We are nowhere and it’s now.

Everything must belong somewhere :: Der Sand unter meinen Fußen gibt nach. Die Wellen brechen und langsam schreite ich fort. Den kilometerlangen Strand wandere ich ab, in Gedanken verloren. Wo ist sie nun, die Miss Sunshine, die Königin meiner Welt. Wie kalt es doch ist, jetzt, am frühen Abend. Selbst hier, am Meer, verschwindet die Wärme, die Geborgenheit der Natur unglaublich schnell. Das Meer ist einer dieser Plätze, an denen einem alle Gedanken unterkommen. Man kann nicht verhindern, mit all seinen Fehlern und seinen Träumen, mit seinen Gefühlen und seinem Leben konfrontiert zu werden.

Don’t know when, but a day is gonna come :: Jeder Schritt. Die Musik verfolgt mich, ich bewege meine Lippen und versuche, die Worte hervorzupressen. Wie immer kommt nichts, zu voll ist mein Kopf. Ich sollte genießen, sollte mit beiden Beinen im jetzt stehen und sich nicht in die Vergangenheit zurückwünschen.

Oh, you are the roots that sleep beneath my feet and hold the earth in place :: Einfach nur mal kurz festhalten. Mich umarmen und einfach mal wieder auf Kettcar hören: Noch ein Stück geradeaus und die Straße hinunter, alles ist so vertraut, alles ist hier so friedlich. Es hat sich nicht viel verändert, nur der Wagen vor dem Haus und die Tür steht weit offen, als wäre jemand kurz aus. Als wäre jemand gegangen und käme gleich zurück, nimmt dich in den Arm und kümmert sich um dich. Sagt, mach dir keine Sorgen, du bist nicht allein und deckt dich zu mir den Worten: Ich werde bei dir sein.

Fotos: sican (flickr)

Ich lebe so glückliche Tage.

In Gedanken noch bei ihr und doch des Weges forangeschritten. Die Sonne lächelt mit jedem einzigen Strahl, der es wagt mich wach zu kitzeln. Die Stille des Morgen verkommt unentwegt zu der einen, meiner eigenen Stimme. Jeder Augenschlag, jedes Öffnen und Erblicken der Welt in diesem Schein. Es vermag kaum jemand meine Gefühle zu verstehen. Und doch stimmt es mich traurig, wenn ich nur selten ihren Antlitz unter all den Abertausend anderen heraus erkenne. Wo sind sie nur hingeschritten, all die Tage der Freiheit, die Tage des Lebens. Verloren sind sie und niemand würde es schaffen, mich noch einmal mit all dem Glück zu überschütten.

Der Traum der letzten Nacht. Er lebt den Tag hindurch in meinem Kopf, lässt nicht ruhen oder gibt mir Antwort auf all die Fragen, die quälend meinen Kopf zermalmen. Niemals zuvor wagt‘ ich mein Haupt zu heben, um zu blicken in der Sonne brennendes Gesicht. Wie grün doch die Felder vor mir liegen, so saftig und so ruhig. Kein Wind bläst um mich herum und man könne glauben, dass man in mir den glücklichsten Menschen wiederfinden könne.

Doch wo vermag man denn die dunklen Seiten des Lebens zu verspüren. Wohl kaum in den wundervollen Fragmenten dieser Erde. Der Schmerz lebt nur in der einen, in meiner Brust. Und die größte Aufgabe wurde mir gestellt, kein Leiden hier zu zeigen. Doch ich bin noch der Allerhöchste, der Heilige, bin nicht Gott. Ich behielt‘ mir bei, ein Mensch zu bleiben. Nur so, das schien gewiss, könnt‘ ich den Traum der Liebe fortleben, verspüren dies Gefühl des Unbeschreiblichen. Und ich wär‘ ein Narr gewesen, hätt‘ ich auf dies verzichtet. Verzichtet, nur um göttlich zu wirken.

Drum lass‘ ich mich nieder, schließ‘ meine Augen. Der Duft des nahenden Regens wagte die Flucht in meine Nas‘ und ich blickte nur kurz auf, um ein freundlich‘ Gesicht zu machen. Und manch einer, so unbekannt er mir auch schien, schenkte das, was er zu geben bereit war. Ein Lächeln, voll tiefer Ehrlichkeit. Und nie zuvor verliebt‘ ich mich so in das Leben.

Ein Versuch. Nachdem ich wieder einige Zeit in einem meiner Lieblingsbücher, Goethes Die Leiden des jungen Werther gelesen hatte. Und auch diesmal wieder vollkommen fiktional.

Weil a bissal Glick fia di nu laung ned reicht.

Dei Lochn. I hob’s nu imma in Erinnerung. So unvagesslich und so einzigartig. Wia soi des netta weidageh. Jetzt, noch so fü Tog und so fü Wochn. I wü di ned vagessn. Oba i schoffs a koan Tog, wie i ned zehn oder zwanzg Moi an di denk. Egal wo i hischau, ois erinnert ma an di. Wie soid i do nur irgendwia fertigwern mit oi dem Schmerz und oi de Gedaunken.

Aufoamoi warst du weg und mein Wunsch, di nuamoi zu seng, bereu i beinahe jeden Tog. Wia du do dortgleng bist, so koid, so zart. Dei Haut so sanft, dei Körpa so tot. Nia werd i des Büd vagessn, nia wieda werd i an di denka kinna, ohne a des letzte Büdl mit dia zu seng. Des geht nimma weg und es duat weh. So vadaumt weh, wia si des nur gaunz wenige vorstön kinnan.

Wei a bissal Glick fia di nu laung ned reicht. I wünsch da, dass da guad geht. Wünsch ma, dasd amoi lochst, nur fia mi. I wünsch ma, dass i di irgendwaun wieda moi gspia. Dei Wärm und deine wundaschen Aung seng kau. I wünsch da nua des Beste, und hoff, dass uns, de do bleim haum miasn, dass irgendwaun a uns wieda guad geht. Oba wos sog i, es wiad nia wieda so sei, wia’s scho amoi woa. Nia wieda wird mei Mama so wunschlos glückli sei, so befreit lochn, wias sis mit dia dau hot. Nia wieda wiad mei Papa a so großartiga Großvota sei und nia wiada wird dei Mama a gaunz a normales, glückliches Lem führn. Und i werd woi a jeden Tog an di denka.

Fia di reicht ka bissal Glick. Du soist ois Glick da Wöd erfahrn. Dia sois so guad geh, jiatzt, wo du weg bist, und i oiwei glaubt hob, i kau di vor oim Schlimmn beschützen. I hos ned kinna. Und dafür schenk‘ i da mei Herz, und meine Gedaunkn. I schenk da oi mei Liebe und an Kuss schick i da a. Du warst a außagewöhnlicha Mensch und i kau nua oiwei jeden Text üba di mit de Worte beendn: I lieb‘ di. Fia imma. Und i gfrei mi scho drauf, wenn ma uns endli wiedasehn.

Lost Message.

Mit ihren Lippen liebkost sie seinen Körper. Es ist still, nur manchmal hört man seine Stimme. Die wenigen Worte. Die Zeit steht, für einen kurzen Moment. Und nichts, rein gar nichts, verliert sich in diesen Sekunden. Man bleibt und bewegt sich keinen Zentimeter. Es ist, als wären sie zum ersten Mal verliebt, Tag für Tag. Minute für Minute. Nur viel intensiver.

Die Nacht durchlebt die schlimmste Dunkelheit seit Tagen. Die beiden Körper schlafen nebeneinander ein, die zwei Liebenden, Haut an Haut. Das Atmen übernimmt die Geräuschkulisse und mit dem letzten Schließen der Augen beginnt der Rausch der Nacht.

Als er am nächsten Tag seine Augen wieder öffnet, die Hand um ihren Bauch gelegt. Es ist alles so ruhig, so sanft. So rein, und unaufhaltsam. Niemand würde ihm glauben, wenn er versuchen würde, diese Gefühle in Worte zu fassen. Nichts ist schöner und nichts beruhigender, als neben dem geliebten Menschen aufzuwachen. Den Atem zu hören und den Duft von nackter Haut zu inhalieren. Stundenlang könnte er sie noch beobachten, wie sich langsam ihre Brust hebt und senkt. Mit einer sanften Geste streicht er ihr eine Sträne aus dem Gesicht.

Erschrocken öffnet sie die Augen. Doch schnell beruhigt sich ihr Herz. Sie wendet sich ihm zu. Schmiegt sich an seinen Körper. Gibt ihm einen Kuss auf den Hals und schläft wieder ein. Wie vieles wollte er ihr in diesem Moment versprechen. Wie viele Komplimente machen. In diesem Moment war er einfach nur glücklich. Streichelt ihr über den Arm und schläft wieder ein.

Liebe, Fantasie und Träume

All I Need. Das ganze Zimmer und die Welt am anderen Ende der Fenster sind dunkel. Finster, rabenschwarz. Nur dieser Bildschirm hier leuchtet und strahlt von meinem Bett aus. Die Nacht heute ist so verdammt still, nicht einmal das Zirpen gelangweilter Grillen oder der hektische Flügelschlag hyperaktiver Nachtfalter. Einfach nichts. Nur die Musik von Air und das Tippen der Tastatur. Ich, alleine in diesem, für eine Person doch verdammt großen, Bett. Und beinahe jede Nacht, kurz vor dem Einschlafen ereilt mich das Gefühl der Einsamkeit. Die Nacht wieder einmal alleine zu verbringen.

Was mir fehlt sind die Schmetterlinge. Das Kribbeln im Bauch, die Tagträume und das ständige Lachen auf meinem Gesicht. Mir fehlt die Zärtlichkeit, und die Liebkosung mit Worten und das Hauchen von Worten in mein Ohr, die Gänsehaut. Mir fehlt das gemeinsame Einschlafen, nackter Körper an nacktem Körper. Mir fehlen die stundenlangen, tiefsinnigen Gespräche und der zweite Teil des Wortes „wir“. Doch Schmetterlinge kann man nicht heraufbeschwören, und ist man nicht auf der Suche nach Nachtfaltern, kann es einige Zeit dauern, bis man den Nächsten erblickt. Und da hilft kein Warten und kein Hoffen und kein Suchen. Manchmal muss man die Einsamkeit eben akzeptieren.

Und so liege ich hier, mit verkrampfen Händen, waagrecht. Hier, und Air singt vom Cherry Blossom Girl und ich meine beinahe so ein Mädchen zu verdienen. Eine junge Frau, zu der genau dieses Lied passt, auf welches es zugeschneidert ist. Und irgendwie baue ich mir eine Welt mit Air auf. Amour, Imagination et Rêve. Liebe, Fantasie und Träume.

Once upon a time /at/ on hell of a party /I was looking for a/ new star in the sky. /I/ remember /the/ photograph /of the/ redhead girl /, that awful fucking/ napalm love. /And/ all i need ce matin la, Another day, somewhere between waking and sleeping /I/ run. /Looking for that wonderufl/ cherry bossom girl, /But the only thing I got, was a/ lost message. /Someone wrote four words:/ Amour, Imagination et rêve.

Die Nacht ist kühl und immer noch so verdammt dunkel. Eine Portion Schlaf bitte. Und Schmetterlinge. Extra verrechnen? Schon gut, machen sie sich nicht ins Hemd. Geht schon klar. Ich bezahle sowieso erst später. Okay?

Millions of answers for never asked questions.

„Was tust du denn hier?“, fragte sie mich, die Hände in einem Geschirrtuch abwischend, die Tür gegen die eigene Schulter gelehnt, die Stirn leicht verschwitzt. ‚Ich hätte also doch anrufen sollen.‘, denke ich mir und um den Moment nicht noch peinlicher werden zu lassen, würde ich jetzt am liebsten gehen. Oder einen Rewind-Button suchen, und dann hätte ich mich selbst daran gehindert, anzuläuten. Doch jetzt stehen wir hier. Wir beide, lange haben wir uns nicht mehr-. „Hallo?“

Oh, ja. Antworten muss ich jetzt. „Was tust du denn hier?“, wiederholt sie, nun schon in etwas besorgterem Ton. „Ääää. Ähm. Also. Ich wollte nur mal Hallo sagen.“ Komm, los. Nimm meinen Kopf und schlage ihn bitte mit voller Wucht gegen die Tür. Das wäre zumindest die perfekte Reaktion auf dieses absolut dummen Satz. „Ach.“ – „Nein, also. Hm.“, ich muss mich erst wieder richtig sammeln. Was ist nur los mit mir, heute? „Ja, du … ich war in der Nähe und dachte, ich könnte ja mal vorbeisehen. Dich besuchen oder so.“ Puh: Zwei Sätze in Folge. „Stör‘ ich gerade?“

Und obwohl ich es genau weiß, dass sie lügt, akzeptiere ich ihr Nein. „Komm rein. Ich habe nur noch nicht aufgeräumt.“ Den Satz mit ‚Aber was hast du denn? Im Gegensatz zu meinem Zimmer ist das doch perfektestens aufgeräumt.‘ erspare ich mir. Das ist doch nur ’ne dumme Floskel. Ich ziehe mir tranceartig die Schuhe aus, hänge die dünne Sommerjacke an die Garderobe. Sie hat sich kaum verändert. Älter ist sie geworden. Ich folge ihr in die Küche.

„Kaffee?“ – „Mhm.“ Und schon beginnt die Maschine zu brodeln und zu pfffzen. Nach einer kurzen Stille, beinahe etwas beunruhigend, die nächste Frage. „So wie immer?“ Und ohne daran zu denken, dass es schon Monate aus ist, als wir zum letzten Mal gemeinsam Kaffee tranken, bejahte ich. Diese zwei Stück Zucker würde ich wohl auch verkraften. Und irgendwann sitzen wir uns gegenüber. Ihr Lächeln ist noch das Gleiche. Und obwohl ich sie bei irgendetwas gestört habe, scheint auch sie etwas froh zu sein, mich zu sehen.

„Na, wie gehts?“, beginne nun ich einmal die Konversation. „Gut.“, meint sie nur, doch dann beginnt sie zu erzählen. Und ich höre zu. So wie früher eben. Nur, dass irgendwann auch ich zu reden beginne und wir schlussendlich nach Stunden und einigen Kaffees alles wissen. Alles, vielleicht sogar zuviel. Und irgendwann, es ist schon dunkel, kurz vor Mitternacht, ergreife ich die Flucht. Bedanke mich, stelle die Tasse in das Spülbecken und wir beide, sie und ich, gehen zur Tür. Als sie mir dann den letzten Satz hinterher wirft, zaubert sie mir ein kleines Lächeln aufs Gesicht. „Komm ruhig mal wieder vorbei, wenn du mal kurz ‚Hallo‘ sagen willst.“

The Riddle. Solved.

Da wurde aber auch mächtig gemutmaßt. Und was soll ich sagen. Nach einer siebzehnminutigen Interviewerei gestern und einer elfminütigen Abänderung wird meine Telefonrechnung diesen Monat jene vom letzten defintiv übersteigen. Und ich denke, jetzt ist es an der Zeit, euch das große Rätsel aufzulösen.

Die ersten Gedanken von Luca und René und der Gedankenblitz während einer Toilettensitzung von Lucy hatten Recht. Ich komme in die NEON. Ich und Neon. Was und wieso und weshalb und warum. Die wirklich wunderbar nette Redakteurin Annabel Dillig arbeitet für eine der nächsten Ausgaben an einer Reportage. Das Thema könnte man mit „Wenn aus Liebe Abhängigkeit wird“ beschreiben. Ich weiß noch gar nicht, wie viel ich verraten darf, aber nun gut.

Sie wurde auf mich, einen alteingesessenen NEON.de-User aufmerksam durch einen Text, den ich im April 2007 geschrieben habe. Ohne großen Hintergedanken muss ich zugeben. Ein minimal literarischer Liebestext, vollkommen autobiografisch. Hier kann man ihn auf NEON nachlesen, und hier in meinem Blog. Zugegeben, jetzt, nach so langer Zeit war es unglaublich interessant, ihn wieder zu lesen. Und da der Text so wunderbar zur Reportage passte, kontaktierte sie mich.

Gestern eben das Interview, welches für mich, so gesehen, als erstes Interview, wo es um meine Person ging, ever, wunderbar unproblematisch war. Annabel war freundlich und ich mit meinem oberösterreichischen Dialekt manchmal wunderbar unverständlich. Aber schließlich wurde alles aufgeschrieben. Nach einer Abänderung heute Nachmittag ist der Text fertig und wandert ins Layout. Das wars also schon, werdet ihr jetzt fragen.

Beinahe. Denn Annabel gibt meine Telefonnummer auch noch an die Foto-Redaktion weiter. Und die werden mich demnächst besuchen (ist ja kein so großer Weg von München zu mir). Also kommt auch ein Bild rein. Von mir. Von mir zuhause. Oder so. Ach, da muss ich noch mein Zimmer aufräumen. Oder … ach.

Naja, die NEON hat in Deutschland eine Auflage von über 200.000 Exemplaren. Ich werde mich höchstwahrscheinlich in der September-Ausgabe befinden (erscheint Mitte August), und bin schon mal selbst gespannt, wie es sein wird. Und wenn ihr euch das nun alle kauft, vielleicht bemerken sie dann, dass sie mich öfter in die Zeitung reinbringen müssen. Wobei …

Ich kann jetzt ganz ungeniert sagen, dass dies mein größter Erfolg in Medien bisher ist. Ich las bei einer Lesung meine Texte und bekam Anerkennung. Ich wurde in Tageszeitungen veröffentlicht und bekam Anerkennung. Aber die NEON. Das ist einfach sowas von bombastisch. Ein so großes Medientier hatte ich noch nie zuhause im Streichelzoo. Mein großer Durchbruch also? Als was. Ne. Nur ein wunderbares Ereignis. Ein schönes Geschenk für den schüchternen Egozentriker.

Und gerade der erste Satz in der ersten Nachricht von Annabel –

Gerade habe ich deinen Text „Führe mich sanft“ gelesen, den du 2007 auf NEON.de veröffentlicht hat. Er hat mich sehr bewegt!

– spornt mich wieder an. Am Buchprojekt weiterzuarbeiten und wieder vermehrt minimal literarisch zu schreiben. Denn das ist ja mein Ziel. Zu bewegen, in welche Richtung auch immer.

Eine Information, wann ich wo, wie zu finden bin, erhält ihr kurz vor Beginn der jeweiligen Ausgabe. Und so. Das wars. Pah. Überraschung! Hm.

Lebendig bleiben.

Manche wissen schon, wie sehr ich der düsteren Literatur des Michel Houellebecq verfallen bin. Seit mehr als einem Jahr lese ich ein Buch nach dem anderen, bin beeindruckt und geschockt. Und liebe jedes einzelne Buch. Sein kurzes Büchlein über die Dichtung hat mir zu denken gegeben. Gerade nach dem Tod meines Neffen und all meinen Erlebnissen.

Die Welt ist entfaltetes Leid. An ihrem Ursprungsteht ein Knoten aus Leid. Alle Existenz ist eine Ausdehnung und ein Zermalmen. Alle Dinge leiden, bis sie sind. Das Nichts erhebt vor Schmerz, bis das Sein erlangt: in einer furchtbaren Krise.

Die Wesen werden immer verschiedenartiger und komplexer, ohne etwas von ihrer ursprünglichen Art zu verlieren. Ab einem bestimmten Bewusstseinsniveau entsteht der Schrei. Aus ihm leitet sich die Dichtung ab. Und ebenso die artikulierende Sprache.

Die erste dichterische Handlung besteht darin, zum Ursprung zurückzukehren. Mithin: zum Leid.

Die Modalitäten des Leids sind wichtig; wesentlich sind sie nicht. Jedes Leid ist gut; jedes Leid ist nützlich; jedes Leid trägt Früchte; jedes Leid ist ein Universum.

Houellebecq beginnt so sein Buch. Und ich muss ihm nach all den Monaten, nach diesem Jahr einfach nur zustimmen. Erst heute, als ich meiner Mutter von dem bevorstehenden Interview erzählte, und ihr erklärte, warum gerade ich ausgewählt wurde, meinte sie. Dass du deine besten literarischen, deine bewegendsten, deine besten Texte stets in Zeiten der Trauer geschrieben hast. Und ich musste ihr zustimmen. Es war mir selbst aufgefallen, wie heftig leer die erste Woche nach dem Tod meines Neffen war. Und wie ich dann in meinen minimal literarischen Texten aufblühte. Seither, seit diesem Monat voll Geschichten, hatte ich nie mehr diese vollkommene Kreativität, dieses Können, diese Gedanken, diese sprachliche Schiene. Alles entstanden aus Leid.

Houellebecq meint, dass Dichtung, Literatur oder Kunst im Allgemeinen keinen Bestand hätte, wenn das Leid nicht den Künstler umhüllen würde. Eine beinahe heftige Aussage, denn ist es denn richtig, für die Kunst zu leiden. Sich in Situationen des Lebens zu stürzen um Leid empfangen zu können. Wohl kaum. Das Leid kommt und geht. Nach einem Tod. Nach einer Trennung. Denn auch die Trennung, das Ende einer Liebe bedeutet Leid. Man leidet, bemitleidet. Sich selbst vor allem. Aber auch das scheint seine Wirkung zu haben.

Lebendig bleiben. Ein schöner Titel für dieses Buch. Mit dem Ziel, lebendig zu bleiben, verschwende ich die Kunst. Ich lebe und verliere mich in Kreativitätslosigkeit. Manchmal, ein kurzes Aufblitzen, eine beinahe genialer Einfall, ein Geschenk. Und die Worte sammeln sich. Aber viel mehr lebe ich. Lebe in diesem Leben, welches durch Leid erschüttert wurde, doch das Leid nimmt nicht Überhand. Ich habe seit vielen Monaten nicht mehr geweint, wachse an meinen Erlebnissen, an meinem Leben. Jeden Morgen stehe ich mit einem Lächeln, mit Lebensfreude auf. Und hoffe, kein Leid empfangen zu müssen. Das Wichtigste, so scheint es mir, ist es, einfach lebendig zu bleiben.

Schwülheit vs. Sonnenstich.

Während am Mississippi unzählige Dämme brechen und Indonesien von einem Taifun heimgesucht worden ist, liegt hier in Österreich eine unnatürliche Schwülheit in der Luft. Das Thermometer zeigt zwar nur 28 Grad an, doch in dieser Nachmittagssonne sollte man wohl definitiv die direkte Sonneneinstrahlung verhindern. Sonst bekommt man neben einem deftigen Sonnenbrand auch noch einen wahrlich nicht lustigen Sonnenstich dazu.

Ich bin wieder zuhause. Nach dem netten Beisammensein und Grillen bei Elisabeth am Freitag und dem Dancing@2Parties gestern bin ich heute mehr als nur müde. Es sind wohl nur 8 Stunden, die ich seit Freitag geschlafen habe. Aber dafür war es wieder einmal ein erinnerungswürdiges Wochenende. Und alles in allem kann man sagen, dass der Sommer wohl hiermit begonnen hat. Mit Grillen am Lagerfeuer und Parties im Outback. Ein wirklich schönes Erlebnis.

Heute hätte ich ja eigentlich genug Zeit. Um mich auszuschlafen. Aber da meine Mutter übermorgen ihren fünfzigsten Geburtstag feiert, werden heute und wahrscheinlich morgen und auch noch darüber hinaus immer Gratulanten aufkreuzen. Ich, als schweigender Dummie [dammi] weiß von allem, darf aber ihr nichts davon erzählen. Und es ist, zugegeben, eine schwere Aufgabe. Ja, meine Mutter wird fünfzig Jahre alt. Und ich habe erwartungsgemäß keinen blassen Schimmer, was ich ihr denn nun schenken soll. Weiß irgendjemand, was sich fünfzigjährige Frauen wünschen?

Ich habe, trotz der heutigen Müdigkeit, dieses Wochenende so richtig an Energie getankt. Ich bin quietschefröhlich, erfreue mich an allem und möchte einfach nur noch sagen, dass dieser Sommer, laut Prognosen, einer der Coolsten meines bisherigen Lebens werden wird. Sagen wir einfach mal so.

Sommernacht.

Die Nacht ist lau. Wir alle sitzen um dieses Lagerfeuer herum und genießen das Zirpen der Grillen. Weniger als die Hälfte dieser Gruppe ist mir bekannt, nenne ich Freunde. Wir sitzen hier und lauschen dem Mond und den Sternen. Sprechen über Gott und die Welt und über uns. Manchmal kommen auch lustige Erinnerungen hoch, die wir miteinander hatten. Wir alle lernen uns kennen. Mit den einen mache ich zum ersten Mal Bekanntschaft, und mit den anderen baue ich jedes Mal wieder dieses wunderbare Gefühl von Freundschaft auf.

Wir haben es uns nicht anders verdient. Diese Restwärme des schwülen Tages, diese gemütliche Wiese, dieser Platz. Und dieses Treffen. Organisiert von einem von uns. Nur, um ihre Freunde von weit weg zu sich zu holen und ihnen ihre besten Freunde vorzustellen. Wie großartig diese Idee, wie wunderbar die Umsetzung. Fast scheint es so, als wäre selbst das Wetter für diesen Abend, diese Nacht geplant.

Lange Gespräche, ein Witz, ein Lachen. Unmengen an Alkohol, die Wurst, die wir über dem Lagerfeuer grillen. Und von irgendwo weit her die Musik aus dem CD-Player. Die Stille und das ständige Gespräch und das Kennenlernen und das Anfreunden. Die Begegnung und. Ein Kuss. Ein Moment. Und Stille.

Für diesen einen Moment gehört die Welt nur mir allein.