Das Leben. Eben. Und Trotzdem.

Wenn das Leben einem ein Schnippchen schlägt, dann ist das Leben normalerweise nicht zimperlich. Es kommt da einfach mal so daher und zieht einen den Teppich unter den Füßen weg. Wenn man hinfällt, und sich dabei wehtut, dann lacht das Leben nicht über einen. Aber es hilft einem auch nicht auf. Es geht dann einfach weiter. Das Leben eben.

Ich weiß nicht ob ich gestürzt bin. Weiß nicht ob ich gefallen bin. Und wenn ja, wie tief. Vielleicht fliege ich ja auch gerade. Wenn das Leben mal einen guten Tag hat. Ich weiß ja nicht mal, wie es mir gerade geht. Ich bin gefühlsfrei, und doch voller Gedanken. Ich bin gedankenlos, und doch überkommt mich eine Welle aus Gefühlen. Ich liege hier in meinem Bett, wenig kuschlig, da sich die Bettdecke unter mir befindet, und nur der überhitzte Lüfter meines Notebook mir Wärme schenkt. Höre bescheuerte Hip Hop – Musik aus dem Radiosender, den ich eigentlich stets in höchsten Tönen lobe … fm4. Und so langsam frage ich mich, wie alt ich eigentlich bin.

Habe ich mich etwa endlich (endlich?) wieder einmal in jemanden verkuckt. Den ich ja eigentlich nur von meiner Mittagspause kenne? Ist das nicht krank. Oder nicht meinem Alter entsprechend. Glaubte ich vor kurzem noch an meine Reife, an die Weiterentwicklung des Projektes Dominik. Und dann so etwas. Bin ich dreizehn Jahre alt und habe ich erst heute entdeckt, dass Mädchen nicht nur blöd sind. Es ist ein komisches Gefühl. Mein erster und einziger Weg in diesem Geschäft ist der Gang zur Wursttheke. Das ist doch krank. Findet ihr nicht. Bin ich dazu nicht schon zu alt. Die Einen verlieben sich in ihre Lehrerin, die andere in ein Mädchen, welches sie von der Disco kennen. Und ich verkucke mich in meine Wurstfachverkäuferin.

Irgendwie hasse ich aber mein Leben auch. Viel zu viel Routine hat sich in mein langweiliges Leben eingeschlichen. Ich bin der, der um 5:15 Uhr aufsteht. Um 7:20 Uhr in den Zug einsteigt. Um 15:30 Uhr nach Hause fährt. Und um 17:00 zu Mittag isst. Um sich dann durch den restlichen Tag vor lauter Müdigkeit zu kämpfen. Jeden Tag das Gleiche. Das Wochenende ist manchmal etwas anders. Und auch während der Woche gibt es dezente Ausnahmen. Aber doch beginnt nach einer Nacht voll wenig Schlaf der Tag mit dem Aufstehen. Flexibilität und Spontanität lassen grüßen. Immer das Gleiche. Wie während der Schule. Und ich dachte schon, diese Zeit wäre vorbei.

Und so geselle ich mich zum Sandmändchen, welches ja nun schon seit fast vier Stunden schläft. Morgen werde ich mich vormittag wahrscheinlich nicht so oft melden, ich werde wahrscheinlich unterwegs sein. Es ist beruhigend, wie aufheiternd selbst eine Autofahrt in den Nachbarort sein kann. Wenn der normale Zivildienst eine Linie auf der 0-Achse ist, dann ist morgen eine kleine Erhebung auf 0,83 zu erwarten. Irgendwie schrecklich. Ich lasse euch nun alleine mit meinen Gedanken. Werde mich für morgen, den kurzen Tag in dieser Woche, mal wieder zu wenig ausschlafen. Um dann in Kaffee ertrinken zu wollen. So wie Obelix im Zaubertrank.

Gebloggt mit Flock

 700. Eintrag

Ein Lächeln. Viele Blicke.

Single-Leben

Ein Lächeln. Gibt es das denn wirklich. Das man den ganzen Tag an ein Lächeln dieses einen Mädchen denkt. Deren sanfte Gesichtzüge jedes Wort förmlich hervorhauchen. Deren Augen sich tief in die meinen Bohren. Deren Hand ich bis jetzt einmal berührte, als sie mir etwas überreichte. Gibt es das denn wirklich. Oder ist das alles nur Einbildung. Ihr Schönheit, ihre Grazie, ihr Lächeln definitiv nicht. Aber es wird wohl nie so weit kommen, dass ich mehr mit ihr sprechen werde. So ca. „Und was machst du das Wochenende?“. „Ähm, wie heißt du?“ oder „Wie gehts dir?“. Wann sollte es denn dazu kommen. Wie sollte ich denn so viele Worte auf einmal aus meinem Lippen hervorpressen. Ist doch alles nur … ein Traum. Eine Aufheiterung eines zur Routine verkommenen Alltages.

Viele Blicke. Es passiert mir immer öfter, dass ich irgendwo sitze, und eine begehrenswürdige Frau sitzt mir gegenüber. Und während ich immer nur ganz spärlich zu ihr blicke, heftet ihr Blick auf mir. Unabwendbar. Für jeden anderen Menschen wäre so viel Augenkontakt, selbst nachdem ich es bemerkt hatte, unangenehm. Extreme Situation damals in der Bank. Und jetzt fast jeden Tag im Zug. Heute auch wieder. Hat irgendetwas Verruchtes, Interessantes. Ich weiß nicht.

Gebloggt mit Flock

Kalender

Als ich wieder aufwache, befinde ich mich in der Umkleidekabine einer Damenboutique für Unterwäsche. Gott sei Dank habe ich weder einen BH noch einen String an. Es fehlt mir an Zusammenhang. Wie war ich hierher gekommen. Wo war meine Tasche. Mit all den wichtigen Inhalten. Meinem Kalender, mit all diesen Notizen. Mein Notizblock, mit all den Zeichnungen. Mein Malblock, mit all den Zahlen darauf. Hier in dieser Umkleidekabine war die Tasche schon mal sicher nicht. Nach kurzen Blicken durch den rosafarbenen Vorhang verlasse ich die Kabine. Nimm den einzigen BH hier mit, ging zur Kasse, flüsterte nur schnell etwas wie „Ne, der passt nicht.“ und verlasse anschließend das Geschäft.

Wo war ich. Das war nicht die Einkaufsstraße, von der ich mich erdrücken lassen wollte. Ich war am anderen Ende der Stadt. Wie war ich hierher gekommen. Wo war verdammt nochmal meine Tasche. Und wie spät ist es eigentlich. Es dämmerte schon. Ich bin verloren in meiner eigenen Existenz. Ein Spielball meiner Selbst geworden. Ein Lexikon ohne Antworten. Und ohne meiner Tasche, bin ich ein Nichts.

Bis Ans Ende Der Welt. Und Zurück.

Single-Leben

Man wundert sich schon, wie viel sich in einem Jahr verändern kann. Es ist kaum zu glauben, wie viel ich gewachsen bin. Nicht von den Zentimetern her, aber von mir selbst. Mein innerstes Ich ist nun meinem äußeren Auftreten einige Jahre voraus. Wie ich darauf komme. Weil ich heute aufgewacht bin, am Wecker dieses Datum gesehen habe, und irgendwie immer nur an diesen einen Tag letztes Jahr denken kann. Weil es damals einfach viel zu schön war. Und ich heute nicht einmal eine Frau in Aussicht habe. In die ich mich verkuckt habe. Nein. Es ist gar nichts. Es gibt nur meine Liebe, die ich gerne herschenken möchte. Und die Gewissheit, dass es lange dauern wird, bis ich wieder einmal so lieben kann. Zu stark bin ich gegen diese eine Mauer gelaufen. Zu sehr habe ich mich verletzt. Zu sehr wurde ich verletzt.

Werde ich jetzt also immer diese Zweifel haben? Werde ich mich also immer fragen, ob sie mich denn überhaupt noch liebt, wenn ich neben ihr einschlafe, und neben ihr aufwache. Würde ich jetzt also jeder Frau in die Augen blicken, und mir denken, dass selbst die Augen nicht die ganze Wahrheit sagen. Wäre ich also durch diese Geschehnisse ab dem 15. August 2006 geschädigt? So großartig, wie diese Tage trotzdem waren, kann ich mir das nicht vorstellen.

Eines fällt mir auf. Um in eine Beziehung oder etwas Beziehungsähnliches zu stürzen, gibt es vorher immer ganz viele Gespräche. Einfach weil man sich schon so lange kennt, weil man fast täglich im ICQ schreibt oder weil eben gerade eine Kapelle da ist. Diese Gespräche sind wunderbar. Dadurch lernt man sich erst so richtig kennen. Sie offenbaren so viel. Aber etwas beunruhigt mich. Wann habe ich das letzte Mal solche Gespräche geführt? Zurzeit spreche ich vor allem mit meinen Ex-Freundinnen und jetzt besten Freundinnen über meine Gedanken, über die Vergangenheit und natürlich über die Zukunft. Es gibt keine Mädchen, in das ich verliebt bin.

Vielleicht denkt ihr euch jetzt, ist ja ganz okay. Aber nein. Das ist untypisch für mich. Seit ich mich für Frauen interessiert gezeigt habe (also nach der Zeit der sexuellen Orientierung) war ich stets verliebt. In eine Frau (damals noch ein Mädchen) 2 1/2 Jahre, und dann immer solange, bis ich enttäuscht aufgeben musste. Immer war ich verliebt. Und selbst wenn ich mir sagte, diesmal nicht. Diesmal verliebe ich mich nicht in die Erstbeste. Ich hatte schon wieder jemanden im Hinterkopf. Der dort saß und sich in meinem Kopf breitmachte. Deswegen beunruhigt mich diese Zeit gerade.

Ich würde meine Freundin auf den Händen tragen. Bis ans Ende der Welt. Und zurück. Ich würde, so gut es geht, jeden Wunsch von den Augen ablesen. Würde alles tun. Würde kilometerweit fahren, nur um sie zu sehen. Selbst wenn es schon dunkel ist, und es nur um 15 Minuten geht. Das könnte ich mir, denke ich, von meinen Exfreundinnen bestätigen.

Ich frage mich wirklich, wann ich mal wieder komplett verliebt hier ankomme, und irgendetwas vermelde. Ich weiß nicht. Es fehlt mir. 

Gebloggt mit Flock

Es War Einmal. Vor Einem Jahr.

Gestern ist es mir wieder eingefallen. Ich hätte es fast vergessen. Obwohl ich dachte, ich würde es nie. Heute vor einem Jahr, vor genau 365 Tagen geschah etwas, was meinem Leben irgendwie einen neuen Anstoß verleihen sollte. Die alten Blogeinträge geben mir heute nur bedingt Aufschluss, über die Gefühle, die ich damals hatte. Über die Gedanken, die meinen Kopf schmückten. Über die Verliebtheit, die voller Zweifel und Angst war. Bis eben zu diesem Tag im Jahre 2006.

Es war ein Dienstag. Am Vormittag noch mit meiner Mutter einkaufen, habe ich mir für Nachmittags nichts vorgenommen. Ein Treffen war vereinbart. Mit einer jungen Frau. Ich nahm eine Decke mit, und meine alltäglichen Sachen (meine Umhängetasche mit vollem Inhalt). Und irgendwann kam auch sie. Zum See. Irgendwann bewegten wir uns vom See weg, setzten uns auf eine Brücke. Erlebten unseren ersten gemeinsamen Kuss. Jetzt im Nachhinein können wir wohl beide nur mehr lachen, wie hilflos wir uns damals angestellt haben. Den ganzen See abgegangen, Initialien in einen Baum geritzt, uns an den verschiedensten Plätzen geküsst. Ganz klischeehaft in ein Cafè gegangen und eine „Heiße Liebe“ gegessen. Uns für die nächsten Tage verabredet. Es waren wunderschöne Stunden. Unglaubliche Stunden.

Scheinbar haben wir im Oktober die ersten Differenzen gehabt. Ende Februar zerbrach es. Zwei Wochen oder so später trafen wir uns wieder. Und alles schien wieder perfekt zu sein. Zwei Monate darauf musste ich den Schlussstrich ziehen. Das Ende war also da. Und nach einem Gefühlsflashback kam ich irgendwann über dich hinweg. So wie man eben über dich hinwegkommen kann. Jetzt sind wir Freunde. Gute Freunde. Hätten wir uns das gedacht, wenn wir am 15. August 2006 darüber nachgedacht hätten. Hätten wir nur ansatzweise den Verlauf der Dinge vorhersehen können? Wohl kaum. Schön war es.

Dies. Jens.

Die einzigen Überschneidung zwischen dem Dies- und dem Jenseits ist die Seele. Das habe ich mir heute im Bus gedacht. Im Diesseits ist sie eingepackt. In einen Körper. Der eine schöner, der andere nicht. Um Jenseits hingegen bleibt eben nur mehr diese Seele übrig. Und alle Verletzungen, die diese Seele ertragen musste, fast unheilbare Verletzungen, Verletzungen, die einen vielleicht sogar ins Jenseits getrieben haben, sind weg. So etwas denkt eben ein typischer Neunzehnjähriger auf der Heimreise von seinem Zivildienstjob.

Es ist ruhig. Erschreckend ruhig. Hier im Wohnzimmer. In diesem Zimmer, welches früher immer das Zentrum unseres Hauses war. Hier war immer etwas los. Hier wurde Lego gebaut, hier wurde televisioniert. Nachdem wir Kinder aufstanden gingen wir als erstes ins Wohnzimmer. Ich hingegen sitze hier jetzt ganz alleine. Meine Eltern sind schon wieder unterwegs. Nein, das soll jetzt in keinster Weise so rüberkommen, als wolle ich meine Eltern verbieten, außer Haus zu gehen. Aber dies ist wieder einmal ein Abend, an dem ich zuhause wäre. Ein Abend, an dem ich bis spät in die Nacht hier sitzen könnte, im Wohnzimmer. Ein Abend, an dem meine Mutter und ich hätten sprechen können. Über Gott und die Welt. Wie ich es eben an meiner Mutter so liebe. Aber sie sind nicht da. Und ich philosophiere über das Diesseits. Und höre „How To Disappear Completely“ von Radiohead. Manchmal würde ich mir das auch wünschen. Einfach zu verschwinden. Aber es wird einem nie so einfach gemacht. Immer wenn man glaubt, alles wäre perfekt, kommt von irgendwo eine Faust und schlägt einem mit voller Wucht auf die Nase. Man kann da noch froh sein, dass man nicht zu bluten anfängt.

Und diese Faust scheint mich heute Abend wieder getroffen zu haben. War ich gestern Abend und heute Vormittag noch gut gelaunt, durch das Treffen mit Elisabeth. So sitze ich jetzt hier und fühle mich wieder einmal einsam. Nein, es ist nicht, weil ich alleine zuhause bin. Ich war schon oft alleine zuhause. Aber seit kurzem gesellt sich immer wieder dieses Gefühl von Einsamkeit. Und ich hasse dieses Gefühl. Ein Gefühl, gegen das ich nie ankämpfen werde können. Nur irgendwann einmal zieht sich die Faust zurück und es wird wieder gut. Wenn auch vielleicht nur für kurze Zeit.

Die Gespräche gestern haben mich wieder nachdenken lassen. All die Erinnerungen, all das Wieder-In-Erinnerung-Holen von Gefühlen. Es ist schon ein geniales Gefühl, wenn man verliebt ist. Selbst die Zweifel an der Gegenseitigkeit sind schon cool. So etwas wünsche ich mir wieder. So etwas Schönes. Wünsche mir … ach. Verdammt. Wieso wünsche ich mir das. Wieso. Es hat doch keinen Sinn.

Gebloggt mit Flock

Playground. Love.

Single-Leben

Wir gingen nie auf einen. In unserer näheren Umgebung gab es solch eine Einrichtung einfach gar nicht. Aber da wir einen großen Garten hatten, hatten wir auch eine Rutsche und eine Schaukel. Mein Spielplatz. Wie viele Erinnerungen hängen daran. Als ich eine kleine Holzschatulle im Sandkasten vergrub und sie zwei Jahre später wieder, rein zufällig fand. Als ich mitsamt der Rutsche umfiel. Und ich von viel zu weit oben von der Schaukel absprung. Ich erinnere mich auch auf den Holzstoß, der jahrelang bei uns in der Wiese lag. Auf den wir kletterten, so wie auf die vielen Haselnusssträuche. Erinnere mich an den Bach, der neben unserem Haus vorbeifloss, in welchem ich fast zwei Mal im Krabbelalter hineingekrabbelt wäre. Erinnere mich, wie ich hinter dem Haus Sandspielen sollte, plötzlich verschwand, und meine Mutter mich einige viele bange Minuten später in unserem Auto auf der Rückbank schlafend fand, mit dem Radio an. Erinnere mich an den Basketballkorb, wo ich jeden Tag mehrere Bälle versenkte. Erinnere mich an die kleinen aufblasbaren Swimmingpools, denen meist nach dem ersten Kontakt mit einer unserer Katzen oder dem Nachbarshund, die Luft ausging. Meine Kindheitserinnerungen. Mein so called Spielplatz. Mein Playground. Meine Möglichkeit mich zu entfalten. Meine Möglichkeit auf die Nase zu fallen. Ein volles Tagebuch aus bunten Bildern. Hier in meinem Kopf. Ich könnte kein Buch darüber schreiben, denn ich wüsste nicht, was zuerst war. Wann ich was erlebt habe. Hab für diese Zeit eigentlich sowieso kein Zeitempfinden. Erst seit drei Jahren kann ich auf den Tag genau sagen, was ich wann gemacht habe. Ab dem zehnten Lebensjahr kann ich mich ungefähr an den Klassen orientieren. Aber alles vorher. Ich weiß nicht, wann was war. Es ist egal. In meinem Playground Life ist alles egal. Was zählte, war ich. Und die Nachbarskinder, die oft hier waren. Und meine Schwester. Als wir alle noch so klein waren, die Welt so groß, und unser Garten das Zentrum des Universums.

Seit ich meine Naturverbundenheit verloren habe, seit ich Schlangen nicht mehr sanft in die Hand nehmen kann, seit ich nicht mehr jeden Herbst die Haselnüsse sammle, seit ich nicht mehr jede freie Minute an der frischen Luft verbringe, fehlt es mir. Es fehlt mir diese Passion. Wo ich diese Leidenschaft wiederfand. In der Liebe. Ja, man könnte fast sagen: als mir die Natur egal wurde, wurden die Sexualität für mich interessant. Mit dem ersten Samenerguss konnte in unserem Garten sprießen und wachsen was wollte. Es war mir egal. Von dieser Zeit weg habe ich nur ganz wenige Erinnerungen. Ich weiß immer nur, wen ich wann meine Liebe schenken wollte. In wen ich verliebt war. Wann ich unglücklich war. Warum ich unglücklich war. Der Rest ist nur eine Schrift mit durchsichtiger Tinte. Nur sehr schwer lesbar. Und nun habe ich statt der Erinnerungen vom Spielplatz. Statt den Erinnerungen vom Playground Life schwimme ich nun in den Erinnerungen des Playground Love. Es sind schöne Erinnerungen. Wunderschöne. Aber irgendwann bin ich mal von der Rutsche, oder von der Schaukel gefallen. Oder auch in den Bach. Und da liege ich nun. Ich brauche neue Erinnerungen. Neue Momente, die sich in mein Gedächtnis einprägen. Einfach mal etwas Neues.

Gebloggt mit Flock

Vom Leben Gelernt: Freunde Bleiben. Unbekannte Werden.

Geschlechterrollen

Wenn man in die Tagebücher der Welt blicken könnte, die Tagebücher jener pubertierenden, pickeligen Menschenverachter, die vor lauter Gefühlschaos und pingeligen Hormonhaushalt auf ihre Umwelt vergessen. Wenn man in diesen Tagebüchern lesen könnte, dann würde man wohl oft den Satz „Und dann sagte er // sie: „Aber hey. Lass uns Freunde bleiben“. Wetten? Warum ich das so genau weiß. Weil es in meinen Tagebüchern gestanden hätte, hätte ich nicht versucht, wie immer über meinen Gefühlen zu stehen um meine seelische Gebrochenheit publik zu machen. Warum ich jetzt von mir auf alle Jugendlichen schließe? Warum denn nicht. Und … weil es eben so ist.

Wisst ihr. Solche Sätze können einen soweit bringen, dass man einen ehrlichen Versuch startet, sich selbst zu hassen. Wenn ein Mädchen einem ins Gesicht sagt: Du bist für mich nur ein guter Freund. Oder Du bist wie ein Teddybär, einfach zum Knuddeln. Dann fragt man sich, warum man für alle nur der gute Freund ist. Für alle nur diese knopfäugige Teddy. Warum ist man für niemanden mehr. Warum empfindet ihr immer nur diese einen Gefühle? Warum empfinde ich immer so viel mehr. Fragen, die Philosophen und Schriftsteller beschäftigen. Ich versuche nie, mir eine Antwort zu suchen. Würde sie meiner Überzeugung widersprechen, würde ich sie erst gar nicht nah genug an mein Herz lassen.

Für mich war eine gute Freundschaft immer der Grund, mehr zu empfinden. Oder sagen wir … der Auslöser. Viele gute Freundinnen wissen gar nicht, dass ich einmal für kurze (und manchmal auch längere) Zeit in sie verknallt war. Ich werde es ihnen wohl auch nie sagen. Frühestens, wenn wir alle über 40 sind und uns zum Golf spielen und Brunchen treffen. Dann frühestens. Aber es ist einfach so verdammt schwer, neben einer Person zu sitzen, und zu wissen, dass man nur alleine diese Gefühle hat. Wenn man rein freundschaftlich seinen Kopf in ihren Schoß legt, sie dir rein freundschaftlich die Haare aus dem Gesicht streift, dich anlächelt. Und du doch so viel mehr empfindest. Man möchte es so gerne sagen. Hat Angst alles zu verlieren. Hat Angst vor eine Abfuhr. Hat einfach nur Angst. Man möchte sich ausreden, dass es sowieso keinen Sinn hätte. Und fragt sich dann trotzdem wieder, warum sie nicht dasselbe fühlt.

Jemandem Freundschaft zu geben, der Liebe will, ist wie, jemandem Brot anzubieten, der gerade am Verdursten ist!

Hat man es irgendwann einmal geschafft, seine Gefühle ausdrücken, dann kommen eben diese Sätze. „Aber komm, lass uns Freunde bleiben.“ Freunde bleiben. Was ist das nur für eine ausgelutschte Floskel. Freunde bleiben. Aus den Worten einer Frau, die ich vielleicht seit einem Monat kenne. Die ich zwar unglaublich gerne sehe, die ich zu lieben versucht habe. Und so eine Person spricht von Freunde bleiben? Kennt sie überhaupt eine wahre Freundschaft. Die entsteht nicht so schnell. Nicht so. Früher sagte ich immer. Ja. Mir ist es wichtig. Ich will dich nicht aus meinem Leben verlieren. Ohne darüber nachzudenken, wie viel … beziehungsweise, wie wenig mir diese Person eigentlich bedeutet. Jetzt im Nachhinein, nachdem ich sie wie viele „Freunde-bleiben-Freundschaften“ zerbrochen, oder zu „Samstag-Nacht-Wiedersehen-Küsschenlinks-Küsschenrechts-Smalltalk“-Bekanntschaften verkommen sind, muss ich den Revolverhelden recht geben. Scheiß auf Freunde bleiben. Das war wohl eines der vier Lieder, wo ich am meisten mitbrüllte. Mitschrie. Mitempfand.

Was mir aufgefallen ist: Es gibt so etwas wie „Freunde bleiben“. Aber ich kann bestätigen, dass es von mir kommen muss, damit es funktionieren kann. Und es ist sowieso komplett unrealistisch zu sagen, dass nach einer Beziehung, oder einem beziehungsähnlichem Ding sofort eine rein platonische Freundschaft möglich ist. Was ich brauche ist Abstand. Schmerzvollen, gefühlsstarken Abstand. Mit all den verweinten Nächten. All der traurigen Musik. Und all dem Selbsthass und dem versuchten Hass gegen die andere Person. Und ein Abstand voll Unverständnis und unausgesprochene Dinge.

Bei der einen Person, scheiterte die Freundschaft fast daran, dass ich den eigentlich unfreiwilligen Abstand als eine Wohltat betitelte. Zwei Monate oder sogar drei heftigster Streit. Mit fehlenden Worten. Vollem Missverständnis. Und Tränen aus Wut und Trauer. Aber irgendwann hat auch sie eingesehen, dass Freunde bleiben auch geht. Und vor allem wegen diesem Abstand. Die andere Person kannte ich vorher viel zu wenig, aber ich wusste schon, dass sie mir wichtig werden würde. Sie hat mir dieses eine Monat unserer „Beziehung“ zu einer der schönsten Monate meines Lebens gemacht. Ich weiß nicht warum. Diese Tage, diese Erinnerungen. Sie haben etwas Magisches. Und durch unseren rein geografisch auffallend hohen Abstand war es uns anschließend eigentlich immer nur am Wochenende möglich uns zu sehen. Nehmen wir dann also die Arbeitswoche als Abstand her. Dieser Abstand hat anfangs nicht gereicht. Gefühlsflashback. Der Versuch zu verkuppeln. Nur um die Gefühle abzutöten. Einbildungen. Und doch. Heute darf ich sie immer noch zu einer meiner besten und vor allem wichtigsten Freunde zählen.

Madame Nummer 3. Meine erste Beziehung. Ich habe schon viel zu oft darüber geschrieben. Wir hatten Abstand. Kamen wieder zusammen. Es zerbrach. Ich hörte auf mein Gehirn. Und wieder hatten wir Abstand. Dann und wann, stets langsam nahmen wir wieder Kontakt auf. Und auch sie ist nun ein wichtiger, rein platonischer Teil meines Lebens. Die Liebe zwischen zwei Freunden ist etwas Großartiges. Und auch etwas Einzigartiges.

Was ich also früher immer falsch gemacht habe? Ich glaubte, Unzählige Beste und gute Freunde zu haben. Mit der Zeit, und meinen Wochen oder Monaten der langsamen Veränderung hat sich auch mein Freundeskreis dezimiert. Wenn das nächste Mal eine Frau zu mir sagt: „Aber hey, wir könnten doch Freunde bleiben.“, dann sag ich ihr: „Bleiben? Wir müssen erstmal sehen dass wir überhaupt Freunde werden. Und dafür brauche ich Abstand. Meine Gefühle gehen noch in die falsche Richtung. Nimm es mir nicht übel, wenn ich jetzt einfach gehe. Ich melde mich, wenn ich bereit bin. Okay?“. Und dann werde ich mich umdrehen und vielleicht singe ich auch „Und … Scheiß auf Freunde bleiben.“

So sind wir

Gebloggt mit Flock

The Importance. Of. Being. Freunde.

Wohnen

Man mag es sehen, wie man will. Ich stehe zu meinem Unnützen. Wissen. 1.15. Aber auch wenn ich diese Sätze eigentlich hasse. „Lass uns Freunde bleiben“ habe auch ich schon ein paar mal gesagt. Oder gefühlt. Warum. Warum überhaupt. Und einmal ein Blick hinter die Kulissen der typischen Erkenntnis-Floskeln.

Ich war oft verliebt. Zu oft, wie ich meine. Bei manchen gab es vorhin schon eine gute Freundschaft. Bei manchen auch eine großartige. Aber irgendwann fragte ich mich eben, warum da nicht mehr ist. Wo wir doch so großartig zusammenpassen würden. Und so durchlebte ich dann die Treffen mit all diesen Gefühlen. Und irgendwann sprach ich es an. (Das übrigens nur ganz selten) Schrieb eindeutige SMS. Oder ich versuchte es übers ICQ. Und hier schrieb ich meine Gefühle. Ging zehn, fünfzehn Minuten weg, nur um nicht sofort zu sehen, wie sie reagierte. Jedes Mal, als ich meine Gefühle so richtig darstellte, jedes Mal als die Gefühle nur einseitig waren, wurde mir gesagt: „Hey, es ist zwar total lieb. Aber ich bin noch nicht bereit für eine Beziehung // Du bist nur ein guter Freund, mehr nicht, es tut mir Leid // Ähm … okay.“ Aber dann hörte ich immer diesen einen Satz: Lass uns Freunde bleiben.

Jemandem Freundschaft zu geben, der Liebe will, ist wie, jemandem Brot anzubieten, der gerade am Verdursten ist!

Es ging eigentlich so gesehen nie gut. Soweit ich mich zurückerinnere … Dani und ich waren Freunde. Gute Freunde. Danach hieß es, lass uns Freunde bleiben. Doch wir veränderten uns. Unsere Wege trennten sich sozusagen. Steffi und ich waren gute Bekannte, ja, schon fast Freunde. Ich wollte die Freundschaft. Und habe sie nachher wohl nur mehr 3 oder vier Mal gesehen. So auch bei Lisa. Und so weiter.

Aber manchmal funktioniert es doch. Elli und ich waren beste Freunde. Und danach wollten wir Freunde bleiben. Oder haben wegen der Freundschaft auf vieles verzichtet. Wir sind immer noch beste Freunde. Magdalena habe ich vorher einen Monat gekannt. Und danach lernten wir uns erst richtig kennen. Mit Maria war ich in meiner ersten Beziehung. Danach crashten die Gefühle noch mal so richtig. Und irgendwann kam die Freundschaft wieder in Gang.

Diese Freundschaften, die so etwas durchhalten, oder durch so etwas entstehen, sind wohl die besten. Aber ich muss erst mit mir selber abklären, ob ich eine Freundschaft möchte. Und ich hasse es, wenn gleich im Gespräch dieser eine Satz auf den Teil mit der Trennung folgt.

Gebloggt mit Flock

Wasser

Ich klopfe auf ihr herum, aber nichts geschieht. Halte mir die Uhr an meine leicht lädierten Ohren und versuche ein Ticken zu vernehmen. Sie ist funktionstüchtig. Ich habe mich also verspätet. Ich habe den Anfang der Vorlesung versäumt. Schon wieder. Ich renne die Rolletreppe hinauf, und nachdem ich unten angelangt bin, bombadiert mich die auf Reizüberflutung ausgerichtete Einkaufsstraße. Ich drehe mich um, gehe in das Gelehrtenviertel. Alte, schön restaurierte Gebäude. Kaum zu glauben, dass hier hunderte oder gar tausende junge Menschen ein drittes Zuhause finden. Seltsam offenherzig bewege ich mich automatisiertem Schrittes auf diese eine große Tür zu. Drücke mit überhasteter Kraft die Klinke hinunter. Doch sie ist abgeschlossen. Ich blicke auf den Aushang neben der Tür. Heute. Ähm. Heute … keine Vorlesung.

Ich attackiere mich selbst mit Vorwürfen, während ich mich frage, wie ich hier her gekommen bin. Haste mit langsamen Schritt zurück in die Einkaufsstraße. Und lasse mich überfluten.