Vielleicht bin ich endlich angekommen.

Foto: jejoenjeM | flickr

Als wir unseren Sommer am See verbrachten, als alles um uns herum nur gespickt mit Trivialitäten war. Als die Liebe so einfach funktionierte, als die Freundschaft ihr verdientes Podest bekam. Als wir sorglos durch die Welt gleiteten und manchmal spät nachts mit dem Moped zu einem verlassenen Parkplatz fuhren, nur um uns auf den Asphalt zu legen und den Sternen ihre Bedeutung zu schenken. Erinnerungen. Die Vergangenheit.

Ich war ein Verfechter der Vergangenheit, hab‘ sie gepriesen und mir tagein, tagaus gewünscht, dass sie endlich wieder zurückkommen soll. Sie hat mir gefehlt, ich habe in ihr geschwelgt, als wäre es das Normalste, Vergangenem nachzutrauern. Als hätte die Gegenwart ihre Daseinsberechtigung verloren und die Zukunft am Besten wie das Leben von damals sein hätte sollen.

Heute stehe ich so sehr in meinem Hier und Jetzt und stolpere nie regungslos von einer schönen Zeit in die andere. Genieße die Tage und die Sonne, lebe, trotz all meiner Verpflichtungen und Pläne, wunderbar mein Leben so vor mich hin. Kann es kaum erwarten, bis das Morgen beginnt und will nie, dass das Heute hier endet. Mein Leben ist wunderbar, mit all meinen Freunden und den Schmetterlingen und den Träumen und der Sonne. Ich will hier nicht weg, will hier bleiben, will so leben, als dürfe das hier nie Vergangenheit werden. Aber das wird sie.

Aber irgendwie hat der Schein der Vergangenheit etwas an Glanz verloren. Ich will nicht mehr Verlorenem nachtrauern, will nicht mehr darüber nachdenken, wie schön das alles war. Das hier ist doch genauso schön, wenn nicht vielleicht sogar tausendmal schöner. Ich weiß es nicht, aber nie hat sich die Gegenwart besser angefühlt. Es macht nicht mehr Spaß darin zu schwelgen, wo doch das Heute so viel mehr Spaß macht, so viel mehr Überraschungen bietet. So viel vollkommener ist.

Vielleicht bin ich endlich angekommen. Endlich angekommen in meinem Hier und Jetzt.

We are nowhere and it’s now.

Everything must belong somewhere :: Der Sand unter meinen Fußen gibt nach. Die Wellen brechen und langsam schreite ich fort. Den kilometerlangen Strand wandere ich ab, in Gedanken verloren. Wo ist sie nun, die Miss Sunshine, die Königin meiner Welt. Wie kalt es doch ist, jetzt, am frühen Abend. Selbst hier, am Meer, verschwindet die Wärme, die Geborgenheit der Natur unglaublich schnell. Das Meer ist einer dieser Plätze, an denen einem alle Gedanken unterkommen. Man kann nicht verhindern, mit all seinen Fehlern und seinen Träumen, mit seinen Gefühlen und seinem Leben konfrontiert zu werden.

Don’t know when, but a day is gonna come :: Jeder Schritt. Die Musik verfolgt mich, ich bewege meine Lippen und versuche, die Worte hervorzupressen. Wie immer kommt nichts, zu voll ist mein Kopf. Ich sollte genießen, sollte mit beiden Beinen im jetzt stehen und sich nicht in die Vergangenheit zurückwünschen.

Oh, you are the roots that sleep beneath my feet and hold the earth in place :: Einfach nur mal kurz festhalten. Mich umarmen und einfach mal wieder auf Kettcar hören: Noch ein Stück geradeaus und die Straße hinunter, alles ist so vertraut, alles ist hier so friedlich. Es hat sich nicht viel verändert, nur der Wagen vor dem Haus und die Tür steht weit offen, als wäre jemand kurz aus. Als wäre jemand gegangen und käme gleich zurück, nimmt dich in den Arm und kümmert sich um dich. Sagt, mach dir keine Sorgen, du bist nicht allein und deckt dich zu mir den Worten: Ich werde bei dir sein.

Fotos: sican (flickr)