Schreiten. [Eine Lebensphilosophie]

Es ist mir wohl irgendwann in diesem Jahr passiert. Als ich bemerkt habe, dass das Leben mit all seinem Alltag nicht unbedingt das große Grau-in-Grau mit sich bringen muss. Viele Projekte, das Studium, meine Pläne und Träume. Irgendwann brauche ich auch mal Zeit für mich. Daraus entstand, es war wohl in Stockholm, die Idee des Schreitens. Gemeinsam mit dem „Fuck it!“-Lebensratgeber begann ich mich darauf zu konzentrieren. „Schreiten“, es gibt wohl kaum einen Namen, der es biederer beschreiben könnte, worum es geht. Aber nachdem auch Graz unter diesem Motto gestanden ist, und auf meine Tweets oft nur Replies mit Fragezeichen kamen, möchte ich es hier endlich einmal erklären.

Nur … wie erklärt man etwas, das man einfach so tut? Vielleicht sollte ich erzählen, wie es mir in den vergangenen Monaten half. Und es half mir wirklich sehr oft und oftmals auch auf überraschende Weise. Im Schwedenurlaub fiel mir auf, wie schön es ist, nicht von einem Platz zum andern zu laufen, sondern sich wirklich mal die Zeit zu nehmen, um sich alles genauer anzusehen. Um mal einfach nur die U-Bahnstationen zu betrachten, oder an einem Wolfsgehege für einige Minuten stehen zu bleiben. Wir haben doch alle Zeit der Welt, oder?

„Fuck it“ bringt es auf den ersten Seiten sehr gut auf den Punkt. Ich bin einer unter 6,7 Milliarden, meine Befindlichkeiten sind von so geringer Relevanz, ja, selbst ich bin von kaum vorhandener Bedeutung. Das könnte man jetzt natürlich sehr negativ auslegen, aber in Wahrheit bringt es die Sache auf den Punkt. Denn genau diese Ansicht hilft einem dabei, nicht unbedingt „funktionieren“ zu müssen. Diese Einstellung offenbart, dass es nicht darauf ankommt, wie man ankommt. Es kommt auf den Weg an, und den darf man sich so schön wie möglich gestalten.

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Und auch das ist wichtig:

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Was ist also nun genau dieses Schreiten? Es ist ein „Sich-Zeit-Nehmen“. Ein Ende der unbändigen Geschwindigkeit. Es ist ein Ausbremsen der Realität. Wirklich überrascht hat sich meine gewandeltete Einstellung zum Leben beim großen Prüfungsfail vor nunmehr fast einem Monat: Ich hätte in ein Loch fallen können, vielleicht wäre es sogar meine Aufgabe gewesen, nur um den Annahmen aller anderen zu entsprechen. Aber ich habe weitergelebt, und vielleicht viel intensiver als viele Tage zuvor. Ich habe schöne Abende mit großartigen Freunden erlebt, habe, obwohl ich keinen Plan für die Zukunft zu haben schien, einfach in den Tag hineingelebt. Und irgendwann neue Pläne gefunden und einen neuen Schwung für meine Träume heraufbeschworen.

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Schreiten hilft. Stockholm war ein Ausdruck der Spontanität … auf ein „Ich war noch nie in Stockholm.“ ein „Cool, wann hast du Zeit?“ – Und genau darauf kommt es an. Vom Grazurlaub wusste ich mal ganz grundsätzlich nur die Zugabfahrtszeit in St. Pölten. Und in den Tagen dazwischen, eigentlich seit dem Beginn des Jahres lebe ich mein bisher glücklichstes Leben.

Und nein. Schreiten bedeutet nicht ein Ende der Gedanken. Timis Geburtstag traf mich in diesem Jahr wohl mit überraschend heftiger Wucht, und auch Schmetterlingsgeflatter erhält noch genügend Platz in mir drinnen. Aber neben all den Gedanken, die so oder so ähnlich ganz einfach dazugehören, es ist wichtig, sich nicht unterkriegen zu lassen. Wer hat etwas davon, wenn man am Boden zerstört ist? Wenn Pläne nicht klappen und alles plötzlich anders ist? „Es wird sich schon etwas ergeben.“, waren meine häufigsten Worte. Und genau daran glaube ich auch. Ich kenne meine Talente, weiß, was ich richtig gut kann. Und da kann mich ein neuer Zeitplan meines Lebens auch nicht wirklich aus der Bahn werfen.

Vielleicht ist Schreiten eine Umschreibung des Akzeptierens. Man nimmt alles so an, wie es passiert. Sich nachher Vorwürfe zu machen, in der Vergangenheit etwas falsch gemacht zu haben? Fehlanzeige. Denn dadurch würde die Gegenwart zu einem unaustehlichen Ort werden. Man lebt. Man lebt nur einmal. Und da können manchmal eben auch Wege anders verlaufen, als man es sich gewünscht hat. Aber vielleicht ist das gar nicht so schlimm. Solange man an sich selbst glaubt, ist die Welt wohl in Ordnung.

Und ja, auch das. Ich entspreche keinem Schönheitsideal, folge keinen Modetrends (und wenn, dann mit zweieinhalbjähriger Verspätung). Aber ich fühle mich seit 2011 zum ersten Mal so lange Zeit in meinem Körper wohl, bin stolz, genau diese Person zu sein und komm mit all meinen Makeln besser zurecht als je zuvor. Das bin nämlich ich, und vielleicht macht auch dieses sogenannte „Glück“ einen Menschen noch etwas schöner.

Schreiten ist toll. Es ist eine Offenbarung, für mich wohl das Beste, was mir passieren konnte. Ich bin spontaner, aufmerksamer und wohl auch awesomer als je zuvor. Probiert es auch mal aus. Es wird sich für euch lohnen.

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Und es stößt also auch auf Interesse. Kann man daraus irgendein Projekt für Twitterer und Blogger starten? Gibt es da irgendwelche Möglichkeiten? Ich weiß es nicht, wäre aber über Mithilfe von eurer Seite sehr erfreut. Und überhaupt: Was haltet ihr davon? Alles nur Gedankenwirrwarr, Einbildung oder doch das Nonplusultra?

Buchprojekt/Teamarbeit.

Menschen haben Pläne und Träume. Pläne sind meist jene, die im Laufe ihres Lebens kommen und gehen. Das Studium und der Abschluss 2012 war so ein Plan. Das wird sich wohl etwas verzögern, so hat es zumindest den Anschein. Träume sind dann der Rest, der bleibt. Die Rettungsanker, die aufpassen, dass man nicht darauf vergisst, rechtzeitig wieder zu atmen. „Volle Distanz. Näher zu dir„, mein Buch, ist so ein Traum. Und dieser wird nun in Angriff genommen.

Aber wisst ihr was? Warum soll ich mich ganz alleine hier rumärgern mit meiner eigenen Unfähigkeit und dem ewig verstörenden Wunsch nach Perfektion? Ihr könnt mir helfen, wie auch immer. Ihr wisst vielleicht, dass ich gut schreiben kann. Das das eines jener Talente ist, die lange reiften und mit dem ich selbst richtig zufrieden bin. Deshalb muss dieses Buch unbedingt erscheinen.

Ich suche Menschen:

  • die immer mal wieder drüberlesen. Denen ich 1x pro Woche (oder so) die neuen Textstellen schicke und dir mir möglichst ausgiebig Kritik zurückgeben. Konstruktives Feedback und mir dabei helfen, nicht vollkommen daran zu verzweifeln.
  • die Kontakte zu Verlagen haben. Ich mein, ja … vielleicht kann man ja irgendwie nachhelfen, dass ein Verlag sich für mein Herzensprojekt interessiert. Denn fertig geschrieben, mit dem letzten Punkt nach dem letzten Satz, in einer Schublade verschimmeln, das darf natürlich auch nicht sein. (Suhrkamp nova wär übrigens sehr cool.)
  • welche die finale Version lektorieren. Auf die Kontinuität achten, die mir dabei helfen, die Ungereimtheiten aus dem Weg / dem Buch zu räumen. Das wird dann viel zu lesen, aber es wird euch gefallen. Das verspreche ich euch.
  • die mich antreiben. Hier rechts, in der Sidebar, werde ich die aktuelle Wortanzahl offenlegen und ständig auf aktuellem Stand halten. Sollte da mal länger eine Pause sein, nehmt euch eine Mistgabel, kommt bei mir vorbei und pisakt mich. Oder so.

Gemeinsam können wir das schaffen. Und erwähnen werde ich euch alle natürlich auch. Eine Ehrentafel wär eine tolle Idee, oder? Aber wie toll wäre es, wenn „Volle Distanz. Näher zu dir“ in diesem Jahr fertig werden würde und vielleicht sogar schon den Weg zu einem potentiellen Verlag finden würde? Großartig wäre das. Mehr als das. Ein Traum weniger. Ein Herzensprojekt abgeschlossen. Das Erste seit unzähligen Jahren.

Verständnislos schweigen wir.

Foto: hermitsmoores | flickr

Angekommen
Am Meer
Am Beginn der Unendlichkeit.

Wir sitzen nebeneinander
Tätscheln den Sand
Atmen die salzige Meeresluft.

Hier sind wir nun
Am Ende des Seins
Verständnislos schweigen wir.

„Jeder sollte einmal das Meer sehen.“
Doch du hast es nicht
Du bist gegangen.

Ich würde dir zusehen
Wie du herumtollst
Wie du so fröhlich vor dich hinlebst.

Aber du bist gegangen
Hier sind wir nun
Angekommen, voll unbändigem Schmerz.

Du würdest hier sitzen
Auf meinem Schoß
Würdest staunen und ich mit dir.

Doch ich bin hier allein
Hier sind wir nun
Realisierend, was nicht ist.

Hier ist nichts zu sehen
Außer endlose Anfänge
Außer uns.

Angekommen
Am Meer
Dem Ort meiner Träume.

Und in meinen Träumen
wird ewig Platz sein
Nur für dich.

Du nickst einfach nur.

Foto: Aldo van Zeeland | flickr

„Ich habe so viele Träume, weißt du.“ Du nickst, erzähle ich doch tagein, tagaus davon. Von all den Plätzen, die ich bereisen möchte. Von all den Erfolgen, die ich feiern werde. Von all dem Etwas, das am Ende in Wahrheit für mich übrigbleibt. Du nickst und es tut mir in der Seele weh, wenn mit einem Schlag einer dieser Träume wieder ein weite Ferne rückt. Weil das Leben eben manchmal nicht so mitspielt, weil Träume keinem fixen Zeitplan gehorchen, weil es nun mal so ist.

„Ich will nicht weg. Will hierbleiben.“ Das ‚Will bei dir bleiben.‘ verkneife ich mir. Home is where your heart is kommt mir immer wieder in den Sinn. Keine Ahnung, wer diesen Spruch geprägt und schließlich in meinen Kopf gepflanzt hat. Mein Herz ist hier, meine Familie ist hier. Eine andere Familie, als jene, mit der ich aufgewachsen bin. Aber hier sind die Freunde, die man wohl nur selten findet. Hier ist Alleinsein unmöglich. Hier wird man aufgefangen, wird getragen. Es wird gemeinsam gefeiert und gemeinsam geschwiegen. „Du musst hier auch nicht weg. Bleib doch.“ Ich nicke. Hierzubleiben ist wohl die einzige Möglichkeit, die mir bleibt. Endlich hat mein Herz wieder einen Platz gefunden, wo es sich wohlfühlt. Endlich bin ich irgendwo angekommen, wo mein Leben zu funktionieren scheint.

„Ich will nicht funktionieren.“ Und widerspreche mir selbst „Und tue es doch.“ Du schüttelst den Kopf. „Was heißt für dich ‚funktionieren‘? Das Leben in vorgeplanten Bahnen zu leben, zu wissen, wann du aufstehen musst, und zu wissen, was am kommenden Tag passiert?“ Ich nicke und du schüttelst den Kopf. „Du funktionierst nicht. Nicht so, wie es manch andere tun. Du lebst, weißt du.“ Ich verstehe nicht. „Du bist zwar nicht vollkommen planlos, was wohl auch gut ist. Aber du lebst. Du genießt. Du nützt die Gunst der Stunde, du überrascht. Dich. Mich. Uns alle hier. Du funktionierst, aber auf deine ganz eigene Weise.“

„Versprichst du mir, dass wir uns nie wieder aus den Augen verlieren?“, schweige ich und wünsche mir nichts sehnlicher. Weil die Zeit mit dir so schön, die Gespräche so wunderbar sind. Manchmal flutschen einem die Träume durch die aalglatten Hände, sie aufzufangen scheint unmöglich. Ich atme etwas schwer, weil mir wieder einmal bewusst wird, was eine falsche Entscheidung an einer Weggabelung so alles mit sich bringt. Vielleicht bin ich falsch abgebogen, oder ich wurde. Ich weiß es nicht mehr so genau. Aber all das, all diese scheinbaren Fehltritte haben mich hierher geführt. Glücklicher kann ich darüber wohl kaum sein. Und das zu wissen tut gut. Es ist anders als erwartet, als erhofft, als gewünscht. Aber vielleicht macht doch genau das diese eine wunderbare Prise Leben aus, an denen meine Träume wachsen. Verstehst du.

Du nickst, obwohl wir seit Minuten kein Wort gewechselt haben. Du nickst einfach nur.

Freigeist.

Wenn wir reden, bin ich das, was ich dir zeigen möchte. Wenn wir beisammen sind, fühle ich mich so, wie ich mich dir gegenüber fühlen möchte. Aber wenn ich denke, bin ich in meiner ganz eigenen Welt. Willst du nicht mal mit mir dorthin mitkommen?

Ich denke über Millionen Sachen am Tag nach, schreibe viel darüber, und rede auch (manchmal zu) viel. Und mit wenigen Menschen rede ich auch mehr, über mich, meine Sorgen und meine Träume. Ich träume auch viel, von Utopischem und von Dingen, die in meinem Leben einen wichtigen Platz eingeräumt bekamen. Und ich lebe. Lebe so genussvoll vor mich hin, bin seit Kurzem auch so ungewohnt spontan, überrasche mich immer mal wieder selbst. Und da können auch so Ereignisse, die mit Ende und Ratlosigkeit zu tun haben, nicht viel daran ändern. Ich bin ein Mensch, der nach vorne blickt. Ein Mensch, der die Gegenwart liebt und sich auf die Zukunft freut. Naiv optimistisch nenne ich das gerne, und genau das ist die Quintessenz.

Die vergangenen Tage haben mich wieder einmal viel nachdenken lassen. Über meine Zukunft, die nahe. Die sich von einem Tag auf den anderen vollkommen umdrehte, oder innerhalb von nur einer halben Stunde. Und der Spruch „Irgendwas wird sich schon ergeben.“ sagt eigentlich schon alles aus. Es wird sich schon alles ergeben. Und ich liebe übrigens auch. Ich liebe aus ganzem Herzen. Und das ist wahrscheinlich das Beste an allem. Deshalb werde ich hier bleiben, werde nicht mehr so schnell weggehen aus dieser Stadt hier. Ich habe es liebgewonnen, dieses Städtchen, und ich liebe so manche ihrer Bewohner. Jene Freunde, die ich schon von früher kenne und mir zuletzt wieder einmal so richtig zeigten, was ich an ihnen habe. Und die neuen Freunde, die zu einem so riesigen Bestandteil geworden sind und die ich bitte nie mehr missen möchte.

Ich habe meine Träume. Und selbst wenn sich durch das Ende und den erneuten Neuanfang alles zeitlich verschiebt, kann ich weiter daran arbeiten. Schon jetzt habe ich neben dem Studium viele Projekte laufen gehabt. Das werde ich jetzt perfektionieren, werde mir für alles genügend Zeit nehmen, für das Buch, für meine Gemeinschaftsblog-Tätigkeiten, für meinen Job. Und werde ein wundervolles Leben führen.

Ich bin ein Freigeist. Ich ticke wohl etwas anders, als so viele von euch. Ich lasse mich von solchen Dingen nicht aus der Bahn werfen, sondern sehe es als neue Herausforderung. Der Herausforderung, es besser zu machen. Und leben nebenbei mein ganz eigenes Leben, mit allen Höhen und Tiefen. Tauche tief darin ein und werde euch vielleicht damit manchmal vor den Kopf stoßen. Wenn ich zum Beispiel lächle, wenn neben mir meine selbst aufgebaute Welt einzustürzen droht. Da kommt noch was. Da bin ich mir sicher. Und ihr könnt mich begleiten, auf diesem neuen Weg, der eben doch anders daherkam, als ich es vermuten mochte.

At the end.

Und dann geht man raus aus diesem Raum, schüttelt den Kopf und geht an so vielen Gesichtern vorbei und schnappt sich die Zigaretten, sieht noch Gesichter von jenen, die hier wohl die Wichtigsten für mich sind, muss fast heulen und lasse mich am Raucherbalkon auf den Boden fallen. Scheiße. Was für eine gequirlte, riesig große Scheiße.

Die Prüfung wurde nicht bestanden. „Das Semester ist für sie jetzt mal vorbei.“ und womöglich auch die ganze FH-Ära. Ich bin am Ende angelangt. Einem Ende, welches ich so nie haben wollte. Ein Ende, das schlussendlich doch so vollkommen überraschend war. Ein paar Minuten Sprachlosigkeit, bis irgendwann mein Humor wieder zurückkommt.

Und die Ratlosigkeit. Was jetzt? „Es gibt Optionen.“ hört man und kann sich doch kaum vorstellen, was da jetzt so kommen könnte. Wieder hier an der FH bei 0 beginnen? Arbeiten gehen? Ich habe mir darüber nie Gedanken gemacht. Ich mache mir nie zu viele Gedanken rund um genaue Pläne für meine Zukunft. Träume leiten mich durchs Leben, nicht der genaue Plan nach irgendwas. In Wahrheit war mein einziger Plan, noch diese zwei Semester in der FH zu verbringen. Es gibt keinen weiteren Plan. Keinen Plan B.

Und da bin ich nun. Müsste eigentlich am Boden zerstört sein, von meiner Ratlosigkeit und vollkommen ohne irgendwelche Pläne maßlos überfordert. Aber ich bin es nicht. Mit einigen großartigen Menschen (<3) einen perfekten Abend mit viel Alkohol verbringen. Einfach eine tolle Zeit haben. Ich müsste am Ende sein, aber irgendwie habe ich es geschafft, das Leben weiter zu genießen. Es ist ein bescheuerter Wendepunkt, ich weiß nicht, was jetzt so kommen wird. Aber sehen wir mal. Mein naiver Optimismus hält mich über Wasser. Irgendwas wird sich schon ergeben. So ist das Leben nämlich. Unberechenbar.

750 Worte.

Volle Distanz. Näher zu dir. Ihr wisst doch, wovon ich spreche? Mein Meisterwerk, dass erst noch geschrieben werden muss. Dessen Idee verdammte 3 Jahre alt ist, und an dessen ersten Seiten ich mehrere Dutzend Male schon gescheitert bin.

@Luca hat irgendwann einmal über #750words getweeted, extra mit Hinweis für mich, damit ich es auch ja nicht übersehe. Und ich habe mir einfach mal angesehen, worum es überhaupt geht. Eine neue Bloggingplattform? Wieder was zum Anmelden? Nein. Gar nicht. 750words.com ist wohl eine genial simple Idee. Und nach meinen bisher 7573 Worte später (nach dem Start am 1. Mai) möchte ich es euch nicht mehr vorbehalten.

Volle Distanz. Näher zu dir läuft. Warum? Und so plötzlich? Nun: Ich habe wieder vollkommen von vorne begonnen, basierend auf einer Erzählidee, die mir in Stockholm gekommen ist. Also der erneute Start bei 0. Wie schaffte ich es, jeden Tag 750 weitere Worte zu schreiben und so das Buchprojekt so weit voranzutreiben wie es bisher wohl noch nie wirklich möglich war? Und warum hab‘ ich immer noch keine Lust, wieder alles hinzuschmeißen und von vorne anzufangen?

Weil diese simple Seite wirklich gut durchdacht ist: du hast 24 Stunden Zeit 750 Worte zu schreiben. Das ist das Ziel. Das habe ich auch getan, (bis auf meinen Geburtstag, dafür am nächsten Tag einfach doppelt so viel), und nach diesen 24 Stunden kannst du nichts Weiteres tun, als den Text durchzulesen. Keine Edit-Möglichkeit, keine Möglichkeit schreckliche Zeilen zu löschen. Nein. Es wird einfach weitergeschrieben. Ich habe mir angewöhnt, zu Beginn der halben Stunde oder so, die ich für meine 750 Worte benötige, noch ein einziges Mal den letzten Satz des Vortages zu lesen, um dann wieder in die Welt einzutauchen.

Und es spornt an. Ich hatte ja schon öfter mal solche Schreibschübe, wo ich immer mal wieder Seite um Seiten füllen wollte und es manchmal auch schaffte. Dann aber kam meist die Flaute, zwei, drei, vier Wochen gar nichts … ein rasches Drüberlesen und dann meist der Weg in den Papierkorb. Hier wird einfach jeden Tag geschrieben, Stückchen für Stückchen. Und nachdem mein Ziel (so ganz grob geschätzt) 75.000 Worte sind, wäre ich somit in 100 Tagen mit dem Buch fertig. Das wäre dann also der 8. Juli. Eine coole Sache, oder?

Wer also endlich einmal eine Geschichte erzählen möchte, ein Buch schreiben, eine Idee umsetzen, dem kann ich #750words nur wärmstens empfehlen. Die Idee ist einfach und auch rasch erklärt, aber der Entwickler hat sich scheinbar wirklich sehr viel dabei gedacht. Und hiermit danke ich auch noch @Luca, den ich für diesen raschen Fortschritt meines Buchprojekts verantwortlich mache.

Diese eine Umarmung.

„Wart mal.“ Deine Hand fasst die meine, die beiden versinken in wohltuende Symbiose. „Hm?“ – „Ach. Nichts.“, lächelst du und unsere Füße tapsen weiter die Straße entlang. Es ist dunkel, schon Nacht geworden, vor Stunden. Hier ist die Stille, kein Auto, nur wir. Die erste warme Nacht in diesem Jahr, keine Spur von frostigen Temperaturen. Wir tragen unsere Schuhe und Socken in der Hand, fühlen den immer noch warmen Asphalt auf unserer Haut. Einmal Pause, bitte. Für immer.

Foto: Guillaume Lavaure | flickr

Du bleibst stehen, stellst dich etwas auf deine Zehen, küsst mich auf die Wange. Und setzt dich mitten auf die Straße. „Komm schon. Hier kommt doch nie jemand vorbei. Nicht um diese Uhrzeit.“ Zuerst sitzen, dann liegen wir. Über uns das Firmament voller hellleuchtender Sterne. Die Wolken haben sich verzogen, die tagsüber immer mal wieder fälschlicherweise Unheil vorhersagten. Dein Kopf auf meiner Brust.

„Es schlägt.“, bemerkst du und mit diesem Satz höre auch ich es. Sanft streichst du mir übers Gesicht und siehst mich an. Durchdringst mich, mit deinem Blick, machst mich hilflos, vollkommen still. Nur du hast diese Macht. Deine Augen, aus denen Liebe spricht. Und Freundschaft. Verständnis und dieses Gefühl, dass dir meine Nähe nicht unangenehm ist. Wir beide.

Minuten scheinen zu vergehen, zwei Sternschnuppen später dann plötzlich Motorengeräusch. Noch weit genug weg, um rasch zum Gehsteig zu gelangen. Wir lachen, nehmen uns in den Arm, und gehen weiter. Irgendwann dann dieser eine kleine Weg, zwischen zwei Häusern, von Straßenlaternen gesäumt, mit Treppen gepflastert. Und ich ziehe dich nach unten, wir fallen die paar Stufen hinab und unsere Lippen treffen sich in der Mitte. Fast schüchtern erforschen wir gegenseitig unsere Gesichter mit unsren Lippen. Halten inne, halten uns. Und zwischen Häusern und Himmel, zwischen Dunkelheit und Sternen, zwischen alledem, bleibt uns vielleicht nur diese eine Umarmung.

Sommerworte. [62 Tage Literatur]

Sommer ist die wahrscheinlich großartigste Zeit im Jahr. Mit Freunden am See liegen, bis in die Nacht hinein im kurzen T-Shirt draußen sitzen, mit einer Flasche Radler und einer Packung Zigaretten und großartigen Gesprächen dem Nichtstun fröhnen. Aber nachdem es sich schon so eingespielt hat, dass ansonsten beinahe alles runtergefahren wird, in den scheinbaren Sommerschlaf fällt (wie z.B. Serien), wage ich den Gegenversuch.

Nach 24 Tagen Literatur im vergangenen Dezember setze ich ein i-Tüpfelchen drauf, und möchte euch von 1. Juli bis zum 31. August Tag für Tag mit einem Stückchen Literatur versorgen. Ob nun eine Geschichte, ein Gedicht, ein Dialog, ein Brief oder irgendetwas ganz Anderes. 62 Einträge sollen es werden. Aber nicht alle von mir. Denn nebenbei bin ich auch noch auf der Suche nach Gastautoren. Menschen, deren Blogs man womöglich eh schon liest, denen man auf Twitter folgt. Oder auch Freunden, die das Internet womöglich meiden und der Idee von www-weiter Publizierung der eigenen Werke nur wenig abgewinnen konnten. Es wird zumindest toll, das kann ich euch versprechen.

Warum ich das nicht am 30. Juni verkünde, also einen Tag davor? Weil es womöglich etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, all das zu organisieren. Auch diesmal möchte ich wieder jeden Artikel mit einem eigenen Instagram-Foto schmücken, will auf der FB-Seite des Blogs eine eigene Abteilung dafür einrichten, will es also wirklich schön werden lassen. Und wahrscheinlich müssen einige Werke schon jetzt geschrieben werden, da im Sommer neben Urlaub nämlich auch noch das Leben ansteht.

Der Sommer wird also literarisch. So wie das ganze Jahr – in Wahrheit. Heute habe ich damit begonnen, täglich 750 Worte für Volle Distanz zu schreiben. 750words.com hilft mir dabei. Sollte ich es denn wirklich schaffen (ich mag Herausforderungen), wäre ich also am 8. Juli bei 75.000 Worten und somit grundsätzlich am Ziel. Man wird sehen.

In Liebe. [Eine Prise Heimweh]

Ich muss erst mal wieder richtig ankommen. Muss mich wieder einleben, in diese Stadt, die so lange brauchte, um das zu werden, wonach ich mich so sehr sehnte. Home is where your heart is heißt es so schön. You’re at home, baby meinte mal fm4. Und das klingt alles so belanglos, wenn der Höhepunkt einer wunderbaren Zeit 1248 Kilometer weit entfernt stattfand. Das Leben hat nichts an seiner Genialität verloren, nur der Schwung fehlt mir gerade noch etwas.

Zurück zum Alltag, den ich mir auch in den kommenden Wochen und Monaten zu etwas Besonderem machen werde. Zu einer einzigartigen Zeit, denn jetzt, wo dieses Jahr so maßlos atemberaubend begonnen hat, höre ich (verdammt noch mal!) bestimmt nicht auf damit. Werde mich an den See oder in irgendeine Wiese legen, Musik hören und die Sonne genießen. Werde der Entschleunigung des Lebens keinen Abbruch erlauben. Das hier ist meine Zeit, das hier ist eine einfach zu geniale Zeit. Wir können nicht anders, oder?

Volle Distanz. Näher zu dir hat neuen Schwung erhalten, ganz atypisch erzähle ich die Geschichte. Weiß, wie sie enden wird und werde sie so auch schreiben. Werde schreiben, was mir in den Sinn kommt und irgendwann einmal bin ich über die ersten zwanzig Seiten hinweg, die mich zermartern, die mich immer wieder neu beginnen lassen und dann gibt es keinen Halt mehr. Weil es ein Ende geben muss, einen Punkt nach all dem. Einen krönenden Abschluss.

Und auch weiterhin werde ich die Tage mit ganz besonderen Menschen verbringen, werde nicht aufhören, meinen Gefühlen zu folgen und nicht aufhören, jeden Atemzug so zu genießen. Nur ankommen muss ich noch, hier in meinem Leben. Bin ich doch gerade erst von dort weg, wo das Leben so wunderbar einfach war und ich einfach nur glücklich. Ankommen muss ich erst. Das dauert vielleicht. Aber die Liebe zu diesem Leben hier, die kann mir wohl niemand nehmen.