
Warum alles leichter fällt, als eine Niederlage einzugestehen.
Wenn man beim Hundertmeter-Sprintwettbewerb um 2 Hundertstel den ersten Platz verfehlt, ist mich vielleicht anfangs sehr enttäuscht, aber irgendwann akzeptiert man es. Man war einfach zu langsam, wenn auch nur knapp. Wenn man bei einem Reitwettbewerb vom Pferd fällt, sieht man auch bald ein, dass man etwas falsch gemacht hat. Aber kann man das, also das Verlieren, nur im Sport. Was ist mit der Liebe?
Ich spreche aus Erfahrung. Ja, vielleicht hört es sich naiv an, ich war erst einmal in einer Beziehung. Und vielleicht kommt es mir nur so vor, aber ich scheine mit der Zeit immer mehr daraus zu lernen. Es hat auch lange genug gedauert. Einige wenige Monate waren wir glücklich, und ich glaube, dass wir beide, ja, du und ich, wirklich glücklich waren. Ließen uns gegenseitig fallen und wussten, dass wir uns wieder auffangen würden. Doch dann gingen die Schmetterlinge fort, und du wusstest es nicht mehr, bekamst Zweifel, fingest an, dich zu entlieben. Nichts wäre richtiger gewesen, als Schluss zu machen. Du hast das auch gemacht. Hast mir erklärt, dass es nicht mehr so ist wie früher. „Das es nicht mehr passt“.
Ich war perplex. Überrascht. Obwohl ich es doch schon spürte. Doch ich bekam dich einfach nicht raus aus meinen Kopf, wollte mich mit Texten gegen dich, über dich hinwegtrösten. Begann aber irgendwann einmal wieder über dich zu schreiben. Über meine Gefühle zu dir. Und als wir uns das nächste Mal trafen, drei Wochen später zirka, waren sie immer noch nicht weg. Die Gefühle. Bei dir nicht. Bei mir nicht. Wir versuchten es also noch einmal. Sahen uns durch, von der Schule verursachten, Stress kaum mehr. Immer mehr kam es mir vor wie eine Fernbeziehung. Manchmal Anrufe, oft Zweifel und immer die Angst um dich. Angst vor der Trennung. Angst vor dem Verlieren.
Was würde ich denn verlieren? Den Kampf um dich. Dich würde ich verlieren. Und das wollte ich nicht. Dutzende Male bin ich zu dir gefahren, wollte dir klarmachen, dass mir es so nicht passt, wie es ist. Wollte dir zeigen, dass das, was wir sind, kein Paar ist. Dass eine Beziehung anders aussieht, normalerweise. Aber als ich dann vor deiner Tür stand, anläutete, du die Tür öffnetest, und mich angelächelt hast, das war es mir egal. Alles war mir egal, all die Probleme die wir offensichtlich hatten. Ich ließ mich wieder fallen. Aber du fingest mich nicht auf. Ich stürzte, immer und immer wieder. Ich fiel, tiefer und tiefer. Doch ich suchte immer noch den Kontakt zu dir. Wo war sie hin, deine Liebe für mich. Deine Zuneigung. Wo war sie hin, ich suchte sie. Fand sie aber nie.
Wann war also der Tag, an dem ich einsehen hätte müssen, dass ich verloren hatte. War es zwei Tage vor dem Jahreswechsel. War es, als du mir sagtest, es würde nicht mehr passen. Ich weiß nur eines. Ich habe es viel zu spät bemerkt, und habe dadurch vielleicht zu viel zerstört. Habe Mauern zwischen uns entstehen lassen, die nicht einmal Gorbatschow und Kohl oder David Hasselhoff zum Einsturz bringen könnten. Ich kann es nicht.
Das ist sie wohl. Mein größte Schwäche. Selbst wenn ich es schon spüre, denke ich mir, dass es wieder besser wird. Ich bin vielleicht übertriebener Optimist. Träumer. Oder ein Idiot. Man kann es sehen, wie man will. Ich glaube an die Liebe, vielleicht bin ich noch einer der wenigen. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass sie einfach weg ist. Oder weg geht. Nicht so spontan. Ich bin Idealist. Du Realist. Ich kann es einfach nicht. Eine Niederlage einzugestehen, das würde heißen, dass ich verloren habe. Ich habe verloren. Ich. Verloren. Diese Worte sollen nicht in einem Satz vorkommen. Schon beim Mensch, ärgere dich nicht – Battle mit meiner Schwester habe ich stets das Brett durch die Luft fliegen lassen. Als es aussichtslos war. Auch beim Monopoly gingen meine Ideen nie auf. Vielleicht habe ich einfach kein Glück. Bin zum Verlieren verurteilt.
Manchmal ist es mir auch einfach nur egal. Wenn ich nicht erwarte, dass ich gewinne, z.B. bei einem 9 km – Waldlauf, als ich als Letzter durchs Ziel lief. Ich war Letzter, aber mir war das egal. Ich war stolz wie ein Pfau und außer Atem. Aber ich habe mir hier einfach mehr erwartet. Ich habe mir erwartet, dass alles anders verlaufen würde. Dass die guten Monate wieder kommen würden. Die schlechten aus unserer Beziehung verschwinden würden. Doch sie blieben. Und irgendwann musste ich es mir eingestehen. Irgendwann. Dann kam er eben, der Tag. Zwei Tage vor meinem Geburtstag. Ich habe dir erklärt, dass ich nun, für dieses eine Mal auf meinen Kopf hören muss. Und nicht auf mein Herz. Du hast mich weiter dazu angespornt. Viel zu früh hast du schon damit abgeschlossen gehabt. Mit uns.
Ich brauchte noch Zeit. Hatte Gefühls-Flashbacks. Konnte dir nicht in die Augen sehen, als wir uns, rein freundschaftlich wohlgemerkt, wieder trafen. Dachte mir, ich würde alles wieder in Kauf nehmen. Alles. Ich hätte wieder alles in Kauf genommen, mit dem Wissen, dass ich irgendwann wieder einmal verlieren würde. Mir wäre das damals egal gewesen.
Aber eines ist wichtig. Es ist wichtig, auch verlieren zu können. Ich werde das wohl erst lernen müssen. Aber für dieses eine Mal, für dich und mich bin ich jetzt soweit, dass ich sagen kann. I’m A Loser, Baby. Touché. 1 zu 0. Für dich. Wenn man das überhaupt so sagen kann.
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