Deshalb.

Weil
Weil ich nur neben dir wirklich einschlafen kann.
Weil ich es liebe, deinen Atem zu hören.
Weil ich dich immer heimlich ansehe, wenn du mir gegenübersitzt.
Weil du so unglaublich wunderschön bist. So einzigartig.
Weil du der Beginn und das Ende meiner Träume bist.
Weil du mein Inbegriff von Glück bist.
Weil es nichts vor dir und nichts nach dir geben soll.
Weil dein Lächeln mich jedes Mal wieder beeindruckt.
Weil mich niemand besser in den Armen wiegt.
Weil mir niemand besser durch die Haare streicht.
Weil ich mich vollkommener fühle mit dir.
Weil mich niemand so vollendet wie du.
Weil du meine Heimat und mein Zuhause bist.
Weil ich dich liebe.
Und du mich. 

 

Lippen.

Als sich unsere Lippen das erste Mal berühren, bin ich einfach nur glücklich über die Tatsache, dass ich bereits sitze und mich meine Beine nicht halten müssen. Unsere Lippen passen so wunderbar zusammen, unsere Augen sind geschlossen, ich spüre ihre Zunge. Herzklopfen. Stille.

„Vielleicht ist es das hier.“

Ich fasse sie an, berühre ihren Hinterkopf, streiche ihr durch die Haare. Immer noch hängen wir an unseren Lippen, kurz habe ich die Augen geöffnet. Sie streicht mir über den Rücken. Wir denken nicht daran, uns voneinander zu lösen. Soweit wir es hören, öffnet sich kurz die Abteiltür, aber niemand steigt ein. Niemand setzt sich dazu.

„Was? Was meinst du?“

Wir lösen uns. Emily sieht mir tief in die Augen, sieht mich an, als würde ich ihr alles erzählen. Oder als würde sie bereits alles erfahren, durch ihren in mich eindringenden Blick. Ein weiterer, kurzer Kuss. Auf den Mund, die Wange, den Hals. Sophie wird mir nicht glauben, was hier passiert ist. Wird nicht glauben, dass ich jetzt erstens neben Emily sitze und wir uns zweitens schon geküsst haben. Das habe nicht mal ich geglaubt, in meinen kühnsten Vorstellungen. In meinen Träumen von ihr, die mich einige Nächte bisher mal besser, mal weniger gut haben schlafen lassen.

[aus: Volle Distanz. Näher zu dir. Kapitel 8 „Abteil“]

Krieg.

Als ich aufhörte, ihr zuzuhören, war sie gerade am Höhepunkt ihrer Erzählungen angelangt. Ich schüttelte den Kopf, griff die Speisekarte vor mir und sie redete trotzdem weiter. Warf mit Vorwurfsgranaten um sich und jedes einzelne Mal spürte ich die Explosion und die Erinnerungssplitter. Wir befanden uns im Krieg, nur ich war eindeutig die schwächere, die überraschtere Seite. Obwohl es so überraschend nun auch nicht mehr war.

Die Konflikte haben schon lange Zeit vorher begonnen und haben nie wieder aufgehört. Selbst mit diplomatischem Einfühlungsvermögen hätte man da nicht viel retten können. Unser Untergang war schon gewiss, noch bevor die erste Bombe platzte. Wir haben falsch gelebt, haben stets versucht zu gewinnen. Haben verlernt, was es heißt, zu verlieren. Obwohl wir darin unschlagbar gewesen wären. Es hatte so kommen müssen, und jetzt sollte jeder Angriff sitzen, als wäre er schon jahrelang geplant.

Und doch reißt sie mir die Speisekarte wieder aus der Hand, wirft sie auf den Tisch, der uns trennt, der diesen Abstand zwischen uns entstehen hat lassen. Ich solle ihr gefälligst zuhören, sagt sie mit erboster Stimme, wenigstens dieses eine Mal, wirft sie mir noch hinterher und ich schüttle nur den Kopf, sehe kurz raus aus dem Fenster bis ich wieder auf das Schlachtfeld zurückkehre und ihr wieder in die Augen blicke. Wenn du mich jemals geliebt hast, beginnt sie ihren nächsten Satz und ich beginne zu überlegen. In der Zeit ihres Eintretens, in der Zeit der Schmetterlinge, scheint die Liebe so unendlich, so unzerstörbar und nach dem Ende fühlt es sich immer fast so an, als wäre die Liebe – wenn überhaupt – nur ansatzweise zu spüren gewesen. Ich weiß es nicht. „Wenn du mich jemals geliebt hast-“ – „Und was, wenn nicht?“

Ein Gegenschlag von meiner Seite. Ein Napalmangriff, der nicht hätte sein müssen. Sie hat Tränen in den Augen, zahlt noch schnell ihr Getränk beim Kellner, packt ihre Tasche. „Wenn du mich jemals geliebt hättest, hättest du mir dieses eine Gespräch vergönnt, diese Aussprache, du verdammtes Arschloch.“

Plötzlich ist sie weg. Der Krieg ist vorbei, vorerst zumindest. Nennen wir es Waffenstillstand. Die Granaten fehlen, die Explosionen, die zielgerichteten Schüsse. Und vielleicht stimmt es, was man immer sagt. Im Krieg gibt es keinen Sieger. Zumindest ich fühle mich nicht so, nein, gar nicht. Vielmehr fühle ich mich so, als hätte ich irgendetwas verdammt falsch gemacht. Richtig verdammt falsch.

Augen.

„Es ist schön hier.“, bemerkt sie, als sie, an ihrem Soda nippend, aus dem Fenster blickt. Und doch ist es etwas beunruhigend, aus dem Fenster eines Zuges zu blicken und für unzählige Minuten dasselbe Standbild zu sehen. Und kein Bahnhof in weiter Ferne. „Das ist kein betrieblicher Aufenthalt. Wir bitten sie daher, die Außentüren geschlossen zu halten.“, klingt es auch im Bordrestaurant. Leute murren.

Wir sitzen immer noch seelenruhig da, blicken mal uns, mal die Menschen um uns oder die Landschaft da draußen an und fühlen uns zwischen den dicken Wänden des Waggons überraschend wohl. Nichts könnte uns wohl aus der Ruhe bringen. Das hier ist unser Zug und unser Tisch.

„Noah?“
– „Ja?“
„Was, wenn wir uns nie wieder getroffen hätten?“
– „Ich weiß es nicht.“
„Es hätte mich verrückt gemacht.“
– „Mhm. Mich wohl auch.“
„Hast du auch oft an mich gedacht?“
– „Mhm.“
„Warum eigentlich?“
– „Ich weiß es nicht.“
„Kopf verdreht?“
– „Mhm.“

Dann sind wir wieder stumm. Wir sind wohl beide beeindruckt, wie schnell man unsere Köpfe verdrehen kann. Wie wenig man eigentlich reden, sondern eher wie viel man fühlen muss, bis der Kopf nicht mehr weiter weiß und sich das Herz nur mehr eine Sache wünscht. Selbst jetzt bin ich mir meiner Gefühle immer noch nicht bewusst. Wie sollte ich auch. Da sitzt sie, diese Schönheit, diese junge Frau mit ihren wundervollen Augen und verbringt den Abend, so außergewöhnlich – und für viele wäre es wohl ungewohnt – in einem Bordrestaurant eines Zuges. Stehend, in einer herbstlichen Einöde ohne Handyempfang und Menschen.

Die Minuten vergehen, wie führen kurze Dialoge, oftmals reicht es nur mehr für ein
leises „Mhm.“ Aber nicht, weil wir es bevorzugen, uns peinlich anzuschweigen und uns vor
allem nicht mehr in die Augen zu sehen. Denn genau das tun wir, wir sehen uns in die Augen, ins Gesicht, lesen daran und entdecken Geschichten, die mit Worten wohl auf ewig verborgen geblieben wären. Die Augen eines Gegenübers können wie ein offenes Buch sein. Sie erzählen von Glück und von Freude, von Schmerz und von Ungewissheit. Und das sind auch deren Gefahr: Das Gegenüber, welches man darin lesen lässt, muss behutsam damit umgehen. Das ist das Wichtigste. Deshalb ist ein großer Funken Vertrauen vonnöten, um dieses Kapitel überhaupt aufzuschlagen. Ich habe mich geöffnet und Emily ebenso.

[aus: Volle Distanz. Näher zu dir. Kapitel 7 „Bordrestaurant“]

Weißt du, was ich mir wünsche? [24]

Wunderlampe. 18122010

Es ist kalt. Dicke Schneeflocken bahnen sich den Weg bis zu uns durch. Wir beide, aneinandergekuschelt, meine Hände in deinen Jackentaschen versteckt, meinen Kopf auf deiner Schulter, stehen da. „Endlich wieder einmal weiße Weihnachten.“, sagst du und ich murmle dir nur ein „Mhm.“ ins Ohr. Es ist schön, den ganzen Tag, wo jeder nur mehr gestresst und ohne Halt der Bescherung entgegenwütet, mit dir gemeinsam verbringen zu können. Uns lässt nichts mehr aus der Ruhe kommen.

„Ich freu‘ mich schon auf die leuchtenden Kinderaugen und…“ – „Auf die Geschenke?“, wirfst du ein. „Nein. Darauf nicht. Auf das Zusammensein mit der Familie. Auf Gespräche, die ansonsten nie stattfinden würden, auf Lachen, auf Kerzenschein, auf das Weihnachtsevangelium.“ – „So richtig christlich.“ – „Mhm. Irgendwie schon. Aber ich kann mir irgendwie Weihnachten nicht mehr ohne all dem vorstellen. Und die schrecklich falsch gesungenen Lieder und das hektische Austeilen der Geschenke.“

„Es ist schön, dass du heute Zeit hattest.“ – „Ich habe darauf gehofft, dass du anrufst, ob du noch schnell vorbeikommen würdest. Und ich hoffte, dass dein ’noch schnell‘ so wie immer sein wird.“ Wir gehen weiter durch die bezaubernd weiße Schneelandschaft. Vorbei an eingeschneiten Parkbänken, und vollkommen nackten, halb erfrorenen Bäumen. Bis du mich schließlich in den Schnee schubst und dich gleich daneben hinlegst. Du lachst, so wie du immer lachst, wenn dir etwas gefällt. Bewirfst mich mit dem Schneestaub, und wischt es mir mit der gleichen Handbewegung wieder aus dem Gesicht. Und ich, die eine Hälfte meines Kopfes im Schnee vergraben, um dir in die Augen zu sehen, sage nur „Danke. Danke, dass es dich gibt.“ Und du lachst. „Und danke, dass du es mit mir versuchst und danke, dass du es nun schon so lange mit mir aushältst.“ Du küsst mich.

„So ungleich wir auch sind. Weißt du … ich glaube, das macht das Besondere an uns beiden aus, glaubst du nicht?“ – „Mhm. Kann schon sein.“ – „Aber vor allem ist es, weil wir einfach beide so außergewöhnlich sind. Das erkennt zwar nicht jeder, aber Hauptsache, wir beide tun es.“, legst du schmunzelnd nach. Die Kälte zieht schön langsam in meinen Körper hinein und doch bleibe ich liegen. Hier neben dir, immer wieder deine in kuschelige Handschuhe eingepackten Hände an meinem Gesicht, immer mal wieder ein Kuss. Es ist schön und wohl das schönste Weihnachten aller Zeiten. Für immer. Und die Ewigkeit.

„Weißt du, was ich mir wünsche?“ – „Nein?!“ – „Dass es bitte immer so bleibt. Das wäre schön.“ – „Mhm, das wäre es.“ Es wäre wundervoll. „Und nein, das hat jetzt nichts mit Traumschlossbauarbeiten zu tun, mit einem neuen Ewigkeitsparadigma. Nein, es ist einfach nur so schön, dieses Gefühl, und dass ich mich mit dir so unglaublich gut fühle. Das schaffen nur wenige Menschen.“ Dein Kopf schmiegt sich an meine etwas mit Schnee bedeckte Schulter. Wir könnten so liegen bleiben. Doch irgendwann stehst du wieder auf, ziehst mich hoch und meinst: „Wir müssen Engel machen.“ Wirfst dich in eine noch unberührte Schneedecke und wedelst mit Händen und Beinen, um diese wunderbar kindliche Erinnerung wieder ins Gedächtnis zu rufen. Stolz springst du auf, hüpfst aus deinem Abdruck hervor und meinst: „Siehst du. Das ist es. Das ist etwas für die Ewigkeit.“ Und ich lächle nur mild und wir gehen weiter.

So finster die Nacht. [23]

Dunkel der Nacht. 20122010

Menschen waren mir schon immer suspekt, denke ich mir und während ich etwas verzweifelt umherblicke, erkenne ich dein Gesicht in dieser Menge. Du winkst mir zu, und ich stolpere dir entgegen, remple den einen und die andere an, nur um so schnell wie möglich bei dir zu sein. Du nippst an deinem Strohhalm, nimmst einen tiefen Schluck deines alkoholhältigen Getränks und fällst mir um die Schulter. Es ist schön dich zu sehen, und schön langsam erhellt sich auch meine Stimmung etwas, doch du stellst das Getränk zur Seite und ziehst mich langsam aus der Menge wieder hinaus.

„Wir müssen hier weg.“, meinst du und packst meine Hand und wir beide verlassen den Platz so schnell, wie ich gerade gekommen bin. Verlassen die gewohnten Wege und wagen uns hinaus, in das Dunkel der Nacht. Spüren die Kälte des Windes, und orientieren uns an den Straßenlaternen, die die letzten sein würden, die uns für diesen einen Abend Licht schenken werden. Deine Hand ist warm, und meine zittert etwas, weil ich nicht weiß wohin und vor allem warum. Doch du willst es mir nicht sagen, aber deine Augen, die zuvor noch so wunderbar leuchteten, schimmern jetzt im Lichte der Laternen. Du weinst und ich habe keine Zeit und wohl auch keine Ahnung, wie ich dir helfen kann. Folge dir blind, nur um dir in diesem Moment so nahe wie möglich zu sein.

Wir biegen in eine unbekannte Straße ab, das Dunkel der Nacht hüllt uns endgültig ein und wir stolpern und wanken ganz hektisch und langsam durch unser neues Terrain. Deine Hand klammert sich an die meine und ich spüre dieses Unbehagen, deine Angst und am Liebsten würde ich dich an mich drücken, würde dir den Halt geben, denn du gerade so sehr brauchen könntest, doch ich kann nicht. Nichts ist wie es war, und die Stille, nur das Atmen unserer beiden Lungen, und ein paar quietschende Reifen in der Ferne tanzen fröhlich um uns herum. Was ist denn los, möchte ich fragen, doch bleibt mir keine Zeit dazu. Den kleinen Hügel ziehst du mich hoch und ungewohnten Schrittes folge ich dir hinauf bis du dich schließlich niederlässt. Dich setzt und mir den Platz neben dir anbietest. Es ist schön hier.

Und im Dunkel der Nacht legst du deinen Kopf auf meine Schulter und beginnst bitterlich zu weinen und ich lege meine Hand um dich und will gar nicht wissen, was geschehen ist. Will dich nicht belasten, dich durchlöchern, mit Fragen, die niemand hören will und mit Antworten, die niemand auszusprechen bereit ist. Will nicht mit Floskeln werfen wie „Das wird schon wieder“, oder „Ist schon gut.“. Und du schluchzt und ich zittere, und gemeinsam blicken wir hinaus in den Horizont, verdunkelt und doch hell erleuchtet. Und schweigen uns an, als wäre alles schon gesagt.

Die Welt pausieren. [22]

Grün. 20122010

Ich möchte die Welt pausieren
Und ganz tief einatmen
Um zu erfahren
Wie es ist.

Ich möchte die Welt pausieren
Um dich zu halten
Jeden Tag
Für immer.

Ich möchte die Welt pausieren
Und dich umarmen
Dir Wärme zu schenken
Ohne Grund.

Ich möchte die Welt pausieren
Möchte bei dir sein
Dich spüren
Ganz nah.

Ich möchte die Welt pausieren
Um deinen Hauch zu spüren
Deinen sanften Atem
In meinem Ohr.

Ich möchte die Welt pausieren
Nur für diesen einen Moment
Doch es gibt keinen Halt
Auf dieser Welt.

Stetig geht es weiter, tagein, tagaus
Und was uns bleibt
Ist die Erinnerung
Für immer.

Es musste sein. [21]

Bahnhof. 18122010

Es ist der 21. Deze

Warum so förmlich. Egal, wer jetzt gerade diesen Brief hier liest. Es wird zu spät sein. Zu spät sein, um mich aufhalten zu können, denn ich habe meinen Entschluss gefasst. Habe bereits das getan, was ihr mir nie verzeihen werdet. Nicht heute, vor allem nicht in dieser Zeit und wahrscheinlich auch nie während eures gesamten Lebens. Ihr werdet mich dafür hassen und doch werde ich euch einfach nicht aus dem Kopf gehen. Ich und diese schrecklichen Bilder, die ihr wegen mir ertragen musstet. Es tut mir Leid, wisst ihr.

Aber ich musste es tun. Und ich weiß, dass es genügend andere Möglichkeiten gebe, um das zu tun und genau das was ich tat schon viel zu oft falsch endete. Aber wenn ihr diesen Brief hier lest, werde ich es wahrscheinlich schon geschafft haben. Warum werdet ihr euch fragen und ihr werdet euch das noch lange, lange Zeit fragen, aber gibt es darauf überhaupt eine Antwort? Was soll ich euch erzählen?

Dass ich überfordert war? Mit dem Leben, mit den Aufgaben, die an mich gestellt wurden? Dass ich enttäuscht war: von mir, von dem, was ich zu erreichen gewillt war. Es hätte so viel besser laufen können, aber irgendwie blieb alles nur furchtbare Scheiße. Nichts hat sich jemals verbessert und nichts wird es in Zukunft tun. Alles bleibt wie es ist, nur ich muss diesen ganzen Mist jetzt nicht mehr ertragen.

Ich habe mir schon oft meine Gedanken darüber gemacht, wie es wäre, wenn ich es täte. Und immer und immer wieder blieb ich bei dieser einen Frage hängen: Wer würde denn um mich trauern. Und ich wüsste es nicht. Viele würden zwar ihr entsetztes, mitleidendes Gesicht aufsetzen, manche würden aus reiner Höflichkeit heulen, aber wer würde mich wirklich vermissen? Wem würde ich fehlen, wer hat ein Stück seines Herzens an mich verloren, dass nun für immer verschwunden sein wird? Ich weiß es nicht, und obwohl ich nie zu Ende gedacht habe, machte mich diese Frage traurig. Denn was, wenn niemand je an meinem Grab stehen werde und niemand eine Träne vergießen würde. Weil ich zu feige war, um mich den Herausforderungen zu stellen und weil das wohl der einfachste Weg sei.

Aber ich sag es euch: der einfachste Weg ist das sicher nicht. Es zog sich schon über Wochen, über Monate hin, also nein: Das hier ist keine Kurzschlussreaktion. Ich weiß schon was ich getan habe. Ich musste einfach weg, denn das alles machte mich krank. Ich konnte kaum mehr schlafen, in den letzten Tagen, meine Ängste wurden immer schlimmer, aus meinen wenigen Träumen erwachte ich immer schweißgebadeter. Jetzt habe ich es gewagt.

Seid bitte nicht traurig. Oder nein. Bitte seid traurig, wenn ihr es denn wirklich seid. Gebt mir eure Ehrerweisung, die ich mir verdient habe. Redet mit anderen über mich, redet mit mir über andere. Es ist egal. Ich bin nicht mehr hier und ich glaube, es geht mir gut. Und euch wird es auch schon bald wieder besser gehen, das weiß ich.

Ich vermisse eu

Es musste sein.
In Liebe.

Wenn du meinst. [20]

Regenwand. 19122010

I

Wir sollten nach Hause gehen, findest du nicht?
Hm?
Wir sollten uns auf den Weg machen.
Warum?
Na, siehst du nicht, wie der Regen stetig auf uns zukommt?
Wir haben noch Zeit.
Nein, haben wir nicht. Das wird ein Sommersturm.
Denkst du?
Mhm. Keiner von der milden Sorte.
Dann sollten wir uns wohl auf den Weg machen.
Mhm.

II

Der Wind hier ist echt nicht von schlechten Eltern.
Hör auf zu reden und pack‘ endlich deine Sachen ein.
Ach, jetzt stress‘ nicht rum.
Wollen wir da jetzt wirklich drüber diskutieren?
Also … ich will nicht.
Gut so. Und jetzt: Beeil dich!
Gleich. Nur noch … und das auch noch.
Ich geh‘ schon mal vor.
Ach, komm. Warte doch noch etwas.
Nein, mir ist das alles nicht geheuer.
Wenn du meinst.

III

Na … jetzt aber. Wir müssen uns beeilen.
Hast du irgendeine Sturmphobie?
Nein. Und jetzt …
Bin schon da.
Regnets schon?
Also, ich hab‘ nix gespürt.
Doch, da … schon wieder.
Hm.
Siehst du?
Stimmt. Ein Tropfen.

IV

Ich liebe diese vorstürmliche Luft.
War der Weg vorhin auch schon so lange?
Mhm.
Verlaufen werden wir uns wohl nicht haben, oder?
Ach komm. Wir kennen den Weg.
Das heißt erstmal gar nichts.
Ui. Ein Blitz.
21.
22.

Ist ja schon richtig nahe.

V

Warum bleibst du stehen?
Nur so.
Aber … aber, jetzt kommt der große Regen.
Ja, gerade deshalb.
Hm?
Weil ich die Sommerregen liebe.

Und ich schon immer mal mit dir in einem tanzen wollte.
Warte mal, Mom-…


Und genau deshalb.