Ankommen.

„Es fühlt sich an, als wäre jetzt endlich dieser eine Punkt gekommen, weißt du? Dieser eine Punkt, wo es sich so anfühlt, als wäre ich endlich angekommen. Als wäre – nein, nicht ‚als wäre ich eben erwachsen geworden‘ – nein. Als wäre eine unglaublich lange Reise zu Ende, verstehst du?“
– „Du reist doch so gerne.“

Ich grinse und küsse dich. Es ist gut, dieses Ankommen. Viele Jahre dauerte diese Reise an, ein Ende war nie in Sicht. Und plötzlich stehe ich da, mit dir im Arm und möchte mal plötzlich ganz einfach die Welt umarmen. Mit all ihren Macken und all ihren Fehlern. Vielleicht liegt es an dir. Du, die einzige Person, die ich schon seit mindestens eintausend Jahren kenne. Du, die ich von ganzem Herzen und über beide Ohren liebe. Die mir den Halt gibt, den ich so manches Mal brauche, die mir zuhört, wenn ich mal wieder vor mich hin träume und du, die mir durchs Haar streicht und mit deinen Blicken ganze Geschichten erzählst.

Es fühlt sich gut an, dieses Ankommen. Als lebe man endlich in dem Leben, das man sich immer für sich gewünscht hat. Mit einer enormen Prise Liebe, mit Plätzen, die man für den Moment Heimat nennt, mit konkreten Plänen, die vielleicht anfangs noch etwas Angst, aber viel mehr noch große Vorfreude erzeugen. Und mit dem Gefühl, dass es, wie man so schön sagt, endlich einmal läuft. Und man den Mut fasst, Träume in Angriff zu nehmen. Und den Versuch wagt, den Glauben an die Ewigkeit zurückzugewinnen.

Aber vielleicht bin ich auch ohne Halt. Das Ende der einen Reise ist womöglich der Beginn einer neuen. Doch den möchte ich mit dir gehen, möchte glücklich sein, möchte träumen. Möchte von und möchte auch mit dir träumen. Und manchmal möchte ich mit dir einfach nur die Sterne betrachten. Ich bin angekommen. Endlich. Angekommen … in der einen, in der meinen Welt.

In Liebe. [Eine Prise Fernweh]

„Ich will hier nicht mehr weg.“, sage ich und du blickst mich an und widersprichst mir auch nicht. Es ist schön hier, so wundervoll, es ist heiß und der Himmel so blau und die unzähligen Eindrücke strömen wie sanfte Sonnenstrahlen auf uns ein. Das hier ist es, das Paradies. Wenn auch vielleicht nur für diese fünf Tage, aber immerhin. Ich dachte nie, dass mir so etwas passieren könnte.

Ich habe mich Hals über Kopf in diese Stadt verliebt. In all die Menschen, in diese Freundlichkeit, in diese unzähligen Inseln, aus denen diese Stadt in Wahrheit besteht. In die Spaziergänge am Ufer entlang, in die Alternativwege, die wir wählten, obwohl wir es besser wussten. Es war Liebe auf den zweiten Blick, ich weiß. Aber sie ist deshalb nicht minder schön. Nie war es schöner, einfach mal auf einer Stiege zu sitzen und einem Brunnen zuzusehen, oder auf einem Steg zu liegen und sich mal kurz mit Sonnenbrand einzudecken.

Und die Zufälle, die uns beim Frühstück beinahe jeden Tag neben einer anderen Gruppe Österreicher sitzen hat lassen. Und die tödlich scharfen Chicken Wings im Hard Rock Café. Und die lustige Konversation mit der lieben Frau Vapiano-Köchin. Es war eine so wunderbar runde Reise, ein so unglaublich schönes Erlebnis, dass ich nicht heim wollte. Vom ersten Tag weg. Ich hätte dort bleiben können, hätte gerne alles hier aufgegeben, um dort oben neu zu beginnen. Weil es so außergewöhnlich ist. So … freundlich. So einladend.

Stockholm hat mich umarmt und ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt. Es war schön und wird wohl auf ewig als meine bislang wunderbarste Reise in Erinnerung bleiben. Vielleicht sieht mich diese Stadt schon in den Winterferien ein weiteres Mal oder vielleicht ich zum Berufspraktikum im kommenden Sommersemester. Und vielleicht werde ich ganz einfach irgendwann einmal der neue König von Schweden. Mehr will ich auch gar nicht, okay?

Woanders.

Ich komm‘ nicht mehr mit.

Dein Lächeln, in dieser Schneekugel. Ich kann so oft schütteln, wie ich will, nichts wird sich verändern. Wieder einmal eine tausende Wörter lange E-Mail. Mit meinen Gefühlen und meinen Gedanken und den Informationen aus meinem Leben, die dich wahrscheinlich nicht einmal interessieren werden. Und dieses Mal war es das Einzige mal, an dem ich nicht auf Senden druckte. Es gelangte nur in den Entwürfe-Ordner. Und da liegt es nun und wartet und wird vielleicht irgendwann einmal ausgedruckt und dann gelöscht. Ich weiß nicht was los ist.

Denkst du denn ernsthaft, dieses Leben macht Spaß. Es ist schräg. Da ist man jahrelang im wohlbehüteten Raum, auf der Insel der Seeligen, nichts passiert, nur das Vorhersehbare und dann plötzlich spürt man vier verschiedene Dinge. Schreckliche Dinge, wenn man bedenkt, welche Folgen sie haben könnten. Ich will erst gar nicht daran denken. Ich will einfach nur weg und ich wünsche mir, dass alles wieder okay ist, wenn ich zurückkomme. Dass die Welt lächelt und nichts jemals passiert ist. Und ich werde zurückkommen und es ist dasselbe wie vorher.

Ich bin nicht Gott und möchte auch nie im Leben die Verantwortung für so etwas tragen. Ich würde mir nur gerne etwas wünschen. Ein, zwei, drei Wünsche. Ich weiß nicht, wie viele. Aber ich wüsste, was mein erster Wunsch wäre. Ein Wunsch, der uns alle wieder glücklich machen würde und ich weiß, dass gerade das so verdammt unmöglich ist. Ich will woanders hin. Weg aus dieser Welt. Ich könnte mir einen Drogentrip vorstellen, mit Abheben, und Downkommen. Und einfach mal für nichts Sorge zu tragen, einfach mal all den Scheiß machen, den man sich nie traute, den man nicht machte, um Sorge um andere. Ich will nicht immer die Last tragen, die man mir auflegt. Ich will Scheiße bauen. Einfach so.

Damit ich mir und der ganzen Welt sagen kann: Fick dich. Die Welt hat es verdient, diese Worte endlich wieder zu hören. Es ist verdammt noch mal nicht einfach. Du hast dich nie gemeldet und ich werde es nach dieser kleinen Reise womöglich auch nie mehr tun. Weil auch die Worte an dich gerichtet hätten werden können. Du weißt nicht, was du verpasst. Erhebt euer Glas.

Ein Toast. Auf das Leben. Seine Lügen.

5 Minuten Fast-Food-Text.