Auf und davon.

Wir waren gefangen, hatten Angst, uns fehlte der Mut. Der Mut zu Entdecken, zu Verstecken, zu allem zu wenig. Wurden gestoßen, durch all die Straßen und Gassen und Wege dieser Welt, ohne Halt und Rast. Fanden uns wieder, an Orten, so fremd. Haben uns verloren, aus den Augen, ohne Sinn. Ich spüre dich nahe, du immer bei mir, habe ich geschworen und belogen uns beide. Ich sitze nun hier, an Wände gelehnt, mit dem Kopf nur gen Himmel, den Regen erwartend. Nichts anderes verdienend, am Ende der Kraft.


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Ich möchte wachsen, möchte ankommen, an diesem Punkt. Am Ende des Wartens, ohne dir, nur mit uns beiden. Ich atme fest ein und kaum wieder aus, möchte mich ersticken mit zu viel Luft. Möchte aufs Atmen vergessen, Sekunden, Minuten. Der Donner, er grollt, doch verfehlt er sein Ziel. Ich spüre das Beben, nur in mir, voller Kraft. Mein Kopf tut mir weh, nur dein Leuchten der Augen, und die Form deines lachenden Mundes. Alles das hält mich wach, denkt an Morgen, an das Beginnen von Vorne.

Dabei will ich doch nur auf und davon. Ausbrechen aus dem Grenzenlosen, mich einsperren im Nirgendwo. Will Erwartungen enttäuschen und Enttäuschungen erhoffen, will Hoffnungen zerstören und an der Zerstörung zerbrechen. Wie sind wir nur hier angelangt, falscher Weg, ich weiß. Haben Kreuzungen verfehlen und Pläne missverstehen wollen. Da stehen wir nun, Hand in Hand, Kopf an Kopf. Auf und davon, nur wir beide. Auf und davon, ich bitte dich. Ich halte es hier nicht mehr aus, hör doch auf. Hör doch auf mich und lass uns verschwinden. Du und ich, wir beide. Auf und davon. Ok?

In meine Dunkelheit.

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In dieser Nacht
Wir stehen hier.
Atmen die Kälte
Vergessen den Weg.

Spielen Verstecken
In dieser Nacht.
Lieben das Schwarz
Ohne zu leben.

Tanzen alleine
Tauchen hinein.
In dieser Nacht
In diesen Regen.

Liegen in Armen
Weinen in Strömen
Lachen im Wahn
In dieser Nacht.

Sind angekommen
Es ist nicht mehr weit
Kommen nie wieder
Gehen zurück.

In meine Dunkelheit.

Eine eigene kleine Welt.

Mein Kopf lehnt an dem überdimensionierten Fenster. Jedes Rattern des Zuges über die unebenen Schienen überträgt sich mit voller Wucht auf meinen Körper. Züge sind etwas Sonderbares. Ein Treffpunkt für Schicksale, eine eigene kleine Welt, zusammengepfercht auf wenige Waggons. Mit den assozialen Typen, den herumtollenden Kindern, den schlafenden Studenten. Und mit mir.

Es regnet. Seit Tagen wohl schon, oder vielleicht auch erst seit gerade eben. Wie ein Wasserfall bricht ein Schwall vom Dach des Zuges herab, meine Aussicht verschwimmt wie ein Aquarellbild. Meine Welt, eingetaucht in ein Meer aus Regentropfen. Eine seltsame, beunruhigend beruhigende Welt. Beim Blick aus dem Fenster beobachte ich die anderen Menschen; Jene alte Frau, die ihren Kopf auf einen zusammengeknüllten Pullover und diesen auf eines dieser Zugfenster gepresst hat, und dabei so wundervoll zufrieden schnarcht als gäbe es kein Morgen mehr. Vielleicht stimmt das in ihrem grauhaarigem, drittzähnigem Fall ja tragischerweise sogar.

Oder diese junge Familie, die Uno oder irgendein anderes furchtbar einfaches Kartenspiel spielt und das kleine Mädchen eine außergewöhnlich nervige Stimme hat. Mir ist es ja egal, aber in Wahrheit ist es kaum mehr auszuhalten. Und jedes Mal, wenn das Mädel ihren Mund öffnet, zischt ihre Mama ihr gleich ein „Pscht.“ vorweg ins Gesicht. Keine Chance, dieses Mädel, dass sie irgendwann einmal die Stimme gegen irgendjemanden erhebt. Schlussendlich flüstert sie nur mehr und ich bemerke, dass das Nervigste an all dem wohl nur Mutters Zischen war.

Dann gibt es da noch diese dickliche Frau, die beim Versuch, eine Limoflasche zu öffnen, versehentlich geschätzte eineinhalb Liter klebriges Zeug über den Boden verteilt und diesen mit unzähligen 676 cm² großen Taschentüchern aufzuwischen versucht, und der Typ mit offensichtlich asiatischem Migrationshintergrund, dem zuerst ein Kichern entwischt und welcher schließlich dann auch noch von der Brühe erwischt wird. Mein Schmunzeln verstummt noch bevor es die Erdoberfläche erblicken konnte.

Und dieser eine Typ, der auf der Suche nach einer funktionierenden Toilette seit Minuten quer durch den Zug eilt und man von Schritt zu Schritt mehr merkt, dass es sich wohl möglicherweise nicht mehr bis zum Lokus ausgehen wird. Der Schweiß steht ihm auf der Stirn, das Gesicht wird immer blasser. Und der ihm entgegenkommende Schaffner erklärt ihm nur, dass er in jene Richtung zurückgehen müsse, aus welcher er gekommen sei … „Hier hinten funktionieren sie nicht.“ – „Ihre Fahrscheine, bitte!“

Ich beginne zu kramen, so wie ich es die vergangenen hundert Male auch schon immer gemacht habe. Werde beinahe schon hektisch, bis ich bemerke, dass ich meine Geldbörse erst Minuten vorher aus meiner Hosentasche raus und neben mich hingelegt habe. „Hier, bitte.“ Das wars für mich. Aufmerksamkeitsspanne zu Ende. Kopf an Zugfenster. Und hinein in die Schicksale andere Menschen. Ein komischer Ort hier. Zusammengepfercht und für Stunden beinahe so etwas wie eine kleine Familie. Mit Zwangsverwandtschaften, Blickfreundschaften und Menschen, die einem wie Geschwister erscheinen.

Wenn du meinst. [20]

Regenwand. 19122010

I

Wir sollten nach Hause gehen, findest du nicht?
Hm?
Wir sollten uns auf den Weg machen.
Warum?
Na, siehst du nicht, wie der Regen stetig auf uns zukommt?
Wir haben noch Zeit.
Nein, haben wir nicht. Das wird ein Sommersturm.
Denkst du?
Mhm. Keiner von der milden Sorte.
Dann sollten wir uns wohl auf den Weg machen.
Mhm.

II

Der Wind hier ist echt nicht von schlechten Eltern.
Hör auf zu reden und pack‘ endlich deine Sachen ein.
Ach, jetzt stress‘ nicht rum.
Wollen wir da jetzt wirklich drüber diskutieren?
Also … ich will nicht.
Gut so. Und jetzt: Beeil dich!
Gleich. Nur noch … und das auch noch.
Ich geh‘ schon mal vor.
Ach, komm. Warte doch noch etwas.
Nein, mir ist das alles nicht geheuer.
Wenn du meinst.

III

Na … jetzt aber. Wir müssen uns beeilen.
Hast du irgendeine Sturmphobie?
Nein. Und jetzt …
Bin schon da.
Regnets schon?
Also, ich hab‘ nix gespürt.
Doch, da … schon wieder.
Hm.
Siehst du?
Stimmt. Ein Tropfen.

IV

Ich liebe diese vorstürmliche Luft.
War der Weg vorhin auch schon so lange?
Mhm.
Verlaufen werden wir uns wohl nicht haben, oder?
Ach komm. Wir kennen den Weg.
Das heißt erstmal gar nichts.
Ui. Ein Blitz.
21.
22.

Ist ja schon richtig nahe.

V

Warum bleibst du stehen?
Nur so.
Aber … aber, jetzt kommt der große Regen.
Ja, gerade deshalb.
Hm?
Weil ich die Sommerregen liebe.

Und ich schon immer mal mit dir in einem tanzen wollte.
Warte mal, Mom-…


Und genau deshalb.

Dieser Moment gehört uns. Uns ganz allein.

Als ich tief einatme, spüre ich den herbstlich kalten Wind meine Luftröhre hinunterzischen. Es hat mächtig abgekühlt, und doch kommt es mir so vor, als wäre es erst gestern gewesen, als wir halbnackt am See lagen oder nackt im Fluss schwammen. Doch es sind Wochen, die sich seither dazwischen geschoben haben. Es ist Herbst geworden und die ausgemergelte Landschaft bekommt wieder ihren nötigen Kraftstoff. Regnet es nicht eigenlich nun schon seit Tagen?

Sie, die die ganze Zeit neben mir an dieser Hausmauer lehnte, schnippt den Stummel ihrer Zigarette in die Wiese vor uns. Langsam rückt sie näher zu mir und legt ihren Kopf auf meine Schulter. Obwohl ich es nicht sehen kann, weiß ich, dass sie ihre Augen geschlossen hat. Ich tue es ihr gleich und gemeinsam lauschen wir noch einige Momente lang dem Tascheln des Regens. Ich höre ihren Atem, und sie wahrscheinlich den meinen. Was wollten wir hier eigentlich tun?

Ich zünde mir noch eine Zigarette an, öffne dafür kurz meine Augen und genieße diesen Moment hier mit einem tiefen ersten Zug. Sie ist so sanft und ruhig. Nur das Heben ihrer Brust macht es mir deutlich, dass sie atmet und eben neben mir steht und wahrscheinlich gerade auf meiner Schulter eingeschlafen ist. Es sind Momente wie diese, die mich aus tiefstem Inneren lächeln lassen. Die dazu beitragen, dass ich mich gerade so glücklich fühle.

Unsere Freunde werden uns vermissen, wenn wir nicht gleich zurückgehen würden. Aber es ist einfach nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Dieser Moment  gehört uns, uns ganz allein. Und nachdem ich eine Kurznachricht ausgeschickt habe, wird er wohl noch einige Zeit uns allein gehören. Ich lege meinen Kopf, ganz sanft, um sie auf gar keinen Fall auufzuwecken, auf den ihren. Wieso können wir nicht so sitzen bleiben, bis zum nächsten Morgen. In dieser unglaublich vertrauten Zweisamkeit. Gefangen, hier, zwei Individiuen, in dieser Unendlichkeit.

Plötzlich bewegt sie sich wieder. Mit verschlafenem Blick sieht sie mir ganz tief in meine Augen. Und als wir nun hier sitzen, kommen sich unsere Gesichter immer näher. Unsere Lippen berühren sich, ganz sanft, zärtlich. Ihre Lippen wandern den Hals hinab, bis sie ihren Kopf wieder auf meine Schulter legt. Ich bin ein weiteres Mal sprachlos hier.

Als ich am nächsten Morgen aufwache, unsere Körper aneinandergekuschelt und von irgendeinem Freund irgendwann nachts mit einer dicken Decke zugedeckt, spüre ich nicht. Ob es nun ein Traum war, oder eben nicht.  Aber es muss beinahe einer gewesen sein. So schön, wie all das war. Als die Morgensonne unsere Gesichter zu kitzeln beginnt, und auch sie wieder munter wird, wird es mir klar.

Es ist egal. Es ist doch verdammt noch einmal egal.

photocredit: db*photography | flickr

Es sind Momente wie diese.

„Komm, nimm meine Hand. Es ist rutschig hier.“

Der Regen verunstaltete den Weg zu einem großen Feld aus Matsch und Schlupflöchern. Er hatte fast vergessen, dass noch jemand mit ihm unterwegs war, aber natürlich. Sie war mitgekommen, als er sich plötzlich dazu entschloss, durch den Regen spazieren zu wollen. Und selbst die Tatsache, dass er nicht mal annähernd irgendeine Kleidung für dieses Wetter bei sich hatte, hielt ihn von seinem Entschluss nicht ab. Und da gingen sie nun dahin, die Wolken über ihnen herziehend. Als Sommerregen würde man es heute nicht mehr bezeichnen, viel zu kalt waren die Tropfen und viel zu windig die Nacht. Er nimmt die ihm entgegengestrecke Hand.

Es sind Momente wie diese. In denen er genießt, dass trotz großer Gefühle die gemeinsame Freundschaft so wunderbar und einzigartig ist. Dass da ein Mensch ist, auf den man sich verlassen kann, der eben auch solche Wege mit einem gemeinsam geht. Und andererseits macht er sich immer und immer wieder die Gedanken, ob da denn nun mehr ist. Ob er seinen Mut zusammenpacken soll. Früher machten ihn solche Momente immer fertig. Da fand man ihm meistens verstört. Aber es sind Momente wie diese. Denn heute fühlt er sich zufrieden damit. Ihm gefällt die Zweisamkeit, egal wie die Gefühle bei ihr aussehen. Er will nicht zuviel verändern an diesem Leben. Viel zu schön sind die Stunden und Tage und Nächte, die man miteinander verbringt.

„Oh.“

Es hatte zu regnen aufgehört.

Eben.

photocredits: Peter Kaminski | flickr

Was wäre nur. [Ein Abschied]

Was wäre nur, wenn ich dich nie wieder sehen würde. Wenn du jetzt weggehen würdest und nie wieder zurückkämest. Wenn das Aus-den-Augen-Verlieren einfach nur ein Resultat deines überraschenden Todes wäre. Wenn du in meinem Kopf nicht als stets fröhlicher, manchmal verwirrter Mensch in Erinnerung bleiben würdest, sondern mir tage- und wochenlang dein Gesicht nach deinem Tod, oder die Atmosphäre deines Begräbnisses verfolgen würde. Was wäre, wenn ich dann vor deinen Grab stehe, und alles, was mir einfällt, ist ein müde gehauchtes „Ich liebe dich.“

Und niemand würde antworten. Weil ich meine Liebe zu dir zu lange in mir trug und aus reiner Feigheit nicht der Welt offenbaren konnte. Ich wette es würde regnen. Einfach aus Prinzip. Weil ich es mir verdient habe, so wie niemand sonst. Und womöglich breche ich auch einfach vor deinem Grab zusammen, die Kieselsteine bohren sich in meine Knie und ich spüre es nicht. Und ich heule, weil ich dich nur noch ein letztes Mal in den Arm nehmen möchte, dich ein letztes Mal küssen, mit dir ein letztes Mal in die Sterne schauen.

Selbst das müsste ich aufgeben. In die Sterne zu schauen. Weil es nicht mehr dasselbe wäre. Und weil unser gemeinsamer Stern mich Nacht für Nacht an dich erinnern würde. Und der Große Wagen? Er wäre bedeutungslos. Und trächtig. An Erinnerungen und Gefühlen für dich. Ich würde meine stille Liebe zum Nachthimmel aufgeben müssen, weil du nicht mehr da bist. Kannst du dir das vorstellen? Wo wäre ich nur heute, hätte ich nicht vor ein paar Jahren die Genialität des Unendlichen entdeckt. Und das Ende von Ewigkeiten. Jene Ewigkeiten, welche Sterne dort verbrachten, bis sie verglühten und für uns zum Wunschkonzert wurden.

Wie könnte ich schlafen. Wenn du mich jede Nacht begleitest, durch meine absurdesten Träume. Und wenn ich aufwache und mit einem Lächeln dein Gesicht erwarten würde, weil all das in dieser Nacht so real und fassbar vor meinen Augen auftauchte. Und ich Tag für Tag immer und immer wieder bitter enttäuscht werden würde. Jeden Morgen die selbe Prozedur. Würdest du da noch gerne die Augen schließen, nach einem langen und anstrengenden Tag?

Ich habe mal gesagt, ich würde die Ewigkeit hassen. Ich hasse sie immer noch. Von ganzem Herzen. Aber in meinem Kopf, so scheint es, wirst du immer gespeichert bleiben. Du und meine ungenützte Chance, dir meine Gefühle zu offenbaren. Und ich würde mich hassen und am liebsten den Spiegel zertrümmern wollen, welcher mich zu zeigen versucht. Weil ich es nicht geschafft habe und es auf ewig in mir bleiben würde. Weil du es nie erfahren hast. Weil niemand davon erfahren hat. Niemand. Außer mir. Wie hätte ich die Gefühle unterdrücken können, wenn du mir einfach dieses Gefühl der Geborgenheit gabst. Und mir die Angst vor der Nähe nahmst. Wie hätte ich je erfahren können, wie schön schweigsame Zweisamkeit ist. Vielleicht wusstest du es schon lange und warst selbst nicht sicher, wie ich darauf reagieren würde. Vielleicht sind wir gemeinsam an unserer Angst zugrunde gegangen und jetzt lässt du mich allein.

Allein hier auf dieser Welt.
Auf dieser großen, verstörenden Welt.

Und du weißt doch, wie sehr ich Angst vor Einsamkeit habe.

Auch auf Ci-Jou und jetzt.de

Kein Blitz ohne Donner.

Der Regen prasselt gegen das Fenster. Die Stille auf der einen Seite, das Brodeln auf der anderen. Die Natur, sie spielt. Spielt Räuber und Gendarm. Nie holt der Donner den Blitz wirklich ein. Diesen hellen Lichtstrahl, diese Entladung als Wohltat für die Augen. Das Donnern. Ein Grummeln, ein Röcheln, ein Krachen, ein Knarzen.

Die warme Bettdecke umhüllt meinen Körper. Es ist schon viel zu spät. Spät nachts, die Uhr schlägt gleich zwölf. Ich sollte schlafen, doch das Grollen hält mich wach. Mit gespanntem Blick sehe ich durch die Dunkelheit an die Decke, zähle die Sekunden, warte auf das Ende. Wenn die Augen zufallen, und der Donner und die Blitze zur Nebensache werden.

Wieder einmal durchbricht das Donnern die Stille. So laut und mächtig. Eine Gänsehaut verbreitet sich auf meinem Körper, von all meinen Organen scheinen nur mehr das Seh- und das Hörorgan in Aktion zu sein. Wartend auf den Gegenschlag, auf die Revanche. Das ständige Hin und Her. Kein Warten auf den Anderen, keinen Moment der Ruhe.

Und ich, geschützt, von einen Meter dicken Steinmauern. Kein Anflug von Angst, nur die Neugier, wie bei jedem verdammten Gewitter. Am liebsten würde ich mich auf den Dachboden begeben und die ganze Nacht das Naturspektakel beobachten. Möchte zusehen, wie es blitzt und zuhören, wie es donnert. Doch der Schlaf lässt mich nicht erheben, ich warte, versuche es noch einmal, doch es geht nicht. Und zum Schluss begreife ich die Romantik hinter einem Gewitter. Sie können nur gemeinsam. Der Blitz und der Donner. Kein Blitz ohne Donner und kein Donner ohne Blitz. Und schön langsam schließen sich meine Augen, und die Dunkelheit nimmt Überhand.

The Quiet Storm.

Langsam ziehst du vorüber. Wie der Wind und das übrig gebliebene Laub. Der Regen drückt dich nur noch weiter hinein. In das Ding namens Leben.

Du siehst ganz zerknautscht aus. Als hätte man dich so fest gedrückt, dass du beinahe keine Luft mehr bekommen hättest. Du blickst um dich und entdeckst eben doch nur mich. Drehst dich um und gehst davon. Ohne einem Lächeln oder überhaupt einem Hauch von Mimik. Ich spüre nur noch, wie ich deinen Bewegungen folge, wie mein Augen an dir haften. Ich, auf dieser Parkbank, denke nach. Über dich und über mich.

Du hast dich verändert und hast scheinbar nicht nur mehr Angst vor dir selbst, sondern auch vor der restlichen Welt. Du zitterst, als du dich in eine sichere Ecke zurückziehst. Als würde man dich bedrohen und du würdest Zuflucht suchen. Ich kann dir jetzt nicht mehr helfen, es ist wohl zu spät. Ich sitze hier auf dieser Parkbank, und denke nach. Über dich.

Irgendwann hast du dich vollkommen zurückgezogen. Ich höre nur mehr deine Schritte, wie sie weglaufen, hinein in den Sturm. Danach habe ich nichts mehr von dir gesehen. Geht es dir gut? Ging es dir jemals gut. Dein Lächeln, falls du eines hervorpressen konntest, zeigte keine Kraft. Wirkungslos versuchtest du immer, dem Leben wohlgesonnen gegenüberzustehen. Doch jetzt bist du weg. Und ich bin wieder allein. Allein, in dieser Welt, in meinem Leben. Und so sitze ich auf dieser Parkbank und denke nach. Über mich. Dich. Die Welt. Und den ganzen anderen Mist.

Raindrops.

Das Wetter lässt mich unbeeindruckt. Doch dieser eine Regentropfen.

Langsam fällt er auf mich herab. Bedeckt meine Jacke und trifft auch einige Haare, die unter der Kapuze hervorlugen. Das Wetter hat also umgeschlagen. Keine Aussicht mehr auf einen frühen Frühling. Die Auferstehung der Natur muss wohl um einige Wochen verschoben werden. Es regnet und ich stehe pitsche-patsche-nass am Straßenrand. Die Zigarette in meiner Hand hat auch schon einiges abbekommen. Mit ein paar langen Zügen versuche ich noch zu retten, was zu retten ist. Doch es ist vorbei.

Gestern hast du noch vom blauen Himmel gesprochen. Blau, wie eben nur ein Himmel sein kann. Ich habe ihn gesehen. Habe minutenlang hineingeblickt und gehofft, irgendwo eine Wolke zu sehen. Doch da war nichts. Nur das Blau und das Nichts. Beim letzten Regenguss bist du verschwunden. Alles ist verschwunden. Aber noch ist nichts verloren. Doch wo bist du?

Du bist verschwunden. Einfach weg. Für immer. Alles ist für immer. Forever. Nothing lasts forever. I will love you forever. Forever. Für immer. Man wirft mit diesen Worten viel zu häufig um sich. Was ist schon forever? Nichts. Man kann nie wissen was kommt. Aber du bist weg. Seit Stunden, Sekunden, Tagen. Ich stehe hier am Straßenrand, der Regen tanzt vor meinen Augen und du bist weg.

Was bleibt, ist dieser Regentropfen. Mein Regentropfen. Du bist mein Regentropfen. Für immer, okay?

Entstanden aus 8 [Worte // Words]