Bedingungslos leben.

Als die Berührung deiner Hand noch keine Bedeutung hatte und der Kuss auf die Wange nicht vorsichtig geschah. Als wir ziellos agierten und furchtlos träumten. Als die Liebe noch nicht ihre ganze Komplexität ausgepackt hatte. Und das Leben durch ungewohnte Schamlosigkeit uns ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Als wir Dinge wie Eifersucht, Neid oder Misstrauen noch nicht einmal kannten. Als wir für niemanden funktionieren mussten.

Doch jetzt ist alles anders. Und es wird wohl nie wieder so sein. Wir können nicht mehr ungewohnt laut atmen, wenn wir nebeneinander sitzen, können uns nicht berühren, ohne dass sich unsere Blicke treffen, mal fragend, mal nicht. Wir können uns nicht mehr treffen und uns verführen lassen, von dem Eis und den warmen Himbeeren. Alles hat sich verändert und nichts ist mehr einfach.

Wir haben aufgehört zu sein, was wir nie wagten. Wir haben uns verstummen lassen, uns unterkriegen. Wir müssen funktionieren, müssen das sein, was man von uns erwartet.

Aber das will ich nicht. Ich möcht‘ dir ganz sanft ins Ohr flüstern, wie gern ich dich mag und möchte dir zeigen, dass ich dich liebe oder eben nicht und ich würde dich an der Hand nehmen, dir in die Augen sehen und würde mit dir gehen. Hinauf zu einem einsamen Platz und wir würden nach Sternschnuppen Ausschau halten. Und es wäre egal, wann irgendjemand morgen raus müsse, oder ob es zu kalt ist, oder ob da irgendwo Tierchen herumkrabbeln. Ob wir das nun tun sollten oder nicht. Es wäre alles egal und das würde uns die Macht geben, unsterblich zu sein, in diesem einen Moment. Wir könnten stolpern, fallen, uns weh tun, und es wäre alles egal. Wir müssten niemanden etwas beweisen und hätten die Leichtigkeit zurückgewonnen. Und wir würden uns nicht fragen, ob die Gefühle stark genug, die Gedanken tief, die Berührungen zart genug sind. Ob es das ist oder ob da vielleicht doch noch etwas danach kommt. Wir würden ohne Erwartungen in unser neues altes Leben starten. Wir würden endlich wieder einmal bedingungslos leben.

Foto: JAIRO BD | flickr
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Inspiration: Du machst mich fühlen wie tanzen – Amy&Pink

[Coming of Age]

„Ich wünsche mir nichts mehr, als dass du endlich sterben würdest.“ Im selben Moment, wie ich diese Gedanken scheinbar laut gedacht habe, bemerke ich diese unpassende Wortwahl. „Sterben könntest‘ wäre besser, denn es ist wahrlich eine Kunst, mit Stil zu sterben. Ohne dabei nicht auch nur ansatzweise den Respekt vor dem Leben zu verlieren. Aber komm‘ schon, reden wir über etwas anderes …

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