So Long Goodbye.

Manchmal überschlägt sich mein Herz, und ich lasse es weinend zurück.

Manchmal merke ich es an mir selbst. Eingeschlossen in meinem Leben. Hinter dieser Tür, den vier Wänden. Ich suche nicht den Weg hinaus, vergrabe mich hier und lasse den Sekundenzeiger rotieren. Selbst wenn die Sonne fällt, der Regen lacht, der Wind friert. Manchmal habe ich das Gefühl, ich sei nicht normal. Wenn ich Zeit für mich brauche, oft Tage, oft auch mal Wochen. Manchmal kapiere ich aber dann, dass diese Zeit jeder einmal braucht. Jeder gefühlsbetont lebende Mensch. Man kann nicht immer nur unterwegs sein und das High Life des jugendlichen Lebens mitverfolgen.

Manchmal bekomme ich Schuldgefühle, weil mir die Motivation öfters ein Schnippchen schlägt. Da habe ich schon vor einigen wenigen Tagen von einer Party oder ähnlichem gehört, und wenn ich dann am Nachmittag davor angerufen werde, kann mich niemand dazu bewegen, freudig zuzustimmen. Manchmal muss ich mit mir kämpfen, um ein Nein zwischen meinen Lippen hervorzupressen. Und dann kribbelt es in meinem Bauch und ich frage mich, warum ich nur so bin wie ich bin.

Manchmal aber traue ich mich hinaus in die große weite Welt. Mit dem Wissen bekannte Gesichter zu sehen. Menschen, die mich lieben, wie ich bin und Menschen, die ich liebe. Denen ich vertraue und mit denen ich alt werden möchte. Zu zerstückelt sind wir schon. Waren wir früher maximal fünfzehn oder zwanzig Kilometer voneinander entfernt, Entfernungen, die wir einfach mit unseren Mopeds überwanden, sind es jetzt schon fünfzig oder hundert Kilometer. Oder auch zweihundertfünfzig. Es fällt schwer. Manchmal weine ich den Tagen nach, an dem jede Mopedfahrt mich zu Freunden katapultierte. Jetzt fahre ich zwar schon Auto, aber der Kreis wurde kleiner. Meist seid ihr alle nicht da. Nur am Wochenende. Und manchmal bereue ich gerade deswegen diese Motivationsschwäche. Aber ich verbringe viel lieber etwas Gemütliches mit euch, als irgendeine Party, wo spätestens um ein Uhr gekotzt wird. Natürlich sind davon Geburtstagsparties ausgeschlossen. Aber es kann doch nicht jede Woche jemand Geburtstag haben. Manchmal frage ich mich schon, ob ich nicht vollkommen anders bin. Und dann treffe ich euch wieder und bemerke, dass es nicht so ist.

Und manchmal wünsche ich mir, dass alles wieder gut wird. Dass alles so wird, so ählich, wie es war. Und dann realisiere ich erst. Dass man das alles Fortschritt nennt. Entwicklung. Aber Freundschaften. Sie sollten trotz jeder Weiterentwicklung bestehen bleiben. Konnte ich noch bis zu meinem fünfzehnten Lebensjahr nicht behaupten, einen besten Freund zu haben, habe ich jetzt einige. Keine Unmenge, aber genau die Richtigen. Ich liebe euch dafür und dafür, dass es euch gibt, und manchmal bewundere ich euch sogar dafür, dass ihr es mit mir aushält.

Manchmal aber auch, fällt es nicht so schwer, Goodbye zu sagen. Weil man weiß, dass ihr irgendwann wieder zurückkommt. Und dann werden wir es wieder spüren, was Freundschaft bedeutet. Weil es euch gibt.

It’s Been Awhile.

I’m on the outside.

Der Kreis, er schließt sich. Wie fassen uns an den Händen und heben die Erdanziehung füreinander auf. Würde nur einer von uns fehlen, wäre der Kreis unvollendet. Jeder würde fallen, und man könnte nichts dagegen tun. Denn einen Platz ersetzt man nicht einfach so. Es ist unmöglich, jemand anderen an diese Stelle zu stellen, nie würde es so sein wie es war. Entweder man akzeptiert, dass diese Lücke bleiben wird, oder man formt einen neuen Kreis. Mit neuen Ingredientien. Einfach alles neu. Aber dieses Loch, die Lücke, der offene Kreis. Er bleibt. Weil nichts mehr wird, wie es war.

Langsam bewege ich mich um diese Formation. Sehe die Fehler und die Vorteile. Der Blick von außen auf etwas, das nur von innen einzigartig aussieht. Und sich auch so anfühlt. Mir fehlt die Verbindung. Die Hand, die einem gereicht wird, um all das zu vollenden. Ich bleibe stehen. Und frage mich. Frage mich, wie so ein unförmiger Kreis zustande kommen konnte. Es ist komisch, wie verformt er sich hat, im Laufe der Zeit. Er ist nicht mehr so, wie er einmal war. Und er wird es auch nicht wieder. Wir haben uns verändert. Wir wurden älter und it’s been awhile. Seit langem haben wir uns nicht mehr so gesehen, wie wir es vor vier Jahren noch getan haben. Wir wurden beschissener, komischer, verrückter, bescheuerter, abgedrehter, verdammter, lächerlicher und verkorkster. Wir alle haben uns verändert und haben so diese Negativpunkte ausgeglichen. Aber der Kreis, er ist nicht mehr rund.

Vielleicht wird er auch irgendwann einmal kleiner. Oder noch größer. Es wird nicht so bleiben. Zu viel hat sich schon verändert. Rein auf diese Sache fokussiert, würde ich mein Leben lang sechzehn Jahre alt sein wollen. Doch das Leben ist kein. Endlos großer Kreis, wo man immer mal wieder hineinstößt oder auch herausfällt. Man ist darin gefangen, ob man nun will oder nicht. Und dreht sich das Leben, dreht sich der Kreis. It’s been awhile, seit wir jede freie Minute miteinander teilten. Jetzt sind es vereinzelte Nachmittage, manchmal Abende, öfters Nächte. Aber es ist anders.

Jemals.

Manchmal sehne ich mich nach dem Leben, dass all die Probleme unsichtbar macht.

Manchmal sehe ich in deine Augen, und du offenbarst mir einen Blick in deine Welt. Mit dunklen Gassen und dreckigen Ecken. Mit Sonnenschein und grünen Wiesen. Manchmal hältst du meine Hand, als würdest du mich halten, um mich nicht den hunderte Meter tiefen Abgrund hinabstürzen zu sehen. Die umfasst meine Arme, um selbst nicht hinzufallen, obwohl wir schon lange auf dem Boden angekommen sind.  Manchmal bückst du dich, um mir einen Kuss auf die Stirn zu geben, um mich zu berühren.

Manchmal liegst du da, und lebst vor dich hin. Deine Stimme sucht sich den Weg, hangelt sich zu meinem Ohr, streichelt meine Seele. Manchmal will ich mich einfach neben dich legen, dich spüren, dich entführen. In meine Welt, will dir zeigen wie es ist, in meiner Haut zu stecken. Manchmal möchte ich, dass du es spürst, wie es sich in mir anfühlt. Manchmal möchte ich, dass du mir den Schmerz abnimmst, der mich Tag für Tag belastet. Manchmal stecke ich ganz fest in deiner Haut, und trage alles, was dich umschwirrt, und ich wünsche mir, dass auch du mir etwas hilfst.

Manchmal krame ich in meinen Erinnerungen und teile sie mit dir. Manchmal sehen wir die Sterne und glauben, uns darin wiederzufinden. Und dann sehen wir uns in die Augen, und sehen den Himmel im Gegenüber. Wenn deine Haut die meine berührt, bekomme ich eine Gänsehaut und manchmal fällt es mir schwer zu Atmen. Damit ich die Stille hören kann, die uns zu verbinden versucht. Und die wirst Worte einwerfen, die die Stille zerbrechen werden. Und ich werde trotzdem ruhig bleiben, werde versuchen, den Moment zu leben.

Und manchmal sehne ich mich nach einem Menschen, dir mir so vieles geben kann. Sehne mich nach dem Leben und nach der geteilten Last, nach der Stille und den Augen. Sehne mich nach diesem Leben. Es bleibt nicht die Frage, ob es jemals passieren wird. Es bleibt nur die Frage, warum das Sehnen oft so weh tut.

Manchmal.

 

GutBöseJaNeinAnAus.

Manchmal, wenn ich dir in die Augen sehe, frage ich mich, ob sie vielleich wirklich golden sind und nicht nur braun. Manchmal frage ich mich, ob das auch der Grund dafür ist, weshalb es dir so selten gelingt, mir in die Augen zu sehen, wenn ich dir nahe bin und weshalb du sie dennoch nicht zumachst, wenn du mich küsst. Ich frage mich, ob ich dich schön finde, weil du hässlich bist, ob ich mich nur danach sehne, von dir umarmt zu werden, weil mir kalt ist und ob ich dich nur deshalb in den Arm nehmen will, weil du kalt bist.

Manchmal frage ich mich, ob ich die Dunkelheit nur deshalb hasse, weil du sie liebst und ob die sie nur liebst, weil sie so dunkel ist und ich so hell. Und ich frage mich, ob ich nur so viel weine, wiel du es nicht tust, ob ich so wenige Worte habe, weil du sie im Überfluss besitzt, weshalb ich es fürchte von dir gefragt zu werden, wie es mir geht und ob ich es nur deshalb fürchte, weil ich weiß, dass du nur die Wahrheit akzeptierst, weil deine eigenen Antworten niemals wahr sind.

Manchmal frage ich mich, ob du mich wirklich so wahnsinnig und über alles liebst, wie du immer behauptest und ob ich dich nicht im Grunde nur liebe, weil du es nicht tust. Ich frage mich manchmal, warum du der einzige Mensch bist, der mich berühren darf, ohne dass ich zurückzucke und ob das daran liegt, dass ich fürchte, alle anderen könnten mich zerbrechen. Und dann frage ich mich, weshalb ich mir so sicher bin, dass du mich nicht zerbrechen wirst und ob es daran liegt, dass du selbst schon zu oft und in viel zu kleine Scherben zerbrochen wurdest. Ja, und dann frage ich mich, ob ich es sein soll, der dich mühsam wieder zusammensetzt und ob du zulassen wirst, dass deine Augen extra für mich wieder ein klein wenig golden schimmern.

Diesen Text hat Leah Spitzenpfeil vor gut zwei Jahren an den Literaturwettbewerb Sprichcode gesandt. Seit damals, seit er in der Zeitung abgedruckt wurde, trage ich ihn irgendwo an mir herum. Er gefällt mir unglaublich. Vielen Dank, Leah, für diesen wunderschönen, nachdenklich stimmenden Text.

Volle Distanz.

Näher zu dir.

Ein junger Mann, gerade einmal zwanzig Jahre alt. Beinahe jede Woche fährt er nun zumindest einmal nach Wien und einmal zurück nach Pinsdorf, in dieses kleine Dorf, in welchem er aufgewachsen ist. Irgendwann trifft er dort eine junge Frau. Irgendwo zwischen Sankt Valentin, Sankt Pölten und Amstetten steigt sie ein und auch schon wieder aus. Durch Zufall entsteht ein Gespräch zwischen die beiden. Und gerade als etwas Sympathie zwischen den beiden entsteht, steigt sie auch schon wieder aus. Ohne überhaupt ihren Namen genannt zu haben.

Doch von nun an sehen sie sich jede Woche wieder. Was ihnen bleibt, ist diese eine Stunde, die sie gemeinsam im Zug verbringen. Sie reden über Liebe, über das Leben, über Freundschaft. Über Erlebnisse, Gedanken, über Hoffnungen und Träume. Jede Zugfahrt genau eine Stunde. Schön langsam entsteht eine Art Freundschaft, auf ganz verquere Art und Weise. Und während der junge Mann sein Leben zuhause oder in Wien irgendwie weiterlebt, erfährt man ihr Leben nur aus den Gesprächen. Und in diesem einen Zug erleben sie alles von Liebe und Hass, Streit und Wut, Nähe und Distanz.

So gesehen könnte das ein Klappentext sein. Natürlich müsste er noch etwas angepasst werden. Aber hiermit möchte ich ich es euch vorstellen. Mein neues Buchprojekt. Vor wenigen Wochen erst habe ich damit begonnen, und doch habe ich nun schon ein solides Grundgerüst. Im Gegensatz zu meinem ersten, zwar fertiggestellten, aber schlussendlich nicht zufriedenstellenden Projekt. „Volle Distanz. Näher zu dir“ ist der Arbeitstitel, frei nach Kettcar, die mich schon relativ häufig zu irgendetwas inspiriert haben. Auf die gesamte Idee kam ich eigentlich, Kenner werden es schon herausgelesen haben, durch den Film Before Sunrise. Darin treffen sich die Französin Celine und der Amerikaner Jesse in einem Zug, kurz vor Wien. Und verbringen, obwohl sie sich überhaupt nicht kennen, eine Nacht in Wien. Doch so spielt das Leben oft nicht. Zwar ist die ganze Geschichte unglaublich romantisch und die jungen Schauspieler bringen alles recht schön rüber. Aber ich stelle es mir schon wunderbar vor, einen Menschen im Zug kennenzulernen und zu wissen … lass uns die Zeit nützen, wir haben nur diese eine Stunde.

Und weil man im Zug eben vor allem drei Dinge macht, eben Schlafen, Lesen oder Reden, formulieren die Beiden füreinander ihre philosophischen Gedanken aus. Nichts Hochgestochenes. Einfach Gedanken über alle möglichen Punkte des Lebens. Über Freundschaft eben, oder Liebe, Familie oder Tod. Und dass Freundschaften oft irgendwelche Holpersteine in den Weg gelegt bekommen, wissen ja wohl irgendwie alle. Hier findet der Hauptplot des Ganzen in diesem einen Waggon statt. Und mit dem Fokus auf den Hauptcharakter, den jungen Mann, möchte ich versuchen, den Unterschied zwischen Provinz und Großstadt herauszukitzeln. Gedanken über Heimat und Zuhause, um Lebensgefühl und so weiter.

Ehrlich gesagt sehe ich mich mit diesem Projekt gefordert. Weil ich eben nun grundsätzlich weiß, worüber das Buch handeln wird. Ich weiß zwar noch nicht das Ende, und das ist auch gut so. Ist ja irgendwie ein Entwicklungsroman. Aber mit diesem Buch kann ich mir Gedanken über so viele Dinge machen. Kann Gefühle einbauen, manchmal romantisch, manchmal schmerzhaft sein. Kann mich vollkommen ausleben. In the places you have come to fear the most war es irgendwie so. Liebe war entweder schmerzhaft oder eben die meiste Zeit wundervoll. Aber der Rest der Jugend, ob Familie, Schule, Stress usw. war schrecklich. Alles passierte innerhalb kürzester Zeit. Und veränderte sich ins Negative. Hier steht nun eben ein junger Mann. Immer noch gefangen in der Jugend, mit Blick nach vorne. Und auch wenn es sich aussagslos anhört, ich denke, dieses Buch wird mich verändern. Wird mir helfen. Und natürlich hoffe ich auch, dass es euch gefallen wird. Aber ich bin, selbstüberheblich wie ich bin, sehr zuversichtlich.

Ich schreibe das Buch übrigens, sofern ich an meinem eigenen Notebook sitze mit Q10. Bei Fremd-PCs benutze ich dann aber meinen geheimen Blog, da ich so immer auf das Aktuellste zugreifen kann. Technologie 2.0 sei Dank. Dieses Buch soll nun ernsthaft an Verlage ausgeschickt werden, deswegen möchte ich nicht den Blog öffentlich einsehbar machen. Nur einige wenige Auserwählte werden irgendwann einmal Einlass bekommen. Wir werden sehen.

Liebe. Before Sunset.

Du und ich.  

Erinnerungen sind sowas schönes, wenn sie nicht die Vergangenheit wach rufen würden.

Celine in Before Sunset

Nachdem mich der Film Before Sunrise schon zu meinem letzten Text über die Liebe inspiriert hat, werde ich mich nun mithilfe von Zitaten und den Erinnerungen an die großartige Fortsetzung weiterhangeln. Meine Erinnerungen an die Menschen, die mein Leben so lange begleitet haben, die irgendwann einmal Teil meiner Person waren, die vielleicht auch nur einen kleinen Prozentteil meines Lebens an meiner Seite waren, sie sind allesamt wunderschön. Die hässlichen, ungustiösen, verdammten, schrecklichen Erinnerungen, ich habe stets versucht, sie zu verdrängen. Du und ich, wir beide, wir haben eine Vergangenheit, haben Tage, Monate, die wir gemeinsam verbracht haben. Können es unsere Vergangenheit nennen. Nicht immer ist alles gut gelaufen, nicht immer trennten sich unsere Wege mit einem Lächeln. Wir haben so verdammte Tage miteinander verbracht, an denen jedes weitere Wort pure Verschwendung gewesen wäre, und doch haben wir immer wieder zu uns zurückgefunden. Haben gemerkt, was wir am Anderen lieben, und akzeptiert, was uns am Gegenüber stört. Wir wurden uns unserer eigenen Veränderung bewusst, und haben eingesehen, dass sich alles weiterentwickeln muss. Unsere Liebe, unsere Freundschaft, dieses Wir.

Was uns bleibt, sind die Erinnerungen an einzigartige Momente. Als wir vollkommen betrunken, im zarten Jugendalter, in der Mitte der Pubertät auf Dächern saßen und auf die minimalistische Skyline hinuntersahen. Als wir uns mitten auf die Straße legten, um den Sternen näher zu sein. Als wir in der Schule saßen und unsere Hände sich gegenseitig hielten. Als alles anders wurde, und das Liebgewonnene irgendwie verschwand. Als ich realisierte, dass dieser Mann neben dir, damals noch ein Junge, einen ebenso wichtigen, einen ebenso großen Platz einnehmen würde. Dass von nun an wohl eher er mit dir assoziiert werden würde, als ich. Ich erinnere mich an die eifersüchtigen Blicke von mir, an den Schmerz. Und an die Akzeptanz. Die Akzeptanz, dass etwas vorbei ist. Und immer wieder muss man akzeptieren. Dass man nicht mehr nebeneinander einschlafen kann. Dass sich etwas ändern wird, und es doch alles nur an uns lag. Dass irgendjemand Schuld hatte an dem Ganzen und dem Verlauf, dem Ende und dem Neubeginn. Als wir, du weinend uns gegenseitig Dinge an den Kopf warfen, mitten in der Schule. Als Wochen ohne gesprochene Worte zwischen uns lagen. Das ist sie, unsere Vergangenheit. Mit dir und dir und dir. Es gibt so schöne Erinnerungen. Und ebenso schreckliche. Alle einzigartig in ihrer Begebenheit. Und doch kommt beim Erinnern irgendwie alles wieder hoch. Alles was schief lief und alles was gut.

Kein Mensch ist austauschbar. Jeder besteht aus wunderschönen kleinen Details.

Celine in Before Sunset

Die Einzigartigkeit jedes Einzelnen wird immer und immer wieder gelehrt. Und doch scheint diese Gesellschaft alles daran zu setzen, einen Einheitsbrei zu erzeugen. Keiner von uns, die wir in meiner Vergangenheit vorkommen, hat das Zeug für einen Konformisten. In manchen Dingen kamen wir dem Teufelskreis nicht aus, doch wie Celine so schön sagt, diese kleinen wunderbaren Details machen uns so einzigartig. Kein Gespräch gleicht dem anderen. Kein Lächeln. Wir sind alle unterschiedlich. Ich habe schon oft Liebe verspürt. Zweifelnde Liebe, handfeste Liebe, beschissene Liebe, ängstliche Liebe. Und platonische Liebe. Irgendwann bemerkt man, dass irgendeine Liebe wünschenswert ist, und der letzte gemeinsame Nenner ist möglicherweise noch die platonische Liebe. Käme es da manchmal nicht zu einem Bruch. Dies ist mir glücklicherweise noch nie passiert. Von Verliebtheiten möchte ich nicht sprechen. Sondern von Liebe, ob ausgesprochen oder nicht. Sie ist einfach existent. Verändert ihre Grundform nie, nur ihre Auslebung. Keinen Menschen, den ich jemals geliebt habe, habe ich aus dem Leben verschwinden sehen. Sie sind alle noch irgendwie da. Auch wenn der Kontakt manchmal bröckelt. Irgendwann trifft man wieder aufeinander und alles scheint so wie früher.

Warum ich diese Zeilen schreibe. Um selbst zu sehen, dass ich im Stande bin, zu lieben. Dass alles irgendwie dann doch normal ist. Dass Liebe etwas so Wunderbares, so Großartiges ist. Und dass es nicht komisch sein muss, dass bei Gesprächen, beim Auflebenlassen von Erinnerung plötzlich auch die Gefühle der Vergangenheit wieder da sind. Sie sind nun mal eng verbunden mit den Erinnerungen, sind Teil des Ganzen. Man darf diese Gefühle zwar zulassen, doch dabei muss man schlussendlich die Gegenwart akzeptieren. Die Vergangenheit ist, wie der Name schon so schön sagt, vergangen. Veränderungen fanden statt, wir haben uns verändert. Vielleicht habt ihr es schon vor langer Zeit akzeptiert. Ich brauchte zumindest für den letzten Fall für die letzte Liebe eben etwas länger. Tut mir Leid, Spätzünder eben. Aber vielleicht habe ich es noch geschafft, bevor die Sonne unterging. Vielleicht. Hoffentlich.

Hurt.

Es tut weh. Nicht einfach so. Es tut irgendwie anders weh.

Gefangen in der Unendlichkeit des begrenzten menschlichen Seins. Langsam setze ich den Gedankenlauf fort, finde mich an Orten wieder, die ich zu begehen mir nie zutrauen würde. Sanft entflieht der kalte Atem aus meinen Lungen, kämpft sich durch die Nase hinaus. „Was ist nur los. Mit mir.“

Die Sonne scheint, schmilzt schön langsam den kargen Rest von Schnee weg und lässt ihn versickern. In den Kanal hinein zieht es die Flüssigkeit, die sich, mit Schotter und Dreck vermengt, einige Wochen gehalten hat. Das durchsichtige Nichtstun, die Belanglosigkeit, einfach nichts tun und der Routine folgen. Warum hasse ich diese Routine so dermaßen. Finde mich nicht zurecht in einem geregelten Umfeld, nachdem ich mich schon so lange sehne. Warum möchte ich einfach mal an meinem Kassettendeck auf die Pause-Taste drücken um alles anzuhalten. Mich niederlegen aus die Straße, zwischen all den aufgehaltenen Autos. Mir die Seele aus dem Leib schreien, ohne überraschte und wertende Blicke von den erstarrten Menschen in meiner Umgebung erwarten zu müssen.

Doch leider gibt es keine Universalfernbedienung für das Leben, keine Pausetaste zum Anhalten. Alles setzt sich fort, nimmt seinen Lauf. Ohne nach Interesse oder Erlaubnis zu fragen. Es passiert einfach und passiert. Passiert immer und immer wieder. Was hat sich verändert. Nichts, rein gar nichts. Immer noch bin ich der kleine Junge, immer noch der junge Mann. Mehr nicht. Und doch rotiert alles. Die Welt dreht sich um die eigene Achse, aus Tag wird Nacht wird Tag. Und die Schambereichsgesellschaft, in der wir leben, saugt alles auf. Wie gefräßige Schwämme, die nur dann richtig leben können, wenn sie jeden Scheiß in sich haben. Immer nur nicken und in ihrer Prüdheit verstumpfen und versumpfen. Verdammte Rotation. Verdammte Fortsetzungscharakter des Lebens. Teil eins. Teil zwei. Teil zwanzig. Fast ohne Übergangsschwierigkeit, der sofortige Anschluss, kein Ende in Sicht. Schlechte Slapstick-Melodramatik. Mehr nicht. Und keine Möglichkeit um- oder auszuschalten.

Der Schmerz ist immer noch da. Macht keine Anzeichen, sich bald wegzubewegen. Er bleibt und wird a part of me. Ein Teilchen des Ganzen. Er fühlt sich komisch an, nicht gut. Okay, zugegeben, kaum ein Schmerz fühlt sich ernsthaft gut an. Aber es ist so anders. So unterschiedlich. Man kann ihn nicht mit einem Pflaster eindämmen, mit einer Tablette abtöten. Er ist da. Geht irgendwann wieder. Und kommt auch unangekündigt zurück. Und es tut weh. So verdammt beschissen weh.

Was ist es? Der Zweifel an mir Selbst. Die schnelle Weiterentwicklung meines Ichs. Meine Art, wie ich bin, wer ich sein möchte. Ich weiß es nicht.

Don’t Be Cruel.


Das Messer liegt doch einfach nur so rum. Du brauchst es nicht nehmen und es mir mit voller Wucht in das Herz rammen, sodass einige Rippen lädiert werden und mein Lebensmuskel irgendwann zu schlagen aufhört. Das hast du nicht nötig.

Es reicht schon, wenn du mir mit deinen Worten einen solchen Schmerz zufügst, dass er mich einknicken lässt. Dass meine Beine die Kraft verlieren, einen Menschen wie mich zu tragen. Worte, die sich ins Gehirn einfressen und es sich dort gemütlich machen. Worte, die in ihrer Gewaltigkeit nicht mehr zurückzunehmen sind. Worte, die einfach nur weh tun. Es reicht schon wenn du es dabei belassen würdest.

Du brauchst nicht auch noch auf mich einschlagen, mit der geballten Faust in mein Gesicht. Brauchst nicht auch noch deine Körperkraft beanspruchen, um meine eigene zu schwächen. Brauchst nicht Hämatome an mir verursachen, die mein Gesicht und meinen Körper wie bunte Farbenkleckse erscheinen lassen. Du musst nicht unbedingt deine Fingernägel in meinen Körper rammen, Haut- und Fleischfetzen herauskratzen, sodass Blut an diesen Stellen hervortritt.

Nicht einmal das Verfolgen in Traum und Realität wäre nicht unbedingt nötig. Dass du mir Angst machst, wenn ich dich sehe und ich nach Unterschlupf suche, weil ich dir nicht auf meinen täglichen Wegen begegnen möchte. Überall bist du und ich bin nichts. Das gibst du mir jedes Mal zu spüren. Ich möchte dich nicht spüren, möchte dich nicht sehen. Aber es reicht nicht.

Nimm doch einfach dieses Messer. Das geht schnell. Und ist vielleicht kurz mal schmerzvoll. Irgendwann verlässt aber auch dieser Schmerz meinen Körper, und flieht wie die gesamte Lebenskraft. Um nicht in einem solchen Körper gefangen zu sein. Nimm das Messer. Du kannst nichts dafür. Kannst nichts dafür. Nichts dafür, dass du einfach. Bist.

//Bitte beachte: Rein fiktional. An keinen Menschen gerichtet. Nur Gedanken. Dankeschön.

I’m Sorry.

Irgendwann kommt man an den Punkt an, an dem man nur mehr zwei Worte zwischen den blutunterlaufenen Lippen hervorpressen kann.

„Irgendetwas hier läuft so richtig falsch auf dieser Welt.“ – „Pscht.“ Ich versuche mit einsilbrigen Worten meine innere Stimme zu unterbinden. Doch es nützt nicht wirklich. „Du musst doch einsehen, was hier gerade so abläuft, das ist doch hinrissig, vollkommen bescheuert und abnormal.“ Ich schließe die Augen, hoffe auf Ruhe in meinem Kopf und atme langsam und unaufhaltsam ein. Und aus. „Menschen töten. Töten jemand anderen, töten sich, töten Gefühle, töten Gedanken.“ – „Ach, halt doch einfach nur deine Klappe“, schreie ich sie an.

Was ist das nur für ein Gefühl Wenn man noch Wochen der Hoffnung und des Glaubens an die Sache plötzlich begreift, dass alles nur vollkommen kindisch und unangebracht war. Dass ich mit dem heutigen Wissensstand alles anders machen würde. Dassman dadurch noch mehr zerstört hat, als was man eigentlich beabsichtigt hat. Wenn man soweit ist, die Realität zu akzeptieren und Gefühle wie von alleine verschwinden. Als der Zug einer Zigarette nicht nach sieben Sekunden das Glücksgefühl in den Kopf sendet, sondern: „Es ist Schluss.“ Und die Wucht dieser Erfahrung, dieser Information, die schon vor fast neun Monaten an meine Ohren geknallt wurde, sich plötzlich ins Gehirn und ins Herz eingefressen hat. Wenn man leicht überrascht die Augen schließt, nickt, an der Zigarette anzieht und wiederholt. „Es ist Schluss.“

Dann ist man endlich an diesem Punkt angekommen, an dem einen alles Leid tut, was man falsch gemacht hat. Wie gefühlskalt man einige Dinge geschehen hat lassen, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Und man presst die Lippen zusammen, Gedanken schießen in einen Kopf und obwohl man komplett alleine in diesem Raum ist, bleibt nur eines übrig. Ein leises „Entschuldigung.“ Entschuldigung für all das, was schief gelaufen ist, was ich erzwingen wollte, obwohl es sinnlos war. Für all das, was ich zerstört habe, und für alles, was ich schon zum Einsturz gebracht habe, bevor es erbaut wurde. Entschuldigung für meine Penetranz und für meinen kindlichen Leichtsinn. Entschuldigung für meine Inkompatiblität in Dingen Liebe und so. Entschludigung für manche Momente, die unser beiden Leben zu einem Horror hat werden lassen. Entschludigung für meinen Wahn und meine Traumvorstellung von Leben und allem. Einfach nur. Entschuldigung.

Ich kann nicht erwarten, dass man sie annimmt. Zu viel ist passiert. Zu viel wurde schon zerstört, kaputt gemacht durch meine Idiotie. Vielleicht kommt mal wieder was. Vielleicht. Aber ich kann einfach nicht mehr sagen, als ein einfaches und ehrlich gemeintes Sorry.

Thrown Away.

Warum werfe ich mich nicht einfach weg. Denn wo ist er, der Sinn?

Es wäre so einfach. So entscheidend. Einfach nur die vollkommene Selbstaufgabe, die Lösung für alles. Um nicht mehr dieses Pack aus Idiotie mit mir herumzutragen. Um zu flüchten, vor den Gedanken und den Gefühlen, den Ängsten und den Hoffnungen. Um nichts mehr zu spüren. Um nichts mehr zu sehen. Um nicht mehr zu sein. Alles wäre belanglos und ich wäre nicht.

Weinen würden sie, an meinem Grab, würden Kerzen aufstellen und Gestecke einkaufen. Würden über mich nachdenken, ständig Bilder von mir ansehen, würden an mich denken und von einem wunderbaren Menschen sprechen. Würden zum Alltag zurückkehren und immer mal wieder an mich denken. Aber es würde auch ohne mich gehen. Ich wäre dann Geschichte, und das Leben wär die Gegenwart. Oder das nahe Futur. Mehr nicht. Mein Leben wäre nichtssagend, irgendwann einmal am Ende angekommen.

Zurücklassen würde Texte über Liebe und Hoffnung, und Wut, und Leben, und Angst. Geschichten über mich und euch und über Träume und Gedanken. Tagebücher voll Verliebtheiten und Abstand. Worte, aneinandergereiht in oft unverständlicher Folge. Manchmal minutiöse Erklärung des Lebens. Schon längst gegangen wären die Träume, die mich bis zu diesem Zeitpunkt am Leben hielten. Sie waren Teil von mir, vielleicht mal aufgeschrieben, aber nur in meinem Kopf vollkommen ausformuliert. Sie würden untergehen. Mit mir.

Werfe mich weg. Wie ein Stück Müll, eine Bananenscheibe, einen Zigarettenstummel. Weil man nichts mehr anzufangen weiß mit sich. Als hätte alles keinen Sinn. Man sieht ihn nicht in der Arbeit, der Routine, in allem was man tut, und tut es trotzdem, weil es zu den Pflichten gehört, und sowieso irgendwann vorbei sind wird. Irgendwann wird definitiv alles vorbei sein. Irgendwann. Ich muss jetzt nur aufpassen, mich nicht schon vorher wegzuwerfen.

//Verdammter Arbeitstag.