Sterne.

Looking above.

Der Asphalt wärmt. Es ist mitten im Sommer. Wir liegen auf diese einen dunkelblauen Decke, eingewickelt in unsere Pullover und Jacken. Rund um uns herum ist es dunkel, das Rauschen des Baches durchbricht die Stille. „Siehst du den großen Wagen? Dort!“ „Ja, ich seh ihn.“ Den Blick gemeinsam senkrecht nach oben lenken. „Und das“, sage ich, „ist unser Stern. Siehst du? Und wenn du einmal zuhause bist, und an mich denken möchtest, dann kannst du dich auf den Balkon sitzen und unseren Stern suchen. Du weißt schon.“ Sie lächelt und kuschelt sich näher an mich. Die Sterne.

Jetzt bleibe ich liegen. Schaue immer noch gegen den Himmel. Der Himmel, er leuchtet. Und dort sind sie alle. Alle Menschen, die mir etwas bedeutet haben. Und die mir auch jetzt noch etwas bedeuten. Verewigt in Sternen. Ich strecke die Hand aus. Mit dem Zeigefinger möchte ich einen von euch berühren. Um eins mit dir zu werden. Und irgendetwas kitzelt mich an der Spitze des Fingers. Ich zucke zurück. Und irgendwie fühle ich, dass ihr mir noch nie so nah wart wie jetzt. Obwohl es kräftig abgekühlt hat. Ich fühle mich warm. Geborgen. Obwohl ich Angst im Dunkeln habe. Ich fühle mich sicher. Bei euch. Und für genau solche Momente lohnt es sich, in meine Haut zu schlüpfen.

the places you’ve come to fear the most // erstes buchprojekt

Sterne haben eine ungewöhnliche Macht. Blickt man zu ihnen hoch, verliert man langsam den Halt. Muss sich irgendwo fest halten, um nicht umzufallen. Weil sie plötzlich das Endliche unendlich machen. Sie zeigen, wie sinnlos Zeitmessung ist. Schon vor Jahrtausenden gestorben, leuchten sie noch immer. Der Strahl erreicht erst jetzt uns. Wie oft schon saß ich auf der Fensterbank, blickte hinaus. Und konnte minutenlang nur in dieses Meer aus leuchtenden Pünktchen sehen.

Sterne haben für mich eine Bedeutung. Mir scheint, als wäre das der Platz, an dem man alle Menschen, die nicht gerade um einen herum sind, erreichen kann. Menschen, die verstorben sind, aus dem Leben verschwunden oder einfach nicht da. Dort oben, am Himmelsfirst finden sie sich. Sind immer erreichbar. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Ich bin beunruhigt, wenn Wolken versuchen sich davor zu schieben, oder wenn die Nacht einfach sternenklar ist.

Manchmal verglühen sie auch. Und sind weg. Weg aus der Erinnerung, weg aus der unzähligen Schar. Weil sie es vielleicht nicht verdient haben. Aber Menschen, gegen die ich keine Abneigung habe, von denen ich einfach nur Abstand wünsche, bleiben dort. Um irgendwann wieder einmal heller zu leuchten oder als Sternschnuppe zu enden.

Sterne sind für mich in jeder Beziehung eine wunderbare Sache. Ich könnte mit jemanden stundenlang hinaufblicken, ohne ein Wort zu sprechen. Nur betrachten und warten. Und das Leben, die Wolken und alles vorbeiziehen lassen. Die Sterne bleiben. Zumindest für eine beachtliche Zeit. Danke, dass es euch gibt, liebe Leuchtkörper da oben. Vielen Dank.

Rêves.

Als ich aufwache, bemerke ich, dass ich mich in einem Traum befinde.

Gedanken nach eineinhalb Stunden Film. La Science de Rêves. Die Wissenschaft der Träume. Langsam überkommt mich der Eindruck, dass der Film noch tiefsinniger zu sein scheint, als man es schon beim ersten Mal ansehen vermutet. Ein großartiger Streifen, gewohnt beeindruckende Arbeit eines Michel Gondry. Leichtes Verwundern über das Ende, den Cliffhanger ohne Auflösung, den Gedankensalat nach einem Buchstabensalat, den man erst, Szene für Szene, Buchstabe für Buchstabe sortieren muss.

Ich bin es mir schon Leid, stets von Träumen zu reden. Nein, nicht diese Tag-/Nachtträume. Die Träume, die das weitere Leben bestimmen sollen. Es sind keine Träume. Es sind fixe Pläne und weiche ich oder das Leben auch nur minimal davon ab, ohne mich zuvor davon in Kenntnis zu setzen, stehe ich vor unvollendeten Tatsachen und der Unmöglichkeit so weiterzuarbeiten. Dann kommt alles in diese Box, die alle Ideen sammelt. Vielleicht werden sie irgendwann einmal wieder aufgegriffen, wenn die Zeit bereit und ich etwas erfahrener bin. Ich habe Träume. Ja, sie hören sich utopisch an, aber sie sind zu meistern. Mit Enthusiasmus und Engagement. Aber das sind eben Träume, hinter die man ein Häkchen machen kann. Und dann sind sie so gut wie erledigt.

Nein, heute möchte ich von Träumen schreiben, die nicht so einfach erledigt sind.

Hi, and welcome back to another episode of „Télévision Educative“. Tonight, I’ll show you how dreams are prepared. People think it’s a very simple and easy process but it’s a bit more complicated than that. As you can see, a very delicate combination of complex ingredients is the key. First, we put in some random thoughts. And then, we add a little bit of reminiscences of the day… mixed with some memories from the past.

That’s for two people. Love, friendships, relationships… and all those „ships“, together with songs you heard during the day, things you saw, and also, uh… personal… Okay, I think it’s one.

Stéphane in The Science of Sleep

Meinen ersten Kuss erlebte ich im Traum. Von einem wunderschönen blonden Mädchen. Ich habe sie nie in meinem ganzen Leben gesehen. Ihre Schönheit und ihr Auftreten, ihre inneren wie auch ihre äußeren Werte sind vielleicht das, was ich die ganze Zeit suche. Interessante Umstände unseres Aufeinandertreffens. Der Moment. Das Aufwachen. Mit einem Lächeln. Einem Lächeln, wie ich es an einem Morgen sonst nie gewohnt bin. Freude über das Geschehene, Überlegen für ein Wiedersehen, Realisieren der Realität, Ernüchterung. Und der ständige Gedanke an sie. Und Stunde für Stunde, Tag für Tag und jetzt schon Jahre für Jahre sind nur mehr Umrisse erkennbar.

Aufarbeitung des Vortages. Manchmal schweißgebadet aufwachen, aus der Traumwelt entweichen, die mir eine Welt vorstellte, die so surreal und doch so möglich wäre. Extremsituationen. Und ich mittendrin, im Alltag des Grauens, meinem Leben in Angst. Ebenfalls wieder lange darüber nachdenken und erst durch das Schreiben oder Reden wieder zur Fassung kommen. Sexuelle Träume mit (weiblichen) Freunden haben, und anschließend aufwachen, sich fragen, wie es dazu kommen konnte. Warum diese Person in solch einem Traum auftaucht. Manchmal nicht begreifen, manchmal schon.

An manchen aufeinanderfolgenden Tagen überhaupt keine Erinnerung. Man träumt ja jede Nacht. Aber mir fehlt am nächsten Morgen die Erinnerung. Und ist sie einmal da, verblasst sie unglaublich schnell. Und auf eine Verarbeitung des Geschehenen warten, hoffen, dass der Traum die Antwort auf dem Tablett serviert. Und hoffen, dass Menschen, die man verloren hat, egal auf welche Art und Weise, sich noch einmal melden. Und irgendwann, wenn man es am Wenigsten erwartet, klopft diese Person an. Meldet sich und beruhigt.

Träume haben die Macht, die Psyche des Menschen in all seinen Grundfesten zu erschüttern. Sie tragen einen durchs Leben. Geben dem darauffolgenden Tag genug Gedanken von der vorhergegangenen Nacht. Lassen einem spüren, wie es ist, wie es sein könnte. Und manchmal spürt man auch die Wärme von Menschen, die Liebe zu diesen, die Freude darüber, sie wieder einmal zu sehen.

In dreams, emotions are overwhelming.

Stéphane

Ich würde nie von mir verlangen, selbst in meinen Träumen mitzubestimmen, wie sie verlaufen sollen. Da lasse ich der Eingebung und dem Gefühl, den Gedanken und dem Leben freie Hand. Sie sollen entscheiden, mit was sie mich konfrontieren. Sollen überlegen, womit sie mich fertigmachen, und wie sie mich wieder aufbauen. Ich liebe Träume. Träume. Und Sterne.

Als Dunkelheit.

„Aber das wäre ungerecht.“

Überall schon schießen sie. Abermillionen von sinnlos verbrauchtem Schießpulver. Ich liege auf der Couch und sehe mir die frühabendlichen Jahreswechselfilmalbträume an. Die Katze springt hoch, die Katze springt runter. Will raus und will gleichzeitig noch fressen. Fest eingewickelt klammere ich mich an meine warme Decke. Soll es doch kommen. Ich habe keine Angst davor.

Irgendwann richte ich mich auf, strample die Decke von mir und kleide mich an. Es ist defintiv nicht mehr Sommer. Ein dicker Pulli, warme Socken, Schuhe, Jacke, Schal. Alles du, um mir die Wärme zu bieten, die ich jetzt gerade brauche. Das Auto, in der Garage. Und ich. Bald weg.

Einige Stunden. Dreisam-, Viersam-, Achtsamkeit. Gemütliches Zusammensitzen, betrinken. Ich selbst bleibe nüchtern. Will nicht irgendwo schlafen, will nicht mit dem Taxi nach Hause fahren. Der Countdown und der ewig lange Walzer. „Hast du Vorsätze für dieses Jahr?“ – „Es soll besser als das letzte werden.“ „Schlimmer kann es wohl nicht mehr werden.“, meint sie. „Doch. Es könnte noch so viel passieren“, kontere ich. „Aber das wäre ungerecht.“, möchtest du mir sagen. Wir sehen uns an, und lachen. „Weil ja gerade das letzte Jahr so schön gerecht war.“ Wir lachen. Und erfinden Dinge, die nur wir witzig finden. Irgendwann die angestaute Müdigkeit. Der Abschied. Das Ende. Der Feier zumindest.

Heimfahrt, zuhause angekommen. Garagentor geöffnet, Auto abgestellt. Alles ist Dunkel. Nur die zwei Katzen wuseln noch herum und warten, bis ich ihnen die Tür zu ihrem Fressen öffnen. Stille. Vollkommene Stille in diesem Haus. Hier sitze ich und warte. Warte auf mein Bett, auf morgen, auf die nächsten Tage, auf alles. Ich bin allein. Keine Eltern im Haus, kein reger Verkehr von Besuchern. Nur ich. Und diese Katzen, die ich einfach nicht ausstehen kann.

Allein. Einsamkeit. Die ich genießen kann. Manchmal verfluche ich sie, dann suche ich einen Weg, um ihr zu entkommen. Aber an manchen Tagen tut sie einfach nur gut. Dann brauche ich sie, um wieder zu mir zu finden. Jetzt sitze ich hier. Es ist dunkel um mich herum. Eine Woche werde ich hier alleine zuhause sein. Vielleicht kommen manchmal Freunde zu mir. Vielleicht aber auch nicht. Ich werde mich ins Bett legen und nachdenken. Zumindest heute habe ich noch ausgiebig Zeit dafür. Und irgendwann werden auch sie wieder nach Hause kommen, werden das Haus wieder beleben und ich werde dabei sein. Bis dahin ist hier eigentlich fast nichts. Als Dunkelheit.

Hier Sein.

Ja, ich weiß. Die Sorglosigkeit der Tage wird nie mehr so sein. Es ist alles anders und doch fühle ich mich wohl.

„Wie in guten alten Tagen.“, meinte Stefan, als wir während unserers Aufstieges mit dem Schlitten mal wieder eine Rauchpause machten. „Vollkommen sorglos. Absolut unbekümmert.“ „Wie in guten alten Tagen“, wiederholte er sich. Ich musste nicken. Es fühlte sich an, trotz der Kälte und dem Schnee und dem Schweiß wie der Sommer, den ich geliebt habe, und der mich lieben lernte. Wunderbare Tage, einige der schönsten meines Lebens. Und ich gerade erst mal siebzehn Jahre alt.

Alte Tage. Immer wieder rotieren diese Worte in meinem Kopf. Und was hält uns jetzt auf? Es war doch einzig und allein die Schule, die uns die Welt sorglos erscheinen ließ. Jetzt machen wir Zivildienst, oder Studieren schon. Warum nicht gute neue Tage. An mir soll’s nicht liegen. Ich wäre bereit, habe Zeit und Lust. Und habe einfach nur Verlangen nach diesem Gefühl vollkommener Unbekümmertheit.

Und trotzdem wird das Leben anders. Das ist es doch schon. Der Tod eines so sehr geliebten Menschen kann nicht einfach so vorübergehen. Dass man sagt, es ist geschehen, was soll man machen. Schön ist das Leben und ich mag mich auch. Nein. Das geht nicht einfach so vorüber. Es ist vielmehr eine Herausforderung. Und das Lernen, Momente im Leben viel mehr zu genießen. Man weiß nie wann es vorüber ist. Weiß nicht, ob solche Momente in ähnlicher Zusammensetzung wieder auftauchen.

Ich fühle mich sorglos. Ja, trotz allem. Weiß, dass noch nichts richtig verarbeitet ist. Aber ich scheine zu realisieren, schön langsam. Dass er nicht mehr kommt. Dass sie nicht mehr liebt. Ihn werde ich für immer lieben. Und sie. Hat ihre Chance vertan. Ich bin frei. Und liebe mein Leben. Ich habe mein Leben schon immer geliebt. Selbst wenn Texte von Suizid handelten, war das nur der Gedanke daran. Ich hätte viel zu viel zu verlieren. Vor allem meine Familie und meine Freunde. Menschen, die ich liebe. Und meine Träume. Viel zu kostbar.

Ich sehne mich nach meiner Zeit in Wien. Die nächstes Jahr, in zehn Monaten anfangen wird. Aber genieße jetzt auch noch die Zeit des Zvildienstes, freue mich auf den dreimonatigen Ferienjob. „Sag nicht, dass das ein sinnloser Tag ist. Einen Sinn hat jeder Tag.“, sagte sie immer zu mir, wenn ich mich über scheinbar sinnbefreite Tage ausließ. Jeder Tag hat einen Sinn. Das weiß ich nun. Ich bin unverliebt und fühle mich wohl in dieser Rolle. Bin kein unbedingt glücklicher Single. Aber auch keineswegs unglücklich. Froh über den beschissenen Abschluss einer teils wunderschönen, teils beschissenen Zeit.

Ich fühle mich wohl. Ich finde mich schön. Und bin froh. Froh, dass ich Menschen um mich habe. Menschen, die mich mögen, mich vielleicht sogar lieben. Menschen, die mit mir nachdenken, und mit denen ich grübeln kann. Menschen, die ebenso große Träume haben. Ich liebe das Leben und denke mir immer öfter. Eigentlich ist mein Leben sorglos. Eigentlich trage ich zwar eine verdammt schwere Last auf mir. Die Trauerverarbeitung. Und so weiter. Und doch hoffe ich nicht mehr auf einen so schönen Sommer wie damals. Ich bin bereit, ihn wieder so schön werden zu lassen. Ich helfe nach. Und werde all die Zeit, die nun noch folgt, wunderbar werden lassen. Eigentlich bin ich froh, einfach nur hier zu sein.

Anders. Als Gedacht.

Alleine zuhause. Die Musik und die Dunkelheit. Ein wie der Dreck unter den Fingern ist auch sie hier. Die Melancholie.

Der Körper fühlt sich warm an. Fast unmerklich ging dieser Abend an mir vorüber. Dass meine Haare von heraufsprühendem Schnee durchnässt war, oder Kälte von unten in die Snowboardhose hineinkroch. Heute mal wieder. Elisabeth, Susanne, Stefan und Lukas gesehen. Spontanaktion mit Schlitten und Berg. Interessant kurvige Anreise, lange, beschwerlicher Weg bis zum Abfahrtspunkt. Und einige spektakuläre Stürze. Es war großartig, einzigartig, wunderbar. Ich habe diese Zeit, das gemütliche Zusammenhocken auf drei Schlitten, und die Rauchpausen und alles genossen. Die Unbeschwertheit der früheren Jahre unserer Freundschaft kehrten zurück. Für einen kurzen Moment. Der irgendwie lange anhält.

Kurz davor, der Weihnachtskaffee bei meiner Oma. Mit so vielen Verwandten, Menschen, die ich liebe und brauche. Die für mich da sind, wenn ich sie brauche. Und für die auch ich da wäre, wenn sie hilfefragend zu mir kommen würden. Spaß, und Sebastian. Dieser kleine Sonnenschein. Anfangs dachte ich, es wäre schwer, ihn so zu sehen. Ein Jahr älter als unser Timi. Doch schon wenige Tage nach dem Tod war das Spielen mit ihm eine schöne Zeit. Gute Ablenkung. Es ist doch alles irgendwie immer anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Es war schön, wieder einmal Manuela und Ernst zu sehen. Und die kleine Luisa im Bauch meiner Cousine. Auf die ich, sobald ich in Wien studieren werde, aufpassen werde. So oft es mir möglich ist.

Gestern der eher spontane nachgeschobene Besuch bei meiner anderen Großmutter, im Mühlviertel, einem der obersten Stückchen von Österreich. Mehr als eineinhalb Stunden Anfahrt. Es war wieder einmal schön, meine Oma zu sehen. Zu sehen, dass es ihr gut geht, und sie besser als beim letzten Mal aussieht. Verwirrt ist sie immer noch, aber der Kontakt zu ihr, die spärlichen Besuche, maximal drei Mal im Jahr, lassen mich immer mehr wünschen, mehr Zeit mit ihr verbracht zu haben. Früher, als sie noch woanders wohnte, als alles noch so anders war. Auch meine Tanten und meine Onkeln. Schön, wieder einmal diesen Hauch von Familie väterlicherseits zu spüren.

Und morgen die Bescherung bei meiner Oma mütterlicherseits. Schwer wird es werden. Anders. Anders als wir es uns noch vor zwei Monaten vorgestellt hatten. Ein Mensch wird fehlen. Er fehlt uns schon so lange Zeit, und gerade ein Fest wie dieses lässt vieles wieder aufflackern. Morgen wird sicher geweint. Das ist natürlich nicht schlimm. Nur eben anders, als wir alle es uns vorgestellt haben. Dieser Gedanke inspiriert mich übrigens auch gerade zu einer Geschichte. Die ich vielleicht heute, vielleicht morgen schreiben werde.

Jetzt sitze ich zuhause. Die nassen Schuhe, die kalte Hose ausgezogen, in meinen warmen Norweger-Pullover eingehüllt. Den Tönen von Ray LaMontagne und Remy Zero lauschend. Mit dieser sanften Musik und allem drum und dran sucht sie wieder den Weg in meinen Kopf. Im Herz ist sie irgendwie schon. Die Melancholie. Trotz des Spaßes und der Freude, die ich in den letzten Tagen erleben durfte. Immer wird es anders.

Es wird anders.
Immer.
Anders, als ich es mir vorgestellt habe.

All The Things I’ve Got.

All the things you I need.

Mit einem festen Druck auf die Stirn beginnen. Mit langsamen, festen Bewegungen den Träger meines Wissens leicht massieren. Dabei den ungewaschenen Haaren immer näher kommen. Auf meinen aufgerissenen Lippen herumkauen und mit der anderen Hand über mein unrasiertes Kinn streichen. Leicht genervte Gesichtszüge erkennen lassen. Den Blick zu ungeduldig wirkenden Augen verringern. Das Jucken in den Winkeln versuche ich mal zu ignorieren.

Von außen fällt Licht herein in dieses abgedunkelte Zimmer. Es prallt ab. Zuerst auf das in der Einfahrt geparkte Auto meines Vaters. Und dann tastet es sich langsam bis zu einem meiner vier Fenster vor. Das erste Links, wenn man es von meiner Tür aus betrachtet. Das Einzige ohne Gardinen. Mir Gedanken machend. Das ist jetzt also das Ende. Mhm. Es fühlt sich anders an. Ich fühle mich befreiter. Fühle mich anders. Fühle ich mich gut?

Ich fühle. Das ist schon mal ein gutes Zeichen. Und nein, ich habe mich nicht schon wieder verliebt, in eine Person, die schöne große Augen hat, und ein bezauberndes Lächeln. Nein. Und nein, ich warte auch nicht. Viel zu lange habe ich schon gewartet. Von all meinen Verliebtheiten habe ich fast drei Viertel gewartet. Gehofft. Dass alles besser wird. Gefühle und Gedanken auch für das Gegenüber das werden, was sie für mich sind. Wahre Gefühle. Liebe. Erst jetzt fällt es mir so gut auf, dass das alles schon einmal war. Schon einmal, zweimal, nein, dreimal. Dreimal vor ihr war ich ernsthaft verliebt. Immer wieder diese Rückfälle, das Warten und Hoffen und der Bruch. Hier ist er also. Der Bruch. Der Murenabgang, der den Weg, der uns verbindet, versperrt. Vielleicht wird er irgendwann weg sein. Aber bis dahin ist alles anders.

Ich habe jemand Besseren verdient, als dich. Denke ich mir die ganze Zeit. Überlege. Es gibt so viel mehr Menschen, die eine größere Fähigkeit haben, zu lieben als du. Ich frage mich, ob du überhaupt diese Fähigkeit hast. Ich atme diesen Duft ein. Aus meinem Zimmer. Als würde hier irgendetwas vermodern. Höchstwahrscheinlich ist das auch der Fall. Was mich immer noch zum Schmunzeln bringt, ist deine Aussage: „Ich mag deine Freunde nicht.“. Du hast es nie so wortwörtlich gesagt, es ist sicher kein O-Ton. Aber oft genug hast du mir genau das gesagt. Das Problem: Du hast dich nicht bemüht. Nie hast du dich bemüht. Du wolltest meine Freunde nicht nett finden. Wie so oft. Hast du dich nicht bemüht.

Das hier klingt wie ein weinerlicher Prozess der Abnabelung. Es ist aber viel eher eines der vielen Revue-passieren-lassen-Stadien. Du wirst mir jetzt auch noch immer in meinen Gedanken unterkommen. Aber nicht als die Person die ich bedingungslos liebe. Ich will mir nicht weiter weh tun. Aber es fühlt sich anders an. Es fühlt sich an, wie diese warme Musik. Mit dem zittrigen Cello im Hintergrund. Die Flasche neben mir, nein, kein Alkohol, nur geschmackverzerrtes Mineralwasser, leert sich von Minute zu Minute. Das Lied wiederholt sich zum fünfzehnten Mal. Ich reibe mir die Augen, so müde bin ich. Wie schon jeden Tag in den letzten drei Wochen. Das Bett neben mir, aber die fehlende Motivation vor mir.

Wo war er, der Neubeginn. Nach all den Jahren der Schule. Nichts wurde neu. Alles blieb beim Alten. Erst jetzt fühlt es sich richtig an. Zum ersten Mal seit langem spüre ich einen Schritt nach vorne. Ein Fortschritt auf dem Hundertmeter-Rückwärtslauf. Und mein Kopf fällt langsam zurück. Ich gähne. Viel zu lange und vulgär. Und so tippt mir die Dunkelheit mal wieder auf die Schulter. Freundschlaftlich begrüße ich sie. Aber hey, würdest du jetzt wohl sagen. Was ist schon Freundschaft.

Tenemos Que Hablar.

Alltag

We have to walk.

If you would walk a while, we could waste the day. //Foo Fighters.

Der Schnee kam zurück in mein Leben. All die letzten Überbleibsel vom schon länger zurückliegenden Einbruch des Winters wurden überdeckt von einigen vielen Zentimetern Neuschnee. Die Sonne konnte man heute noch nie sehen, der Nebel hat mein Zuhause eingeschlossen und der jetzt auftretende Regen lässt das Kopfweh wieder auferstehen.

Believe anyhting you want to. But please, please just walk away. //5 Chinese Brothers

Das Telefonat gestern hat mich aufgewühlt. Hat meine Stimme und meine Worte zurückgeschraubt. Ruhig wurde ich, bedeutungslos alles in meinem Leben. Wut, Zorn, Versuch des Verständnisses und dann doch wieder nur Wut. Ein normaler Mensch würde spüren, was manb mit einem Menschen anrichtet, wenn man sich so benimmt, wie du. Jeder Freund spürt es schon. Nur du nicht. Dir fehlt die Sicht.

Cause you make me feel so good ‚cause you’re so bad. //Aerosmith

Den Tag verbraucht. Die Nacht anbetend. Eine Cocktail-Party nennen es die einen. Endlich mal wieder ein komplett gemütliches Zusammentreffen. Wo wirklich beinahe alle wichtigen Menschen da sind. Freunde. Und wir alle werden Cocktails mixen. Werden Spaß haben, Musik hören. Rauchen, uns betrinken. Und in wenigen Minuten werden wir auch noch einkaufen fahren. By the way, übrigens.

Don’t walk away, don’t say goodbye. Don’t turn around, don’t let it die. //Air Supply

Träume holen mich ein. Der Druck ob der fehlenden Trauerverarbeitung erhebt sich in meinen Kopf. Statt Lebensberichte erscheinen hier viel öfter diese minimal literarischen Texte. Weil das Leben nichts mit sich bringt. Und die Kreativität zurück in meinen Kopf gelangt ist. Gedanken werden zu Worte, Gefühle zur Philosophie.

Walk On. With hope in your hearts. You’ll never walk alone. //Conway Twitty

Nicht alleine. Gemeinsam. Gestern. Den Film Garden State. Ein wunderbarer Film. Wunderschön. Unglaublich. Ich identifizier mich mit all den Gedanken und all den Szenen. Einfach nur wunderschön. Und so verschwinde ich aus diesem Tag. Melde mich ab. Für heute. Für diesen Monat.

Im Taxi. Weinen.

Mit der Welt nicht mehr zurecht kommen, den Kopf schütteln, als man diese Geschichte liest, und irgendwann auch mal im Taxi zu weinen beginnen. Bis man plötzlich zu lachen beginnt. Weil man endlich gerafft hat, dass man die eigene Geschichte gelesen hat.

„The same procedure as every year“. Diese Zeilen hängen mir schon seit meiner jungen Kindheit in den Ohren. Wie für viele hunderttausende Eltern war es auch für die meinen schon Tradition, vor dem Fernseher zu sitzen und dieses Stolpern und das Trinken zu beobachten. Kurz, bevor das Jahr umbrach. Und man sich eine neue Jahreszahl merken musste. Meistens nur eine Ziffer. Und einmal wurden sogar die kompletten Vier ausgetauscht. Alle sprachen vom Millienium, vom Crash, vom Ende der Welt. WIe immer, wenn die Welt etwas laut verkündete, war alles nur heiße Luft.

Ich bin geboren. Vor der Wende. Auch wenn ich kein Deutscher bin, und die Österreicher mit Ost-West nicht so (dieses „so“ soll relativ zu verstehen sein) involviert war. Nur um den jüngeren Lesern irgendwie klar zu machen, wie alt ich jetzt schon bin. Also, ich ward geboren. Als drittes Kind meiner Eltern. Als zweites Lebendes. Durch Zufall und großartiger Intervention meiner Großmutter wurde mir der Name Dominik geschenkt. Und nein, ich werde hier nun keine Namensanalyse herausfordern. Viel zu müde bin ich dazu. Und deswegen setze ich diesen, nunmehr vierten, Rückblick fort.

Geburtstage feierte man früher stets mit der Familie. Großeltern, Tante, Onkel, Cousin, Cousine, die Großtante und ihr Mann und mein engster Familienkreis. Mit der Papp-Krone aus dem Kindergarten und bei mir, so wie jedes Jahr, diese Erdbeer-Roulade oder der Torte mit den Kerzen. Stolz wie ein Pfau. Und ohne einen Gedanken an so vieles, was jetzt gerade meinen Kopf besetzt. Damals, zu Zeiten dieser Geburtstage war die Welt schon in Trümmern. Doch damals noch sah ich über die Trümmer hinweg und erblickte den Horziont.

Weihnachten feierte man damals, und man macht das auch noch bis ins heutige Jahr, bei meiner Großmutter. Wieder einmal verwandschaftlich-familiär. Große Geschenke, kleiner Baum, und auch mal Tränen, weil etwas nicht unter dem Christbaum lag. Oder das Falsche. Jetzt, im Nachhinein schämt man sich sogar für die materielle Herangehensweise an Weihnachten. Und nimmt sich vor, sein(e) Kind(er) anders auf Weihnachten vorzubereiten. Was mir und meiner Frau höchstwahrscheinlich wohl kaum gelingen wird.

Durch die vergangenen Tage und Wochen seit dem Schicksalsschlag kommen Erinnerungen hoch, die ich zu vergessen wagte. Oder die unabsichtlich in Vergessenheit zu geraten scheinten. Als ich und der Nachbarsjunge immer viel zu lange in der Schulküche blieben, als es Erdbeerknödel oder Palatschinken (Pfannkuchen) gab. Und wir dann ca. zwei oder drei Stunden brauchten, bis wir zuhause ankamen. So vieles gab es zu besprechen. Und zwischen uns beiden baute sich irgendwie eine tolle Beziehung auf. Irgendwann, ich war glaube ich noch in der Grundschule zogen sie weg. Nicht weit. Ein oder zwei Kilometer. Doch der Kontakt brach ab. Weg war es. Weg war sie. Die einzige Freundschaft in der Nachbarschaft. Für immer.

Was mir auch noch in Erinnerung kam, war das morgentliche Frühstück bei meinen Großeltern, wenn wir eine Nacht bei ihnen schlafen durften. Ich erinnere mich noch an den Platz, an den Opa saß, sehe ihn in meinen Bildern im Kopf da sitzen, meine Oma, um einiges jünger aussehend. Und alles so schön aufgetischt. Jedes Mal war es wunderbar, bei meinen Großeltern zu schlafen. Und ich erinnere mich noch an ihr altes Auto. Und seit Jahren nun schon, versuche ich mir einen Satz in Erinnerung zu rufen, den mein Opa so oft gesagt hat. Niemand weiß, wovon ich spreche, aber ich täusche mich in diese Angelegenheit nicht. Irgendwann höre ich ihn wieder einmal und dann werde ich sagen können: Das hat mein Opa auf immer gesagt.

Soll ich schon wieder über meine verlorenen Lieben schreiben. Über den Schmerz des gebrochenen oder angeknaksten Herzens. Über des Leid mit einem Selbst. Ich möchte erst gar nicht. Vieles ging schief. Und doch sehe ich irgendwie nun eine Linie durch alles hindurch. Würde ich jetzt ein Buch schreiben. Eine Biografie unserer Familie. Eine Art Buddenbrooks für Mittelstands-Österreich in der zweiten Hälfte des 19ten und der ersten Hälfte des 20ten Jahrhunderts. Ich würde nicht einmal den Subtitel ändern. „Verfall einer Familie“. Wie sich meine Eltern verändert haben, beunruhigt mich nun schon irgendwie, wenn ich die Bilder in meinem Kopf mit den Bildern meiner Augen vergleiche. Man könnte so vieles tun, wenn man als Gemeinschaft auftreten würde. Würde man es tun, wäre so vieles einfach.

Ich bin dann höchstwahrscheinlich der verrückte Höhepunkt und schlussendlich auch das Ende des Entwicklungsromans. Dass ich mit meinem Kopf auf meiner Hand, in meinem Bett liegend, dämpfend Kettcar-lauschend, einen irren Blick auszuprobieren versuche, interessiert hier wohl auch keinen. Und so schreibe ich weiter und überlege mir Dinge. Dinge aus meinem Leben.

Die Welt liegt brach. Unsere Wut gegen die Welt, gegen Gott oder dieses verdammte Überirdische spiegelt sich im Umgang mit uns selbst wider. Wir haben schon wieder verlernt, wie wir mit uns umgehen müssen. Die Zeit des ersten, heftigsten Schockes war unsere Familie ungewohnt ruhig, das Haus wurde maximal von Musik oder einem Weinen durchströmt. Jetzt ist wieder alles anders. Musik wird kaum mehr zugelassen. Zum Weinen gehen wir meistens raus. Und ich kann sowieso nicht mehr Tränen vergießen. Nicht deswegen. Ich kann das ganze sowieso jetzt gar nicht verarbeiten. Stehe da und kann nur reden. Sitze da, und kann nur schreiben. Aber ich kann es nicht realisieren. Mache Dinge, damit er sich nicht wehtut, wenn er das nächste Mal kommt. Lege das Messer weiter in die Tischmitte, damit er es ja nicht erwischt. Und bin mir trotzdem irgendwie im Klaren, dass er doch nie wieder kommt.

Und dann sitzt man da, versucht über die Vergangenheit zu philosophieren und wird von urplötzlich von der Gegenwart eingeholt. Sieht auf seine Familie, wie Gott, oder der stille, schreibende Beobachter ohne Schweigepflicht. Und muss erschrocken den Blick abwenden und wünsche mir etwas, wenn ich die nächsten Kerzen ausblasen darf. Und immer mal wieder kommen Gedanken hoch, Erinnerungen hoch, die lange verborgen blieben. Vielleicht kann ich sie mal wieder alle sammeln. Vielleicht kann ich auch wieder neue Erinnerungen zulassen. Vielleicht kann auch wieder alles okay sein. Auf seiner Art und Weise?

If You Can’t Leave It Be.

Alltag

… might as well make it bleed.

Nach was suchtest du? Was glaubtest du zu finden? Bist du nun glücklich? Und ist nicht jede einzelne Suche absolut sinnlos? Weil man nach dem Finden schlussendlich wieder nicht ruhen kann.

Nachdem die Gardine von mir unabsichtlich irgendwann einmal wegen dem Versuch, eine Zigarette auf dem inneren Fensterbrett zu rauchen, heruntergerissen wurde, ermöglicht mir der spät-abendliche bis früh-morgentliche Blick aus dem Fenster so manche Überraschung. Dass die Welt da draußen selbst zu Mitternacht nicht durchgehend dunkel ist, sondern eine scheinbar bedrohendes rotes mattes Leuchten hervorruft. Dass Schnee selbst das Schwarz etwas wärmer werden lässt. Und dass ich schon wieder viel zu lange vor meinem Notebook sitze.

Ich schreibe. Wieder einmal. Nur noch ein Eintrag. Und dann Augen zu. Und schlafen. Ich muss das hier noch schreiben. Muss noch. Muss ich? Noch schnell auf den Veröffentlichen-Button drücken und warten. Habe ich alles richtig gemacht? Und warum?

Mit den Nachwirkungen von Fieber beschäftigt, außerdem mit Kopf-, leichten Ohren- und gerade erst auftretenden Halsschmerzen beschäftigt. Als Einziger in diesem Haus schon auf und mit Norah Jones wieder einmal eine Musik herausgekramt, die ich damals zu meinen All-Time-Favourites zählte. Die Ruhe vor dem Sturm. Die Sanftheit in ihrer Stimme. Das Brüllen in meinem Kopf. Und der Wasserkocher der mir die nächten eineinhalb Liter Tee zubereitet. Dass es noch Minuten bis Stunden dauern wird, bis ich Gesellschaft bekomme, lässt mich hier weiterschreiben, bevor ich wieder einmal die TV-Kiste einschalte.

What Am I To You. Eine gute Frage. Ich suche viel lieber die Fragen zu vorgegebenen Antworten. Das fällt viel einfacher und lässt mehr Fantasie zu. Fantasie. Ein Schlagwort der besonderen Sorte. Niemand ist irgendwie fantasielos. Nein. Das gibt es nicht. Nur Fantasie ist, so wie alles im Leben, relativ. Der Eine definiert es so. Der Andere anders.

Gestern mal wieder bemerkt, wie bemerkenswert Scrubs ist. In den erstmals im deutschen Fernsehen ausgestrahlten Folgen My No Good Reason (Mein scharfes Kindermädchen, Season 6, Folge 14) und My Long Goodbye (Meine Patenschaft, Season 6, Folge 15) habe ich mal wieder durchgehend gelacht. Bis ich kurz vor Ende mit Tränen konfrontiert war. Deswegen liebe ich Scrubs. Vielleicht habe ich auch nur geweint, weil mich das Kranksein irgendwie sensibler machte, oder weil … ich weiß nicht.

Kirsche mit irgendetwas anderem. Mein Tee für den heutigen Morgen. Wieder einmal ein Wochenende an dem nichts passiert ist. Nichts. Krankheiten entstehen bei Dominik immer Freitag und halten sich bis Sonntag. Aber ich kann sowieso nicht länger als bis heute krank sein. Morgen muss ich. Ach verdammt.

Ein Brett vor dem Kopf. Worte, sich immer wiederholende Worte in meinem Kopf. Mich für Lahja freuen. Und selbst noch wünschen. Hoffen. Glauben. Warten. Niemals aufgeben wollen. Würde mir nicht viel daran liegen, wäre ich schon wieder ganz woanders. Doch es liegt mir viel daran. Viel zu viel. Und so sitze ich hier, oder ich liege, oder ich schlafe, oder ich laufe, oder ich stehe. Und hoffe und warte. Es ist egal. Irgendwann einmal wird alles wieder passen. Es wird anders sein. Aber gerade deswegen wird es perfekt sein. So gut es eben geht. Irgendwann.

Das Leben. Und perfekt. Zwei Wörter, die sich nicht mögen. Aber irgendwann einmal, wenn der Schmerz und alles irgendwie … nein, nicht weg, sondern erträglicher sind, dann werde ich mal wieder dasitzen, vielleicht am See mit Freunden. Und werde mir denken, während wir Wonderwall singen: Perfekt.

Und so lebe ich krank in den Tag hinein. Hinterlasse überall mein Spuren. Hier meine Teetasse, da meine aktuelle Ausgabe NEON, dort meine Decke und da die Fernbedienung. Das gehört dazu, vor allem wenn ich krank bin. Nicht ausschließlich, aber vor allem. Seit langem wieder einmal ICQ gestartet. Auf ihren Nickname geklickt. Und gehofft, dass sie online geht. Aber hey, es ist gerade erst acht Uhr. Am Sonntag. Und sowieso. Und deswegen jetzt noch schnell trainieren, wie man Amokläufer wird, eine Runde Max Payne spielen. Bis ich mir die 300. Folge von Genial Daneben reinziehe. Jaja, ich weiß. Mainstream-Comedians-Kacke. Schon okay. Aber ich hab die erste Folge gesehen. Und wahrscheinlich einhundert andere. Oder noch mehr. Und deswegen.

Mich nicht rechtfertigen müssen. Wenn man es nicht sein lassen kann. Ich bin doch hier in meinem Blog. Und in meinem Blog kann ich tun und lassen was ich will. Ich bin hier der Herrscher, der Gott, … ähm … der Administrator.

Mich Dich Euch jetzt mit meinen Gedanken alleine lassen. Geht wieder schlafen. Steht erst mal richtig auf. Trinkt Kaffee, Tee, NeoCitran oder was weiß ich. Hört Musik, seht fern. Trefft Freunde, Verwandte. Lebt den Sonntag, wie man ihn nunmal lebt. Ich werde mich noch etwas auskurieren. Um ja nicht. Ähm. Ihr wisst schon.

Canonball.


Steal a little bit of my thoughts.

Stones taught me to fly

Und da kommt wieder einer auf mich zu. Reaktionsschnell weiche ich aus. Es hagelt Steine. Von allen Seiten. Nurschwer kann cihd iesen steinigen Weg beschreiten, aber ich versuche es trotzdem.

Gerne wäre ich dieser eine Stein. Den ich meterweit auf den See hinauswerfe. Der mit seiner flachen Oberfläche drei oder vier Mal das Wasser sanft berührt. Und immer größer werdende Kreise erscheinen lässt. Bis er irgendwann ohne großes Aufsehen einfach versinkt. Wahrscheinlich am Grund des Sees noch einiges an Schlamm hochwirbelt. Bis er schlussendlich für immer dort begraben bleibt.

Einfach mal ein Stein sein. Stumm und voller Geschichten. Ohne Mimik und Gefühl. Und doch fliegt er mehr oder weniger graziös durch die Luft. Und hinterlässt eine kleine Furche am Boden. Hinterlässt einen Eindruck. Schnell ist er vergessen. Und doch war er für einen kurzen MOment seines schrecklich langen Lebens der Mittelpunkt eines menschlichen Wesens.

Und so lasse ich mich fallen. Wie ein Stein stürze ich zurück. Mein Kopf schlägt hart auf und zerbricht. Wie es bei Steinen nach hartem Aufschlag ja üblich ist. Und aus ihm heraus krabbeln die wundersamsten Lebewesen. Aus meiner Fantasie eben.

Love taught me to lie

Wie es mir geht, fragst du mich. Schon wieder eine nicht so gemeinte, unpersönliche Smalltalk-Anfrage. „Gut“, sage ich. Es scheint dich sowieso nicht weiter zu interessieren. Aber ich habe gelogen. Möchtest du wirklich erfahren, wie es mir geht. All die tausend Wörter, die nicht mal mich selbst interessieren.

Liebe hat mir gelehrt zu lügen. Ich log schon vorher, wohlgemerkt. Ich bin ein verlogener Mensch, wie wir alle. Aber nie tat es mir selbst so weh, als meine Lügen an dich so uninteressiert aufgesaugt wurden. Du sollst dich doch für mich interessieren. Du müsstest erkennen, dass bei mir etwas nicht passt.

Die Liebe ist eine strenge Lehrerin. Ständig wiederholt sie und manchmal lässt sie dich einfach sitzen. Ohne der Möglichkeit, wieder alles gut zu machen. Und dann steht man da, mit dem Resultat vor Augen und fragt sich immer, warum man nicht mehr dafür getan hat. Doch meistens kann man nciht wiederholen. Und enn doch, wird alles nur schwieriger. Man glaubt, man habe schon genug Erfahrung getankt. Und doch wird man immer wieder von Neuem überrascht.

Warum kann die Liebe nicht etwas absolut Einfaches sein. Wo man mit einem kurzen Augenaufschlag die Welt iweder in Ordnung bringt. Darauf gibt es wohl keine Antwort, kein Erklärung. Wie für so vieles. Und doch sehne ich mich nach ihr.

Life taught me to die

„Der Tod gehört zum Leben.“ Was für ein komischer Gedanke. Das Diesseits hier ist für uns Lebenden das einzig visuell Wahrnehmbare. Und wenn ein Mensch stirbt, fehlt er auf dieser Seite. Unwiederbringlich ist er weg.

Durch meinen Neffen habe ich viel über den Tod nachgedacht. Schon vorher, aber um einiges öfter eben nachher. Alles kommt so überraschend. So unbeschreiblich sind die Qualen für die Hinterbliebenen. So groß die Hilfsbereitschaft der anderen Menschen. Irgendwie muss man den Tod als notwenidges Übel ansehen. Muss man. Denn unendlich leben will doch keiner von uns.

Ich möchte, so kitschig und abgedroschen es klingt, mein Leben in vollen Zügen genießen. Möchte einen tiefen Eindruck hinterelassen, bevor ich gehe. Menschen sollen aus ihrem tiefsten Inneren um mich trauern. Und ich möchte mich im Jenseits darüber freuen können, was ich im Diesseits alles erreicht habe.

Ich weiß nicht, wann ich sterben werde. Gott sei Dank. Oder wem auch immer. Und so lebe ich in den Tag hinein. Und beginne schon jetzt an mienen Träumen zu basteln. Um ja nichts zu versäumen, was für mich von höchster Wichtigkeit ist. People running circles, it’s a very, very. Mad World. Und eben das ist der Grund. Mein Neffe hat mich gelehrt, ass der TOd nach dem Leben kommt. Und ich leben noch mein Leben fertig.

Gedanken zum Lied „Canonball“ von Damien Rice aus dem Album „O“.