Allein‘ unter einem Baum. So mächtig, so frei.

Ein Lächeln. Der Baum steht schon lange hier. Als ich ein kleines Kind war, wuchs der Baum schon seinen zweiundzwanzigsten oder dreiundzwanzigsten Meter empor. Und je älter und größer ich wurde, desto mächtiger wurde auch dieser Baum. Nie habe ich mich getraut, auf ihn zu klettern. Möglicherweise bedingt durch die Akrophobie, aber wahrscheinlich aus purer Ehrfurcht. Die Macht eines Baumes hat mich schon immer beeindruckt. Unaufhaltsam emporwachsend, allen Widrigkeiten standhaltend, still und leise.

Ich liege darunter, die Sonne scheint. Die Strahlen die durch die tausenden Blätter einen Weg hindurchfinden, lassen auf meinem Körper eine Zeichnung entstehen. Das Schwarz und das Weiß, der Kontrast, der ewig uns in Atem hält. Die Stille und das Rauschen des Baches, der Gedankenfluss und seit langer Zeit wieder einmal das Gefühl vollkommener Befreitheit. Frei von aller Last. Zwar immer noch manchmal in Gedanken an die eine oder andere Person, aber nicht mehr vorwurfsvoll, rein erinnerungstechnisch interessant. Aber diese Freiheit, dieses Gefühl vollkommener Unbekümmertheit trotz aller Probleme, zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht.

Den Arm abgewinkelt, meinen Kopf darauf abgelegt. Diese Stille. Diese einzigartige Stille und die unzähligen Fragen in meinem Kopf. Und kein einziger Versuch, nach Antworten zu suchen. Manchmal ist es einfach besser, Fragen im Raum stehen zu lassen. Man muss nicht aus allem lernen und man muss nicht alles wissen. Manchmal reicht es auch einfach, unter einem Baum zu liegen und die Sonne zu genießen. An Tagen wie diesen, alleine, in stiller Einsamkeit und mit einem glücklichen Gemüt. Der Versuch, den Blue Sky Blues zu summen, und wartend auf den Regen und die Kälte und Zeit, an dem ich die Decke nehme und zurück ins Haus gehe. Um der Stille zu entfliehen und um mich selbst zu finden. An einem Ort, wo ich mich am Wenigsten erwartet hätte.

Wachsen und werden zum Wald.

Da glauben wir immer, wir wären ganz außerhalb. Und dann stehen wir plötzlich in der Mitte. Heilige, die im Dunkel leuchten.W ir sind immer fassungslos, wenn auch nur einer uns im Gedächtnis behält über eine Zeit hinaus. An den Wegrändern sprechen sie seit Jahren und Jahren heimlich über uns. Das bilden wir uns nicht ein! Ein schnes Gefühl, in der nacht über unsre Autobahnbrücken zu fahren, und unten strahlt es aus den Lokalen: noch mehr Menschen wie wir! Ein heller Schein. Die Figuren, Fremde wie wir, Reisende, strömen in die Busbahnhöfe, um sich zu verteilen, von Ort zu Ort, und wir kommen über sie wie der Regen, der zeitig in der Früh die Schuhe durchnäßt. 

Alle sind wir anders. Die Stimmen ruhen und wir warten gebannt auf die Fortsetzung der Stille. Wir, gehalten von unserer Angst und getragen von der Antipathie  gegen uns. Nichts kann uns fordern, uns fördern, wir bleiben. Bleiben ruhig und wartend, auf die Ankunft. Wir warten, bleiben fruchtlos, voller Erwartung und voller Fragen. Nichts wird uns aufhalten in unserer Hoffnung und den Gedanken. Wir sind unser und eins sind wir.

Doch die Fremden, die nicht zu uns gehören, von fernen Städten geschäftiger Lärm. Im Geblätter rauscht es und schimmert. Der Boden, in dem wir liegen, schwankt, ein furchtbarer Schlag durchdröhnt ihn. Wir kommen heraus. Hinter uns andre Wanderer, sie folgen unsrem Andenken. Nicht eine Träne kosten sie uns! Ergeben sich drein, ein Zweites zu sein, und Abgestammtes. Ein Anhang zum Leben sind sie, das von ihnen, oder neben ihnen, aus eignem Triebe sich regte, ein vom Felsen zurücktönender Nachhall einer schon verstummten Stimme, sie sind, als Volk betrachtet, außerhalb des Urvolks und für dasselbe Fremde, und Ausländer. Sind nicht wie wir, nicht hier zuhaus in unserm Boden und werden vom Gebirge nicht gehalten.

Mit Blut getränkt der Boden. Still sinkt er zu Boden, langsam. Ohne Worte, nicht zu schreien im Stande, wortlos. Der Schweiß der Stirn, mit Haaren vermischt. Wo liegt die Notwendigkeit des Seins, wo der Glauben an den Tod. Wir haben uns und genügend sind wir. Wir brauchen nur uns und alleine sind wir stark. Wir müssen uns beschützen, unsere Geschichte und unsere Zukunft. Kein Leben der Ehrlosen auf unserem von Blut getränktem Boden.

Darum treibt ihn, Erde! Vom Herzen dir sein Übermut, und deine Geschenke sind umsonst und deine zwarten Bande, sucht er ein Besseres doch, der Wilde. Der Fremde, tödlcih ist ihm unser Boden. Aus Nichts ins Nichts, hart zwischen Nichts und Nichts. Wir sind zuhaus, wer mag uns danken? Wohl tut die Erde zu kühlen. Ein freundliches Licht kommt, und unser warmer Herd entzündet die Luft mit seiner unschädlichen Glut. Und bei des Fremdlings besonderer Stimme stehen die Herden auf. Wir sehen ihn nicht, und gesellte er sich auch zu uns, im Winde klirrten die Fahnen. Bis heute wäre er namlos, ewig hinab in die Nacht verwiesen. Verstummt unter uns Lebenden. Wir aber. Wir aber. Wir schauen mit offenen Augen und suchen immer nur uns. Wachsen und werden zum Wald.

Elfriede Jelinek, umstrittene Literaturnobelpreisträgerin 2004, schrieb mit dem Buch „Wolken.Heim.“ eines der beeindruckendsten Bücher meiner Sammlung. Selten erlebte ich, dass die Poesie der manchmal auch harten Worte, so wunderschön klingt, so melodiös und spannend. Die mit Anführungszeichen versehenen Stellen stammen aus dem Buch, die Texte dazwischen habe ich geschrieben. Natürlich ist das nicht meine Auffassung, meine Meinung, ich habe nur versucht, im Sinne der Idee des Buches, weitere Zeilen zu schreiben. Jelinek versucht auf satirische Weise zu erklären, was die Substanz des deutschen Geistes ausmacht: Wir-Gefühl, Heimattümelei, Sendungsbewusstsein und Nationalismus, damit verbunden die Abwertung des Anderen, der fremden Natur, der angeblichen Nicht-Vernunft. Schon klar, ihre Aussagen wirken heftig, wie jene eines Thomas Bernhard. Aber ich wage einmal zu behaupten, dass sie nicht ganz unrecht hat.

Hervorzuheben wäre vor allem, dass die verwendeten Texte in den BÜchern unter anderem von Hölderlin, Hegel, Heidegger, Fichte, Kleist und aus den Briefen der RAF von 1973-1977 stammen.

//Wolken.Heim. Elfriede Jelinek 3-15-018074-0

Frauen und der Arschlochfaktor.

Das ewige Thema. Frauen. Und auch ein Thema, welches ich nie komplett verstehen werde. Erst kürzlich hörte ich wieder eine hübsche c-prominente Frau sagen: „Jeder Mann benötigt den gewissen Arschlochfaktor.“ Und ich musste grinsen, denn genau das haben mir schon einige männliche Kollegen, seit jeher mehr (oder weniger) langzeitglücklich vergeben, bestätigt.

Aber warum suchen Frauen bevorzugt jene Typen, die eben mal nicht Zeit haben, weil sie lieber Fußball kloppen wollen mit Freunden, und Typen, denen man manchmal wirklich scheißegal ist. Ich habe lange überlegt und ein möglicher Ansatzpunkt ist, dass es so für die Frauen schwieriger ist, um Liebe zu kämpfen. Jemand, der ständig da ist, wenn man ihn braucht, der sich Zeit nimmt und sich liebevoll um die Partnerin annimmt, da wird man einfach geliebt, ohne irgendetwas geleistet zu haben.

Ich muss zugeben, mir fehlt dieser gewisse Arschlochfaktor. Wenn ich liebe, dann liebe ich eben. Ich hasse es, wenn Typen zu ihren Freundinnen zickig sind, nur um später wieder die große Versöhnung zu feiern. Das wirkt lächerlich und aufgesetzt. Mein Problem ist, dass bei meiner ersten Beziehung wohl die Frau den größeren Arschlochfaktor in sich trug. Da kommt man nicht weit. So kann ich zumindest aus meiner Erfahrung sprechen.

Wie viel Arschloch muss man sein, um etwas attraktiv für Frauen zu sein. Ich bin nämlich einer derjenigen, der diesen gewissen Teddybärfaktor hat. Zum Knuddeln eben, toller Gesprächspartner und ein sehr guter bester Freund. So zumindest meine Selbsteinschätzung. Von vielen weiblichen Wesen habe ich schon gehört, dass jede Frau sich glücklich schätzen könnte, so einen wie mich als Freund zu haben. Und darüber hinaus werde ich öfter mal auch als der perfekte Schwiegersohn angesehen. Lächerlich, das Ganze.

Manchmal verwundert es mich, welche offensichtlichen Arschlöcher nette, also wirklich nette, Freundinnen haben. Wo ich mich dann natürlich frage, was diese Frauen wohl an denen finden. Dieses Geheimnis habe ich noch nie lüften können, aber das hilft mir natürlich auch nicht weiter. Ich möchte ja kein vollkommenes Arschloch sein. Das bin nicht ich und das will ich auch nie werden. Nur was mich behindert, ist die Angst, du arschlochmäßiges Verhalten etwas zu zerstören, was eigentlich zuvor noch halbwegs intakt war.

Ich werde Frauen nie verstehen, und vielleicht ist das auch gut so. Es ist ja gerade das Geheimnisvolle, welches uns heterosexuellen Männern zu den Frauen zieht. Wären wir ein gegenseitiges offenes Buch, könnten wir nicht rätseln und neue Dinge versuchen. Und vielleicht klappt das ja auch, wenn ich mit meinem Teddybärfaktor auf Suche gehe. Oder besser gesagt, einfach so gefunden werde. Bei DSDS hat sich übrigens noch niemand gemeldet, was mich auch nicht verwundert. Nein, nicht wegen meiner Person, sondern wegen der Idee im Allgemeinen. Jetzt wäre ich mal wirklich soweit zu sagen, dass ich lieber noch auf Wien warte. Wien ist groß. Unglaublich groß. Und da lernt man sich eben mal ab und zu kennen. Und eine Fernbeziehung, die nur auf dem Wochenende basiert, stelle ich mir auch irgendwie schwierig und komisch vor. Mal sehen, was da noch so kommt. Denn irgendwas, und da bin ich mir ganz sicher, wird demnächst sicher passieren.

Solitudinis et immortalitas.

„Ich will nur eines. Ewig leben.“, flüsterst du mir ins Ohr. „Bis in alle Ewigkeit.“ Zweifelnd blicke ich dich an. „Nicht in diesem Körper. Aber mit meinen Taten. Mit meinen Werken“ Ich nicke. Verstehe, was du mir zu sagen versuchst. Ewig leben. Was für ein fataler Gedanke. Nicht wegen dem ewigen Altern. Das wäre das geringste Problem. Aber man hätte dann keinen Punkt, um einfach mal Schluss zu machen. Um etwas zu beenden, das weiter nicht geht. Es wäre eine Aneinanderreihung endloser Tage und Jahre und jeden Tag würde man aufwachen und erkennen, dass man wieder nicht den Löffel abgeben wird. Ewig leben, in diesem Körper. Glücklicherweise ist dies zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.

Mit den Taten, den Werken unsterblich werden. Eine Lebensaufgbe, wie man so schön sagt. Dieser Begriff, Lebensaufgabe, wird ja viel zu oft verwendet. Aber manchmal hat man wirklich die Macht dazu. Ich möchte kein Unternehmen aufbauen, das zu meinen Lebzeiten glanzvoll läuft und irgendwann, bei der nächsten großen Weltwirtschaftskrise den Bach runter geht. Es gibt viel mehr, was von längerem Bestand ist. „Du schaffst das.“, lächle ich dir zu. „Wir schaffen das.“ Du nickst, und legst denen Kopf in meinen Schoß.

„Ich will bestimmen.“, höre ich dich sagen. „Will bestimmen, wann ich sterbe.“ Ich kann dich wieder einmal verstehen. „Ich will nicht unvollendeter Dinge sterben.“ Ja, das ist auch meine größte Angst. Dass ich mit all meinen Ideen und menen Möglichkeiten irgendwie zu früh sterbe. Ein Unfall, oder eine Krankheit. Meine größte Angst. „Und.“ Ich warte, warte auf deine Worte und bin mir schon fast sicher, was du sagen möchtest. „Und ich möchte nicht alleine sterben.“ Alleine. Als wäre das Ende belanglos. „Du sollst bei mir sein.“ Und mit feuchten Augen blickst du mich an. „Ich will nicht allein sein.“, wiederholst du dich.“Ich werde bei dir sein.“, besänftige ich dich und wünsche mir, dass ich dieses Versprechen halten kann.

„Das Leben ist viel zu kostbar“ Langsam werden Floskeln zu wahren Aussagen. „Viel zu kostbar, um es zu vergeuden.“ ‚Das werden wir nicht.‘, denke ich und augenblicklich kommt mir diese Liedzeile ins Gedächtnis. Wir können das, denn wir sind anders. Du richtest dich auf, umarmst mich und mich überkommt dieses Gefühl, wie ich es schon lange nicht mehr gefühlt habe. I don’t believe that anybody feels the way I do, about you now.

Eine laue Sommernacht.

Die Wolken, sie stehen am Himmel. Bewegen sich keinen Zentimeter. Die Blätter der Bäume ruhen. Windstill ist es und die Sonne verliert ihre letzte Energie bevor sie hinter den Bergen verschwindet. Weit weg sind wir, unsere Räder haben wir an einen Baum gelehnt. Wir liegen in der Wiese. Es ist noch überraschend warm. Irgendwo hat ein Bauer sein Feld frisch gemäht, und dieser typische Geruch frisch gemähten Grases steigt uns mehr und mehr in die Luft. Wir warten auf die vollkommene Dunkelheit, auf die Sterne und auf den Mond.

Viele Kilometer haben wir nun schon hinter uns, und nur mehr schwer werden wir den Weg nach Hause finden. Wir haben uns entfernt, ohne ein Wort zu sagen, ohne aufzufallen. Jetzt liegen wir hier und denken nach. Blicken in den Himmel und warten. Unzählige Erinnerungen schwappen aus unseren Mündern, über unsere gemeinsame Zeit, über das Leben und die Liebe. Ach, die Liebe. Sie ist doch nun schon seit vielen Jahren ein Thema von uns. Wann werden wir wohl je damit aufhören.

Die Stille. Nur das Zirpen der Grillenvölker und manchmal das Krähen der Raben, die sich das Essen vom Boden herauspicken. Eigentlich ist es ruhig. Ruhig und nur die Worte durchbrechen manchmal die Stille. Irgendwann beginnen wir auch zu singen, wir singen unser Lied. Und das Lied von wahrscheinlich hunderttausenden Anderen. You gonna be the one that saves me.

Nach dem Ende des Liedes sehen wir uns an, lächeln. Das ist es. Das sind wir. Ach verdammt, wie sehr mir das doch gefehlt hat. Wie sehr ich doch unsere gemeinsame Zeit vemrisst habe. Und wieder einmal schwören wir uns, uns nie aus den Augen zu verlieren, und doch haben wir es schon mehr und mehr getan. Nur an wenigen Tagen haben wir Zeit und treffen uns und leben das Leben von vor zwei oder drei Jahren. Wir haben usn verändert und diese laue Sommernacht zeigt es wieder einmal. Der Mond taucht unsere Gesichter in Schatten und wir blicken uns an. And so it goes. Wie man so schön sagt.

Ich kann auf vieles in meinem Leben verzichten. Aber wir gehören einfach zusammen, wir sind Teil unserer Geschichte. Freunde sind einzigartig, jeder Einzelne. Und auch wenn uns, im Gegensatz zu unserer Schulzeit nur wenige Tage in der Woche oder im Monat bleiben, so kann man doch froh sein, dass wir wenigstens diese wenigen Tage haben. Und irgendwann, es muss schon nach Mitternacht sein, greifen wir unsere Fahrräder. Und fahren los. Nächstes Ziel? Wohin der Weg uns führt, okay?

Und was nicht war. Wird auch nie so sein.

Jeden einzelne Pore von dir habe ich geliebt, zur der Zeit, als Liebe angebracht war. Jede einzelne Pore von dir wollte ich vergessen, als du uns aufgabst. Ich habe lange mit mir gekämpft und habe immer noch versucht, dich zu überraschen. Dir zu zeigen, dass ein Leben ohne mir sinnlos ist, und dass nur ich der Richtige sein kann. Ich habe gehofft, du würdest es endlich einsehen und irgendwann schossen die Gefühle wieder hervor und ich glaubte, dass ein Leben ohne dir unmöglich sei. Dann folgte die Therapie und meine Abrechnung mit dir, eine Abrechnung mit der du nicht umgehen konntest, nicht wolltest. Ich wollte dir damit zeigen, dass es so nicht weitergehen konnte, aber dass ich irgendwann, in einem halben Jahr oder so, über die Möglichkeit einer Freundschaft nachdenken könnte.

Irgendwann kam auch die Aussprache und ich glaubte, nachdem ich zum ersten Mal seit vielen Monaten deine Stimme gehört habe, dass wir irgendwann wieder unser gemeinsames Glück finden könnten. Als Freunde. Deine Stimme, die ich so geliebt habe, damals, vor mehr als einem Jahr. Deine Stimme, die sich stets auf mein Herz gelegt hat, als ich es nötig hatte. Ich hatte sie wieder gehört, und für den kurzen Moment dieses Telefongespräches glaubte ich daran, dass alles gut werden wird. Leichtgläubigkeit hat sich noch immer bestraft gemacht.

Man würde sich eben melden, wenn der Schulstress vorbei sei, wenn mal keine Schularbeit anstünde. Ich müsse mich noch gedulden. Und, hell yeah, ich habe mich geduldet. Habe gehofft und gewartet. Habe ehrlich daran geglaubt, dass du dich in absehbarer Zeit melden würdest. Ich habe dich zwei Mal zu irgendwelchen Parties eingeladen, in der Hoffnung, dich nach so vielen Monaten wiederzusehen. Zum Wiederkennenlernen nach so langer Zeit. Und ich habe mich auch geschworen, ich selbst zu sein, wenn wir uns das nächste Mal sehen sollten. Doch jedes Mal kam eine Absage und oft habe ich mich alleine aus dem Grund, dass du dich mit einer weiteren Absage von mir fernhieltest, betrunken. Manchmal bis zum Geht-nicht-Mehr. Das weißt du vielleicht gar nicht. So wie du das Meiste in meinem Leben nicht weißt.

Sag es mir, warum, verdammt noch mal, habe ich so viel Wert darauf gelegt, dass wir Freunde werden würden. Du warst meine erste große Liebe und du warst ein Sammelpunkt vieler unglaublich schöner Erinnerungen. So vieles verbinde ich mit dir, Lieder und Gefühlszustände. Du hast mir so viel gegeben, ohne es zu wissen. Und du hast mich auch enttäuscht. Ich weiß, dass ich nicht immer einfach bin, in einer Beziehung. Aber du hättest doch erst einmal verstehen müssen, was es bedeutet in einer Beziehung zu sein. Je regrette. Ich bedauere so viel und dass ich noch Monate danach nicht klar denken konnte und mich immer noch in den Gedanken vernarrte, dass alles mit uns wieder werden würde. Ich habe so vieles aufgegeben, was aussichtsreicher war, als all das, was je zwischen uns war.

Du weißt, wie gerne ich dich wiedergesehen hätte, jetzt, nach dem Streit und den vielen Monaten Stille zwischen uns. Du weißt, wie ich gehofft habe, wie ich auf uns gesetzt habe. Dass wir tolle Freunde werden würden, wenn wir nur alle beide etwas dafür zu tun bereit wären. Und in jedem der spärlichen Telefonaten hast du mich auf die nächste Woche verlegt. Aber dann, ganz sicher. Schon klar. Du hast die Hoffnung am Leben gelassen und so zogen sich die Tage dahin. Wochen vergingen und nun sogar Monate. Nichts mit reden, nichts mit Kaffee. Zum ersten Mal seit langem haben wir uns gesehen, letzte Woche. Du hast dich verändert, im Aussehen und in der Art. Und du hast dich wenigstens so weit von mir weg verändert, dass mich rein gar nichts mir mit dir verbindet. Du hast das Spiel gewonnen und du hast erreicht, was du immer wolltest. Ich lasse dich in Ruhe.

Viele haben ja gesagt, dass Freundschaften nach einer Beziehung oft nicht funktionieren, und wenn, dann erst nach Jahren. Für mich bist du jetzt gestorben und vielleicht ist es eine Genugtuung für dich, dass ich wieder einmal das Gefühl habe, jemanden zu verlieren. Aber dieser Verlust schmerzt nicht, denn ich kann mir keine Vorwürfe machen. Ich habe alles versucht und ich war immer da. Nur du hast gefehlt und hast es unmöglich gemacht, eine Freundschaft zu ermöglichen. Damit hast du auch das auf dem Gewissen. Ich möchte dich am liebsten nie wieder sehen, und doch lässt es sich nicht vermeiden. Irgendwo auf one hell of a party, oder an dem Ort, an dem alles begann. Wir werden uns also wiedersehen, aber dein Lächeln wird nie wieder so sein, wie es war. Nicht für mich.

Und ich bereue es. Ich bereue, dass ich jemals zu dir „Ich liebe dich“ gesagt habe. Nein, ich bereue nicht, dass ich es zu früh in unserer Beziehung sagte, sondern dass es überhaupt meinen Mund verließ. Denn durch deine späte Antwort, glaubte ich, dass wir hier von richtiger Liebe sprachen, und wenn diese erlosch, würde uns zumindest noch irgendein Band verbinden. Aber dadurch, dass du es auch gesagt hast, haben diese drei Worte, jetzt im Nachhinein, an Aussagekraft verloren.

Wir waren nie Freunde. Und nun werden wir es wohl auch nie sein.

Du warst das hübscheste, interessanteste, großartigste, umwerfendste Mädchen, dass ich jemals gesehen habe. Interessant wie schnell man von Liebe zu Hass übergeht und sich mehr und mehr der Gleichgültigkeit annähert. Und ich wünschte, du hättest irgendwann einmal das Feingefühl um zu sehen, wie viel du bereit warst, aufzugeben. Ich habe jetzt endlich einmal genug. Ich habe genug gewartet, genug Abstand gehalten, dir genug Freiraum gelassen, ich habe dich leben lassen, während ich nicht zu leben und vor allem zu lieben imstande war. Jetzt möchte ich leben, und da hat so ein verdammtes Wesen wie du keinen Platz. Vielleicht kommst du ja mal wieder auf diesen bescheuerten Blog und vielleicht liest du das und lässt dich darüber aus, was ich nur schon wieder alles über dich schreibe. Verdammt, bist du so blind. Alle Texte die melancholisch angehaucht waren, hatten mit dir zu tun. Wöchentlich wahrscheinlich mindestens fünf. Aber jetzt weißt du ja vielleicht, was ich von dir halte. Herzlich wenig.

Eine Unendliche Geschichte.

Ein Stöckchen. Wie interessant, dass mir dieselbe Idee vor kurzem erst selbst durch den Kopf schwirrte und deswegen freue ich mich, dass mich der Autor ohne mit Talent beworfen hat.

Tshalina, die Stöckchenerfinderin, erklärt ihre Idee so:

Ich möchte eine unendliche Geschichte schreiben. Jeder Blogger, der Bock hat, kann sich sozusagen einmischen und das Stöckchen aufnehmen und weiterverarbeiten. Ich möchte euch bitten, dass ihr die jeweiligen vorherigen Postings übernehmt, d.h. wenn jemand zu euch auf den Blog kommt, dann soll er nicht nur einen einsamen Satz oder möglicherweise zwei Sätze in einem Posting bei euch finden, sondern er soll die Story finden, so weit wie sie bereits gekommen ist. In einem Monat gibt es von mir ein Update mit der Story, so weit wie sie bereits erzählt worden ist. Bitte vergesst nicht, einen Kommentar oder Trackback zu hinterlassen, damit die Leser unseres kleinen “Experiments” nicht plötzlich mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn verzweifelt nach dem Fortgang unserer Story suchen müssen.

Tommy erwachte in der Dunkelheit. Es war so stockdunkel, dass er nicht das Geringste sehen konnte. War er am Tag oder in der Nacht erwacht, fragte er sich. Langsam spürte er Panik in sich aufsteigen. Die Dunkelheit schloss Tommy ein, umgab ihn mit einer so undurchdringlichen Schwärze, dass er sich fragte, ob die vage Erinnerung an Licht, die es irgendwo in der Tiefe seines Gedächtnisses gab, vielleicht nur ein Traum sei. (Tshalina)

Obwohl er seine Augen aufriss, war dort nichts als schwärzeste Finsternis. Langsam richtete Tommy sich auf und begann, sich einen Weg zu ertasten in diesem Raum, der ihm völlig fremd erschien. Ist er vorher schon einmal hier gewesen? Er ist sich nicht sicher, denn er verspürte einen vertrauten Geruch in seiner Nase und er hörte Musik, sanfte und wohlklingende Musik. Er hörte sie ganz deutlich. Seine Ohren brachten ein paar Farben in die Dunkelheit. Es musste doch einen Weg hier raus geben. (Konna)

Tommy fragte sich, wie er überhaupt in diesen Raum gekommen war. Er konnte sich undeutlich an ein Fest erinnern, bunte Lichter, Musik, zwei Männer, Sirenengeheul, dann nichts mehr. Wo war er hier gelandet? Tommy fühlte in der Dunkelheit eine Wand, die er entlangging, bis seine Hände eine kühle, raue Oberfläche ertasteten. Eine Tür! Er drückte die Klinke herunter – die Tür war abgeschlossen. (Jakob)

Die Musik, die noch immer zu vernehmen war, schien jenseits dieser verschlossenen Türe ihren Ursprung zu nehmen. Tommy legte sein Ohr an das rissige Holz und versuchte die anderen Geräusche zu identifizieren, die sich unter die Töne mischten. Er hielt die Luft an. Das Pochen seines eigenen Pulses jedoch ließ ihn Sekunden später schwer durchatmen. Erneut nahm Panik von ihm Besitz. Er wollte hier raus, und das sofort. Mit einem Mal war ihm völlig egal wo die Musik herkam, oder was sich hinter dieser Tür verbarg. In dem Moment, als er sich aufrichten wollte, flog die Türe auf und traf Tommy mit voller Wucht auf der Schläfe. Wage konnte er noch ein helles Licht und den Umriss einer Gestalt ausmachen, bevor er taumelnd zu Boden sank. (lexxa)

Im Gegensatz zu seinem letzten Erwachen, war es dieses Mal so hell um ihn herum, dass es seine Augen sofort wieder zudrückte. Im gleichen Moment spürte er einen stechenden Schmerz im Kopf und versuchte sich zu erinnern was passiert war und wie er hier her kam. Ein Fest, Musik, ein dunkler Raum, die Holztür… Jemand muss die Tür ruckartig aufgemacht haben gerade in dem Moment wo er den Ausgang fand.
Noch einmal versuchte er seine Augen zu öffnen, das grelle Licht im Raum brannte in seinen Augen. Als er wieder etwas sehen konnte, erkannte er, dass er in einem Krankenhaus sein musste, neben ihm sass seine Freundin und lächelte ihn an. (Autor ohne Talent)

Alles war weiß. Die typische Sterilität eines Krankenhauses. Tommy richtet sich in seinem Bett auf, der Polster plusterte sich wieder auf. „Hallo.“, sagte seine Freundin, „Du hast ja lange geschlafen.“ Er hatte also geschlafen, doch viel eher kam es ihm vor, als wäre er gerade erst aus einem monatelangen Koma erwacht. „Emilie.“ Er stockte. Seine Stimme kam ihm unheimlich vor. Doch er wagte einen weiteren Versuch. „Emilie. Wa-, was mache ich hier?“ Und sie begann ihm alles zu erklären und je länger sie sprach, desto unglaublicher und dubioser erschien ihm seine eigene Geschichte. (just4ikarus)

Nachdem mein Vorschreiber eine neue Figur eingefügt hat, habe ich mir die Freiheit genommen, dieser Figur, „der Freundin“, einen Namen zu geben. Wem ich das nun weiterwerfe? Da wähl ich mal die Sternengreiferin. Viel Spaß mit diesem Stöckchen!

Tee.

Der Wind peitscht gegen das undichte Fenster.

Es regnet. Schon seit Tagen. Nichts Neues hier und auch nicht auf der Welt. Alles scheint ruhig und doch peitscht der Wind. Durch die Äste und den Wald. Die Blätter wiegen sich und seelenloses Zeitunspapier fliegt zerknittert durch die Luft. Bis es irgendwo hängen bleibt und sich langsam im fallenden Regel tränkt.

Wir sitzen in unserem Zuhause. Gesichert vor all den Angriffen von außen. Wir sitzen da, mit einer Tasse heißem Tee und einigen Keksen. Blicken der Welt zu, wie sie im Chaos versinkt. Sturm und Regen und Wind. Und irgendwann kommen auch die Blitze. Und wir sitzen hier und hören jeden Wetterumschwung. Es ist schön, diesen Moment mit dir zu verbringen. Wir schweigen, und blicken auf die schnell vorbeiziehenden Wolken, blicken auf die Pfütze am Boden, die sich schneller und schneller füllt.

Wir befinden uns im Schutz dieser dicken alten Mauern und in Decken gehüllt, erfahren wir die Ankunft der Dunkelheit. Der Regen hat noch nicht aufgehört und die untergehende Sonne spiegelt sich am nassen Asphalt. Und irgendwann steigt der Mond auf und die Nacht wird niemals dunkel. Viel zu hell leuchtet die Nacht. Und mit dem Tee und den Keksen bleiben wir still. Es ist schön. Dieser Moment. Mit dir.

Hard Hand To Hold.

Deine Lippen schmecken salzig.

Meine Lippen spüre ich nicht mehr. Ich habe mich fallen gelassen und du hast mich aufgefangen, hast mich vor dem Aufprall auf dem harten Boden bewahrt. Bewahrt vor dem Sturz in die Tiefe und ich spüre sie nicht mehr. Meine Lippen.

Du hast mich überrascht. Ich liebe es, wenn du mich überrascht. Ich liebe das Lächeln, wenn du sie mir unterbreitest, dieses gespannte Lächeln, während du auf meine Reaktion wartet. Ich liebe dein Augen, das Funkeln darin, wenn du abwechselnd mich und den Boden, den Boden und mich anblickst. Ich liebe es, wie du meine Hand hältst und wie du mit mir wartest.

Wir warten. Besser gesagt, du mit mir. Du bist für mich da und hältst meine Hand. Bis das alles vorbei ist. Bis der Schmerz nachlässt und bis irgendwann eine gewisse Akzeptanz einkehrt. Es ist kaum vorstellbar, wie beschränkt linear meine Gedanken in den letzten Monaten waren. Du hilfst mir und hältst Hände und wartest. Wartest bis der Schmerz und die Trauer und die Tränen ein erfülltes und vorzeitiges Ende finden. Du hältst meine Hand und bist da.

Was wäre ich nur ohne dir und wie könnte ich das alles überstehen. Ich wüsste es nicht. Du bist da und überraschst mich, und teilst dein Lachen mit mir und das Funkeln deiner Augen. Du fängst die Tränen auf, die ich weine und hältst mich, wenn ich zittere. Du schenkst mir Schutz und Geborgenheit. Und irgendwann küssen wir uns auch, und plötzlich schmecke ich es. Deine Lippen schmecken salzig. Du weinst.

Give It Up.

Typical Situation.

Der Zug. Der letzte Zug und ich versuche ihn so gut wie möglich zu genießen, bevor ich sie in der Toilette hinunterzuspülen versuche. Das Fenster ist gekippt und nachdem ich mit den Händen wild herumfuchtle, glaube ich, nichts mehr riechen zu können. Ich schließe die Tür auf und setze mich zurück zu meinem Platz. Wo auch schon meine Tasche und meine Jacke liegen. Ich habe jetzt mal wieder und mit vollem Bewusstsein, zum ersten Mal seit langer Zeit, wieder etwas Verbotenes getan. Keine große Sache, nur ein Verstoß gegen die Zugverordnung. Aber trotzdem fühle ich mich jetzt wohl. Besser als während der zweieinhalb Minuten, in welcher ich die Zigarette zu rauchen versuchte.

Die Sonne blinselt durch die ungeputzten großflächigen Fenster herein und mein Kopf lehnt sich an. Ich denke nach und höre Musik und denke nach. Und beim nächsten Halt steigt plötzlich diese hübsche junge Frau zu. Vorsorglich räume ich die Dinge von meinen Sitzen herunter und warte. Sie blickt sich um und ich scheine die erstbeste Lösung zu sein. „Noch frei?“, murmelt sie, und ich nicke und lächle. Sie lächelt zurück und so sitzen wir und der Zug fährt wieder los und ich versuche mich irgendwie sinnvoll zu beschäftigen und krame in meiner Tasche nach irgendeiner Lektüre, die mich als intelligent darstellen würde. Houellebecq hat mich zwar nicht unbedingt als Zielgruppe, aber es sieht schon besser aus, als würde ich irgendeine Gratiszeitung rauskramen, die ich aufgeschnappt habe.

Immer mal wieder schweifen die Blicke zu dieser jungen Frau. Ich beobachte sie, wie sie sich vom Bordservice einen Kaffee kauft und wie sie ihn zubereitet. Wie viel Milch und wie viel Zucker und ich blicke immer mal wieder in das Buch und immer mal wieder auf sie. Eine Stunde lang setze ich das fort, bis sie den leeren Kaffeebecher in den viel zu kleinen Abfalleimer stopft, ihre Tasche nimmt und geht. Ein Lächeln noch und weg ist sie. Und die Sonne scheint noch immer. Dem Untergehen begriffen. Und ich lehne mit dem Kopf an den ungeputzten Fenstern und warte, bis denn nun endlich auch meine Endstation kommen würde.