Lebendig bleiben.

Manche wissen schon, wie sehr ich der düsteren Literatur des Michel Houellebecq verfallen bin. Seit mehr als einem Jahr lese ich ein Buch nach dem anderen, bin beeindruckt und geschockt. Und liebe jedes einzelne Buch. Sein kurzes Büchlein über die Dichtung hat mir zu denken gegeben. Gerade nach dem Tod meines Neffen und all meinen Erlebnissen.

Die Welt ist entfaltetes Leid. An ihrem Ursprungsteht ein Knoten aus Leid. Alle Existenz ist eine Ausdehnung und ein Zermalmen. Alle Dinge leiden, bis sie sind. Das Nichts erhebt vor Schmerz, bis das Sein erlangt: in einer furchtbaren Krise.

Die Wesen werden immer verschiedenartiger und komplexer, ohne etwas von ihrer ursprünglichen Art zu verlieren. Ab einem bestimmten Bewusstseinsniveau entsteht der Schrei. Aus ihm leitet sich die Dichtung ab. Und ebenso die artikulierende Sprache.

Die erste dichterische Handlung besteht darin, zum Ursprung zurückzukehren. Mithin: zum Leid.

Die Modalitäten des Leids sind wichtig; wesentlich sind sie nicht. Jedes Leid ist gut; jedes Leid ist nützlich; jedes Leid trägt Früchte; jedes Leid ist ein Universum.

Houellebecq beginnt so sein Buch. Und ich muss ihm nach all den Monaten, nach diesem Jahr einfach nur zustimmen. Erst heute, als ich meiner Mutter von dem bevorstehenden Interview erzählte, und ihr erklärte, warum gerade ich ausgewählt wurde, meinte sie. Dass du deine besten literarischen, deine bewegendsten, deine besten Texte stets in Zeiten der Trauer geschrieben hast. Und ich musste ihr zustimmen. Es war mir selbst aufgefallen, wie heftig leer die erste Woche nach dem Tod meines Neffen war. Und wie ich dann in meinen minimal literarischen Texten aufblühte. Seither, seit diesem Monat voll Geschichten, hatte ich nie mehr diese vollkommene Kreativität, dieses Können, diese Gedanken, diese sprachliche Schiene. Alles entstanden aus Leid.

Houellebecq meint, dass Dichtung, Literatur oder Kunst im Allgemeinen keinen Bestand hätte, wenn das Leid nicht den Künstler umhüllen würde. Eine beinahe heftige Aussage, denn ist es denn richtig, für die Kunst zu leiden. Sich in Situationen des Lebens zu stürzen um Leid empfangen zu können. Wohl kaum. Das Leid kommt und geht. Nach einem Tod. Nach einer Trennung. Denn auch die Trennung, das Ende einer Liebe bedeutet Leid. Man leidet, bemitleidet. Sich selbst vor allem. Aber auch das scheint seine Wirkung zu haben.

Lebendig bleiben. Ein schöner Titel für dieses Buch. Mit dem Ziel, lebendig zu bleiben, verschwende ich die Kunst. Ich lebe und verliere mich in Kreativitätslosigkeit. Manchmal, ein kurzes Aufblitzen, eine beinahe genialer Einfall, ein Geschenk. Und die Worte sammeln sich. Aber viel mehr lebe ich. Lebe in diesem Leben, welches durch Leid erschüttert wurde, doch das Leid nimmt nicht Überhand. Ich habe seit vielen Monaten nicht mehr geweint, wachse an meinen Erlebnissen, an meinem Leben. Jeden Morgen stehe ich mit einem Lächeln, mit Lebensfreude auf. Und hoffe, kein Leid empfangen zu müssen. Das Wichtigste, so scheint es mir, ist es, einfach lebendig zu bleiben.

Sommernacht.

Die Nacht ist lau. Wir alle sitzen um dieses Lagerfeuer herum und genießen das Zirpen der Grillen. Weniger als die Hälfte dieser Gruppe ist mir bekannt, nenne ich Freunde. Wir sitzen hier und lauschen dem Mond und den Sternen. Sprechen über Gott und die Welt und über uns. Manchmal kommen auch lustige Erinnerungen hoch, die wir miteinander hatten. Wir alle lernen uns kennen. Mit den einen mache ich zum ersten Mal Bekanntschaft, und mit den anderen baue ich jedes Mal wieder dieses wunderbare Gefühl von Freundschaft auf.

Wir haben es uns nicht anders verdient. Diese Restwärme des schwülen Tages, diese gemütliche Wiese, dieser Platz. Und dieses Treffen. Organisiert von einem von uns. Nur, um ihre Freunde von weit weg zu sich zu holen und ihnen ihre besten Freunde vorzustellen. Wie großartig diese Idee, wie wunderbar die Umsetzung. Fast scheint es so, als wäre selbst das Wetter für diesen Abend, diese Nacht geplant.

Lange Gespräche, ein Witz, ein Lachen. Unmengen an Alkohol, die Wurst, die wir über dem Lagerfeuer grillen. Und von irgendwo weit her die Musik aus dem CD-Player. Die Stille und das ständige Gespräch und das Kennenlernen und das Anfreunden. Die Begegnung und. Ein Kuss. Ein Moment. Und Stille.

Für diesen einen Moment gehört die Welt nur mir allein.

Liebe, oh du verbrauchtes, verhasstes Wort.

Maybe it’s love but. Immer dieses aber. Kein because. Kein without a doubt. Alles rein auf diesem verdammten aber aufgebaut. Als wäre Liebe nur ein Spiel, mit Sieg und Niederlage. Mit Ausgleich und mit Chancen. Kein verdammt geniales Gefühl, kein Ausdruck allerhöchster Vollkommenheit. Liebe ist ein viel zu häufig gebrauchter Ausdruck. Ein von mir unglaublich gern gelesener Blogger meinte in seinem Brief über die Liebe:

Im Übrigen bin ich dafür „Ich liebe Dich“ durch „Ich brauche Dich“ zu ersetzen. Ich halte das sowohl für authentischer als auch angemessener.

Liebe ist, ohne als irsinnig betrachtet werden zu müssen, stark in Zusammenhang mit Abhängigkeit. Man fühlt sich alleine, wenn man lange nichts voneinander gehört hat. Wenn man auf den nächsten Anruf wartet, den nächsten Moment, an dem man sich melden kann. Man fühlt sich glücklich, wenn man Teil dieser einzigartigen Liebe ist. Wie eine Droge. Manchmal auch mit bescheuerten Nebenwirkungen. Nebenwirkungen sind immer scheiße, sobald sie eintreten. Und in Sachen Liebe kann man nicht verhindern, dass sie eintreten. Sie kommen und dann ist es meist schon zu spät.

Träume von Liebe, Liebe im Traum. Eine Scheindarstellung der Wünsche. Der Hoffnungen. Meist ein Problem für den gerade Erwachten. Denn jeder Traum mit dem Inhalt Liebe lässt mich noch tiefer sinken, lässt mich hoffen, wünschen, warten. Baut Stress auf, ohne für den Abbau zu sorgen. Lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass Liebe einer der kompliziertesten Gefühlszustände ist? Weil es so viel Freiraum lässt, so viel Interpretationsspielraum. Nicht so wie Hass, der leicht zu definieren und schnell zu verlieren ist. Hass entsteht, wird bei längerem Darüber-Nachdenken aber meist schon etwas abgeschwächt. Liebe ist so was Entgültiges.

Ein Gemüts-, Gefühlszustand. Ein Gedankenproduzent. Ein Wort, über dies nichts und doch so viel zu berichten gibt. Unzählige Wörter finden den Weg aus meinen Kopf in diesen Eintrag und doch spreche ich von nichts. Rein gar nichts. Nur Gedanken, über Liebe irrational nachgedacht. Sie ist schwierig, die Liebe. Sie manuell zu entfachen unmöglich, so plötzlich zu stoppen schmerzlich. Und ein „Ich brauche dich“, muss, wie das ausgeleierte Pendant dazu, an genau dem richtigen Zeitpunkt gesagt werden. Nie zu früh. Denn sonst könnte man den Glauben an ein Einengung erzielen. Man könnte eine Abhängigkeit vorspielen, die zwar schon vorhanden, aber noch nicht vorzeigbar ist. Nur der richtige Moment bringt die Worte zur perfekten Auslegung.

Und so liebe Leute, lasst uns lieben und lasst uns uns brauchen. Wir sind nicht allein und werden es nie sein. Und doch werden wir ewig suchen und nicht finden. Selbst in dem Partner, mit dem wir dann schon 20 oder 30 Jahre das Bett teilen, lässt uns nicht aufhören zu suchen. Nach dem Geheimnis der Liebe, nach der Magie, dem Geist.

Frauen und der Arschlochfaktor.

Das ewige Thema. Frauen. Und auch ein Thema, welches ich nie komplett verstehen werde. Erst kürzlich hörte ich wieder eine hübsche c-prominente Frau sagen: „Jeder Mann benötigt den gewissen Arschlochfaktor.“ Und ich musste grinsen, denn genau das haben mir schon einige männliche Kollegen, seit jeher mehr (oder weniger) langzeitglücklich vergeben, bestätigt.

Aber warum suchen Frauen bevorzugt jene Typen, die eben mal nicht Zeit haben, weil sie lieber Fußball kloppen wollen mit Freunden, und Typen, denen man manchmal wirklich scheißegal ist. Ich habe lange überlegt und ein möglicher Ansatzpunkt ist, dass es so für die Frauen schwieriger ist, um Liebe zu kämpfen. Jemand, der ständig da ist, wenn man ihn braucht, der sich Zeit nimmt und sich liebevoll um die Partnerin annimmt, da wird man einfach geliebt, ohne irgendetwas geleistet zu haben.

Ich muss zugeben, mir fehlt dieser gewisse Arschlochfaktor. Wenn ich liebe, dann liebe ich eben. Ich hasse es, wenn Typen zu ihren Freundinnen zickig sind, nur um später wieder die große Versöhnung zu feiern. Das wirkt lächerlich und aufgesetzt. Mein Problem ist, dass bei meiner ersten Beziehung wohl die Frau den größeren Arschlochfaktor in sich trug. Da kommt man nicht weit. So kann ich zumindest aus meiner Erfahrung sprechen.

Wie viel Arschloch muss man sein, um etwas attraktiv für Frauen zu sein. Ich bin nämlich einer derjenigen, der diesen gewissen Teddybärfaktor hat. Zum Knuddeln eben, toller Gesprächspartner und ein sehr guter bester Freund. So zumindest meine Selbsteinschätzung. Von vielen weiblichen Wesen habe ich schon gehört, dass jede Frau sich glücklich schätzen könnte, so einen wie mich als Freund zu haben. Und darüber hinaus werde ich öfter mal auch als der perfekte Schwiegersohn angesehen. Lächerlich, das Ganze.

Manchmal verwundert es mich, welche offensichtlichen Arschlöcher nette, also wirklich nette, Freundinnen haben. Wo ich mich dann natürlich frage, was diese Frauen wohl an denen finden. Dieses Geheimnis habe ich noch nie lüften können, aber das hilft mir natürlich auch nicht weiter. Ich möchte ja kein vollkommenes Arschloch sein. Das bin nicht ich und das will ich auch nie werden. Nur was mich behindert, ist die Angst, du arschlochmäßiges Verhalten etwas zu zerstören, was eigentlich zuvor noch halbwegs intakt war.

Ich werde Frauen nie verstehen, und vielleicht ist das auch gut so. Es ist ja gerade das Geheimnisvolle, welches uns heterosexuellen Männern zu den Frauen zieht. Wären wir ein gegenseitiges offenes Buch, könnten wir nicht rätseln und neue Dinge versuchen. Und vielleicht klappt das ja auch, wenn ich mit meinem Teddybärfaktor auf Suche gehe. Oder besser gesagt, einfach so gefunden werde. Bei DSDS hat sich übrigens noch niemand gemeldet, was mich auch nicht verwundert. Nein, nicht wegen meiner Person, sondern wegen der Idee im Allgemeinen. Jetzt wäre ich mal wirklich soweit zu sagen, dass ich lieber noch auf Wien warte. Wien ist groß. Unglaublich groß. Und da lernt man sich eben mal ab und zu kennen. Und eine Fernbeziehung, die nur auf dem Wochenende basiert, stelle ich mir auch irgendwie schwierig und komisch vor. Mal sehen, was da noch so kommt. Denn irgendwas, und da bin ich mir ganz sicher, wird demnächst sicher passieren.

Und was nicht war. Wird auch nie so sein.

Jeden einzelne Pore von dir habe ich geliebt, zur der Zeit, als Liebe angebracht war. Jede einzelne Pore von dir wollte ich vergessen, als du uns aufgabst. Ich habe lange mit mir gekämpft und habe immer noch versucht, dich zu überraschen. Dir zu zeigen, dass ein Leben ohne mir sinnlos ist, und dass nur ich der Richtige sein kann. Ich habe gehofft, du würdest es endlich einsehen und irgendwann schossen die Gefühle wieder hervor und ich glaubte, dass ein Leben ohne dir unmöglich sei. Dann folgte die Therapie und meine Abrechnung mit dir, eine Abrechnung mit der du nicht umgehen konntest, nicht wolltest. Ich wollte dir damit zeigen, dass es so nicht weitergehen konnte, aber dass ich irgendwann, in einem halben Jahr oder so, über die Möglichkeit einer Freundschaft nachdenken könnte.

Irgendwann kam auch die Aussprache und ich glaubte, nachdem ich zum ersten Mal seit vielen Monaten deine Stimme gehört habe, dass wir irgendwann wieder unser gemeinsames Glück finden könnten. Als Freunde. Deine Stimme, die ich so geliebt habe, damals, vor mehr als einem Jahr. Deine Stimme, die sich stets auf mein Herz gelegt hat, als ich es nötig hatte. Ich hatte sie wieder gehört, und für den kurzen Moment dieses Telefongespräches glaubte ich daran, dass alles gut werden wird. Leichtgläubigkeit hat sich noch immer bestraft gemacht.

Man würde sich eben melden, wenn der Schulstress vorbei sei, wenn mal keine Schularbeit anstünde. Ich müsse mich noch gedulden. Und, hell yeah, ich habe mich geduldet. Habe gehofft und gewartet. Habe ehrlich daran geglaubt, dass du dich in absehbarer Zeit melden würdest. Ich habe dich zwei Mal zu irgendwelchen Parties eingeladen, in der Hoffnung, dich nach so vielen Monaten wiederzusehen. Zum Wiederkennenlernen nach so langer Zeit. Und ich habe mich auch geschworen, ich selbst zu sein, wenn wir uns das nächste Mal sehen sollten. Doch jedes Mal kam eine Absage und oft habe ich mich alleine aus dem Grund, dass du dich mit einer weiteren Absage von mir fernhieltest, betrunken. Manchmal bis zum Geht-nicht-Mehr. Das weißt du vielleicht gar nicht. So wie du das Meiste in meinem Leben nicht weißt.

Sag es mir, warum, verdammt noch mal, habe ich so viel Wert darauf gelegt, dass wir Freunde werden würden. Du warst meine erste große Liebe und du warst ein Sammelpunkt vieler unglaublich schöner Erinnerungen. So vieles verbinde ich mit dir, Lieder und Gefühlszustände. Du hast mir so viel gegeben, ohne es zu wissen. Und du hast mich auch enttäuscht. Ich weiß, dass ich nicht immer einfach bin, in einer Beziehung. Aber du hättest doch erst einmal verstehen müssen, was es bedeutet in einer Beziehung zu sein. Je regrette. Ich bedauere so viel und dass ich noch Monate danach nicht klar denken konnte und mich immer noch in den Gedanken vernarrte, dass alles mit uns wieder werden würde. Ich habe so vieles aufgegeben, was aussichtsreicher war, als all das, was je zwischen uns war.

Du weißt, wie gerne ich dich wiedergesehen hätte, jetzt, nach dem Streit und den vielen Monaten Stille zwischen uns. Du weißt, wie ich gehofft habe, wie ich auf uns gesetzt habe. Dass wir tolle Freunde werden würden, wenn wir nur alle beide etwas dafür zu tun bereit wären. Und in jedem der spärlichen Telefonaten hast du mich auf die nächste Woche verlegt. Aber dann, ganz sicher. Schon klar. Du hast die Hoffnung am Leben gelassen und so zogen sich die Tage dahin. Wochen vergingen und nun sogar Monate. Nichts mit reden, nichts mit Kaffee. Zum ersten Mal seit langem haben wir uns gesehen, letzte Woche. Du hast dich verändert, im Aussehen und in der Art. Und du hast dich wenigstens so weit von mir weg verändert, dass mich rein gar nichts mir mit dir verbindet. Du hast das Spiel gewonnen und du hast erreicht, was du immer wolltest. Ich lasse dich in Ruhe.

Viele haben ja gesagt, dass Freundschaften nach einer Beziehung oft nicht funktionieren, und wenn, dann erst nach Jahren. Für mich bist du jetzt gestorben und vielleicht ist es eine Genugtuung für dich, dass ich wieder einmal das Gefühl habe, jemanden zu verlieren. Aber dieser Verlust schmerzt nicht, denn ich kann mir keine Vorwürfe machen. Ich habe alles versucht und ich war immer da. Nur du hast gefehlt und hast es unmöglich gemacht, eine Freundschaft zu ermöglichen. Damit hast du auch das auf dem Gewissen. Ich möchte dich am liebsten nie wieder sehen, und doch lässt es sich nicht vermeiden. Irgendwo auf one hell of a party, oder an dem Ort, an dem alles begann. Wir werden uns also wiedersehen, aber dein Lächeln wird nie wieder so sein, wie es war. Nicht für mich.

Und ich bereue es. Ich bereue, dass ich jemals zu dir „Ich liebe dich“ gesagt habe. Nein, ich bereue nicht, dass ich es zu früh in unserer Beziehung sagte, sondern dass es überhaupt meinen Mund verließ. Denn durch deine späte Antwort, glaubte ich, dass wir hier von richtiger Liebe sprachen, und wenn diese erlosch, würde uns zumindest noch irgendein Band verbinden. Aber dadurch, dass du es auch gesagt hast, haben diese drei Worte, jetzt im Nachhinein, an Aussagekraft verloren.

Wir waren nie Freunde. Und nun werden wir es wohl auch nie sein.

Du warst das hübscheste, interessanteste, großartigste, umwerfendste Mädchen, dass ich jemals gesehen habe. Interessant wie schnell man von Liebe zu Hass übergeht und sich mehr und mehr der Gleichgültigkeit annähert. Und ich wünschte, du hättest irgendwann einmal das Feingefühl um zu sehen, wie viel du bereit warst, aufzugeben. Ich habe jetzt endlich einmal genug. Ich habe genug gewartet, genug Abstand gehalten, dir genug Freiraum gelassen, ich habe dich leben lassen, während ich nicht zu leben und vor allem zu lieben imstande war. Jetzt möchte ich leben, und da hat so ein verdammtes Wesen wie du keinen Platz. Vielleicht kommst du ja mal wieder auf diesen bescheuerten Blog und vielleicht liest du das und lässt dich darüber aus, was ich nur schon wieder alles über dich schreibe. Verdammt, bist du so blind. Alle Texte die melancholisch angehaucht waren, hatten mit dir zu tun. Wöchentlich wahrscheinlich mindestens fünf. Aber jetzt weißt du ja vielleicht, was ich von dir halte. Herzlich wenig.

Hard Hand To Hold.

Deine Lippen schmecken salzig.

Meine Lippen spüre ich nicht mehr. Ich habe mich fallen gelassen und du hast mich aufgefangen, hast mich vor dem Aufprall auf dem harten Boden bewahrt. Bewahrt vor dem Sturz in die Tiefe und ich spüre sie nicht mehr. Meine Lippen.

Du hast mich überrascht. Ich liebe es, wenn du mich überrascht. Ich liebe das Lächeln, wenn du sie mir unterbreitest, dieses gespannte Lächeln, während du auf meine Reaktion wartet. Ich liebe dein Augen, das Funkeln darin, wenn du abwechselnd mich und den Boden, den Boden und mich anblickst. Ich liebe es, wie du meine Hand hältst und wie du mit mir wartest.

Wir warten. Besser gesagt, du mit mir. Du bist für mich da und hältst meine Hand. Bis das alles vorbei ist. Bis der Schmerz nachlässt und bis irgendwann eine gewisse Akzeptanz einkehrt. Es ist kaum vorstellbar, wie beschränkt linear meine Gedanken in den letzten Monaten waren. Du hilfst mir und hältst Hände und wartest. Wartest bis der Schmerz und die Trauer und die Tränen ein erfülltes und vorzeitiges Ende finden. Du hältst meine Hand und bist da.

Was wäre ich nur ohne dir und wie könnte ich das alles überstehen. Ich wüsste es nicht. Du bist da und überraschst mich, und teilst dein Lachen mit mir und das Funkeln deiner Augen. Du fängst die Tränen auf, die ich weine und hältst mich, wenn ich zittere. Du schenkst mir Schutz und Geborgenheit. Und irgendwann küssen wir uns auch, und plötzlich schmecke ich es. Deine Lippen schmecken salzig. Du weinst.

Außer Dir.

Turmbau zu.

„Du liebst mich. Du liebst mich nicht. Liebst mich nicht. Nicht. Nicht.“ Zehn Stunden sind vergangen, seit der Tag mit meinem Augenaufschlag begonnen hat. In jeder Hundertstelsekunde, jedes Mal wenn ich zwinkere, verliert der Tag Minuten an Zeit. Das Wässer plätschert und langsam aber sicher kommt sie. Die Dunkelheit und die Nacht.

„Wohin wollen wir gehen. Wohin führst du mich. Wo sind wir. Wo ich.“ Tannenbäumchen wachsen für das nächste Weihnachten und irgendwo verrottet eine Banane aus Südamerika oder Afrika ganz langsam und zerstört dadurch den Anblick einer reinen Welt. Überall liegen sie herum und niemand wagt und niemand fragt. Und fragt und liegt. Mitten auf der Straße mit Blick zu den Sternen und Blick auf die Wolken. Und man sieht. Und doch nichts.

„Deine Hand. Deine Haut. Deine Stimme, dein Atem. Dein Lächeln. Ich. Wir.“ Der Grashalm streicht langsam über das Gesicht und schneidet sich sorgfältig hinein in das makellose Gesicht. Hinterlässt eine Furche und eröffnet dem Blut einen schmalen Weg. Das Haar tränkt sich mit der roten Last, dem Saft des Lebens, dem Benzin des Sterblichen. Niemand streicht diese Strähne weg und niemand sieht das Blut. Nur die Berührung dort, an dieser Stelle, an diesem Ort, es schmerzt. Tut weh.

„Ein Elefant für dich. Ein Elefant. Für. Für Dich.“ Der natürliche Lauf des Lebens und die Antwort auf die Zeit und die Frage nach der Dunkelheit. Sammelpunkt der Unwissenheit und Stille. Nichts ist rein und. Und mein und dein. Kein wir. Nur das Ich in diesem Gedankenkomplex aus Liebe und Leben und Ende und Anfang und Vergebung und Traum. Ein Turmbau zu. Und doch nichts. Nichts weiter.

Am Tisch.

Ich bin kein Verräter und fühl mich wie einer.

Manchmal habe ich fast hochnäßig davon gesprochen, wie schön es denn sei, dass unsere Familie keinen nicht-matieriellen Verlust hat erleiden müssen. Alles andere könnte man ersetzen, das war uns klar.

Ein Toast. Auf das Leben. Seine Lügen. BUMM.

Ein Tod, der so überhaupt nicht in die 10-Jahres-Gedanken hineingepasst hatte. Erstens weil keine zehn Jahre seit dem letzten Versterben vergangen sind. Und weil definitv kein eineinhalbjährige Junge hätte sterben sollen. Das war nicht der Plan, dass war nicht Routine.

Ein Toast. Auf das Leben. Seine Lügen. BUMM.
BUmm.
bumm.

Drei Tumore in drei verschiedenen Menschen, die ich auf unterschiedliche Weise liebe, weil auch die Nähe unterschiedlich ist. Und dreimal die Ungewissheit. Und die Sprachlosigkeit. Und der Gedankenballast. Und manchmal auch die Verantwortung.

Man wünscht sich, die ganze Welt auskotzen zu können. Aus diesem Alptraum aufzuwachen und alles ist okay. Glaubst du denn ehrlich, dieses Leben macht Spaß

Manchmal vielleicht. Wenn ich es zu vergessen versuche. Wenn ich versuche, aus der Realität zu flüchten. Weil man es nicht ständig aushält. Bin ich melodramatisch? Wahrscheinlich.

Ein Toast. Auf das Leben. Das Glück.

Es lässt einen aufleben, wenn ein Lichtblick erscheint.

Meine Cousine Manuela hat heute um ungefähr 11 Uhr eine „pumperlgsunde“ Luisa geboren. Ein neuer Schatz auf dieser Welt, ein Sonnenschein, ein Wunderwesen. A Wonderwall.

Alles Liebe und Gute, liebe Luisa, liebe Manuela und lieber Ernst.

Warum kann das Leben nicht nur aus solchen Glücksmomenten bestehen. Und kommt mir jetzt ja nicht mit dieser beschissenen Theorie. So von wegen: Wenn man stets glücklich ist, würde man es nicht mehr schätzen. Das ist dämlich.

In ANbetracht all der Dinge kann ich eines nicht gebrauchen. Sie. Nicht jetzt. UNd nicht mit diesen Gefühlen und Gedanken in mir. So gespalten wie sie sind. Und doch werde ich es darauf anlegen, sie zu sehen. Wie Houellebecq so schön sagt. Das Leid. Die Geburt der Kunst.

Dankeschön.

Geschrieben, gestern, um 20 Uhr ca. im ICE nach Hause.

Woanders.

Ich komm‘ nicht mehr mit.

Dein Lächeln, in dieser Schneekugel. Ich kann so oft schütteln, wie ich will, nichts wird sich verändern. Wieder einmal eine tausende Wörter lange E-Mail. Mit meinen Gefühlen und meinen Gedanken und den Informationen aus meinem Leben, die dich wahrscheinlich nicht einmal interessieren werden. Und dieses Mal war es das Einzige mal, an dem ich nicht auf Senden druckte. Es gelangte nur in den Entwürfe-Ordner. Und da liegt es nun und wartet und wird vielleicht irgendwann einmal ausgedruckt und dann gelöscht. Ich weiß nicht was los ist.

Denkst du denn ernsthaft, dieses Leben macht Spaß. Es ist schräg. Da ist man jahrelang im wohlbehüteten Raum, auf der Insel der Seeligen, nichts passiert, nur das Vorhersehbare und dann plötzlich spürt man vier verschiedene Dinge. Schreckliche Dinge, wenn man bedenkt, welche Folgen sie haben könnten. Ich will erst gar nicht daran denken. Ich will einfach nur weg und ich wünsche mir, dass alles wieder okay ist, wenn ich zurückkomme. Dass die Welt lächelt und nichts jemals passiert ist. Und ich werde zurückkommen und es ist dasselbe wie vorher.

Ich bin nicht Gott und möchte auch nie im Leben die Verantwortung für so etwas tragen. Ich würde mir nur gerne etwas wünschen. Ein, zwei, drei Wünsche. Ich weiß nicht, wie viele. Aber ich wüsste, was mein erster Wunsch wäre. Ein Wunsch, der uns alle wieder glücklich machen würde und ich weiß, dass gerade das so verdammt unmöglich ist. Ich will woanders hin. Weg aus dieser Welt. Ich könnte mir einen Drogentrip vorstellen, mit Abheben, und Downkommen. Und einfach mal für nichts Sorge zu tragen, einfach mal all den Scheiß machen, den man sich nie traute, den man nicht machte, um Sorge um andere. Ich will nicht immer die Last tragen, die man mir auflegt. Ich will Scheiße bauen. Einfach so.

Damit ich mir und der ganzen Welt sagen kann: Fick dich. Die Welt hat es verdient, diese Worte endlich wieder zu hören. Es ist verdammt noch mal nicht einfach. Du hast dich nie gemeldet und ich werde es nach dieser kleinen Reise womöglich auch nie mehr tun. Weil auch die Worte an dich gerichtet hätten werden können. Du weißt nicht, was du verpasst. Erhebt euer Glas.

Ein Toast. Auf das Leben. Seine Lügen.

5 Minuten Fast-Food-Text.

Uns Trennen Nur.

Es ist doch gar nicht so viel.

Uns trennen Universen. Bekommen nichts voneinander mit. Sind eigenständige Objekte in diesem Hauch von Unendlichkeit. Du weißt nichts über mich, und auch ich vermute nur so vor mich hin, wer du sein könntest. Erfahren werden wir es nicht, weil wir es nicht wert sind.

Uns trennen Galaxien. Kreisen um verschiedene Himmelskörper und treffen nie aufeinander. Manchmal wirft irgendwer einen Meteoriten vorbei, aber es kommt nie zu einer Annäherung. Es bleibt so wie es ist, und die Kreise setzen sich fort. Dass meine Sonne deinen Namen trägt, weißt du gar nicht. Dafür bist du viel zu weit entfernt.

Uns trennen Planeten. Leben unterschiedlich schnell vor uns hin. Der eine braucht manchmal länger um zu begreifen und um einzusehen. Während der andere so vor sich hin lebt und nicht mal mehr an seinen Kollegen in dieser Galaxie nachdenkt. Warum denn auch. Es besteht doch keine Abhängigkeit.

Uns trennen Kontinente. Du sprichst eine andere Sprache und ich verstehe kein einziges Wort von dir. Ich spüre es zwar, wie glücklich ich mich fühle, deine Stimme zu hören, aber ich verstehe es nicht. Kein einziges Wort. Dass wir trotzdem miteinander sprechen überrascht mich und doch ist es viel zu selten.

Uns trennen Länder. Es gibt Grenzen die man trotz Millionen von Soldaten wegwischt. Aber unsere überwindet man nicht. Wir haben keine Möglichkeit, richtig zu verhandeln, weil wir nicht bereit dazu sind. Wir vermeiden den Kontakt, oder besser gesagt du. Du kapselst dich ein und versuchst erst einmal, alles innerhalb auf die Reihe zu bringen. Und ich könnte dir sagen, dass das nie klappen wird.

Uns trennen Zentimeter. Ich bin dir so nahe, wie ich immer sein wollte. Und doch fühlst du dich fremd an und ferner als alle Universen voneinander entfernt sein können. Du fühlst dich nicht richtig an und ich spüre den Abstand, der sich mittlerweile zwischen uns aufgebaut hat. Es sind nur Zentimeter, nicht viel. Nur Zentimeter. Und doch bist du weg. Weit weg. Viel zu weg.

Denn uns trennen Welten. Und wir trennen uns.