Ende.

Das einfach mal so stehen lassen.

Ich spiele seit einigen Stunden mit dem Gedanken, eine Blogpause einzulegen. Keine täglichen Einträge mehr. Vielleicht die nächste Botschaft erst in einigen Wochen und wenigen Monaten. Oder in einigen Stunden. Ich verstehe nicht wieso, aber der Gedanke an eine Selbstinszenierungspause fühlt sich nicht falsch an.

Immer öfter in letzter Zeit habe ich mir gedacht, diesen oder jenen Text möchte ich so stehen lassen. Nichts danach. Und doch sollte ich wieder schreiben. Es war nie ein Zwang, es war in letzter Zeit immer aus Freude und Spaß am Schreiben. All die Dinge, die ich neu hier begonnen habe, haben mir gut getan. Und dann plötzlich das.

Es beeindruckt mich, wie sehr mir der Blog half, nach dem größten Schicksalsschlag, den ich jemals erlebt habe. Er hat mir geholfen, über alles zu schreiben. Und dann verliebt sich dieser Junge wieder einmal und wird von einem kurzen Steinchen am langen Weg aus dem Gleichgewicht geworfen und möchte liegen bleiben.

Diese eine Sache wirft mich so weit zurück, dass ich mit einem Teil von mir brechen möchte. Diesem Blog, der mir sehr am Herzen liegt und meine intimsten Gedanken publikumswirksam präsentiert. Irgendwann möchte ich wieder hier was schreiben. Und vielleicht dauert der Gedanke nur wenige Stunden an.

Wie bemitleidenswert ist das denn? Ich möchte liegenbleiben und wiederhole noch einmal das gefürchtete Wort: Blogpause.

//Höchstwahrscheinlich wird es doch nichts damit. Meine Psyche wurde beruhigt. Und heute Abend gehts wahrscheinlich weiter. 

Shelter.

I guess, you don’t need it.

Und, hier sitze ich. Niedergeschlagen, still. Abweisend und unruhig. Ich möchte am liebsten schreien, möchte meine Gefühle herauslassen, aber da müsste ich wohl auch heulen. Weil mich alles so weit zurückwirft und mich nicht durchatmen lässt. Was erwarte ich. Erwarte den Himmel auf Erden, jetzt plötzlich. Diese eine große siebte Wolke, ist sie auch dieses Mal nichts für mich. Sie gehört irgendjemand anderen. Nicht uns. Nicht dir in Kombination mit mir.

Gib mir nur noch einen Abend. Eine Stunde nur mit dir. Gib mir die Chance, dir zu zeigen, was du mir bedeutest. Diesen einen Moment. Ich hatte Angst. Die ganze Zeit. Angst und so was von verdammten Schiss. Vor allem und deiner Reaktion. Nur diese eine Sekunde. Gib sie mir, bitte.

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Stecke voller Gedanken und Schmetterlinge. Höre melancholisch anmutende Musik von Ray LaMontagne. Und ziehe Bilanz. Es hat nicht sollen sein, wiederhole ich. Und bekomme stets dieses „Warum nicht“ zurückgeworfen. Woran ist es gelegen, und ist es überhaupt schon vorbei. Vielleicht sollte ich frühzeitig aufgeben, um Schadensbegrenzung zu betreiben. Aber ich will nicht aufgeben. Will nicht den Schluss schon jetzt sehen. Liege hier und frage mich, was ich mir überhaupt einbilde. Male Bilder von dem schönsten Gefühl, welches ich kenne. Lasse mich tragen, durch die Welt. Träume am Tage.

Ich würde dein Unterschlupf sein, deine Zuflucht. Würde dich auffangen, wenn du irgendwann einmal stolperst und hinzufallen drohst. Würde dich beruhigen, wenn die Welt so beschissen normal agiert. Würde dich halten, nur um zu zeigen, dass du nicht allein bist. Ich würde dir die Welt und den Himmel und die Sterne versprechen, und mich jeden Tag darum bemühen, so viel wie möglich dir zu geben. Ich würde dir die Freiheit geben, die du brauchst, und würde jeden einzelnen Moment mit dir genießen. Würde dich lieben. I would be your shelter. Dein Unterschlupf. Deine Zuflucht.

Doch du brauchst das wahrscheinlich nicht. Wonach suchst du? Triffst die falschen Menschen und findest nie, wonach du suchst. Mach die Augen auf. Und strecke die Hand aus. Ich bin hier. Ich bin in deiner Nähe und wäre auf der Stelle an jedem beliebigen Ort, wo ich sein soll. Verstehst du nicht? Siehst du es nicht. Öffne deine Augen und lasse es heran. Fühlst du nichts? Es ist doch auch nur mehr als menschlich, doch sag es mir. Ich schwimme in Zweifeln und jage nach Fragen. Und bekomme nichts zurück. Nur Gedankenballastbomben und einen lange verloren geglaubten Gefühlschaos.

Kein „Das wird schon.“ kann mir jetzt helfen. Nur dieser eine Moment. Habe ich alles versäumt und meine Chance vertan. Oder bin ich einfach nur blind. Blind vor Verliebtheit. Oder genieße ich den Blick durch die rosarote Brille. Ich will sie nicht abnehmen. Will einfach nur Gewissheit. Das Wissen, was ist. Verstehen, woran ich bin. Und selbst wenn nicht, wüsste ich dann wenigstens eines. Du brauchst mich nicht als Zuflucht. Brauchst keinen Unterschlupf. Suchst weiter und wirst nicht finden.

Und jetzt geh bitte wieder aus meinem Kopf raus. Nimm die Gedanken mit, und verabrede mit dem Gehirn die Abschaltung der Gefühle. Und auf dem Weg nach draußen, töte bitte noch die Schmetterlinge in meinem Bauch. Mach, das alles weggeht. Wenn es eben doch nur so ist, dass alles nur von mir kommt, dann hau ab. Bitte. Tu es mir zuliebe.

Und selbst wenn ich jetzt viel zu viel hineininterpretiere, tut es weh. Es tut weh, wie es ist und es fühlt sich so falsch an. Es sollte anders sein. Mein Traumschloss hat mir etwas anderes gezeigt, mein Wunschkonzert hätte ein viel schöneres Abschlusslied. Ich weiß es nicht. Ich bin nur niedergeschlagen und ausgelaugt und traurig und verstört. Augen schließen. Und warten. Und irgendwann einmal verstehen.

Kenn‘ Den Weg.

Sich fallen lassen. Halt geben. Worte, die einem am Nacken streicheln und eine Gänsehaut entstehen lassen. 

Minutenlang hören wir unsere Stimmen, meist abwechselnd, manchmal auch gleichzeitig. und reden von Gott und der Welt und der Liebe und uns. Sprechen vom Leben und all seinen verqueren Abzweigungen und scheinbaren Abkürzungen. Sprechen von der Vergangenheit und träumen von der Zukunft. Diese Gespräche finde ich jedes Mal wieder schön. So richtig einzigartig und diese wunderschöne Stille zwischen all den Worten. Das Zuhören und Verstehen, das Vertrauen. Und die Freude über unsere schon so lange andauernde Freundschaft. Denn gerade die ist einzigartig und unglaublich, unbeschreiblich und anders, als all die anderen.

Wir reden über Liebe. Du kennst mich und kennst meine Vergangenheit, kennst meine Geschichte und meinen Gefühlshaushalt. Weißt, wie es ist, von mir geliebt zu werden, und weißt, wie es ist, mich zu lieben. Wir sind der Oscar unter all den Freundschaften, die Olympiamedaille und der Mount Everest. Wir sind das Höchste und fühlen uns klein. Wir sind die Größten und sind eben doch nur Freunde. An Außergewöhnlichkeit nicht zu überbieten. Wir halten unsere Telefone an unsere Ohren und reden miteinander.

Und irgendwann dann dieser kleine Teil, diese halbe Minute. Wunderschöne Worte, von denen ich eine Gänsehaut bekomme und die mich stolz machen. Und ich weiß, dass du sie ehrlich meinst, weil du immer ehrlich mit mir warst. Du hast mir geholfen und Dinge geraten, die andere nie sagen würden. Weil sie Angst vor der Ehrlichkeit haben und denken, ich könnte die Wahrheit nicht vertragen. Du weißt, was du sagst und bist dir deiner Macht bewusst. Auf dich vertraue ich und dir höre ich zu. Und du mir scheinbar auch.

Du wirst es sein, die als erste davon erfährt. Dich werde ich anrufen, und werde dir alles erzählen. Damit wir gemeinsam Luftsprünge machen. Damit du dich für mich freust, und das machst du, jedes einzelne Mal. Und du wirst mich auffangen. Fängst mich auf und hältst mich fest. Gibst mir Halt. Und ermöglichst mir, zu leben. Dafür danke ich dir. Ich möchte gar nicht wissen, was ich ohne dir heute wäre. Bei dir finde ich zum ersten Mal das Wort Seelenverwandter passend. Du bist meine Seelenschwester. Und ich dein Bruder. Ich könnte dir für so vieles danken und freue mich einfach, dass es dich gibt. Und dass wir uns Freunde nennen können.

Am Balkon Gegenüber.

Sag einfach nichts. Ein Herzenssprung auf Köpfchenbasis, mit viel Vernunft und zu viel Schiss.

Die man kriegt, die will man nicht. Ain’t that kick in my head. Nö. Nicht wirklich. Schon geahnt und nichts gefühlt. Was soll ich tun, bin doch nur ich ein kleiner Wannabe-Rockstar. Oder ein Wannabe-Mensch. Hauptsache Möchtegern. Es tut weh. Wenn man sozusagen einen Korb austeilt. Und einfach keinen wirklichen Grund vorzeigen kann. Es ist erst das zweite Mal ever. Mehr nicht. Hat mich letztes Mal schon irgendwie mitgenommen, und auch dieses Mal fühlt es sich schön komisch an. Vielleicht, weil ich weiß, wie es ist, verliebt zu sein. Ohne Spiegeleffekt. Ohne irgendetwas zurückzubekommen. Aber man kann nichts erzwingen. Entweder es macht WUSCH. Oder eben nicht. Diesmal war es nunmal ein nicht. Weil sich Kopf und Herz seit langem wieder einmal einig sind. Vielleicht mache ich mir viel zu viele Gedanken. Kann ich ja nichts dafür, dass es Gefühle gibt. Und irgendwer sie irgendwie seit irgendwann für mich empfindet. Wie es weitergehen soll, und es wird, da es muss … ich weiß es nicht. Soweit ich mich erinnern kann, wagte keine auch nur davon zu sprechen, dass es nun Probleme in Freund- und Bekanntschaft geben würde. Mit keine Ausnahme kamen sie dann doch. Und zerstörten und verätzten und töteten was da war und nicht sein sollte. Mit den Gefühlen starb irgendwann noch mehr. Vielleicht sehe ich die Glaskugel zu schwarz, vielleicht sollte ich sie wieder einmal putzen. Doch jetzt seh ich nichts Gutes. Bei Freundschaft wird’s wohl bleiben, doch es wird immer irgendwas sein. Nein, oh mein Gott, nein. Das ist kein Vorwurf. Nur eine jahrelang angelernte Erkenntnis

Die man will, die kriegt man nicht. How to disappear completely. Augen schließen, Luft anhalten. Und aufhören, zu denken. Schafft man nicht und will man nicht. Da macht es einfach so WUSCH, ohne Vorwarnung und ohne To-Do-Next-Plan. Dann sitzt man da, mit den Überresten des ersten WUSCH-Anschlages und überlegt. Formt die Realität und spaltet die Träume. Legt sich alles so schön aus und zählt und fragt und ist aufgeregt. Schon lange nicht mehr so gefühlt. Schon lange nicht mehr dieses Gefühl gespürt, und die Schönheit des ganzen. Wenn man im Bett liegt, den Blick nach oben, die Zimmerdecke betrachtend und die Musik im imaginären Kopf-Player abspielend. Einfach so WUSCH und alles ist anders. Manchmal tut es weh. Manchmal so richtig. Vielleicht auch deswegen „Liebe und so’n Mist.“ Weil’s eben meistens so ist. Aber Mist gehört ja nun mal dazu zur Liebe. „Ihr Bestellung, bitte?“ „Einmal Liebe, bitte. Zum Mitnehmen.“ „Wolln‘ sie noch ne Packung Mist dazu?“ So läufts zirka ab. Der Mist ist dann ein Must und die Entsorgung übersteigt den Ideenreichtum. Und du klärst und ich höre und ich warte, bis alles für einen kurzen Moment anhält. Alles ist anders und ich auch. Habe mich verändert, auf eigenen Wunsch, nach monatelangem Stillstand. Habe mich getraut, eine Maske abzunehmen. Früher dachte ich, dass Liebe nur durch vorangegangene Freundschaft da sein kann. Dann hatte ich meine erste Beziehung mit einer beinahe Unbekannten. Und auch meine bisher letzte. Und dann wieder sowas. You know, I’m no good. Aber ich bin tausend Mal besser als all die Typen, da draußen, die von großer Liebe und all den Märchen erzählen. Und normalerweise rede ich auch nicht so viel. Nur wenn ich nicht weiß, was ich sagen soll. Schon klar, gerade da wäre es mehr als angemessen, die Klappe zu halten.

Stehe dazwischen. Herz und Hirn boxen sich durchs Leben. Eine verdammt unmögliche Symbiose zwischen den Beiden. Überall wollen sie mitreden. Vielleicht würde die Reduzierung des Menschen auf seinen Instinkt wieder alles besser machen. Doch das wird nichts. Und so gehts weiter. Irgendwie, mit Gefühlen. Die einen für mich, die meinen für jemand anderen. Das ist nun mal so.

Angst.

Wenn sie am Größten ist, bin ich viel zu klein.

Sie meldet sich nicht oft an. Steht vor mir und überrascht mich jedes Mal wieder. Manchmal tut es mir weh, wenn ich ihr ins Gesicht blicke. Manchmal schlägt sie auch einfach nur zu. Die Angst, die eigentlich immer da ist. Eine unsichtbare Anwesenheit, und nur ganz selten nimmt sie Gestalt an. Manchmal bleibt sie auch, für einige Zeit. Nistet sich hier ein, macht es sich gemütlich.

Was sind meine Ängste? Seit einem Vorfall mit sieben oder acht Jahren habe ich Angst vor großen Hunden. Nein, vor bellenden Hunden. Vor Hunden allgemein, von denen ich zuallererst die Zähne sehe, bevor ich irgendetwas anderes zu Gesicht bekomme. Ich habe Angst vor Schlangen und Ratten. Angst, in der Badewanne einzuschlafen und zu ertrinken. Angst vor Terminverplanung. Vor der Dunkelheit und vor engen, von außen versperrten Räumen. Angst in der Höhe und Angst von einer Walnuß am Kopf getroffen zu werden.

Habe Angst, taub zu werden. Um nie mehr die Musik hören zu können. Angst davor, blind zu werden. Um nie mehr ein geliebtes Gesicht sehen zu können. Habe Angst vor Krebs und Angst vor dem Tod. Vor meinem eigenen noch am wenigsten. Viel mehr Angst vor dem Tod von Freunden. Auch die Familie zählt dazu. Habe Angst vor Enttäuschung und der Realität, die manchmal durchschlägt. Habe Angst, nie geliebt zu werden und nicht lieben zu können. Aber meine größte Angst ist viel schlimmer. Sie ist fast immer da, und macht auch keine Anstalten, wegzugehen.

Das Alleinsein. Das ist meine größte Angst. Ich habe Angst davor, für immer alleine aufzuwachen und niemanden mehr zu sehen. Keinen Menschen, den ich lieb gewonnen habe und kein Wesen. Als wäre das Leben sinnlos. Als hätte ich nie geliebt und wäre nie geliebt worden. Es wäre der komplette Neuanfang und doch wäre es ohne Sinn. Es ist die Angst des Versagens auf allerhöchster Ebene. Schmerzhaft und erdrückend. Alleine zu sein, wo man die Nähe und die Zuneigung von Menschen und anderen Wesen braucht, ist, als hätte irgendjemand einem das Herz herausgerissen.

Ich fürchte mich vor so vielem. Und doch ist die Angst zu Versagen allgegenwärtig. Was, wenn mein ganzes Leben is based on a lie. Wenn meine Träume Schäume sind und doch nie wahr werden. Und vielleicht ist genau das etwas, was mich anspornt. Um zu zeigen, dass Ängste unwichtig sind. Wie Kierkegaard so schön sagte: Angst ist der Schwindel der Freiheit. Sie einzuschränken um nie in irgendwelche angsterzeugenden Situationen zu kommen, wäre vollkommen falsch. Sie gehören zum Leben. Warum sollte ich davor flüchten. Sie tun zwar manchmal weh. Aber das gehört dazu.

Link 1: Burning Photographs. Angst.
Link 2: Tell Me A Poem. Angst.
Link 3: Movies of Myself. Angst. Ersatzlink zu YouTube

Klassenfahrt.

Die Sonne scheint. Der Rückspiegel zeigt mir so einiges an. Steigt ein in den Bus. Auf zu meinen Klassenfahrten.

Eigentlich bin ich kein großer Fan von Klassenfahrten. Hatte ich doch mit 11 Jahren ein böses Erlebnis. So mit erstem Mal verliebt sein, ein Typ, den ich zu meinen besten Freunden zählte, und plötzlich war das Mädchen weg und ich alleine. Junimond nennt sich das Ganze, wenn man es hier im Blog zu suchen versucht. Es war definitiv ein einschneidendes Erlebnis. Hat mich vielleicht sogar geprägt, so wie alles. Verdammt. Irgendwie tut es immer noch weh, wenn ich an das Gefühl denke, das ich damals hatte.

Später folgten jedoch noch so viele Klassenfahrten, so viele Projektwochen, die einfach nur großartig waren. Ob meine zwei Skikurse mit Hunderten von Mitschülern. Wo wir, jene Gruppe, in der ich mich befand, jedes Jahr zumindest einmal so spät das letzte Mal die Pisten hinunterfuhren, dass kein Gondel mehr zurückfuhr und kein Bus mehr unterwegs war. Großartig war, und für mich eine Hilfe für den Entschluss dort zu Studieren, die Woche in Wien. Großartige Menschen, endlich mal eine Klasse, in der ich mich einfach wohlfühlte und diese große Stadt. Es war eine wunderbare Zeit, und jede einzelne U-Bahn-Fahrt habe ich noch irgendwie im Gedächtnis.

Die Sportwoche, jene Klassenfahrt in der fünften Klasse (neunte Schulstufe), führte uns nach Kärnten. Eine Woche lang Tennis, schwimmen im Millstättersee und der Beginn einer Freundschaft, die jetzt schon beinahe seit fünf Jahren, die größte und interessanteste, überraschendste und tiefste Freundschaft meines ganzen Lebens ist. Das bessere Kennenlernen von Menschen, Freundschaftsbildungen, und gemütliche Abende auf unserem Balkon in unserer Herberge. Wir waren jung, ungezwungen, und sowas von frei. Dieses Freiheitsgefühl kann man sich nur sehr schwer vorstellen. Klar, ich war, denke ich, jedes Mal in irgendjemanden verliebt, während der Klassenfahrten. Aber jetzt im Nachhinein war es niemals schmerzhaft, sondern in irgendeiner Art und Weise auch schön.

Die einzige Projektwoche, die wir selbst organisieren mussten, fand in der sechsten Klasse statt. Nach Zauchensee, eines der größten und großartigsten Wintersportgebiete. Auf einer Selbstversorgerhütte. Gemütliche Lehrer, ein geniales Rahmenprogramm, und das erste Mal einen Gipfel mit Schneeschuhen bestiegen. Und dann noch das leckere Essen unseres Meisterkochs und damals noch Mitschülers. Lecker. Bis heute ist der Kaiserschmarrn von damals der Beste, den ich je gegessen habe, und dazu muss man wissen, dass schon meine Mutter einen unglaublich Leckeren zustande bringt. Und nachdem ich mich in den beiden Skikursen von der Anfänger zur Mittelminus-Gruppe hochgearbeitet hatte, konnte ich in Zauchensee schon einige Male bei den Pros mitfahren. Oft schon haben wir davon gesprochen, dass wir uns unbedingt diese Hütte noch einmal mieten müssten, um wieder eine so gemütliche Zeit zu verbringen.

Das erste Mal das Land verließen wir in der siebten Klasse. Nach Frankreich, an die Côte d’Azur ging es diesmal. Von Antibes, unserer Heimatstadt, gelangten wir nach Cannes, Nizza, Monaco, Èze und Grasse. Das wunderschöne Meer, die geliebte Frühlingswärme und unzählige Shoppingtouren. Und natürlich auch gemütliche Abende in schottischen Pubs oder französischen Cafés standen an. Doch während der eine Teil hier in Frankreich war, befanden sich die Spanisch-Lernenden in Barcelona. Das war das etwas Traurige daran. Unsere scheinbar letzte Klassenfahrt befuhren wir getrennt.

Schließlich und endlich kamen wir in die achte Klasse. Das Jahr der Matura und des Endes unserer Schulzeit. Wie sollten wir da eine Möglichkeit haben, irgendwo hinzufahren. Das kam schließlich erst danach. Ende Juni, nachdem beinahe alle die Matura hinter sich hatten, erfolgreich oder nicht. Es war bemerkenswert, wie sehr wir versuchten, die ganze Klasse zu etwas zu bewegen. Das Extremo-Ding Summer Splash mit 3000 Gleichgesinnten zog scheinbar die meisten an. Alle für etwas zu begeistern haben wir nach einigen emotionalen Diskussionen aufgegeben. Von den anfangs zwanzig Leuten, die mitfuhren, stiegen schließlich nur fünfzehn in den Flieger ein. Aber diese Woche war super. Meistens hingen wir gemeinsam am Strand, verbrachten Abende miteinander und erfreuten uns am Gefühl, fertig zu sein. Schließlich bemerkten wir, dass man bei 35 Grad Nachttemperatur nur sehr schwer einschlafen kann, und dass wir eigentlich nichts von der Türkei sahen, außer diesen einen großen Club.

Wie ich auf das alles komme? Weil ich seit gestern Nacht endlich die Maturareisefotos auf meinem Notebook habe. Und weil ich die Schule vermisse. Und unsere Klassengemeinschaft einfach großartig fand. Soviel dazu.   

You Said.

Du sagst, es wär ganz normal. Alles wäre ganz normal. Was ist denn etwa anders? Du sagst.

Die Wiese, das Gras. Alles ist wieder grün, gesäumt von Gänseblümchen und Schlüsselblumen. Die Sonne wärmt, heizt den Boden auf und wärmt auch uns. Im Sommeroutfit liegen wir hier und du sagst. Sagst Worte, die ich nicht mehr hören will. Worte, die weh tun und doch nichts mehr als die Wahrheit sagen. Hör auf zu sprechen, lerne endlich, ausgiebig zu schweigen. Es ist viel schöner, still dazuliegen und den Lauf der Wolken zu beobachten. Hör auf zu sprechen.

Doch du sagst. Sprichst von Leben und von Tod, Gott und die Welt, Essen und Trinken, Mord und Totschlag. Ich hör dich nicht. Ich hasse es, wie du von allem sprichst. In dieser Abgehobenheit, Arrogant und mit dem Weltweisheit im Rücken. Du weißt gar nichts. Ich kann es dir zwar nicht sagen, aber du weißt nichts. Du sagst, dass jetzt alles wieder normal ist. Was ist normal? Nichts. Das war es nie, doch das verstehst du sowieso nicht. Du redest einfach weiter. Weißt ja natürlich alles besser.

Irgendwann hörst du auf. Stille. Hast wohl gemerkt, dass ich dir nicht antworte und geistesabwesend den Himmel betrachte. Entnervst richtest du dich etwas aus und möchtest mir in die Augen sehen. Ich drehe mich weg. Das bist also du. Jetzt, zum ersten Mal seit ich dich kenne, spüre ich es ganz genau. Du bist nicht der Mensch, den ich suche. Du kannst mir nichts geben. Du gibst mir viel zu wenig.

Ich drehe mich weg, und irgendwann finde ich mich wieder. In der Kälte und dem letzten Rest Schnee, in Frost, mitten auf der Wiese. Ich zittere. Du bist weg. Hast schon lange nichts mehr gesagt. Auf dem gebrochenen Gras kann ich noch die Spuren entdecken, die dich von mir wegführten. Und als ich mich auf den Rücken drehe, und in den eisigen Himmel blicke, kann ich nur eines sagen. Du fehlst.

Dich.

Dein Blick durchbohrt mich. Körper an Körper lehnen wir an der Wand. Warten auf die Sonne, auf den Regen. Warten auf das Leben und den Schmerz. „Ich liebe dich.“, höre ich mich wimmern. Stille. Du machst mir Angst, ich traue meinen Augen nicht. Deine Hand streicht sich eine Strähne aus dem Gesicht. Ich spüre dich, hinter mehr. Wir blicken gerade aus, deine Kopf auf meine Schulter gelehnt. „Ich hasse dich.“, höre ich mich flüstern.  Du gibst mir das Gefühl vollkommener Nichtigkeit. Du brauchst mich nicht. Ich bin nur da, um bei dir zu sein. Jede Berührung von dir zeigt mir, dass nichts so ist, wie es ist. „Ich brauche dich.“, höre ich mich schreien. Brauche das, was du in mir hervorrufst. Du lässt Gefühle in mir wachsen. Du störst meine Routine. Meinen Gedankenablauf. „Ich vermisse dich.“, fließt es aus mir hervor. Vermisse deine Worte und dein Gesicht. Doch du stehst hinter mir. Du bist mir so nahe. Ich vermisse das Leben. Vermisse die Vergangenheit. „Ich. Dich.“ Du gibst mir alles aber nichts. Du hörst mich und ich dich nicht. Du sammelst meine Herzfetzen, sammelst meine Gedanken. Und ich die deine. Was bist du?

Bist nun doch nichts mehr als ein Nichts. Aber was wäre ich nur ohne dir.

Jemals.

Manchmal sehne ich mich nach dem Leben, dass all die Probleme unsichtbar macht.

Manchmal sehe ich in deine Augen, und du offenbarst mir einen Blick in deine Welt. Mit dunklen Gassen und dreckigen Ecken. Mit Sonnenschein und grünen Wiesen. Manchmal hältst du meine Hand, als würdest du mich halten, um mich nicht den hunderte Meter tiefen Abgrund hinabstürzen zu sehen. Die umfasst meine Arme, um selbst nicht hinzufallen, obwohl wir schon lange auf dem Boden angekommen sind.  Manchmal bückst du dich, um mir einen Kuss auf die Stirn zu geben, um mich zu berühren.

Manchmal liegst du da, und lebst vor dich hin. Deine Stimme sucht sich den Weg, hangelt sich zu meinem Ohr, streichelt meine Seele. Manchmal will ich mich einfach neben dich legen, dich spüren, dich entführen. In meine Welt, will dir zeigen wie es ist, in meiner Haut zu stecken. Manchmal möchte ich, dass du es spürst, wie es sich in mir anfühlt. Manchmal möchte ich, dass du mir den Schmerz abnimmst, der mich Tag für Tag belastet. Manchmal stecke ich ganz fest in deiner Haut, und trage alles, was dich umschwirrt, und ich wünsche mir, dass auch du mir etwas hilfst.

Manchmal krame ich in meinen Erinnerungen und teile sie mit dir. Manchmal sehen wir die Sterne und glauben, uns darin wiederzufinden. Und dann sehen wir uns in die Augen, und sehen den Himmel im Gegenüber. Wenn deine Haut die meine berührt, bekomme ich eine Gänsehaut und manchmal fällt es mir schwer zu Atmen. Damit ich die Stille hören kann, die uns zu verbinden versucht. Und die wirst Worte einwerfen, die die Stille zerbrechen werden. Und ich werde trotzdem ruhig bleiben, werde versuchen, den Moment zu leben.

Und manchmal sehne ich mich nach einem Menschen, dir mir so vieles geben kann. Sehne mich nach dem Leben und nach der geteilten Last, nach der Stille und den Augen. Sehne mich nach diesem Leben. Es bleibt nicht die Frage, ob es jemals passieren wird. Es bleibt nur die Frage, warum das Sehnen oft so weh tut.

Liebe. Before Sunset.

Du und ich.  

Erinnerungen sind sowas schönes, wenn sie nicht die Vergangenheit wach rufen würden.

Celine in Before Sunset

Nachdem mich der Film Before Sunrise schon zu meinem letzten Text über die Liebe inspiriert hat, werde ich mich nun mithilfe von Zitaten und den Erinnerungen an die großartige Fortsetzung weiterhangeln. Meine Erinnerungen an die Menschen, die mein Leben so lange begleitet haben, die irgendwann einmal Teil meiner Person waren, die vielleicht auch nur einen kleinen Prozentteil meines Lebens an meiner Seite waren, sie sind allesamt wunderschön. Die hässlichen, ungustiösen, verdammten, schrecklichen Erinnerungen, ich habe stets versucht, sie zu verdrängen. Du und ich, wir beide, wir haben eine Vergangenheit, haben Tage, Monate, die wir gemeinsam verbracht haben. Können es unsere Vergangenheit nennen. Nicht immer ist alles gut gelaufen, nicht immer trennten sich unsere Wege mit einem Lächeln. Wir haben so verdammte Tage miteinander verbracht, an denen jedes weitere Wort pure Verschwendung gewesen wäre, und doch haben wir immer wieder zu uns zurückgefunden. Haben gemerkt, was wir am Anderen lieben, und akzeptiert, was uns am Gegenüber stört. Wir wurden uns unserer eigenen Veränderung bewusst, und haben eingesehen, dass sich alles weiterentwickeln muss. Unsere Liebe, unsere Freundschaft, dieses Wir.

Was uns bleibt, sind die Erinnerungen an einzigartige Momente. Als wir vollkommen betrunken, im zarten Jugendalter, in der Mitte der Pubertät auf Dächern saßen und auf die minimalistische Skyline hinuntersahen. Als wir uns mitten auf die Straße legten, um den Sternen näher zu sein. Als wir in der Schule saßen und unsere Hände sich gegenseitig hielten. Als alles anders wurde, und das Liebgewonnene irgendwie verschwand. Als ich realisierte, dass dieser Mann neben dir, damals noch ein Junge, einen ebenso wichtigen, einen ebenso großen Platz einnehmen würde. Dass von nun an wohl eher er mit dir assoziiert werden würde, als ich. Ich erinnere mich an die eifersüchtigen Blicke von mir, an den Schmerz. Und an die Akzeptanz. Die Akzeptanz, dass etwas vorbei ist. Und immer wieder muss man akzeptieren. Dass man nicht mehr nebeneinander einschlafen kann. Dass sich etwas ändern wird, und es doch alles nur an uns lag. Dass irgendjemand Schuld hatte an dem Ganzen und dem Verlauf, dem Ende und dem Neubeginn. Als wir, du weinend uns gegenseitig Dinge an den Kopf warfen, mitten in der Schule. Als Wochen ohne gesprochene Worte zwischen uns lagen. Das ist sie, unsere Vergangenheit. Mit dir und dir und dir. Es gibt so schöne Erinnerungen. Und ebenso schreckliche. Alle einzigartig in ihrer Begebenheit. Und doch kommt beim Erinnern irgendwie alles wieder hoch. Alles was schief lief und alles was gut.

Kein Mensch ist austauschbar. Jeder besteht aus wunderschönen kleinen Details.

Celine in Before Sunset

Die Einzigartigkeit jedes Einzelnen wird immer und immer wieder gelehrt. Und doch scheint diese Gesellschaft alles daran zu setzen, einen Einheitsbrei zu erzeugen. Keiner von uns, die wir in meiner Vergangenheit vorkommen, hat das Zeug für einen Konformisten. In manchen Dingen kamen wir dem Teufelskreis nicht aus, doch wie Celine so schön sagt, diese kleinen wunderbaren Details machen uns so einzigartig. Kein Gespräch gleicht dem anderen. Kein Lächeln. Wir sind alle unterschiedlich. Ich habe schon oft Liebe verspürt. Zweifelnde Liebe, handfeste Liebe, beschissene Liebe, ängstliche Liebe. Und platonische Liebe. Irgendwann bemerkt man, dass irgendeine Liebe wünschenswert ist, und der letzte gemeinsame Nenner ist möglicherweise noch die platonische Liebe. Käme es da manchmal nicht zu einem Bruch. Dies ist mir glücklicherweise noch nie passiert. Von Verliebtheiten möchte ich nicht sprechen. Sondern von Liebe, ob ausgesprochen oder nicht. Sie ist einfach existent. Verändert ihre Grundform nie, nur ihre Auslebung. Keinen Menschen, den ich jemals geliebt habe, habe ich aus dem Leben verschwinden sehen. Sie sind alle noch irgendwie da. Auch wenn der Kontakt manchmal bröckelt. Irgendwann trifft man wieder aufeinander und alles scheint so wie früher.

Warum ich diese Zeilen schreibe. Um selbst zu sehen, dass ich im Stande bin, zu lieben. Dass alles irgendwie dann doch normal ist. Dass Liebe etwas so Wunderbares, so Großartiges ist. Und dass es nicht komisch sein muss, dass bei Gesprächen, beim Auflebenlassen von Erinnerung plötzlich auch die Gefühle der Vergangenheit wieder da sind. Sie sind nun mal eng verbunden mit den Erinnerungen, sind Teil des Ganzen. Man darf diese Gefühle zwar zulassen, doch dabei muss man schlussendlich die Gegenwart akzeptieren. Die Vergangenheit ist, wie der Name schon so schön sagt, vergangen. Veränderungen fanden statt, wir haben uns verändert. Vielleicht habt ihr es schon vor langer Zeit akzeptiert. Ich brauchte zumindest für den letzten Fall für die letzte Liebe eben etwas länger. Tut mir Leid, Spätzünder eben. Aber vielleicht habe ich es noch geschafft, bevor die Sonne unterging. Vielleicht. Hoffentlich.