Dear. Diary?

Erwachsen werden

Ein Gespräch. Irgendwann einmal das Lenken in Richtung Blog. Und Bloggen. Und meine Art zu Bloggen.

Ich habe wieder einmal deinen Blog gelesen. Und jedes Mal wenn ich ihn lese, habe ich irgendwie Schuldgefühle. Als würde ich ein Tagebuch lesen.

Womit du Recht hast. Es ist zu einer Art Tagebuch geworden. Man findet alles hier. Meine Gefühle, Gedanken, unausgesprochenen Worte und ausgedachten Geschichten. Ist es zu persönlich? Verrate ich zuviel aus meinem Leben?

Ich würde viel Privates nicht schreiben. Oder so schreiben, dass sich nur ganz wenige auskennen.

Wie soll ich auf Privates verzichten. Meintest du die Texte über Liebe? Die meine Gefühle einfach wiederspiegeln. Würde die Person, an die das „du“ gerichtet ist, das lesen, was würde dann passieren? Vielleicht würde dann alles schneller passieren. Es würde sich rasanter entscheiden, in welche Richtung es geht.

Ich weiß ehrlich nicht, wer jetzt nun meinen Blog liest. Ob nun viele Freunde dabei sind, wenn ich mein Leben virtuell wiedererlebe. Selbst SiteMeter, dieses Programm, was mir sagt, von wo die Leser kommen, sagt mir nicht, wer denn hier nun liest. Schreibe ich zuviel Privates? Schreibe ich zuviel.

Und so würde ich nun gerne wissen, was du von meinem Diary hältst. Es würde mich freuen, wenn du mir einige Antworten beantworten könntest.

  1. Ist mein Blog zu persönlich?
  2. Verrate ich zuviel aus meinem Leben?
  3. Lebt es sich besser als anonymer Schreiber?
  4. Schreibe ich zuviel Privates, zu vieles, was eigentlich ungeschrieben bleiben soll?
  5. Was würdest du sonst gerne hier lesen?
  6. Welche Kategorie gefällt dir am besten?
  7. Und was fehlt hier in diesem Blog?

Ich sage schon mal danke im Vorraus und hoffe auf sehr viele hilfreiche Antworten.

Selbstgespräch. Und So.

Wirf du mir doch keine misanthropischen Blicke zu. Lass mich allein. Mit all der Melancholie in meinen Augen.

Der Computer ist eingeschaltet. Ich tippe für die Zeitung. Ich tippe für die Blogs. Und alles was passiert, ist die schnelle Aneinanderreihung verschiedener Buchstaben. Der Kaffee ist schon wieder leer und in die Teeküche zu gehen kommt für mich gerade auch nicht in Frage.

Sieh mich nicht so an. Ich kann doch auch nichts dafür. Ich bin doch auch nur ein Typ, so wie du. Wir sind ziemlich ebenbürtig. Doch dein Blick zeigt puren Hass. Meiner hinterlässt eine Spur der Melancholie. Mit wem spreche ich überhaupt. Ach, ich spiegel mich im Bildschirm. Schön und gut. Dr. Jekyll und Mr. Hyde, wie? Du lachst. Findest das wohl auch nur lustig.

Deine Finger krümmen sich unter der Last deiner imaginären Zigarette. Den Gesicht sieht aufgeschwollen aus, ganz träge, deine Mundwinkel hängen herab. So lach doch ein kleines bisschen. So wie ich. Sieh mal. Ach. Okay. Bei mir funktioniert das auch nicht immer. Vor allem nicht auf Befehl.

Du siehst müde aus. Ach, das Wetter gefällt dir auch nicht und schlägt sich auf dein Gemüt. Kann sein. Vielleicht hat dieses Wetter so eine Wirkung. Aber ich denke mir, was soll ich schon machen. Kann ja sowieso nichts ändern. Du siehst auf die Uhr. Ach, ist es jetzt schon so spät. Ich sollte mich zusammenpacken. Und du, bleibst du hier? Hältst du Wache, bis ich morgen wiederkomme?

Ich sollte aufhören, mit dir zu reden. Du gibst mir ja sowieso keine Antwort. Nichts. Wirklich nichts. Du zwinkerst nicht mal mit den Augen. Also los. Leg dich schlafen und hasse die Welt. Schließe die Augen, und hasse die Menschheit. Hau dir eine Kugel in den Kopf und hasse dich selbst. Ich bin viel zu selbstverliebt, um dass zu tun. Und gerade meine Selbstverliebtheit lässt mich auch Selbstmitleid produzieren. Und davon nähre ich mich.

Du, ich bin dann weg. Ich schalte den Bildschirm jetzt aus. Auf Wiedersehen. Oder besser nicht. Ähm. Tja. Übrigens. Ich mag dich nicht.

Kalender

Als ich wieder aufwache, befinde ich mich in der Umkleidekabine einer Damenboutique für Unterwäsche. Gott sei Dank habe ich weder einen BH noch einen String an. Es fehlt mir an Zusammenhang. Wie war ich hierher gekommen. Wo war meine Tasche. Mit all den wichtigen Inhalten. Meinem Kalender, mit all diesen Notizen. Mein Notizblock, mit all den Zeichnungen. Mein Malblock, mit all den Zahlen darauf. Hier in dieser Umkleidekabine war die Tasche schon mal sicher nicht. Nach kurzen Blicken durch den rosafarbenen Vorhang verlasse ich die Kabine. Nimm den einzigen BH hier mit, ging zur Kasse, flüsterte nur schnell etwas wie „Ne, der passt nicht.“ und verlasse anschließend das Geschäft.

Wo war ich. Das war nicht die Einkaufsstraße, von der ich mich erdrücken lassen wollte. Ich war am anderen Ende der Stadt. Wie war ich hierher gekommen. Wo war verdammt nochmal meine Tasche. Und wie spät ist es eigentlich. Es dämmerte schon. Ich bin verloren in meiner eigenen Existenz. Ein Spielball meiner Selbst geworden. Ein Lexikon ohne Antworten. Und ohne meiner Tasche, bin ich ein Nichts.

Wasser

Ich klopfe auf ihr herum, aber nichts geschieht. Halte mir die Uhr an meine leicht lädierten Ohren und versuche ein Ticken zu vernehmen. Sie ist funktionstüchtig. Ich habe mich also verspätet. Ich habe den Anfang der Vorlesung versäumt. Schon wieder. Ich renne die Rolletreppe hinauf, und nachdem ich unten angelangt bin, bombadiert mich die auf Reizüberflutung ausgerichtete Einkaufsstraße. Ich drehe mich um, gehe in das Gelehrtenviertel. Alte, schön restaurierte Gebäude. Kaum zu glauben, dass hier hunderte oder gar tausende junge Menschen ein drittes Zuhause finden. Seltsam offenherzig bewege ich mich automatisiertem Schrittes auf diese eine große Tür zu. Drücke mit überhasteter Kraft die Klinke hinunter. Doch sie ist abgeschlossen. Ich blicke auf den Aushang neben der Tür. Heute. Ähm. Heute … keine Vorlesung.

Ich attackiere mich selbst mit Vorwürfen, während ich mich frage, wie ich hier her gekommen bin. Haste mit langsamen Schritt zurück in die Einkaufsstraße. Und lasse mich überfluten.

Regen

Blitze donnern vor meinem Gesicht. Langsam, mit etwas Zögern betrat ich die menschenleere, überfüllte Einkaufsstraße. Niemand sah mich an, und doch durchbohrten mich ihre Blicke mehr und mehr. Ich suchte Schutz an einem Kiosk. Schnappte mir die erstbeste Zeitung. Warf einen Euro hin und ging wieder. Ich ging die Treppe hinab, hinunter zur U-Bahn und sah schon, dass meine Zug im Begriff war, die Türen zu schließen. Ich überflog all die Menschen, quetschte mich an ihnen vorbei und schaffte es überraschenderweise noch, rechtzeitig einzusteigen. Sieben. Sieben Stationen muss ich fahren. Ich zähle mit.

Eins.
Zwei.
Drei.
Vi…

Die Pistole. Geladen. Er zielt und …

Ähm. Wo war ich. Glück gehabt.

Sechs.
Sieben.

Die U-Bahn war überfüllt. Ich dränge mich durch die leeren Gänge bis zum Ausgang und frage mich, wie spät es wohl sei. Es war zehn nach neun.

Blogged with Flock

Fenster

Mit meinen beiden Händen stütze ich mich auf der Fensterbank ab. Ich habe erst um 9 Uhr eine Vorlesung. Was soll ich jetzt noch machen, diese drei Stunden lange. Und so fülle ich mir eine weitere Tasse Kaffee ein, nehme mir ein Buch. Elementarteilchen von Michel Houellebecq. Setze mich auf meinen kleinen Tisch mit den zwei Stühlen, der in der Küche steht. Und beginne zu lesen. Nach wenigen Minuten und zwei oder drei Seiten dieses Buches merke ich, dass meine Aufmerksamkeit nachlässt. Und schon bin ich eingeschlafen.

Er stülpte sich die Sturmmaske über seinen Kopf. Nur seine blau-grünen Augen kann man noch erblicken. Der Rest seines Körpers ist komplett schwarz bedeckt. Er befindet sich in einer unheimlichen Dunkelheit. Plötzlich zieht er die Pistole, die sich noch bis vor kurzem in ihrem Halfter befand.

Ich schrecke hoch. Als mein Kopf immer schwerer wurde und ich ihn nicht mehr senkrecht halten konnte, fiel er mir auf den Tisch. Und dabei stieß ich die Tasse Kaffee um, welche dann langsam aber fast brühend heiß über die Hand ronn. Schnell schnappte ich mir eine Küchenrolle, und versuchte den Kaffee wieder aus dem Buch zu verschwinden lassen. Was für ein guter Morgen. Heute geht doch wirklich alles gut. Ich begann, die Stunden, die Minuten, die Sekunden zu zählen. Ich hielt es kaum mehr aus in meiner Wohnung.

Blogged with Flock

Lavendel

Er atmete tief ein. Der letzte Zug seines kurzen Lebens sollte es sein. Als er das letzte Mal nach Luft schnappte, spürte er den Duft von Lavendel in seinen Nasen. Dies sollte also der letzte Geruch sein, der letzte Geruch von Hunderttausenden insgesamt. Er beginnt zu fallen. Kann sich nicht mehr halten. Es wirkt wie ein unendlich langer Fall. Die Dunkelheit schließt ihn immer weiter ein. Bis er zu existieren aufhört. Bis er sich seiner Umgebung angepasst hat. Er zum Nichts wurde.

Ich wache auf. Ich hatte also geschlafen. Mit angespannter Miene, und wenigen Tropfen Schweiß auf meiner Stirn, richte ich mich auf. Wie verknotet bin ich dagelegen, habe die Bettdecke vom Bett geworfen. Es ist … der Wecker sagt, es ist 3 Uhr. Drei Uhr also. Schon wieder eine Nacht, in der ich nicht durchschlafen konnte. Schon wieder ein Traum, den ich nicht verstehen kann. Den ich viel zu schnell vergesse, welcher aber viel zu lange in meiner Erinnerung bleibt. Ich drehe das Licht auf, schalte den Radio ein, lasse ihn laufen. Wann kann ich endlich wieder durchschlafen. Am Tag bin ich seit kurzem stets sehr gereizt. Lasse keine Kritik zu, verliere mich in Tagträumen und manchmal höre ich auf, mich zu spüren. Ich scheine einfach nicht mehr zu existieren, scheine zu verschwinden. Natürlich alles nur Einbildung, ich weiß das. Aber etwas Angst bekomme ich da schon. Mir den Kopfpolster richtend, den Kopf drauflegend und die Augen schließend schlafe ich wieder ein.

Blogged with Flock

A Friend. Of Mine.

Sie werden mir für ewig in meiner Erinnerung bleiben. Die Tage, als alles noch sorglos war, und wir doch voller Probleme steckten.

Als wir die Liebe erzwingen wollten, und das Leben um uns erst so richtig begann. Als wir nächtelang die Sterne beobachteten, über unsere Zukunft philosophierten, mit Decken zugedeckt, von Vertrauen und Freundschaft gewärmt. Es waren Sommer, wie es sie nur wenige gab. Knapp vier Jahre ist es her, als wir uns jeden Tag trafen, auf diesem Spielplatz. Über uns redeten, und das Leben passieren ließen. Uns Sorgen machten, um Dinge, die jetzt schon längst vergangen sind. Das sind sie, die Erinnerungen, die nie mehr gehen wollen. Und Erinnerungen, die ich nicht gehen lassen will. Sie sollen bei mir, in mir bleiben.

Auch einen Sommer danach trafen wir uns noch manches Mal in dieser Schaukel, auf diesen Spielplatz. Erkannten unsere heranwachsende Reife. Erkannten unsere trotzige Phase. Und lebten mit vollkommenem Unwissen um unsere Zukunft freudig weiter. Wir waren, zumindest für diese paar Stunden in dieser Schaukel eine Einheit, wie es die Welt nur selten gesehen hat. Wir waren nichts mehr als zwei Mädchen und ein Junge. Auf der Suche nach der Liebe. Und auf der Suche nach dem Leben. Mit all seinen Problemen und Ängsten.

Für mich schien jedoch dieser Sommer zu einem Trip der erzwungenen, gewollten Einsamkeit zu verkommen. Ich dachte nicht daran, so bald wieder in diese Schaukel, auf diesen Spielplatz zurückzukehren. Aber jetzt, um kurz vor drei Uhr bin ich nach Hause zurückgekehrt. Von eben diesem Spielplatz. Es war wieder einer dieser Momente, die ich unter keinen Umständen missen möchte. Eine Erfahrung, die mein Leben noch längere Zeit bestimmen wird, da bin ich mir sicher. Wir haben geredet. Ich mit dir über meine Freunde, meine Gedanken der letzten Wochen. Wir gemeinsam sprachen über die Liebe. Über das Leben nach unserer großen Prüfung. Nach dem Ende unserer Schulära. Seit sechs Jahren kennen wir uns schon. Und gerade die Freundschaft zu dir, darf an diesem größeren Abstand, an der Veränderung nicht in die Brüche gehen.

Wir müssen uns noch öfter treffen. In dieser Schaukel. Auf diesem Spielplatz. Und selbst wenn wir sehen, dass wir mehr und mehr dieser riesigen Schaukel entwachsen, fühlen wir uns doch unter diesem erdrückend großen Sternenhimmel wie die Kinder, die wir vor vier Jahren waren. Ich danke dir für diese Erfahrungen, für die Gespräche, für dein Vertrauen. Für die Decke und für das Erlebnis an sich. Aber lass uns eines versprechen. Wir verlieren uns bitteschön nicht so schnell aus den Augen.

Satisfaction

Ich spüre den Windstoß, den deine große Faust durch deine Bewegung zu mir hochschlägt. Sie kommt immer näher, und mir ist bewusst, dass es jetzt keinen Ausweg gibt. Langsam, mit einer derartigen Schnelligkeit, trifft sie mich auf der rechten Unterseite meines Kinns. Deine Finger fühlen sich kalt wie Stahl an. Und auch so hart. Ich taumle zurück. Noch ein weiteres Mal holst du aus. Ich spüre es schon wieder. Ich spüre deine Bewegungen. Ein noch einmal triffst du mich auf dieselbe Stelle. Der Knochen, das Kiefer scheint einen Bruch davon getragen zu haben. Der Schmerz lässt mich nicht mehr schreien. Nicht einmal flüstern könnte ich. Mein Gesicht zeigt einzig und allein das blanke Entsetzen in Form eines Lächelns. Um nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen, nimmst du nun deine stärkere Hand, die rechte, und versetzt mir dabei einen weiteren Schlag. Während deine Haut die meine berührt, lösen sich all die Fasern, die die meine zusammengehalten haben. Sie platzt auf, auf deiner Hand sammelt sich Blut. Mein Blut. Aus meinem Gesicht. Ich streiche mir mit meiner Hand über die offene Wunde. Der zerborstene Knochen auf der anderen Seite meines Gesichts schmerzt noch viel mehr. Aber ich kann immer noch nichts sagen. Und all die Menschen um mich herum. Sie können nichts sehen. Sie wollen nichts sehen. Ich blute aus dem Mund. Auch einen Zahn hat er erwischt. Die Stahlhand hat sich durch meine Wangenhaut hindurchgebohrt und mir einen Zahn genommen. Ich breche zusammen. Der Schmerz lässt mich nicht mehr stehen. Die Beine, die deinen. Du musst sie vertreten. Und so trittst du auf mich ein. Auch deine Schuhe scheinen aus Stahl zu sein. Sie bohren sich in meinen Bauch hinein. In meinen Magen. Der letzte mögliche tiefe Atemzug wird genommen. Ich ringe um Luft. Aber es ist gut. Du lässt mein Gesicht in Ruhe. Auf meine Füße trittst du ein. Gegen mein Schienbein, gegen mein Knie. Selbst wenn ich wollte, ich könnte jetzt nicht mehr aufstehen. Und ich denke mir. Was gibt es dir. Was bringt dir das ganze. Und ich merke, dass du meine Gedanken lesen kannst. Du lächelst Und trittst mir ins Gesicht. Ein, zweimal. Und ich überlege. Ich weiß nicht, was es dir bringt. Aber ich liebe es.