Morgenträne.

Von Zeit zu Zeit, wenn ich gerade erst aufgewacht bin, und so gedankenleer vor mich hinschaue. Da kullert manchmal eine Träne herab. Vollkommen haltlos und ohne Grund. Bahnt sich ihren Weg von meinem Gesicht hinab, bis sie still und leise in den Polster versinkt.

Für mich ist das dann immer so ein kurzer Moment, wo ich einfach nur dieser Träne langsam folge. Dabei musst man nichts sagen, nichts sehen, nichts hören. Auch wenn diese Träne so unschuldig und unbelastet ihren Weg antritt, man spürt sie. Und irgendwie hat man sie auch schon liebgewonnen, kurz bevor sie im Polster verpufft.

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Und immer wieder verpasse ich den richtigen Moment. Immer wieder.

Es ist kurz vor halb fünf Uhr.

Wie passiert es immer wieder, dass wir so wunderbare Abende und Momente erleben, und dann der Abschied so furchtbar hart werden muss. Das haben solche Abende nicht verdient, weißt du. Nicht diese Abende, unsere Abende.

Ich will es nicht glauben, dass ich wieder einmal auf eine dieser furchtbaren Einseitigkeiten hineingefallen bin. Das würde mir mal wieder die Beine unter den Füßen wegziehen und mir ein weiteres Mal die Unverständlichkeit der Frauen unter die Nase reiben. Das darf nicht sein und wenn doch. Das haben Menschen wie ich nicht verdient, weißt du. Nicht Menschen wie ich, nicht ich.

Ich würde dich gerne küssen, würde deinen Duft gerne riechen, würde dich gerne umarmen. Ich würde gerne deine Hand nehmen. Aber vielleicht verpasse ich einfach immer und  immer wieder den richtigen Moment. Immer wieder. Das haben solche Momente echt nicht verdient. Wirklich. Nicht diese Momente.

Wie gerne würde ich mit dir im Bett liegen, deine Hand haltend und wir suchen gemeinsam an der Zimmerdecke nach Sternenformationen. Und reden. Reden, reden, reden. Ohne Unterbrechung. Über Gott und die Welt. Stundenlang. Hm? Lass es uns tun. Irgendwann. Sag mir nur Bescheid. Ich glaube, mit dir schafft man es wirklich stundenlang zu reden. Und im richtigen Moment, da werden wir dann einschlafen.

With wonder. [Ein Zitat]

Growing up happens in a heartbeat. One day you’re in diapers, the next day you’re gone. But the memories of childhood stay with you for the long haul. I remember a place, a town, a house, like a lot of houses. A yard like a lot of other yards. On a street like a lot of other streets. And the thing is, after all these years, I still look back…with wonder.

Finale Episode von „Wunderbare Jahre“

Irgendwie erschreckt es mich, wenn ich an meine ‚wonder years‘ zurückdenke. Mir fehlen irgendwie die großen Erinnerungen daran. Ich glaube, ich habe so verdammt viel versäumt. Und ja. Ich versäume weiter. With wonder.

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Darum geht es. Um nichts anderes.

Als du vor mir stehst, streiche ich langsam an deinen Armen hinab. Meine Nase berührt sanft deine linke Wange, ich spüre einen Hauch an meinem rechten Ohr. Irgendwo im Hintergrund spielt man irgendsoeine langsame und ruhige Musik. Es ist ein schöner Moment, weißt du. Aber auch das hilft mir nicht wirklich über mein Gedankenmoloch hinweg. Mein Kopf liegt auf deiner Schulter. Es ist schön so. Lass uns so bleiben.

Ich halte die Luft an. Um diese einsame Stille aufzusaugen, trotz all dem Wirrwarr rundherum. Wir beide, hier stehend, bei dieser Musik sind für den kurzen Moment still.

„Komm mit.“, flüsterst du mir zu. Nimmst meine Hand.

Wir verlassen das Lokal, stoßen hinaus in die Kälte. Ein paar Häuserecken umwandern wir, bis du stehen bleibst und dich mir zuwendest. Ein Kuss. Sanft, ein paar Sekunden. Meine Beine, weich. Ich, an der Wand. Ein zweiter Kuss. Berührungen.

Ich schließe die Augen. Scheiß‘ auf die Gedanken, vergiss‘ all die Fragen und Zweifel. Verdammt. Das hier. Dieser Moment. Darum geht es. Um nichts anderes. Nur darum. Verdammt. Wach auf! Es ist schön so.

Das Bild? Aus der Abschlussfolge von Scrubs. Unglaublich sehenswert.

Normalerweise vielleicht.

Du hast ein wundervolles Lächeln. Ich hoffe, du weißt das. Ich werde es dir nicht so schnell sagen. Dazu bin ich zu feige. Das würde wohl zu viel offenbaren. Normalerweise habe ich kein so großes Problem, viel von mir preis zugeben. Aber was ist denn bitteschön „normalerweise“. Seit Tagen wohl nichts mehr.

Ich warte. Warte darauf, dass diese Dunkelheit hier aus meinem Zimmer flüchtet. Bis ich mich wieder soweit dazu aufraffen kann, mich hinaus in die Kälte zu stellen, meinen weißen Atem aus meinen Nasenlöchern fliehen zu sehen. Dabei irgendeine wunderschöne, ruhige Musik in meinen Ohren. Vielleicht Coldplay, oder The Decemberists. Elbow, oder Colin Hay. Irgendwas zum Nachdenken. Und dann würde ich da sitzen und einfach mal die innerliche Stille und die außenstehende Ruhe genießen. Aber gerade eben kann ich das einfach nicht.

Gerade eben habe ich ein großes Problem mit der Einsamkeit. Weißt du, das hab‘ ich öfter mal. Da kann mich irgendwie nichts beruhigen, selbst wenn ich bei meinen Freunden bin. Es heißt ja, die Einsamkeit selbst gibt es nicht so plötzlich, man sucht sie. Vielleicht ist das ja so. Vielleicht brauche ich dieses furchtbare Gefühl gerade eben in diesem Moment.

Vielleicht aber ärgere ich mich einfach über mich selbst. Über meine Unfähigkeit. Vielleicht sollte ich auch einfach mal wieder schlafen gehen. Wobei ich ja persönlich finde, dass die Traumwelt erst mal überflüssig wird, sobald die Realität endlich wieder stimmt.

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Die letzten Tage gab es Nebel.

Pölle

Sie schmeckt salzig, die Luft. Jeder Atemzug befeuchtet meinen trockenen Hals. Langsam folge ich dem Weg und suche auf dem Boden nach unwichtigen Objekten, die ich wegzutreten wage. Es ist ein Tag wie jeder verdammte andere Tag auch. In meinen Ohren erklingt – von mir gewünscht – The drugs don’t work und in meinem Kopf stolpert in schwerer Gedanke über den nächsten. Es geht mir gut, nur fühle ich mich einfach so furchtbar ausgepowert. So letharg. So schwer.

Dein Lächeln.
Deine Augen.
Dein Gesicht.
Der Moment, als wir uns trafen.

Ich grinse. Wandere weiter, boxe mich durch diese sich wehrende Nebelwand. Bleibe kurz stehen um mir eine Zigarette anzuzünden. Etwas Rauch mehr stört hier wohl niemanden, oder? Ein Blatt Laub erwischt mich am Kopf. Irgendwie tragisch. Auf dem zielgerichteten Weg vom Baum zum Grund, kracht es ohne Halt gegen dieses Stück Mensch. Ich verhelfe ihm zu seinem Ziel, wische es von mir ab.

So Monate wie November oder so ein Wetter wie Nebel sind nicht die beste Grundlage für gute Gefühle. Aber manchmal funktioniert das einfach. Obwohl die Welt um einen herum jahreszeitlich einstürzt, schafft man es doch, mit einem Lächeln durchzuwanken. Mit einem ehrlichen, vom Herzen kommenden Lächeln.

Und als ich mich schließlich auf dieser einen feuchten Parkbank niederlasse, noch einmal tief diese Nebelluft einatme, beginne ich nachzudenken. Über heute und gestern, die Tage zuvor und die Tage danach. Lasse mich umschließen von dieser undurchsichtigen Decke und fühle mich einfach nur gut.

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Heute. Nein Gestern.


Wisst ihr, es ist schon komisch.

Da verliert man vor zwei Jahren und einem Tag den zu diesem Zeitpunkt wohl wichtigsten Menschen der ganzen Familie. Kein Tag vergeht, an dem man nicht über ihn spricht, jedes Mal schlucke ich etwas fester, wenn ich am Kühlschrank sein Bild sehe. Und immer unruhiger und niedergeschlagener werde ich, wenn der Jahrestag auf mich zu kommt. Und meine Familie, zuhause vereint, besucht das Grab und ich, fernab meiner Familie, sehe mir noch einmal diesen einen Blogeintrag an, welchen ich noch am selben Tag des Geschehnisses schrieb. Um zu bemerken, dass er nicht heute, nein gestern vor zwei Jahren gestorben ist.

Am 29. Oktober 2007 passierte das. Und jedes Mal wieder rührt es mich zu Tränen. Das da. Und das.

Was folgte, war eine Therapie. Viele lange Diskussionen mit meinen Eltern, zwei Weihnachtsfeste, die eben etwas anders verlaufen sind, als man es sich womöglich vorstellen hätte können. Was folgte, war ein langer Weg zurück. Für mich. Ich habe keine Ahnung, wie es meiner Mutter, meiner Schwester oder meinem Vater mit der Situation geht. Nicht, dass ich nicht mit ihnen rede, nein. Ich komme nicht an sie ran. An keinen von ihnen. Was folgte, war das Akzeptieren eines Lebens ohne gewissen Personen. Was folgte, war die Erkenntnis, dass man auch noch so hoffen und träumen konnte, nichts bleibt wie es ist. Nichts wird je wieder so werden. Nicht so. Nein anders.

Mir geht es gut. Ich habe den Tod meines Neffen Timi akzeptiert. (Und ich vermute, ich bin der Erste und bisher Einzige in meiner Familie, der das geschafft hat). Und doch. Jedes Jahr. Egal ob nun einen Tag zu spät oder zu früh. Irgendetwas liegt mir Ende Oktober von nun an immer im Magen.

(Und wie gerne wäre ich heute oder gestern oder wann auch immer zum „Friedhof der Namenlosen“ gefahren. Einem der wohl berührendsten, traurigsten und wunderschönsten Plätze der ganzen Welt.) Und ja. Jetzt eben habe ich sogar wieder einmal geweint.

flickr: jenny downing

Die Antizipation des Unvorhersehbaren.

Ich spüre nichts. Rein gar nichts. Außer … ja, da kommt sie. Die Abneigung. Die Welt ist verrückt, nicht wahr? Da hätte ich vor Tagen noch die ganze Erdkugel hoch gehoben, wenn du dir darunter den Fuß eingeklemmt hättest, und jetzt würde ich wahrscheinlich einfach nur vorbeigehen. Nimmst du mir das übel? Ich kann es verstehen. Aber so musst auch du mich verstehen. Ich kann nicht mehr.

Ich hab‘ genug in meiner Traumwelt zu leben. In einer Traumwelt mit dir. Weißt du, normalerweise versucht man doch immer, seine Träume irgendwie zu verwirklichen. Ich habe mir gedacht, ich könnte es auch so. Könnte einen Strich ziehen zwischen dem was ich träume und dem was ist. Aber ich kann es nicht. Ich kann mich einfach nicht täglich Stunden um Stunden selbst belügen.

Weißt du, manchmal würde ich mir einfach nur wünschen, es wäre nie passiert. Ich hätte nie mehr gefühlt für dich. Hätte mich nie an dir festgehalten, als ich dich so wunderbar brauchte. Hätte mich nie fallen gelassen, mit der unfairen Gewissheit, von dir aufgefangen zu werden. Weißt du, ich habe dir viel zu früh mein Vertrauen geschenkt. Ich mach‘ das immer so. Vielleicht scheitert daran früher oder später alles. Denkst du nicht?

Irgendwie schaffe ich es immer, mich nach außen hin normal zu benehmen. Und ich sollte nicht Journalist oder Schriftsteller werden. Die Kunst des Schauspielens übe ich doch Tag für Tag. Und kann es ehrlich nicht schlecht. Dass es da einen Menschen unter dieser Fassade, weg von dieser Rolle gibt, siehst du nicht und ich. Ich auch nicht. Will es nicht sehen und will mich nicht spüren. Will den Schmerz und die Angst und die Ungewissheit vorbeiziehend wissen. Aber es geht nicht immer.

Und dann ist es hart. Aber es gehört dazu. Das ist die Konsequenz meiner unglücklichen Liebe. Jeder meiner unglücklichen Lieben, welchen ich zu Genüge abbekam in den letzten Wochen und Monaten (oder besser gesagt: zweieinhalb Jahren). Aber ich bin froh, glaubst du mir das? Bin froh auch diese Seite wieder einmal in mir kennengelernt zu haben. Bin froh, auch dieses ungute Gefühl mal wieder zwischen Herz und Kopf herumzuswitchen wissend. Vielleicht gehört das ja zu mir dazu, wie das Müsli am Morgen. Und wenn das so ist, so kann ich sagen: Dieses Gefühl wieder einmal zu erleben ist, so banal die Umstände auch wieder sein mögen, doch einfach wundervoll, nicht wahr? Es ist gut so.

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Nur umso mehr.

Du siehst mich nicht so an,
Wie ich es gerne hätte.
Und jedes neue Lächeln
Sollte nur für mich sein.

Kein Wort von dir
Wenn ich dich brauche
Keine tröstende Hand
Bei mir.

Mein Kopf, der sagt mir:
„Lass es sein.“
Mein Herz liebt dich
Nur umso mehr.

Drum sag doch einfach
Was du fühlst.
Hör auf mit mir
Ping-Pong zu spielen.

Doch ist es nur,
So scheint es mir
Ein blödes Spiel
Meiner Gefühle.

Es tut mir Leid,
Komm, lass es sein.
Du brauchst mich nicht,
Wie ich wohl dich.

Wir sollen nicht
Wir möchten nicht
Wir können nicht
Gemeinsam sein.

Tjaja. Jetzt, wo mein Kopf ein bisschen weg vom Web 2.0 kommt (okay, ich bin noch täglich hier, auf Twitter, auf Facebook, auf Posterous), versuche ich mich hie und da auch mal wieder lyrisch. Oder besser gesagt: Ich habe den Gedichteblog nur zufällig wieder entdeckt. Hoffe es gefällt. Und vielleicht halte ich es wie hoch21 mit seinen Alternativen. Während er an seinem Buch arbeitet, stellt er eben doch hin und wieder ein paar Posts online. Wirklich Lesenswerte.

[Coming of Age]

„Ich wünsche mir nichts mehr, als dass du endlich sterben würdest.“ Im selben Moment, wie ich diese Gedanken scheinbar laut gedacht habe, bemerke ich diese unpassende Wortwahl. „Sterben könntest‘ wäre besser, denn es ist wahrlich eine Kunst, mit Stil zu sterben. Ohne dabei nicht auch nur ansatzweise den Respekt vor dem Leben zu verlieren. Aber komm‘ schon, reden wir über etwas anderes …

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