Vermissen. [18]

Manchmal, da schreibe ich Briefe. Ohne Empfänger. Ich schreibe sie, und wünsche mir, dass du sie bekommst. Dass du es erfährst. Ich will dich teilhaben lassen, an hier, an all dem, an mir. Will dir zeigen, was aus mir schon geworden ist. Möchte dir erklären, warum all das passieren musste. Aber all die Nachrichten kommen nicht an. Du hast keine Adresse mehr.

Doch manchmal, da falte ich die Zettel zusammen, stecke sie in ein Kuvert und lecke die ekelhafte Klebespur ab. Klebe es zu und werfe es in die alte Schuhschachtel. Dort liegen sie alle, wohlig versammelt, in trauter Einsamkeit. Dein Name ziert jedes Kuvert, aber du liest es nicht. Liest nicht meine Worte. Liest nicht mein Leben.

Und manchmal, da frage ich mich, ob du mich siehst. Ob du sehen kannst, was ich hier so erlebe. Ob du es spürst, wenn es mir mal nicht gut geht. Ob du weinst, wenn ich es tue. Ob du den Schmerz mit mir teilst und lachst, wenn ich schon Tränen der Heiterkeit in den Augen habe. Ob du immer noch da bist, irgendwo in meiner Nähe. Mir unsichtbar folgst, auf all meinen Wegen, durch all meine Träume.

Denn manchmal. Ja, manchmal. Da vermisse ich dich. Vermisse dich so sehr, dass kein Wort es je beschreiben könnte. Wenn der Kloß im Hals immer größer wird, und ich nichts mehr sagen kann, ohne meine weinerliche Stimme preiszugeben. Wenn ich Bilder von dir sehe oder Videos, oder wenn allein schon Gedanken oder Erinnerungen in mir auftauchen. Und die Tränen ihren Weg finden. Dann, ja. Dann vermisse ich dich. Oder wenn ich von dir rede, von unserer gemeinsamen Zeit, vom wundervollen Leben mit dir. Wenn ich lache, weil mir dein Lachen so nahe ist. Dann vermisse ich dich und bin unglaublich froh darüber, dich vermissen zu können.

Foto: j_chapple147, Flickr

Sommerworte. [62 Tage Literatur]

Sommer ist die wahrscheinlich großartigste Zeit im Jahr. Mit Freunden am See liegen, bis in die Nacht hinein im kurzen T-Shirt draußen sitzen, mit einer Flasche Radler und einer Packung Zigaretten und großartigen Gesprächen dem Nichtstun fröhnen. Aber nachdem es sich schon so eingespielt hat, dass ansonsten beinahe alles runtergefahren wird, in den scheinbaren Sommerschlaf fällt (wie z.B. Serien), wage ich den Gegenversuch.

Nach 24 Tagen Literatur im vergangenen Dezember setze ich ein i-Tüpfelchen drauf, und möchte euch von 1. Juli bis zum 31. August Tag für Tag mit einem Stückchen Literatur versorgen. Ob nun eine Geschichte, ein Gedicht, ein Dialog, ein Brief oder irgendetwas ganz Anderes. 62 Einträge sollen es werden. Aber nicht alle von mir. Denn nebenbei bin ich auch noch auf der Suche nach Gastautoren. Menschen, deren Blogs man womöglich eh schon liest, denen man auf Twitter folgt. Oder auch Freunden, die das Internet womöglich meiden und der Idee von www-weiter Publizierung der eigenen Werke nur wenig abgewinnen konnten. Es wird zumindest toll, das kann ich euch versprechen.

Warum ich das nicht am 30. Juni verkünde, also einen Tag davor? Weil es womöglich etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, all das zu organisieren. Auch diesmal möchte ich wieder jeden Artikel mit einem eigenen Instagram-Foto schmücken, will auf der FB-Seite des Blogs eine eigene Abteilung dafür einrichten, will es also wirklich schön werden lassen. Und wahrscheinlich müssen einige Werke schon jetzt geschrieben werden, da im Sommer neben Urlaub nämlich auch noch das Leben ansteht.

Der Sommer wird also literarisch. So wie das ganze Jahr – in Wahrheit. Heute habe ich damit begonnen, täglich 750 Worte für Volle Distanz zu schreiben. 750words.com hilft mir dabei. Sollte ich es denn wirklich schaffen (ich mag Herausforderungen), wäre ich also am 8. Juli bei 75.000 Worten und somit grundsätzlich am Ziel. Man wird sehen.

Es musste sein. [21]

Bahnhof. 18122010

Es ist der 21. Deze

Warum so förmlich. Egal, wer jetzt gerade diesen Brief hier liest. Es wird zu spät sein. Zu spät sein, um mich aufhalten zu können, denn ich habe meinen Entschluss gefasst. Habe bereits das getan, was ihr mir nie verzeihen werdet. Nicht heute, vor allem nicht in dieser Zeit und wahrscheinlich auch nie während eures gesamten Lebens. Ihr werdet mich dafür hassen und doch werde ich euch einfach nicht aus dem Kopf gehen. Ich und diese schrecklichen Bilder, die ihr wegen mir ertragen musstet. Es tut mir Leid, wisst ihr.

Aber ich musste es tun. Und ich weiß, dass es genügend andere Möglichkeiten gebe, um das zu tun und genau das was ich tat schon viel zu oft falsch endete. Aber wenn ihr diesen Brief hier lest, werde ich es wahrscheinlich schon geschafft haben. Warum werdet ihr euch fragen und ihr werdet euch das noch lange, lange Zeit fragen, aber gibt es darauf überhaupt eine Antwort? Was soll ich euch erzählen?

Dass ich überfordert war? Mit dem Leben, mit den Aufgaben, die an mich gestellt wurden? Dass ich enttäuscht war: von mir, von dem, was ich zu erreichen gewillt war. Es hätte so viel besser laufen können, aber irgendwie blieb alles nur furchtbare Scheiße. Nichts hat sich jemals verbessert und nichts wird es in Zukunft tun. Alles bleibt wie es ist, nur ich muss diesen ganzen Mist jetzt nicht mehr ertragen.

Ich habe mir schon oft meine Gedanken darüber gemacht, wie es wäre, wenn ich es täte. Und immer und immer wieder blieb ich bei dieser einen Frage hängen: Wer würde denn um mich trauern. Und ich wüsste es nicht. Viele würden zwar ihr entsetztes, mitleidendes Gesicht aufsetzen, manche würden aus reiner Höflichkeit heulen, aber wer würde mich wirklich vermissen? Wem würde ich fehlen, wer hat ein Stück seines Herzens an mich verloren, dass nun für immer verschwunden sein wird? Ich weiß es nicht, und obwohl ich nie zu Ende gedacht habe, machte mich diese Frage traurig. Denn was, wenn niemand je an meinem Grab stehen werde und niemand eine Träne vergießen würde. Weil ich zu feige war, um mich den Herausforderungen zu stellen und weil das wohl der einfachste Weg sei.

Aber ich sag es euch: der einfachste Weg ist das sicher nicht. Es zog sich schon über Wochen, über Monate hin, also nein: Das hier ist keine Kurzschlussreaktion. Ich weiß schon was ich getan habe. Ich musste einfach weg, denn das alles machte mich krank. Ich konnte kaum mehr schlafen, in den letzten Tagen, meine Ängste wurden immer schlimmer, aus meinen wenigen Träumen erwachte ich immer schweißgebadeter. Jetzt habe ich es gewagt.

Seid bitte nicht traurig. Oder nein. Bitte seid traurig, wenn ihr es denn wirklich seid. Gebt mir eure Ehrerweisung, die ich mir verdient habe. Redet mit anderen über mich, redet mit mir über andere. Es ist egal. Ich bin nicht mehr hier und ich glaube, es geht mir gut. Und euch wird es auch schon bald wieder besser gehen, das weiß ich.

Ich vermisse eu

Es musste sein.
In Liebe.

Genug Liebe. Genug davon.

Vergiss doch bitte die.
Die Liebe.
Mit all ihren Worten.
Von.
Von ewig. Und für immer.
Von wir beide und. Und nur wir.
Vergiss diesen Traum.
Des Schwerelosen.

Liebe macht nicht.
Nicht schwerelos.
Nur der Traum, der Wunsch.
Der Wunschgedanke selbst.
Auf einmal geliebt zu werden.
Geliebt für all die Dinge.
Die man an einem selbst hasst.
Hasst, weil sie schwach machen.
Und dabei macht uns doch nur die Liebe noch schwächer.
Angreifbarer.
Einsamer.

Liebe ist falsch.
Nichts ist schmerzhafter wie.
Nichts ist einsamer wie.
Nichts ist wie die Liebe.
Die Liebe.

Die Liebe.

Sie tut weh. Sie nimmt weg.
Sie stiehlt Zeit, sie vereinnahmt.
Sie verändert dich.
Von Grund auf.
Kaum noch zu erkennen.
Die Liebe.
Ein Traum.

Der wunderschönste Traum der.
Der Welt.
Kaum erklärbar in Worten.
So schön, und so unglaublich.
Das höchste zu erreichende Gefühl.
Die Liebe.

Solange es noch Schmetterlinge gibt.

Genug Liebe. Genug davon. weiterlesen

Fly Away.

Langsam, ganz langsam.

Ich habe mich scheinbar gedreht und gewendet. Nach drei oder vier Stunden Schlaf, bis kurz vor zwanzig Uhr fühle ich mich verspannt und müder denn je. Aber das musste jetzt sein. Nachholen, wofür ich die ganze Woche über nicht wirklich Zeit gefunden habe. Und nun sitze ich hier, mit dem Gedanken bei einer wunderbaren Freundin. Wo scheinbar heute mal so richtig alles nicht gut läuft. Wenn du das hier liest: Ich denk an dich. Vielleicht hätte ich noch vorbeikucken sollen. Nach erneutem Telefonat werde ich das nun auch noch tun. Und ja, ich fühle mich verpflichtet. Dir geht es nicht gut, du möchtest reden und ich möchte dir helfen. Gemeinsam können wir in Kürze schließlich über Gott und die Welt reden. 

Die Woche lief um einiges besser, als all die Tage zuvor. Man mag es jetzt als lächerlich ansehen, aber das Wiederauffinden meiner Uhr, nach mehr als fünf Monaten, ist einer der Höhepunkte der letzten Tage. Ich habe sie ernsthaft in meinem gesamten Zimmer gesucht. Habe alle aufgehoben und überall nachgekuckt. Überall? Nein, nicht wirklich. Denn obwohl ich mir ganz sicher war, dass ich die Uhr das letzte Mal bei meinem Nächtkästchen gesehen habe, habe ich nie in der Briefebox nachgesehen. Und vor drei Tagen habe ich wieder einmal zwei Briefe geschrieben (schon angekommen?) und überraschenderweise meine Uhr am Grunde der Box gefunden. Meine Briefebox ist übrigens eine Converse-Schachtel mit Adressen, Kuverts und Briefmarken. Was ganz Tolles. Ehrlich.

Ach ja, und diese Woche habe ich auch durch Zufall erfahren, dass durch den Text „Selbstgespräch. Und So.“ mein Blog der Teil einer eineinhalb Jahre langen Ausstellung in drei Museen in Deutschland sein wird. Es ist ein unglaubliches Gefühl, dass meine Art zu schreiben, und hier geht es wirklich darum, da es sich um einen puren minimal literarischen Text handelt, auch über das Internet hinaus zu betrachten ist. Es ist so etwas wie ein kleiner Traum. Mein Name, mein Blog. Ein kleines bisschen Berühmtheit für etwas, was für mich sehr viel bedeutet. Und ich empfehle wirklich allen, die in der Nähe von Frankfurt, Nürnberg und Berlin wohnen, im Laufe der nächsten Monate diese Ausstellung zu besuchen. Ich werde es wohl erst nächstes Jahr in Berlin.

Ein weiterer Punkt, der diese Woche für schöne Gefühle sorgte, war die Tatsache, dass ich unter Pachelbel-Einfluss die ersten Sätze zu „Volle Distanz. Näher zu dir“ kreiren konnte. Ich persönlich finde den Anfang großartig und scheinbar kommt er auch bei den Lesern, als euch, wirklich gut an. Deshalb werde ich, vielleicht bald mit einem Moleskine-Notizbuch, jetzt nun mal wieder weiterschreiben. Nachdem mein erster Versuch mich bald stocken ließ. Vielleicht werde ich einen kleinen USB-Mp3-Player nur mit klassischer, ruhiger Musik bestücken. Sie ist wunderbar. Ein bisschen Bach hier, ein bisschen Pachelbel da … und möglicherweise auch noch Beethofen oder Chopin. Debussy hingegen wirbelt eher auf, als dass er beruhigt.

In Liebe und so weiter hat sich nichts entwickelt. Ich habe mich erfolgreich entliebt, und freue mich schon auf das nächste Wiedersehen ohne irgendwelche Gefühle. Und auch mit meiner Exfreundin, mit der ich erst vor zwei Monaten wirklich abschließen konnte, habe ich nun wieder Kontakt. Per ICQ wohlgemerkt, aber möglicherweise treffen wir uns in den Osterferien auf einen Kaffee. Wobei ich hinzusagen möchte, dass Ostern für mich nicht unbedingt verpflichtend Ferien bedeutet. Ich werde arbeiten. Aber ich freue mich darauf, dass der Versuch einer Freundschaft zumindest in meinem Kopf schon wieder existiert. Vielleicht auch nicht richtig, aber wie ich schon mehrmals sagte, fällt mir die Vorstellung schwer, dass jemand komplett aus meinem Leben verschwindet. Mal sehen, wie sich alles so weiterentwickelt.

Und so werde ich mich auf den Weg zu dieser einen wundervollen Freundin machen. Wir werden exzessiv rauchen, und reden. Ich habe schon lange nicht mehr mit ihr geredet. Das tut uns wahrscheinlich beide gut. Also dann, bis morgen, liebe Leute. Ich flieg dann mal weg.