So Close Your. Eyes.

So schlagen also Gefühle um. Von Liebe zu Wut. Von Zuneigung zu Zorn.

Es fühlt sich so falsch an. Ich sitze hier, und meine Gedanken werden verziert von Aggression und Vorwürfen. Nicht gegen mich. Die Zeit habe ich hinter mir. Oder sie ist einfach kurz verschwunden, ohne sich zu verabschieden. Und wird irgendwann einmal wieder auftauchen und mich überraschen. Aber so ist es. Ich habe mir einiges auferlegt. Habe Träume mit Fäusten bekämpft, der Realität den Mittelfinger gezeigt und doch habe ich mich mit ihr vereinigt. Habe begriffen, dass das Leben nicht so ist, wie ich es mir gerne wünschte.

Nichts ist so, wie man es sich wünscht. Alles entwickelt sich in eigenen Bahnen und zeigt wieder einmal, wie unberechenbar das Leben ist. Ich sitze hier, gähne, weil ich die letzte Nacht sehr schlecht geschlafen habe. Wundere mich über die schöne Musik, die aus meinen Lautsprechern erklingt. Und frage mich, was die Welt wohl da draußen so treibt, während ich in diesem leicht geheizten Zimmer herumhänge und Worte aneinanderreihe.

Was mich jetzt erwartet? Kummerstimmung oder Weinphasen? Vielleicht. Aber nicht deswegen. Etwas viel Schlimmeres ist passiert. Das war nur der entgültige Punkt hinter einem viel zu langen Satz von mir. Du bist mir egal. Obwohl du noch in meinen Gedanken auftauchst. Es heißt zwar, dass vergessen nicht möglich ist, wenn die Gedanken noch voll damit sind. Aber ich möchte dich vergessen. Möchte unsere gemeinsame Zeit vergessen.

Könnte ich die Zeit zurückdrehen. Könnte ich, würde vieles anders werden. Könnte ich die Zeit zurückdrehen, hätte ich unglaubliche Macht. Über mein Leben. Es wäre wunderbar, und doch bräuchte ich das Wissen von heute, um in der Welt von gestern weiter zu bestehen. Dass du bei vielen Gedanken vor einiger Zeit noch an erster Stelle warst, vergesse ich schön langsam. Dass du nur für mich da warst, weil es die Umstände irgendwie von dir verlangten, werde ich dir aber nie verzeihen. Du hast mir damit nicht geholfen. Wolltest wieder urteilen und dein „Wissen“ mit mir teilen. Du weißt gar nichts. Weißt doch nicht einmal, wer du bist.

Und so sitze ich hier. Und ärgere mich darüber. Ein weiteres Mal geschrieben zu haben, in dem das du eben du bist. Nimm es nicht zu Ernst. Wenn du es überhaupt lest. Wenn du dir überhaupt die Mühe machst. Der heutige Tag endet mit einem Eintrag, mit demselben Titel, mit dem dieser Blog begonnen hat. Sieh es als Zeichen. Leb Wohl. Und fick dich. Zurzeit wäre es mir am Liebsten, ich würde dich nie wieder sehen. //Schließ mal deine Augen. Und überlege. Nur ein kleines bisschen Überlegen würde manchmal nicht schaden. Und Mut. Ja. Mut wäre auch nicht schlecht.

Sotto Il Tiglio.

Sotto il tiglio del mio cuore, c’è posto per una sola cosa. Ma io sono convinto, che non mi vuole lei.

Die Überraschungen der alltäglichen Wettereinstürze üben Eindruck auf mein Gemüt. Kurze Zeit Schneeschauer, dann Regen, Sonne, Regen, Dunkelheit. Die Kälte hier macht mir zu schaffen. Meine Füße frieren, und mit ihnen mein ganzer Körper. Ich richte mich auf. Das abgedunkelte Zimmer bekommt nur elektrisches Licht zu Gesicht.

Ich sehne mich nach Sommer. Nach Sonne. Nach der Heiterkeit des Seins. Der Leichtigkeit des Lebens. Ich weiß, dass im Sommer wieder alles besser ist. Winterdepression scheint bis dahin vergessen, und mit ihr hoffentlich so vieles, was mich jetzt noch beschäftigt. Ich freue mich auf die saftig grüne Wiese, auf der ich mein hässliches Lignano-Badetuch ausbreite, und von einer wunderschönen Welt träume.

Wie schon lange, habe ich auch heuer keinen Brief ans Christkind geschrieben. Jahrelang, als kleines Kind legte ich meine Briefchen, sorgfältig geschrieben und korrigiert, auf mein Fensterbrett. Wünschte mir Weltfrieden und eine Autorennbahn. Weltfrieden und eine Laubsäge. Weltfrieden und einen Globus. Bekommen habe ich alles. Außer Weltfrieden. Und deswegen bin ich wohl der Meinung, dass das Christkind keinen Brief mehr von mir verdient. Ich glaube immer noch an Weltfrieden. Irgendwann. Nennt mich Träumer und weltenfremd. Irgendwann einmal kommt die Zeit. Und ich bin der festen Überzeugung, dass ich selbst es noch erleben darf.

Ich sehne mich nach der Sonne, die mich auftankt und mich leuchten lässt. Freue mich auf den Sonnenbrand, den ich nach meiner ersten Session am See immer mit nach Hause mitnehme. Freue mich auf die Gesichter meiner Freunde und auf dein Gesicht. Ich kenne dich noch nicht. Kenne nicht deinen Namen, kenne nicht deine Gesichtszüge. Aber ich weiß, es gibt dich irgendwo, irgendwo, da draußen. Und ich werde an deinen Worten hängen und mich an deinem Lachen verzehren. Ich werde Gefühle fühlen, so befreit und sorglos, dass selbst ich von diesem Gefühlsmonotismus beeindruckt sein werde.

Dieses Jahr stellen wir keinen Christbaum auf. Uns ist nicht nach Feiern zumute. Auch kein Adventskranz auf unserem Tisch. Kerzen brennen zur Genüge in unseren Räumen. Rund um diese vielen Bilder von ihm. In der Badewanne, an seinem ersten Geburtstag, schlafend. Der Adventskranz hat so sehr an Bedeutung verloren, als meine Schwester und ich nur noch zwanghaft auf der Blockflöte die alten Leiern vollführten. Und diese Stimmung einfach nicht mehr aufkommen wollte. Und der Christbaum, mit seinen eineinhalb Metern und den Strohsternen, den matten roten Kugeln, er stand nur, um zu zeigen. Es ist Weihnachten. Das Fest der Geburt. Zweithöchster Feiertag in unserem Glaubenssektor. Diesmal wird alles anders. Diesmal ist alles anders geworden.

Ich sehne mich nach dem Geruch des Chlors, wenn wir wieder einmal ins Schwimmbad gehen. Den Geruch des natürlichen Sees. Das Schlucken mehrere Münder voll Seewasser, wenn man sich mal wieder verschätzt hat, und die Tiefe des Sees unbegreiflich ist. Freue mich auf den Geruch, frisch gegrillten Fleisches. Auf die alkoholischen Getränke, die langsam über unsere Gaumen hinabsinken. Freue mich auf die frische Luft. Auf die Spontanität.

Freue mich auf Weihnachten. Anders als normal. Aber ich freue mich. Und wünsche mir, dass nächsten Sommer wieder alles anders ist. Anders als all die anderen Sommer und anders als jetzt.

World Keeps Turning.

Man kann die Welt nicht aufhalten. Nicht stoppen. Nicht zurückdrehen. 

Wie viele Dinge würde ich gerne ungeschehen machen. Wie viele Worte sollten lieber ungesagt bleiben. Wie oft habe ich mir schon gewünscht, die Zeit zurückzudrehen, um mein Leben zu einem perfekten Leben zu machen. Um die Welt zu leben, mit all den Fehlern, aus denen ich gelernt habe. Und wie oft habe ich gehofft, einen Knopf zu haben, um eine schreckliche Zeit schneller zu erleben. Damit das Ende früher da ist, als es normalerweise ist. Doch nichts geht. Rein gar nichts. Es ist einfach so wie es ist.

Momente, die mein Herz brennen, meine Gedanken ruhen und mein Leben sein ließen. Momente, die für mich ständig in Erinnerung bleiben werden. Und die keine Bedeutung für irgendjemand anderen haben. Nur für mich. Diese Momente, ich hätte sie gerne gespeichert, um sie mir immer wieder vor den Augen zu halten. Gerüche, die für einen kurzen Moment meines Lebens, meine Nasenflügel benetzten. Sie hätten auch bleiben sollen.

So beschissen die Welt ist, so unverständlich ihr Verlauf. Die Welt. Sie dreht sich weiter. Weiter bis zum Ende ihrer Zeit. Bis zum Ende des Lebens. Allen Lebens. Der Tod, die schlimmste Erfahrung eines Menschen. Diese Momente bleiben. Immer und immer wieder ist man mit denselben Gedanken, mit den selben Bildern im Kopf unterwegs. Mit dem letzten Moment, als man die so sehr geliebte Person noch einmal gesehen hat. Eiskalt, mit unbegreiflichen Flecken am Kopf. Dem Gefühl, einer Puppe über die Wange zu streichen. Nicht ihm. Nicht ihm. Nicht.

Diese Gedanken bleiben, und in solchen Momenten wünschte ich mir, dass mir zwar diese Erinnerungen irgendwie im innersten Inneren gespeichert bleiben. Aber ich doch weiterleben kann, ich mich weiterdrehen kann, wie die Welt es macht. Zur Routine zurück, würde ich sagen. Einer veränderten Routine. Einer Routine, die ich früher niemals als so etwas angesehen hätte. Es gibt keinen Pause-Button. Kein Rewind. Kein Fast Forward. Nein. Das Leben hat so etwas nicht vorgesehen für uns. Nicht für uns Menschen.

Die Welt dreht sich weiter, mit ihr drehen sich wir. Es wird nie mehr so sein. Nie mehr. Es gibt keine Stop-Taste, nur um alles erst einmal zu erfassen. Nein. Das muss alles im Laufe des Seins passieren. Nicht in einem pausierten Leben. Man kann nicht mehr irgendetwas gut machen. Nie. Man kann nur versuchen, das Leben zu leben. Nur um nie das Gefühl zu haben, solche Momente vermissen zu müssen. Diese Momente sind gut, wichtig, Teil des Lebens. Man kann nicht aufhören, bevor es zu Ende ist.

Amour, Imagination. Et Rêve.

Bitte, lenk mich ab. Und teil mit mir. Das was schon war. Und was wir sehen.

Die Liebe. Mittelpunkt des Universums. Mittelpunkt der Welt. Mittelpunkt des Lebens und der erste und wahrscheinlich auch der letzte Gedanke. Das innerste Gefühl vollkommener Zufriedenheit. Die Ausgeglichenheit des Herzens. Die Symbiose zweier Menschen. Liebe ist so etwas Sinnloses, so etwas Schmerzhaftes. Etwas so Wunderschönes, so Einzigartiges.

Deine Hand fährt über mein Gesicht. Streicht mir die Haare weg. Sanft. Mit Grazie und dem nötigen Abstand, um deine Nähe zu spüren. Es regnet. Regnet seit Tagen. Heute auch. Der Boden ist ganz nass. Schön, dass du nun bei mir bist. Schön, dass wir diesen Moment jetzt haben. Nur für uns.

Die Fantasie. Stell dir vor, es ist Krieg. Und keiner geht hin. Stellt dir vor, es ist Leben, und keiner erlebt es. Stell dir vor, es ist Liebe, und keiner spürt es. Stell dir vor, es ist Tod, und keiner weint. Momente der Einsamkeit und gleichzeitig auch Momente allergrößter Fantasie. Die Vorstellung von Einzigartigkeit und der Versuch, Dinge zu sehen, die nicht sind. Sie ermöglicht uns erst, das Leben als lebenswert zu empfinden.

Du liegst auf meinem Körper. Auf meinem Bauch. Auch mein Bauch ist nass. Es regnet. Regnet seit Tagen. Immer mehr Leute beobachten uns auf dem Weg zu ihren Leben, zu ihren Lieben. Nur wenige bleiben stehen. Ich spüre deine Hand schon wieder, wie sie mir über die Lippen streichen. Über die Wange.

Der Traum. Hochschrecken, schweißgebadet. Angst, vor dem Vergangenen und Angst vor der Zukunft, vor dem Wiedereinschlafen. Aufwachen, Minuten oder gar Stunden brauchen, um zu realisieren, dass das Geträumte eben nur ein Traum war. Nur ein Teil der nächtlichen Fantasie. Der Tagesaufarbeitung im Schlafstadium. Der Traum, Utopie einer Zielsetzung. Sanftheit der Fantasie, manchmal erreichbar, manchmal unerreichbar. Manchmal einfach nur. Der Traum.

Du küsst mich. Deine Lippen berühren die meinen. Ich spüre die Tränen, wie sie von deinen Augen auf meine Wangen fallen. Ich fühle, wie sie dich wegzerren. Wie sie versuchen, dich zu beruhigen. Dir zu sagen, das man nichts mehr tun kann. Wie sie versuchen, alles aus dem wissenschaftlichen Blickwinkel zu erklären. Ich spüre, wie sie mich in diesen Plastiksarg legen. Der Aufprall auf das Auto und auf die Straße war wohl zu stark. Mein Kopf ist zertrümmert, mein Gehirn zerstört, meine Erinnerung tot. Eine Blutlache ziert noch den Asphalt.

Es regnet.
Regnet seit Tagen.

Die Nacht Dreht. Sich. Um Dich.

Siehst du. Der Mond hat sich ein Fernglas gebaut.

Die Sonne ist gesunken. Der Tag scheint am Ende angekommen zu sein. Außer Puste, völlig fertig. Er braucht jetzt wohl Zeit zum Regenerieren, würden Tagmenschen jetzt sagen. Doch der Tag geht erst jetzt los. Erst jetzt ist die Zeit für die schönsten Momente. Die Dunkelheit und die Nacht, diese beiden lassen einen fliegen, und die Sterne berühren.

Ich liege hier. Blicke aus dem Fenster, und erschrecke vor den hellen Strahlen, die mich treffen. Beim Nachbarn brennt noch Licht, Autos fahren auch noch. Die kaputten Gardinen helfen nun also auch nichts. Und so setze ich mich auf die Fensterbank, blicke in den immer noch schwarzen Himmel. Sehe die Sterne, die Inseln aller Verstorbenen und die Gedanken aller Gedenkenden. Ich strecke meine Hand aus, doch die Fensterscheibe lässt sie wieder ruhen. Nicht weit bin ich gekommen, mit meinem Wunsch, den Himmel zu berühren.

„Das hier ist unser Stern, siehst du?“, habe ich dir gesagt und auf den Stern über uns gezeigt. Ich weiß nicht, was an ihm so besonders ist, doch jedes Mal wenn ich meine Blicke über den Nachthimmel schweifen lasse, fällt mir unser Stern sofort auf. Wie sollte ich ihn auch vergessen. Plage ich mich doch schon viel zu lange mit dem Versuch, ein Leben ohne dir führen zu können.

Du weißt nicht, wie oft ich hier sitze. Wie oft ich den Himmel berühren möchte, wie oft ich diesen einen Stern vom Himmel holen würde, um ihn zu mir ins Bett zu legen. Um dich immer um mich herum zu haben. Jede einzelne Nacht, dreht sich nur um dich. Jeder letzte Gedanke vor dem Wegdösen ist dir gewidmet. Und so hasse ich das Gefühl, wenn die Sonne mich am nächsten Morgen die Nase kitzelt. Um mir zu zeigen. Die Nacht ist vorbei. Deine Nacht ist vorbei. Alles ist vorbei und doch kommt es immer wieder. Ob nun in der rationalen Wirklichkeit, oder in den Gedanken. Irgendwie kommt alles wieder. Man kommt einfach nicht los.

Für euch beide.

Tiefe Melancholie.

Alltag

Wieder einmal. Ein Leben. Meine Gefühle. Ein Widerspruch in sich. Oneself in Zwiespalt.

Wut. Wegen allem. Wegen Worten. Und fehlenden Reaktionen. Wieder deine Stimme. Umschwung von Wut in Freude. Einfach nur Freude. Ohne Grund. Trotz des Zweifelns meiner Gedanken. Trotz der ungesagten Worte und trotz alledem. Du tust mir weh. Wie es sich eben gehört.

Nach Garden State mit Elisabethtown einen weiteren Coming-Of-Age-Film gesehen. Über Tod, und dem Versuch, zu trauern. Und über das Leben und dem Sinn und alledem. Ein wunderbarer Film, schöne Musik, großartige Schauspieler. Und ganz viel Ryan Adams im CD-Player von Drew Baylors Auto.

Das Wochenende nicht zur Ruhe gekommen. Von Cocktailparty über Kino bis hin zum heutigen Abend. An dem ich auch wieder ins Kino gehen werde. Die „Beste Zeit“ steht an. Ebenfalls ein Coming-of-Age Film. Auf Bayrisch. Großes Interesse daran. Und doch, dieses Mal werde ich alleine gehen. Auch wenn ich sie angerufen habe.

Oder sie einfach kontaktiert habe. Sie hat mich dann zurückgerufen. Ob sie Zeit und Lust hätte, die beste Zeit mit mir zu genießen. Eine Beinahe-Absage und der Umschwung meiner Gedanken, meiner Gefühle. Das Wissen, nichts zu wissen. Und deshalb werde ich jetzt noch einige Minuten in der Stimme von Ray LaMontagne und seinem Shelter verschwinden.

Nur um in tiefe Melancholie zu verfallen. Nur um meine Ohren mit immer demselben Lied zu strapazieren. Immer noch das Handy neben mir liegend, hoffend auf einen Anruf und keine Absage.

Dass das Leben lebenswert ist, zeigte mir neben Elisabethtown auch schon Garden State. Und aus diesem Film möchte ich nun diesen einen einzigen, heutigen, wenig literarischen, und auch sonst nicht wirklich anspruchsvollen Text zu Ende gehen lassen.

Come here.
Fuck, this hurts so much.

Yeah, I know. But that is life. If nothing else,
that’s life, you know. It’s real. Sometimes it fuckin’ hurts. To be
honest, it’s sort of all we have.

How are you feelin’?

Safe.
When I’m with you, I feel so safe.
Like I’m home

Tenemos Que Hablar.

Alltag

We have to walk.

If you would walk a while, we could waste the day. //Foo Fighters.

Der Schnee kam zurück in mein Leben. All die letzten Überbleibsel vom schon länger zurückliegenden Einbruch des Winters wurden überdeckt von einigen vielen Zentimetern Neuschnee. Die Sonne konnte man heute noch nie sehen, der Nebel hat mein Zuhause eingeschlossen und der jetzt auftretende Regen lässt das Kopfweh wieder auferstehen.

Believe anyhting you want to. But please, please just walk away. //5 Chinese Brothers

Das Telefonat gestern hat mich aufgewühlt. Hat meine Stimme und meine Worte zurückgeschraubt. Ruhig wurde ich, bedeutungslos alles in meinem Leben. Wut, Zorn, Versuch des Verständnisses und dann doch wieder nur Wut. Ein normaler Mensch würde spüren, was manb mit einem Menschen anrichtet, wenn man sich so benimmt, wie du. Jeder Freund spürt es schon. Nur du nicht. Dir fehlt die Sicht.

Cause you make me feel so good ‚cause you’re so bad. //Aerosmith

Den Tag verbraucht. Die Nacht anbetend. Eine Cocktail-Party nennen es die einen. Endlich mal wieder ein komplett gemütliches Zusammentreffen. Wo wirklich beinahe alle wichtigen Menschen da sind. Freunde. Und wir alle werden Cocktails mixen. Werden Spaß haben, Musik hören. Rauchen, uns betrinken. Und in wenigen Minuten werden wir auch noch einkaufen fahren. By the way, übrigens.

Don’t walk away, don’t say goodbye. Don’t turn around, don’t let it die. //Air Supply

Träume holen mich ein. Der Druck ob der fehlenden Trauerverarbeitung erhebt sich in meinen Kopf. Statt Lebensberichte erscheinen hier viel öfter diese minimal literarischen Texte. Weil das Leben nichts mit sich bringt. Und die Kreativität zurück in meinen Kopf gelangt ist. Gedanken werden zu Worte, Gefühle zur Philosophie.

Walk On. With hope in your hearts. You’ll never walk alone. //Conway Twitty

Nicht alleine. Gemeinsam. Gestern. Den Film Garden State. Ein wunderbarer Film. Wunderschön. Unglaublich. Ich identifizier mich mit all den Gedanken und all den Szenen. Einfach nur wunderschön. Und so verschwinde ich aus diesem Tag. Melde mich ab. Für heute. Für diesen Monat.

Im Taxi. Weinen.

Mit der Welt nicht mehr zurecht kommen, den Kopf schütteln, als man diese Geschichte liest, und irgendwann auch mal im Taxi zu weinen beginnen. Bis man plötzlich zu lachen beginnt. Weil man endlich gerafft hat, dass man die eigene Geschichte gelesen hat.

„The same procedure as every year“. Diese Zeilen hängen mir schon seit meiner jungen Kindheit in den Ohren. Wie für viele hunderttausende Eltern war es auch für die meinen schon Tradition, vor dem Fernseher zu sitzen und dieses Stolpern und das Trinken zu beobachten. Kurz, bevor das Jahr umbrach. Und man sich eine neue Jahreszahl merken musste. Meistens nur eine Ziffer. Und einmal wurden sogar die kompletten Vier ausgetauscht. Alle sprachen vom Millienium, vom Crash, vom Ende der Welt. WIe immer, wenn die Welt etwas laut verkündete, war alles nur heiße Luft.

Ich bin geboren. Vor der Wende. Auch wenn ich kein Deutscher bin, und die Österreicher mit Ost-West nicht so (dieses „so“ soll relativ zu verstehen sein) involviert war. Nur um den jüngeren Lesern irgendwie klar zu machen, wie alt ich jetzt schon bin. Also, ich ward geboren. Als drittes Kind meiner Eltern. Als zweites Lebendes. Durch Zufall und großartiger Intervention meiner Großmutter wurde mir der Name Dominik geschenkt. Und nein, ich werde hier nun keine Namensanalyse herausfordern. Viel zu müde bin ich dazu. Und deswegen setze ich diesen, nunmehr vierten, Rückblick fort.

Geburtstage feierte man früher stets mit der Familie. Großeltern, Tante, Onkel, Cousin, Cousine, die Großtante und ihr Mann und mein engster Familienkreis. Mit der Papp-Krone aus dem Kindergarten und bei mir, so wie jedes Jahr, diese Erdbeer-Roulade oder der Torte mit den Kerzen. Stolz wie ein Pfau. Und ohne einen Gedanken an so vieles, was jetzt gerade meinen Kopf besetzt. Damals, zu Zeiten dieser Geburtstage war die Welt schon in Trümmern. Doch damals noch sah ich über die Trümmer hinweg und erblickte den Horziont.

Weihnachten feierte man damals, und man macht das auch noch bis ins heutige Jahr, bei meiner Großmutter. Wieder einmal verwandschaftlich-familiär. Große Geschenke, kleiner Baum, und auch mal Tränen, weil etwas nicht unter dem Christbaum lag. Oder das Falsche. Jetzt, im Nachhinein schämt man sich sogar für die materielle Herangehensweise an Weihnachten. Und nimmt sich vor, sein(e) Kind(er) anders auf Weihnachten vorzubereiten. Was mir und meiner Frau höchstwahrscheinlich wohl kaum gelingen wird.

Durch die vergangenen Tage und Wochen seit dem Schicksalsschlag kommen Erinnerungen hoch, die ich zu vergessen wagte. Oder die unabsichtlich in Vergessenheit zu geraten scheinten. Als ich und der Nachbarsjunge immer viel zu lange in der Schulküche blieben, als es Erdbeerknödel oder Palatschinken (Pfannkuchen) gab. Und wir dann ca. zwei oder drei Stunden brauchten, bis wir zuhause ankamen. So vieles gab es zu besprechen. Und zwischen uns beiden baute sich irgendwie eine tolle Beziehung auf. Irgendwann, ich war glaube ich noch in der Grundschule zogen sie weg. Nicht weit. Ein oder zwei Kilometer. Doch der Kontakt brach ab. Weg war es. Weg war sie. Die einzige Freundschaft in der Nachbarschaft. Für immer.

Was mir auch noch in Erinnerung kam, war das morgentliche Frühstück bei meinen Großeltern, wenn wir eine Nacht bei ihnen schlafen durften. Ich erinnere mich noch an den Platz, an den Opa saß, sehe ihn in meinen Bildern im Kopf da sitzen, meine Oma, um einiges jünger aussehend. Und alles so schön aufgetischt. Jedes Mal war es wunderbar, bei meinen Großeltern zu schlafen. Und ich erinnere mich noch an ihr altes Auto. Und seit Jahren nun schon, versuche ich mir einen Satz in Erinnerung zu rufen, den mein Opa so oft gesagt hat. Niemand weiß, wovon ich spreche, aber ich täusche mich in diese Angelegenheit nicht. Irgendwann höre ich ihn wieder einmal und dann werde ich sagen können: Das hat mein Opa auf immer gesagt.

Soll ich schon wieder über meine verlorenen Lieben schreiben. Über den Schmerz des gebrochenen oder angeknaksten Herzens. Über des Leid mit einem Selbst. Ich möchte erst gar nicht. Vieles ging schief. Und doch sehe ich irgendwie nun eine Linie durch alles hindurch. Würde ich jetzt ein Buch schreiben. Eine Biografie unserer Familie. Eine Art Buddenbrooks für Mittelstands-Österreich in der zweiten Hälfte des 19ten und der ersten Hälfte des 20ten Jahrhunderts. Ich würde nicht einmal den Subtitel ändern. „Verfall einer Familie“. Wie sich meine Eltern verändert haben, beunruhigt mich nun schon irgendwie, wenn ich die Bilder in meinem Kopf mit den Bildern meiner Augen vergleiche. Man könnte so vieles tun, wenn man als Gemeinschaft auftreten würde. Würde man es tun, wäre so vieles einfach.

Ich bin dann höchstwahrscheinlich der verrückte Höhepunkt und schlussendlich auch das Ende des Entwicklungsromans. Dass ich mit meinem Kopf auf meiner Hand, in meinem Bett liegend, dämpfend Kettcar-lauschend, einen irren Blick auszuprobieren versuche, interessiert hier wohl auch keinen. Und so schreibe ich weiter und überlege mir Dinge. Dinge aus meinem Leben.

Die Welt liegt brach. Unsere Wut gegen die Welt, gegen Gott oder dieses verdammte Überirdische spiegelt sich im Umgang mit uns selbst wider. Wir haben schon wieder verlernt, wie wir mit uns umgehen müssen. Die Zeit des ersten, heftigsten Schockes war unsere Familie ungewohnt ruhig, das Haus wurde maximal von Musik oder einem Weinen durchströmt. Jetzt ist wieder alles anders. Musik wird kaum mehr zugelassen. Zum Weinen gehen wir meistens raus. Und ich kann sowieso nicht mehr Tränen vergießen. Nicht deswegen. Ich kann das ganze sowieso jetzt gar nicht verarbeiten. Stehe da und kann nur reden. Sitze da, und kann nur schreiben. Aber ich kann es nicht realisieren. Mache Dinge, damit er sich nicht wehtut, wenn er das nächste Mal kommt. Lege das Messer weiter in die Tischmitte, damit er es ja nicht erwischt. Und bin mir trotzdem irgendwie im Klaren, dass er doch nie wieder kommt.

Und dann sitzt man da, versucht über die Vergangenheit zu philosophieren und wird von urplötzlich von der Gegenwart eingeholt. Sieht auf seine Familie, wie Gott, oder der stille, schreibende Beobachter ohne Schweigepflicht. Und muss erschrocken den Blick abwenden und wünsche mir etwas, wenn ich die nächsten Kerzen ausblasen darf. Und immer mal wieder kommen Gedanken hoch, Erinnerungen hoch, die lange verborgen blieben. Vielleicht kann ich sie mal wieder alle sammeln. Vielleicht kann ich auch wieder neue Erinnerungen zulassen. Vielleicht kann auch wieder alles okay sein. Auf seiner Art und Weise?

If You Can’t Leave It Be.

Alltag

… might as well make it bleed.

Nach was suchtest du? Was glaubtest du zu finden? Bist du nun glücklich? Und ist nicht jede einzelne Suche absolut sinnlos? Weil man nach dem Finden schlussendlich wieder nicht ruhen kann.

Nachdem die Gardine von mir unabsichtlich irgendwann einmal wegen dem Versuch, eine Zigarette auf dem inneren Fensterbrett zu rauchen, heruntergerissen wurde, ermöglicht mir der spät-abendliche bis früh-morgentliche Blick aus dem Fenster so manche Überraschung. Dass die Welt da draußen selbst zu Mitternacht nicht durchgehend dunkel ist, sondern eine scheinbar bedrohendes rotes mattes Leuchten hervorruft. Dass Schnee selbst das Schwarz etwas wärmer werden lässt. Und dass ich schon wieder viel zu lange vor meinem Notebook sitze.

Ich schreibe. Wieder einmal. Nur noch ein Eintrag. Und dann Augen zu. Und schlafen. Ich muss das hier noch schreiben. Muss noch. Muss ich? Noch schnell auf den Veröffentlichen-Button drücken und warten. Habe ich alles richtig gemacht? Und warum?

Mit den Nachwirkungen von Fieber beschäftigt, außerdem mit Kopf-, leichten Ohren- und gerade erst auftretenden Halsschmerzen beschäftigt. Als Einziger in diesem Haus schon auf und mit Norah Jones wieder einmal eine Musik herausgekramt, die ich damals zu meinen All-Time-Favourites zählte. Die Ruhe vor dem Sturm. Die Sanftheit in ihrer Stimme. Das Brüllen in meinem Kopf. Und der Wasserkocher der mir die nächten eineinhalb Liter Tee zubereitet. Dass es noch Minuten bis Stunden dauern wird, bis ich Gesellschaft bekomme, lässt mich hier weiterschreiben, bevor ich wieder einmal die TV-Kiste einschalte.

What Am I To You. Eine gute Frage. Ich suche viel lieber die Fragen zu vorgegebenen Antworten. Das fällt viel einfacher und lässt mehr Fantasie zu. Fantasie. Ein Schlagwort der besonderen Sorte. Niemand ist irgendwie fantasielos. Nein. Das gibt es nicht. Nur Fantasie ist, so wie alles im Leben, relativ. Der Eine definiert es so. Der Andere anders.

Gestern mal wieder bemerkt, wie bemerkenswert Scrubs ist. In den erstmals im deutschen Fernsehen ausgestrahlten Folgen My No Good Reason (Mein scharfes Kindermädchen, Season 6, Folge 14) und My Long Goodbye (Meine Patenschaft, Season 6, Folge 15) habe ich mal wieder durchgehend gelacht. Bis ich kurz vor Ende mit Tränen konfrontiert war. Deswegen liebe ich Scrubs. Vielleicht habe ich auch nur geweint, weil mich das Kranksein irgendwie sensibler machte, oder weil … ich weiß nicht.

Kirsche mit irgendetwas anderem. Mein Tee für den heutigen Morgen. Wieder einmal ein Wochenende an dem nichts passiert ist. Nichts. Krankheiten entstehen bei Dominik immer Freitag und halten sich bis Sonntag. Aber ich kann sowieso nicht länger als bis heute krank sein. Morgen muss ich. Ach verdammt.

Ein Brett vor dem Kopf. Worte, sich immer wiederholende Worte in meinem Kopf. Mich für Lahja freuen. Und selbst noch wünschen. Hoffen. Glauben. Warten. Niemals aufgeben wollen. Würde mir nicht viel daran liegen, wäre ich schon wieder ganz woanders. Doch es liegt mir viel daran. Viel zu viel. Und so sitze ich hier, oder ich liege, oder ich schlafe, oder ich laufe, oder ich stehe. Und hoffe und warte. Es ist egal. Irgendwann einmal wird alles wieder passen. Es wird anders sein. Aber gerade deswegen wird es perfekt sein. So gut es eben geht. Irgendwann.

Das Leben. Und perfekt. Zwei Wörter, die sich nicht mögen. Aber irgendwann einmal, wenn der Schmerz und alles irgendwie … nein, nicht weg, sondern erträglicher sind, dann werde ich mal wieder dasitzen, vielleicht am See mit Freunden. Und werde mir denken, während wir Wonderwall singen: Perfekt.

Und so lebe ich krank in den Tag hinein. Hinterlasse überall mein Spuren. Hier meine Teetasse, da meine aktuelle Ausgabe NEON, dort meine Decke und da die Fernbedienung. Das gehört dazu, vor allem wenn ich krank bin. Nicht ausschließlich, aber vor allem. Seit langem wieder einmal ICQ gestartet. Auf ihren Nickname geklickt. Und gehofft, dass sie online geht. Aber hey, es ist gerade erst acht Uhr. Am Sonntag. Und sowieso. Und deswegen jetzt noch schnell trainieren, wie man Amokläufer wird, eine Runde Max Payne spielen. Bis ich mir die 300. Folge von Genial Daneben reinziehe. Jaja, ich weiß. Mainstream-Comedians-Kacke. Schon okay. Aber ich hab die erste Folge gesehen. Und wahrscheinlich einhundert andere. Oder noch mehr. Und deswegen.

Mich nicht rechtfertigen müssen. Wenn man es nicht sein lassen kann. Ich bin doch hier in meinem Blog. Und in meinem Blog kann ich tun und lassen was ich will. Ich bin hier der Herrscher, der Gott, … ähm … der Administrator.

Mich Dich Euch jetzt mit meinen Gedanken alleine lassen. Geht wieder schlafen. Steht erst mal richtig auf. Trinkt Kaffee, Tee, NeoCitran oder was weiß ich. Hört Musik, seht fern. Trefft Freunde, Verwandte. Lebt den Sonntag, wie man ihn nunmal lebt. Ich werde mich noch etwas auskurieren. Um ja nicht. Ähm. Ihr wisst schon.

Wildblumen.

Alltag

Unter Gesteinsbrocken ein lebendes Wesen gefunden. Es aufgehoben. An sich gedrückt. Losgelassen. Weggelaufen.

Sanfter Regen auf mir, kalter Schnee, brennender Wind. Heiße Sonne, trockenes Wasser, dichter Nebel. Winterlicher Herbst hier in meinem Leben. Tage der Sonne auf Täler des Schnees. Wolken des Schnees an Tagen der Sonne. Und der Blick aus dem Fenster. Jeder beliebige Monat zwischen Oktober und April könnte für diese Aussicht herhalten. Nichts Außergewöhnliches, nichts sanft Beruhigendes. Nichts Aufschreiendes. Nur Schnee und zerstörte Wiese und das Geräusch von Nägeln in Reifen, die sich in den Asphalt bohren.

Frustessen mit der Absicht, Hunger zu stillen. Sich mit Kaffee zuschütten, sodass man selbst nach einem halben Dutzend Kaffee mit Süßstoff und Milch noch immer sofort und ohne Vorankündigung mit dem Kopf auf dein Schreibtisch knallen, und augenblicklich einschlafen könnte. Den Tag verrinnen lassen, vorgeben etwas zu tun, was längst getan ist. Und immer wieder aus dem Fenster blicken, auf die Uhr, auf das Bild.

We live in a beautiful world. Von Coldplay etwas lernen. Und zurückfallen auf Ryan Adams. Vorgenomme Termine sausen lassen und in einer Höhle hausen. Voll Krimskrams und Schmutzwäsche und Schutt und Erinnerungen. Mich auf das Wesentliche reduzieren wollen. Gedanken im Kopf. Motivation irgendwo da oben.

Hoffnung in Projekte stecken, Aufgaben auslöten, Gedanken sortieren. MIch immer mal wieder in den Alltag stürzen, untertauchen, sodass auch die Haare feucht werden, und zitternd wieder dieses eiskalte Gewässer verlassen, schnell abtrocknen und zurückkehren. Ich bin ja nicht lebensmüde und schwimme einen ganzen Tag im Alltag. Lebensmüdigkeit abschalten und das Einordnen in Kategorien als Dummheit abstempeln.

Wieder einmal gefragt werden, was so war. Wenige Worte wählen. Kein einziges Wort als mein persönliches verkaufen. Alles nur Erzählung. Vermutungen gratis. Gefühle und Gedanken nur gegen Aufpreis. Oder Stammkundenrabatt. Mir durch die gestern zuletzt gewaschenen Haare streichen, Bright Eyes auf seinem ersten Tag seines Lebens begleiten, die Augen immer länger geschlossen halten und irgendwann wieder einmal zu einem Ende kommen.

Über die Sinnhaftigkeit diskutieren und auf Veröffentlichen klicken. Musik noch etwas laufen lassen und irgendwann wegdösen.