Feels Like The First Time.

Das Warten und dieser kurze Moment.

Wenn ich meine Augen schließe, bleiben sie es nicht. Sie zittern vor sich hin. Mit der Musik in den Ohren, gefühlvoll und traurig. Aber nicht der Grund für dieses Gefühl heute. Für dieses Gefühl jetzt. In letzter Zeit habe ich manchmal diesen Anflug von komischem Kribbeln im Bauch. Kein schönes Gefühl, eher störend und beunruhigend. Nicht verliebt grummelnd sondern verstört krabbelnd. Ich wüsste nicht, was genau das sein könnte, aber in genau diesen Momenten schaffe ich es nicht, die Augen zu schließen.

Sie zu schließen und nicht sofort zu beginnen, mit Gedankenfetzen um mich zu werfen. Ganz still sitze ich dann vor dem Computer oder auf dem Balkon oder in meinem Bett und alles stürzt herein und ich habe keine Ahnung, was denn nun los ist. Warum ich mich so fühle, und was ich hier jetzt nun eigentlich fühle und ich warte und denke nach und manchmal kommen mir die unglaublichsten Gedanken und manchmal auch wunderbare Ideen und dann lenke ich mich ab und sehe in die Sterne oder in den blauen Himmel oder ich schließe die Augen ganz fest, sodass ich kein Zittern zulasse.

Oft denke ich auch an ihn, und wie schön es jetzt wäre, wenn er hier wäre. Und wie bescheuert ich es finde, wenn man sagt. Sein Körper ist jetzt zwar tot, aber er lebt in eurer Erinnerung, in euch, weiter. Ja, dort lebt er und jedes Mal wenn irgendetwas passiert, was er genauso getan hat, und wenn ich am Kühlschrank oder an der Ecke mit den Bildern vorbeigehe, sehe ich sie mir an, zum Tausendsten Mal, und zum tausendsten Mal verstumme ich. Nach außen hin und auch ganz innen drin. Ich habe nichts zu sagen, und ich frage mich ständig, ob es das ist. Ob er so in mir weiterleben soll, als Beweis, dass Vergangenes so großartig war und die Gegenwart nur das Resultat einer Substraktion oder der miese Rest einer Division ist. Wenn es so ist, weiß ich nicht, ob er nicht einfach nur tot sein könnte. Einfach nur tot, und die Erinnerung würde nich jedes Mal wieder aufflackern und die Erinnerung würde mir nicht mehrmals täglich eine Hieb in die Magengegend geben. Aber es ist doch die Erinnerung, das ist es doch, was mir bleibt. Und so denke ich nach.

Ich denke nach und komme einfach nicht weiter. Seit Tagen ist es nun schon so und ich sträube mich dagegen, aber jedes Mal, wenn die Sonne untergegangen ist, wenn ich im Wohnzimmer sitze oder auf meinem Bett, wenn die ganze Welt schläft und ich vielleicht gerade meine letzte Zigarette hinter mir habe, dann kommt dieser Moment. Und ich fürchte mich etwas vor den Gedanken und den Ideen und vor den Augen, die zittern. Und ich freue mich dann schon auf den nächsten Tag und die Sonne und die Unbeschwertheit und alles. Doch dieses Gefühl bleibt noch einige Zeit und geht nicht. Und das jeden Tag und. Und ich finde keine Antwort auf all die Fragen, keine Fragen auf all die Antworten.

Wish I Had.

Eine Berührung.

Du berührst mich. Ohne mich zu berühren, deine Hände ruhen, liegen an deinem Körper, thousand miles away. Du berührst mich. Mit deiner Stimme und mit der Erinnerung. Sie schwebt und fliegt und fällt und berührt. Sie berührt mich, die Erinnerung. Die Bilder und Worte und Dinge. Sie liegen, stehen, verrotten. Du bist nicht da und doch. Niemals fehlst du und trotzdem fehlst. Du. Du berührst mich.

Die Wolken und die Sonne. Der blaue Himmel. Die Natur, das Gras, das Wasser. Erde, Wasser, Feuer, Luft. Elemente der Welt. Wir sitzen hier seit Stunden. Und sind einfach nur am Leben. Bis unsere Welt zerbricht. Es dunkel ist. Dunkel. So wie du. So wie ich.

Außer Dir.

Turmbau zu.

„Du liebst mich. Du liebst mich nicht. Liebst mich nicht. Nicht. Nicht.“ Zehn Stunden sind vergangen, seit der Tag mit meinem Augenaufschlag begonnen hat. In jeder Hundertstelsekunde, jedes Mal wenn ich zwinkere, verliert der Tag Minuten an Zeit. Das Wässer plätschert und langsam aber sicher kommt sie. Die Dunkelheit und die Nacht.

„Wohin wollen wir gehen. Wohin führst du mich. Wo sind wir. Wo ich.“ Tannenbäumchen wachsen für das nächste Weihnachten und irgendwo verrottet eine Banane aus Südamerika oder Afrika ganz langsam und zerstört dadurch den Anblick einer reinen Welt. Überall liegen sie herum und niemand wagt und niemand fragt. Und fragt und liegt. Mitten auf der Straße mit Blick zu den Sternen und Blick auf die Wolken. Und man sieht. Und doch nichts.

„Deine Hand. Deine Haut. Deine Stimme, dein Atem. Dein Lächeln. Ich. Wir.“ Der Grashalm streicht langsam über das Gesicht und schneidet sich sorgfältig hinein in das makellose Gesicht. Hinterlässt eine Furche und eröffnet dem Blut einen schmalen Weg. Das Haar tränkt sich mit der roten Last, dem Saft des Lebens, dem Benzin des Sterblichen. Niemand streicht diese Strähne weg und niemand sieht das Blut. Nur die Berührung dort, an dieser Stelle, an diesem Ort, es schmerzt. Tut weh.

„Ein Elefant für dich. Ein Elefant. Für. Für Dich.“ Der natürliche Lauf des Lebens und die Antwort auf die Zeit und die Frage nach der Dunkelheit. Sammelpunkt der Unwissenheit und Stille. Nichts ist rein und. Und mein und dein. Kein wir. Nur das Ich in diesem Gedankenkomplex aus Liebe und Leben und Ende und Anfang und Vergebung und Traum. Ein Turmbau zu. Und doch nichts. Nichts weiter.

Todo Cambia.

Ein Abend.

„Das sind nicht meine.“

Ich schnappe sie mir und lasse sie in einer meiner Hosentaschen verschwinden. Man will sie ja niemandem aufzwingen, denke ich mir. Sie lächelt mir zu und mit dem zweiten Blick habe ich sie auch schon wieder aus den Augen verloren. Als wäre sie auf Klabautergröße geschrumpft, und ich ein Troll. Zwar mächtig groß, aber verhältnismäßig ebenso dumm. Oder blind, je nachdem, wie man es sehen will.

Mit einem leichten Husten setze ich meinen Gang fort, in der einen Hand das Glas, in der anderen eine Zigarette. „Du solltest nicht rauchen, wenn du schon erkältet bist.“ Ja, Mama. Jetzt hast du wohl erreicht, was du immer erreichen wolltest. Deine besserwisserische Stimme klingt in meinem Kopf selbst Stunden nachher noch nach. Du Virus in meinem Kopf, du Stimme, die, obwohl ich dich in manchen Situationen wirklich nicht ausstehen kann, immer Recht hast. Und du weißt doch. Empfiehlst du mir irgendetwas, entscheide ich mich fürs Gegenteil. Hey, nichts Persönliches, das habe ich mir nur irgendwann einmal angeeignet. Mit der Zigarette und dem Glas in der Hand mache ich mich also auf den Weg und sehe Freunde und Leute, die ich heute zum ersten Mal hier gesehen habe.

„Hey.“ Ich nicke dem Typen mir gegenüber zu. Eine gewisse Abneigung spüre ich schon jetzt, nach Sekunden eines vollkommenem Versuches ihn kennenzulernen. Er nickt zurück, bemerkt das Blitzen in meinen Augen und meint auch nur, ein wahrscheinlich unvorteilhaft ausgesprochenes „Hey.“ Die Intonation bei ihm war falsch. Dass man ein so kurzes Wort auch noch falsch betonen kann. Mensch Mensch Mensch. Naja, er ging zum Schluss des Wortes mit der Stimme weiter rauf. So als würde er fragen. Ich beachte ihn nicht weiter und ziehe an der Zigarette und spüre das Kratzen im Hals schon wieder. Schnell ein Schlückchen des Getränkes in meiner Hand und für einen kurzen Moment legt sich ein Schicht dieser Flüssigkeit auf die entzündeten Stellen.

Ich fühl‘ mich nicht wohl hier. For what? Warum bin ich dann überhaupt hier, mit meinen Freunden, dem Drink und der Zigarette. Unterwegs in diesem Niemandsland nutzloser Seelen. Das wusste ich doch schon vorher, dass das nicht mein Ding werden würde. Es überrascht mich selbst, dass ich nicht auf diesem großen Fest bin. Dort, wo auch sie ist. Früher hätte ich nicht ruhen können, hätte ich sie an solchen Tagen nicht zumindest kurz gesehen. Jetzt ist es mir egal. Wir werden schon unsere Zeit haben, zum Reden und so. Solche Begegnungen, an unangebrachten Orten, bringen nichts.

Ich denke schon wieder viel zu viel nach. Hoffentlich hat das nicht irgendjemand gemerkt. Dass ich gedankenversunken beinahe die gesamte restliche Zigarette habe verglühen lassen. Ich trinke aus und verlasse den verhassten Ort. Ein kurzes, richtig betontes „Hey“ oder ein „Tschö“, je nachdem, ich weiß es selbst nicht mehr, verabschiedet mich. Nur wenige Meter entfernt, setze ich mich auf ein Bänkchen. Mit Blick auf den See und den Himmel. Mit Blick auf die Dunkelheit. Und während mich Gedanken immer weiter fesseln und auch Kälte irgendwoher antanzt. Irgendwann kommt mir der Gedanke.

Nada Cambia.

Und das Erschreckende daran. Ich kann noch nicht mal Spanisch. Und in der Dunkelheit packe ich die vorhein eingeschobenen Zigaretten aus meiner Hosentasche aus. Biete mir und den Menschen in meiner Umgebung eine an und bin dann wieder mal alleine. Ich flüstere mir langsam und immer wieder. Ihr müsst mich nicht verstehen ihr müsst mich nicht verstehen ihr müsst mich nicht verstehen. Eine Endlosschleife. Doch Alleinsein hilft manchmal. Und ändern wird sich doch nichts und alles und ich.

Dark Shines.

Lights will guide you home.

Du reichst mir die Hand und ich greife nach ihr. Wir spazieren durch den Wald und der Geruch des Frühlings und der übrig gebliebenen Blätter der Herbstes steigt in unsere Nasen und die Schuhe werden immer dreckiger. Die Sonne strahlt durch die Baumwipfel, und die Strahlen, sie sehen aus wie man sie von den Postkarten kennt. Als würde der Himmel seinen Schein, seine Macht strahlen. Irgendwo, in drei Meter Höhe, lösen sich diese Strahlen dann auf und verkümmern in der Dunkelheit, die durch die vielen Bäume um uns herum erzeugt wird.

Deine Hand zieht an mir. Ich scheine gestolpert zu sein. Die Jeans war vorher schon dreckig genug, um mich nun nicht mehr darüber aufzuregen. „Wir müssen weg hier, raus aus dem Wald.“, flüsterst du mir zu. Ich nicke und wir laufen wieder. Nach wenigen Schritten höre ich auf zu Humpeln und wir laufen und verlieren die Dunkelheit hinter uns und deine Hand zieht und ich falle. Und irgendwann haben wir ihn verlassen, den Wald und alles.

Unsere Schritte verlangsamen sich wieder und unser Atem beruhigt sich nach und nach. Die Kondition ist eben doch nicht mehr die Beste. „Komm, lass uns hier niedersetzen.“, meine ich und ziehe dich herunter. Saftig grüne Wiesen, all around us. Wir legen uns darin und die Natur bietet uns ein gemütliches Bett und wir schlafen beinahe ein, wenn da die Dunkelheit und die Strahlen und die Sonne nicht wäre. Wir bleiben sitzen und blicken in den Himmel. Auf die Wolken, die Pantomime mit uns spielen, und wir erraten keine Einzige. Wir lachen und liegen hier und das Grün und die Wiese. „Warum sind wir gelaufen. Wovor davon?“ Du siehst mich nur an und dein Lächeln ist kein Lächeln. Es ist vollkommene Ungewissheit, du hattest Angst und ich mit dir. Und wir flohen vor der Dunkelheit und dem Wald. Wir stolperten, weg aus dem Licht und den Schatten.

Ich bin müde. Und schlafe ein und sitze neben dir. Auf dieser Wiese, grün auf grün. Nur alles wir, sonst niemand. Wolkenlos und immer noch reden wir und du lächelst und hast Angst, und deine Hand, sie ist die meine. Wir liegen hier und atmen uns und riechen das Grün und riechen uns, und atmen aus. Und mein Kopf auf deinem Bauch, meine Hand in deinem Gesicht und meine Hand auf deinen Bauch. Und wir schweigen uns an und finden nicht die richtigen Worte und loben den Tag und warten auf die Dunkelheit. Und wir schlafen, du auf mir und ich auf der Wiese. Grün und schwarz, dunkel ist der Tag und die Nacht ist unaufhaltsam. Es wird dunkel und ich möchte laufen, habe Angst. Möchte davonlaufen und dich mitnehmen, doch du schläfst und ich warte und beobachte und beschütze dich.

Wolken.

Mal grau, mal schwarz. Mal weiß.

Du lächelst. Deine Mundwinkel berühren beinahe deine Augen und ich sitze neben dir. Sitze neben dir und blicke in den Himmel. Blau ist er und manchmal färbt er sich auch grau und manchmal fast schwarz. Die Wolken ziehen vorbei. Langsam und weiter und vorüber.

Ich habe keinen Anhaltspunkt, weiß nicht, wann das alles begonnen hat, und wer du bist. Du sitzt nur neben mir und lächelst. Kein Wort sprichst du mit mir und ich warte. Doch du schweigst und ich sehne. Sehne mich nach Nähe und Geborgenheit und nach Wärme und Halt. Du lächelst und gibst mir nichts.

Und Minuten und Stunden später. Tagelange Stille zwischen uns. Du stehst auf und gehst. Kommt nicht mehr wieder und ich warte. Du lächelst und gehst noch weiter. Und ich sehne. Sehne mich nach dir.

Verlernt.

Weil das Kind, das gegangen ist, jetzt vor dem Haus stehend, erkennt und vermisst, dass es kein Kind mehr ist. [Kettcar; Verloren; Sylt; 2008]

Man hat es vergessen. Worte sind Gefallen und haben eines bemerkbar gemacht. Nichts ist, wie es damals war, all die Freude verloren und die Stimmen verstummt. Man hat es doch glatt vergessen. Ich erhebe mich, schiebe den Stuhl langsam zum Tisch. Verabschiede mich und mache mich auf den Weg. Meter vor dem Auto schrecke ich zurück und bleibe stehen. Das kann es nicht gewesen sein.

Ich drehe um und setze meine Schritte fort, weg von dem Auto, dem Heimbringdienst, dem Zuhause. HInaus in die weite Welt, an Orte, die ich vergessen, an Orte, die ich noch nie gesehen habe. Um zu denken und zu überlegen. Nachdenken über die Vergangenheit und über die Jahre, die mich zu dem machten, was ich jetzt bin. Und dann lege ich mich nieder, auf offene Wunden. Auf offene Fragen, mit Antworten verbunden.

Ich habe vergessen und lehne mich an. An die Parkbank und den Zaun. Die Zigarette wird kürzer und kürzer, Asche bröckelt auf mein Shirt. Die Gedanken spielen Pingpong und niemand gewinnt. Wie konnte ich nur, wieso denn bitte?  Gerade das scheinbare Elend der heutigen Jahre ist auf dem Vergessen des Vergangenen aufgebaut. Ein Kind war ich und wollte es ewig bleiben. Wollte kindlich denken und kindlich entscheiden. Wollte lauthals lachen und das Leben genießen. Die Verantwortung anderen geben und das Leid leben. Bis das Lachen wieder mein Leben befreit.

Man hat es vergessen. Hat verlernt, ein Kind zu sein. Nie mehr wird es, wie es hätte sein können. Wir haben verloren.

Uns Trennen Nur.

Es ist doch gar nicht so viel.

Uns trennen Universen. Bekommen nichts voneinander mit. Sind eigenständige Objekte in diesem Hauch von Unendlichkeit. Du weißt nichts über mich, und auch ich vermute nur so vor mich hin, wer du sein könntest. Erfahren werden wir es nicht, weil wir es nicht wert sind.

Uns trennen Galaxien. Kreisen um verschiedene Himmelskörper und treffen nie aufeinander. Manchmal wirft irgendwer einen Meteoriten vorbei, aber es kommt nie zu einer Annäherung. Es bleibt so wie es ist, und die Kreise setzen sich fort. Dass meine Sonne deinen Namen trägt, weißt du gar nicht. Dafür bist du viel zu weit entfernt.

Uns trennen Planeten. Leben unterschiedlich schnell vor uns hin. Der eine braucht manchmal länger um zu begreifen und um einzusehen. Während der andere so vor sich hin lebt und nicht mal mehr an seinen Kollegen in dieser Galaxie nachdenkt. Warum denn auch. Es besteht doch keine Abhängigkeit.

Uns trennen Kontinente. Du sprichst eine andere Sprache und ich verstehe kein einziges Wort von dir. Ich spüre es zwar, wie glücklich ich mich fühle, deine Stimme zu hören, aber ich verstehe es nicht. Kein einziges Wort. Dass wir trotzdem miteinander sprechen überrascht mich und doch ist es viel zu selten.

Uns trennen Länder. Es gibt Grenzen die man trotz Millionen von Soldaten wegwischt. Aber unsere überwindet man nicht. Wir haben keine Möglichkeit, richtig zu verhandeln, weil wir nicht bereit dazu sind. Wir vermeiden den Kontakt, oder besser gesagt du. Du kapselst dich ein und versuchst erst einmal, alles innerhalb auf die Reihe zu bringen. Und ich könnte dir sagen, dass das nie klappen wird.

Uns trennen Zentimeter. Ich bin dir so nahe, wie ich immer sein wollte. Und doch fühlst du dich fremd an und ferner als alle Universen voneinander entfernt sein können. Du fühlst dich nicht richtig an und ich spüre den Abstand, der sich mittlerweile zwischen uns aufgebaut hat. Es sind nur Zentimeter, nicht viel. Nur Zentimeter. Und doch bist du weg. Weit weg. Viel zu weg.

Denn uns trennen Welten. Und wir trennen uns.

Spiegelung.

Die Bäume spiegeln sich im See. Dunkel, dieser Platz.

Durch den Wind wird ein Blatt in den See geweht. Dem Berühren des Wassers folgen kleine gleichförmige Wellen. Meine Augen folgen dem Wasser und beobachten, wie die Spiegelung des Umlandes unförmig wieder zu sich zurückfindet. Der Steg hier. Ich lasse mich nieder und würde am liebsten meine Füße baumeln lassen. Doch dafür ist es noch zu kalt. Der eisige See liegt vor mir, die Bäume wehen im Wind und die Spiegelung bewegt sich.

Als die Unmenge an Luft durch die Äste weht, warte ich. Das ist dieser Platz, an dem wir waren. An dem wir es versuchten und uns auch gut dabei fühlten. Auf diesem Steg saßen wir und alles schien okay. Ich erinnere mich gerne an diesen Tag zurück. Die Sonne schien und es war Sommer. Ein Sommer wie damals. Jetzt ist es dunkel, hier an diesem Platz. Hier an diesem Ort, wo sich die umliegenden Bäume im See spiegeln. Und vielleicht spiegelt der See noch viel mehr. Uns beide. Es ist dunkel. Der See ist still. Still ist es um uns geworden. Nur ich sitze hier, und warte.

Dieser Platz hier ist besonders. Die Magie, die er ausstrahlt, spüre ich nirgendwo so stark wie hier. Hier waren war, unzählige Tage. Du wohnst nur wenige Meter entfernt. Ich habe dich nicht angerufen, habe nicht angeläutet. Ich wollte zu diesem Platz allein kommen, mit all der Erinnerung. Dass es wehtun würde, habe ich erwartet. Aber ich warte und räume die Dunkelheit immer mehr Platz ein. Irgendwann hört es auf zu spiegeln. Die Nacht ist da und der See liegt still da. Mit der Hand auf meiner Brust spüre ich das sanfte Atmen meines Körpers. Gedanken schwirren wie Glühwürmchen um mich herum. Es ist Zeit, denke ich. Und warte.

The Quiet Storm.

Langsam ziehst du vorüber. Wie der Wind und das übrig gebliebene Laub. Der Regen drückt dich nur noch weiter hinein. In das Ding namens Leben.

Du siehst ganz zerknautscht aus. Als hätte man dich so fest gedrückt, dass du beinahe keine Luft mehr bekommen hättest. Du blickst um dich und entdeckst eben doch nur mich. Drehst dich um und gehst davon. Ohne einem Lächeln oder überhaupt einem Hauch von Mimik. Ich spüre nur noch, wie ich deinen Bewegungen folge, wie mein Augen an dir haften. Ich, auf dieser Parkbank, denke nach. Über dich und über mich.

Du hast dich verändert und hast scheinbar nicht nur mehr Angst vor dir selbst, sondern auch vor der restlichen Welt. Du zitterst, als du dich in eine sichere Ecke zurückziehst. Als würde man dich bedrohen und du würdest Zuflucht suchen. Ich kann dir jetzt nicht mehr helfen, es ist wohl zu spät. Ich sitze hier auf dieser Parkbank, und denke nach. Über dich.

Irgendwann hast du dich vollkommen zurückgezogen. Ich höre nur mehr deine Schritte, wie sie weglaufen, hinein in den Sturm. Danach habe ich nichts mehr von dir gesehen. Geht es dir gut? Ging es dir jemals gut. Dein Lächeln, falls du eines hervorpressen konntest, zeigte keine Kraft. Wirkungslos versuchtest du immer, dem Leben wohlgesonnen gegenüberzustehen. Doch jetzt bist du weg. Und ich bin wieder allein. Allein, in dieser Welt, in meinem Leben. Und so sitze ich auf dieser Parkbank und denke nach. Über mich. Dich. Die Welt. Und den ganzen anderen Mist.