In Erinnerung.

Und du nimmst mir jetzt also auch den Menschen weg, zu dem ich eine so einzigartige, so innige, so wunderbare Beziehung habe. Du musst das größte Arschloch sein, Gott.

Meine Mutter und meine Schwester sitzen im Wohnzimmer und weinen. Ich kann nicht weinen. Ich habe noch keinen Tränenguss erlebt heute. Ich zittere nur seit mehr als einer Stunde, manchmal eine Träne. Mehr nicht. Ich möchte schreiben. Möchte meine Wut, meinen Zorn, meinen Hass in Worte fassen. So schwer es mir auch fällt.

Am 4. Juni 2006 erblickte Timothée Elias das Licht der Welt. Ein süßes kleines Baby. Mit vielen Haaren am Kopf, und seinen kleinen Händchen und Füßchen. Jeden Tag sah ich ihn, und liebte ihn vom ersten Tag an. Das wohl größte Geschenk, dass unsere Familie geschenkt bekommen hatte. Und er wuchs heran. Begann zu krabbeln. Irgendwann konnte er laufen, konnte Mama, Oma und Nein sagen. Er brachte Energie in dieses Haus. Er war der Sonnenschein. Er war der Lichtblick. So beschissen es mir auch ging, ein Lächeln von ihm, und meine Welt schien sorgenfrei zu sein. Heute, am 29. Oktober 2007 wachte er nicht mehr auf.

Ein Anruf meiner Mutter in meiner Zivildiensteinsatzstelle erreichte mich. Es ist etwas Schlimmes passiert. Ich habe ehrlich mit allem gerechnet. Aber nicht damit. Im Alter von einem Jahr und fünf Monaten stirbt ein Mensch, der noch so viel vor sich hatte. Ein Engel auf Erden, so kitschig es auch klingt, er war es. Sein Lächeln, seine Energie, den Spaß beim Spielen, den er hatte. Seine Liebe, sein Sein. Alles hat unsere Familie gebraucht. So zerstritten wir manchmal auch waren, Timi war unser Fixpunkt. Bei ihm waren wir alle die besten Menschen.

„Timi ist tot“. Ich beginne zu zittern, der Telefonhörer lässt sich nur mehr unfreiwillig in meiner Hand halten. „Er ist nicht mehr aufgewacht“. Ich möchte am liebsten weinen. Ich zittere. Melde mich vom Dienst ab und fahre mit dem Auto nach Hause. Die ganze Zeit „The Drugs Don’t Work“. All these talks of getting old. Du hättest alt werden sollen. So viele Pläne hatte ich mit dir. So viele Träume. Gestern nacht habe ich an dich gedacht. Heute morgen. Als du wahrscheinlich schon tot warst.

Und ich warte. Warte auf meine Tränen. Ich hasse es, wenn ich weinen möchte, aber ich nicht kann. Irgendwann kommt dieser Moment. An dem alle Dämme brechen. Ich hätte dir doch noch so vieles sagen wollen. Ich wollte so vieles mit dir teilen. Ich wäre der beste Onkel gewesen, den man sich nur wünschen kann. Ich hätte dir die Welt vor deinen Füßchen ausgebreitet. Wäre mit dir in hinaus gezogen. Und jetzt liegst du tot da. In irgendeinem Krankenhaus, wo festgestellt wird, woran du gestorben bist. Und ich kann nicht zu dir. Kann dich nicht ein letztes Mal drücken. Dir einen Kuss geben. Kann mit dir nie mehr die Katze fangen, und dir nie mehr Süßigkeiten zustecken. Alles was mir jetzt bleibt ist die Trauer und die Erinnerung an den besondersten Menschen, den es je gab.

Du warst das Beste was mir je passiert ist. Du warst ein Engel. Jetzt bist du es wieder. Ich liebe dich so sehr. Und ich habe dich verloren. Du bist weg. Aus meinem Leben. Mir bleiben nur die Gedanken an dich. Und all die wunderbaren Momente mit dir. Ich würde so gerne noch einmal mit dir kuscheln. Deinen Kopf an meiner Schulter spüren. Dein Lächeln sehen.

Du bist weg. Für immer. Ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr. Du fehlst mir. In jedem Moment. Ich hasse die Welt. Hasse Gott. Hasse jeden, der dazu beigetragen hat, dass du jetzt nicht mehr da ist. Ich liebe dich. Verdammt. Ich liebe dich. Ruhe in Frieden, mein kleiner Timi. Ruhe in Frieden.

You On My Mind In My Sleep

Warum ich mich erst heute wieder um 15 Uhr melde. Was in den letzten dreißig Stunden passiert ist. Und was denn heute noch stattfindet. Und warum ich mir wohl wahrscheinlich diese Woche die Haare nicht mehr schneiden lassen werde.

Gestern war, durch den heute stattfindeten österreichischen Nationalfeiertag, mein letzter Arbeitstag dieser Woche. Und nachdem man von Montag bis Mittwoch gequälte Langeweile nach sich zog, so war dieser Donnerstag definitiv etwas anders. Etwas zu spät angekommen, trotz eigener Autofahrt. Den Kopf woanders und mit der Motivation am Ende. Kurz noch den Computer eingeschaltet, die Blogs auf Kommentare überprüft. Und dann, ab ca. 9 Uhr,  bis ca. 15 Uhr in der Küche // dem Seminarraum hässliche bunte Würfel zur Lärmdämmung aufgehängt. Mit Bohren, Dübeln, Schrauben und Aufhängen. Vierzig Mal übrigens, für zwanzig Würfel. Und um 15 Uhr war es dann das erste Mal, dass ich mich hinsetzen konnte, und einfach mal sagen konnte. Fertig. Auch wenn diese selbstverliebte Frau (meine Chefin) es vollbrachte, mich innen zu kochen zu bringen, aber nach außen hin eiskalt ruhig zu halten. Denn irgendetwas musste ja nicht passen.

So what. Mit dem Auto nach Hause. Noch brav einkaufen. Und dann irgendwann um neunzehn oder zwanzig Uhr auf der Couch eingeschlafen. Und aufgewacht, ca. zehneinhalb Stunden später. Der gestrige Tag schien mich also wirklich geschlaucht zu haben. Und als hätte ich noch nicht geschlafen, fiel ich heute vormittag auch immer mal wieder zurück in diese Lage. Jetzt noch mal schnell ein Feiertagsessen bei McDo geholt. Und nochmal schlafen.

Und was dann noch alles so passierte? Ein verpasster Tee mit Sarah, eine verpasste ICQ-Anfrage von Thomas und ein verpasster Anruf von Stefan. Die erste Tag nach der Abreise meines Vaters nach Amerika. Das Haus ist still und beinahe leer. Der Tag verliert seine vierundzwanzigstündigen Daseinsberechtigung. Und die drei freien Tage werden stressreich aber hoffentlich wunderbar lustig. Heute findet beim Lukas eine Glühwein und Punsch-Session statt, die erste in diesem Jahr. Morgen ist ein Maturaball, der zweite für mich in dieser Saison. Und am Sonntag findet ein Taizestunde in einer Kirche statt, und da mir die Idee von Taizé und die Lieder gefallen, werde ich auch dort sein. Und dann beginnt die 11. Woche meines Zivildienstes auch schon wieder.

Den Kopf woanders. Am Donnerstag weckte mich meine Mutter wie immer um 5:30 Uhr auf. Gerade als ich seit langem wieder einmal einen Traum träumte, an den ich mich auch später erinnern konnte. Ein Traum mit ihr. Wo ich überraschend anders reagierte. Und alles so ungewohnt war. Sie kam zu mir. War total anders drauf und alles war perfekt. Und dann ist der Traum zu Ende, da ich geweckt wurde. Dieser Traum. Träume können war werden. Werden sie es denn wirklich? Ich weiß es nicht.

Ein Traum. Eine viel zu lange Schlafnacht. Eine vollgeplantes Wochenende. Und ich.

Bottomless Seas.

Und ich liege wach. Und du siehst mich nicht an. Hast mich schon lange nicht mehr angesehen und angefangen, zu glauben, ich sei Teil des Inventars. Unverzichtbar aber doch absolut unnötig.

Und ich öffne die Augen. Und du atmest durch. Unsere Blicken treffen sich, doch deine Augen sind leer. Alles in dir ist leer. Und während wir uns in die AUgen sehen, saugst auch du ganz langsam alles aus mir raus. Ich spüre es zwar, ich fühle. Doch ich fühle mich leer.

Und ich erhebe mich. Und du stößt mich zurück. Mit einer Wucht und einer Gewalteinwirkung. Du schlägst mir gegen die Schulter und weißt, dass ich da schon lädiert bin. Es ist dir egal. So wie dir alles egal ist.

Und ich blicke mich um. Und du siehst mir entgegen. Stehst unter dieser Schneewolke. Du und ich. Wir beide. Als Einheit in all dem Chaos. Du bist nicht mehr. Und ich schon. Und ich spüre den Schnee kalt auf meinen Schultern.

Und ich verlasse mein Zimmer. Und du bleibst. Ich schließe die Türe. Verliere den Schlüssel. Du bleibst unverschlossen. Und so gerne ich nun gehe, so ist mir doch bewusst, dass ich wiederkommen muss.

Und ich sitze im Zug. Und du mir gegenüber. Du sprichst mich nicht an, und ich höre Musik. Oder lese. Oder schreibe. Versuche auf andere Gedanken zu kommen. Und doch gehört jeder Gedanke einem Menschen.

Und ich beginne zu arbeiten. Und du bist überall. Ob ich denn nun im Internet surfe oder meine E-Mails überwache. So vieles erinnert an dich. Gespeicherte Mailausgänge. Gästebucheinträge oder persönliche Nachrichten. Blogs, Videos. Bilder. Verdammt. Und überall bist du.

Und ich bereite mich auf mein Bett vor. Und du bist bei mir. Ich beginne meistens zu schreiben. Höchstprofessionell, manchmal in ein Büchlein. Manchmal auf einen Block. Und die Worte sammeln sich. Alles wird schon in meinem Kopf konstruiert. Auch du.

Und ich drehe das Licht ab. Und du hältst mich. Es ist viel zu früh zu gehen. Die Gedanken seien noch nicht zu Ende gedacht. Und ich schreibe weiter. Bitte um Erlösung und um künstlerischen Beistand. Ich setze hinter das letzte Wort einen Punkt.

Und ich verlasse diese Welt und schließe die Augen. Und du hauchst mir ins Ohr oder fährst mir mit der sanften Haut deiner Hände um meinen Nacken. Es ist kalt. Ich zittere, doch nicht aus diesem Grund. Ich taste um mich.

Und ich liege wach. In diesem großen Haus mit den alten, dicken Mauern. Und du wirst schlafen. In eurer Wohnung in dieser Siedlung. Du wirst schon tagelang wahrscheinlich nicht mehr an mich gedacht haben. So wie ich. Ich habe schon lange nicht mehr an mich gedacht.

Und dann fragst du mich, warum ich dich nicht aus dem Kopf kriege? Und dann frage ich dich: Wie? Wie verdammt noch mal soll ich das schaffen? Wie nur. Denn überall bist du.

Remembering Your Touch. Your Kiss. Your Warm Embrace

Deine Hand, wie sie die meine hält. Meine Hand, an deinem Rücken. Deine Fingerspitzen auf meinem Körper. Gänsehaut. Das Gefühl deiner Haut immer noch im Gedächtnis. Den Geruch deiner Finger. Der Duft von dir. Die Nähe. Als Zeichen der Gemeinschaft. Der lösende Körperkontakt nach einer Nacht, in der wir miteinander eingeschlafen sind. Das ruhige Atmen meinerseits, wenn ich als erster munter werde und dich noch minutenlang beobachte. Dein Gesicht. Diese sanften Züge. Das langsame Heben deiner Nasenflügel, wenn du ausatmest. Deine geschlossenen Augen.

Das Gefühl übermutiger Freude. Die Berührung unserer Lippen, nach so vielen Tagen. Das Entdecken, dass unsere Küsse salzig schmecken. Dunkelheit. Und deine Augen voll Tränen. Deine Erleichterung und wahrscheinlich auch die Gedanken voller Sorge. Die Zuversicht in unseren beiden Gesichtern. Die Hoffnung. Die Ernüchterung, Tage, Wochen später. Der letzte Kuss, an den ich mich erinnern kann. War der Kuss, der uns zum zweiten Mal vereinte. Gefüllt mit Tränen. Voll Freude. Und vielleicht voll Angst.

Die Ungewissheit. Das Unvermögen, die Situation richtig einzuschätzen. Ein Kuss auf die Wange, zum Abschied? Nach diesen Tagen. Viel zu früh, vielleicht. Eine Umarmung. Lange. Zärtlich. Voller Verliebtheit. Und voller Fragen. Unser erster richtiger Kontakt, nach den Tagen des Kennen- und Liebenlernens. Das Ende und das Danach. Treffen ohne Kuss auf die Wange. Manchmal ohne Umarmung. Das Gefühl innerer Leere und die Frage, wie so etwas passieren konnte. Kalter Schauder. Unsichtbare Tränen und ein Kopf voll Bright Eyes.

Erinnerungen an deine Berührung, dein Kiss. Deine warme Umarmung. Alles und noch so vieles mehr. In meinem Kopf.

Wait Till Tomorrow.

Das Morgen eine Vision des liebenen Heute. Und das Gestern als Grund für dieses Heute.

Ich habe ehrlich alles versucht. Gefühle bekämpft, Gedanken unterdrückt. Mich verrückt gemacht, mit dem Versuch alles zu verdrängen. Der Zusammenbruch. Und das Einsehen, dass vielleicht vieles verloren ist. Ich aber zu aufgeben nicht bereit bin.

Angst vor ungefragter Sprachlosigkeit. Verzicht auf Anrufe. Viele andere Versuche, um Kontaktaufnahme. Und so viele anschließende Enttäuschungen. Das Wachliegen und das Warten. Die Erlösung und ein kleiner Hauch von Wut. Verständnis. Einschlafen mit der Freude darüber, überhaupt eine Antwort bekommen zu haben.

Viele Male über mein leben nachdenken. Über mein alter. Meine Erfahrung, meine Ziele. Ernüchterung. Viel Verlorenes. Vermisste Erlebnisse und immer diese ungeschehenen Dinge aus lauter Angst. Wie viele Tage werde ich noch an mein Warten verlieren? Wie viel Leben versuche ich mir für später aufzusparen?

Ich will keinen Schluss sehen. Sehe die Hoffnung im Warten. Und in der Veränderung. Werde anwesend sein, ohne bekämpfte Gefühle, ohne unterdrückte Gedanken. Werde die Tage zählen; die, die ich verloren habe, und jene bis es soweit ist. Nur bleibt hinter dieser Zahl stets ein Fragezeichen.

Ich fühle mit gut mit dieser Entscheidung. Auf Verständnis werde ich wohl nicht stoßen, aber Verständnis benötige ich in meinem Zustand auch nicht. Nur Geduld. Zeit. Vielleicht irgendwann später die Einsicht. Oder die entgültige Erlösung. Um mehr bitte ich doch gar nicht.

As Time. Goes By. Verhasste Neue. Welt.

Eine Erinnerung an die Zeit, als es noch ein Wir gab. Ohne euch, euch und euch.

Viel zu oft wollte ich schon darüber schreiben. Wie sich die Welt verändert hat, während ich derselbe geblieben bin. Jahre zogen vorbei und ich hatte immer nur diesen einen Wunsch. Es sollte so bleiben, wie es war. Doch es kam, verständlicherweise, ganz anders.

Ich rede von meiner „Clique“. Wie soll ich es denn auch anders beschreiben. Freundeskreis. Ja, stimmt. Das ist schöner. Und vielleicht auch passender. Ich erinnere mich immer noch gerne an diese Zeit zurück, an dem wir uns stets als „Single“ trafen. Du hattest zwar einen Freund, der wohnte jedoch kilometerweit von uns entfernt. Und deine Freundin, war eben nicht Teil unseres Freundeskreises. Sie hätte es nie werden wollen, und wäre es auch nie geworden. Das war egal. Und wir alle. War jeder Einzelne Teil des Gesamten. Und wir traten auch bevorzugt gemeinsam auf. Fehlte einer, fehlte ein Teil des Gesamten.

Vielleicht habe auch ich den Anstoß am Zerfall dieses Wir gemacht. Du und ich. Als wir unsere ersten Bekanntschaften machten, während du eigentlich noch in deiner schwierigen Beziehung verheddert warst. Ja. Vielleicht bin ich Schuld. Oder die Evolution. Der Zyklus der Jugend. Das Leben itself. Wir traten nie als Paar auf. Weil wir selbst nicht wussten, was wir wollten. Wir waren zwar immer noch Teil des Wirs, wir beide, und beanspruchten nie ein eigenes Wir für uns.

Aber dann begannen weitere Veränderungen in unserem Freundeskreis. Als ich mich plötzlich von dir lossagte, sollten wir keine Beziehung führen können, und du dich in ihn verlorst, er, der noch Teil eines anderen Wirs war. Als plötzlich küssen und sexueller Kontakt innerhalb des Freundeskreises normal waren. Und ich doch immer nur „zusehen“ konnte. Wir hatten zwar nach außen hin immer noch dieses Wir über uns stehen. Die anderen sprachen von Denen. Diese Gruppe. Diese fünf, sechs, sieben, acht. Unser Freundeskreis eben.

Aber sie bemerkten nicht, dass sich hier so viele weitere Wirs enstanden sind. „Hey, was machen wir heute?“ – „Ich weiß nicht, was du machst. Aber ich und X werden heute zuhause bleiben.“ Ach. Ja. Hatte ich ja ganz vergessen. Nicht nur einmal. Viel zu oft passierte das. Ich fühlte mich wie das neunte Rad am Wagen. Jeder schien eine Beziehung zu haben. Und als dann auch ich endlich eine Freundin hatte, außerhalb des Freundeskreises gefunden, da wollte ich plötzlich nicht mehr mit all diesen vier oder fünf Wirs auftreten. Ich hätte mir wieder ein großes Wir gewünscht. Egal wer jetzt mit wem was tat. Wir waren Freunde. Sind es immer noch. Und doch hat sich durch all diesen Austausch von Körperflüssigkeiten für uns alle etwas verändert.

Wir haben uns verändert. Ich wiederhole mich. Ich weiß. Aber gerade diese Veränderung finde ich schade. Ich habe so viel in diesem Wir verloren, dass nun, durch die Aufspaltung durch Zivildienste und Studiums entstanden, wohl nie mehr dieses Wir werden wird, das es einmal war. Und wovor ich am meisten Angst habe? Vor dem Auseinanderbrechens eines dieser kleinen Wirs. Dann heißt es sich entscheiden. Nord- oder Südpol. Diesen Teil des Freundeskreises verlieren, oder diesen behalten. Ja, genau davor habe ich Angst. Ich bin wieder das Ich. In einem Wir aus lauter Euch. Irgendwann werde ich auch wieder mit irgendjemandem ein Wir bilden. Aber an euch habe ich mich schon lange verloren. Tell Me. What Went Wrong?

Unausgesprochene. Gedanken.

Jedes Mal wenn ich dich sehe, sind die Gefühle wieder da. Ich kann dich nicht vergessen. Und an manchen Tagen will ich dich auch nicht vergessen. Du warst meine erste große Liebe, für dich habe ich zum ersten Mal wirkliche Liebe empfunden, zu dem Zeitpunkt, als bei dir die Schmetterlinge schon wieder verschwunden waren. Wir dachten, es wäre richtig, was wir taten. Und trotzdem sitze ich hier da, mit der Gewissheit, dass der Weisheitszahn rechts unten mir Spaß bereiten wird, und meine Gedanken bleiben doch bei dir. Ich kann keine Geschichten, keine Texte schreiben, mit dem blauen Bild à la „Erwachsen werden“. Ich lebe zwar. Aber ich liebe auch. Und Liebe bestimmte schon immer mein Leben. Ich möchte dir so viel sagen. Ich möchte dir wütend ins Gesicht brüllen. Möchte dir sanft über deine Haare streichen. Möchte dich küssen. Möchte dich sehen. Möchte dich sprechen. Möchte mit dir schweigen. Was willst du. Weichst du mir aus. Kennst du dich überhaupt noch in meinem Leben aus. Kennst du mich überhaupt noch. Willst du mich überhaupt noch kennen. Hat dir eigentlich in letzter Zeit irgendjemand gesagt, dass du immer noch hübscher wirst. Du hast mich nie ernst genommen, als ich dir sagte, dass du wunderschön seist. Es hörte sich alles so kitschig an, aber es war mein einzigstes Empfinden, wenn ich dich sah. Du hast Schluss gemacht. Wir haben es noch einmal probiert. Ich // Wir haben Schluss gemacht. Es fühlte sich so richtig an. Doch es war einfach nur falsch. Ich will nicht mehr. Ich will dich nicht mehr so lieben müssen. Ich will dich lieben können. Ich will, dass du mich auch liebst. Ich will. Aber vielleicht wird es nie dazu kommen. Vielleicht wird sogar die gewünschte Freundschaft keinen Fortbestand haben. Aber ich vermisse dich. Du fehlst mir. Es tut weh. Es tut so verdammt weh. Und dass sage ich nicht nur, weil sich gerade der Zahn durch das Zahnfleisch bohrt. Nein. Innen drinnen tut es weh. Du fehlst. Es ist nicht. Wie es sein sollte.

What Can. I Do.

Was kann ich tun.

Du sprichst mit mir, als wäre alles okay. Aber in mir drinnen brodelt es. Ich fühle Wut und bin traurig. Fühle Trauer und bin wütend. Ich möchte dir so vieles sagen, so vieles an den Kopf werfen. Möchte einfach mal alles nur rausschreien, wobei ich mir denke, dass ich bei dir kein einziges lautes Wort herausbekomme. Du verstrickst dich Erklärungen und Entschuldigungen, sendest Worte, die ihren Empfänger verfehlen. Das Einzige was ich machen kann, ist, dass ich kurz angebunden das Telefongespräch zu beenden versuche.

Was kann ich tun.

Ich sehe dich wieder. Das bist also du. Hast dich nicht verändert seit letzter Woche. Wir sehen uns wirklich nur mehr so. Auf einem Maturaball. Auf einer Demonstration. Immer kilometerweit entfernt von unseren beiden Heimatorten. Nur wenige Worte wechseln wir, ich seh dich an, und die Wut, die traurigen Gefühle sind für diesen Moment des überschwänglichen Glücks verschwunden. Sie kommen wieder, ich weiß. Aber ich fühle mich einfach nur gut, selbst wenn du drei Meter entfernt, unter fünfhundert Menschen bist. Du bist nicht eine unter fünfhundert. You’re one in a million.

Was kann ich tun.

Du weichst mir scheinbar aus. Wann haben wir zum letzten Mal unter vier Augen, alleine, geredet. Wann haben wir zum letzten Mal die Stille genossen. Haben wir das überhaupt schon einmal? Mir fehlt die Nähe zu dir. Fehlst du. Ich würde gerne wieder solche Tage wie in Vorderstoder erleben. So ein Lichterfest, wie letztes Jahr. Solche Monate voll. Lie…. Solche Monate eben.

Was kann ich tun.

Fast ein halbes Jahr ist es nun her. Zwei Gefühlsflashbacks habe ich hinter mir. Und ich frage mich, wie ein Mensch nur so lange einen verfolgen kann. So oft, wie ich an dich denke, das tut mir nicht gut. So oft, wie ich über dich schreibe, das ist nicht normal. Ich werde // kann nicht aufgeben. Man kann Liebe oder das Verliebtsein nicht einfach so abstellen. Gefühle sind da. Und bleiben auch oft viel zu lange.

Was kann ich tun.
Ich. Damit Ich.
Dich.
Vergessen Kann.
Ich. Dich.
Was kann ich tun.
What Can I Do.
To Make You.
Love Me.

Suddenly. I See. A Part Of. Me.

Es fehlt mir an Geschehenem. An der Gegenwart. Soll ich auf die Vergangenheit zurückfallen oder über die Zukunft philosophieren. Ich weiß es nicht. Die Gegenwart lässt es aber zumindest nicht zu, dass ich mich ausgelassen über sie aufrege, mich mit ihr freue oder sie vergessen möchte.

Die Tatsache, dass mein Blogeintrag Platz 1 bei Google hat, wenn man nach dem ORG-Ball sucht, beunruhigt mich. Welcher Maturant oder Schüler auch immer diesen Text liest, wird vielleicht auch Maria kennen. Und gerade dieser Gedanke beunruhigt mich. Sie hat ja schon vor langer Zeit das letzte Mal vorbeigesehen. Schon blöd, wenn dann der Eintrag bei Google so weit oben landet. Hmpf.

Aber darüber soll ich mir keine Gedanken machen. Ich habe anderes zu tun. Anderes zu denken. Nichts sollte mich eigentlich aus der Aufregung und Nervösität bringen. Und deswegen rolle ich nach einigen anstrengenden Aufgaben hier langsam mit dem Rollsessel nach vorne und zurück. Und wünsche mir den Donnerstag herbei. An dem ich total fertig und mit Restalkohol wieder am Schreibtisch sitze.

Ja, und da ich mich in den letzten Beiträgen nun nur auf diesen einen Tag beschränke, scheine ich auch den letzten Zweifler zu überzeugen, dass ich ein mulmiges Gefühl, ich will fast sagen „Angst“, habe. Das gehört dazu. Denk ich mir. Aber die schlaflosen Nächte, die noch folgen werden, bis ich mich endlich Maturant nennen kann. Sie werden hart sein.

Und während ich jetzt so nachdenke, scheine ich eine andere Art der Beziehung für möglich zu halten. Früher schien ich nur Zeit für sie, die Eine zu haben. Aber da ich jetzt sowieso nur mehr Stress habe, mit Freunden viel unterwegs bin und oft auf einen Kaffee oder ins Kino gehe, würde ich mir denken, dass meine Freundin, sofern ich eine hätte, nur ein, zwei Mal in der Woche für mich da sein müsste. Mit dem Geschichten anhören von mir. Da sein, um mich zu trösten. Oder mir Mut zusprechen. Nicht so wie früher. [das kam mir erst vorhin in den Sinn]. Das ist das Leben, denk ich mir.

Und Alles Andre. War Egal Und. Längst Vergessen.

Die Welt beruhigt sich. Rund um mich. Und trotzdem bin ich unruhig, leicht gereizt und von Kopfschmerzen geplagt. Was ist los mit mir? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es diese eine Prüfung. Die eine am Mittwoch. Ich habe Angst. Im Hintergrund schnarcht mein Vater und im Fernseher läuft Richterin Barbara Salesch. Und langsam denke ich mir, ich freue mich auf den Winter. Freue mich auf Regen. Freue mich, wenn ich weg bin von hier. Ich habe Kopfweh, fühle mich eingeengt. Hasse mein Zimmer. Der Raum, in dem ich schlafe. Ich hasse meine Gedanken, Gefühle. Ich liebe es aber trotzdem. Mein Leben. Ich weiß nicht, was los ist.

Die Welt zusammenstürzen sehen. Mich selbst belügen. Anzug anziehen, mich gepflegt aus dem Haus begeben. Auf einen Ball gehen, auf dem ich nur eine Person wirklich gut kenne, und ich die anderen als gute Bekannte einordnen würde. Die ich das letzte Mal im Jänner gesehen habe. Nein, weitere Freunde sind nicht da. Ich bin alleine, in einer Menschenmenge. Irgendwann werde ich, wieder total nüchtern (natürlich) nach Hause fahren, ins Bett fallen und an meinen Gefühlen und Gedanken zu ersticken versuchen.

Die Welt baut sich neu auf. Doch es ist immer noch da. Es will nicht weggehen. Selbst jetzt nicht. Ich brauche Abstand. Mindestens zweieinhalb Stunden mit dem Zug muss ich weg um endlich mit allem abschließen zu können. Ich freue mich auf Wien. Wenn ich von hier weg bin. Meine Eltern nur mehr zwei Tage in der Woche sehe, und viele Menschen vielleicht nur mehr einmal im Monat. Wenn überhaupt. Darauf freue ich mich. Mit Kopfschmerzen. Dem Plan für diesen Abend. Und der Angst vor Gefühl und Gedanken.

Gebloggt mit Flock