About You.

Du.

Es fällt mir schwer, Worte zu fassen, wenn ich an dich denke. Es fällt mir schwer, Gedanken zu formen. Der Schmerz hält mich gefangen und lässt nicht los. Es regnet und das drückt vielleicht annähernd aus, was ich gerade empfinde. Deine Stimme hallt noch stundenlang nach und dein Lächeln lässt meinen Körper resignieren. Woher hast du all die Macht, all die Fülle an Mitteln, die mich stumm werden lassen.

Du bist ein mächtiges Wesen. Du wärst mein David. Ich der Goliath. Ich, über meine Grenzen hinauswachsend und doch von einem scheinbar kleinen Wesen in die Knie gezwungen. Ich hätte dich anders eingeschätzt. Wundere mich über die Entwicklung der Dinge. Du hast dich verändert. Ins Negative ebenso wie ins Positive. Ich mich auch. Aber um mich geht es hier nicht. Es ist nie um mich gegangen. Das Einzige, was zählte, war das Du.

Wer wäre ich ohne dir? Wie wäre ich. Du, wie all die anderen, ihr habt mein Leben bestimmt und mich begleitet. Oder ich hatte für kurze Momente die Möglichkeit, ein Teil von euch zu sein. Ihr habt mich verändert, du hast mich verändert. Und du hast mich nie verstanden. Alles was für dich von Bedeutung war, warst du. Mehr nicht.

So bist du eben. Niemand konnte dich jemals verändern. Du gingest deinen Weg, und setzt ihn auch jetzt ohne Probleme fort. Was bleibt ist die Hartnäckigkeit, mit der du mich nervös machst. Wenn du in einem Gespräch auftauchst, wirbelt mein Bauch, minutenlang. Alles rotiert, und jedes geplagt hervorgekämpfte Wort ist doch schon eines zuviel.

Restless Stranger.

In deinem Gesicht spiegelt sich die Fremde, die mit dem, was uns verband, nichts mehr gemein hat.

Du reichst mir die Hand, ein Lächeln ziert deine Lippen. Du hast fast immer gelächelt, selbst als du schliefest. Nur als Tränen über dein Gesicht wanderten, lächeltest du nicht. Aber du hast es trotzdem versucht. Jetzt bist du endlich wieder über den Versuch hinausgekommen. Deine Hand ist trocken. Meine wohl kaum. Du hast mir weh getan, damals. Vor Monaten. Hast auf Rücksicht verzichtet und warst vielleicht eines der wenigen Male ehrlich. Und dass deine Ehrlichkeit mir wehtun würde, dass wussten wir beide.

Dein Lächeln scheint nicht aufgesetzt. Du versuchst es wirklich, mir mit Offenheit in die Augen zu sehen. Ich wandere mit meinen Blicken über dein Gesicht. Es fühlt sich falsch an, hier bei dir zu sein. Du fühlst dich falsch an, und siehst anders aus. Anders, als mein Gedächtnis dich mir in Erinnerung rufen kann. Du hast dich verändert und fühlst dich fremd an.

Worte werden gewechselt und Blicke getauscht. Du bist fremd und ich fühle mich unwohl. Du solltest gehen, denke ich mir. Ich sage nichts und schließe die Augen. Warst du mir jemals nicht fremd?

Why did this come up so quick
A spark moves in a dry world
As if something was just switched on
And then disappeared

– Restless Stranger (LP: Restless Stranger) – American Music Club

And then. Just disappeared.

Raindrops.

Das Wetter lässt mich unbeeindruckt. Doch dieser eine Regentropfen.

Langsam fällt er auf mich herab. Bedeckt meine Jacke und trifft auch einige Haare, die unter der Kapuze hervorlugen. Das Wetter hat also umgeschlagen. Keine Aussicht mehr auf einen frühen Frühling. Die Auferstehung der Natur muss wohl um einige Wochen verschoben werden. Es regnet und ich stehe pitsche-patsche-nass am Straßenrand. Die Zigarette in meiner Hand hat auch schon einiges abbekommen. Mit ein paar langen Zügen versuche ich noch zu retten, was zu retten ist. Doch es ist vorbei.

Gestern hast du noch vom blauen Himmel gesprochen. Blau, wie eben nur ein Himmel sein kann. Ich habe ihn gesehen. Habe minutenlang hineingeblickt und gehofft, irgendwo eine Wolke zu sehen. Doch da war nichts. Nur das Blau und das Nichts. Beim letzten Regenguss bist du verschwunden. Alles ist verschwunden. Aber noch ist nichts verloren. Doch wo bist du?

Du bist verschwunden. Einfach weg. Für immer. Alles ist für immer. Forever. Nothing lasts forever. I will love you forever. Forever. Für immer. Man wirft mit diesen Worten viel zu häufig um sich. Was ist schon forever? Nichts. Man kann nie wissen was kommt. Aber du bist weg. Seit Stunden, Sekunden, Tagen. Ich stehe hier am Straßenrand, der Regen tanzt vor meinen Augen und du bist weg.

Was bleibt, ist dieser Regentropfen. Mein Regentropfen. Du bist mein Regentropfen. Für immer, okay?

Entstanden aus 8 [Worte // Words]

Erase You.

I’m fine without you. Would you erase me? Do I know you?

Es könnte so einfach sein. Würde mir nur ein kurzes Lächeln kosten und alles wäre wieder. Wäre so, wie es war, als du noch nicht da warst. Wäre so, als wärst du nie hier gewesen und nie gegangen. Es könnte so einfach sein. Alles in meinem Kopf, was mich mit dir verbindet, würde gelöscht werden. Dich hätte es nie gegeben, und ich müsste nicht immer nach Worten ringen, wenn ich vor einem deiner Bilder stehe, wenn ich deinen Antlitz sehe, dein Lächeln, dein Gesicht. Du, der du mich für eineinhalb Jahren zum glücklichsten Onkel der Welt gemacht hast. Du, der nach eineinhalb Jahren den wohl traurigsten Onkel zurückgelassen hast. Es könnte so einfach sein.

Einfach die Erinnerung löschen. Die wunderschönen ebenso wie die omnipräsenten beschissenen Erinnerungen. An die Totenhalle, an das Begräbnis, an den Zusammenbruch in der Kirche. An die Tränen und den Schmerz. Dieser Schmerz, der immer noch anhält. Manchmal schlimm ist, manchmal viel schlimmer als er jemals war. Wenn ich dich aus meinem Kopf löschen könnte, wäre mein Leben um einiges leichter. Nicht immer in Gedanken an diesen einen Neffen, der den Sonnenschein zurück in die Familie brachte. Der mit seinem Lächeln Schmerzen linderte, und durch seinen Abschied nun täglich neue Schmerzen verursacht. Ich würde zwar all die einzigartigen Momente, als ich dich in den Schlaf sang, und du an meiner Schulter Tränen verlorst, all das würde ich verlieren. Aber jetzt überwiegt der Schmerz.

Doch ich könnte dich nicht löschen lassen. Dich, aus meiner Erinnerung. Denn du bist doch nicht nur in meinem Kopf, in meinem Gehirn, in meinem Gedächtnis. Den größten Platz hast du wohl in meinem Herzen. Und da kann man nichts löschen. Menschen, die mich durchs Leben begleiteten, ob nun beinahe zwanzig, oder fünf oder eineinhalb Jahre. Sie sind nicht weg, wenn sie aus dem Leben sind. Sie bekommen einen Speicherplatz in meinem Herzen. Und wenn all meine Erinnerung an dich gelöscht worden wäre, würde mir mein Herz immer mal wieder einen Stich geben, um mir zu zeigen, dass noch etwas von dir da ist.

Du kannst nicht einfach verschwinden. Bist zwar viel zu schnell aus dem Diesseits verschwunden. Aber du bist immer noch da. Wenn meine Mutter weint, die großartigste Großmutter, die ich jemals gesehen habe. Wenn dein Großvater sprachlos und in Tränen an deinem Grab steht. Wenn unsere Familie am Tisch sitzt und die Sprachlosigkeit überwiegt. Wenn meine Mutter Bilder von dir aufhängt, im Wohnzimmer, in der Küche. Du bist omnipräsent und erschwerst mir jeden einzelnen Tag.

Die Zeit heilt alle Wunder
schon nach wenigen Jahren
nur noch Narben da, wo Wunder waren.

Wir sind Helden – Die Zeit heilt alle Wunder

Du warst das Wunder und das hier jetzt, das sind die Narben. Du hast sie hinterlassen, an meinem ganzen Körper. Ich habe mich verändert, als du da warst und als du gegangen bist. Bin über mich hinausgewachsen, als ich in der Kirche Worte für dich verlas. Glaubte, einen Weg gefunden zu haben. Aber der Weg ist holprig und verschlungen. Vielleicht auch nur ein Kreisverkehr. Immer wieder an diesen Punkt kommen, und weitergehen. Weil stehen bleiben nicht gilt. Du bist weg, ich bin hier. Möchte da sein, doch es tut weh. Jeden Tag wieder, wenn Bilder von dir meinen Weg versperren. Wenn ich den Kopf wegdrehe, um dich nicht ansehen zu müssen. Ich hasse diese Momente und meide die Plätze, wo ich deine Bilder finden kann. Du bist noch viel zu präsent, um mit dir abschließen zu können.

Und wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.

Antoine de Saint-Exupéry

Eben. Wenn ich mich getröstet habe. Das dauert noch.

Schlagzeilen.

Die Zeitung wird verziert von den Schlagzeilen des Tages. Ich will gar nicht erst zu lesen beginnen.

Viel zu viel Schlimmes passiert hier. Tag für Tag. Die Bilder erschrecken mich, die Geschichten spornen meine Gedanken an. Ängste werden geschürt und Erwartungen vernichtet. Es hat keinen Sinn, die Zeitung aufzuschlagen. Sie zerstört den Tag schon am Morgen. Ich könnte mir einreden, dass dies alles mich nicht betrifft. Ich kenne diese Menschen nicht, die um sich schießen, die bei einem Autounfall sterben, die zu Tode geprügelt werden. Und trotzdem durchstößt mich manchmal eine kleine, feine Gänsehaut. Gefolgt von minutenlanger Sprachlosigkeit.

Einzelschicksale. Jährlich sterben Hunderttausende von Menschen. Was sind dann diese zehn oder zwanzig, über deren Todesfälle ich in der Zeitung lese. Einzelschicksale. Mehr nicht. Aber jeder wäre ein Einzelschicksal. Es gibt Menschen, die um sie trauern, Menschen, die nicht verstehen können und es auch nicht wollen. Ich selbst war Angehöriger eines Einzelschicksals. Das hat mich vielleicht weich gemacht. Sensibler. Weinerlicher. Einzelschicksale machen betroffen.

Die Zeitungen und Magazine machen das, was den US-Medien nach 9-11 vorgeworfen wurde. Sie schüren Angst. Angst udn Rezessionsgedanken. Der lethargische Max Mustermann sitzt in seiner kläglichen Vier-Zimmer-Wohnung, blättert seine Zeitschrift durch, beginnt die Politik, die Wirtschaft und sowieso alle Menschen zu hassen. Und findet alles scheiße. Wenn man dann fragt, warum das so ist, bekommt man nur die eine Antwort. Schau doch mal in die Zeitung. Es ist wirklich alles scheiße.

Doch sie informieren. Sie erklären einem die aktuelle Welt, erklären einem Dinge, die sowieso niemanden interessieren. Sie sind die Bildung der kleinen, interessierten Leute. Doch viele vergessen, dass sie eigentlich schon vorher eine Meinung zu gewissen Themen haben sollten. Ich lese sie. Lese Zeitungen. So plump ihre Schlagzeilen manchmal sind. Ich werde von ihnen bewegt. In irgendeiner Art und Weise. Und gerade das liebe ich an Texten. Wenn sie Emotionen hervorrufen. Ob nun Sprachlosigkeit, Freude oder eine Gänsehaut.

Freundschaft.

Als du mir die Hand reichst, verstehe ich erst, was du meintest.

Gerade wollte ich abheben. Zu neuen Höhenflügen und hinauf in meine Traumfabrik. Wollte mich dort niederlassen und die Zeit genießen. Mit einem der unglaublichsten und schönsten Gefühle hätte ich in den Tag hinein gelebt. Hätte das Leben bedingungslos geliebt und jedem vorübergehenden Menschen ein Lächeln geschenkt. Hätte meine Wärme mit allen geteilt und wäre einfach nur froh, ein solches Leben zu führen.

Wenige Sekunden, bevor ich abheben wollte, kam dann der Rückschlag. Ein Stoß, hinab. Ich fiel hart. Konnte die Landung nicht kontrollieren und war für den kurzen Moment einer Minute bewusstlos. Vollkommen bewegungs- und sprachlos. Und ich blieb liegen. Begann nachzudenken. Warum war ich alleine. Warum stand niemand um mich herum, um mich aufzufangen. Um mir wieder Halt zu geben. Es war niemand da. Ich habe es vermieden. Wollte allein sein in meiner Traumwelt. Wollte niemanden so offensichtlich zeigen, wo mein Weg mich hinführt.

Plötzlich stehst du vor mir. Du, die in mir den Wunsch entstehen ließ, abzuheben. Du, die mir unbeabsichtigt einen Gefühlschaos und Gedankenballast beschert hast.  Du, die ich schon jahrelang kenne. Du reichst mir deine Hand, hilfst mir beim Aufstehen. Und plötzlich beginne ich zu verstehen. Beim Fallen wollte ich nur von dieser einen Person, von dem Wunderwesen, aufgefangen werden. Ich hätte gar nicht zugelassen, dass Freunde mir helfen. Ich wollte den Aufschlag spüren. Aber jetzt, am Boden, hilfst du mir. Hilfst mir auf, und zeigst mir, wie wunderbar die Liebe der Freundschaft ist.

Als ich wieder auf den Beinen bin, danke ich dir. Auch du bist froh, dass ich mich wieder habe aufrappeln können. Und in der anschließenden Umarmung spüre ich die Wärme und die Fürsorge, das Vertrauen und dieses unglaubliche Gefühl. Einzigartig durch und durch. Freundschaft nennt man sowas.

While We Wait.

Während wie warten, zerbricht die Welt in zwei Teile. Eins für mich und eines für dich.

Die kalte Brise zieht an uns vorbei, die Sonne kommt, der Regen geht. Während wir warten, hält zwei, drei Mal der Bus. Er glaubt, wir wollen einsteigen, öffnet die Türen, schließt sie wieder und wirft uns wütende Blicke nach. Wir wollen hier nicht weg, sind wir doch erst Stunden zuvor hier angekommen. Wir packen uns ein, in Decken und schützen uns mit Büchern. Wir sind hier und niemand soll uns jemals sehen. Wir sollten hier gar nicht sein, sollten uns nicht sehen. Du solltest dein Leben führen, und ich das meine. Doch wir kommen immer wieder zusammen. Für diesen einen kurzen Moment, an dem die Welt uns gehört, und wir Gott sind. Wo wir bestimmen, was wir sind. Und das bestimmen, wo wir sind.

Während wir warten wird es Abend, wird es Nacht. Minuten vergehen und das Leben um uns herum zieht vorbei. Wie Nomaden wandern die Menschen von einem Punkt ihres Terminkalenders zum anderen. Irgendwann mal umblättern und den Weg fortsetzen. Wir können nur lachen, über die Menschheit, der wir ebenso angehören. Doch wir sind Wesen am Zenit der Zeit. Zauberwesen in geheimnisvoller Mission. Wir könnten die Welt verändern und wollen es doch nicht. Sitzen hier und warten. Warten auf den Mond und die Finsternis und den Himmel und das Meer.

Du hältst die Luft an. Schließt die Augen und lauscht. Lauscht dem Lärm und kommst zur Stille. Jedes Geräusch erscheint dir wie ein Steinchen, das in ein stilles Gewässer plumst. Es zieht immer größere Kreise und schwappt irgendwann über. Ich versuche es dir gleich zu tun. Doch ich habe nicht die Kraft dazu, nicht die Macht. Während wir warten, überschlägt sich die Welt zwei oder drei Mal. Landet das eine oder andere Mal am Rücken. Richtet sich wieder auf. Die Welt zieht an uns vorbei und wir warten. Warten auf das Ende und den Anfang, das Schließen und das Öffnen der Augen.

Vielleicht warten wir schon zu lange. Doch es ist nicht mehr. Die Welt ist anders und sie bricht. Halbe-Halbe könnte man sagen. Ein Teil für dich und eines für mich. Und als ich aufzustehen versuche, merke ich, dass du bleibst. Du beobachtest sie weiter. Erzeugst die Stille und versuchst zu leben. Doch ist das wirklich Leben? Ich will davonziehen und erleben. Will nicht auf das Meer und die Finsternis und den Mond warten. Ich will ein Teil von ihnen werden. Will dabei sein. Doch verlieren will ich dich auch nicht. Wir werden sehen. Wir werden es sehen, während wir warten.

Angst.

Wenn sie am Größten ist, bin ich viel zu klein.

Sie meldet sich nicht oft an. Steht vor mir und überrascht mich jedes Mal wieder. Manchmal tut es mir weh, wenn ich ihr ins Gesicht blicke. Manchmal schlägt sie auch einfach nur zu. Die Angst, die eigentlich immer da ist. Eine unsichtbare Anwesenheit, und nur ganz selten nimmt sie Gestalt an. Manchmal bleibt sie auch, für einige Zeit. Nistet sich hier ein, macht es sich gemütlich.

Was sind meine Ängste? Seit einem Vorfall mit sieben oder acht Jahren habe ich Angst vor großen Hunden. Nein, vor bellenden Hunden. Vor Hunden allgemein, von denen ich zuallererst die Zähne sehe, bevor ich irgendetwas anderes zu Gesicht bekomme. Ich habe Angst vor Schlangen und Ratten. Angst, in der Badewanne einzuschlafen und zu ertrinken. Angst vor Terminverplanung. Vor der Dunkelheit und vor engen, von außen versperrten Räumen. Angst in der Höhe und Angst von einer Walnuß am Kopf getroffen zu werden.

Habe Angst, taub zu werden. Um nie mehr die Musik hören zu können. Angst davor, blind zu werden. Um nie mehr ein geliebtes Gesicht sehen zu können. Habe Angst vor Krebs und Angst vor dem Tod. Vor meinem eigenen noch am wenigsten. Viel mehr Angst vor dem Tod von Freunden. Auch die Familie zählt dazu. Habe Angst vor Enttäuschung und der Realität, die manchmal durchschlägt. Habe Angst, nie geliebt zu werden und nicht lieben zu können. Aber meine größte Angst ist viel schlimmer. Sie ist fast immer da, und macht auch keine Anstalten, wegzugehen.

Das Alleinsein. Das ist meine größte Angst. Ich habe Angst davor, für immer alleine aufzuwachen und niemanden mehr zu sehen. Keinen Menschen, den ich lieb gewonnen habe und kein Wesen. Als wäre das Leben sinnlos. Als hätte ich nie geliebt und wäre nie geliebt worden. Es wäre der komplette Neuanfang und doch wäre es ohne Sinn. Es ist die Angst des Versagens auf allerhöchster Ebene. Schmerzhaft und erdrückend. Alleine zu sein, wo man die Nähe und die Zuneigung von Menschen und anderen Wesen braucht, ist, als hätte irgendjemand einem das Herz herausgerissen.

Ich fürchte mich vor so vielem. Und doch ist die Angst zu Versagen allgegenwärtig. Was, wenn mein ganzes Leben is based on a lie. Wenn meine Träume Schäume sind und doch nie wahr werden. Und vielleicht ist genau das etwas, was mich anspornt. Um zu zeigen, dass Ängste unwichtig sind. Wie Kierkegaard so schön sagte: Angst ist der Schwindel der Freiheit. Sie einzuschränken um nie in irgendwelche angsterzeugenden Situationen zu kommen, wäre vollkommen falsch. Sie gehören zum Leben. Warum sollte ich davor flüchten. Sie tun zwar manchmal weh. Aber das gehört dazu.

Link 1: Burning Photographs. Angst.
Link 2: Tell Me A Poem. Angst.
Link 3: Movies of Myself. Angst. Ersatzlink zu YouTube

Paranoid Android.

Die Stimme verliert ihre Kraft. Das Gehirn läuft über.

„Hörst du es? Hörst es du?“ Ich nicke.

Wo wir sind, fragst du mich. Ich weiß es nicht. Es ist egal. Wen interessiert das schon. Lass es. Hör auf zu fragen. Damit hältst du alles auf. Den Lauf der Dinge, und die Veränderung. Wenn du nur die Augen schließt, und deinen Mund hältst, wird es bald passieren. Einfach nur Abstand schaffen, von aller Angst und all den Sorgen. Schließe die Augen und versuche, keine Sinneswahrnehmung mehr zu vernehmen. Keinen Geruch, kein Geräusch. Nichts mehr zu fühlen und nichts mehr zu schmecken. Sodass du tot zu sein scheinst. Es hätte keinen Sinn, so weiter zu leben. Und nach und nach würdest du lernen, auf Gefühle zu verzichten. Würdest eine Freude mehr spüren und keine Angst. Keine Liebe mehr und auch kein Schmerz. Alles wäre leer. Und so würdest du bleiben, für Tage, vielleicht auch Wochen.

Und irgendwann würde ich dich zurückholen. Und du würdest bei Ground Zero wieder anfangen. Vor den Trümmern deiner Vergangenheit. Und du würdest dir wieder bewusst werden. Würdest spüren, was nicht mehr abzustreiten ist. Du würdest alles zulassen. Deine Gefühle hätten eine andere Schlagkraft, deine Sinne wären um einiges stärker.

Und dann wirst du froh sein, mitgekommen zu sein.

Wart Mal.

Sag mir wo.

Mein ganz eigenes Universum baut sich gerade auf. Rund um mich herum reden sie, sprechen Seifenblasen. Ihre eigene Wichtigkeit lässt sie zerplatzen. Ich vergrabe mich in meinem Pullover, mir ist kalt. Etwas verkühlt bin ich, nicht ganz gesund. Das leichte Schwindelgefühl lässt meine Gedanken vom einen Ende des Kopfes zum anderen wandern. Mein Universum. Vollgepackt mit Musik, und Kaffee. Stelle mir vor, ich wär ganz woanders. Wäre am Ende der Welt. Auf einer Insel, mit türkisblauem Meer. In einer Hängematte. Jack Johnson neben mir. Und ich genieße das Leben und die Welt. Es geht mir gut.

Willkommen, Tagtraum. Gehst mir nicht mehr aus dem Kopf, mein Lieber. Bleibst und besetzt. Bitte warten. Hold the line. However. Die Nacht war kurz, die Zugfahrt lange. Fast geweint, wegen meiner Lektüre. Warum muss ich auch so etwas lesen. Warum begebe ich mich in dieses Schloss aus all den Erzählungen. Das gegen Ende des Buches zusammenzubrechen scheint. Ich breche auch zusammen. Warte bis die Sonne weg ist und der Regen wieder kommt. Ich hasse Regen. Hasse … ich will nicht darüber sprechen. Ich hasse ihn nicht. Ich hasse es zu hassen. Ich fühle mich wohl.

Irgendwann werde ich ganz weit weg sein. Für eine Woche, oder ein Jahr oder den Rest meines Lebens. Werde eine andere Welt betreten. Drücken. Nicht ziehen. Langsam komme ich mir vor. Komme mir vor, als wäre ich verwirrt. Könnte keinen klaren Gedanken fassen, weil die Welt gerade einfach so sonnig ist. So warm und belebend. Als würde ich Kraft tanken, durch den Blick aus dem Fenster. Kraft tanken, durch das Schließen der Augen. Ich bin etwas verwirrt. Aber es ist schön.

Der Rollkragenpullover kämpft sich über den leicht entzündeten Hals. Reger Verkehr hier bei uns. Ich schließe die Augen. Sehe zum Fenster raus. Da ist es wieder. Das ist es, auf das ich gewartet hat. Alles wird gut.