Der Schmerz.

Unsere Familie ist mit der Heimkehr von unserem Papa wieder vereint. Aber Timi fehlt. Er fehlt. Wo immer man hinsieht. Überall sind noch seine Sachen.

Das nervliche Abschiednehmen meiner Mutter von Timi. Ganz alleine. In ihrem Bügelzimmer. Nur dass sie jetzt noch schnell bügeln muss, damit Timi nicht an den Kabeln ziehen kann. Und gleichzeitig hat sie gewusst, dass er nicht gleich durch die Türe hereinschauen wird. Und einfach nur weiterbügeln. Und einfach nur weinen.

Ich stehe auf, habe irgendwann meinen Schlaf gefunden und konnte relativ lange schlafen. Und wenn man dann ins Wohnzimmer kommt, diese Leere, diese verdammte Leere, und der Schmerz und die Tränen. Die Suche nach dem Sinn in ihrem Leben, nach dem Tod des Kindes. Immer wieder läutet es. Unser Pfarrassistent Gerhard, der schon am Montag zweimal da war, hat uns auch am Dienstag besucht um uns über das Begräbnis zu informieren, um uns einfach an seiner Schulter auszuweinen, um zu reden oder er half uns dabei, einfach nur zu schweigen. Und ich bin mir sicher, er wird das Begräbnis machen, das sich unser Timi verdient hat.

Natalie, Timis Taufpatin, kam auch schon früh am Morgen. Und blieb. Schläft bei meiner Schwester. Damit sie ja nicht alleine ist. Und so fuhren um 11 Uhr meine Mutter, meine Schwester, Natalie und ich zuerst zu einer Gärtnerei, um Kränze zu bestellen und anschließend zu Timis Uroma. Die selbst ein Kind (meinen Onkel Herbert im Alter von 19 Jahren durch einen Autounfall) verloren hat. Die es einfach nicht verstehen kann, so wie wir alle. Und anschließend holten wir meinen Papa vom Zug ab.

Tränen. Beim stärksten Menschen, den ich kenne. Bei meinem Papa. Tränen und Unverständnis. Angst und einfach diese Suche nach dem Sinn. Es macht einfach keinen Sinn. Und als wir dann zuhause angekommen sind, versuchte meine Mutter sich abzulenken und kochte. Kochte einfach so viel. Spaghetti und Saucen für 10 Personen. Wir waren nur fünf im Haus und den Versuch zu essen starteten nur ich und Natalie. Aber als ich so da saß, mit dem Löffel in der Hand und einfach nur den Tisch überblickte, konnte ich es einfach nicht. Es passte nicht. Ein Sessel stand dort, wo Timis Platz ist. Und da steht ein großes Teller und ein Messer. Das darf nicht dort stehen. Und irgendwann kamen die Emotionen heraus. Ich konnte weinen. Konnte alles herauslassen. War bereit, den Druck in meinem Kopf, in meinem Körper herauszulassen. Seit Montag habe ich vielleicht zehn Bissen gegessen. Ich verspüre aber keinen Hunger. Ich kann nicht am Esstisch sitzen und etwas essen. Es geht einfach nicht.

Am Samstag um 14 Uhr wird sein Begräbnis sein. Da wird ein Leben zu Grabe getragen, dass doch erst vor eineinhalb Jahren begonnen hat. Man weiß immer noch nicht, woran er gestorben ist. Sie konnten bis jetzt noch nichts feststellen. Vielleicht geben die Proben, die aus den Organen entnommen wurden, irgendeine unwichtige Antwort. Ändern kann man sowieso nichts mehr. Aber ich kann nur für alle sagen, die ihn geliebt haben, und die er geliebt hat, das dieses Begräbnis, das Timi sich wahrscheinlich genau so etwas gewünscht hätte.

Überall findet man ihn noch. Seine Fingerabdrücke auf den Fenstern. Auf dem Backrohr. Seine Spielsachen überall. Der Rechen, draußen. Er brauchte immer den größten Rechen, so sehr er sich auch plagte, er versuchte alles. Wir können es nicht wegräumen. Wir können es nicht. Nur das Gitter bei der Stiege, damit er nicht hinunter konnte. Ich musste es wegtun. Vor seinem Tod habe ich immer darauf vergessen es zuzumachen und habe es aber immer noch schnell genug gemerkt. Und seit Timis Tod habe ich es jedes einzelne Mal fest zugedrückt. Als würde Timi gleich aus dem Wohnzimmer herauslaufen, und seine Arme in die Luft strecken, damit ich ihn hochnehme. Ich musste es einfach abmontieren. Und jetzt. Diese Leere, wenn man die Treppe hinaufsteigt.

Was uns jetzt noch bleibt, sind die Arbeiten für das Begräbnis. Da wir nicht irgendetwas Herkömmliches machen wollen, habe ich gestern etwas gestaltet, die jeder Besucher des Begräbnisses bekommen wird. Ich möchte zumindest für seinen letzten Gang im Diesseits immer für ihn da sein.

Was bleibt sind die Tränen. Das Unverständnis. Und der Stress. Dieser Stress, der uns irgendwie abzulenken versucht, und doch erinnert uns noch viel zu viel an alles.

Der Tag Danach. Und Er Ist Immer Noch Nicht Da.

Entweder habe ich es bis jetzt noch nicht realisiert, oder ich will einfach den starken Mann spielen. Ich weiß es nicht. Aber ich kann einfach nicht weinen.

Außer ein paar kurzen Tränen blieb ich nach außen hin gefasst. Innerlich schien ich zu zerbrechen. Mehrere Stunden lang zitterte ich. Ohne Halt, einfach so vor mich hin. Psychischer Schock nennen es wohl die leute vom Psychosozialen Notdienst. Und die Zigaretten schienen mich zwar in keinster Weise zu beruhigen, aber sie lenken einen ab.

Durch meine Unfähigkeit zu Weinen habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, der Ansprechpartner für alle zu sein. Für meine Schwester, die immer noch mit seinem Bild und seiner Kuscheldecke auf der Couch liegt, in Tränen aufgelöst. Meine Mutter, die ihre Tochter so gerne irgendwie trösten möchte, doch selbst an diesem Schmerz fast zerbricht. Und wahrscheinlich auch dann für meinen Papa, der von seiner Reise aus Amerika heute frühzeitig zurückkommt. Meine Mutter weinen zu sehen, meinen Vater. Fixpunkte und Felse in der Brandung weinen. Und ich stehe da, zittere vielleicht noch und doch ist die Welt ganz anders.

Ich möchte mich hier für die Anteilnahme und die angezündeten Kerzen bedanken. Es hat mir irgendwie geholfen. Man kann es sowieso nie verstehen, aber durch euer Mitgefühl, fühlt man, dass die Welt nicht komplett sinnlos ist. Ich danke euch.

Meine Mutter hat mich gebeten, eine Rede am Begräbnis zu halten. Ich habe sie schon geschrieben. Und sofern ich mich imstande fühle, würde ich es auch gerne tun. Gestern abend habe ich noch meine Freunde, die Leute, die meinen Blog nicht lesen, angerufen. Elisabeth hat vollkommen zu weinen angefangen, und als ich dann auch noch zur Magdalena und später zum Lukas gefahren bin, habe ich auch die beiden weinen sehen. Nur ich stand da. Sozusagen als Seelsorger für die Freunde der Angehörigen.

Ich habe gestern so lange gewartet bis sie eingeschlafen sind, so gut es eben ging. Meine Mutter und meine Schwester. Und dann habe ich in meinem Bett gehofft, dass ich endlich weinen kann. Ich habe nur nachgedacht und bin irgendwann eingeschlafen. Heute zittere ich wieder. Er ist weg. Die Pathologie hat bis jetzt noch nichts feststellen können. Und ich werde so lange für alle da sein, als scheinbar am meisten Gefasstester bis ich unter all dem Druck endlich einmal zusammenbreche und auch ich endlich weinen kann. Ich würde es so gern. Ich würde so gern irgendetwas zerstören, aus lauter Wut und Zorn auf alles. Aber jetzt beginnen die Begräbnisvorbereitungen. Und ich werde mich auch hier ausgiebig beteiligen. Irgendwie muss ich mich beschäftigen, irgendetwas mus ich immer tun. Es tut da drinnen so weh. Es ist wie ein Messer, dass mir immer wieder kleine Stiche versetzt.

Man kann es nie verstehen. Und auch nicht akzeptieren. Nur der Schmerz. Nur mit dem Schmerz kann man irgendwann besser umgehen.

Winding Road.

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Gedanken nach einem Tag wie diesem.

Die Wärme der Nacht umhüllt die Wiesen und Wälder um mich herum. Ich, geschützt in meinen vier Mauern meines Zuhauses, in dem ich mich mit jedem Tag und jedem Streit weniger wohlfühle. Die Tränen eines eineinhalbjährigen kleinen Jungen, der mit der vollkommenen Erkältung seines kleinen Körpers leben muss. Ich, in der Versuchung, ihn mit meiner Mutter alleine zu lassen. Die Welt da draußen ruft mich, ich, mit Kopfhörern und Bonnie Sommerville bewaffnet, will mich so lange wie möglich in dem Schutz meiner Einsamkeit weiterleben.

Dieser Tag hat einem neunzehnjährigen Jungen mit Fernweh wieder einmal gezeigt, wie unwichtig der Begriff Familie ist. Familie ist nicht gleich Eltern und Geschwister und Großeltern und Tante. Familie sind die Personen, zu denen man eine innige Verbindung hat. Und das sind, mit Verlaub, zurzeit nur meine Eltern und mein Neffe. Und selbst mit meinem Papa kann ich kaum über Weltbewegendes sprechen. Dass meine Mutter den Frust der Welt auf ihren Schultern trägt, hinterlässt mich in Sorge um ihre Psyche. So lange kann man das nicht aushalten.

Dieser Tag hat mir wieder einmal gezeigt, wie unterschiedlich diese Charaktere in einer „Familie“ sind. Dass meine Schwester eigentlich nichts mit uns gemein hat, lässt meine Mutter trotzdem fragen, was sie bei ihrer Erziehung falsch gemacht hat. Ich kann es ihr nicht sagen. Es muss irgendetwas gewesen sein. Dass man es jetzt sowieso nicht mehr rückgängig machen kann, ist leider Fakt aber ebenso auch noch nicht Grund zum Aufgeben. Aber ich kann sowieso meiner Mutter nicht sagen, wie sie mit meiner Schwester umgehen soll. Ich habe keine Ahnung von bedinungsloser Liebe von Mutter zu Kind.

Dieser Tag hat einem neunzehnjährigen Jungen wieder einmal gezeigt, wie schön die Zeit mit Freunden ist. Wie schön, selbst die Zeit alleine zuhause ist. Die Einsamkeit, die Melancholie, die Zwei-, Drei-, oder Dreizehnsamkeit, der Spaß. Alles hat seinen Reiz. Aber von Streit und Kreischen und psychopatischen Ausbrüchen meiner Schwester geweckt zu werden, das gehört sicherlich nicht zu den reizvollen Dingen meines Lebens. Dass mein Leben beschissen ist, ist wohl Fakt. Aber natürlich gibt es auch ein Leben zwischen den beschissenen Facetten.

Die Wärme der Sonne, wenn sie durch den Wald, auf diese windige Straße voller Laub fällt. Der Weg ins Ungewisse, ins Helle, Erleuchtete. Das Neue. Die Dunkelheit zurücklassen. Die Dunkelheit, die Vergangenheit. Die Jugend. Die Kindheit. Mit all ihren wunderbaren Momenten, mit all ihren beschissenen Facetten. Mit allem.

Einfach mal wieder alles neu. Entweder mit den Beatles „The Long And Winding Road“ oder mit Bonnie Sommerville und der „Winding Road“. Oder einfach dem gesamten Garden State Soundtrack.

You On My Mind In My Sleep

Warum ich mich erst heute wieder um 15 Uhr melde. Was in den letzten dreißig Stunden passiert ist. Und was denn heute noch stattfindet. Und warum ich mir wohl wahrscheinlich diese Woche die Haare nicht mehr schneiden lassen werde.

Gestern war, durch den heute stattfindeten österreichischen Nationalfeiertag, mein letzter Arbeitstag dieser Woche. Und nachdem man von Montag bis Mittwoch gequälte Langeweile nach sich zog, so war dieser Donnerstag definitiv etwas anders. Etwas zu spät angekommen, trotz eigener Autofahrt. Den Kopf woanders und mit der Motivation am Ende. Kurz noch den Computer eingeschaltet, die Blogs auf Kommentare überprüft. Und dann, ab ca. 9 Uhr,  bis ca. 15 Uhr in der Küche // dem Seminarraum hässliche bunte Würfel zur Lärmdämmung aufgehängt. Mit Bohren, Dübeln, Schrauben und Aufhängen. Vierzig Mal übrigens, für zwanzig Würfel. Und um 15 Uhr war es dann das erste Mal, dass ich mich hinsetzen konnte, und einfach mal sagen konnte. Fertig. Auch wenn diese selbstverliebte Frau (meine Chefin) es vollbrachte, mich innen zu kochen zu bringen, aber nach außen hin eiskalt ruhig zu halten. Denn irgendetwas musste ja nicht passen.

So what. Mit dem Auto nach Hause. Noch brav einkaufen. Und dann irgendwann um neunzehn oder zwanzig Uhr auf der Couch eingeschlafen. Und aufgewacht, ca. zehneinhalb Stunden später. Der gestrige Tag schien mich also wirklich geschlaucht zu haben. Und als hätte ich noch nicht geschlafen, fiel ich heute vormittag auch immer mal wieder zurück in diese Lage. Jetzt noch mal schnell ein Feiertagsessen bei McDo geholt. Und nochmal schlafen.

Und was dann noch alles so passierte? Ein verpasster Tee mit Sarah, eine verpasste ICQ-Anfrage von Thomas und ein verpasster Anruf von Stefan. Die erste Tag nach der Abreise meines Vaters nach Amerika. Das Haus ist still und beinahe leer. Der Tag verliert seine vierundzwanzigstündigen Daseinsberechtigung. Und die drei freien Tage werden stressreich aber hoffentlich wunderbar lustig. Heute findet beim Lukas eine Glühwein und Punsch-Session statt, die erste in diesem Jahr. Morgen ist ein Maturaball, der zweite für mich in dieser Saison. Und am Sonntag findet ein Taizestunde in einer Kirche statt, und da mir die Idee von Taizé und die Lieder gefallen, werde ich auch dort sein. Und dann beginnt die 11. Woche meines Zivildienstes auch schon wieder.

Den Kopf woanders. Am Donnerstag weckte mich meine Mutter wie immer um 5:30 Uhr auf. Gerade als ich seit langem wieder einmal einen Traum träumte, an den ich mich auch später erinnern konnte. Ein Traum mit ihr. Wo ich überraschend anders reagierte. Und alles so ungewohnt war. Sie kam zu mir. War total anders drauf und alles war perfekt. Und dann ist der Traum zu Ende, da ich geweckt wurde. Dieser Traum. Träume können war werden. Werden sie es denn wirklich? Ich weiß es nicht.

Ein Traum. Eine viel zu lange Schlafnacht. Eine vollgeplantes Wochenende. Und ich.

As Time. Goes By. Verhasste Neue. Welt.

Eine Erinnerung an die Zeit, als es noch ein Wir gab. Ohne euch, euch und euch.

Viel zu oft wollte ich schon darüber schreiben. Wie sich die Welt verändert hat, während ich derselbe geblieben bin. Jahre zogen vorbei und ich hatte immer nur diesen einen Wunsch. Es sollte so bleiben, wie es war. Doch es kam, verständlicherweise, ganz anders.

Ich rede von meiner „Clique“. Wie soll ich es denn auch anders beschreiben. Freundeskreis. Ja, stimmt. Das ist schöner. Und vielleicht auch passender. Ich erinnere mich immer noch gerne an diese Zeit zurück, an dem wir uns stets als „Single“ trafen. Du hattest zwar einen Freund, der wohnte jedoch kilometerweit von uns entfernt. Und deine Freundin, war eben nicht Teil unseres Freundeskreises. Sie hätte es nie werden wollen, und wäre es auch nie geworden. Das war egal. Und wir alle. War jeder Einzelne Teil des Gesamten. Und wir traten auch bevorzugt gemeinsam auf. Fehlte einer, fehlte ein Teil des Gesamten.

Vielleicht habe auch ich den Anstoß am Zerfall dieses Wir gemacht. Du und ich. Als wir unsere ersten Bekanntschaften machten, während du eigentlich noch in deiner schwierigen Beziehung verheddert warst. Ja. Vielleicht bin ich Schuld. Oder die Evolution. Der Zyklus der Jugend. Das Leben itself. Wir traten nie als Paar auf. Weil wir selbst nicht wussten, was wir wollten. Wir waren zwar immer noch Teil des Wirs, wir beide, und beanspruchten nie ein eigenes Wir für uns.

Aber dann begannen weitere Veränderungen in unserem Freundeskreis. Als ich mich plötzlich von dir lossagte, sollten wir keine Beziehung führen können, und du dich in ihn verlorst, er, der noch Teil eines anderen Wirs war. Als plötzlich küssen und sexueller Kontakt innerhalb des Freundeskreises normal waren. Und ich doch immer nur „zusehen“ konnte. Wir hatten zwar nach außen hin immer noch dieses Wir über uns stehen. Die anderen sprachen von Denen. Diese Gruppe. Diese fünf, sechs, sieben, acht. Unser Freundeskreis eben.

Aber sie bemerkten nicht, dass sich hier so viele weitere Wirs enstanden sind. „Hey, was machen wir heute?“ – „Ich weiß nicht, was du machst. Aber ich und X werden heute zuhause bleiben.“ Ach. Ja. Hatte ich ja ganz vergessen. Nicht nur einmal. Viel zu oft passierte das. Ich fühlte mich wie das neunte Rad am Wagen. Jeder schien eine Beziehung zu haben. Und als dann auch ich endlich eine Freundin hatte, außerhalb des Freundeskreises gefunden, da wollte ich plötzlich nicht mehr mit all diesen vier oder fünf Wirs auftreten. Ich hätte mir wieder ein großes Wir gewünscht. Egal wer jetzt mit wem was tat. Wir waren Freunde. Sind es immer noch. Und doch hat sich durch all diesen Austausch von Körperflüssigkeiten für uns alle etwas verändert.

Wir haben uns verändert. Ich wiederhole mich. Ich weiß. Aber gerade diese Veränderung finde ich schade. Ich habe so viel in diesem Wir verloren, dass nun, durch die Aufspaltung durch Zivildienste und Studiums entstanden, wohl nie mehr dieses Wir werden wird, das es einmal war. Und wovor ich am meisten Angst habe? Vor dem Auseinanderbrechens eines dieser kleinen Wirs. Dann heißt es sich entscheiden. Nord- oder Südpol. Diesen Teil des Freundeskreises verlieren, oder diesen behalten. Ja, genau davor habe ich Angst. Ich bin wieder das Ich. In einem Wir aus lauter Euch. Irgendwann werde ich auch wieder mit irgendjemandem ein Wir bilden. Aber an euch habe ich mich schon lange verloren. Tell Me. What Went Wrong?

Und Alles Andre. War Egal Und. Längst Vergessen.

Die Welt beruhigt sich. Rund um mich. Und trotzdem bin ich unruhig, leicht gereizt und von Kopfschmerzen geplagt. Was ist los mit mir? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es diese eine Prüfung. Die eine am Mittwoch. Ich habe Angst. Im Hintergrund schnarcht mein Vater und im Fernseher läuft Richterin Barbara Salesch. Und langsam denke ich mir, ich freue mich auf den Winter. Freue mich auf Regen. Freue mich, wenn ich weg bin von hier. Ich habe Kopfweh, fühle mich eingeengt. Hasse mein Zimmer. Der Raum, in dem ich schlafe. Ich hasse meine Gedanken, Gefühle. Ich liebe es aber trotzdem. Mein Leben. Ich weiß nicht, was los ist.

Die Welt zusammenstürzen sehen. Mich selbst belügen. Anzug anziehen, mich gepflegt aus dem Haus begeben. Auf einen Ball gehen, auf dem ich nur eine Person wirklich gut kenne, und ich die anderen als gute Bekannte einordnen würde. Die ich das letzte Mal im Jänner gesehen habe. Nein, weitere Freunde sind nicht da. Ich bin alleine, in einer Menschenmenge. Irgendwann werde ich, wieder total nüchtern (natürlich) nach Hause fahren, ins Bett fallen und an meinen Gefühlen und Gedanken zu ersticken versuchen.

Die Welt baut sich neu auf. Doch es ist immer noch da. Es will nicht weggehen. Selbst jetzt nicht. Ich brauche Abstand. Mindestens zweieinhalb Stunden mit dem Zug muss ich weg um endlich mit allem abschließen zu können. Ich freue mich auf Wien. Wenn ich von hier weg bin. Meine Eltern nur mehr zwei Tage in der Woche sehe, und viele Menschen vielleicht nur mehr einmal im Monat. Wenn überhaupt. Darauf freue ich mich. Mit Kopfschmerzen. Dem Plan für diesen Abend. Und der Angst vor Gefühl und Gedanken.

Gebloggt mit Flock

Warum Fühlt.

Nächsten Mittwoch. Mein entgültig großer Tag. Mit der Ahnung, dass es nicht einfach werden würde. Oft auf Englisch geschrieben. Die Bücher gelesen. Mich vorbereitet. Im Glauben, dass jetzt eigentlich alles hinhauen müsse. Und dann zehn Tage vor diesem einen kleinen dritten Oktober der große Bammel. Angst. Zweifel. Unruhe. Aufregung. Warum fühlt.

Keine Nächte mehr normal verbringen wollen. Die letzten fünf Tage ständig unterwegs. Gestern zum zweiten Mal in Folge im Kino. Nach dem großen Ausverkauf das Ultimatum. Mit Sarah im großen Saal im Star Movie Kino. Spannend gegen den Schlaf gekämpft, von der Führung der Handkamera überflutet worden und doch befunden, dass es ein sehr guter Film ist. Dann noch schnell in der Spielhalle geplayt. Dann ins Auto. Dann nach Hause. Nicht schlafen können. Wach liegen. Bloggen. Denken. The Verve. Warum fühlt.

Überlegt. Wurstfachverkäuferin. Das letzte Mal letzten Donnerstag gesehen. Seither das Geschäft gemieden. Vernunft in den Blickwinkel des Lebens geholt. Aber doch manchmal einige einschneidende Gedanken. Entlieben ist das falsche Wort. Es war nicht Liebe. Ich war verliebt. Ich entverliebe mich. Aber auch das ist schwer. Und meine Gedanken sind doch immer wo anders. Sie waren immer woanders. Und werden es bis, ich weiß nicht wann, dort sein. Warum fühlt.

Dreams are my reality. Hochschrecken. Angst. Melancholie. Fast Tränen. Angst. Wieder einschlafen. Konfrontiert mit Liebe. Suche nach Ablenkung. Überspielte Traurigkeit gepaart mit gespielter Fröhlichkeit. Kein Lächeln. Die letzten Umarmungen, längeren Umarmungen von meinem Neffen, 1 Jahr und 3 Monate alt, bekommen. Mich zu diesem Zeitpunkt unendlich glücklich gefühlt. Es fehlt etwas. Warum fühlt.

Warum.

Warum.

Warum fühlt.

Warum fühlt es sich so leer an.

Rastlos, Nie Ratlos. Niemals Sprachlos. Fehle Ich Den Worten.

Hast du mich gefragt, wie es mir geht. Ich denke nicht. Aber ich habe es gesehen, dass du glücklich warst. Zu gut ist der Tag für dich verlaufen. Es war schön, dich wieder zu sehen und so konnte ich dann auch wieder fahren. Mit einem Gefühl, gemischt aus Angst, Unruhe in mir, fragend und mir selbst drohend. Langsam, ganz langsam versuchte ich mir die Welt zu erklären. Gerade meine Großmutter musste wieder solche Worte fassen, die mich zögernd zurückwerfen. Ich wollte dir doch nur eine Freude machen, wollte überraschen, wo ich doch sonst nichts mehr für dich tun konnte.

Nicht wegen dir und ohne Worte zu irgendjemandem musste ich kürzlich feststellen, dass ich nicht bereit dafür bin. Eine Frau, die mir seit knapp zwei Monaten dieses Gefühl von Verliebtheit geschenkt hatte, dieses eine Mädchen mit ihrem wunderbaren Lächeln und den sanften Worten voll interessierter Neugierde. Es hat keinen Sinn. Ich werde keine Energie an sie verbrauchen. Ich werde mich nicht verrückt machen. Werde Gedanken ordnen und Gefühle unterdrücken. Ich bin kein 30-Sekunden-Gesprächs-Freund. Und so kann es nicht bis April weitergehen. Ich habe den Abbruch bereits verkündet.

Jetzt geht also der letzte Tag dieses Wochenendes zu Ende. Minuten vergehen wie Sekunden, Stunden ebenso. Nichts ist wie es ist, und all die Erinnerungen und verschwommenen Bilder der letzten zwei Tage sind schon längst Geschichte. Es war wieder einmal ein großes Wochenende, mit Abstürzen und Höhenflügen, Ängsten und Gedanken. Erinnerungswürdige fehlgeleitete Momente. So viele Freunde habe ich gesehen, so viele Worte wurden gewechselt und trotzdem fehlte ich viel zu oft den Worten.

Mit kaltem Atem und tiefgekühlter Nase erinnerte ich mich gestern wieder daran, dass schon in zehn Tagen mein Schicksal sich verändern könnte. Ich könnte auch zu denjenigen gehören, die es geschafft haben. Die letzte Prüfung würde ich dann hinter mich gebracht haben. In zehn Tagen würde ich entweder feiern oder mich wundern, warum es wieder nicht geklappt hat. Aber ich bin mir fast sicher, dass ich feiern möchte werde. Ich habe Angst. Wer nimmt mich in den Arm, wenige Minuten vor der Prüfung. Wer hält mir die Hand, beim Warten auf die Entscheidung. Wer freut sich mit mir, wenn ich es geschafft habe? Es tut weh.

Viel zu schmerzhaft ist der Gedanke daran. Es hat nicht sollen sein, nennen es die einen, es wird schon kommen, meinen die anderen. Es hat keinen Sinn, sage ich viel zu oft. Und insgeheim hoffe ich auf Zustimmung und ein Nicken von euch allen. Es hat keinen Sinn. Nie ratlos? Bei Gott oder irgendeinem Götzen, nein. Ich brauche Rat und würde doch keinen annehmen. Nie sprachlos? Sicherlich nicht. Mir fehlen viel zu oft die Worte. Und ich ihnen.

Du Fragst Ehrlich. Wie’s Mir Geht?

Zugegeben. Das gestern fiel ins Wasser. Ja, ich bin nicht zum Bahnhof gegangen, wie ich es jeden Tag normalerweise getan hätte. Ja, ich bin wieder in diesen Supermarkt gegangen. Nein, sie war nicht mehr da. Ja, ich wusste, in welcher Straße sie wohnt. Nein, ich habe die Straße nicht gefunden. Und ja, ich machte mich dann fünfundvierzig Minuten später auf die Heimreise. Und heute war sie erst gar nicht da. Aber wie es Magdalena gestern wieder schön gesagt hat: Dominik, du gibst jetzt wohl nicht auf, oder? Nein, natürlich nicht.

Psychisch bin ich aber trotzdem irgendwie am Ende. Ich arbeite ja an einer Zeitschrift der Einrichtung, in welcher ich arbeite. Und die soll bis Dezember rauskommen. Nebenbei arbeite ich auch noch an einem Plakat. Und überhaupt. Und sowieso. Und deswegen musste ich heute mal ganz weit fahren, zu den verschiedensten Plätzen in Bad Ischl. Und während ich mich in Bad Goisern schön langsam auskenne, zumindest im Zentrum, ist Ischl für mich immer noch … ähm … unbekannt. Ich war bisher einmal, als ich mich noch erinnern kann. Früher, im Altern von drei oder vier Jahren war ich zwar öfters dort, da meine Großtante dort im Altersheim war, aber da fehlt eben die Erinnerung. Ich weiß nur mehr, dass ich immer hinten im Auto geschlafen habe. Nun ja ..

Die zweistündige Reise an drei verschiedene Orte war nervenaufreibend. Vier mal bin ich an der gleichen Stelle angekommen. Ich war am Ende. Ehrlich. Jetzt habe ich alle Fotos im Kasten … ähm … auf der Karte, das Dienstauto weit genug weggeparkt, usw.

Wie es mir physisch geht? Besser. Seit ich mich irgendwie bewusster ernähre, wirklich gut. Zu Mittag kaufe ich mir immer zwei Äpfel, irgendein gesundes Brötchen und ein Fruchtsaft. Gestern Mango heute Erdbeer. Und das trinke ich dann den ganzen Tag über. Bis ich um 17 Uhr richtig warmes Mittagessen bekomme. Und dann esse ich nichts mehr. Und ja, es geht mir jetzt irgendwie besser. So dumm sind die Ernährungswissenschaftler gar nicht.

Übrigens fühle ich mich in Bad Goisern immer wohler. Bad Ischl hasse ich jetzt zurzeit. Aber Bad Goisern finde ich schön langsam schön, ich werde lockerer. Freundlicher. Und interessierter an dieser Marktgemeinde. Gestern habe ich ja absichtlich den Zug versäumt. Und bin dann durch Goisern gegangen. Ist ja schön groß, dieser Ort. Heute habe ich mir die katholische Kirche angesehen, in der Mittagspause. Und morgen kommt dann die evangelische dran.

Und überhaupt. Ich fühle mich zurzeit richtig wohl. Habe seit gestern eine Gitarre (von Hofer // für die Deutschen und den Rest der Welt ausgenommen Slowenien: Aldi). War zwar billig, aber genügt, um mal so richtig schön anzufangen. Gestern habe ich meine erste Tonleiter gespielt … 🙂 … und Knockin‘ On Heavens Door. Jaja, ich weiß. Autogramme gibts später. Ja, es geht mir gut. All die Zweifel und Ängste scheinen, zumindest für heute mal weg. Ich fühle mich leicht verändert. Ja, normalerweise spürt man das nicht so arg. Aber irgendwie kommt es mir schon so vor. Und ich liebe diese Zugsessions, wenn ich mit meinem Mp3-Player im Ohr … irgendwelche Sätze höre und daraus Texte stricke. Wie „Won’t You Hold Me. Now“ und „Why Do Things. Have To Change?“. Wobei der erste endlich mal wieder Empfehlungen herbeigeschleppt hat, auf NEON. Jaja, auf den Text bin ich auch wirklich irgendwie stolz.

Was ich noch mal sagen wollte? Mir gehts gut. Ich habe gleich aus, obwohl es mir nicht so lange vorkommt. Und ich werde heute noch ein bisschen auf meiner Gitarre üben. Und ich wundere mich gerade, wie viele Buchstaben ich hier zusammenbringe, beziehungsweise Worte, ohne dass ich mich verschreibe. Wie von Zauberhand wandern die Finger über die Tastn … ach … hier war er, der Fehler.

Heute lese ich dann auch noch der „Fänger im Roggen“ zu Ende. Gefällt mir nicht so schlecht. Jaja. Nicht so schlecht. Und dann werde ich mich wohl irgendwie mit meinen Lektüren auf meine Englisch-Matura vorbereiten. Und ich freue mich schon auf mein Notebook. Es fehlt mir … 🙁 …

Und die Antwort auf den Titel: Gut. Endlich mal wieder verdammt gut.

Wer. Bist Du Eigentlich.

Wenn ich in deine Augen sehe, so bekannte Augen, so berüchtigte Augen. Augen, die mir mal die Welt bedeuteten. Augen, die viel mehr sagten als Worte. Augen zum Versinken. Deine Augen eben. Wenn ich in deine Augen sehe, sehe ich nichts.

Dein Auftreten, deine Blicke, deine Worte, dein Sein. Es ist schon fast unerträglich. Wenn wir uns wiedersehen oder telefonieren, dann ärgere ich mich anschließend über deine Desinteresse an meinem Leben. Schon klar, es ist vorbei. Aber sagten wir nicht, wir würden Freunde bleiben. Dachte ich nicht schon, dass wir es wieder sind. Und dann bringst du unsere Treffen wie ein nötiges Übel hinter dich.

Ich weiß alles über dich. Und doch nichts. Um es mit der „Mitte der Welt“ zu vergleichen. Ich bin Phil. Und du Nicolas. Ich erzählte. Und du bliebst verschlossen. Du müsstest eigentlich alles über mich wissen. Und doch scheint es mir, als würde dich das alles gar nicht interessieren. Vielleicht sollten wir uns wieder sehen. Vielleicht sollten wir uns nie wieder sehen. Ich weiß es nicht.

Aber je weniger ich von dir höre, je weniger wir uns sehen, je weniger du Bestandteil meines Lebens, je mehr du Bestandteil meiner Gedanken bist frage ich mich: Wer bist du eigentlich?