Stillgestanden.

Als für wenige Sekunden alle Zeiger der Uhr stillstanden, konntest du endlich genug Mut fassen, um Träume zu zerstören.

Du hast den Zeitpunkt perfekt abgewartet. Wir haben uns die wenigen Stunden vorher geküsst. Haben uns berührt, und haben gesprochen. Wir haben gesprochen und ich wollte schon wieder gehen. Als wir auf dieses eine Thema zu sprechen kamen. Ich hätte gehen sollen, aber ich wollte es wissen. Die Dinge, die für dich wichtig in einer Beziehung waren, konntest du nicht erfüllen. Ich war ewig dazu bereit. Und du eben nicht.

Mach immer was dein Herz dir sagt. Immer was dein Herz …

Ich fühlte mich gut. Verdammt noch mal, wie kann man sich nach so etwas gut fühlen. Dass man nicht in einer Beziehung steckte, in welche man viel zu viel Energie reinstecken musste? Dass man endlich einmal selbst den Mut hatte? Dass jetzt endlich eine normale Freundschaft bleiben kann? Ach, wie naiv bin ich gewesen. Vielleicht hast du es schon seit jeher gewusst, als du zum ersten Mal einen Traum zerstört hast. Warum ist es wieder soweit gekommen, warum hast du mir erneut die Welt versprochen und deine Zuneigung und hast rein gar nichts davon gehalten.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint,
in Empfindsamkeit vereint.

Jetzt im Nachhinein ärgere ich mich darüber, dass du so bist, wie du eben bist. Ich bereue nicht, dass ich dich geliebt habe, und dass ich stets Verständnis zeigte, und dass ich mehr in die Beziehung steckte als du, und dass ich dich vielleicht immer noch liebe. Ich bereue, dass ich in dir einen liebevollen und wunderbaren und wertvollen Menschen sah.

Zwischen „Komm zurück“ und „Wirklich Schluss“

Ich habe immer noch den Versuch gestartet. Oftmals ist es geglückt, man hat sich gemeldet, man hat sich gesehen. Man hat sich für den Anderen gefreut und man war froh, sich gegenseitig als Freund zu haben. Ich habe den Beginn unseres Versuchs eines Freundschaftsaufbaus versiebt, ich gebe es ja zu, aber du könntest dich melden. Es wäre das wenigste. Auf einen Kaffee oder so.

Die Erinnerungssplitter liegen herum
Ich tret rein

Und ja, ich lade dich ein. Es ist ein Versuch. Ich bin dumm, ich weiß, aber ich würde mich freuen, wenn du kommen würdest. Zu meiner Feier zum Ende des Zivildienstes. Du könntest damit zeigen, dass dir noch ein kleiner Funke an mir liegt. Es ist nicht viel, was ich verlange.

3 thoughts on “Stillgestanden.”

  1. „Freunde bleiben“ hat so’n bisschen was von Trostpreis und ist am End‘ fuer einen von beiden IMMER ein Riesenschiss in die Hand. Meist kommt der „Freunde bleiben“-Vorschlag von dem, der die Trennung vollzogen hat — um sich nicht ganz so schuldig oder schlecht zu fuehlen. Wenn der andere zu einer Freundschaft (noch) nicht in der Lage ist, kann er die Schuld wenigstens „abgeben“.

  2. Ich meinte zuerst, man könnte Freunde bleiben. Doch davon habe ich mich schon lange distanziert. Wir müssten erst wieder Freunde werden. Erzwingen kann man ja natürlich nichts. Aber es würde mir so viel geben.

    Ein einziges Mal hat es perfekt funktioniert, und jetzt, Jahre später nennen wir uns beste Freunde.

    Aber das hat mir auch meine Psychologin gesagt, bzw. sie hat mich eher gefragt: „Woher nimmst du den Glauben, dass das ein jedes Mal funktioniert. Manchmal ist es einfach nicht so.“

  3. Kommt ja auch immer drauf an, WIE die Trennung verlief, oder? Oder sogar schon die Beziehung. Wenn ich mich auf einen Partner nicht verlassen kann, ihm nicht vertrauen kann, weil er unzuverlaessig ist, emotionale Flachwichserei betreibt, mich beluegt, betruegt oder hintergeht — moechte ich ihn/sie dann als Freund? („I don’t take this shit from friends! Only lovers!“ sagte Teri Garr so schoen in einem Film.)

    Das mit dem „Freunde sein“ funktioniert halt wirklich nicht immer, da hat Deine Psychologin Recht. Das liegt u. a. daran, dass einer immer „weiter“ ist als der andere. (Meist ist es der-/diejenige, der/die sich getrennt hat.) Der andere ist noch unter Schock oder liebt ihn/sie noch. Wie kann man da eine Freundschaft aufbauen, wenn immer noch Hoffnung oder Wut oder Trauer oder einfach Verliebtsein mitschwingt? Meist geht das dann ganz, ganz boese in die Brueche und man redet am Ende gar nicht mehr miteinander. Das will man ja auch nicht. Neee, ich denke, man muss einfach Zeit verstreichen lassen und kann dann irgendwann versuchen, sich wieder einander anzunaehern. (Ich meine, was ist, wenn A sich trennt, B auf den Freundschafts-Vorschlag eingeht und A nach drei, vier Monaten wieder frisch verliebt ist (nicht in B, sondern in C)? Aua, aua!)

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