aufgefallen. Aber du sagst die Wahrheit. So ruhig war er den ganzen Tag über nicht.

Die ersten Tropfen erreichen uns. „Komm, beeil dich.“, rufst du mir zu, ein paar Schritte vor mir mit dem Laufen beginnend. Und ich bleibe einfach mal stehen und genieße meinen ersten Sommerregen in diesem Jahr.

1 Juli – Tage wie dieser

Vulnerable. [8]

„Wir sind zu weit gegangen.“ Verdutzt blicke ich dich an, kann kaum verstehen was du meinst. Liegen hier seit Stunden an diesem See, trinken Wein, der immer mehr an erfrischender Kühle verloren hat. Es waren schöne Stunden. Wir haben geredet, haben uns manchmal tief in die Augen gesehen, bis irgendjemand eine Grimasse schnitt und es lachend ein Ende fand. Vollkommene Sorglosigkeit, einfach nur das Leben, in seiner vollen Pracht und ganz ohne irgendeine negative Ablenkung.

„Was haben wir gemacht?“, frage ich. „Ach, nein. Nicht wir haben etwas falsch gemacht. Nicht wir, nur ich. Ich und meine Gefühle.“, blubbert es aus dir heraus, doch plötzlich machst du Halt. Sprichst nicht zu Ende und hinterlässt mich mit fragender Miene hier auf dieser Wiese. Du gehst zum Steg, drehst dich nicht mal um. „Gefühle irren nicht. Die machen nichts falsch.“, sage ich in deine Richtung, du lässt dich auf dem Holz nieder und die Füße sanft ins Wasser baumeln. „Wir sind zu weit gegangen.“, wiederholst du dich.

„Warum mag ich dich nur? Warum nur liebe ich es, Zeit mit dir zu verbringen, mit dir über so viele Dinge zu reden. Warum nur habe ich es zugelassen, warum nur? Warum habe ich dich zu einem Menschen gemacht, der du vielleicht gar nicht bist?“ Ich scheine nur langsam zu verstehen. „Warum hast du es zugelassen, dass ich mich verliebt habe? Das ich mein Herz an dich verloren habe? Weißt du, was ich für dich aufgegeben habe?“ Fragende Blicke. „Alles habe ich aufgegeben. All die unsichtbaren Barrieren, die ich um mich aufgebaut habe, um noch etwas Schutz zu haben. Du hast sie eingerissen, ich habe dich hinter die Barrieren eingeladen. Du hast mich verletzlich gemacht, weißt du?“ – „Aber-…“ – „Aber ja, natürlich liebe ich dich und natürlich fühlt es sich gut an. Es fühlt sich großartig an. Aber ich habe Angst.“

„Ich werde dich nicht verletzen.“ Du lachst. Vielleicht hast du das schon viel zu oft gehört, vielleicht sagen das auch irgendwie alle Menschen in solchen Situationen. Vielleicht hat es bei mir hier einfach nur zu einer 08-15-Antwort gereicht. „Das glaube ich dir. Also: ich glaube dir, dass du mich nicht mutwillig verletzen willst. Aber du kannst es mir nicht versprechen. Du weißt nicht, was sein wird.“

„Ist das wirklich so schlimm? Dadurch, dass du deine Barrieren aufgegeben hast, hast du dich mir geöffnet, hast dich weiterentwickelt. Du lächelst viel mehr, weißt du?“ Ein Grinsen huscht über dein Gesicht. „Ich glaube-„, lege ich nach, „Ich glaube, dass man das in Kauf nehmen muss. Dass mit der Liebe eine Verletzbarkeit einherzieht. Dass es das nur im Doppelpack gibt. Und wenn du es gut erwischt, hält sich diese Verletzbarkeit in Grenzen, weißt du?“ Du nickst. „Und ja, du hast recht. Ich kann nichts versprechen, will es auch gar nicht. Aber wenn die Liebe einmal ein Ende findet, werde ich sorgsam mit dir umgehen, okay?“ Du nickst, und zum ersten Mal scheint es so, als ob ein Ende keine Möglichkeit mehr für dich ist. Vorerst zumindest.

St. Pölten. [Ein Spaziergang]

Beim Stöbern durch mehr als 5 Jahre Neon|Wilderness bin ich irgendwann auch wieder einmal auf das Projekt „Like I’m Home“ gestoßen. Die besten Plätze von daheim. Von da, wo ich aufgewachsen bin und eine großartige Zeit erlebte. Aber zuhause ist nicht unbedingt da, wo ich herkomme. Sondern genau dort, wo ich mich wohl fühle. Und das ist gerade (und mit großem Abstand) St. Pölten. Am heutigen (freien) Samstag habe ich mir dreieinhalb Stunden Zeit genommen, mal quer durch die Stadt zu spazieren.











Du hast mich verstanden, als ich vor deiner Tür stand, etwas zitternd und mit der Bitte auf den Lippen, einfach nur mal abzuhauen.

Langsam treiben wir auf dem See entlang, etwas hilflos versuche ich, unser Boot zu rudern. Du hast mich verstanden, als ich vor deiner Tür stand, etwas zitternd und mit der Bitte auf den Lippen, einfach nur mal abzuhauen. Du hast das Nötigste eingepackt, und dann sind wir losgefahren. Fremde Straßen, unbekannte Autobahnen, überraschende Abfahrten. Und irgendwo ein See.

Da war es plötzlich, dieses nicht ganz sicher aussehende Boot. Uns war es egal, wir haben ganz wenig gesprochen, seit ich dich abgeholt habe. Du steigst ein, das Boot wackelt und ich folge dir, schnapp mir die Ruder und jetzt sind wir hier. Irgendwie auf einem See, irgendwohin unterwegs. Es ist warm hier draußen.


via  theartistbloo (Flickr)

„Da!“
– „Hm?“
„Da, schau mal. Das ist … eine Insel, glaub ich.“

Du hast Recht und ich bin richtig erstaunt, wie gut du in dieser Dunkelheit die Umgebung untersucht hast. Ich rudere auf das ‚Land in Sicht‘ zu. Es ist gut, dass du da bist.

Als wir die Insel, die so völlig überraschend hier in diesem See auftauchte, erreichen, ziehe ich noch schnell das Boot an Land. Wir wollen nicht stranden, wollen nicht von heute an hier gefangen sein, ohne einer Ahnung, wann hier der nächste Flüchtling vorbeikommt. Ja, ich bin geflohen, weil mich, trotz allem, irgendwie alles zu erdrücken droht.

Wir setzen uns in der Nähe des Ufers hin, und ich – furchtbar aufgewühlt und vollkommen irritiert – lege meinen Kopf in deinen Schoß. Langsam streichst du mir zärtlich durch meine Haare, kraulst mir das Gesicht. Immer noch haben wir kaum etwas gesagt.

„Ich dachte nicht, dass es so kommen würde.“
– „Hm?“
„Ach, ich weiß nicht. Es … es wird mir gerade einfach irgendwie zu viel. Ich lade mir zu viel auf, obwohl ich selbst weiß, dass ich nicht dazu im Stande bin, es zu schaffen. Und nein, das ist keine chronische Selbstunterschätzung sondern meine Erfahrung  aus meiner eigenen Erwartungshaltung. Ich enttäusche mich nur zu gerne selbst.“
– „Mhm.“
„Ich muss endlich mal wieder versuchen, das kleine bisschen Chaos zu beseitigen. Ich verliere den Überblick. Aber weißt du was?“
– „Hm?“
„Ich dachte nicht, dass es so weit kommen würde. Da lerne ich mich plötzlich von einer ganz neuen Seite kennen, stolpere von neuen Erfahrungen in wunderbare Erkenntnisse. Es wäre eigentlich gerade wieder das Up nach Jahren der Downs, weißt du? Und jetzt das.“

Die Sterne stolzieren am Himmelszelt entlang und manchmal treffen Wellen auf diese Insel ein.

„Aber weißt du, auch wenn es dir gerade nicht gut geht. Ich spür‘ das. Ich hab‘ mir das schon bei dem Telefonat heut‘ Nachmittag gedacht. Auch wenn es dir gerade scheiße geht. Ich kenne dich ja nun doch schon ein bisschen. Du schaffst das.“
– „Glaubst du wirklich?“
„Mhm. Du schaffst das. Du hast diese Ausdauer, die so vielen Leuten fehlt. Und ich glaub‘ auch nicht, dass es jetzt wieder bergab geht. Solche Tage hat doch jeder einmal. Auch wenn das Drumherum eigentlich perfekt ist, plötzlich fühlt man sich wieder so hilflos, wie ein Kleinkind, dass durch und durch auf die Bezugspersonen angewiesen ist.“

Ich sehe dich an. Als du diese Sätze sagtest, hast du deinen Blick auf die Weite des Sees gerichtet. Jetzt senkst du dein Gesicht zu mir, lächelst mich an, streichst mir weiter durchs Haar. Küsst mich und gibst  mir so einen kleinen Teil meiner Zuversicht zurück, die mir auf dem Weg durch die vergangenen Tage wohl verloren ging.

Es wird schon irgendwie, da bin ich mir sicher. Du lässt dich zurückfallen, gibst mir deine Hand, und gemeinsam betrachten wir noch eine Zeit lang die hellen Punkte über uns. Ich robbe zu dir rüber, ganz nah an dich ran. Und küsse dir ein Danke auf deine Schulter. Für alles.

An den Sonnenstrahl klammernd.

Es knarzt etwas, als  er auf das immer noch feuchte Holz steigt. Und beinahe glaubt er sogar, dass er bei jedem seiner folgenden Schritte von der Morschigkeit der alten Bretter überlistet und er schließlich einbrechen würde. Am Ende des vom Regen des Vortages noch durchtränkten Steges lässt er sich nieder. Es ist ruhig hier.

Die Gegend ist eingetaucht in dieses dichte Feld aus undurchsichtigem Nebel, welches sich nun schon tagelang über dem See zu halten versucht. Was ist aber auch die Seele gerade eben wieder kaputt. In der selbstgewünschten Einsamkeit hier fühlt er sich eben einsam. Und entgegen seiner Erwartung nagt dieser Prozess des Nachdenkens, in welchen er sich immer tiefer hineinzudrängen bereit war, an seiner Fassung.

Manchmal drängen sich Gedanken in seinen Kopf. Dass die Liebe womöglich doch alles ein klein bisschen einfacher machen würde. Dass das Leben vielleicht nur oberflächlich so großartig ist, und er nur aufgrund der ausgeschütteten Endorphine auf dieser Welle weiterwandeln möchte. Wer kann es ihm denn überhaupt verübeln. Dass er einfach mal aufhören sollte, nachzudenken.

Und während die Sonne sich immer weiter durchkommt und der kalte Wind ein kleines bisschen abflaut. Und während die Stimme in seinem Kopf immer lauter zu pochen beginnt, lehnt er sich zurück und legt sich auf den immer noch ungetrockneten Steg. Und irgendwie erinnert ihn all das hier an die bittersüße Symphonie. 

„cause it’s a bittersweet symphony, this life …“

Plötzlich durchbricht ein Sonnenstrahl die Nebelwand und trifft lautlos auf dem See auf. Einfach nur festhalten. Er muss sich nur festhalten an diesem Strahl, muss sich an ihn klammern. Um in nächster Zeit womöglich auch einfach nur mal wieder die ganze Sonne erleben zu können.

Foto von ok23|flickr

Life in Technicolor. Oder so.

180109nw

Ich fühle mich heute schon wieder etwas besser.3:02 PM Jan 16th Depressive Stimmung fast wieder weg. Ein leichtes Hoch spürbar. Das gefällt mir. 4:10 PM Jan 16th Mir geht es, soweit ich es sehe, gut. 6:31 PM Jan 16th Und an alle, denen es in letzter Zeit so ging wie mir, ein kurzer Hinweis: Es wird wieder. Irgendwann. Unerwartet. 6:54 PM Jan 16th Verdammte Uni. Am Liebsten würde ich alles hinschmeißen. ungefähr 22 Stunden ago So. Sorry. Die letzten Tage vor den Ferien nerven. Auf ein geiles Hoch kommt ein schnelles Tief und so. Immer und immer wieder. ungefähr 18 Stunden ago Status: Tief. Aber wenn Obama am Dienstag wieder von Hoffnung redet, stimme ich einfach mit ein. Yes, we can! 22 Minuten ago [powered by: Twitter und mir.]

Zwischen meinem letzten Eintrag über mein Leben [mit diesem schwungvollen und leicht zu merkenden Titel Ein Toast, auf das Leben. Seine Lügen. Und wie wir uns zeitlebens abmühen. Für nichts, und gar nichts. (Link)] und diesem hier liegen gerade einmal geschätzte drei Tage. Einen Tag nach diesem Scheißleben-Gefühl ging es aufwärts. Ich war wieder fit [vor allem gesundheitlich]. Ich erlebte zwei tolle Abende mit Freunden. Ich war wieder hoffnungsvoll. Gestern dann der Rückfall. Streit mit den Eltern und Unistress. Und jetzt bin ich zwar in einem Tief aber hoffnungsvoll. [Danke, Obama]

Aber zuallererst möchte ich bei den Schreiberlingen der Kommentare bedanken. Sie haben mich wieder zum Nachdenken angeregt und mir Anstöße gegeben. Vielen Dank fj, lexxa, Luca, schaezle, félix, und tshalina! Was habe ich denn nun vor? Wie soll mein Leben weiterlaufen? Zumindest die nächsten 8 Monate [Argh. Das ist schon arg lange.] Ich werde hier jetzt wieder unzählige Dinge aufzählen, und wie ich mich kenne, wird nur ganz Weniges umgesetzt.

In Sachen Liebe werde ich warten. Wobei ja warten auch irgendwie komisch klingt. Wenn es kommt, dann kommt es eben. Diese Schmetterlinge und so. Und ich würde nicht nein sagen, wenn sie plötzlich wieder in meinem Bauch auftauchen würden. Aber dazu müsste ich jemand komplett Neuen kennenlernen. Mal sehen. Aber ich denke, erst wenn ich wieder in der Lage bin, mich selbst zu akzeptieren [und diese Fähigkeit fehlt mir gerade absolut, wenn mich ein Tag nervt, bin vor allem ich es, der mich selbst nervt] muss ich meine Vorhaben erfüllen [beschrieben im Text Haarsträubend. (Link)]. Erstens wäre ich um Einiges selbstbewusster, und zweitens wäre es um Einiges einfacher, jemanden kennenzulernen. Wetten? [Sollte ich meine Ziele erreichen, werde ich es ausprobieren. Einträge werden folgen.]

Nun zum Thema Uni. Ich würde am Liebsten keinen einzigen Tag mehr dorthin gehen und gleich morgen mit der Fachhochschule in St. Pölten beginnen [Zugegeben: Ich bin noch nicht einmal angenommen, aber hier stirbt die Hoffnung scheinbar überhaupt nicht. Und die Liebe zur FH hat nichts mit ihren genial-langen Semesterferien zu tun. Ehrlich] Aber da die FH erst ab September, oder Oktober [was weiß ich] startet, werde ich auch noch im zweiten Semester zur Uni gehen. Und im Februar werde ich alle drei Prüfungen der ersten Studieneingangsphase ablegen. Und das eine negative Tutorium, welches ich dieses Semester verbockte, werde ich im nächsten Semester nachholen. Warum ich das mache? Wegen der Familienbeihilfe, die auf das Ablegen und Bestehen von Prüfungen angelegt ist. Das alles klingt nicht wirklich motiviert, aber vielleicht werde ich irgendwelche anderen Vorlesungen aus komplett anderen Bereichen besuchen. So wie Philosophie, Theater-, Film- und Medienwissenschaften oder so etwas.

Und dann noch dieses Jobtechnische: Auch wenn ich im zweiten Semester wirklich mehr machen würde, so in Sachen Uni. Ein Job würde sich schon noch ausgehen. So denke ich das zumindest. Luca hat mir in seinem Kommentar [Link] Anstöße gegeben. Ja, ich möchte professionell schreiben. Für eine Onlinezeitung oder Print. Irgendwas. Möchte, wenn nötig, auch einfach nur der Praktikant in einer Redaktion sein. Oder der Typ vom Kopierer. Ich möchte einfach mal hineinschnuppern. Und wenn möglich mit Bezahlung, und wenn nicht, auch egal.

Tja. Und sonst? Ich nehme mir, und des sowieso schon seit Längerem, wieder mehr Zeit für meine Freunde. Möchte so viel wie möglich unternehmen. Im Sommer – so wurde schon beschlossen – soll es nicht sehr weit weg gehen. Irgendwo an einen von Österreichs zahlreichen Seen oder in Norditalien. Vielleicht auch doch irgendwo am Meer. Aber nicht wieder Stockholm, wo man die Sonne schon mal suchen musste. Und nach Amsterdam soll es unbedingt dieses Jahr auch mal gehen. Und außerdem. Hm. Werde ich irgendwann einen Rythmus für meine Blogprojekte finden, an meinem Buchprojekt weiterschreiben. Und … [HAHA. Da ist es wieder. Das Hoffnungsvolle] irgendwann kommt alles ins Laufen. Ehrlich. Daran glaube ich jetzt. 2009 wird schon. [Aber das vielelicht auch nur, weil ich der Größte bin.] //Irgendwie verwunderlich. Kein Selbstwertgefühl und doch so selbstüberzeugt. Schizophrenie. Eindeutig. Und zum Abschluss verabschiede ich mich mal wieder für ein paar Tage. Unistress, wie man so schön sagt. [Hmpf³] Und vom Scheißleben will ich mich irgendwie gerade auch nicht lossagen. Irgendwie finde ich es schön. Scheißleben. Scheißleben. Scheißleben. [Und um hoch21 noch einmal zu Zitieren: Jetzt fällts mir wieder ein: Toilettenpapier!6:05 PM Jan 14th]

Falling or flying. Something like this.

dust

In Momenten wie diesen passt nichts besser. Einfach mal nur die Soundtracks von Grey’s Anatomy auf Dauerrotation schmeißen und warten bis alles irgendwie wieder besser wird. Es ist vielleicht auch gar nicht so schlimm. Es tut nur auf irgendeine vollkommen beschissene Art und Weise doch etwas weh. 

Man hat es vielleicht bemerkt, an den letzten Texten, die doch schon so einige Zeit zurückliegen. Ich fühlte mich plötzlich wohl, in meiner neuen Heimat, an meinem neuen Platz. Und es stimmt auch. Ich habe jetzt schon so viele neue tolle Menschen kennengelernt, Menschen, die ich sehr, sehr schnell in mein Herz geschlossen habe. Menschen, die ich schon jetzt als gute und wichtige Freunde bezeichnen würde. Und in eine junge Frau habe ich mich eben verkuckt. Komisch, so ein Gefühl, nach so vielen Monaten. Mal einige kurze Zwischenverliebungen (ein oder zwei werden es wohl schon gewesen sein). Aber irgendwie schien hier einfach alles wieder zu passen. Eine SMS, aus purer Feigheit und dem Wunsch, endlich Gewissheit zu haben, nahm mir dann die Illusionen und trotzdem freut es mich, dass sich nun doch alles so wunderbar weiterentwickelt. Kein gewünschter Abstand, kein Übelnehmen, wenn man das überhaupt kann und darf. Aber das war es eben. Und das Entlieben, so glaube ich, ging schnell. Ich lebe gerade in einer viel zu schnelllebigen Zeit. Nicht allgemein, nein. Mein Leben ist so.

Ich verbringe nun auch mein erstes Wochenende in Wien. Und freue mich, erst wieder kommenden Samstag nach Hause zu kommen. Mir fehlte letzte Woche, als ich auf der Heimreise war, das Studentenheim und all die Leute. Zugegeben, am Wochenende ist es nicht wirklich belebt. Aber es hat schon was. Und so werde ich eben erst am Samstag die heimatlich-verschneite Luft riechen (nachdem ich am Freitag einer Party beiwohne). Ich werde erwachsen. Irgendwie. Irgendwie aber auch nicht. Ich bin immer noch. Noch. Auf der Suche.

Auf der Suche nach mir selbst. Ein Bild von mir hat die Selbstliebe und gleichzeitig auch den Selbsthass in mir entfacht. Dieses Bild hier. [Bild funktioniert endlich] Es zeigt mich, 2006. In einem großartigen Sommer. Als ich vielleicht zum ersten und einzigen Mal halbwegs mit mir zufrieden war. Da möchte ich wieder hin. Mit dieser kindlichen Leichtigkeit. Alles hat sich verändert und auch meine Freunde. Wenn wir von Studium und Job sprechen, es geht mir alles einfach zu schnell. Vielleicht hätte ich einfach abhauen sollen, in den Sommerferien. Einfach mal weg, für ein Jahr. Vorher noch eine Bank ausrauben und dann nach Kanada trampen, mir eine Hütte an einem einsamen See – umzingelt von Wald und Grizzlys – zu kaufen. Und um dort einfach mal allein zu sein. Ohne Stress, ohne Freunde, Familie. Alleine. Um endlich einmal zu mir selbst zu finden. Um zu schreiben. Um nachzudenken. Um keine Aufgaben zu haben. Um durchatmen zu können. Ich werde mich nicht finden, und niemand wird mich je so kennenlernen, wie ich wirklich bin. Ich bin ein viel zu gespaltetes Ich. Es ist schwer. Aber ich werde euch Bescheid geben, wenn ich mich endlich gefunden habe. 

Und so fühle ich mich. Am Boden und vor kurzem noch vollkommen hoch oben. Und irgendwie fühle ich mich auch jetzt nicht schlecht. Es geht mir gut und trotzdem ist es scheiße und trotzdem doch so gut. Ich fühle mich auf dem besten Weg zu meinem neuen alten Ich. Ich will nicht der großartige Journalist sein, der super Schriftsteller, womöglich auch ein Schauspieler (die täglichen Rollen spiele ich noch nicht mal richtig gut). Ich möchte zuerst einmal ich sein. Da hilft kein Druck. Ich weiß, was ich geben kann, ich weiß, dass ich schreiben kann, Menschen mit meinen Texten auch berühren kann. Und allein das zeigt mir, zu was ich fähig bin. Ich habe Träume. Und in diese Träume passt eben gerade überhaupt nicht dieses Studium.

Ich werde es abbrechen.

Ja. Nach 7 Jahren Träumen vom Publizistikstudium in Wien nun das. Ich werde, womöglich, relativ unsicher, auch Wien den Rücken kehren. Mal sehen, was die Zukunft, der Selbstfindungstrip bis zum Sommer und auch anschließend, bringen wird. Aber ich lasse mich einfach mal durch nichts mehr aus der Ruhe bringen. Für den nächsten September werde ich mich an einer Fachhochschule für Journalismus bewerben. Jährlich werden nur 36 Menschen genommen. Man muss also gut sein, und ich weiß, dass ich es bin. Ich kann es schaffen. Als einer von 1700 Publizistikstudenten oder als einer von 36 professioneller und spezifischer Ausgebildeter einer FH … natürlich werde ich es schaffen.

NaNoWriMo fiel flach. Ich hatte zu viel zu tun und nicht die Zeit. Aber ich werde mir von nun an wieder überall hin den Block mitnehmen und an der Geschichte kritzeln. Ich werde sie formen und vielleicht gibt es schon bis Ende des Jahres ein kleines Erfolgserlebnis. Und das gibt es auch schon, für alle, die Wohlfühlgewicht 2.0 nicht mehr mitverfolgen für mich. Letzte Woche stand ich kurz vor meinen ersten 10 Kilogramm, die ich abgenommen habe. Diese Woche kann ich, dank fehlender Waage, nicht mitwiegen, aber vielleicht trink ich nächste Woche schon einen Prosecco zur Feier des Tages. Man wird sehen. 

Und was man abschließend schon sagen kann: Ein Besuch von Freunden im neuen Heim ist wundervoll, ich hasse „Religionsgemeinschaften“, die nichts anderes sind als blinder Gehorsam, und sich in der Küche unseres Heims für diesen Abend eingenistet haben, ich muss mir endlich mal die Namen der bisher wenig Bekannten im Heim merken, Schnee ist weiß und auch relativ kalt, wenn man nur mit Sommerschuhen unterwegs ist. Und was ich schon immer mal sagen wollte: Es gibt Männer, für welche man gerne schwul wäre.

Und somit befinde ich mich irgendwo zwischen Falling und Flying. Somewhere between waking and sleeping. Irgendwie am falschen Ende des Regenbogens und es ist doch ein Kobold da. Irgendwie alles gerade sehr verwirrt. Aber das ist es. Eindeutig.

Spiegelung.

Die Bäume spiegeln sich im See. Dunkel, dieser Platz.

Durch den Wind wird ein Blatt in den See geweht. Dem Berühren des Wassers folgen kleine gleichförmige Wellen. Meine Augen folgen dem Wasser und beobachten, wie die Spiegelung des Umlandes unförmig wieder zu sich zurückfindet. Der Steg hier. Ich lasse mich nieder und würde am liebsten meine Füße baumeln lassen. Doch dafür ist es noch zu kalt. Der eisige See liegt vor mir, die Bäume wehen im Wind und die Spiegelung bewegt sich.

Als die Unmenge an Luft durch die Äste weht, warte ich. Das ist dieser Platz, an dem wir waren. An dem wir es versuchten und uns auch gut dabei fühlten. Auf diesem Steg saßen wir und alles schien okay. Ich erinnere mich gerne an diesen Tag zurück. Die Sonne schien und es war Sommer. Ein Sommer wie damals. Jetzt ist es dunkel, hier an diesem Platz. Hier an diesem Ort, wo sich die umliegenden Bäume im See spiegeln. Und vielleicht spiegelt der See noch viel mehr. Uns beide. Es ist dunkel. Der See ist still. Still ist es um uns geworden. Nur ich sitze hier, und warte.

Dieser Platz hier ist besonders. Die Magie, die er ausstrahlt, spüre ich nirgendwo so stark wie hier. Hier waren war, unzählige Tage. Du wohnst nur wenige Meter entfernt. Ich habe dich nicht angerufen, habe nicht angeläutet. Ich wollte zu diesem Platz allein kommen, mit all der Erinnerung. Dass es wehtun würde, habe ich erwartet. Aber ich warte und räume die Dunkelheit immer mehr Platz ein. Irgendwann hört es auf zu spiegeln. Die Nacht ist da und der See liegt still da. Mit der Hand auf meiner Brust spüre ich das sanfte Atmen meines Körpers. Gedanken schwirren wie Glühwürmchen um mich herum. Es ist Zeit, denke ich. Und warte.