Shelter.

I guess, you don’t need it.

Und, hier sitze ich. Niedergeschlagen, still. Abweisend und unruhig. Ich möchte am liebsten schreien, möchte meine Gefühle herauslassen, aber da müsste ich wohl auch heulen. Weil mich alles so weit zurückwirft und mich nicht durchatmen lässt. Was erwarte ich. Erwarte den Himmel auf Erden, jetzt plötzlich. Diese eine große siebte Wolke, ist sie auch dieses Mal nichts für mich. Sie gehört irgendjemand anderen. Nicht uns. Nicht dir in Kombination mit mir.

Gib mir nur noch einen Abend. Eine Stunde nur mit dir. Gib mir die Chance, dir zu zeigen, was du mir bedeutest. Diesen einen Moment. Ich hatte Angst. Die ganze Zeit. Angst und so was von verdammten Schiss. Vor allem und deiner Reaktion. Nur diese eine Sekunde. Gib sie mir, bitte.

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Stecke voller Gedanken und Schmetterlinge. Höre melancholisch anmutende Musik von Ray LaMontagne. Und ziehe Bilanz. Es hat nicht sollen sein, wiederhole ich. Und bekomme stets dieses „Warum nicht“ zurückgeworfen. Woran ist es gelegen, und ist es überhaupt schon vorbei. Vielleicht sollte ich frühzeitig aufgeben, um Schadensbegrenzung zu betreiben. Aber ich will nicht aufgeben. Will nicht den Schluss schon jetzt sehen. Liege hier und frage mich, was ich mir überhaupt einbilde. Male Bilder von dem schönsten Gefühl, welches ich kenne. Lasse mich tragen, durch die Welt. Träume am Tage.

Ich würde dein Unterschlupf sein, deine Zuflucht. Würde dich auffangen, wenn du irgendwann einmal stolperst und hinzufallen drohst. Würde dich beruhigen, wenn die Welt so beschissen normal agiert. Würde dich halten, nur um zu zeigen, dass du nicht allein bist. Ich würde dir die Welt und den Himmel und die Sterne versprechen, und mich jeden Tag darum bemühen, so viel wie möglich dir zu geben. Ich würde dir die Freiheit geben, die du brauchst, und würde jeden einzelnen Moment mit dir genießen. Würde dich lieben. I would be your shelter. Dein Unterschlupf. Deine Zuflucht.

Doch du brauchst das wahrscheinlich nicht. Wonach suchst du? Triffst die falschen Menschen und findest nie, wonach du suchst. Mach die Augen auf. Und strecke die Hand aus. Ich bin hier. Ich bin in deiner Nähe und wäre auf der Stelle an jedem beliebigen Ort, wo ich sein soll. Verstehst du nicht? Siehst du es nicht. Öffne deine Augen und lasse es heran. Fühlst du nichts? Es ist doch auch nur mehr als menschlich, doch sag es mir. Ich schwimme in Zweifeln und jage nach Fragen. Und bekomme nichts zurück. Nur Gedankenballastbomben und einen lange verloren geglaubten Gefühlschaos.

Kein „Das wird schon.“ kann mir jetzt helfen. Nur dieser eine Moment. Habe ich alles versäumt und meine Chance vertan. Oder bin ich einfach nur blind. Blind vor Verliebtheit. Oder genieße ich den Blick durch die rosarote Brille. Ich will sie nicht abnehmen. Will einfach nur Gewissheit. Das Wissen, was ist. Verstehen, woran ich bin. Und selbst wenn nicht, wüsste ich dann wenigstens eines. Du brauchst mich nicht als Zuflucht. Brauchst keinen Unterschlupf. Suchst weiter und wirst nicht finden.

Und jetzt geh bitte wieder aus meinem Kopf raus. Nimm die Gedanken mit, und verabrede mit dem Gehirn die Abschaltung der Gefühle. Und auf dem Weg nach draußen, töte bitte noch die Schmetterlinge in meinem Bauch. Mach, das alles weggeht. Wenn es eben doch nur so ist, dass alles nur von mir kommt, dann hau ab. Bitte. Tu es mir zuliebe.

Und selbst wenn ich jetzt viel zu viel hineininterpretiere, tut es weh. Es tut weh, wie es ist und es fühlt sich so falsch an. Es sollte anders sein. Mein Traumschloss hat mir etwas anderes gezeigt, mein Wunschkonzert hätte ein viel schöneres Abschlusslied. Ich weiß es nicht. Ich bin nur niedergeschlagen und ausgelaugt und traurig und verstört. Augen schließen. Und warten. Und irgendwann einmal verstehen.

Kenn‘ Den Weg.

Sich fallen lassen. Halt geben. Worte, die einem am Nacken streicheln und eine Gänsehaut entstehen lassen. 

Minutenlang hören wir unsere Stimmen, meist abwechselnd, manchmal auch gleichzeitig. und reden von Gott und der Welt und der Liebe und uns. Sprechen vom Leben und all seinen verqueren Abzweigungen und scheinbaren Abkürzungen. Sprechen von der Vergangenheit und träumen von der Zukunft. Diese Gespräche finde ich jedes Mal wieder schön. So richtig einzigartig und diese wunderschöne Stille zwischen all den Worten. Das Zuhören und Verstehen, das Vertrauen. Und die Freude über unsere schon so lange andauernde Freundschaft. Denn gerade die ist einzigartig und unglaublich, unbeschreiblich und anders, als all die anderen.

Wir reden über Liebe. Du kennst mich und kennst meine Vergangenheit, kennst meine Geschichte und meinen Gefühlshaushalt. Weißt, wie es ist, von mir geliebt zu werden, und weißt, wie es ist, mich zu lieben. Wir sind der Oscar unter all den Freundschaften, die Olympiamedaille und der Mount Everest. Wir sind das Höchste und fühlen uns klein. Wir sind die Größten und sind eben doch nur Freunde. An Außergewöhnlichkeit nicht zu überbieten. Wir halten unsere Telefone an unsere Ohren und reden miteinander.

Und irgendwann dann dieser kleine Teil, diese halbe Minute. Wunderschöne Worte, von denen ich eine Gänsehaut bekomme und die mich stolz machen. Und ich weiß, dass du sie ehrlich meinst, weil du immer ehrlich mit mir warst. Du hast mir geholfen und Dinge geraten, die andere nie sagen würden. Weil sie Angst vor der Ehrlichkeit haben und denken, ich könnte die Wahrheit nicht vertragen. Du weißt, was du sagst und bist dir deiner Macht bewusst. Auf dich vertraue ich und dir höre ich zu. Und du mir scheinbar auch.

Du wirst es sein, die als erste davon erfährt. Dich werde ich anrufen, und werde dir alles erzählen. Damit wir gemeinsam Luftsprünge machen. Damit du dich für mich freust, und das machst du, jedes einzelne Mal. Und du wirst mich auffangen. Fängst mich auf und hältst mich fest. Gibst mir Halt. Und ermöglichst mir, zu leben. Dafür danke ich dir. Ich möchte gar nicht wissen, was ich ohne dir heute wäre. Bei dir finde ich zum ersten Mal das Wort Seelenverwandter passend. Du bist meine Seelenschwester. Und ich dein Bruder. Ich könnte dir für so vieles danken und freue mich einfach, dass es dich gibt. Und dass wir uns Freunde nennen können.

Landungsbrücken Raus.

Eine Ladung Gefühlsballast. Und ganiert mit Gedankenschrott. Zum hier essen.

Wieder werde ich nicht genügend Schlaf bekommen. Weil ich mit vollem Kopf im Bett liege und meine Gedanken sortiere. Logisch – Unlogisch – Logisch – …. Immer weiter geht es. Und ich habe so viele in meinem Kopf. Vielleicht sollte ich einfach alle als logisch einstufen. Logisch, weil sie einfach die meinen sind. Meine Gedanken und meine Gefühle. Die sind nicht richtig oder falsch, die sind einfach. Und das müsste ich akzeptieren und mich darüber freuen oder doch etwas Angst verspüren. Mein Kopf ist voll damit. Ich liege hier, und will die Augen einfach nicht schließen. Will die ganze Nacht hier liegen bleiben und nachdenken. Über alles und über genau jenes. Weil es viel zu schön ist, Gedanken daran zu haben. Und Gefühle zu spüren. Genau dieses eine. Vergessen geglaubt, und doch existent. Und schöner als so vieles zuvor.

Zweifel prügeln mich und Fragen nerven. Augen zu und durch, Junge. Sei nicht schon wieder so … dieses Gespräch mit meiner besten Freundin. Und irgendwann der Punkt, an dem ich zu der Stelle in meinem Leben komme, an der ich alles bereue. Dass ich nichts riskiert habe und Zeit verloren habe. Dass meine ganze Jugend auf einem halben Dutzend Hirngespinsten aufgebaut war. Dass ich dieses eine wahre Gefühl von Liebe erst viel zu spät aber mit umso größerer Intensität zum ersten Mal verspüren durfte. Und dass ich nicht schon wieder ein solcher Waschlappen sein möchte. Dass ich nicht schon wieder irgendwann einmal an genau diesen Punkt der Vergangenheit, an dieses Hier und Jetzt ankomme, und mich am liebsten in einer dunklen Ecke verkriechen möchte, um mich richtig über mich selbst ärgern zu können. Ich möchte nicht schon wieder alles verlieren und doch steht zu viel auf dem Spiel.

Die Gedanken lassen nicht nach. Tagträume begleiten mich und jeder ruhige Moment wird ausgenützt. Ich werde stiller. Werde stiller und immer stiller. Möchte nicht reden. Möchte die Stille spüren und sie genießen. Werde versunkener und möchte einfach nur nachdenken. Nachdenken über mich und mein Leben und die Liebe und so frage ich mich und finde keine Antworten. Schreibe und finde keinen Sinn. Wovon spreche ich überhaupt. Was weiß ich schön. Ich fühle nur. Und es fühlt sich gut und richtig und wunderschön an. Und ich denke nur. Denke an das Mögliche und das Unmögliche, denke an den Schmerz und an die Hoffnung. Vielleicht wäre ein Schuss in die Kopfgegend nötig, um endlich den Kopf abzuschalten. Um die Rationalität abzutöten und dem Schönen, dem Herz-lichen zu zeigen, dass man am liebsten nur auf jenes vertrauen möchte.

Doch es geht nicht ganz weg. Bleibt. Man überlegt, was man tut, wenn man sich das nächste Mal wieder sieht. Und verhält sich trotzdem ganz anders. Man kommt sich vor, wie einer, der im Gedanken die Titanic baut, und am Schluss vielleicht nicht mal ein Floß sein Eigen nennen kann. Aber das bin nun mal ich, was soll ich tun. Ich denke. Bin ein verträumter Idealist. Das hat mir selbst der Test hier im Internet gezeigt. Wie recht er hat. Und so muss ich jetzt wohl. Es kann doch nur. Wie soll ich. Ich weiß es nicht. Aber ich muss. Augen zu, Junge.

Am Balkon Gegenüber.

Sag einfach nichts. Ein Herzenssprung auf Köpfchenbasis, mit viel Vernunft und zu viel Schiss.

Die man kriegt, die will man nicht. Ain’t that kick in my head. Nö. Nicht wirklich. Schon geahnt und nichts gefühlt. Was soll ich tun, bin doch nur ich ein kleiner Wannabe-Rockstar. Oder ein Wannabe-Mensch. Hauptsache Möchtegern. Es tut weh. Wenn man sozusagen einen Korb austeilt. Und einfach keinen wirklichen Grund vorzeigen kann. Es ist erst das zweite Mal ever. Mehr nicht. Hat mich letztes Mal schon irgendwie mitgenommen, und auch dieses Mal fühlt es sich schön komisch an. Vielleicht, weil ich weiß, wie es ist, verliebt zu sein. Ohne Spiegeleffekt. Ohne irgendetwas zurückzubekommen. Aber man kann nichts erzwingen. Entweder es macht WUSCH. Oder eben nicht. Diesmal war es nunmal ein nicht. Weil sich Kopf und Herz seit langem wieder einmal einig sind. Vielleicht mache ich mir viel zu viele Gedanken. Kann ich ja nichts dafür, dass es Gefühle gibt. Und irgendwer sie irgendwie seit irgendwann für mich empfindet. Wie es weitergehen soll, und es wird, da es muss … ich weiß es nicht. Soweit ich mich erinnern kann, wagte keine auch nur davon zu sprechen, dass es nun Probleme in Freund- und Bekanntschaft geben würde. Mit keine Ausnahme kamen sie dann doch. Und zerstörten und verätzten und töteten was da war und nicht sein sollte. Mit den Gefühlen starb irgendwann noch mehr. Vielleicht sehe ich die Glaskugel zu schwarz, vielleicht sollte ich sie wieder einmal putzen. Doch jetzt seh ich nichts Gutes. Bei Freundschaft wird’s wohl bleiben, doch es wird immer irgendwas sein. Nein, oh mein Gott, nein. Das ist kein Vorwurf. Nur eine jahrelang angelernte Erkenntnis

Die man will, die kriegt man nicht. How to disappear completely. Augen schließen, Luft anhalten. Und aufhören, zu denken. Schafft man nicht und will man nicht. Da macht es einfach so WUSCH, ohne Vorwarnung und ohne To-Do-Next-Plan. Dann sitzt man da, mit den Überresten des ersten WUSCH-Anschlages und überlegt. Formt die Realität und spaltet die Träume. Legt sich alles so schön aus und zählt und fragt und ist aufgeregt. Schon lange nicht mehr so gefühlt. Schon lange nicht mehr dieses Gefühl gespürt, und die Schönheit des ganzen. Wenn man im Bett liegt, den Blick nach oben, die Zimmerdecke betrachtend und die Musik im imaginären Kopf-Player abspielend. Einfach so WUSCH und alles ist anders. Manchmal tut es weh. Manchmal so richtig. Vielleicht auch deswegen „Liebe und so’n Mist.“ Weil’s eben meistens so ist. Aber Mist gehört ja nun mal dazu zur Liebe. „Ihr Bestellung, bitte?“ „Einmal Liebe, bitte. Zum Mitnehmen.“ „Wolln‘ sie noch ne Packung Mist dazu?“ So läufts zirka ab. Der Mist ist dann ein Must und die Entsorgung übersteigt den Ideenreichtum. Und du klärst und ich höre und ich warte, bis alles für einen kurzen Moment anhält. Alles ist anders und ich auch. Habe mich verändert, auf eigenen Wunsch, nach monatelangem Stillstand. Habe mich getraut, eine Maske abzunehmen. Früher dachte ich, dass Liebe nur durch vorangegangene Freundschaft da sein kann. Dann hatte ich meine erste Beziehung mit einer beinahe Unbekannten. Und auch meine bisher letzte. Und dann wieder sowas. You know, I’m no good. Aber ich bin tausend Mal besser als all die Typen, da draußen, die von großer Liebe und all den Märchen erzählen. Und normalerweise rede ich auch nicht so viel. Nur wenn ich nicht weiß, was ich sagen soll. Schon klar, gerade da wäre es mehr als angemessen, die Klappe zu halten.

Stehe dazwischen. Herz und Hirn boxen sich durchs Leben. Eine verdammt unmögliche Symbiose zwischen den Beiden. Überall wollen sie mitreden. Vielleicht würde die Reduzierung des Menschen auf seinen Instinkt wieder alles besser machen. Doch das wird nichts. Und so gehts weiter. Irgendwie, mit Gefühlen. Die einen für mich, die meinen für jemand anderen. Das ist nun mal so.

Angst.

Wenn sie am Größten ist, bin ich viel zu klein.

Sie meldet sich nicht oft an. Steht vor mir und überrascht mich jedes Mal wieder. Manchmal tut es mir weh, wenn ich ihr ins Gesicht blicke. Manchmal schlägt sie auch einfach nur zu. Die Angst, die eigentlich immer da ist. Eine unsichtbare Anwesenheit, und nur ganz selten nimmt sie Gestalt an. Manchmal bleibt sie auch, für einige Zeit. Nistet sich hier ein, macht es sich gemütlich.

Was sind meine Ängste? Seit einem Vorfall mit sieben oder acht Jahren habe ich Angst vor großen Hunden. Nein, vor bellenden Hunden. Vor Hunden allgemein, von denen ich zuallererst die Zähne sehe, bevor ich irgendetwas anderes zu Gesicht bekomme. Ich habe Angst vor Schlangen und Ratten. Angst, in der Badewanne einzuschlafen und zu ertrinken. Angst vor Terminverplanung. Vor der Dunkelheit und vor engen, von außen versperrten Räumen. Angst in der Höhe und Angst von einer Walnuß am Kopf getroffen zu werden.

Habe Angst, taub zu werden. Um nie mehr die Musik hören zu können. Angst davor, blind zu werden. Um nie mehr ein geliebtes Gesicht sehen zu können. Habe Angst vor Krebs und Angst vor dem Tod. Vor meinem eigenen noch am wenigsten. Viel mehr Angst vor dem Tod von Freunden. Auch die Familie zählt dazu. Habe Angst vor Enttäuschung und der Realität, die manchmal durchschlägt. Habe Angst, nie geliebt zu werden und nicht lieben zu können. Aber meine größte Angst ist viel schlimmer. Sie ist fast immer da, und macht auch keine Anstalten, wegzugehen.

Das Alleinsein. Das ist meine größte Angst. Ich habe Angst davor, für immer alleine aufzuwachen und niemanden mehr zu sehen. Keinen Menschen, den ich lieb gewonnen habe und kein Wesen. Als wäre das Leben sinnlos. Als hätte ich nie geliebt und wäre nie geliebt worden. Es wäre der komplette Neuanfang und doch wäre es ohne Sinn. Es ist die Angst des Versagens auf allerhöchster Ebene. Schmerzhaft und erdrückend. Alleine zu sein, wo man die Nähe und die Zuneigung von Menschen und anderen Wesen braucht, ist, als hätte irgendjemand einem das Herz herausgerissen.

Ich fürchte mich vor so vielem. Und doch ist die Angst zu Versagen allgegenwärtig. Was, wenn mein ganzes Leben is based on a lie. Wenn meine Träume Schäume sind und doch nie wahr werden. Und vielleicht ist genau das etwas, was mich anspornt. Um zu zeigen, dass Ängste unwichtig sind. Wie Kierkegaard so schön sagte: Angst ist der Schwindel der Freiheit. Sie einzuschränken um nie in irgendwelche angsterzeugenden Situationen zu kommen, wäre vollkommen falsch. Sie gehören zum Leben. Warum sollte ich davor flüchten. Sie tun zwar manchmal weh. Aber das gehört dazu.

Link 1: Burning Photographs. Angst.
Link 2: Tell Me A Poem. Angst.
Link 3: Movies of Myself. Angst. Ersatzlink zu YouTube

Klassenfahrt.

Die Sonne scheint. Der Rückspiegel zeigt mir so einiges an. Steigt ein in den Bus. Auf zu meinen Klassenfahrten.

Eigentlich bin ich kein großer Fan von Klassenfahrten. Hatte ich doch mit 11 Jahren ein böses Erlebnis. So mit erstem Mal verliebt sein, ein Typ, den ich zu meinen besten Freunden zählte, und plötzlich war das Mädchen weg und ich alleine. Junimond nennt sich das Ganze, wenn man es hier im Blog zu suchen versucht. Es war definitiv ein einschneidendes Erlebnis. Hat mich vielleicht sogar geprägt, so wie alles. Verdammt. Irgendwie tut es immer noch weh, wenn ich an das Gefühl denke, das ich damals hatte.

Später folgten jedoch noch so viele Klassenfahrten, so viele Projektwochen, die einfach nur großartig waren. Ob meine zwei Skikurse mit Hunderten von Mitschülern. Wo wir, jene Gruppe, in der ich mich befand, jedes Jahr zumindest einmal so spät das letzte Mal die Pisten hinunterfuhren, dass kein Gondel mehr zurückfuhr und kein Bus mehr unterwegs war. Großartig war, und für mich eine Hilfe für den Entschluss dort zu Studieren, die Woche in Wien. Großartige Menschen, endlich mal eine Klasse, in der ich mich einfach wohlfühlte und diese große Stadt. Es war eine wunderbare Zeit, und jede einzelne U-Bahn-Fahrt habe ich noch irgendwie im Gedächtnis.

Die Sportwoche, jene Klassenfahrt in der fünften Klasse (neunte Schulstufe), führte uns nach Kärnten. Eine Woche lang Tennis, schwimmen im Millstättersee und der Beginn einer Freundschaft, die jetzt schon beinahe seit fünf Jahren, die größte und interessanteste, überraschendste und tiefste Freundschaft meines ganzen Lebens ist. Das bessere Kennenlernen von Menschen, Freundschaftsbildungen, und gemütliche Abende auf unserem Balkon in unserer Herberge. Wir waren jung, ungezwungen, und sowas von frei. Dieses Freiheitsgefühl kann man sich nur sehr schwer vorstellen. Klar, ich war, denke ich, jedes Mal in irgendjemanden verliebt, während der Klassenfahrten. Aber jetzt im Nachhinein war es niemals schmerzhaft, sondern in irgendeiner Art und Weise auch schön.

Die einzige Projektwoche, die wir selbst organisieren mussten, fand in der sechsten Klasse statt. Nach Zauchensee, eines der größten und großartigsten Wintersportgebiete. Auf einer Selbstversorgerhütte. Gemütliche Lehrer, ein geniales Rahmenprogramm, und das erste Mal einen Gipfel mit Schneeschuhen bestiegen. Und dann noch das leckere Essen unseres Meisterkochs und damals noch Mitschülers. Lecker. Bis heute ist der Kaiserschmarrn von damals der Beste, den ich je gegessen habe, und dazu muss man wissen, dass schon meine Mutter einen unglaublich Leckeren zustande bringt. Und nachdem ich mich in den beiden Skikursen von der Anfänger zur Mittelminus-Gruppe hochgearbeitet hatte, konnte ich in Zauchensee schon einige Male bei den Pros mitfahren. Oft schon haben wir davon gesprochen, dass wir uns unbedingt diese Hütte noch einmal mieten müssten, um wieder eine so gemütliche Zeit zu verbringen.

Das erste Mal das Land verließen wir in der siebten Klasse. Nach Frankreich, an die Côte d’Azur ging es diesmal. Von Antibes, unserer Heimatstadt, gelangten wir nach Cannes, Nizza, Monaco, Èze und Grasse. Das wunderschöne Meer, die geliebte Frühlingswärme und unzählige Shoppingtouren. Und natürlich auch gemütliche Abende in schottischen Pubs oder französischen Cafés standen an. Doch während der eine Teil hier in Frankreich war, befanden sich die Spanisch-Lernenden in Barcelona. Das war das etwas Traurige daran. Unsere scheinbar letzte Klassenfahrt befuhren wir getrennt.

Schließlich und endlich kamen wir in die achte Klasse. Das Jahr der Matura und des Endes unserer Schulzeit. Wie sollten wir da eine Möglichkeit haben, irgendwo hinzufahren. Das kam schließlich erst danach. Ende Juni, nachdem beinahe alle die Matura hinter sich hatten, erfolgreich oder nicht. Es war bemerkenswert, wie sehr wir versuchten, die ganze Klasse zu etwas zu bewegen. Das Extremo-Ding Summer Splash mit 3000 Gleichgesinnten zog scheinbar die meisten an. Alle für etwas zu begeistern haben wir nach einigen emotionalen Diskussionen aufgegeben. Von den anfangs zwanzig Leuten, die mitfuhren, stiegen schließlich nur fünfzehn in den Flieger ein. Aber diese Woche war super. Meistens hingen wir gemeinsam am Strand, verbrachten Abende miteinander und erfreuten uns am Gefühl, fertig zu sein. Schließlich bemerkten wir, dass man bei 35 Grad Nachttemperatur nur sehr schwer einschlafen kann, und dass wir eigentlich nichts von der Türkei sahen, außer diesen einen großen Club.

Wie ich auf das alles komme? Weil ich seit gestern Nacht endlich die Maturareisefotos auf meinem Notebook habe. Und weil ich die Schule vermisse. Und unsere Klassengemeinschaft einfach großartig fand. Soviel dazu.   

So Long Goodbye.

Manchmal überschlägt sich mein Herz, und ich lasse es weinend zurück.

Manchmal merke ich es an mir selbst. Eingeschlossen in meinem Leben. Hinter dieser Tür, den vier Wänden. Ich suche nicht den Weg hinaus, vergrabe mich hier und lasse den Sekundenzeiger rotieren. Selbst wenn die Sonne fällt, der Regen lacht, der Wind friert. Manchmal habe ich das Gefühl, ich sei nicht normal. Wenn ich Zeit für mich brauche, oft Tage, oft auch mal Wochen. Manchmal kapiere ich aber dann, dass diese Zeit jeder einmal braucht. Jeder gefühlsbetont lebende Mensch. Man kann nicht immer nur unterwegs sein und das High Life des jugendlichen Lebens mitverfolgen.

Manchmal bekomme ich Schuldgefühle, weil mir die Motivation öfters ein Schnippchen schlägt. Da habe ich schon vor einigen wenigen Tagen von einer Party oder ähnlichem gehört, und wenn ich dann am Nachmittag davor angerufen werde, kann mich niemand dazu bewegen, freudig zuzustimmen. Manchmal muss ich mit mir kämpfen, um ein Nein zwischen meinen Lippen hervorzupressen. Und dann kribbelt es in meinem Bauch und ich frage mich, warum ich nur so bin wie ich bin.

Manchmal aber traue ich mich hinaus in die große weite Welt. Mit dem Wissen bekannte Gesichter zu sehen. Menschen, die mich lieben, wie ich bin und Menschen, die ich liebe. Denen ich vertraue und mit denen ich alt werden möchte. Zu zerstückelt sind wir schon. Waren wir früher maximal fünfzehn oder zwanzig Kilometer voneinander entfernt, Entfernungen, die wir einfach mit unseren Mopeds überwanden, sind es jetzt schon fünfzig oder hundert Kilometer. Oder auch zweihundertfünfzig. Es fällt schwer. Manchmal weine ich den Tagen nach, an dem jede Mopedfahrt mich zu Freunden katapultierte. Jetzt fahre ich zwar schon Auto, aber der Kreis wurde kleiner. Meist seid ihr alle nicht da. Nur am Wochenende. Und manchmal bereue ich gerade deswegen diese Motivationsschwäche. Aber ich verbringe viel lieber etwas Gemütliches mit euch, als irgendeine Party, wo spätestens um ein Uhr gekotzt wird. Natürlich sind davon Geburtstagsparties ausgeschlossen. Aber es kann doch nicht jede Woche jemand Geburtstag haben. Manchmal frage ich mich schon, ob ich nicht vollkommen anders bin. Und dann treffe ich euch wieder und bemerke, dass es nicht so ist.

Und manchmal wünsche ich mir, dass alles wieder gut wird. Dass alles so wird, so ählich, wie es war. Und dann realisiere ich erst. Dass man das alles Fortschritt nennt. Entwicklung. Aber Freundschaften. Sie sollten trotz jeder Weiterentwicklung bestehen bleiben. Konnte ich noch bis zu meinem fünfzehnten Lebensjahr nicht behaupten, einen besten Freund zu haben, habe ich jetzt einige. Keine Unmenge, aber genau die Richtigen. Ich liebe euch dafür und dafür, dass es euch gibt, und manchmal bewundere ich euch sogar dafür, dass ihr es mit mir aushält.

Manchmal aber auch, fällt es nicht so schwer, Goodbye zu sagen. Weil man weiß, dass ihr irgendwann wieder zurückkommt. Und dann werden wir es wieder spüren, was Freundschaft bedeutet. Weil es euch gibt.

It’s Been Awhile.

I’m on the outside.

Der Kreis, er schließt sich. Wie fassen uns an den Händen und heben die Erdanziehung füreinander auf. Würde nur einer von uns fehlen, wäre der Kreis unvollendet. Jeder würde fallen, und man könnte nichts dagegen tun. Denn einen Platz ersetzt man nicht einfach so. Es ist unmöglich, jemand anderen an diese Stelle zu stellen, nie würde es so sein wie es war. Entweder man akzeptiert, dass diese Lücke bleiben wird, oder man formt einen neuen Kreis. Mit neuen Ingredientien. Einfach alles neu. Aber dieses Loch, die Lücke, der offene Kreis. Er bleibt. Weil nichts mehr wird, wie es war.

Langsam bewege ich mich um diese Formation. Sehe die Fehler und die Vorteile. Der Blick von außen auf etwas, das nur von innen einzigartig aussieht. Und sich auch so anfühlt. Mir fehlt die Verbindung. Die Hand, die einem gereicht wird, um all das zu vollenden. Ich bleibe stehen. Und frage mich. Frage mich, wie so ein unförmiger Kreis zustande kommen konnte. Es ist komisch, wie verformt er sich hat, im Laufe der Zeit. Er ist nicht mehr so, wie er einmal war. Und er wird es auch nicht wieder. Wir haben uns verändert. Wir wurden älter und it’s been awhile. Seit langem haben wir uns nicht mehr so gesehen, wie wir es vor vier Jahren noch getan haben. Wir wurden beschissener, komischer, verrückter, bescheuerter, abgedrehter, verdammter, lächerlicher und verkorkster. Wir alle haben uns verändert und haben so diese Negativpunkte ausgeglichen. Aber der Kreis, er ist nicht mehr rund.

Vielleicht wird er auch irgendwann einmal kleiner. Oder noch größer. Es wird nicht so bleiben. Zu viel hat sich schon verändert. Rein auf diese Sache fokussiert, würde ich mein Leben lang sechzehn Jahre alt sein wollen. Doch das Leben ist kein. Endlos großer Kreis, wo man immer mal wieder hineinstößt oder auch herausfällt. Man ist darin gefangen, ob man nun will oder nicht. Und dreht sich das Leben, dreht sich der Kreis. It’s been awhile, seit wir jede freie Minute miteinander teilten. Jetzt sind es vereinzelte Nachmittage, manchmal Abende, öfters Nächte. Aber es ist anders.

Liebe. Before Sunset.

Du und ich.  

Erinnerungen sind sowas schönes, wenn sie nicht die Vergangenheit wach rufen würden.

Celine in Before Sunset

Nachdem mich der Film Before Sunrise schon zu meinem letzten Text über die Liebe inspiriert hat, werde ich mich nun mithilfe von Zitaten und den Erinnerungen an die großartige Fortsetzung weiterhangeln. Meine Erinnerungen an die Menschen, die mein Leben so lange begleitet haben, die irgendwann einmal Teil meiner Person waren, die vielleicht auch nur einen kleinen Prozentteil meines Lebens an meiner Seite waren, sie sind allesamt wunderschön. Die hässlichen, ungustiösen, verdammten, schrecklichen Erinnerungen, ich habe stets versucht, sie zu verdrängen. Du und ich, wir beide, wir haben eine Vergangenheit, haben Tage, Monate, die wir gemeinsam verbracht haben. Können es unsere Vergangenheit nennen. Nicht immer ist alles gut gelaufen, nicht immer trennten sich unsere Wege mit einem Lächeln. Wir haben so verdammte Tage miteinander verbracht, an denen jedes weitere Wort pure Verschwendung gewesen wäre, und doch haben wir immer wieder zu uns zurückgefunden. Haben gemerkt, was wir am Anderen lieben, und akzeptiert, was uns am Gegenüber stört. Wir wurden uns unserer eigenen Veränderung bewusst, und haben eingesehen, dass sich alles weiterentwickeln muss. Unsere Liebe, unsere Freundschaft, dieses Wir.

Was uns bleibt, sind die Erinnerungen an einzigartige Momente. Als wir vollkommen betrunken, im zarten Jugendalter, in der Mitte der Pubertät auf Dächern saßen und auf die minimalistische Skyline hinuntersahen. Als wir uns mitten auf die Straße legten, um den Sternen näher zu sein. Als wir in der Schule saßen und unsere Hände sich gegenseitig hielten. Als alles anders wurde, und das Liebgewonnene irgendwie verschwand. Als ich realisierte, dass dieser Mann neben dir, damals noch ein Junge, einen ebenso wichtigen, einen ebenso großen Platz einnehmen würde. Dass von nun an wohl eher er mit dir assoziiert werden würde, als ich. Ich erinnere mich an die eifersüchtigen Blicke von mir, an den Schmerz. Und an die Akzeptanz. Die Akzeptanz, dass etwas vorbei ist. Und immer wieder muss man akzeptieren. Dass man nicht mehr nebeneinander einschlafen kann. Dass sich etwas ändern wird, und es doch alles nur an uns lag. Dass irgendjemand Schuld hatte an dem Ganzen und dem Verlauf, dem Ende und dem Neubeginn. Als wir, du weinend uns gegenseitig Dinge an den Kopf warfen, mitten in der Schule. Als Wochen ohne gesprochene Worte zwischen uns lagen. Das ist sie, unsere Vergangenheit. Mit dir und dir und dir. Es gibt so schöne Erinnerungen. Und ebenso schreckliche. Alle einzigartig in ihrer Begebenheit. Und doch kommt beim Erinnern irgendwie alles wieder hoch. Alles was schief lief und alles was gut.

Kein Mensch ist austauschbar. Jeder besteht aus wunderschönen kleinen Details.

Celine in Before Sunset

Die Einzigartigkeit jedes Einzelnen wird immer und immer wieder gelehrt. Und doch scheint diese Gesellschaft alles daran zu setzen, einen Einheitsbrei zu erzeugen. Keiner von uns, die wir in meiner Vergangenheit vorkommen, hat das Zeug für einen Konformisten. In manchen Dingen kamen wir dem Teufelskreis nicht aus, doch wie Celine so schön sagt, diese kleinen wunderbaren Details machen uns so einzigartig. Kein Gespräch gleicht dem anderen. Kein Lächeln. Wir sind alle unterschiedlich. Ich habe schon oft Liebe verspürt. Zweifelnde Liebe, handfeste Liebe, beschissene Liebe, ängstliche Liebe. Und platonische Liebe. Irgendwann bemerkt man, dass irgendeine Liebe wünschenswert ist, und der letzte gemeinsame Nenner ist möglicherweise noch die platonische Liebe. Käme es da manchmal nicht zu einem Bruch. Dies ist mir glücklicherweise noch nie passiert. Von Verliebtheiten möchte ich nicht sprechen. Sondern von Liebe, ob ausgesprochen oder nicht. Sie ist einfach existent. Verändert ihre Grundform nie, nur ihre Auslebung. Keinen Menschen, den ich jemals geliebt habe, habe ich aus dem Leben verschwinden sehen. Sie sind alle noch irgendwie da. Auch wenn der Kontakt manchmal bröckelt. Irgendwann trifft man wieder aufeinander und alles scheint so wie früher.

Warum ich diese Zeilen schreibe. Um selbst zu sehen, dass ich im Stande bin, zu lieben. Dass alles irgendwie dann doch normal ist. Dass Liebe etwas so Wunderbares, so Großartiges ist. Und dass es nicht komisch sein muss, dass bei Gesprächen, beim Auflebenlassen von Erinnerung plötzlich auch die Gefühle der Vergangenheit wieder da sind. Sie sind nun mal eng verbunden mit den Erinnerungen, sind Teil des Ganzen. Man darf diese Gefühle zwar zulassen, doch dabei muss man schlussendlich die Gegenwart akzeptieren. Die Vergangenheit ist, wie der Name schon so schön sagt, vergangen. Veränderungen fanden statt, wir haben uns verändert. Vielleicht habt ihr es schon vor langer Zeit akzeptiert. Ich brauchte zumindest für den letzten Fall für die letzte Liebe eben etwas länger. Tut mir Leid, Spätzünder eben. Aber vielleicht habe ich es noch geschafft, bevor die Sonne unterging. Vielleicht. Hoffentlich.

„“

Alles und doch so wenig. Nichts und doch so viel.

Ich sitze hier, du mir gegenüber. Der warme Tee in meiner Hand sollte meinen Magen beruhigen, doch dieser rotiert, lässt es grummeln und weiß nicht, was er mit sich selbst tun soll. So wie ich. Ich sitze hier, wie ein vierjähriges kleines Kind, das nichts zu wissen glaubt und ganz erstaunt zur großen Welt aufblickt. Kein Wort verlässt meinen trockenen Mund. Ich warte auf dich. Warte, dass du etwas sagst, dass du erzählst von deinem Leben und dem Sein und der Welt und dir. Doch auch du schweigst.

Haben wir uns denn gar nichts zu sagen. Menschen, die ich weitaus weniger kenne, sind viel einfacher zu handhaben. Mit ihnen kann man Gespräche führen, über Gott, und das Wetter, Sterne und Liebe. Bin ich irgendwann endlich mal bereit, Smalltalk zu führen, bin ich ein König in diesem Genre. Wenn einen nichts verbindet, ist es viel einfacher, eine einmalige Verbindung aufzubauen. Aber bei dir ist alles anders. Du bist anders. Bist doch auch nur ein einzelner Mensch in der unendlichen Hemisphäre. Aber es scheint, als wärst du ein ganz besonderer Stern, ein Komet, ein Meteorit. Schön zu betrachten, mit unvorstellbar zerstörerischer Wirkung.  

„Wie geht es dir?“ Ein möglicher Start für eine Konversation. Jetzt bin ich nur noch gespannt, was du antwortest. „Wie geht es dir wirklich?“ Du sammelst dein Gesicht unter deinen Handflächen, nur mehr ein Schluchzen höre ich von deiner Seite. Verdammt. Fallen mir jetzt auf die Schnelle irgendwelche nützlichen Floskeln ein. Soll ich noch Fragen hinterherwerfen? Ich weiß es nicht. Sitze nur da, und rücke immer näher zu dir. Und als ich neben dir sitze, nehme ich dich in den Arm. Du drehst dich zu mir und vergräbst dein Gesicht an meiner Schulter. Ich spüre den Fall der schweren Tränen auf meinen Körper. Du tust mir weh. Es tut mir weh, dich so zu sehen. Du klammerst dich an mich, möchtest noch minutenlang deinen Tränen freien Lauf lassen, geschützt von mir.

Irgendwann erhebst du deinen Kopf wieder. Setzt dein Kinn auf meine Schulter, und mit leicht verweinter Stimme flüsterst du mir wenige Worte ins Ohr. „Dankeschön.“ Ganz wenige, aber wunderschöne Worte. Uns ist heute nicht nach Reden zumute. Als du dich etwas gefasst hast, nehme ich dich an der Hand. Und ziehe dich hinaus, auf die Straße, auf den Weg, irgendwann setzten wir uns auf eine Parkbank. Der Wind braust durch unsere Haare, geschützt unter einem großen Ast eines Kastanienbaumes trifft uns nicht mal ein Regentropfen. Und während wir hier sitzen, beobachten wir den Sturm am See. Beobachten das Unwetter, die Verwüstung. Und während um uns herum alles übereinander einstürzt, werden wir innerlich immer ruhiger. Wer braucht schon Worte.