And here I stand.

Ich habe versagt. Habe ein Versprechen, das ich dir gegeben habe, nicht gehalten. Ich habe dich nicht vor all den schlimmen Dingen auf unserer Welt beschützt. Ich war nicht da, in dem Moment, in dem du mich am meisten brauchtest. Ich war nicht da und wahrscheinlich werde ich mir dies auf ewig nicht verzeihen. Diese eine Nacht, diese eineinhalb Jahre, dieses Leben.

Ich wollte immer, dass es dir gut geht. Dein Lächeln bewirkte Wunder, du warst der Inbegriff des Mensch gewordenen Sonnenscheins. Und jetzt bist du weg und ich frage mich, ob es Absicht war, dass nun alle von dir sprechen, deinen Namen in den Mund nehmen und nach wenigen Worten schon befeuchtete Augen haben. Ich denke, dass die schlimmste Sache ist, wie du gegangen bist. Still und leise, sanft und ruhig. An etwas, wovon wir zuvor nur selten gehört hatten. One in a million, wie man so schön sagt.

Jetzt, immer noch, nach acht Monaten, treffen wir auf Leute, die von deinem Schicksal erfahren haben. Allerweiteste Bekannte kommen auf uns zu und rütteln die Erinnerung wach. Vergleichen unser Schicksal mit irgendeinem banalen aus ihrer Vergangenheit. Wollen einfühlend sein und zerstören doch viel mehr, als man glaubt. Aber das wissen sie nicht und ich will es ihnen nicht sagen. Ich bewege mich einfach weg von ihnen.

Und jetzt sitze ich oft da. Am Balkon, mit Blick auf den bewölkten Himmel, den Bach beim Rauschen zuhörend und eine Zigarette inhalierend. Und denke. An die Zeit danach. An deine letzte Umarmung. An dein Lächeln, deine kleinen Hände, deine Stimme. Deine Augen und unsere gemeinsame Zeit. Und ich kann es einfach nicht fassen, dass sie vorüber ist. Dass ich nie wieder mit dir über Betten hüpfen kann und wir nie wieder gemeinsam essen werden. Manchmal sitze ich auch in der Arbeit und erwische mich dabei, wenn in wenigen Sekunden die heftigsten Eindrücke auf mich einprasseln. Dann schüttle ich den Kopf und versuche zu entkommen.

Aber das ist es. Ich wollte immer, dass es dir gut geht. Vielleicht geht es dir jetzt gut, ich wünsche es dir. Niemand sonst hat es so verdient wie du. Du warst ein großartiger Freund und der wichtigste Teil unserer Familie. Warst ein Zauberer und doch nur ein Kind. Ein Baby, könnte man fast sagen.

Kein Blitz ohne Donner.

Der Regen prasselt gegen das Fenster. Die Stille auf der einen Seite, das Brodeln auf der anderen. Die Natur, sie spielt. Spielt Räuber und Gendarm. Nie holt der Donner den Blitz wirklich ein. Diesen hellen Lichtstrahl, diese Entladung als Wohltat für die Augen. Das Donnern. Ein Grummeln, ein Röcheln, ein Krachen, ein Knarzen.

Die warme Bettdecke umhüllt meinen Körper. Es ist schon viel zu spät. Spät nachts, die Uhr schlägt gleich zwölf. Ich sollte schlafen, doch das Grollen hält mich wach. Mit gespanntem Blick sehe ich durch die Dunkelheit an die Decke, zähle die Sekunden, warte auf das Ende. Wenn die Augen zufallen, und der Donner und die Blitze zur Nebensache werden.

Wieder einmal durchbricht das Donnern die Stille. So laut und mächtig. Eine Gänsehaut verbreitet sich auf meinem Körper, von all meinen Organen scheinen nur mehr das Seh- und das Hörorgan in Aktion zu sein. Wartend auf den Gegenschlag, auf die Revanche. Das ständige Hin und Her. Kein Warten auf den Anderen, keinen Moment der Ruhe.

Und ich, geschützt, von einen Meter dicken Steinmauern. Kein Anflug von Angst, nur die Neugier, wie bei jedem verdammten Gewitter. Am liebsten würde ich mich auf den Dachboden begeben und die ganze Nacht das Naturspektakel beobachten. Möchte zusehen, wie es blitzt und zuhören, wie es donnert. Doch der Schlaf lässt mich nicht erheben, ich warte, versuche es noch einmal, doch es geht nicht. Und zum Schluss begreife ich die Romantik hinter einem Gewitter. Sie können nur gemeinsam. Der Blitz und der Donner. Kein Blitz ohne Donner und kein Donner ohne Blitz. Und schön langsam schließen sich meine Augen, und die Dunkelheit nimmt Überhand.

Allein‘ unter einem Baum. So mächtig, so frei.

Ein Lächeln. Der Baum steht schon lange hier. Als ich ein kleines Kind war, wuchs der Baum schon seinen zweiundzwanzigsten oder dreiundzwanzigsten Meter empor. Und je älter und größer ich wurde, desto mächtiger wurde auch dieser Baum. Nie habe ich mich getraut, auf ihn zu klettern. Möglicherweise bedingt durch die Akrophobie, aber wahrscheinlich aus purer Ehrfurcht. Die Macht eines Baumes hat mich schon immer beeindruckt. Unaufhaltsam emporwachsend, allen Widrigkeiten standhaltend, still und leise.

Ich liege darunter, die Sonne scheint. Die Strahlen die durch die tausenden Blätter einen Weg hindurchfinden, lassen auf meinem Körper eine Zeichnung entstehen. Das Schwarz und das Weiß, der Kontrast, der ewig uns in Atem hält. Die Stille und das Rauschen des Baches, der Gedankenfluss und seit langer Zeit wieder einmal das Gefühl vollkommener Befreitheit. Frei von aller Last. Zwar immer noch manchmal in Gedanken an die eine oder andere Person, aber nicht mehr vorwurfsvoll, rein erinnerungstechnisch interessant. Aber diese Freiheit, dieses Gefühl vollkommener Unbekümmertheit trotz aller Probleme, zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht.

Den Arm abgewinkelt, meinen Kopf darauf abgelegt. Diese Stille. Diese einzigartige Stille und die unzähligen Fragen in meinem Kopf. Und kein einziger Versuch, nach Antworten zu suchen. Manchmal ist es einfach besser, Fragen im Raum stehen zu lassen. Man muss nicht aus allem lernen und man muss nicht alles wissen. Manchmal reicht es auch einfach, unter einem Baum zu liegen und die Sonne zu genießen. An Tagen wie diesen, alleine, in stiller Einsamkeit und mit einem glücklichen Gemüt. Der Versuch, den Blue Sky Blues zu summen, und wartend auf den Regen und die Kälte und Zeit, an dem ich die Decke nehme und zurück ins Haus gehe. Um der Stille zu entfliehen und um mich selbst zu finden. An einem Ort, wo ich mich am Wenigsten erwartet hätte.

Wachsen und werden zum Wald.

Da glauben wir immer, wir wären ganz außerhalb. Und dann stehen wir plötzlich in der Mitte. Heilige, die im Dunkel leuchten.W ir sind immer fassungslos, wenn auch nur einer uns im Gedächtnis behält über eine Zeit hinaus. An den Wegrändern sprechen sie seit Jahren und Jahren heimlich über uns. Das bilden wir uns nicht ein! Ein schnes Gefühl, in der nacht über unsre Autobahnbrücken zu fahren, und unten strahlt es aus den Lokalen: noch mehr Menschen wie wir! Ein heller Schein. Die Figuren, Fremde wie wir, Reisende, strömen in die Busbahnhöfe, um sich zu verteilen, von Ort zu Ort, und wir kommen über sie wie der Regen, der zeitig in der Früh die Schuhe durchnäßt. 

Alle sind wir anders. Die Stimmen ruhen und wir warten gebannt auf die Fortsetzung der Stille. Wir, gehalten von unserer Angst und getragen von der Antipathie  gegen uns. Nichts kann uns fordern, uns fördern, wir bleiben. Bleiben ruhig und wartend, auf die Ankunft. Wir warten, bleiben fruchtlos, voller Erwartung und voller Fragen. Nichts wird uns aufhalten in unserer Hoffnung und den Gedanken. Wir sind unser und eins sind wir.

Doch die Fremden, die nicht zu uns gehören, von fernen Städten geschäftiger Lärm. Im Geblätter rauscht es und schimmert. Der Boden, in dem wir liegen, schwankt, ein furchtbarer Schlag durchdröhnt ihn. Wir kommen heraus. Hinter uns andre Wanderer, sie folgen unsrem Andenken. Nicht eine Träne kosten sie uns! Ergeben sich drein, ein Zweites zu sein, und Abgestammtes. Ein Anhang zum Leben sind sie, das von ihnen, oder neben ihnen, aus eignem Triebe sich regte, ein vom Felsen zurücktönender Nachhall einer schon verstummten Stimme, sie sind, als Volk betrachtet, außerhalb des Urvolks und für dasselbe Fremde, und Ausländer. Sind nicht wie wir, nicht hier zuhaus in unserm Boden und werden vom Gebirge nicht gehalten.

Mit Blut getränkt der Boden. Still sinkt er zu Boden, langsam. Ohne Worte, nicht zu schreien im Stande, wortlos. Der Schweiß der Stirn, mit Haaren vermischt. Wo liegt die Notwendigkeit des Seins, wo der Glauben an den Tod. Wir haben uns und genügend sind wir. Wir brauchen nur uns und alleine sind wir stark. Wir müssen uns beschützen, unsere Geschichte und unsere Zukunft. Kein Leben der Ehrlosen auf unserem von Blut getränktem Boden.

Darum treibt ihn, Erde! Vom Herzen dir sein Übermut, und deine Geschenke sind umsonst und deine zwarten Bande, sucht er ein Besseres doch, der Wilde. Der Fremde, tödlcih ist ihm unser Boden. Aus Nichts ins Nichts, hart zwischen Nichts und Nichts. Wir sind zuhaus, wer mag uns danken? Wohl tut die Erde zu kühlen. Ein freundliches Licht kommt, und unser warmer Herd entzündet die Luft mit seiner unschädlichen Glut. Und bei des Fremdlings besonderer Stimme stehen die Herden auf. Wir sehen ihn nicht, und gesellte er sich auch zu uns, im Winde klirrten die Fahnen. Bis heute wäre er namlos, ewig hinab in die Nacht verwiesen. Verstummt unter uns Lebenden. Wir aber. Wir aber. Wir schauen mit offenen Augen und suchen immer nur uns. Wachsen und werden zum Wald.

Elfriede Jelinek, umstrittene Literaturnobelpreisträgerin 2004, schrieb mit dem Buch „Wolken.Heim.“ eines der beeindruckendsten Bücher meiner Sammlung. Selten erlebte ich, dass die Poesie der manchmal auch harten Worte, so wunderschön klingt, so melodiös und spannend. Die mit Anführungszeichen versehenen Stellen stammen aus dem Buch, die Texte dazwischen habe ich geschrieben. Natürlich ist das nicht meine Auffassung, meine Meinung, ich habe nur versucht, im Sinne der Idee des Buches, weitere Zeilen zu schreiben. Jelinek versucht auf satirische Weise zu erklären, was die Substanz des deutschen Geistes ausmacht: Wir-Gefühl, Heimattümelei, Sendungsbewusstsein und Nationalismus, damit verbunden die Abwertung des Anderen, der fremden Natur, der angeblichen Nicht-Vernunft. Schon klar, ihre Aussagen wirken heftig, wie jene eines Thomas Bernhard. Aber ich wage einmal zu behaupten, dass sie nicht ganz unrecht hat.

Hervorzuheben wäre vor allem, dass die verwendeten Texte in den BÜchern unter anderem von Hölderlin, Hegel, Heidegger, Fichte, Kleist und aus den Briefen der RAF von 1973-1977 stammen.

//Wolken.Heim. Elfriede Jelinek 3-15-018074-0

Solitudinis et immortalitas.

„Ich will nur eines. Ewig leben.“, flüsterst du mir ins Ohr. „Bis in alle Ewigkeit.“ Zweifelnd blicke ich dich an. „Nicht in diesem Körper. Aber mit meinen Taten. Mit meinen Werken“ Ich nicke. Verstehe, was du mir zu sagen versuchst. Ewig leben. Was für ein fataler Gedanke. Nicht wegen dem ewigen Altern. Das wäre das geringste Problem. Aber man hätte dann keinen Punkt, um einfach mal Schluss zu machen. Um etwas zu beenden, das weiter nicht geht. Es wäre eine Aneinanderreihung endloser Tage und Jahre und jeden Tag würde man aufwachen und erkennen, dass man wieder nicht den Löffel abgeben wird. Ewig leben, in diesem Körper. Glücklicherweise ist dies zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.

Mit den Taten, den Werken unsterblich werden. Eine Lebensaufgbe, wie man so schön sagt. Dieser Begriff, Lebensaufgabe, wird ja viel zu oft verwendet. Aber manchmal hat man wirklich die Macht dazu. Ich möchte kein Unternehmen aufbauen, das zu meinen Lebzeiten glanzvoll läuft und irgendwann, bei der nächsten großen Weltwirtschaftskrise den Bach runter geht. Es gibt viel mehr, was von längerem Bestand ist. „Du schaffst das.“, lächle ich dir zu. „Wir schaffen das.“ Du nickst, und legst denen Kopf in meinen Schoß.

„Ich will bestimmen.“, höre ich dich sagen. „Will bestimmen, wann ich sterbe.“ Ich kann dich wieder einmal verstehen. „Ich will nicht unvollendeter Dinge sterben.“ Ja, das ist auch meine größte Angst. Dass ich mit all meinen Ideen und menen Möglichkeiten irgendwie zu früh sterbe. Ein Unfall, oder eine Krankheit. Meine größte Angst. „Und.“ Ich warte, warte auf deine Worte und bin mir schon fast sicher, was du sagen möchtest. „Und ich möchte nicht alleine sterben.“ Alleine. Als wäre das Ende belanglos. „Du sollst bei mir sein.“ Und mit feuchten Augen blickst du mich an. „Ich will nicht allein sein.“, wiederholst du dich.“Ich werde bei dir sein.“, besänftige ich dich und wünsche mir, dass ich dieses Versprechen halten kann.

„Das Leben ist viel zu kostbar“ Langsam werden Floskeln zu wahren Aussagen. „Viel zu kostbar, um es zu vergeuden.“ ‚Das werden wir nicht.‘, denke ich und augenblicklich kommt mir diese Liedzeile ins Gedächtnis. Wir können das, denn wir sind anders. Du richtest dich auf, umarmst mich und mich überkommt dieses Gefühl, wie ich es schon lange nicht mehr gefühlt habe. I don’t believe that anybody feels the way I do, about you now.

Eine laue Sommernacht.

Die Wolken, sie stehen am Himmel. Bewegen sich keinen Zentimeter. Die Blätter der Bäume ruhen. Windstill ist es und die Sonne verliert ihre letzte Energie bevor sie hinter den Bergen verschwindet. Weit weg sind wir, unsere Räder haben wir an einen Baum gelehnt. Wir liegen in der Wiese. Es ist noch überraschend warm. Irgendwo hat ein Bauer sein Feld frisch gemäht, und dieser typische Geruch frisch gemähten Grases steigt uns mehr und mehr in die Luft. Wir warten auf die vollkommene Dunkelheit, auf die Sterne und auf den Mond.

Viele Kilometer haben wir nun schon hinter uns, und nur mehr schwer werden wir den Weg nach Hause finden. Wir haben uns entfernt, ohne ein Wort zu sagen, ohne aufzufallen. Jetzt liegen wir hier und denken nach. Blicken in den Himmel und warten. Unzählige Erinnerungen schwappen aus unseren Mündern, über unsere gemeinsame Zeit, über das Leben und die Liebe. Ach, die Liebe. Sie ist doch nun schon seit vielen Jahren ein Thema von uns. Wann werden wir wohl je damit aufhören.

Die Stille. Nur das Zirpen der Grillenvölker und manchmal das Krähen der Raben, die sich das Essen vom Boden herauspicken. Eigentlich ist es ruhig. Ruhig und nur die Worte durchbrechen manchmal die Stille. Irgendwann beginnen wir auch zu singen, wir singen unser Lied. Und das Lied von wahrscheinlich hunderttausenden Anderen. You gonna be the one that saves me.

Nach dem Ende des Liedes sehen wir uns an, lächeln. Das ist es. Das sind wir. Ach verdammt, wie sehr mir das doch gefehlt hat. Wie sehr ich doch unsere gemeinsame Zeit vemrisst habe. Und wieder einmal schwören wir uns, uns nie aus den Augen zu verlieren, und doch haben wir es schon mehr und mehr getan. Nur an wenigen Tagen haben wir Zeit und treffen uns und leben das Leben von vor zwei oder drei Jahren. Wir haben usn verändert und diese laue Sommernacht zeigt es wieder einmal. Der Mond taucht unsere Gesichter in Schatten und wir blicken uns an. And so it goes. Wie man so schön sagt.

Ich kann auf vieles in meinem Leben verzichten. Aber wir gehören einfach zusammen, wir sind Teil unserer Geschichte. Freunde sind einzigartig, jeder Einzelne. Und auch wenn uns, im Gegensatz zu unserer Schulzeit nur wenige Tage in der Woche oder im Monat bleiben, so kann man doch froh sein, dass wir wenigstens diese wenigen Tage haben. Und irgendwann, es muss schon nach Mitternacht sein, greifen wir unsere Fahrräder. Und fahren los. Nächstes Ziel? Wohin der Weg uns führt, okay?

Eine Unendliche Geschichte.

Ein Stöckchen. Wie interessant, dass mir dieselbe Idee vor kurzem erst selbst durch den Kopf schwirrte und deswegen freue ich mich, dass mich der Autor ohne mit Talent beworfen hat.

Tshalina, die Stöckchenerfinderin, erklärt ihre Idee so:

Ich möchte eine unendliche Geschichte schreiben. Jeder Blogger, der Bock hat, kann sich sozusagen einmischen und das Stöckchen aufnehmen und weiterverarbeiten. Ich möchte euch bitten, dass ihr die jeweiligen vorherigen Postings übernehmt, d.h. wenn jemand zu euch auf den Blog kommt, dann soll er nicht nur einen einsamen Satz oder möglicherweise zwei Sätze in einem Posting bei euch finden, sondern er soll die Story finden, so weit wie sie bereits gekommen ist. In einem Monat gibt es von mir ein Update mit der Story, so weit wie sie bereits erzählt worden ist. Bitte vergesst nicht, einen Kommentar oder Trackback zu hinterlassen, damit die Leser unseres kleinen “Experiments” nicht plötzlich mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn verzweifelt nach dem Fortgang unserer Story suchen müssen.

Tommy erwachte in der Dunkelheit. Es war so stockdunkel, dass er nicht das Geringste sehen konnte. War er am Tag oder in der Nacht erwacht, fragte er sich. Langsam spürte er Panik in sich aufsteigen. Die Dunkelheit schloss Tommy ein, umgab ihn mit einer so undurchdringlichen Schwärze, dass er sich fragte, ob die vage Erinnerung an Licht, die es irgendwo in der Tiefe seines Gedächtnisses gab, vielleicht nur ein Traum sei. (Tshalina)

Obwohl er seine Augen aufriss, war dort nichts als schwärzeste Finsternis. Langsam richtete Tommy sich auf und begann, sich einen Weg zu ertasten in diesem Raum, der ihm völlig fremd erschien. Ist er vorher schon einmal hier gewesen? Er ist sich nicht sicher, denn er verspürte einen vertrauten Geruch in seiner Nase und er hörte Musik, sanfte und wohlklingende Musik. Er hörte sie ganz deutlich. Seine Ohren brachten ein paar Farben in die Dunkelheit. Es musste doch einen Weg hier raus geben. (Konna)

Tommy fragte sich, wie er überhaupt in diesen Raum gekommen war. Er konnte sich undeutlich an ein Fest erinnern, bunte Lichter, Musik, zwei Männer, Sirenengeheul, dann nichts mehr. Wo war er hier gelandet? Tommy fühlte in der Dunkelheit eine Wand, die er entlangging, bis seine Hände eine kühle, raue Oberfläche ertasteten. Eine Tür! Er drückte die Klinke herunter – die Tür war abgeschlossen. (Jakob)

Die Musik, die noch immer zu vernehmen war, schien jenseits dieser verschlossenen Türe ihren Ursprung zu nehmen. Tommy legte sein Ohr an das rissige Holz und versuchte die anderen Geräusche zu identifizieren, die sich unter die Töne mischten. Er hielt die Luft an. Das Pochen seines eigenen Pulses jedoch ließ ihn Sekunden später schwer durchatmen. Erneut nahm Panik von ihm Besitz. Er wollte hier raus, und das sofort. Mit einem Mal war ihm völlig egal wo die Musik herkam, oder was sich hinter dieser Tür verbarg. In dem Moment, als er sich aufrichten wollte, flog die Türe auf und traf Tommy mit voller Wucht auf der Schläfe. Wage konnte er noch ein helles Licht und den Umriss einer Gestalt ausmachen, bevor er taumelnd zu Boden sank. (lexxa)

Im Gegensatz zu seinem letzten Erwachen, war es dieses Mal so hell um ihn herum, dass es seine Augen sofort wieder zudrückte. Im gleichen Moment spürte er einen stechenden Schmerz im Kopf und versuchte sich zu erinnern was passiert war und wie er hier her kam. Ein Fest, Musik, ein dunkler Raum, die Holztür… Jemand muss die Tür ruckartig aufgemacht haben gerade in dem Moment wo er den Ausgang fand.
Noch einmal versuchte er seine Augen zu öffnen, das grelle Licht im Raum brannte in seinen Augen. Als er wieder etwas sehen konnte, erkannte er, dass er in einem Krankenhaus sein musste, neben ihm sass seine Freundin und lächelte ihn an. (Autor ohne Talent)

Alles war weiß. Die typische Sterilität eines Krankenhauses. Tommy richtet sich in seinem Bett auf, der Polster plusterte sich wieder auf. „Hallo.“, sagte seine Freundin, „Du hast ja lange geschlafen.“ Er hatte also geschlafen, doch viel eher kam es ihm vor, als wäre er gerade erst aus einem monatelangen Koma erwacht. „Emilie.“ Er stockte. Seine Stimme kam ihm unheimlich vor. Doch er wagte einen weiteren Versuch. „Emilie. Wa-, was mache ich hier?“ Und sie begann ihm alles zu erklären und je länger sie sprach, desto unglaublicher und dubioser erschien ihm seine eigene Geschichte. (just4ikarus)

Nachdem mein Vorschreiber eine neue Figur eingefügt hat, habe ich mir die Freiheit genommen, dieser Figur, „der Freundin“, einen Namen zu geben. Wem ich das nun weiterwerfe? Da wähl ich mal die Sternengreiferin. Viel Spaß mit diesem Stöckchen!

Tee.

Der Wind peitscht gegen das undichte Fenster.

Es regnet. Schon seit Tagen. Nichts Neues hier und auch nicht auf der Welt. Alles scheint ruhig und doch peitscht der Wind. Durch die Äste und den Wald. Die Blätter wiegen sich und seelenloses Zeitunspapier fliegt zerknittert durch die Luft. Bis es irgendwo hängen bleibt und sich langsam im fallenden Regel tränkt.

Wir sitzen in unserem Zuhause. Gesichert vor all den Angriffen von außen. Wir sitzen da, mit einer Tasse heißem Tee und einigen Keksen. Blicken der Welt zu, wie sie im Chaos versinkt. Sturm und Regen und Wind. Und irgendwann kommen auch die Blitze. Und wir sitzen hier und hören jeden Wetterumschwung. Es ist schön, diesen Moment mit dir zu verbringen. Wir schweigen, und blicken auf die schnell vorbeiziehenden Wolken, blicken auf die Pfütze am Boden, die sich schneller und schneller füllt.

Wir befinden uns im Schutz dieser dicken alten Mauern und in Decken gehüllt, erfahren wir die Ankunft der Dunkelheit. Der Regen hat noch nicht aufgehört und die untergehende Sonne spiegelt sich am nassen Asphalt. Und irgendwann steigt der Mond auf und die Nacht wird niemals dunkel. Viel zu hell leuchtet die Nacht. Und mit dem Tee und den Keksen bleiben wir still. Es ist schön. Dieser Moment. Mit dir.

Hard Hand To Hold.

Deine Lippen schmecken salzig.

Meine Lippen spüre ich nicht mehr. Ich habe mich fallen gelassen und du hast mich aufgefangen, hast mich vor dem Aufprall auf dem harten Boden bewahrt. Bewahrt vor dem Sturz in die Tiefe und ich spüre sie nicht mehr. Meine Lippen.

Du hast mich überrascht. Ich liebe es, wenn du mich überrascht. Ich liebe das Lächeln, wenn du sie mir unterbreitest, dieses gespannte Lächeln, während du auf meine Reaktion wartet. Ich liebe dein Augen, das Funkeln darin, wenn du abwechselnd mich und den Boden, den Boden und mich anblickst. Ich liebe es, wie du meine Hand hältst und wie du mit mir wartest.

Wir warten. Besser gesagt, du mit mir. Du bist für mich da und hältst meine Hand. Bis das alles vorbei ist. Bis der Schmerz nachlässt und bis irgendwann eine gewisse Akzeptanz einkehrt. Es ist kaum vorstellbar, wie beschränkt linear meine Gedanken in den letzten Monaten waren. Du hilfst mir und hältst Hände und wartest. Wartest bis der Schmerz und die Trauer und die Tränen ein erfülltes und vorzeitiges Ende finden. Du hältst meine Hand und bist da.

Was wäre ich nur ohne dir und wie könnte ich das alles überstehen. Ich wüsste es nicht. Du bist da und überraschst mich, und teilst dein Lachen mit mir und das Funkeln deiner Augen. Du fängst die Tränen auf, die ich weine und hältst mich, wenn ich zittere. Du schenkst mir Schutz und Geborgenheit. Und irgendwann küssen wir uns auch, und plötzlich schmecke ich es. Deine Lippen schmecken salzig. Du weinst.

Give It Up.

Typical Situation.

Der Zug. Der letzte Zug und ich versuche ihn so gut wie möglich zu genießen, bevor ich sie in der Toilette hinunterzuspülen versuche. Das Fenster ist gekippt und nachdem ich mit den Händen wild herumfuchtle, glaube ich, nichts mehr riechen zu können. Ich schließe die Tür auf und setze mich zurück zu meinem Platz. Wo auch schon meine Tasche und meine Jacke liegen. Ich habe jetzt mal wieder und mit vollem Bewusstsein, zum ersten Mal seit langer Zeit, wieder etwas Verbotenes getan. Keine große Sache, nur ein Verstoß gegen die Zugverordnung. Aber trotzdem fühle ich mich jetzt wohl. Besser als während der zweieinhalb Minuten, in welcher ich die Zigarette zu rauchen versuchte.

Die Sonne blinselt durch die ungeputzten großflächigen Fenster herein und mein Kopf lehnt sich an. Ich denke nach und höre Musik und denke nach. Und beim nächsten Halt steigt plötzlich diese hübsche junge Frau zu. Vorsorglich räume ich die Dinge von meinen Sitzen herunter und warte. Sie blickt sich um und ich scheine die erstbeste Lösung zu sein. „Noch frei?“, murmelt sie, und ich nicke und lächle. Sie lächelt zurück und so sitzen wir und der Zug fährt wieder los und ich versuche mich irgendwie sinnvoll zu beschäftigen und krame in meiner Tasche nach irgendeiner Lektüre, die mich als intelligent darstellen würde. Houellebecq hat mich zwar nicht unbedingt als Zielgruppe, aber es sieht schon besser aus, als würde ich irgendeine Gratiszeitung rauskramen, die ich aufgeschnappt habe.

Immer mal wieder schweifen die Blicke zu dieser jungen Frau. Ich beobachte sie, wie sie sich vom Bordservice einen Kaffee kauft und wie sie ihn zubereitet. Wie viel Milch und wie viel Zucker und ich blicke immer mal wieder in das Buch und immer mal wieder auf sie. Eine Stunde lang setze ich das fort, bis sie den leeren Kaffeebecher in den viel zu kleinen Abfalleimer stopft, ihre Tasche nimmt und geht. Ein Lächeln noch und weg ist sie. Und die Sonne scheint noch immer. Dem Untergehen begriffen. Und ich lehne mit dem Kopf an den ungeputzten Fenstern und warte, bis denn nun endlich auch meine Endstation kommen würde.