Leben. Sonst Nichts.

Gib dem Leben die Kraft zurück, welche du nahmst, als du versuchtest, zu lieben …

Langsam atme ich ein. Und überlege mir, wie mein Leben aussehen soll. Dann. Wenn alles vorbei ist. Und jetzt denke ich mir zum ersten Mal, dass es schwieriger ist, über das Leben zu schreiben, als über die Liebe. Das Leben war doch immer da. Das Leben, und der Wunsch nach Liebe. Nun erlebte ich dann zum ersten Mal die Liebe. Und hörte irgendwie auf zu leben. Jetzt bin ich überfordert, mit dem Wunsch nach Liebe und dem viel dringenderen Wunsch nach Leben.

Die Trennung hat mich nur scheinbar zurückgeworfen. Nur scheinbar. Denn sie hat mich, wie die gesamte Beziehung, reifen lassen. Die heftigen Gefühlstage danach, sie haben mich nachdenken lassen. Haben mich philosophieren lassen, über die Liebe, über das Leben, über die Familie, über Freunde und Freundschaft im Allgemeinen. Über meine Träume, meine Wünsche. Meine Ängste. Ich habe mir Gedanken gemacht, über Dinge, die mein Leben einfach bewegten. Gedanken, die meinen Kopf nicht mehr verlassen wollten.

Und dieses Nachdenken über die Vergangenheit, über das Hier und Jetzt und über die Zukunft hat mich in ein schützendes Zelt aus Alleinsein und Einsamkeit gezogen. Darin blieb ich, und bis jetzt bin ich nicht mehr daraus herausgekrochen. Ich sitze immer noch hier drinnen, zusammengekauert, wartend auf irgendjemanden, der den Eingang des Zeltes aufreißt, mich an der Hand nimmt, und mich rauszieht. Ich warte.

Ein sehr weiser Mensch hat einmal gesagt: „Hört auf über das Leben nachzudenken. Lebe einfach.“ Ich habe mir vorgenommen, das auch zu tun. Habe mir gesagt, ich beginne jetzt endlich wieder zu leben. Aber lebe ich denn jetzt? Wohl kaum. Ich warte noch. Begebe mich in Angriffsstellung. Sage mir stets, dass, wenn (m)ein neuer Lebensabschnitt beginnt, ich wieder zu leben beginnen werde. Vielleicht ist es falsch. Aber ich schaffe es nicht. Schaffe nicht, mich aus diesem Zelt hinauszubewegen.

Ja, ich weiß. Draußen hat es 32 Grad. Hier in meinem Zimmer maximal neunzehn. Ich weiß nicht, warum es so kühl ist. Aber es gefällt mir hier. Hier ist sie, meine Einsamkeit. Niemand kommt hier herein, außer vielleicht einmal meine Mutter, wenn sie mal wieder auf das Klopfen vergessen hat, oder meine Schwester, wenn sie vermutet, ich hätte schon wieder Dinge von ihr genommen. Sonst ist hier niemand. Nur ich. Und die Musik. Mein Notebook. Und die virtuelle Welt, in der ich mein Leben mehr und mehr offenbare. Vielleicht verausgabe ich mich hier. Verliere den Blick auf das Wesentliche. Aber es wäre falsch, dem Web 2.0, dem Internet oder meinen Computer im Allgemeinen zu beschuldigen, dass er mich von der Gesellschaft fernhalten würde. Nein, es liegt an mir. Es ist meine Entscheidung.

Der Sommer, die Sonne, der Strand am See. Das war einmal meins. Mein Leben. Dafür bin ich aufgestanden. Daran dachte ich, als ich mich lächelnd ins Bett legte. Doch Zeiten ändern sich. Vielleicht stand die Zeit die letzten Jahre nur etwas still, und nun ist es an der Zeit, all die verlorenen Veränderungen nachzuholen. Ich weiß es nicht. Nur ich verändere mich gerade. Oder vielleicht bleibe ich auch gleich. Vielleicht verändert sich nur mein Umfeld.

 

Meine Mutter hatte mir heute gepredigt, dass sie es nicht verstehen würde, warum ich nicht mehr am See bin. Mir würde ja das ganze schaden, ich hätte ja die Einsamkeit. Ja, Mama. Du hast Recht. Ich habe die Einsamkeit. Und ich habe sie lieber, als der See mit all den Menschen, bei denen ich nicht so sein kann, wie ich sein möchte. Ich möchte sie nicht mehr jeden Tag sehen. Wenn wir uns einmal in der Woche, so wie jetzt sehen, das reicht. Dann verstehe ich mich mit ihnen.

Aber es ist nicht mein Ding, um halb 3 mit dem ersten Bier anzufangen. Erstens mag ich kein Bier, und zweitens halte ich vom Alkohol im Allgemeinen gegen den Durst nichts. Ich kann nicht mehr ständig unter ihnen sein. Wenn sie nach einer Stunde exzessivem Alkoholgenuss schon so betrunken sind, sodass sie mehr anstrengend, manchmal auch zu beleidigend werden, als nett und einfach nur freundlich.

Ja, ich „genieße“ mein Leben. Hier, in meinem 30 m² großen Reich. Ja, ich habe ein süßes kleines Zimmer. Mit Bett, Fernseher, Radio, Kleiderschrank, Couch, Couchtisch, Chill-Matratze am Boden und … vier Fenstern. Sie geben mir einen Blick auf die Welt. Ich sehe den blühenden Holunder bei meinem Nachbarn, sehe, wenn Autos in unserer Zufahrt einbiegen. Erlebe all das, hier von meiner Couch, auf der ich sitze, lebe, liege, schlafe, und schreibe. Das ist zurzeit mein Leben.

Mit meiner Aussage „Ich mag keine Menschen“ habe ich einige Beispiele dieser Spezies überrascht. Manche auch abgeschreckt. Aber manchmal stimmt es einfach. Da möchte man einfach keinen sehen, erfreut sich der Einsamkeit, der Stille, oder auch der Musik. Und jetzt, wo ich diese Devise … also, „Ich mag keine Menschen“ leben möchte, gerade jetzt verstehe ich mich mit Menschen, mit denen ich eigentlich vorher nie so viel zu tun hatte, viel besser. Das gefällt mir. However.

Auf der Maturareise werde ich viele neue Gesichter kennen lernen. Manche nur für diese sieben Tage. Andere vielleicht sogar länger. Und danach eröffnet sich für mich eine neue Ära meines „Lebens“. Ja, Leben. Ich gebe es auf. Gebe den Versuch auf, jetzt noch versuchen, so richtig zu leben, jetzt, in diesen nächsten drei Wochen. Ich lasse sie passieren. Und dann möchte ich aber wieder beginnen. Möchte es aufnehmen. Den Kampf gegen Lebensunlust und die Liebe. Vielleicht steige ich irgendwann einmal aus Gewinner aus.

Und so schließe ich mein Zelt wieder. Sehe mir den blühenden Holunder noch einmal an, höre die Dashboard Confessional, und warte, bis die drei Wochen vorüber sind. Leben macht ja eigentlich Spaß. Bald wird es wieder so weit sein. Ich bin gespannt. Auf all das ganze neue. Auf die neuen Freunde. Auf das Aufrechterhalten alter Freundschaften. Auf neue Lieben. Auf neue Ängste. Auf neue Enttäuschungen. Auf alles bin ich gespannt. Niemand wird mich aufhalten. Und niemand wird mich auch dazu bringen, mich an den See zu legen, um so zu tun, als wäre das mein Leben. Mein Leben sieht anders aus. Wie genau, das weiß ich noch nicht. Aber denkt euch nichts. Das bin ich. Ich muss doch erst selbst mit der Veränderung zurecht kommen.

Ich habe es nicht verlernt. Das Leben. Lasst mir nur Zeit.

Liebe. Sonst Nichts.

Und was ist jetzt? Was soll ich jetzt machen? Weißt du eine Antwort? Weißt du die Fragen?

Eigentlich dachte ich doch immer, ich wüsste, was Liebe ist. Aber was ist Liebe. Das Verlangen nach jemand anderen. Die Sehnsucht nach seinen Küssen, seinen Berührungen. Oder Sex. Was ist Liebe. Nichts von alledem. Liebe ist doch einfach nur ein Gefühl. Ein Gefühl, das nur dann eine Wirkung hat, wenn es wirklich von ganz tief drinnen kommt. Und natürlich muss es ernst gemeint sein.

Liebe. Ein Wort aus dem Mittelhochdeutschen. Das ist etwas „Gutes, Angenehmes, Wertes“. Für wen kann ich Liebe empfinden. Wann ist sie ehrlich gemeint. Ich habe mich einmal länger mit diesem Thema beschäftigt. Habe Erich Fromms Ansichten zum Thema Liebe gelesen. Er spricht von einer Kunst. Ist es eine Kunst, zu lieben. Oder kann man ein Gefühl nicht unter den riesig-erdrückenden Begriff „Kunst“ stellen.

Spräche ich jetzt von Mutterliebe, dann müsste ich hervorheben, dass diese bedingungslose Liebe, die (m)eine Mutter einem schenkt, auch nach hinten losgehen kann. Es ist doch nicht gut, wenn man ein Gefühl wie die Liebe einem Menschen schenkt. Egal was man gemacht hat, die Liebe bleibt. Vielleicht hält uns das längerfristig am Leben. Aber nimmt es uns nicht irgendwie den Sinn dafür, was falsch und was richtig ist. Wäre es nicht besser, die Mutter wäre mit bedingungslosem Vertrauen, bedingungslosen Zuspruch oder bedingungsloser Interesse an einem selbst ausgestattet.

Aber ich bin keine Mutter. Und die Liebe meines Vaters muss ich mir, so wie in Fromms Werken beschrieben, auch nicht mehr erarbeiten. Sie ist jetzt schon mal da. Und scheint nicht wegzugehen. Aber Vater bin ich ja auch noch nicht. Eigentlich wollte ich ja über die Liebe im Allgemeinen sprechen.

Ich habe schon bisher erst einmal geliebt. Mit all meinen innersten Gefühlen. All meinen Zweifeln, die einfach kommen mussten. Zwei Mal schrammte ich knapp daran vorbei, damals, so scheint es mir jetzt, kam ich über das „verliebt sein“ nicht hinaus. Aber dieses eine Mal liebte ich sie. Und es schien bedingungslos. Ich habe mich fallen lassen. In der Erwartung, dass sie mich auffangen würde. Mit der Hoffnung, sie wäre die Wolke, die mich auffängt, mit all meinen Sorgen, meinen Träumen, mit all meinen Fehlern und meinen Einstellungen. Ich war für sie so eine Wolke. Vielleicht mit ein paar Löchern. Und sie war es anfangs auch für mich. Ich konnte mich sorglos fallen lassen.

Aber was kann man machen, wenn die (scheinbar vorhandene) Liebe auf einmal verschwindet. Stimmt es denn, dass das einfach kommen musste. Ein weiser Mann sagte einmal: Liebe ist das, was übrig bleibt, wenn die Verliebtheit weg ist. Die ersten Monate waren großartig. Wir erlebten die ersten Tage mit unserer jeweils ersten großen Liebe. Verbrachten fast jeden Tag miteinander. Aber irgendwann einmal flogen die Schmetterlinge aus unserem Bauch. Sie folgen unaufhaltsam weg, und was übrig blieb, war ein Mädchen, welches noch von den letzten Flügelschlägen der Schmetterlinge gekitzelt war, und ein Junge, der glaubte, wirklich lieben zu können.

Liebe. Kenne ich sie. Ich dachte, ich habe sie damals zum ersten Mal empfunden. Es wird auch so gewesen sein. Aber ich denke, ich kann Liebe erst einmal richtig erfahren, wenn die Schmetterlinge weggeflogen sind, und eben die Liebe noch da ist. Auf beiden Seiten. Erst dann werde ich verstehen können, was die großen Leute meinen, wenn sie von Liebe sprechen. Wobei ich bezweifle, dass von den wirklich jeder schon einmal wirklich geliebt hat.

Manchmal, während meiner ersten Beziehung, dachte ich, dass durch Küsse, durch sexuellen Kontakt die Liebe wieder so groß, das Kribbeln wieder so toll werden würde, wie es eben schon einmal war. Es hätte nie mehr so werden können. Wir hätten schon viel eher aufgeben sollen. Uns, unsere gemeinsame Zeit. Es waren schöne 5 Monate. Die restlichen 4 waren. Voll mit Gedanken, Angst, Ungewissheit, Selbstzerstörung. Wir hätten früher aufgeben sollen. Viel früher. Sofort als die Schmetterlinge zum Flug angesetzt hätten, hätten wir es merken müssen. Aber wie hätten wir das merken sollen. So etwas kapiert man ja immer viel zu spät.

Jetzt, nachdem ich mit der ersten Liebe abgeschlossen habe, wird sie wohl auch irgendwann kommen. Die zweite Liebe. Aber wie kann man sagen, man habe damit abgeschlossen. Sie hat einen Teil meines Herzens. Und ich einen Teil ihres Herzen. Sie ist mit ihren Füßen in mein Herz, in meine Seele getreten und hat einen Fußabdruck auf mir hinterlassen. Der wird nicht verschwinden. Der wird bleiben. Für immer wahrscheinlich. Und deswegen kann man nicht abschließen mit so etwas. Wir beide werden uns neu verlieben, unser ehemals gemeinsames Gefühl Liebe werden wir anderen Menschen schenken. Werden uns verlieben, werden lieben. Und werden es schaffen, kein einziges Gefühl mehr füreinander zu empfinden. Außer platonischer, freundschaftlicher Liebe. Ich wäre bereit für eine Freundschaft. Meine Gefühle wären bereinigt.

Ich könnte jetzt noch über diese eine, über die freundschaftliche Liebe sprechen. Und über die Magie eben dieser Liebe. Eigentlich dachte ich ja, diese Liebe auch für zwei Jungs zu empfinden. Aber jetzt, an den Tagen, an denen ich mir meiner Gedanken, meiner Gefühle, meinem Leben erst mal wieder etwas mehr bewusst wurde, bemerkte ich, dass nur meine Freundinnen jene sind, die ich wirklich liebe. Die mir das schöne Gefühl geben, wichtig zu sein. Die mir Vertrauen schenken, mit mir über alles reden, mit denen ich einfach mal nur in der Wiese liegen oder hocken kann um über alles zu reden. Diese Art der Liebe ist großartig. Aber, wie immer, muss sie beidseitig sein. Aber wenigstens merkt man manchmal, dass man bei einigen „Freunden“ sich selbst viel zu sehr verrät, durch die Rolle, die man scheinbar gezwungen ist, zu spielen. Die freundschaftliche Liebe ist kostbar. Man darf sie nicht verschwenden.

Sie wird kommen, die zweite Liebe. Wir kommen, und wird mir den Kopf verdrehen. Ich werde mich fallen lassen wollen. Aber ich danke der ersten Liebe. Danke ihr von ganzem Herzen. Sie hat mir so viel gezeigt, so viel vor Augen geführt. Hat mich reifen lassen an ihr. Sie hat mir gelehrt, wie man richtig(er) liebt. Und sie hat mir nun auch gezeigt, wie schmerzhaft Liebe sein kann. Eines muss ich mir selbst jetzt versprechen. Ich darf jetzt keine Angst davor bekommen. Vor dem Schmerz. Vor gebrochenen Herzen. Vor Tränen. Und vor Kummer. Ich darf nicht Angst davor bekommen. Ich muss mich mit alledem konfrontieren. Um irgendwann einmal wirklich lieben zu können.

Hobo Blues

 

Gestern habe ich ja dieses eine Bild von uns beiden gefunden. Habe es mir minutenlang angesehen. Habe dir tief in deine virtuellen und (bei 10.000facher Vergrößerung) pixeligen Augen gesehen. Und habe bemerkt, dass es schon damals da war. Deine Unfähigkeit mich zu lieben. Ich gebe dir für alles die Schuld. Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ja, ich lehne mich einmal so weit aus dem Fenster. Du bist zu jung, um … ja, da bist zu jung für eine ernsthafte Beziehung. Du lässt dich viel zu sehr von allem anderen beeinflussen. Du warfst mir Dinge an den Kopf, welche du jetzt selbst praktizierst. Du kommst erst jetzt in diese Jahre deiner Jugend, mit denen ich gerade fertig werde. Diese Jahre voll Selbstzweifel, Angst, Ungewissheit und vielleicht auch Selbsthass. Du wirst es nicht immer schaffen, den Halt da zu suchen, wo er bis jetzt immer war. In den kommenden Jahren wird dein Leben so manches Mal zusammenbrechen und sich aus den Trümmern wieder aufbauen. Es werden harte Jahre. Aber du schaffst es sicher nicht. Schaffst es nicht, stets mit einem Lächeln durch die Welt zu gehen. Ja, damals hast du mir, und die Beziehung zu mir die Schuld gegeben. Aber nein, es lag nicht an mir. An meiner „Sicht der Dinge“. An meinem umschwänglichen Pessimismus. Es lag an dir. Und an deiner Unfähigkeit die Dinge so zu akzeptieren wie sie sind. Es tut mir leid, dass ich dir jetzt wieder schreibe. Dass ich dir diese Dinge an den Kopf werfe. Aber es muss sein. Erst gestern wieder habe ich dich in meinem Tagebuch erwähnt. Ich habe meinem Tagebuch erzählt, dass meine Liebe zu dir um ein so großes Extrem verschwunden ist. Dass nur mehr ein kleines bisschen Liebe da ist. Gerade einmal genug, um eine Freundschaft weiter aufzubauen. Ich konnte dich stets lieben. Ich habe dich auch stets geliebt. Aber erst jetzt habe ich gesehen, dass du es schon lange nicht mehr konntest.

 

Offenbare ich zuviel meines Lebens in dieser „Neon Wilderness“? Dieser Gedanke kam mir erst kürzlich, heute vormittag, als mich meine Deutsch-Professorin darauf ansprach, dass sie aus meinen Texten, welche ich in der Lesung vortrug, heraushörte, dass ich mit meiner Rolle nicht zufrieden sei. Mit meiner Rolle, die ich in der Schule innehabe. Ihr wisst schon, welche Rolle ich meine. Und sie hat mich gefragt, warum ich nichts dagegen unternehme. Vielleicht aus reiner Faulheit. Es sind doch nur mehr drei Wochen. Ich habe mich verändert. Und manchmal genieße ich auch wieder das Stehen im Mittelpunkt. Aber man muss mir auch diese Momente der Stille, der Ruhe einräumen. Ich bemühe mich nicht mehr, meine Rolle für diese drei Wochen abzulegen. Es wäre zu anstrengend. Und irgendwie wird es auch von mir erwartet. Ja, ich lasse mich formen. Ich habe mich jahrelang formen lassen. Es kommt doch so viel nach der Matura(reise). Lassen wir es einfach kommen.

 

Die Schule, selbst wenn ich nicht mehr viele Stunden dort verbringe. Vielleicht mal drei Stunden vormittags, zwei nachmittags. Sie macht mich müde. Und in den nächsten Tagen werde ich so viel lernen müssen, werde so viel durchgehen müssen, Psychologie, Philosophie, Deutsch, Musik. Mathematik. Es kommt so viel zusammen. Und ich schaffe es kaum, mich richtig zu konzentrieren. Ich werde es schaffen. Jetzt, nachdem ich den Führerschein komplett auf Juli verlegt habe. Um mich auf die Matura zu konzentrieren. Irgendwann in der Woche vom 18. – 22. Juni werde ich meine fünf mündlichen Prüfungen ablegen müssen. Und was kommt dann? Maturafeier mit den Eltern (in einem Gasthaus), Maturafeier in der Schule, Maturafeier in unserer Klassenparty-Location, Maturareise. Es lohnt sich schon irgendwie, sich jetzt noch einmal richtig reinzuhängen.

 

Das Wetter macht mich fertig. Nachdem ich schmerzhaft bemerken musste, dass meine Bankomatkarte in meiner bevorzugten Bank als defekt bezeichnet wird, da sie schon zu sehr beschmutzt ist, stellte ich mich eben an, um als nächster beim Schalter dranzukommen. Und da sah ich es. Die kommenden Temperaturen für den Bezirk Gmunden. Donnerstag 31°. Freitag 32°. Ich werde wohl zum See gehen müssen. Mit den ganzen Sachen zum Lernen. Mit einem Buch. Und nicht zum Seebahnhof, sondern zum Weyer. Damit mich niemand stören kann. Oder vielleicht lege ich mich auch einfach nur auf den Rücken, irgendwo auf einer unbefahrenen Straße, warte, bis der Asphalt aufschmilzt und mich verschluckt. Oder auf eine Wiese, warte, bis sie zu Brennen beginnt. Oder auf ein Brett, warte, bis ich selbst ausgetrocknet bin und total verdörrt mir den letzten Atemzug genehmige. Aber der See klingt doch irgendwie besser.

Dusk And Summer

„Und wie ist er jetzt?“ – Wer? – „Na, der Sommer …“

Ich blicke dich an. Voll fragendem und nachdenklichem Blicke. Der Sommer. Irgendwann einmal hatte ich schon mal davon gehört. Hm. Vielleicht fällt es mir ja wieder ein. Aber warum fragst du mich das? Was soll mir an diesem Sommer so gefallen. Und ich denke nach und denke nach. Und es fällt mir nicht ein. Doch plötzlich. Ja. Der Sommer. Jetzt weiß ich es wieder. Der Sommer war es immer, von dem ich träumte. Wenn ich gelangweilt in einer Mathematikstunde aus dem Fenster blickte, als draußen noch der Schnee lag. Das wird der Sommer meines Lebens sagte ich mir immer. Der Sommer meines Lebens. Meines Lebens. Verdammt, wie konnte ich das nur vergessen.

„Er ist jetzt eigentlich schon da, der Sommer. Es ist Juni. Es ist heiß. Und der See wartet auf dich.“ Hm. Der See. Der See. Mein See. Er ist nicht mehr mein See. Viel zu viel hat sich verändert. Viel zu sehr habe ich mich von ein paar Freunden wegbewegt, als dass ich mich zu ihnen an den See legen würde wollen. Der See. Mein Zuhause, an den letzten 3 Sommern. Schaukelsessions. Pizza-Verschlingungen. Und Grillen. Es war mein Zuhause. Wir waren immer dort. Wachte ich frühmorgens auf, war meine Tasche schon gepackt für den See. Die Badehose konnte gar nicht mehr trocknen, so viel war ich unterwegs. Jetzt mache ich nichts mehr.

Nein. Es ist nicht nur die Matura. Die letzte große Prüfung vor … ja, vor dem „wahren Leben“. Es ist so viel mehr. Es sind Probleme in der Familie, und eben auch die Probleme mit Freunden. Auch Probleme in der Liebe, liegengebliebene Gefühle, die ich immer wieder aufgreife. Gedanken. Und die Suche nach jemand neuem. Ich bin nicht mehr der Typ, der sich jeden Tag mit seinen Freunden am See traf. Damals, in den Sommer meines Lebens. Meines Lebens.

Vielleicht kann ich mich mit dem Leben damals nicht mehr identifizieren. Vielleicht bin ich nicht mehr der Typ, der nur sein Leben genoss. Vielleicht habe ich jetzt auch Ziele. Oder einfach eine andere Vorstellung vom Leben. Vielleicht bin ich auch nur auf dem besten Weg, ein Einsiedler zu werden. Einsam, verlassen. Mir macht die Vorstellung nicht angst. Nein. Diese nicht.

Der Sommer ist da. Aber er muss sein Spiel ohne mir spielen. Ich spiele nicht mit. Zuviel Dreck, zuviel Müll muss ich erst einmal entsorgen, um wirklich wieder genießen zu können. Um ruhig einschlafen zu können. Dieser Sommer wird vielleicht der Sommer meines Lebens. So wie die letzten drei. Oder sogar die letzten fünf. Aber er wird anders werden, als all die anderen zuvor. Vielleicht werde ich mich auch mal wieder selbst überraschen.

Die Erste Lesung

 

 

So was nennt man wahrscheinlich übermäßige Adrenalinausschüttung. Aber es zeigte sich bei mir nur als Zittern und Angst. Und dann kam ich dran.

Ich könnte jetzt wieder ein halbes Dutzend Absätze dafür benutzen, um weit zurück in die Vergangenheit zu blicken. Dass ich mit zwölf Jahren beinahe mein erstes Buch fertig gestellt hätte. Dass ich seit zwei Jahren wieder regelmäßig schreibe. Dass seit Ostern nun wirklich mein erstes Buch fertig ist. Dass ich täglich blogge. Ja, das könnte ich. Aber ich denke, dass ist der falsche Beginn für diesen Text.

„Was sollen wir über dich sagen?“, werde ich gefragt. Ihr wisst doch schon alles, möchte ich sagen, nachdem ich den geplanten Text höre. Ja, es ist gut. Es gefällt mir. Aber ich will das nicht. Ich kann das nicht. Ich habe Angst. Und ich sitze auf einem Sessel, an der Stelle, in welcher in einer Stunde einer der beinahe vierzig Besucher sitzen wird. Ja, ich habe Angst. Wie wird es sein. Wer wird da sein.

Ich sehe mir meine Texte noch einmal an. Ein Kapitel aus meinem Buch. Ja, auf dieses Kapitel bin ich stolz. Ein selbstkritischer Text. Den mag ich auch. Und … eine Geschichte vom „wahren Leben“. Ich bin zufrieden mit den Texten. Aber ich habe doch auch schon Angst, sie meiner Mutter vorzulesen. Ich weiß nicht, was da mein Problem ist. Vielleicht die Angst vor Kritik. Oder Ablehnung meiner Leidenschaft. Aber so wirklich weiß ich nicht, warum ich jetzt hier sitze, zittere und einfach mal nur Angst habe.

Ich könnte jetzt erklären, dass ich schon vor viel mehr Menschen gesprochen habe. Im Wahlkampf für die Schulsprecherwahl. Da waren es knapp dreihundert. Und ich habe bei der Wahl gut abgeschnitten, trotz eigener Gegenkampagne gegen mich selbst. Aber ich erinnere mich an das anfängliche Unbehagen. Und die Aufregung. Und den Herzschlag, der in meinem Hals zu spüren war. Ja, das könnte ich. Oder dass ich es manchmal liebe, im Mittelpunkt zu stehen. Aber diesmal möchte ich es nicht. Ich bin schüchtern, ängstlich. Beklemmt. Benommen.

Und so saß ich, Schweiß kam aus meinen Händen heraus und zog schnell wieder in die Zettel meiner Texte, welche ich umklammerte ein. Die Lesung wurde eröffnet. Ich hörte den Applaus. Und als die Vortragende vor mir, eine Achtzehnjährige, mehrfach ausgezeichnete, Autorin ihre Kurzgeschichte vortrug, wurde ich von Sekunde zu Sekunde ruhiger. Und von Sekunde zu Sekunde wieder unruhiger. Der Applaus. Die Musik. Und ich musste die Bühne betreten. Setzte mich auf den Stuhl, blickte kurz ins Publikum. Und wartete bis die Vorstellung meiner Person vorbei war. Und ich begann zu lesen. Nachdem die letzten Probleme mit dem Mikro behoben wurden begann es mir Spaß zu machen. Und ich las. Und las. Und las. Und zum Schluss bemerkte ich, dass das Kapitel aus meinem Buch eigentlich zu kurz ist. Aber dann kam der Applaus. Und die Angst. Sie war weg. Es kam ein Song von Yann Thiersen aus seinem Meisterwerk, dem Soundtrack von Amelié. Und ich musste sitzen bleiben. Konnte mir das Publikum besser ansehen. Aber ich erinnere mich an nichts. Und so las ich weiter. Den selbstkritischen Text mit dem interessanten Ende.

Der Applaus. Ab von der Bühne, die Erleichterung. Und noch ein letzter Auftritt zum Schluss. My So Called Life. Dann wurde die Lesung beendet. Wir betraten zum allerletzten Schlussapplaus noch einmal die Center Stage in diesem kleinen Kulturcafé. Der Fotograf bat mich, noch einmal in Leserpose zu gehen, das Foto. Und Schluss.

Der Abgang. Der erste Weg führte mich zu meinen Eltern, meinem Onkel und meiner Tante. Sie waren gekommen. Und gratulierten mir. Zu meiner Leistung, zu meinen Texten. Ich war stolz wie ein Pfau. Und nachdem ich auch noch mit meiner Deutsch-Lehrerin gesprochen habe, konnte ich mich über meine Freunde freuen, die mir zugesehen und gehört haben. Auch von ihnen kam Lob. Und während ich das Weinglas meiner Mutter in einem Zug leerte, bestellte ich mir noch zwei Drinks. Dieses Gefühl jetzt. Das hatte ich schon mal. Ja genau … als ich die Mathe-Nachprüfung geschafft hatte. Der Stein, der mir vom Herzen gefallen ist, er war riesig. Und so feierte ich noch den ganzen Abend lang. Über die Nacht, bis in den frühen Morgen. Erst um halb fünf fand ich den Schlaf.

Alles in allem war es für mich ein Erlebnis, welches ich nie mehr missen möchte. Ich scheine aufzugehen, in meinem Hobby, welches ich so gerne irgendwann einmal zum Beruf machen möchte. Es ist schön, dass es solche Möglichkeiten gibt, sich selbst und seine Werke vorzustellen. Diesmal war es ein Projekt für ein Unterrichtsfach an unserer Schule.

Und es war unglaublich
Dieses Gefühl.
Dieser Tag.
Dieses Erlebnis.

Satisfaction

Ich spüre den Windstoß, den deine große Faust durch deine Bewegung zu mir hochschlägt. Sie kommt immer näher, und mir ist bewusst, dass es jetzt keinen Ausweg gibt. Langsam, mit einer derartigen Schnelligkeit, trifft sie mich auf der rechten Unterseite meines Kinns. Deine Finger fühlen sich kalt wie Stahl an. Und auch so hart. Ich taumle zurück. Noch ein weiteres Mal holst du aus. Ich spüre es schon wieder. Ich spüre deine Bewegungen. Ein noch einmal triffst du mich auf dieselbe Stelle. Der Knochen, das Kiefer scheint einen Bruch davon getragen zu haben. Der Schmerz lässt mich nicht mehr schreien. Nicht einmal flüstern könnte ich. Mein Gesicht zeigt einzig und allein das blanke Entsetzen in Form eines Lächelns. Um nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen, nimmst du nun deine stärkere Hand, die rechte, und versetzt mir dabei einen weiteren Schlag. Während deine Haut die meine berührt, lösen sich all die Fasern, die die meine zusammengehalten haben. Sie platzt auf, auf deiner Hand sammelt sich Blut. Mein Blut. Aus meinem Gesicht. Ich streiche mir mit meiner Hand über die offene Wunde. Der zerborstene Knochen auf der anderen Seite meines Gesichts schmerzt noch viel mehr. Aber ich kann immer noch nichts sagen. Und all die Menschen um mich herum. Sie können nichts sehen. Sie wollen nichts sehen. Ich blute aus dem Mund. Auch einen Zahn hat er erwischt. Die Stahlhand hat sich durch meine Wangenhaut hindurchgebohrt und mir einen Zahn genommen. Ich breche zusammen. Der Schmerz lässt mich nicht mehr stehen. Die Beine, die deinen. Du musst sie vertreten. Und so trittst du auf mich ein. Auch deine Schuhe scheinen aus Stahl zu sein. Sie bohren sich in meinen Bauch hinein. In meinen Magen. Der letzte mögliche tiefe Atemzug wird genommen. Ich ringe um Luft. Aber es ist gut. Du lässt mein Gesicht in Ruhe. Auf meine Füße trittst du ein. Gegen mein Schienbein, gegen mein Knie. Selbst wenn ich wollte, ich könnte jetzt nicht mehr aufstehen. Und ich denke mir. Was gibt es dir. Was bringt dir das ganze. Und ich merke, dass du meine Gedanken lesen kannst. Du lächelst Und trittst mir ins Gesicht. Ein, zweimal. Und ich überlege. Ich weiß nicht, was es dir bringt. Aber ich liebe es.

Past To Present

Lass uns versuchen, die Helden von morgen zu sein. Wenn wir jetzt schon nicht die Helden sind, die wir immer sein wollten.

Wild umklammert hältst du dich an mir fest. Deine Träume stürzen zusammen. Die Schlösser, die du dir aufgebaut hast, sie sind nur mehr eine Ruine in deiner Fantasie. Wir sind nicht da, wo wir immer sein wollten. Nicht einmal annähernd sind wir da, wo wir hofften zu sein. Du hältst dich fest. Ich spüre deine Angst. Dein Zittern lässt selbst mich erbeben und ich beiße mir mit aller Kraft auf die Lippe um mit alledem fertig zu werden.

Wollten wir nicht immer die Typen sein, zu denen andere aufschauten. Helden einer Generation. Die Helden von heute. Aber nie schafften wir den Sprung vom C-Helden, zum B-Helden. Zum A-Helden. Immer blieben wir Helden dritter oder vierter Klasse. Jeder Versuch von uns misslang. Wir setzten uns unerreichbare Ziele. Kämpften uns durch unsere eigene Vorstellungskraft. Wir hätten es nie geschafft. Und doch wollten wir immer jene Helden nach unseren Maßstäben sein. Held zu sein war für uns immer ein Traum. Unerreichbar und doch erstrebenswert.

Und so stehen wir nun hier, deine Luftschlösser verändern ihre Gestalt. Zu Ruinen werden sie. Deine, unsere Vergangenheit, sie holt uns ein. Wir sind nicht die Helden, die wir immer sein wollten. Sind nicht die Menschen, die wir immer sein wollten. Sind dann doch nur zu einem Teil der riesigen Masse geworden. Haben das getan, was von uns erwartet wurde. Im positiven wie im negativen Sinne. Wir folgen Klischees und Vorurteilen, ließen uns von ihnen beeindrucken und begannen das Spiel von Kollusion. In unserer falschen Rolle gingen wir mehr und mehr auf. Wurden zu Antihelden. Glaubten die Größten zu sein. Und doch erlagen wir nur unserer eigenen Unmöglichkeit eigenständig zu handeln. Wir glaubten, uns könnte nichts zerstören. Uns könnte auch nichts auseinander bringen. Und dann sind es die Gedanken, die einen zurück in die Realität holen.

Sind es Gedanken, die uns auseinander reißen. Ich bin bereit, den Kampf aufzunehmen, um ein Held von morgen zu sein. Ich weiß, du bist es noch nicht. Du bist noch lange nicht bereit, mir zu folgen. Ich werde nicht auf dich warten. Nenne mich egoistisch. Nenne mich ein Arschloch in Bezug auf Freundschaft. Aber es ist einmal an der Zeit, an mich zu denken. Du ziehst mich nach unten. Ich verliere dne Halt, wenn du dich an mir festhältst. Und ich sehe mich eindeutig als Held von morgen. Der Zug mit dem Helden von heute ist schon längst abgefahren. Du wirst es nicht kapieren. Wirst es nicht schaffen, es rechtzeitig zu akzeptieren. Wir werden uns auseinander leben. Es wird gut so sein.

Irgendwann einmal wirst du mir vielleicht folgen. Und wir werden endlich die Helden von morgen sein. Wenn wir schon jetzt nicht die Helden sind, die wir immer sein wollten.

Von Hier An Blind

Schließe die Augen. Ich führe dich sanft.

Vergiss das Monster im Schrank. Und auch das unter deinem Bett. Schließe doch einfach nur die Augen und lasse dich führen. Ich führe dich fort. Weg von deinen Ängsten. Von allem, was dir Angst einjagt. Und wenn du dich einmal fürchtest. Keine Angst. Ich nehme dich in den Arm. Du kannst dich schützen. Ich gebe Acht auf dich. Aber schließe die Augen. Vertraue mir. Von hier an bist du blind. Folge mir. Ich bin immer da, wenn du einmal nicht weiter weißt. Und solltest du einmal Gefahr laufen, gegen eine Mauer zu rennen. Ich werde dich früh genug auf die richtige Route zurück bringen. Du fragst mich, wohin es geht? Warum fragst du das? Vertraue mir.

Ein Elefant Für Dich

Du verlierst alles, was du dir so lange erarbeitet hast. Vielleicht hast du zuviel Energie hinein gesteckt. Hast immer versucht, nichts scheinbar Falsches zu machen, um es nicht zu verlieren. Aber es ist doch nicht gut, wenn nur du arbeitest. Wenn nur du Energie in etwas hineinsteckst,  gibst du dich irgendwann für eine Sache auf, die dich fertigmacht. Die dir die Gedanken zur Selbstbestimmung nehmen. Du bist ein Teil der anderen. Um nicht aufzufallen, versuchst du so zu sein, wie sie es sind. Obwohl du es nicht willst. Es ist gut, dass du sie nun aufgibst. Selbst wenn sie es nicht verstehen. Du wirst in ein paar Tagen, ein paar Wochen dastehen ohne ihnen. Ganz alleine wirst du sein. Nichts wird mehr so sein, wie es vielleicht die letzten Jahre war. Es wird sich so viel ändern. Und wenn du alles verloren hast, dann komme zu mir. Denn ich habe etwas: einen Elefanten für dich.

Don’t Speak

Sprich nicht. Sag nichts. Sei leise.

Sprich Nicht Bleib einfach nur liegen. Du, in meinem Bett. Die ganze Nacht hast du auf meinem Arm geschlafen. Und kurz bevor er einschlief, wandertste auch du in das Land der Träume hinein. Jetzt ist er da, der nächste Morgen. Bleib noch ruhig liegen, sprich nicht. Genießen wir den Augenblick. Die Stille in uns. So einen Tag werden wir nie wieder erleben, schießt mir durch den Kopf. Das alles ist einzigartig. Und es scheint so irreal. Und deswegen sprich nicht. Das würde dem ganzen wieder einen so realen Touch verleihen. Sprich nicht. Bitte.

Sag Nichts. Du hast schon zuviel gesagt. Kein Mensch der Welt könnte das wiederherstellen, was du gerade mit deinen Worten zerstört hast. Es ist schon gut. Vielleicht hast du Recht. Aber sag bitte nichts. Es hat keinen Sinn. Du machst nur noch mehr kaputt. Mich inklusive. Ich weiß nicht, wie es dazu kam. Aber wenn ich dich jetzt hier sehe, wie du hier stehst, am liebsten würde ich dich. Ach vergessen wir das. Du hast mir also nicht mehr zu sagen. Dann sag bitte nichts. Kein einziges Wort soll deine Lippen verlassen. Sag nichts. Bitte.

Sei Leise. Ich kann es nicht mehr hören. Dieses Schreien. Ich kann sie nicht mehr hören. Diese Vorwürfe. Sei doch einfach nur leise. Es ist wieder an der Zeit, die Stille zu genießen. Die Stille zwischen uns. Hör doch bitte auf zu schreien. Und verliere doch keine Tränen wegen mir. Oder sind es nur Tränen wegen dir? Wie fühlst du dich jetzt? Beschissen? Ich verstehe dich. Mir geht es nichtviel besser. Lass uns sterben. Gemeinsam. Es hat keinen Sinn. Niemand kann mich mehr aufhalten. Es ist an der Zeit zu gehen. Was sagst du? Sei leise. Bitte.

 

Don’t speak
I know just what you’re saying
So please stop explaining
Don’t tell me cause it hurts

Our memories
Well, they can be inviting
But some are altogether
Mighty frightening

As we die, both you and I
With my head in my hands
I sit and cry

It’s all ending
I gotta stop pretending who we are…
You and me I can see us dying…are we?