Kein Blitz ohne Donner.

Der Regen prasselt gegen das Fenster. Die Stille auf der einen Seite, das Brodeln auf der anderen. Die Natur, sie spielt. Spielt Räuber und Gendarm. Nie holt der Donner den Blitz wirklich ein. Diesen hellen Lichtstrahl, diese Entladung als Wohltat für die Augen. Das Donnern. Ein Grummeln, ein Röcheln, ein Krachen, ein Knarzen.

Die warme Bettdecke umhüllt meinen Körper. Es ist schon viel zu spät. Spät nachts, die Uhr schlägt gleich zwölf. Ich sollte schlafen, doch das Grollen hält mich wach. Mit gespanntem Blick sehe ich durch die Dunkelheit an die Decke, zähle die Sekunden, warte auf das Ende. Wenn die Augen zufallen, und der Donner und die Blitze zur Nebensache werden.

Wieder einmal durchbricht das Donnern die Stille. So laut und mächtig. Eine Gänsehaut verbreitet sich auf meinem Körper, von all meinen Organen scheinen nur mehr das Seh- und das Hörorgan in Aktion zu sein. Wartend auf den Gegenschlag, auf die Revanche. Das ständige Hin und Her. Kein Warten auf den Anderen, keinen Moment der Ruhe.

Und ich, geschützt, von einen Meter dicken Steinmauern. Kein Anflug von Angst, nur die Neugier, wie bei jedem verdammten Gewitter. Am liebsten würde ich mich auf den Dachboden begeben und die ganze Nacht das Naturspektakel beobachten. Möchte zusehen, wie es blitzt und zuhören, wie es donnert. Doch der Schlaf lässt mich nicht erheben, ich warte, versuche es noch einmal, doch es geht nicht. Und zum Schluss begreife ich die Romantik hinter einem Gewitter. Sie können nur gemeinsam. Der Blitz und der Donner. Kein Blitz ohne Donner und kein Donner ohne Blitz. Und schön langsam schließen sich meine Augen, und die Dunkelheit nimmt Überhand.

Allein‘ unter einem Baum. So mächtig, so frei.

Ein Lächeln. Der Baum steht schon lange hier. Als ich ein kleines Kind war, wuchs der Baum schon seinen zweiundzwanzigsten oder dreiundzwanzigsten Meter empor. Und je älter und größer ich wurde, desto mächtiger wurde auch dieser Baum. Nie habe ich mich getraut, auf ihn zu klettern. Möglicherweise bedingt durch die Akrophobie, aber wahrscheinlich aus purer Ehrfurcht. Die Macht eines Baumes hat mich schon immer beeindruckt. Unaufhaltsam emporwachsend, allen Widrigkeiten standhaltend, still und leise.

Ich liege darunter, die Sonne scheint. Die Strahlen die durch die tausenden Blätter einen Weg hindurchfinden, lassen auf meinem Körper eine Zeichnung entstehen. Das Schwarz und das Weiß, der Kontrast, der ewig uns in Atem hält. Die Stille und das Rauschen des Baches, der Gedankenfluss und seit langer Zeit wieder einmal das Gefühl vollkommener Befreitheit. Frei von aller Last. Zwar immer noch manchmal in Gedanken an die eine oder andere Person, aber nicht mehr vorwurfsvoll, rein erinnerungstechnisch interessant. Aber diese Freiheit, dieses Gefühl vollkommener Unbekümmertheit trotz aller Probleme, zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht.

Den Arm abgewinkelt, meinen Kopf darauf abgelegt. Diese Stille. Diese einzigartige Stille und die unzähligen Fragen in meinem Kopf. Und kein einziger Versuch, nach Antworten zu suchen. Manchmal ist es einfach besser, Fragen im Raum stehen zu lassen. Man muss nicht aus allem lernen und man muss nicht alles wissen. Manchmal reicht es auch einfach, unter einem Baum zu liegen und die Sonne zu genießen. An Tagen wie diesen, alleine, in stiller Einsamkeit und mit einem glücklichen Gemüt. Der Versuch, den Blue Sky Blues zu summen, und wartend auf den Regen und die Kälte und Zeit, an dem ich die Decke nehme und zurück ins Haus gehe. Um der Stille zu entfliehen und um mich selbst zu finden. An einem Ort, wo ich mich am Wenigsten erwartet hätte.

Solitudinis et immortalitas.

„Ich will nur eines. Ewig leben.“, flüsterst du mir ins Ohr. „Bis in alle Ewigkeit.“ Zweifelnd blicke ich dich an. „Nicht in diesem Körper. Aber mit meinen Taten. Mit meinen Werken“ Ich nicke. Verstehe, was du mir zu sagen versuchst. Ewig leben. Was für ein fataler Gedanke. Nicht wegen dem ewigen Altern. Das wäre das geringste Problem. Aber man hätte dann keinen Punkt, um einfach mal Schluss zu machen. Um etwas zu beenden, das weiter nicht geht. Es wäre eine Aneinanderreihung endloser Tage und Jahre und jeden Tag würde man aufwachen und erkennen, dass man wieder nicht den Löffel abgeben wird. Ewig leben, in diesem Körper. Glücklicherweise ist dies zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.

Mit den Taten, den Werken unsterblich werden. Eine Lebensaufgbe, wie man so schön sagt. Dieser Begriff, Lebensaufgabe, wird ja viel zu oft verwendet. Aber manchmal hat man wirklich die Macht dazu. Ich möchte kein Unternehmen aufbauen, das zu meinen Lebzeiten glanzvoll läuft und irgendwann, bei der nächsten großen Weltwirtschaftskrise den Bach runter geht. Es gibt viel mehr, was von längerem Bestand ist. „Du schaffst das.“, lächle ich dir zu. „Wir schaffen das.“ Du nickst, und legst denen Kopf in meinen Schoß.

„Ich will bestimmen.“, höre ich dich sagen. „Will bestimmen, wann ich sterbe.“ Ich kann dich wieder einmal verstehen. „Ich will nicht unvollendeter Dinge sterben.“ Ja, das ist auch meine größte Angst. Dass ich mit all meinen Ideen und menen Möglichkeiten irgendwie zu früh sterbe. Ein Unfall, oder eine Krankheit. Meine größte Angst. „Und.“ Ich warte, warte auf deine Worte und bin mir schon fast sicher, was du sagen möchtest. „Und ich möchte nicht alleine sterben.“ Alleine. Als wäre das Ende belanglos. „Du sollst bei mir sein.“ Und mit feuchten Augen blickst du mich an. „Ich will nicht allein sein.“, wiederholst du dich.“Ich werde bei dir sein.“, besänftige ich dich und wünsche mir, dass ich dieses Versprechen halten kann.

„Das Leben ist viel zu kostbar“ Langsam werden Floskeln zu wahren Aussagen. „Viel zu kostbar, um es zu vergeuden.“ ‚Das werden wir nicht.‘, denke ich und augenblicklich kommt mir diese Liedzeile ins Gedächtnis. Wir können das, denn wir sind anders. Du richtest dich auf, umarmst mich und mich überkommt dieses Gefühl, wie ich es schon lange nicht mehr gefühlt habe. I don’t believe that anybody feels the way I do, about you now.

Und was nicht war. Wird auch nie so sein.

Jeden einzelne Pore von dir habe ich geliebt, zur der Zeit, als Liebe angebracht war. Jede einzelne Pore von dir wollte ich vergessen, als du uns aufgabst. Ich habe lange mit mir gekämpft und habe immer noch versucht, dich zu überraschen. Dir zu zeigen, dass ein Leben ohne mir sinnlos ist, und dass nur ich der Richtige sein kann. Ich habe gehofft, du würdest es endlich einsehen und irgendwann schossen die Gefühle wieder hervor und ich glaubte, dass ein Leben ohne dir unmöglich sei. Dann folgte die Therapie und meine Abrechnung mit dir, eine Abrechnung mit der du nicht umgehen konntest, nicht wolltest. Ich wollte dir damit zeigen, dass es so nicht weitergehen konnte, aber dass ich irgendwann, in einem halben Jahr oder so, über die Möglichkeit einer Freundschaft nachdenken könnte.

Irgendwann kam auch die Aussprache und ich glaubte, nachdem ich zum ersten Mal seit vielen Monaten deine Stimme gehört habe, dass wir irgendwann wieder unser gemeinsames Glück finden könnten. Als Freunde. Deine Stimme, die ich so geliebt habe, damals, vor mehr als einem Jahr. Deine Stimme, die sich stets auf mein Herz gelegt hat, als ich es nötig hatte. Ich hatte sie wieder gehört, und für den kurzen Moment dieses Telefongespräches glaubte ich daran, dass alles gut werden wird. Leichtgläubigkeit hat sich noch immer bestraft gemacht.

Man würde sich eben melden, wenn der Schulstress vorbei sei, wenn mal keine Schularbeit anstünde. Ich müsse mich noch gedulden. Und, hell yeah, ich habe mich geduldet. Habe gehofft und gewartet. Habe ehrlich daran geglaubt, dass du dich in absehbarer Zeit melden würdest. Ich habe dich zwei Mal zu irgendwelchen Parties eingeladen, in der Hoffnung, dich nach so vielen Monaten wiederzusehen. Zum Wiederkennenlernen nach so langer Zeit. Und ich habe mich auch geschworen, ich selbst zu sein, wenn wir uns das nächste Mal sehen sollten. Doch jedes Mal kam eine Absage und oft habe ich mich alleine aus dem Grund, dass du dich mit einer weiteren Absage von mir fernhieltest, betrunken. Manchmal bis zum Geht-nicht-Mehr. Das weißt du vielleicht gar nicht. So wie du das Meiste in meinem Leben nicht weißt.

Sag es mir, warum, verdammt noch mal, habe ich so viel Wert darauf gelegt, dass wir Freunde werden würden. Du warst meine erste große Liebe und du warst ein Sammelpunkt vieler unglaublich schöner Erinnerungen. So vieles verbinde ich mit dir, Lieder und Gefühlszustände. Du hast mir so viel gegeben, ohne es zu wissen. Und du hast mich auch enttäuscht. Ich weiß, dass ich nicht immer einfach bin, in einer Beziehung. Aber du hättest doch erst einmal verstehen müssen, was es bedeutet in einer Beziehung zu sein. Je regrette. Ich bedauere so viel und dass ich noch Monate danach nicht klar denken konnte und mich immer noch in den Gedanken vernarrte, dass alles mit uns wieder werden würde. Ich habe so vieles aufgegeben, was aussichtsreicher war, als all das, was je zwischen uns war.

Du weißt, wie gerne ich dich wiedergesehen hätte, jetzt, nach dem Streit und den vielen Monaten Stille zwischen uns. Du weißt, wie ich gehofft habe, wie ich auf uns gesetzt habe. Dass wir tolle Freunde werden würden, wenn wir nur alle beide etwas dafür zu tun bereit wären. Und in jedem der spärlichen Telefonaten hast du mich auf die nächste Woche verlegt. Aber dann, ganz sicher. Schon klar. Du hast die Hoffnung am Leben gelassen und so zogen sich die Tage dahin. Wochen vergingen und nun sogar Monate. Nichts mit reden, nichts mit Kaffee. Zum ersten Mal seit langem haben wir uns gesehen, letzte Woche. Du hast dich verändert, im Aussehen und in der Art. Und du hast dich wenigstens so weit von mir weg verändert, dass mich rein gar nichts mir mit dir verbindet. Du hast das Spiel gewonnen und du hast erreicht, was du immer wolltest. Ich lasse dich in Ruhe.

Viele haben ja gesagt, dass Freundschaften nach einer Beziehung oft nicht funktionieren, und wenn, dann erst nach Jahren. Für mich bist du jetzt gestorben und vielleicht ist es eine Genugtuung für dich, dass ich wieder einmal das Gefühl habe, jemanden zu verlieren. Aber dieser Verlust schmerzt nicht, denn ich kann mir keine Vorwürfe machen. Ich habe alles versucht und ich war immer da. Nur du hast gefehlt und hast es unmöglich gemacht, eine Freundschaft zu ermöglichen. Damit hast du auch das auf dem Gewissen. Ich möchte dich am liebsten nie wieder sehen, und doch lässt es sich nicht vermeiden. Irgendwo auf one hell of a party, oder an dem Ort, an dem alles begann. Wir werden uns also wiedersehen, aber dein Lächeln wird nie wieder so sein, wie es war. Nicht für mich.

Und ich bereue es. Ich bereue, dass ich jemals zu dir „Ich liebe dich“ gesagt habe. Nein, ich bereue nicht, dass ich es zu früh in unserer Beziehung sagte, sondern dass es überhaupt meinen Mund verließ. Denn durch deine späte Antwort, glaubte ich, dass wir hier von richtiger Liebe sprachen, und wenn diese erlosch, würde uns zumindest noch irgendein Band verbinden. Aber dadurch, dass du es auch gesagt hast, haben diese drei Worte, jetzt im Nachhinein, an Aussagekraft verloren.

Wir waren nie Freunde. Und nun werden wir es wohl auch nie sein.

Du warst das hübscheste, interessanteste, großartigste, umwerfendste Mädchen, dass ich jemals gesehen habe. Interessant wie schnell man von Liebe zu Hass übergeht und sich mehr und mehr der Gleichgültigkeit annähert. Und ich wünschte, du hättest irgendwann einmal das Feingefühl um zu sehen, wie viel du bereit warst, aufzugeben. Ich habe jetzt endlich einmal genug. Ich habe genug gewartet, genug Abstand gehalten, dir genug Freiraum gelassen, ich habe dich leben lassen, während ich nicht zu leben und vor allem zu lieben imstande war. Jetzt möchte ich leben, und da hat so ein verdammtes Wesen wie du keinen Platz. Vielleicht kommst du ja mal wieder auf diesen bescheuerten Blog und vielleicht liest du das und lässt dich darüber aus, was ich nur schon wieder alles über dich schreibe. Verdammt, bist du so blind. Alle Texte die melancholisch angehaucht waren, hatten mit dir zu tun. Wöchentlich wahrscheinlich mindestens fünf. Aber jetzt weißt du ja vielleicht, was ich von dir halte. Herzlich wenig.

Feels Like The First Time.

Das Warten und dieser kurze Moment.

Wenn ich meine Augen schließe, bleiben sie es nicht. Sie zittern vor sich hin. Mit der Musik in den Ohren, gefühlvoll und traurig. Aber nicht der Grund für dieses Gefühl heute. Für dieses Gefühl jetzt. In letzter Zeit habe ich manchmal diesen Anflug von komischem Kribbeln im Bauch. Kein schönes Gefühl, eher störend und beunruhigend. Nicht verliebt grummelnd sondern verstört krabbelnd. Ich wüsste nicht, was genau das sein könnte, aber in genau diesen Momenten schaffe ich es nicht, die Augen zu schließen.

Sie zu schließen und nicht sofort zu beginnen, mit Gedankenfetzen um mich zu werfen. Ganz still sitze ich dann vor dem Computer oder auf dem Balkon oder in meinem Bett und alles stürzt herein und ich habe keine Ahnung, was denn nun los ist. Warum ich mich so fühle, und was ich hier jetzt nun eigentlich fühle und ich warte und denke nach und manchmal kommen mir die unglaublichsten Gedanken und manchmal auch wunderbare Ideen und dann lenke ich mich ab und sehe in die Sterne oder in den blauen Himmel oder ich schließe die Augen ganz fest, sodass ich kein Zittern zulasse.

Oft denke ich auch an ihn, und wie schön es jetzt wäre, wenn er hier wäre. Und wie bescheuert ich es finde, wenn man sagt. Sein Körper ist jetzt zwar tot, aber er lebt in eurer Erinnerung, in euch, weiter. Ja, dort lebt er und jedes Mal wenn irgendetwas passiert, was er genauso getan hat, und wenn ich am Kühlschrank oder an der Ecke mit den Bildern vorbeigehe, sehe ich sie mir an, zum Tausendsten Mal, und zum tausendsten Mal verstumme ich. Nach außen hin und auch ganz innen drin. Ich habe nichts zu sagen, und ich frage mich ständig, ob es das ist. Ob er so in mir weiterleben soll, als Beweis, dass Vergangenes so großartig war und die Gegenwart nur das Resultat einer Substraktion oder der miese Rest einer Division ist. Wenn es so ist, weiß ich nicht, ob er nicht einfach nur tot sein könnte. Einfach nur tot, und die Erinnerung würde nich jedes Mal wieder aufflackern und die Erinnerung würde mir nicht mehrmals täglich eine Hieb in die Magengegend geben. Aber es ist doch die Erinnerung, das ist es doch, was mir bleibt. Und so denke ich nach.

Ich denke nach und komme einfach nicht weiter. Seit Tagen ist es nun schon so und ich sträube mich dagegen, aber jedes Mal, wenn die Sonne untergegangen ist, wenn ich im Wohnzimmer sitze oder auf meinem Bett, wenn die ganze Welt schläft und ich vielleicht gerade meine letzte Zigarette hinter mir habe, dann kommt dieser Moment. Und ich fürchte mich etwas vor den Gedanken und den Ideen und vor den Augen, die zittern. Und ich freue mich dann schon auf den nächsten Tag und die Sonne und die Unbeschwertheit und alles. Doch dieses Gefühl bleibt noch einige Zeit und geht nicht. Und das jeden Tag und. Und ich finde keine Antwort auf all die Fragen, keine Fragen auf all die Antworten.

Am Tisch.

Ich bin kein Verräter und fühl mich wie einer.

Manchmal habe ich fast hochnäßig davon gesprochen, wie schön es denn sei, dass unsere Familie keinen nicht-matieriellen Verlust hat erleiden müssen. Alles andere könnte man ersetzen, das war uns klar.

Ein Toast. Auf das Leben. Seine Lügen. BUMM.

Ein Tod, der so überhaupt nicht in die 10-Jahres-Gedanken hineingepasst hatte. Erstens weil keine zehn Jahre seit dem letzten Versterben vergangen sind. Und weil definitv kein eineinhalbjährige Junge hätte sterben sollen. Das war nicht der Plan, dass war nicht Routine.

Ein Toast. Auf das Leben. Seine Lügen. BUMM.
BUmm.
bumm.

Drei Tumore in drei verschiedenen Menschen, die ich auf unterschiedliche Weise liebe, weil auch die Nähe unterschiedlich ist. Und dreimal die Ungewissheit. Und die Sprachlosigkeit. Und der Gedankenballast. Und manchmal auch die Verantwortung.

Man wünscht sich, die ganze Welt auskotzen zu können. Aus diesem Alptraum aufzuwachen und alles ist okay. Glaubst du denn ehrlich, dieses Leben macht Spaß

Manchmal vielleicht. Wenn ich es zu vergessen versuche. Wenn ich versuche, aus der Realität zu flüchten. Weil man es nicht ständig aushält. Bin ich melodramatisch? Wahrscheinlich.

Ein Toast. Auf das Leben. Das Glück.

Es lässt einen aufleben, wenn ein Lichtblick erscheint.

Meine Cousine Manuela hat heute um ungefähr 11 Uhr eine „pumperlgsunde“ Luisa geboren. Ein neuer Schatz auf dieser Welt, ein Sonnenschein, ein Wunderwesen. A Wonderwall.

Alles Liebe und Gute, liebe Luisa, liebe Manuela und lieber Ernst.

Warum kann das Leben nicht nur aus solchen Glücksmomenten bestehen. Und kommt mir jetzt ja nicht mit dieser beschissenen Theorie. So von wegen: Wenn man stets glücklich ist, würde man es nicht mehr schätzen. Das ist dämlich.

In ANbetracht all der Dinge kann ich eines nicht gebrauchen. Sie. Nicht jetzt. UNd nicht mit diesen Gefühlen und Gedanken in mir. So gespalten wie sie sind. Und doch werde ich es darauf anlegen, sie zu sehen. Wie Houellebecq so schön sagt. Das Leid. Die Geburt der Kunst.

Dankeschön.

Geschrieben, gestern, um 20 Uhr ca. im ICE nach Hause.

Woanders.

Ich komm‘ nicht mehr mit.

Dein Lächeln, in dieser Schneekugel. Ich kann so oft schütteln, wie ich will, nichts wird sich verändern. Wieder einmal eine tausende Wörter lange E-Mail. Mit meinen Gefühlen und meinen Gedanken und den Informationen aus meinem Leben, die dich wahrscheinlich nicht einmal interessieren werden. Und dieses Mal war es das Einzige mal, an dem ich nicht auf Senden druckte. Es gelangte nur in den Entwürfe-Ordner. Und da liegt es nun und wartet und wird vielleicht irgendwann einmal ausgedruckt und dann gelöscht. Ich weiß nicht was los ist.

Denkst du denn ernsthaft, dieses Leben macht Spaß. Es ist schräg. Da ist man jahrelang im wohlbehüteten Raum, auf der Insel der Seeligen, nichts passiert, nur das Vorhersehbare und dann plötzlich spürt man vier verschiedene Dinge. Schreckliche Dinge, wenn man bedenkt, welche Folgen sie haben könnten. Ich will erst gar nicht daran denken. Ich will einfach nur weg und ich wünsche mir, dass alles wieder okay ist, wenn ich zurückkomme. Dass die Welt lächelt und nichts jemals passiert ist. Und ich werde zurückkommen und es ist dasselbe wie vorher.

Ich bin nicht Gott und möchte auch nie im Leben die Verantwortung für so etwas tragen. Ich würde mir nur gerne etwas wünschen. Ein, zwei, drei Wünsche. Ich weiß nicht, wie viele. Aber ich wüsste, was mein erster Wunsch wäre. Ein Wunsch, der uns alle wieder glücklich machen würde und ich weiß, dass gerade das so verdammt unmöglich ist. Ich will woanders hin. Weg aus dieser Welt. Ich könnte mir einen Drogentrip vorstellen, mit Abheben, und Downkommen. Und einfach mal für nichts Sorge zu tragen, einfach mal all den Scheiß machen, den man sich nie traute, den man nicht machte, um Sorge um andere. Ich will nicht immer die Last tragen, die man mir auflegt. Ich will Scheiße bauen. Einfach so.

Damit ich mir und der ganzen Welt sagen kann: Fick dich. Die Welt hat es verdient, diese Worte endlich wieder zu hören. Es ist verdammt noch mal nicht einfach. Du hast dich nie gemeldet und ich werde es nach dieser kleinen Reise womöglich auch nie mehr tun. Weil auch die Worte an dich gerichtet hätten werden können. Du weißt nicht, was du verpasst. Erhebt euer Glas.

Ein Toast. Auf das Leben. Seine Lügen.

5 Minuten Fast-Food-Text.

Nur Noch Raus.

Ein Toast. Auf Das Leben. Und all seine Lügen.

Tränen vergossen, und ich im Gedanken es wäre wegen ihm. Setze mich auch hinaus auf den Balkon und ziehe langsam die Zigarette leer. Manchmal hat sie eben wieder diese Tage, an dem so vieles zusammenkommt, ich lasse sie weinen, spreche sie nicht an, nehm sie in den Arm. Sie beginnt zu reden, von etwas ganz anderem. Und langsam und zitternd ziehe ich die letzten drei Züge der Zigarette.

So, Dominik, Gedanken ordnen. Es geht nicht. Wieder einmal etwas, das mich in einen leichten psychischen Schock hat gleiten lassen. Sowas darf es nicht geben, denke ich. Sowas darf wohl nicht wahr sein. Das Internet genügt nicht mal wirklich als Recherche es erklärt nicht, lässt nur noch mehr Fragen offen. Ich könnte kotzen, vor lauter Unwissenheit. Kann man denn nicht sagen. Oder ist es etwa.

Und das gerade einen Tag vor meinem Abhauen aus diesem Haus. Fünf Tage lang werde ich weg sein, während in meiner Familie eine Achterbahnfahrt auf die nächste folgt. Soll ich zuhause bleiben. Soll ich warten und helfen und Hände halten und in den Arm nehmen. Ich weiß es nicht. Meine Mutter würde sowieso sagen: Nein. Verzichte du nicht auf deine geplanten Dinge.

Und das wäre mir auch am liebsten. Einfach nur noch raus, in die weite Welt, alleine auf mich gestellt, und Tausende Minuten Zeit um Hunderttausende Gedanken zu ordnen. Ich denke, gerade wegen dem Wissen von heute, werde ich die Tage ab morgen brauchen. Wie lächerlich beschissen das Leben doch sein kann. Wie unaufhaltsam unlustig.

Ich vs. Schicksal: 0:243. Aber ich gebe nicht auf.

Verlernt.

Weil das Kind, das gegangen ist, jetzt vor dem Haus stehend, erkennt und vermisst, dass es kein Kind mehr ist. [Kettcar; Verloren; Sylt; 2008]

Man hat es vergessen. Worte sind Gefallen und haben eines bemerkbar gemacht. Nichts ist, wie es damals war, all die Freude verloren und die Stimmen verstummt. Man hat es doch glatt vergessen. Ich erhebe mich, schiebe den Stuhl langsam zum Tisch. Verabschiede mich und mache mich auf den Weg. Meter vor dem Auto schrecke ich zurück und bleibe stehen. Das kann es nicht gewesen sein.

Ich drehe um und setze meine Schritte fort, weg von dem Auto, dem Heimbringdienst, dem Zuhause. HInaus in die weite Welt, an Orte, die ich vergessen, an Orte, die ich noch nie gesehen habe. Um zu denken und zu überlegen. Nachdenken über die Vergangenheit und über die Jahre, die mich zu dem machten, was ich jetzt bin. Und dann lege ich mich nieder, auf offene Wunden. Auf offene Fragen, mit Antworten verbunden.

Ich habe vergessen und lehne mich an. An die Parkbank und den Zaun. Die Zigarette wird kürzer und kürzer, Asche bröckelt auf mein Shirt. Die Gedanken spielen Pingpong und niemand gewinnt. Wie konnte ich nur, wieso denn bitte?  Gerade das scheinbare Elend der heutigen Jahre ist auf dem Vergessen des Vergangenen aufgebaut. Ein Kind war ich und wollte es ewig bleiben. Wollte kindlich denken und kindlich entscheiden. Wollte lauthals lachen und das Leben genießen. Die Verantwortung anderen geben und das Leid leben. Bis das Lachen wieder mein Leben befreit.

Man hat es vergessen. Hat verlernt, ein Kind zu sein. Nie mehr wird es, wie es hätte sein können. Wir haben verloren.

Stillgestanden.

Als für wenige Sekunden alle Zeiger der Uhr stillstanden, konntest du endlich genug Mut fassen, um Träume zu zerstören.

Du hast den Zeitpunkt perfekt abgewartet. Wir haben uns die wenigen Stunden vorher geküsst. Haben uns berührt, und haben gesprochen. Wir haben gesprochen und ich wollte schon wieder gehen. Als wir auf dieses eine Thema zu sprechen kamen. Ich hätte gehen sollen, aber ich wollte es wissen. Die Dinge, die für dich wichtig in einer Beziehung waren, konntest du nicht erfüllen. Ich war ewig dazu bereit. Und du eben nicht.

Mach immer was dein Herz dir sagt. Immer was dein Herz …

Ich fühlte mich gut. Verdammt noch mal, wie kann man sich nach so etwas gut fühlen. Dass man nicht in einer Beziehung steckte, in welche man viel zu viel Energie reinstecken musste? Dass man endlich einmal selbst den Mut hatte? Dass jetzt endlich eine normale Freundschaft bleiben kann? Ach, wie naiv bin ich gewesen. Vielleicht hast du es schon seit jeher gewusst, als du zum ersten Mal einen Traum zerstört hast. Warum ist es wieder soweit gekommen, warum hast du mir erneut die Welt versprochen und deine Zuneigung und hast rein gar nichts davon gehalten.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint,
in Empfindsamkeit vereint.

Jetzt im Nachhinein ärgere ich mich darüber, dass du so bist, wie du eben bist. Ich bereue nicht, dass ich dich geliebt habe, und dass ich stets Verständnis zeigte, und dass ich mehr in die Beziehung steckte als du, und dass ich dich vielleicht immer noch liebe. Ich bereue, dass ich in dir einen liebevollen und wunderbaren und wertvollen Menschen sah.

Zwischen „Komm zurück“ und „Wirklich Schluss“

Ich habe immer noch den Versuch gestartet. Oftmals ist es geglückt, man hat sich gemeldet, man hat sich gesehen. Man hat sich für den Anderen gefreut und man war froh, sich gegenseitig als Freund zu haben. Ich habe den Beginn unseres Versuchs eines Freundschaftsaufbaus versiebt, ich gebe es ja zu, aber du könntest dich melden. Es wäre das wenigste. Auf einen Kaffee oder so.

Die Erinnerungssplitter liegen herum
Ich tret rein

Und ja, ich lade dich ein. Es ist ein Versuch. Ich bin dumm, ich weiß, aber ich würde mich freuen, wenn du kommen würdest. Zu meiner Feier zum Ende des Zivildienstes. Du könntest damit zeigen, dass dir noch ein kleiner Funke an mir liegt. Es ist nicht viel, was ich verlange.