At the end.

Und dann geht man raus aus diesem Raum, schüttelt den Kopf und geht an so vielen Gesichtern vorbei und schnappt sich die Zigaretten, sieht noch Gesichter von jenen, die hier wohl die Wichtigsten für mich sind, muss fast heulen und lasse mich am Raucherbalkon auf den Boden fallen. Scheiße. Was für eine gequirlte, riesig große Scheiße.

Die Prüfung wurde nicht bestanden. „Das Semester ist für sie jetzt mal vorbei.“ und womöglich auch die ganze FH-Ära. Ich bin am Ende angelangt. Einem Ende, welches ich so nie haben wollte. Ein Ende, das schlussendlich doch so vollkommen überraschend war. Ein paar Minuten Sprachlosigkeit, bis irgendwann mein Humor wieder zurückkommt.

Und die Ratlosigkeit. Was jetzt? „Es gibt Optionen.“ hört man und kann sich doch kaum vorstellen, was da jetzt so kommen könnte. Wieder hier an der FH bei 0 beginnen? Arbeiten gehen? Ich habe mir darüber nie Gedanken gemacht. Ich mache mir nie zu viele Gedanken rund um genaue Pläne für meine Zukunft. Träume leiten mich durchs Leben, nicht der genaue Plan nach irgendwas. In Wahrheit war mein einziger Plan, noch diese zwei Semester in der FH zu verbringen. Es gibt keinen weiteren Plan. Keinen Plan B.

Und da bin ich nun. Müsste eigentlich am Boden zerstört sein, von meiner Ratlosigkeit und vollkommen ohne irgendwelche Pläne maßlos überfordert. Aber ich bin es nicht. Mit einigen großartigen Menschen (<3) einen perfekten Abend mit viel Alkohol verbringen. Einfach eine tolle Zeit haben. Ich müsste am Ende sein, aber irgendwie habe ich es geschafft, das Leben weiter zu genießen. Es ist ein bescheuerter Wendepunkt, ich weiß nicht, was jetzt so kommen wird. Aber sehen wir mal. Mein naiver Optimismus hält mich über Wasser. Irgendwas wird sich schon ergeben. So ist das Leben nämlich. Unberechenbar.

Gedankenrassist.

Einerseits: Warum das Buch, von welchem ich seit 1 Jahr träume, an welchem ich seit mehr als 52 Wochen grüble einfach nichts werden will. Andererseits: Warum ich es trotzdem noch nicht aufgeben möchte.

Florian schreibt einen Roman. Ich kann ihm zu dieser Entscheidung durch alle Bänke hindurch (manchmal gibt es wirklich solche Füllwortkombinationen, deren Sinnhaftigkeit sich mir einfach nicht erschließen möchte) gratulieren. Er ist mein Lieblingsautor im Internet, wenn man so sagen kann. Seit ich damals auf NEON.de das erste Mal Texte von ihm gelesen habe, komme ich nicht mehr los. Zum Lachen, zum Weinen, zum Nicken, zum Immer-wieder-Zurückkehren. Und falls man es jetzt noch nicht verstanden hat: Sobald das Buch erscheint, muss es unbedingt den Weg in meinen Postkasten, mein Bett und schließlich mein Regal finden. Extra im Bereich für besondere Bücher (in dem sich übrigens auch schon Andrés Die Sprache der Scherben befindet).

Manche erinnern sich noch an meinen Buchversuch: Volle Distanz. Näher zu dir; eine Idee, die mir in den letzten Tagen meines Zivildienstes irgendwann in den Kopf geschossen ist. Und sich bis heute festgesetzt hat. Ich hatte selbst in diesem Jahr noch einmal einen Kreativschub. Setzte Wort an Wort und stellte sogar vorübergehend ein oder zwei Kapitel fertig. Doch seit einigen Wochen steht nun alles wieder. Und obwohl mein Studium überaus unfordernd ist, bepacke ich mich mit Unmengen anderer Verpflichtungen, sodass ich meist um kurz nach Mitternacht todmüde ins Bett falle. Und leider ist genau das die Zeit meines kreativen Höhepunkts, Tag für Tag. Zu dieser Zeit kommen mir die genialsten Einfälle, die wundervollsten Traumvorstellungen.

Soll ich jetzt sagen, der Buch wäre gestorben? Nein. Das könnte ich ja gar nicht. So oft ich auch Sätze, Seiten und Kapitel entferne, in meinem Kopf bleibt dieses Hirngespinst. Spinnt sich weiter und weiter. Somit kann ich nur sagen: Dieses Buch muss fertig werden. Erst wenn der letzte Satz geschrieben ist (welcher bei mir im Gegensatz zu Flos Buch noch nicht im Vorhinein feststeht) und zum Abschluss ein Punkt nachgelegt wird, kann die Geschichte für mich endlich sterben gehen. Außer sie gefällt, die Geschichte.

Woran ich bisher immer scheiterte, war mein eigener Wunsch nach Perfektion. Mein Drang, mein Zwang sozusagen. Sollte es (m)ein Buch sein, sollte jeder Satz gut bedacht, wundervoll und berührend sein. Oder aufschreckend. Wer jemals versucht hat, literarisch tätig zu sein, weiß, dass dies ein Ding der Unmöglichkeit ist. Und ich habe selbst auch noch kein Buch gelesen, welches mit allsätzlichen Glanzleistungen posen konnte. Fiel mir ein schöner Satz ein, war es der andere nicht mehr wert, vorangegangen zu sein. Delete. Ich wurde: Gedankenrassist. Das ist zwar jetzt nicht unbedingt so schämenswert, aber meinem Buchprojekt nicht unbedingt förderlich.

Volle Distanz. Näher zu dir wird mein erstes Buch. Das steht fest. Es soll berühren, fesseln, gefallen; natürlich! Und das wird es auch, dabei bin ich mir sicher. Ich muss nur endlich über meinen Schatten springen, und mich vor das Note-/Netbook setzen und zu schreiben beginnen. Ja, vielleicht wieder ein neuer Anfang [N° 13?], vielleicht wieder alles neu. Nur diesmal darf ich nicht einfach wieder aufhören. Die Sommerferien (trotz Ferialjob im Juli und 10-Tages-Festivalurlaub im August) sollen es sein. In diesen Tagen soll meine Geschichte rund um Noah und Emily endlich reifen, erwachsen werden, aus diesem harten, harten Ei schlüpfen und eben in einem endgültigen aber verdienten Punkt enden.

Und mit diesen Worten möchte ich mich auch für die nächsten 2 Wochen etwas rar machen. Vier Prüfungen warten auf mich, von denen zumindest drei bestanden werden müssen. Am 22., 25., 29. und 30. Juni sind eure Daumen gefragt. Ich werde zwar mit Kurzpostings aufwarten, und nebenbei auch etwas POLILOG und dreams|of|the|future, meinem neuen englischsprachigen Blog befüllen, aber für große Gedankenanstrengungen bin ich abseits der Publizistik zurzeit nicht zu haben.

Angst vor. [Ein Epilog]

Manchmal, wenn wirklich beinahe alles irgendwie gut aussieht. Dann hat man plötzlich Ängste. Vor ganz banalen Dingen.

Eine Angst, die mir zurzeit sehr oft unterkommt, ist die Angst, beim Auswahlverfahren für das Publizistikstudium zu scheitern. Dieses Semester dürfen „nur“ 962 Studenten ins zweite Semester aufsteigen und so die Studieneingangsphase womöglich schon im zweiten Semester abschließen. Und eigentlich sieht es ja beinahe schon so aus, als müsste man nicht wirklich viel können, um da hinein zu kommen. Drei Prüfungen entscheiden über das Weiterkommen. Und die Prüfung mit den meisten Anmeldungen umfasst gerade mal 1015 Studenten. Wenn man die Tatsache, dass vielleicht 10 Leute nicht antraten und weitere 5 oder so schon zum dritten Mal antreten (und so nicht in unser Auswahlverfahren fallen), müssten gerade einmal 35 Menschen es nicht schaffen. Das heißt: 35 Menschen müssten schlechter sein als ich. Warum ich denn nun Bedenken habe?

Ich bin vielleicht einer, der für das Publizistikstudium, allein vom Interesse her, sehr gut geeignet ist. Ein Wissenstest (30 Fragen zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen) endete mit rund 700 Studenten, die zwischen 0 und 10 Fragen wussten, 300 die zwischen 11 und 20 Fragen richtig beantworten konnten. Und genau 11 [in Worten: elf] die 21 bis 30 Fragen wussten. Laut meiner eigenen Einschätzung war ich einer der 11. Ich könnte auch die Aufnahme in die Journalistenschule in Wien schaffen, und ich bin auch einer der wenigen Erstsemestrigen, die von den Medien 2.0 und auch all dem Papierkram 1.0 schon zu einem großen Teil Bescheid wussten. Ich wäre also perfekt für das Publizistikstudium (und natürlich auch für das vorzeitig abgebrochene Politikwissenschaftsstudium, welches ich im 2. Semester wieder aufnehme). Und trotzdem die Angst vor dem Scheitern?

Das erste Semester in Publizistik (und scheinbar auch in allen anderen Studienrichtungen) ist voll mit unumgehbarer Theorie: Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten, Einführung in das wissenschaftliche Schreiben, das wissenschaftliche Denken, das wissenschaftliche Lesen. [Horror!]. Und die Prüfungen waren zum Teil zwar logisch, aber das dumpfe Erlernen der Statistik-Theorie stößt mir selbst jetzt noch ungut auf. Und so habe ich Angst: Angst, dass Leute, die ihre ganze Schulzeit auf purem Auswendiglernen aufbauten und das nun auch bei ihrem Studium fortsetzen, ihren Platz im Auswahlverfahren bekommen, obwohl sie vielleicht überhaupt keine Ahnung vom aktuellen Weltgeschehen und von den Medien haben, in denen sie irgendwann einmal arbeiten wollen. 

Es wäre peinlich. Ich würde mich schämen, wenn ich einer der 35 oder der 50 Leute wäre, die es nicht schaffen würden. Die Prüfungen waren schwer und ich habe vielleicht auch etwas zu spät angefangen, zu lernen. Und es ist sehr wahrscheinlich dass ich es ja nun auch wirklich geschafft habe. Aber die Angst bleibt eben da. Und ich halte euch natürlich auf dem Laufenden. (der 15. Februar gilt als das Datum der nächsten Woche). 

Und das hier war jetzt ein Epilog. Ein Nachwort. Nach all den ersten Wochen und Monaten meines ersten Semester. Es war aufregend, erdrückend, langweilig, spannend, interessant. Es war so vieles. Und deswegen freue ich mich auch schon auf das zweite Semester, welches im März schon wieder losgeht. Und habe nun jetzt noch einige Aufgaben in den Ferien: das Schreiben einer Bewerbung für die Fachhochschule in St. Pölte, das Schreiben einer Bewerbung für ein Volontariat beim Standard. Und irgendwas wird dann eben so passieren. Das Gefühl, dieses „Es geht mir gut“-Ding, ist immer noch da. Und das ist auch gut so.

Rastlos, Nie Ratlos. Niemals Sprachlos. Fehle Ich Den Worten.

Hast du mich gefragt, wie es mir geht. Ich denke nicht. Aber ich habe es gesehen, dass du glücklich warst. Zu gut ist der Tag für dich verlaufen. Es war schön, dich wieder zu sehen und so konnte ich dann auch wieder fahren. Mit einem Gefühl, gemischt aus Angst, Unruhe in mir, fragend und mir selbst drohend. Langsam, ganz langsam versuchte ich mir die Welt zu erklären. Gerade meine Großmutter musste wieder solche Worte fassen, die mich zögernd zurückwerfen. Ich wollte dir doch nur eine Freude machen, wollte überraschen, wo ich doch sonst nichts mehr für dich tun konnte.

Nicht wegen dir und ohne Worte zu irgendjemandem musste ich kürzlich feststellen, dass ich nicht bereit dafür bin. Eine Frau, die mir seit knapp zwei Monaten dieses Gefühl von Verliebtheit geschenkt hatte, dieses eine Mädchen mit ihrem wunderbaren Lächeln und den sanften Worten voll interessierter Neugierde. Es hat keinen Sinn. Ich werde keine Energie an sie verbrauchen. Ich werde mich nicht verrückt machen. Werde Gedanken ordnen und Gefühle unterdrücken. Ich bin kein 30-Sekunden-Gesprächs-Freund. Und so kann es nicht bis April weitergehen. Ich habe den Abbruch bereits verkündet.

Jetzt geht also der letzte Tag dieses Wochenendes zu Ende. Minuten vergehen wie Sekunden, Stunden ebenso. Nichts ist wie es ist, und all die Erinnerungen und verschwommenen Bilder der letzten zwei Tage sind schon längst Geschichte. Es war wieder einmal ein großes Wochenende, mit Abstürzen und Höhenflügen, Ängsten und Gedanken. Erinnerungswürdige fehlgeleitete Momente. So viele Freunde habe ich gesehen, so viele Worte wurden gewechselt und trotzdem fehlte ich viel zu oft den Worten.

Mit kaltem Atem und tiefgekühlter Nase erinnerte ich mich gestern wieder daran, dass schon in zehn Tagen mein Schicksal sich verändern könnte. Ich könnte auch zu denjenigen gehören, die es geschafft haben. Die letzte Prüfung würde ich dann hinter mich gebracht haben. In zehn Tagen würde ich entweder feiern oder mich wundern, warum es wieder nicht geklappt hat. Aber ich bin mir fast sicher, dass ich feiern möchte werde. Ich habe Angst. Wer nimmt mich in den Arm, wenige Minuten vor der Prüfung. Wer hält mir die Hand, beim Warten auf die Entscheidung. Wer freut sich mit mir, wenn ich es geschafft habe? Es tut weh.

Viel zu schmerzhaft ist der Gedanke daran. Es hat nicht sollen sein, nennen es die einen, es wird schon kommen, meinen die anderen. Es hat keinen Sinn, sage ich viel zu oft. Und insgeheim hoffe ich auf Zustimmung und ein Nicken von euch allen. Es hat keinen Sinn. Nie ratlos? Bei Gott oder irgendeinem Götzen, nein. Ich brauche Rat und würde doch keinen annehmen. Nie sprachlos? Sicherlich nicht. Mir fehlen viel zu oft die Worte. Und ich ihnen.