Twitter und die Liebe.

Ich bin in einem Buch. Ernsthaft. Im neuen PONS-Twitterbuch, das so wunderbar lustig „Ich kann auch ohne dich unglücklich sein – Die besten Sprüche rund um die Liebe aus Twitter“ heißt. Und wenn ihr das mal in den Händen hält, schaut einfach mal auf Seite 173. Ich finds ja lustig, das ist zwar einer meiner Tweets mit den meisten Favs und Retweets, aber sicherlich nicht der Romantischste, Lieblichste, Unglücklichste. In Wahrheit hat er ja gar nichts mit Liebe zu tun. Also: Kaufen … und sich mit mir freuen. Und das isser:

http://twitter.com/#!/just4ikarus/status/65452616460681216

9/11

Das Ende meiner Kindheit. Oder der Welt, wie ich sie kannte. War es für Amerika ein Schock, für die Welt ein Entsetzen, war es für mich persönlich wohl das erste einschneidende Erlebnis meines Lebens. Und selbst zehn Jahre danach war das Fernsehprogramm der vergangenen Woche hart für mich. Als würde ich mir ein Stück Vor-9-11 zurückwünschen. Ein kleines Stück naive, heile Welt.

*Foto: AttributionNoncommercialNo Derivative Works Some rights reserved by nycgeo

Ich war 13 Jahre alt. Und erlebte wohl einen der tollsten Tage meines bisherigen Lebens. Mein Papa nahm sich die Zeit, mit mir, im Zug, nach Wien zu fahren. Auf irgendeine – im Jahr darauf – eingestellte Nerd-Messe. Das erste Mal Wien, und vielleicht schon damals der Beginn einer schlussendlich fatalen Liebesgeschichte. Wir waren gerade am Heimweg als Mobiltelefone klingelten.

„Flugzeuge, ins World Trade Center“

Meine Schwester und meine Mama war auch unterwegs, nicht unweit unseres Zuhauses. Als sie wieder heimkamen und das Fernsehen nur aus einem Thema bestand, riefen sie uns an. Meine Mutter erklärte es mir mit etwas zittriger Stimme, die Augen und die Gedanken sichtlich auf die Fernsehbilder gerichtet. Ich konnte es noch gar nicht verstehen. War nicht bereit dazu und wohl auch nicht dazu im Stande. Und irgendwann erinnerte ich mich an den kleinen Radio, den ich, trotz des Lächelns meiner Eltern, vor der Abreise eingepackt hatte.

„Menschen sprangen aus den oberen Stockwerken. Nun sind beide Türme eingestürzt. Über die Opferzahl weiß man noch nichts, aber an einem normalen Arbeitstag können dort bis zu 30.000 Menschen zugegen sein.“ So oder so ähnlich wiederholte sich der Radiosprecher und andere Fahrgäste, rund um uns herum, versammelten sich um den krachenden Radio. In ihrem Gesicht war Entsetzen, wohl auch ein kleines Stückchen Angst. Erwachsene Menschen, die von dieser Nachricht so verstört waren. Hier war ganz offensichtlich etwas passiert. Etwas Einschneidendes für uns alle.

Aber die Welt und ihre Fugen müssen auseinandergeraten. Um Menschen wieder näher zusammenrücken zu lassen, um Hilfsbereitschaft wieder zur großen Tugend werden zu lassen. Oder zumindest, um auf genau das hoffen zu können. (Die Welt und ihre Fugen)

Daheim angekommen gab es für die kommenden drei Tage nur dieses Thema. Dieselben Bilder, immer und immer wieder. Und selbst VIVA und MTV spielten ruhige, traurige Musik. Wiederholten wohl halbstündlich „Only Time“ von Enya. Verzichteten auf Werbung. Hier war wirklich etwas passiert. Amerika, das Land meiner kindlichen Träume, jenes Amerika, das mit Full House oder Hör mal wer da hämmert, jenes New York, welches mir mit Nanny oder Seinfeld ans Herz gelegt wurde. Es war am Ende.

Krieg, Verschwörung und Antiantiamerkanismus

W. Bush wählte Krieg als Reaktion. Wohl das Einzige, was er in dieser Situation machen konnte. Ein so patriotisches Land wie Amerika würde sich nach einem solchen Anschlag nicht mit Diplomatie begnügen. Wählte Afghanistan, schließlich Irak. Damals war ich Gegner dieser Kriegszüge. War dagegen, weil man ja wohl kaum für Krieg sein kann oder so. Schließlich fiel mir Loose Change in die Arme. Und vermutete die USA hinter den über 3.000 Toten der Anschläge. Sei ja alles schön plausibel. Ich war jung, Leute, sorry. Und Verschwörungstheorien haben ganz einfach eine unglaubliche Anziehung auf mich. Aber während auf Twitter oder Facebook munter ein gewisser Antiamerikanismus gepflegt wird, und selbst auch die „Qualitäts“Medien damit anfangen, ist das Trara rund um 9-11 Jahr für Jahr etwas Besonderes.

Ein Wieder-in-Erinnerung-Holen schrecklicher Bilder. Der Gedanke, dass man erstmals live dabei zusehen konnte, wie 3.000 Menschen starben. Dass 9-11 Live-Terror war und wir nur gebannt, erschrocken, entsetzt und ängstlich vor dem Fernseher saßen. Sprachlos von all den erdrückenden Eindrücken. Und für mich bedeutet 9-11 und das persönliche Auseinandersetzen mit dem auch der Beginn einer neuen Zeitrechnung in meinem Leben. Die Kindheit, wie ich sie kannte, war mit diesem Tag vorbei. Jetzt würde es dunkler werden. Jetzt würden auch mal schlimme Dinge passieren. Und sie passierten auch. Auf der Welt, in meinem Umkreis und in mir. Aber schön langsam baue ich sie mir wieder auf. Diese eine, diese kleine, naive, heile Welt.

6090. [n’Späßchen.]

http://twitter.com/#!/Poscoleri/status/107044794152390656
http://twitter.com/#!/just4ikarus/status/107045322072666113

http://twitter.com/#!/Poscoleri/status/106668202276306944
http://twitter.com/#!/just4ikarus/status/106668465330466817

Seit ein paar Tagen meine neue Vorliebe. Tweets von anderen hernehmen, und Sekunden danach einen beinahe gleich lautenden Tweet raushauen. Nur mit vollkommen anderen Inhalt. Oder so. [Ich finde es zumindest ansatzweise belustigend.]

750 Worte.

Volle Distanz. Näher zu dir. Ihr wisst doch, wovon ich spreche? Mein Meisterwerk, dass erst noch geschrieben werden muss. Dessen Idee verdammte 3 Jahre alt ist, und an dessen ersten Seiten ich mehrere Dutzend Male schon gescheitert bin.

@Luca hat irgendwann einmal über #750words getweeted, extra mit Hinweis für mich, damit ich es auch ja nicht übersehe. Und ich habe mir einfach mal angesehen, worum es überhaupt geht. Eine neue Bloggingplattform? Wieder was zum Anmelden? Nein. Gar nicht. 750words.com ist wohl eine genial simple Idee. Und nach meinen bisher 7573 Worte später (nach dem Start am 1. Mai) möchte ich es euch nicht mehr vorbehalten.

Volle Distanz. Näher zu dir läuft. Warum? Und so plötzlich? Nun: Ich habe wieder vollkommen von vorne begonnen, basierend auf einer Erzählidee, die mir in Stockholm gekommen ist. Also der erneute Start bei 0. Wie schaffte ich es, jeden Tag 750 weitere Worte zu schreiben und so das Buchprojekt so weit voranzutreiben wie es bisher wohl noch nie wirklich möglich war? Und warum hab‘ ich immer noch keine Lust, wieder alles hinzuschmeißen und von vorne anzufangen?

Weil diese simple Seite wirklich gut durchdacht ist: du hast 24 Stunden Zeit 750 Worte zu schreiben. Das ist das Ziel. Das habe ich auch getan, (bis auf meinen Geburtstag, dafür am nächsten Tag einfach doppelt so viel), und nach diesen 24 Stunden kannst du nichts Weiteres tun, als den Text durchzulesen. Keine Edit-Möglichkeit, keine Möglichkeit schreckliche Zeilen zu löschen. Nein. Es wird einfach weitergeschrieben. Ich habe mir angewöhnt, zu Beginn der halben Stunde oder so, die ich für meine 750 Worte benötige, noch ein einziges Mal den letzten Satz des Vortages zu lesen, um dann wieder in die Welt einzutauchen.

Und es spornt an. Ich hatte ja schon öfter mal solche Schreibschübe, wo ich immer mal wieder Seite um Seiten füllen wollte und es manchmal auch schaffte. Dann aber kam meist die Flaute, zwei, drei, vier Wochen gar nichts … ein rasches Drüberlesen und dann meist der Weg in den Papierkorb. Hier wird einfach jeden Tag geschrieben, Stückchen für Stückchen. Und nachdem mein Ziel (so ganz grob geschätzt) 75.000 Worte sind, wäre ich somit in 100 Tagen mit dem Buch fertig. Das wäre dann also der 8. Juli. Eine coole Sache, oder?

Wer also endlich einmal eine Geschichte erzählen möchte, ein Buch schreiben, eine Idee umsetzen, dem kann ich #750words nur wärmstens empfehlen. Die Idee ist einfach und auch rasch erklärt, aber der Entwickler hat sich scheinbar wirklich sehr viel dabei gedacht. Und hiermit danke ich auch noch @Luca, den ich für diesen raschen Fortschritt meines Buchprojekts verantwortlich mache.

5 Jahre Neon|Wilderness. [Ein Jubiläum]

Ich weiß nicht mehr ganz genau, wann es denn wirklich los ging. Und wie ich überhaupt auf die Idee kam, so etwas zu starten. Aber mit Dezember 2010 wird mein wohl tiefster Fußabdruck im Internet 5 Jahre alt.

Ist es Zeit mir zu gratulieren? Wofür denn? Ich will hier nicht eine tolle Selbstbeweihräucherung starten. Jetzt will ich erstmal ganz grundsätzlich erklären, warum ich den ganzen Scheiß hier immer noch mache. Was mir dazu verhalf, in meinem Blog eine ganz wichtige Anlaufstelle entstehen zu lassen.

Fortsetzung folgt. 08122010

Das Warum und andere Geschichten.

In Wahrheit kenne ich den Grund nicht mehr wirklich, warum das alles begann. Aber es hat mir von Beginn an Spaß gemacht. Und wie man hier sogar noch nachlesen kann, waren die Einträge meist sogar noch trivialer als sie es heute sind. Kommentare aus meinem Leben, die wohl nur die interessieren (wenn überhaupt), die mich kennen. Das war mein Beginn, damals noch bei Blogger.com. Und warum ich schließlich zu WordPress.com wechselte, weiß ich auch nicht mehr. [Schön langsam glaube ich, diese Geschichte hat wohl keinen sehr großen Nachrichtenwert.] Aber damit begann im Grunde das, worauf auch heute noch dieser Blog aufbaut: Privates, Empfehlungen und literarische Versuche. Und auch wenn „Vom Verlieren und Wiederfinden der Liebe“ das erste halb-literarische Werk von mir ist, liebe ich den Text immer noch. Die verkehrte Erzählweise wurde erst 2010 ein weiteres Mal versucht. Wunderbar.

Ich kann mich noch an den Beitrag von Luca erinnern, als er seine Beweggründe und seine Musen nannte: ich habe so etwas nicht. Ich begann Blogs erst zu lesen, als ich selbst einen schrieb. Aber erst Roman Held war, wie schon einmal erwähnt, eine Inspiration, mich vom rein-trivial-langweiligen Lebensblog etwas abzuwenden, um auch etwas Literatur einzubauen. Und ich denke, das hat dem Blog ganz sicher gut getan.

Und dann schrieb ich vor mich hin und schrieb mehr und wurde häufiger gelesen und kommentierte auf anderen Blogs, und andere kommentierten bei mir. Das Typische eintauchen in die Materie. Es fühlte sich gut an. Die Leute lobten meinen Schreibstil (schon damals), und diese Kommentare waren immer mehr Aufforderung für mich, hier damit weiterzutun. Nicht einfach aufzuhören, wegen „Stammlesern“ und so.

Volle Distanz. 16112009

Meine kleinen feinen Erfolge.

Es klingt wohl reichlich pathetisch, wenn ich behaupte, dass Bloggen mein Leben und mich verändert hat. Wahrscheinlich hat es das auch nicht, aber bei einem hat es mir geholfen. Nach der (mehr oder weniger) überraschenden Trennung im Frühjahr 2007, dem Tod meines Neffen im Herbst desselben Jahres, bei der Begräbnisserie im Sommer 2009. Dieser Blog war immer Anlaufstelle für etwas, worüber ich zu reden nicht im Stande war. Dieser Blog wurde sozusagen ein Sprachrohr für mich, ich konnte meine Gedanken, meine Gefühle ausdrücken, ohne auf Widerstand zu stoßen. Und ich bekam Feedback. Helfende Worte, berührendes Lob. Und wie ich so im Jahresrückblick 2009 las, fällt mir auf, dass ich seit diesem Jahr bei meiner Schreiberei ganz offen von „Kunst“ spreche. Und aus „Minimal Literarisches“ wurde ganz einfach „Literarisches“. Das ist schon gut so. Und nein, ich nehme mich dabei nicht zu Ernst.

Denn wenn Menschen sich in meinen Texten wiederfinden, ich sie zu Tränen rühre, wenn sie durch mich vielleicht auch manchmal neuen Lebensmut oder zumindest frische Denkanstöße erhalten. Wenn meine Worte treffen, ich Menschen sowohl zum Lachen als auch zum Weinen bringe. Wenn ich Literarisches so lebendig und nah erzähle, dass ich oft versichern muss, hier nichts Autobiografisches geschrieben zu haben. Wenn mir von Menschen aller Altersgruppen hier im Internet und auch bei persönlichen Gesprächen Anerkennung für meine Kunst, mit den Worten umzugehen, entgegengebracht wird. Dann … ja dann nenne ich es ganz einfach Kunst.

Aber was sind meine messbaren Erfolge? NEON hat einmal in einer Coverstory zum Thema „Ewiger Geschwisterstreit“ einen meiner Texte, den ich auch auf NEON.de veröffentlicht habe, als einer der drei besten Texte zu diesem Thema ausgewählt und einen kleinen Hinweis abgedruckt. Durch einen anderen Text wurde ich Teil einer durch Deutschland reisenden Ausstellung zum Thema „Vom Tagebuch zum Weblog“. Ich. Provinzmensch auf neuen Wegen. Ich tauche plötzlich in Berlin, Nürnberg und Frankfurt auf. Das hat schon was.

Frühstück. 16112010

Warum das Ende keine Möglichkeit ist.

Es gibt immer wieder Menschen, die sich ganz bewusst aus dem Internet zurückziehen. Ihre Blogs löschen und damit einen großen Haufen Kunst und Erinnerungen einfach aus dem Internet eliminieren. Blogs zu löschen ist wie Digitalfotos von der Karte zu eliminieren. Erinnerungen auf Knopfdruck gelöscht. Wahrscheinlich behalten die Menschen zwar ein Backup des Blogs irgendwo auf der Festplatte, um es womöglich mal ihren Kindern zu zeigen. Aber für mich ist das Ganze kein Thema.

Bis vor kurzem dachte ich: ich kann hier sagen, kann hier sein, wer ich will. Die meisten Leser hier kennen mich nicht, oder wenn nur sehr spärlich oder durch andere Social-Media-Dienste wie Twitter oder so. Niemand, mit dem ich öfter zu tun habe, sieht hier vorbei (fragt mich nicht wieso). Aber plötzlich lesen auch einige Studienkollegen hier mit, oder Arbeitgeber. Ist das jetzt etwa das Ende?

Nein. Denn immer noch bestimme ich, was ich hier schreibe. Und ich weiß schon, wann genug ist, und was jetzt so raus darf oder nicht. Dadurch, dass ich meine halbwegs anonyme Phase schon vor einiger Zeit aufgab, meine privaten Texte aber eher zunahmen, habe ich einen ganz besonderen Weg gewählt. Ich stelle mich in den Mittelpunkt dieses Blogs. Ein Problem? Für mich zumindest nicht.

Und deshalb gilt das, was ihr auf diesem Bild oben seht: Fortsetzung folgt. Mir fällt bis jetzt kein triftiger Grund ein, hier irgendeinmal Schluss zu machen. Wahrscheinlich kommen mir solche Gedanken zwar später mal unter, aber seid euch gewiss: Ich habe so viel Herzblut, so viel Arbeit, so viel Fürsorge in dieses kleine Ding Kunst gesteckt, dass ich es nicht wagen könnte, es zu löschen. Neon|Wilderness ist vielleicht etwas für die, von mir so verhasste, Ewigkeit. Zumindest für die eine, die meine Ewigkeit.

Warum ich es heute ablehne, dass NEON einen Artikel mit mir veröffentlicht.

In den vergangenen Wochen habe ich oft daran gedacht. Vor rund zwei Jahren, es war im Sommer, hat mich Annabel Dillig auf meinem NEON.de-Account angeschrieben. Sie hat einen Text von mir gelesen, einen persönlichen literarischen Text, zum Thema Liebe und Abhängigkeit und sie arbeite an einer Story. Ob sie mich interviewen könne, über Telefon und ob sie auch einen Fotografen vorbeischicken könnte. Ich sagte zu. Das hörte sich gut an und ich war froh, so etwas mit einem meiner Texte erreicht zu haben. Und verdammt, Leute: NEON ist ein unglaublicher Erfolg, ein sagenhaft funktionierendes Magazin.

(via  Baptiste Pons flickrCC)

Gerade habe ich deinen Text „Führe mich sanft“ gelesen, den du 2007 auf NEON.de veröffentlicht hat. Er hat mich sehr bewegt!

Ich schreibe dir, weil ich gerade an einer Geschichte für NEON arbeite, die dem Thema deines Textes entspricht.

Es soll darin um Beziehungen gehen, die manchmal zur Sucht werden. Und um die Frage, wie man aus einer solchen Situation herauskommt. Vor allem, weil du und deine Freundin es noch einmal miteinander versucht haben, finde ich das, was du schreibst spannend! Ich bin mir sicher, was du erlebt hast, fänden viele NEON-Leser, die in ähnlichen Situationen sind, sehr hilfreich. [NEON.de – 17062008]

Das Interview verlief gut, manchmal suchte ich zwar nach Worten, weil Interviews, bei der ich der befragte bin, mir stets schwer fallen (was mir zuletzt bei einem Kurzinterview mit dem ORF, welches nicht gesendet wurde, immer noch passierte.) Aber es lief gut. Ich konnte darüber reden, wie all das war. Sie hörte zu.  Und sendete mir den Text, der aus unserem Gespräch resultierte. Es war nicht das was ich erwartet habe, aber ich ließ es durchgehen. Heute weiß ich nicht mehr warum. Und ein oder zwei Wochen später kam auch Andrew Phelps, ein Fotograf aus Salzburg. Er machte gute Fotos, und die sendete er mir auch zu. Als CC, und da erfuhr ich auf den Titel der Story. „Hilfe, ich liebe ein Arschloch.“

Ich war traurig, dass es schließlich darum gehen sollte. Ich habe in dem Gespräch über Abhängigkeit und Liebe gesprochen, nicht darüber, dass meine damalige Freundin ein Arschloch war. Ich war wohl einfach zu jung und engte ein. Ich erwartete zuviel und fiel dafür auf die Schnauze. Das war es. Und ich kam schließlich auch schwer weg davon. Der Artikel, die Story wurde nie veröffentlicht und trotzdem dachte ich zuletzt wieder daran. Früher dachte ich: nein, der Artikel darf nicht veröffentlicht werden, denn wenn es auch nur eine kleine Möglichkeit gebe, dass wir zwei noch Freunde werden könnten, wäre es mit dieser Story zerstört. Heute denke ich anders. Denn schließlich stimmt die ganze Geschichte nicht. Ich sehe das heute anders und sehe das Problem an der Beziehung und dem Ende bei mir. Bei mir und den Umständen, in denen die Liebe entstand und wieder verloren ging.

Heute bekam ich eine Mail, von Frau Dillig. Und diese Mail machte mich unruhig. Die Story passte die letzten zweieinhalb Jahre nicht ins NEON, aber jetzt hätten sie Platz. Ob ich mit meinem Text noch so zufrieden bin, und ob sie noch einmal einen Fotografen vorbeischicken solle. Hier der Text.

»Von meiner ersten Liebe war ich komplett abhängig, alles in meinem Leben drehte sich nur um meine Freundin. Wenn sie krank war, bin ich durch die ganze Stadt gefahren, um ihr Medikamente zu bringen. Aber sie reagierte genervt – wie bei allem, was ich aus Liebe tat. Am Ende der Beziehung schien sie innerlich nur noch mit den Augen zu rollen. Alles hat sie auf die Palme gebracht, jede Überraschung, jede Aufmerksamkeit. Alles nutzte sie, um einen Streit vom Zaun zu brechen. Dann kam immer der Vorwurf, dass ich mich nicht wehren würde. Irgendwann kam ich mir wie ein Hund vor, der getreten wird und nicht zurückbeißt. Als Paar waren wir auch nicht mehr erkenntlich. Wenn wir zusammen irgendwo hingegangen sind, zog sie ihre Hand aus meiner. Wie schlimm das war! Doch obwohl sie mich manchmal übel behandelt hat, wollte ich sie ein Jahr lang zurück. Erst eine Therapie hat mir gezeigt, dass man Liebe nicht erzwingen kann.« [Der Text, der so ins NEON kommen würde]

Keine Ahnung, wie ich diese Geschichte durchgehen lassen konnte. Ich war nicht von der ersten Liebe abhängig, ich wurde es wohl erst, als es vorbei war. Ich bin nicht aufgrund der Abhängigkeit quer durch die Stadt gefahren, sondern weil ich sie liebte. Sie reagierte nicht immer genervt. Und ja, das Ende der Beziehung war nicht so prächtig, wobei der Abschluss trotzdem schön war. Am Küchenboden, mit stundenlangen Gesprächen. Und das mit der Therapie: ich erzählte am Telefon, dass ich die Therapie wegen des Todes meines Neffen machte, und da eben auch darüber sprach. Und es mir half. Aber ich machte die Therapie nicht deswegen.

Wir hatten 2008 mal Kontakt, es ging um eine NEON-Geschichte zum Thema, wie es ist mit jemandem zusammenzusein, der einem nicht gut tut. [Mail – 01122010]

[Man beachte den Themenunterschied.] Und was, wenn ich ihr nicht gut tat? Wenn ich genug Scheiße gebaut habe, die es rechtfertig, so mit mir umzugehen? Heute weiß ich es und es tut mir leid. Jetzt habe ich in meinem NEON.de-Postfach nachgeschaut und schon damals, im Sommer 2008 so gedacht. Ich habe Annabel einen Vorschlag als Text geschrieben, bei dem sie aber sagte, dass sie zwar ihren Text angepasst habe, aber nicht zu viel umändern möchte.

Meine erste Beziehung, meine erste große Liebe, ging nach einigen schönen Monaten immer mehr den Bach hinunter. Es entstand eine gewisse Abhängigkeit, ich engte sie ein, wollte so viel Zeit wie möglich mit ihr verbringen und bekam sofort die typische Reaktion darauf. Ich hätte alles versuchen können, um sie zu überraschen, gab mich immer mehr für diese Beziehung auf, aber für sie war dies alles zu übertrieben. Wenn wir gemeinsam unterwegs waren, verdrehte sie oft genervt die Augen, zog ihre Hand aus der meinen und mit der Zeit konnte man uns gar nicht mehr als Paar erkennen. Ein Jahr und eine Therapie später habe ich aufgehört, ihr die Schuld an Zerbrechen der Beziehung zu geben, und es nun endlich eingesehen: Liebe kann man einfach nicht erzwingen.

Das wäre so im Stile: Ich spreche über meine Beziehung und die Abhängigkeit. Da wollte ich noch herausheben, dass war anfangs wunderbare Monate hatten und dass ich nun endlich soweit bin, nicht mehr ihr die Schuld zu geben. [NEON.de – 26062010]

Und deswegen werde ich Annabel antworten. Dass es mir Leid tut, und ich sie bitte, meinen Text nicht zu veröffentlichen. Dass es das nicht ist. Dass es ganz einfach nicht der Wirklichkeit entspricht. Und dass ich nie, nie, niemals ein Arschloch geliebt habe. [Und ich vielleicht einfach nur dieses Gefühl, geliebt zu werden, so wunderschön fand, dass ich süchtig danach wurde.] Tut mir Leid, liebes NEON. Nicht jetzt, nicht heute. Wohl nie.

Adventskalender. [24 Tage Literatur]

Nachdem ich mir vorhin gerade noch rasch einen total einfachen Schokoadventskalender gekauft habe (heutzutage muss man sich wirklich alles selbst besorgen) und nachdem mir der Einfall hier schon gestern oder vorgestern gekommen ist, stelle ich mein kommendes Projekt ganz einfach vor.

Die kommenden 24 Tage (also vom 1. Dezember bis zum 24. Dezember) wird jeden Tag ein literarischer Text erscheinen. Leider könnt ihr selbst nicht entscheiden, wann sich das Türchen öffnet, aber ich werde eindeutig jeden Tag etwas schreiben. <ironie>Etwas mehr Stress tut mir in meinem Leben gerade eh gut</ironie> Aber nachdem ich in diesem Blog ja auch vermehrt über mein Leben, Konferenzen und andere Dinge blogge (da kommt im Dezember übrigens auch noch so einiges), ist das sicher eine gute Idee, das Literarische wieder etwas hervorzuheben. Und außerdem soll auch jeder Text mit einem Bild von mir selbst perfektioniert werden.

Ob nun in Briefform (das kommt immer gut an), ein Dialog, eine Geschichte, ein neuer Teil meiner Fortsetzungsgeschichte bzw. ein frischer Teil für Volle Distanz. Näher zu dir: Seid schon mal gespannt. Das ist mein Geschenk für euch. Mein Geschenk. Für euch. Hehe. Und deswegen lest schön brav mit, kommentiert, was auch zu meinen Texten einfällt und habt einfach eine wunderschöne Weihnachtszeit, okay?

Gedankenkunst.

Und ich überlege, ob ich die Fortsetzungsgeschichte ohne Titel aus dem Jahre 2007 wieder auferstehen lassen soll. Oder ob ich vielleicht nach und nach, chronologisch richtig „Volle Distanz. Näher zu dir“ hier schreiben und veröffentlichen werde. Und wie ich es mir wieder angewöhne, vollkommen fiktive Geschichten zu schreiben. Ich bin vor kurzem über einen  alten Text gestolpert: 30. November 2007, Bad Day. Und habe bemerkt, dass ich damals viel fantasievoller war, und heute wohl gefühlvoller. Damals war es die Philosophie, die ich liebte, jetzt ist es der Pathos. Ich kann ehrlich nicht sagen, was jetzt besser ist. Was denkt ihr?

Manchmal wünscht man sich eben die Aufmerksamkeit, die man sich zu verdienen glaubt. Diese Aufmerksamkeit wünsche ich mir jetzt neben meinen bisherigen Blogs nun auch für volledistanz.posterous.com. Das Buch ist also immer noch in der Mache. Und um nicht diesen Blog hier mit metasprachlichen Buchschreib-Gedanken vollzumüllen, habe ich eben diesen Mikroblog erstellt.

Dort kann man miterleben, wie ich zwischen Leben und dem Kunstgedanken herumbalanciere. Meine Probleme beim Weiterschreiben, kleine aber feine Infos zum gesamten Plot und hie und da auch so manches Stückchen zum Probelesen. Das ist wahrscheinlich Buchschreiben 2.0(10). Und ihr seid dabei. Und vielleicht erlebt ihr auch, wie ich die letzte Seite, den letzten Satz und den letzten Punkt schreibe.

Ich würde mich freuen, viele von euch dort drüben zu sehen. Kommentiert, abonniert, followed und subscribed.