Walk away.

 

Timi

4. Juni 2006 – 29. Oktober 2007

Oh no – here comes that sun again.
And means another day without you my friend.
And it hurts me to look into the mirror at myself.
And it hurts even more to have to be with somebody else.

And it’s so hard to do and so easy to say.
But sometimes – sometimes,
you just have to walk away – walk away.

Ein Jahr ist es schon her. Heute vor einem Jahr bekam ich die Nachricht. Du seist gestorben, plötzlich. Ich kann mich noch genau an jede Minute erinnern. Als ich angerufen wurde, als ich diese eine Stunde mit dem Auto nach Hause fuhr, und hoffte, dass das alles nur ein Scherz, ein sehr, sehr geschmackloser Scherz sei. Doch insgeheim wusste ich, dass es stimmen musste. Ich zitterte, die ganze Zeit. Zitterte und konnte nicht weinen. Konnte erst weinen, als mein Vater aus Amerika zurückgekommen war und wir endlich wieder als eine Familie am Tisch saßen. Nur du. Du fehltest.

With so many people to love in my life, why do I worry about one?
But you put the happy in my ness, you put the good times into my fun.

And it’s so hard to do and so easy to say.
But sometimes – sometimes,
you just have to walk away – walk away and head for the door.

Es hat seit diesem 29. Oktober 2007 keinen Tag gegeben, an dem ich nicht an dich dachte. Diese Momente begann ich mit der Zeit zu hassen. Sie machten mich fertig, ich konnte in diesen Momenten einfach nichts anderes tun. Als nachdenken. Und die Erinnerungen in meinem Kopf spulten sich immer und immer wieder ab. Ich habe eine Therapie wegen dir gemacht, und ich kann selbst heute noch nicht verstehen, wie ein Leben ohne dir nun schlussendlich aussehen könnte. Dein Tod hat mir die Familie wieder näher gebracht, du hast uns alle verändert. In der Art, wie du zu uns kamst, und in der Art, wie du auch wieder weg warst. Du warst ein Zauberwesen, wie ich zuvor noch keines geliebt habe.

We’ve tried the goodbye so many days.
We walk in the same direction so that we could never stray.
They say if you love somebody than you have got to set them free,
but I would rather be locked to you than live in this pain and misery.

They say time will make all this go away,
but it’s time that has taken my tomorrows and turned them into yesterdays.
And once again that rising sun is droppin‘ on down
And once again, you my friend, are nowhere to be found.

Ich habe nur noch ganz selten geweint. Erst kürzlich, vor deinem Grab, alleine. Als ich eineinhalb Stunden davor stand und dir erzählte, von all dem, was gerade in meinem Leben abläuft. Und als ich dir sagte, wie sehr ich dich vermisste. Jeden Tag, aufs Neue.

Ein Jahr soll das schon wieder her sein? Es hätte auch letzte Woche sein können, so haben sich diese Erinnerungen eingeschweißt. Die Nachricht vom Tod, das erste Mal auf meine Mama und deine Mama zu treffen. Den harten Mann zu spielen, der selbst in dieser Lage alles im Griff hat. Und irgendwann unter all diesem Druck zusammenzubrechen. Die Vorbereitung auf das Begräbnis. Und meine Rede. Über dich und mich. Über uns und das vor 250 Menschen, die gekommen sind, um von dir Abschied zu nehmen. Ich weiß alles noch, und würde es doch so gerne vergessen. Würde gerne am Wochenende aus Wien nach Hause kommen um dich endlich wieder in die Arme zu schließen. Um deine Nähe zu spüren, deine Nähe, deine Wärme und deine Liebe. Die so einzigartig, so wundervoll war. Und dein Lachen. Das selbst mein Herz, so finster es auch war in meinem Leben, immer wieder zum Lachen brachte.

Wie du vielleicht merkst. Du fehlst mir.

And it’s so hard to do and so easy to say.
But sometimes, sometimes you just have to walk away,
walk away and head for the door.
You just walk away – walk away – walk away.
You just walk away, walk on, turn and head for the door.

Und während deine Familie zur dir ans Grab geht, werde ich, so weit weg von daheim, einen anderen Platz besuchen, um eine Kerze für dich anzuzünden. Ich habe mich für den Friedhof der Namenlosen entschieden, welchen ich seit „Before Sunrise“ besuchen wollte. Dort zünde ich eine Kerze für dich an und für all die Menschen, die dort ihre letzte Ruhestätte fanden. Dieser Eintrag wurde mit den Worten von Ben Harpers „Walk Away“ unterstützt. Mein Song, der mich jedes Mal, wenn ich ihn höre, an dich erinnert.

Vielleicht lieber morgen.

Jetzt könnt ihr abschalten. Wirklich. Ich bitte euch. Das wars.

Ihr kennt das wahrscheinlich. Das Funkensprühen, wenn man sich in die Augen blickt. Der Schmetterlingssex im Bauch, der dieses Kribbeln erzeugt. Der Gedankenkollaps in wunschertränkten Hoffnungen. Jeder kennt das irgendwie. Und jeder weiß wohl, dass man es sich nicht herbeiwünschen kann, und es geht auch nicht auf Kommando einfach weg. Worauf ich hinaus möchte. Ich liebe dieses Gefühl, aber ich habe es seit Monaten nicht mehr verspürt. Und das ist auch gut so.

„Man kann nicht keine Lust auf Liebe haben.“, meinte kürzlich ein Freund zu mir, aufgrund eines Eintrages, in welchem ich schrieb, dass ich bis Frühling wohl nichts mehr mit Liebe zu tun haben wolle. Wobei er wohl sehr recht damit hat. Wenn es kommt, dann kommt es eben. Das ist wie Weihnachten und Ostern. Man rechnet einfach nicht damit und wusch ist es da. In dem was wir gerade im Tutorial besprechen, wäre das also die „structure“. Wie ich mich dann darauf einlasse, dass ist die „agency“. Schon klar. In die Struktur wird man hineingeworfen, in das Verliebtsein verliebt man sich mal eben so. Aber es kommt immer so drauf an, wie man sich selber darauf einlässt. Und ob man sich denn überhaupt einlässt.

Ja. Man liest schon richtig. Monsieur Melodramatique. Dieser Typ, der sich monatelang fragte, warum seine Exfreundin kein bisschen mehr für ihn empfindet, der sich ständig fragte, wann er denn endlich die Frau seines Lebens kennenlernen würde. Ja, dieser Mann wird sich auf nichts einlassen. Vor allem auf nichts, wo das Scheitern schon vorbestimmt ist. Liebe muss immer auf beiden Seiten stattfinden. Wie es ist, wenn es eben nicht so sein sollte, das habe ich schon zur Genüge zu spüren bekommen. Und sollte sich irgendwann einmal irgendjemand in mich verlieben, werde ich definitiv eines tun. Warten. Und sollte ich bemerken, dass ich nicht das geben kann, was von mir erwartet wird. Wenn ich bemerke, dass ich jemandem Schmerzen zufüge, dann würde ich die Notbremse ziehen. Ich kenne all das schon. Ich will nicht so sein, wie den Menschen, den ich in manchen Zügen verabscheue. 

Vielleicht lieber morgen. Vielleicht lasse ich mir jetzt einfach mal Zeit. Mit allem, irgendwie. Unter Druck gesetzt habe ich mich schon immer. Ich liebte es manchmal, und manchmal machte es mich aber auch nur einfach kaputt. Und auch das hat mir bis zu einem bestimmten Punkt Spaß gemacht, nur das Problem war, dass von da an alles unkontrollierbar weiterverlaufen ist. Ich erlebe gerade den größten Wandel in meinem Leben. Neue: Stadt, Bekanntschaften, Aufgaben, Visionen, Träume. Alles neu. Eben. Da könnte jetzt auch Liebe stehen. Schon klar: Neue Liebe neues Glück klingt immer gut. Aber wenn ich alles auf einmal haben möchte, dann sind Mittwoche wie gestern nicht ausgeschlossen. Und dann würde sich das vermehren und über die ganze Woche ausbreiten. Darum lasse ich es einfach. Ja. Wie sagt man so schön? Auf mich zukommen. Und werde mich jetzt auch zum ersten Mal so hineinstürzen, wie es sich gehört. Auch mal eine langweilige Vorlesung nicht besuchen, um mit Freunden auf ein Bier zu gehen (okay, das hatten wir schon ein, zwei Mal). Man muss nicht alles planen. ¡Viva la espontaneidad. Zugegeben, ich kann kein Spanisch. Aber, warum nicht mal wieder alles auf gemütlich, auf spontan, auf humorvoll setzen. Das wär doch was. Das wär ein völlig neues Erlebnis.

Und so mache ich nichts anderes, als irgendwie Spaß zu haben. Ich habe zwar erst heute eine Einladung zum Speed Dating abgelehnt. Aber das Leben ist viel zu kurz, um jetzt gerade in Zeiten persönlicher Unzufriedenheit die Welt zu hassen. Da kommt noch was. Vielleicht lieber morgen. Aber ich wollte nur anführen. Bei mir ist grad nicht. Funkensprühen und so. Kein Schmetterlingssex und kein Gedankenkollaps. Nichts. Und ich fühle mich. Ja. Gut.

Aber jetzt. Abschalten. Bitte. Da kommt nichts mehr.

Bild: Ein Ausschnitt aus dem Album Freischwimmer der Band Echt

Genug Liebe. Genug davon.

Vergiss doch bitte die.
Die Liebe.
Mit all ihren Worten.
Von.
Von ewig. Und für immer.
Von wir beide und. Und nur wir.
Vergiss diesen Traum.
Des Schwerelosen.

Liebe macht nicht.
Nicht schwerelos.
Nur der Traum, der Wunsch.
Der Wunschgedanke selbst.
Auf einmal geliebt zu werden.
Geliebt für all die Dinge.
Die man an einem selbst hasst.
Hasst, weil sie schwach machen.
Und dabei macht uns doch nur die Liebe noch schwächer.
Angreifbarer.
Einsamer.

Liebe ist falsch.
Nichts ist schmerzhafter wie.
Nichts ist einsamer wie.
Nichts ist wie die Liebe.
Die Liebe.

Die Liebe.

Sie tut weh. Sie nimmt weg.
Sie stiehlt Zeit, sie vereinnahmt.
Sie verändert dich.
Von Grund auf.
Kaum noch zu erkennen.
Die Liebe.
Ein Traum.

Der wunderschönste Traum der.
Der Welt.
Kaum erklärbar in Worten.
So schön, und so unglaublich.
Das höchste zu erreichende Gefühl.
Die Liebe.

Solange es noch Schmetterlinge gibt.

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Lass uns verschwinden.

Lass uns verschwinden.
Für ein paar Tage.
Für den Rest unsres‘ Lebens.
Einfach nur weg.

Dass niemand mehr weiß
Wie wir waren und
Wohin wir gingen.
Aus der Erinnerung verloren.

Lass uns verschwinden.
Ohne Bedenken.
Ohne Gedanken.
Einfach nur weg.

Dass unsere Gesichter verbleichen.
Die Tage verstreichen.
Das Leben hier endet.
Die Zukunft verblendet.

Lass uns verschwinden.
Aus dieser Welt.
Aus diesem Traum.
Einfach nur weg.

Kein Gedanke zurück.
Nur das Ich hier und das Du da.
Nur wir beide. Wir beide allein.
Alleine weg.

Alleine verschwunden.
In Einsamkeit gebunden.
Lass uns verschwinden.
Aus diesem Leben.
Aus dieser Welt.
Einfach nur weg.

Lass uns verschwinden. weiterlesen

As we know it.

Und mit der Versuchung gebar die menschliche Seele auch die Sucht nach Zerstörung. Nichts war mehr sicher und alles verlor an Wert. Sekundenbruchteile später war die Welt anders und beinahe schon tot.

Es ist dunkel und die beschrittenen Pfade werden auch nicht mehr beleuchtet von all den Straßenlaternen, die oftmals die letzten Lichtquellen der Nacht bildeten. Zu spät ist es und langsam lehnt er sich auf das Geländer der Brücke, welche über den kleinen Bach führt. Ein kleiner, manchmal sanft, hier reißerisch fliesender Bach, mit all seinen Fischen und Steinen. Es knarzt. Irgendwo, im nahegelegenen Wald brechen mehrere Äste, man hört geschwindes Huschen über den laubigen Boden.

Da steht er nun, spät nachts, allein unterwegs. Und ständig macht er sich nur Gedanken. Über Gott und … nein. Halt. Er machte sich keine Gedanken über Gott. Gott sei so seltsam und morbide, in der erlernten Form so unglaubwürdig und geisteskrank. Er dachte die ganze Zeit nur über die Welt nach. Die Welt, wie er sie kannte, die Welt, wie sie war. Und wie sie möglicherweise mal sein würde. Aber gerade das machte ihm Angst. Denn er sah keine Zukunft für diese im Weltall schwebende Kugel. Wir würden uns schon zerstören.

Tausende sichtbare Sterne über ihm, manchmal auch noch das Blinken eines querenden Flugzeuges. Wir würden nicht sterben aufgrund eines überdimensionalen Himmelskörpers, der von irgendeinem Planeten heruntersplitterte. Selbst die Atomkraft würde uns nicht auslöschen. Das alles waren viel zu reale, viel zu sichtbare Möglichkeiten der Auslöschung der Erde. Wir würden anders sterben. Anders. Falls wir nicht schon längst tot durch die Gassen wankten, da war er sich sicher.

Woher hatte er die Vorahnung. Oder war all dies nur ein Traum. Es ist so real, die Kälte des Herbstes bohrt sich durch sein kurzärmeliges T-Shirt hindurch. Durch das Reiben der einen Hand wärmte er seinen schon leicht kühlen Oberarm. Es sind die Menschen, die an Wert verlieren. Wer zählt denn schon noch all die Toten, die aufgrund globaler Dummheit in einem Meer aus Kugelhagel oder Hungersnot sterben. Die aufgrund widriger Umstände sich irgendwann eine Überdosis Heroin setzen und die an einem Seil hängend so ihrem Leben ein Ende setzen wollten. Man berichtet nicht darüber, weil man doch alles schon kennt. 

Er atmet die feuchte, von Nebel benetzte, Nachluft ein. Er hatte Angst. Vor sich selbst, zu einem großen Teil. Wohin mag der Weg uns führen. Es sind so banale Dinge, die uns bedrücken, Trivialitäten des Alltags. Und in der Schlacht in Einkaufszentren vergessen wir nur all zu oft diese Dinge, die vielleicht auch nur das Leben ein kleines bisschen verbessen würden. Von Respekt spricht er, und Würde, von Anstand und Pietät. Von Niveau und. Ach, er hatte es schon vergessen. Es war zu spät. Die Welt liegt brach und wird zermalmt von den Menschen mit ihrem lieblosen Umgang mit allem. Den Menschen gibt es ja nur mehr im Extrem. 

Und so marschiert er zurück zu diesem Fenster, aus welchem er vor ungefähr einer Stunde gestiegen ist, und bedauert alles zutiefst. Die Nacht, noch immer dunkel, spinnt ihr schwarzes Netz weiter und weiter. Man habe. Man habe es sich einfach nicht anders verdient. Jedem das Seine. Und für uns das Ende.

Tenderly.

Minuten vergehen. Man möchte nicht glauben, was all diese Worte womöglich zu bedeuten haben. Alles wirkt so unwirklich, so fern. Und doch berührt es einen, wie schon lange nicht mehr. Man möchte weinen, möchte schreien. Ist wütend und traurig und besorgt zugleich. Kann keine Worte finden, die den Gefühlszustand auch nur ansatzweise beschreiben könnten. Möchte schreien und möchte schweigen. Lenkt sich ab mit dem Gefühl, gerade etwas falsch zu machen.

Eine Umarmung später. Alles scheint wieder gut, und doch wird nichts mehr so sein wie es war. Alles hat sich verändert von dem Punkt an, an dem die Entscheidung gesetzt wurde. Man hätte sich so vieles zu sagen gehabt, so many days ago. Jetzt wäre es beinahe zu spät gewesen. Und man ist einfach nur froh, dass das Ende nicht das war, was man in den schlimmsten Momenten zu vermuten wagte. Das Schicksal hat entschieden, und man nimmt sich vor, sich zu verändern. Verbessern. Man hat so viel versäumt, hat Möglichkeiten unberührt gelassen. 

Man sitzt da. Und erfreut sich der Nachricht. Erfreut sich der Sonne. Was mag da nur geschehen sein. Kaum ist es zu verstehen, und doch fühlt man mit, als wäre man. Als wäre man. Dabei gewesen. Als hätte man miterlebt, wie all die Probleme begonnen hatten. Als all das seinen schrecklichen Lauf nahm. Doch man war es nicht. Und vielleicht ist es genau das, was einen weinen lässt. Was einen wütend macht. Und traurig. Die Tatsache, nicht immer dagewesen zu sein. Beinahe unverzeihlich.

Foto: sallyrye

Sick and tired.

Ein Text basierend auf einem Gedankenpups.

Wie geht es dir dabei. Hast dich doch zu dem Menschen entwickelt, der du nie sein wolltest. Den du vor die Tür setztest, als es schon viel zu spät war. Wie ist es, genau die Person zu sein, der man auszuweichen gewohnt war. 

Da bist du. Nur wenige Meter von mir entfernt, das erste Wiedersehen nach unzähligen Monaten. Ich sehe dich, mehrmals, drehe mich offensichtlich zu dir um, möchte nicht näher kommen, möchte nur bemerkt werden, möchte ein Winken oder ein „Hallo.“ Und gehe schließlich weiter. And I kept the thoughts until i fell asleep, hours later.

Du warst zu jung, als wir uns trafen. Viel zu jung. Ich hätte es vorher wissen müssen, und ich hätte es doch nicht akzeptiert, da mein Herz ja etwas total anderes dazu zu sagen hatte. Es war eine schöne Zeit, jene mit dir und uns. Es war wundervolles Leben, high above the sky. Unvergesslich und viel zu lange noch wünschte ich mir ein Happy End. Doch Happy Ends sind retro. Total out. In diesem Jahr und in meinem Leben. Nichts passiert einfach so. Außer. Außer, dass man sich mehr und mehr voneinander wegentwickelt.

Will ich dich überhaupt noch sehen? Ich weiß, du bist noch immer so hübsch wie damals. Trägst immer noch diese coolen Tücher um deinen Hals, hast immer noch so unglaublich schöne Augen. Ja, ich weiß es. Aber ich weiß auch, dass du jeden Kontakt vermeidest. Schon klar, du hast Stress. Das versteht man. Aber ein Stündchen hin und her ist sich seit einem Jahr nicht mehr ausgegangen. Wenn ich keine Stunde für irgendeinen Menschen, der mir irgendwann einmal etwas mehr bedeutet hatte, opfern kann. Wenn der Stress so groß wäre, ich würde mich erschießen. 

Weißt du eigentlich, wie oft ich dein Geburtstagsgeschenk in meinen Händen halte. Diese Schneekugel, mit auswechselbaren Bildern von uns und dir. Sie steht immer noch in meinem Regal, und ich kann sie einfach nicht wegräumen. Und gegen die Wand werfen ebenso nicht. Das schon gar nicht. Am Liebsten würde ich sie dir vor deine Tür stellen, mit einem Brief, der erklärt, wie viele Momente mir diese Schneekugel schon beschert hat. Wo ich zurückfalle in die Erinnerungen von damals. Und mich oft aufs Bett setzen muss, um die Eindrücke und Erinnerungen wirken zu lassen. 

Wir sind schon so weit voneinander entfernt. So weit wie ich nie von einem ehemals geliebten Menschen sein wollte. So weit, wie du es dir wahrscheinlich erhofft hattest. Jetzt ist es also so, wie es vermutlich sein soll. Und ich werde wohl glücklich sein, dass du deinen Kopf durchgesetzt hast. Du hast die einzigartige Chance verpasst, mich (und all meine neuen Veränderungen) erneut kennenzulernen. Du hast aufgegeben, als ich noch immer Hoffnung hatte. Hier ist es. Das Resultat. Ich bin dann mal weg.

Und wenn du dir dann noch erlaubst, mit einer Freundin von mir und dir über mich zu sprechen. Über die Art Beziehungstyp, der ich vermeintlich sein soll. Du hast doch keine Ahnung von Beziehung. Lebe doch einfach dein Leben. Ja, genau. Das Leben, dass meinem von damals sowas von ähnlich ist. Mache doch so viele verdammte Fehler und suche weiter nach dir. So wirst du dich nie finden, und das kann ich dir genau sagen. Doch irgendwann wird auch noch die Zeit kommen. Deine Zeit. Doch zurzeit nervst du einfach nur.

Deine Art mich zu ignorieren. Deine Art, abwesend zu sein. Deine Art, wie ich dich passiv miterlebe. Du, dein verdammtes Leben, ihr nervt einfach. Ihr nervt mich bis aufs Blut und mich nerven die Gedanken an dich. Ich bin dann mal weg und beginne einen neuen Teil meines Lebens. Und zum Abschluss wollte ich eben nur mal wieder etwas sagen. 

Foto by [ priotography ]

What tomorrow.

„Kannst du nicht schlafen?“ – „Nn.“ Müde antwortet er in seinen Polster hinein, jeden Konsonanten einzeln und teilnahmslos betonend. Der neue Tag liegt in seinen ersten Morgenstunden und aus den Boxen erklingen unbekannte Laute einer französischen Chanson-Sängerin. Der zweite Tag schon, voll mit leeren und überflüssigen Stunden, in diesem Bett, in dieser Dunkelheit. Er hasst solche Tage. Solche Momente. Vollkommen auf sich allein gestellt, zu dieser heillosen Zeit. 

Die verwünschenswertesten Stunden des ganzen Tages. Die gesamte Welt schläft, nur manche versuchen mit Kreuzworträtsel den schwer erreichbaren Schlaf zu finden, oder mit Fernsehen, und irgendwo üben sicher noch ein paar Menschen gerade Beischlaf aus. Es gibt wahrscheinlich keine Minute, in welcher nicht Hunderte oder Tausende Menschen gerade Sex haben. Aber darüber möchte er sich jetzt keine Gedanken machen. Er möchte schlafen.

Gedanken verfolgen ihn. Gespräche mit seiner besten Freundin. Oder Träume. Wunschträume, Tagträume, Erinnerungen, Hoffnungen. Gerade in solchen Stunden kommen sie einem unter. Bohren sich tief in das Gehirn, geben kaum Zeit, die Augen lange genug geschlossen zu halten, um den Schlaf auf irgendeine Art und Weise zu erzwingen. Er könne noch spazieren gehen, meint er, aber sogleich lässt er auch diesen Gedanken fallen. Es ist beinahe ein Uhr dreißig. Irgendwann bekommt jede Dunkelheit ihr furchteregendes Antlitz. Er könnte nur wenige Meter gehen, um dann aufgeregt, mit laut pochendem Herzen ins Bett zurückzukehren. Und es regnet. Es hat keinen Sinn wenn es regnet.

Und so lauscht er weiter der Musik. Isländischer Pop ist es nun. Es zieht dahin, die ganze Nacht verliert an Macht, wenn sie so zwanghaft versucht, ihn wach zu halten. Es hat keinen Sinn. „Kannst nicht schlafen, wie?“ – „Nn.“ Der Polster ermöglicht die wiederholte Dämpfung des Gesprochenen. Nein, er kann nicht schlafen. Aber es gibt doch nur eine Möglichkeit, um all das zu überwinden.

Und langsam schließt er die Augen. Irgendwann wird er schon kommen. Irgendwann. Früher oder später.

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Our love to admire.

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„Warte hier“, sagt sie. Er war stumm, schon seit einigen Sekunden. „Ich komme gleich wieder.“ Er beobachtet den Lebensweg seiner Zigarette. Glühend verliert sie mehr und mehr an Bedeutung. Es ist Nacht und in der Dunkelheit der Großstadt scheint er sein Leben gefunden zu haben. Er, der Tagmensch, der die Nacht nicht überzustrapazieren wagt. Jetzt sitzt er hier, den dritten oder vierten Tag in Folge, mitten in der Nacht und raucht eine Zigarette nach der anderen. Während.

Ja, während die ganze Welt vorbeizieht. Hier ruht niemand. Das Außergewöhnliche an einer Stadt. Das Pulsieren, hupende Autos, Lichter, die erst ganz spät nachts erlischen, Menschen, die durch die Straßen schreien, harmlose Spaziergänger. Hier vom Balkon sieht alles irgendwann mal wieder so klein aus, so klitzeklein, in dieser Welt des Unendlichen.

„Hier, dein Glas.“ Sie ist zurück, hat ihm seinen Drink mitgebracht. Whiskey Cola, gekühlt durch unzählige Eiswürfel. Den wievielten Tag in Folge sitzen sie nun schon hier, betrinken sich langsam und lassen die Kälte auf sich wirken. ‚Das ist das Leben.‘, denkt er. Was für ein Leben, wohl. Alkohol, Zigaretten und seit beinahe einem Jahr wieder einmal Lust auf einen Joint.

Um die Angst zu bekämpfen. Die Angst, die er gerade überall wittert. Wie ungewohnt doch alles ist, und wie gewohnt seine Reaktion darauf. Er kann mit Druck, mit selbst aufgebürdeten Druck nur sehr schwer umgehen. Jedes Mal, wenn eine Ära endet, fühlt er sich anfangs stark, beinahe unsterblich. Und irgendwann wird er sich wieder der Trivialität seiner selbst bewusst. Fühlt sich klein und hilflos. Vollkommen unselbstständig.

„Auf das Leben.“, meint sie, und man hört nur mehr zwei Gläser, die aneinander stoßen. Der Schluck, dieser Alkohol gemischt mit dem süßen Koffeingetränk. Ein Schluck. Ein zweiter. Langsam stellt er das Glas auf den Boden und wieder einmal kommt die Stille. Doch diesmal möchte er sie unterbrechen. „Weißt du eigentlich, wie sehr mir das gefehlt hat?“ – „Was?“, fragt sie, und selbst durch die Dunkelheit hindurch spürt er ihren unwissenden Blick.

„Das hier.“, meint er. ‚Das Leben.‘, führt er seine Worte in Gedanken weiter. Er legt seinen Kopf in ihren Schoß und erblickt dadurch die Sterne, die still und anmutig am wolkenlosen Himmel schweben. Langsam streicht sie ihm durch sein Haar, und blickt ebenso in den Nachthimmel. „Das hier, das Leben.“, wiederholt sie seine Gedanken und Worte, und lächelt dabei.

Foto: shnnn

Diese Stimme.

„Du weißt doch, dass …“, meint dieser ältere, schon in Rente gegangene Mann, mit dem ich so gut wie gar nichts zu tun habe. Nur manchmal trifft man sich eben, man kennt sich und man bemerkt, dass er zu dieser einen ungut aufallenden Sorte Mensch zählt, die sich selbst am liebsten hören. Mit seinem Zeigefinger in meine Richtung versucht er die Durchschlagkraft seiner Argumente zu verdeutlichen. Und doch bleibt er so vollkommen uninteressant, dass ich mich während dieser Minuten voll kauderwelsch’gen Monologs bevorzugt auf den sich abkühlenden Kaffee konzentriere.

Der Kaffee bekommt übrigens überraschend schnell seine perfekte Trinktemperatur, kurz nachdem dieser Mann, von dem man sich wünscht, er wär ein Einsiedlerkrebs, wieder verschwunden ist, übrigens so auffällig wie er auch gekommen war, umschließe ich langsam die Tasse und obwohl es draußen eine Temperatur von um die 25 Grad und prächigen Sonnenschein mit Himmelblau und Wolkenweiß hat, genieße ich dieses Gefühl gewärmter Finger. ‚Du zählst doch auch zu diesen Menschen dazu.‘, denke ich mir, überrascht, dass sich die Simme in meinem Kopf plötzlich von mir lossagt und uns als zwei verschiedene Individuen betrachtet.

An manchen Tagen werden die Stimmen in meinem Kopf immer mehr. Das eine nenne ich mal „Das Gewissen“, wobei es mir definitiv nicht hilft, die richtige Entscheidung zu treffen. Und auch die Unterteilung in das gute G. und das schlechte G. hilft dabei nicht wirklich. Niemand hat eine absolute Mehrheit in meinem Kopf, diese Stimmen bekämpfen sich und das Resultat ist, dass ich vor einer kleinen Auswahl von drei Joghurts stehe, und ich mich nur sehr schwer überwinden kann, mich für eines zu entscheiden. Doch das ist nur an wenigen Tagen so.

An manchen Tagen vergisst man es. Bislang habe ich nur ein einziges Mal, einen einzigen Tag nicht daran gedacht. Es nicht wirklich in Erinnerung behalten. Meine Begegnung mit der Gedankenbombe. Und mir gefiel jener Tag, der durch seine Leichtigkeit den Wind aus all den Segeln der Unruhe nahm. Dafür habe ich mich auch entschuldigt, gestern. Habe eine Stunde damit verbracht, es mir von der Seele zu reden, alleine, nachts, an diesem unruhigen, stillen Ort. Nur bewaffnet mit einer Kerze (es wundert mich, dass ich mich so schnell für eine entscheiden konnte), die in der dichten Dunkelheit ein nur spärliches, aber wunderschönes Licht erzeugte.

Das Licht wird immer größer. Je näher ich komme, desto mehr denke ich darüber nach und wünsche mir, dass alles perfekt ist, und habe keine Ahnung, wie denn nun alles abläuft. Wie die Tage bis dahin vergehen werden und was denn nun sein wird. Ich kenne zwar schon viele, die diesen Schritt schon wagten. Aber auch sie können mir nicht genau erklären, worum es nun geht. Wie denn all das funktioniert. Und so komme ich dem Ende des mehr als einjährigen Tunnel näher, dem Licht entgegen. Hinein in diesen Topf der Unwissenheit, der Unerfahrenheit und der Aufregung. Und vielleicht schaffe ich es in meinem, diesem neuen, Leben, mich vollends ausleben. Mit Dingen, die man nicht von mir erwartet.

Erwartungen zu erfüllen. Man könnte es sich beinahe zur Lebensaufgabe machen. Denn entweder man erfüllt die eigenen Erwartungen oder die, jener Menschen, die man besonders ins Herz geschlossen hat. Egal, ob diese andere Person überhaupt weiß, dass man existiert auf dieser, derselben Erde. Man versucht so unvorhersehbar vorhersehbar zu sein, so undurchschaubar durchsichtig. Und enttäuscht sich doch wirklich nur selbst dabei. Verletzt sich schnell und tiefer als man es von Rückschlägen normalerweise gewohnt ist. Und plötzlich fällt mir meine Stimme wieder ein, diese Stimme in meinem Kopf. ‚Was für ein Mensch bin ich?‘, frage ich, um endlich zu erfahren, was sie denn damit meinte. ‚Was meintest du damit?‘ Und ich höre sie noch, meine Stimme, wie sie lacht, und lacht und nur meint ‚Du bist doch auch so ein Mensch. Ein Mensch, der sich nur zu gerne selbst reden hört.‘ Und ich muss lächeln und stelle die leere Tasse Kaffee zur Seite.

Hier bin ich, Mareike. Ich wollte mich gestern schon melden, schlief aber während des Wartens auf eine Eingebung ein. Jetzt, um beinahe 3 Uhr früh, ist das hier entstanden. Morgen fahre ich dann aufs BarCamp Traunsee und übermorgen Abend anschließend aufs Bock‘ Mas. Möglicherweise kommt die nächste Meldung erst nächste Woche, kurz vor meinem Trip nach Schweden.