Es fehlt hier jemand. [12]

Die Tür steht offen. Keiner denkt daran, sie zu schließen. Hier fehlt jemand, hier kommt noch jemand. So wie er all die Tage zuvor immer kam, kaum die Türklinke erreichend, tapsend auf dem knarzenden Boden. Wir können die Türe nicht schließen. Es fehlt hier jemand.

Und so steht sie offen. Die Menschen gehen ein und aus, kommen die Treppe hoch und verlieren sich in den Zimmern. Und übersehen beinahe das Loch, das dieser eine Mensch hinterlassen hat. Vergessen das, was geschehen war und uns alle zu anderen Menschen hat werden lassen. Zu lange Zeit ist es schon vorbei. Zulange Zeit fehlt hier schon jemand.

Die Tür steht offen. Und manchmal läuft er herein, mit einem Lächeln auf dem Gesicht, mit seiner natürlichen Gabe, auch mir ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Und ich hebe ihn hoch und möchte ihn den anderen zeigen. Möchte ihnen zeigen, dass es ihm gut geht und dass wir nicht traurig sein sollen. Dann gehe ich, mit ihm auf dem Arm, durchs ganze Haus, hinaus in die Wiese, setze mich mit ihm hin und sehe zu, wie er voller Lebensfreude mit dem Ball herumläuft. Und niemand ist da, der es sehen kann. Ich bin ganz alleine mit ihm. Und dann wache ich auf und in solchen Momenten sind es Tausend Messerstiche, die mich in die Realität zurückholen. Diese Momente, die mich erkennen lassen, dass es nicht so ist, wie es sein sollte. Seiten Jahren fehlt hier jemand.

Und manchmal versuche ich, die Tür zuzustoßen. Um dem allen ein Ende zu setzen. Doch ich schaffe es nicht. Vielleicht ist noch nicht die richtige Zeit dafür. Vielleicht wird es sie aber auch nie geben.

Küchengedanken. [11]

abendessen zubereiten. an dich denken. lächeln.

ich könnte dir stundenlang zusehen.

so wie du da stehst. gedankenversunken, mit deinem zerzausten haar, mitten in einer andere welt, an dem ort, an dem du dich so gern mit dir triffst.

ich könnte dir stundenlang zusehen.

ganz bei der sache, konzentriert auf dein tun, ruhig, geerdet und meditativ. immer wieder die gleiche bewegung ausführend, rhythmisch, harmonisch, einem tanz gleich. unzählige wiederholungen, gleichmäßig, fließend, fast zärtlich. dein blick nach innen gerichtet, die welt um dich herum versinkt, du bist ganz bei dir und deinem tun.

ich könnte dir stundenlang zusehen.

wenn du dann langsam wieder auftauchst aus deiner welt, mich wahrnimmst und mir zulächelst. wenn wir gemeinsam weitermachen, du mich hineinnimmst in dein tun, wir miteinander da stehen, schweigend und einander nah, um letztlich dann das, was geworden ist gemeinsam zu genießen. lustvoll.

ich könnte dir stundenlang zusehen, wenn du gemüse schneidest und essen für mich kochst.

@nedo04 … schreibt Gedanken über das Leben … Gedanken mitten aus dem Leben … Geschichten über Menschen, denen sie begegnet … Texte, die sie gerne mit anderen teilt. Dazwischen immer wieder einen Espresso. Oder Zwei. Oder … ach, lassen wir das. (Okay, sie trinkt zu viele Espressi) – Nachzulesen sind ihre Texte auf  einem Blog mit dem Titel „Espressi around the world“ (what else….)

Cigarettes and Alcohol. [9]

“You smell like cigarettes, and sex, and passion.”
– “That’s my new odour. It’s awesome, isn’t it?”

You kiss me twice, while jumpin’ out of bed, with the cigarette in the one hand, and the wine glass in the other one. The small music station at the end of the room tries to keep us alive. Slowly you get down again, leaning against the wall, sitting on the floor. One breath full of nicotine, two mouthful of this cheap red wine.

“We shouldn’t have done this.”
– “Why? Tell me. Why shouldn’t we?”
“It’s … it’s …”
– “Is it because of?”
“Yeah.”

Your eyes look sad, like someone, who has lost his virginity to some odd stranger. Well, our “losing-my-virginity”-age is long ago, but in my imagination, you definitely would look like this now. It wasn’t wrong, it was maybe the best thing we could have done at that moment. You know? Fuck to all those promises and all that dumb shit, everyone is talking about.

Without a boxershort or anything else on my body, I crawl down to you. There isn’t anything wrong with it and darling. It’s okay, now. You shouldn’t be forced to feel that way. You should feel lucky, positively surprised. Or something like that.

You really look beautiful, you know? With the wine, and the sweat, your breasts and your eyes. Have I ever told you that? I lay my head down on your shoulder. “It’s true. It feels right.”, she said and began to cry. We lay down here, on the floor, looking on the ceiling. Smoking cigarettes again and again, closing eyes, holding hands. Touching our bodies, kissing our lips. Why can’t we stay in that bubble of imaginary love? Without feelings, although it feels so. Without dreams of a shared future. Without talks about eternity.

“I love you.”

And although these three words feel so strong, I know what you mean. It’s okay, right now, for this moment. We love each other, it’s good. But we couldn’t care less about tomorrow. I kiss your head, lay my hand down your chest. The ipod turns to A. Adams, Ryan.

Vulnerable. [8]

„Wir sind zu weit gegangen.“ Verdutzt blicke ich dich an, kann kaum verstehen was du meinst. Liegen hier seit Stunden an diesem See, trinken Wein, der immer mehr an erfrischender Kühle verloren hat. Es waren schöne Stunden. Wir haben geredet, haben uns manchmal tief in die Augen gesehen, bis irgendjemand eine Grimasse schnitt und es lachend ein Ende fand. Vollkommene Sorglosigkeit, einfach nur das Leben, in seiner vollen Pracht und ganz ohne irgendeine negative Ablenkung.

„Was haben wir gemacht?“, frage ich. „Ach, nein. Nicht wir haben etwas falsch gemacht. Nicht wir, nur ich. Ich und meine Gefühle.“, blubbert es aus dir heraus, doch plötzlich machst du Halt. Sprichst nicht zu Ende und hinterlässt mich mit fragender Miene hier auf dieser Wiese. Du gehst zum Steg, drehst dich nicht mal um. „Gefühle irren nicht. Die machen nichts falsch.“, sage ich in deine Richtung, du lässt dich auf dem Holz nieder und die Füße sanft ins Wasser baumeln. „Wir sind zu weit gegangen.“, wiederholst du dich.

„Warum mag ich dich nur? Warum nur liebe ich es, Zeit mit dir zu verbringen, mit dir über so viele Dinge zu reden. Warum nur habe ich es zugelassen, warum nur? Warum habe ich dich zu einem Menschen gemacht, der du vielleicht gar nicht bist?“ Ich scheine nur langsam zu verstehen. „Warum hast du es zugelassen, dass ich mich verliebt habe? Das ich mein Herz an dich verloren habe? Weißt du, was ich für dich aufgegeben habe?“ Fragende Blicke. „Alles habe ich aufgegeben. All die unsichtbaren Barrieren, die ich um mich aufgebaut habe, um noch etwas Schutz zu haben. Du hast sie eingerissen, ich habe dich hinter die Barrieren eingeladen. Du hast mich verletzlich gemacht, weißt du?“ – „Aber-…“ – „Aber ja, natürlich liebe ich dich und natürlich fühlt es sich gut an. Es fühlt sich großartig an. Aber ich habe Angst.“

„Ich werde dich nicht verletzen.“ Du lachst. Vielleicht hast du das schon viel zu oft gehört, vielleicht sagen das auch irgendwie alle Menschen in solchen Situationen. Vielleicht hat es bei mir hier einfach nur zu einer 08-15-Antwort gereicht. „Das glaube ich dir. Also: ich glaube dir, dass du mich nicht mutwillig verletzen willst. Aber du kannst es mir nicht versprechen. Du weißt nicht, was sein wird.“

„Ist das wirklich so schlimm? Dadurch, dass du deine Barrieren aufgegeben hast, hast du dich mir geöffnet, hast dich weiterentwickelt. Du lächelst viel mehr, weißt du?“ Ein Grinsen huscht über dein Gesicht. „Ich glaube-„, lege ich nach, „Ich glaube, dass man das in Kauf nehmen muss. Dass mit der Liebe eine Verletzbarkeit einherzieht. Dass es das nur im Doppelpack gibt. Und wenn du es gut erwischt, hält sich diese Verletzbarkeit in Grenzen, weißt du?“ Du nickst. „Und ja, du hast recht. Ich kann nichts versprechen, will es auch gar nicht. Aber wenn die Liebe einmal ein Ende findet, werde ich sorgsam mit dir umgehen, okay?“ Du nickst, und zum ersten Mal scheint es so, als ob ein Ende keine Möglichkeit mehr für dich ist. Vorerst zumindest.

Und am Ende des Weges. [7]

Und am Ende des Weges. Uns gesehen, uns verloren, uns begegnet. Ein Lächeln, kein Schweigen, ein Wiegen. Angekommen, deine  Hand haltend.

„Und jetzt?“, frage ich, seh‘ dich an und will eine Antwort. Möchte wissen, wie es weitergeht. Welche Richtung wir einschlagen, welche neuen Pfade wir beschreiten. Ob es überhaupt einen gemeinsamen Weg für uns gibt. Deine Blicke schweigen, sehen in die Ferne, Richtung Horizont. Immer fester drückst du meine  Hand, als würdest du über uns nachdenken. Deine Augen zucken etwas, weil die Sonne, auf ihrem Weg nach unten, immer mal wieder deine Nase kitzelt.

„Ich weiß es nicht.“, sagst du, „Aber ist es denn so wichtig?“ Vielleicht nicht. Ich möchte nur immer gerne ein Ziel haben, einen Halt, eine Möglichkeit, mich zu orientieren. Du drückst noch einmal fester zu, ich erwidere deinen Händedruck. „Wenn du nicht mehr weiterweißt, schließe einfach die Augen. Solange, bis du das Gefühl hast, du wüsstest, wie es weitergeht. Du brauchst es noch nicht wirklich zu wissen, allein das Gefühl reicht.“ Und während du das gesagt hast, habe ich die Augen geschlossen. Und ziehe dich weg, unseren neuen Weg beschreitend. Ein schönes Gefühl, wisst ihr?

Ein Halt im Nirgendwo. [4]

Und während der Zug weiter über die Schienen trottet, wache ich von der Vibrations des Fensters auf. Ich weiß nicht wo ich bin. Im Zug einzuschlafen ist einerseits über weite Strecken wirklich nicht bequem und außerdem nimmt es einem vollkommen das Zeit- und vor allem das Ortsgefühl. Die Außenwelt zeigt nichts, selten ein paar verstreute Häuser, viele Felder und ein aussagelose Waagerechte. Das muss Niederösterreich sein.

Die Nacht ist noch nicht viele Stunden her. Und wenig Schlaf bot sie mir außerdem. Ich will hier jetzt nicht sein, fühle mich fehl am Platz und bewundere mit abstoßendem Interesse die Aufgewecktheit so mancher Kinder, die schon so früh in diesen Zug verschleppt wurden. Alles in allem ist mein Waggon aber überraschend leer, eine verwirrte alte Dame zwei Sitzreihen weiter, ein paar junge Familien mit offensichtlichem Ziel ein paar Reihen hinter mir. Ich bleibe planlos.

Ich musste das tun, musste weg von da, weiß nicht wirklich wohin. Es wird die Endstation werden und ich lehne ein weiteres Mal meinen Kopf gegen das überdimensionierte Zugfenster. Ein paar Minütchen Schlaf würden mir zwar nicht helfen, mich aber vielleicht im Laufe des Tages im Glauben lassen, ich könnte nun munter sein.

Und dabei hatte alles so wunderbar ausgesehen. Ich hatte keine Angst, war kein bisschen nervös. Ich fühlte mich wohl und freute mich auf dich. Habe die Stunden gezählt, und kam gar nicht mehr zu den Minuten. Habe ständig auf mein Handy gesehen, wollte eine SMS schreiben und habe es dann doch gelassen. Wo geht es jetzt hin? Ich habe nichts dabei, außer meine kleine Tasche und etwas Kleingeld. Die Welt wird sich von mir abwenden.

Du hättest kommen sollen, wir hätten uns gesehen, ich hätte dich umarmt und du hättest es erwidert. Wir wären unterm Sternenhimmel gelegen, in der eben getrockneten Wiese, wären spazieren gegangen und hätten minutenlang gemeinsam geschwiegen. Doch während all des Wartens plötzlich dieses Gefühl. Als würde etwas fehlen, als wäre hier irgendetwas vollkommen falsch gelaufen. Und meine hektischer werdenden Bewegungen und meine miese Intuition. Die dieses eine verdammte Mal recht behalten sollte.

Wir hatten Pläne, setzten Ziele, erschufen Träume. Und jetzt will ich weg hier, kann nicht bleiben, wo ich war. Du hättest nicht auf dieser Straße fahren sollen und du hättest diesem anderen Fahrzeug nicht begegnen sollen. Du hättest zuhause bleiben sollen und wir hätten telefoniert und wir hätten geflirtet. Hätten die Stunden damit verbracht, über unser Leben zu reden. Hätten Geheimnisse ausgetauscht und mit unseren Gedanken gespielt. Der Zug bremst. Ein Halt im Nirgendwo. Ich steige aus.

Du hättest gestern Nacht nicht sterben dürfen.

Lass es raus. [3]

Und die Stille hat uns wieder. Und nimmt uns jedes Wort aus unserem Mund, nimmt uns den Mut und die Möglichkeit. Unsere Blicke treffen sich und machen mir deutlich, dass wir hier etwas zu verlieren drohen. Etwas, das viel mehr Bestand haben sollte. Etwas, das wir beide nicht zu verlieren bereit sind. Doch es ist unaufhaltsam.

Die Blumen am Teich heben sich so wunderbar vom Dunkel des Wassers und du blickst mich mit glitzernden Augen an. Ich kann nichts sagen, und will es auch nicht. Lass uns schweigen, lass uns fallen, lass uns verschwinden. Weg von hier, aus dieser Welt, aus diesem Leben. Lass uns flüchten, ich will weg hier.

Deine Hand sucht die meine und ich zucke etwas zurück. Bleiben wir hängen, an Dingen die nicht sind und vielleicht auch gar nie waren? Halten wir uns fest an den Vorstellungen von dem, was wir uns erdachten? Ich möchte dich in den Arm nehmen, möchte dich halten, möchte dir ins Ohr flüstern. Ein Seufzen und ein „Lass es raus.“ und du würdest mit deinen Fäusten gegen meinen Brustkorb boxen und würdest weiterheulen und würdest zeigen, das du nicht gewillt bist, all das aufs Spiel zu setzen.

Wer sind wir und warum das Ganze? Warum haben wir uns hier getroffen und warum seit unzähligen Momenten nichts mehr geredet? Ich sehe dich an, die Tränen deiner Augen wandern langsam die Wangen hinunter. Ich streiche sie mit meinem Handrücken weg, umarme dich, und flüstere ein „Es wird nicht mehr.“ ins Ohr. Und bevor auch meine Augen etwas feucht werden, wende ich mich ab. Ich will weg hier.