Der Tag Danach. Und Er Ist Immer Noch Nicht Da.

Entweder habe ich es bis jetzt noch nicht realisiert, oder ich will einfach den starken Mann spielen. Ich weiß es nicht. Aber ich kann einfach nicht weinen.

Außer ein paar kurzen Tränen blieb ich nach außen hin gefasst. Innerlich schien ich zu zerbrechen. Mehrere Stunden lang zitterte ich. Ohne Halt, einfach so vor mich hin. Psychischer Schock nennen es wohl die leute vom Psychosozialen Notdienst. Und die Zigaretten schienen mich zwar in keinster Weise zu beruhigen, aber sie lenken einen ab.

Durch meine Unfähigkeit zu Weinen habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, der Ansprechpartner für alle zu sein. Für meine Schwester, die immer noch mit seinem Bild und seiner Kuscheldecke auf der Couch liegt, in Tränen aufgelöst. Meine Mutter, die ihre Tochter so gerne irgendwie trösten möchte, doch selbst an diesem Schmerz fast zerbricht. Und wahrscheinlich auch dann für meinen Papa, der von seiner Reise aus Amerika heute frühzeitig zurückkommt. Meine Mutter weinen zu sehen, meinen Vater. Fixpunkte und Felse in der Brandung weinen. Und ich stehe da, zittere vielleicht noch und doch ist die Welt ganz anders.

Ich möchte mich hier für die Anteilnahme und die angezündeten Kerzen bedanken. Es hat mir irgendwie geholfen. Man kann es sowieso nie verstehen, aber durch euer Mitgefühl, fühlt man, dass die Welt nicht komplett sinnlos ist. Ich danke euch.

Meine Mutter hat mich gebeten, eine Rede am Begräbnis zu halten. Ich habe sie schon geschrieben. Und sofern ich mich imstande fühle, würde ich es auch gerne tun. Gestern abend habe ich noch meine Freunde, die Leute, die meinen Blog nicht lesen, angerufen. Elisabeth hat vollkommen zu weinen angefangen, und als ich dann auch noch zur Magdalena und später zum Lukas gefahren bin, habe ich auch die beiden weinen sehen. Nur ich stand da. Sozusagen als Seelsorger für die Freunde der Angehörigen.

Ich habe gestern so lange gewartet bis sie eingeschlafen sind, so gut es eben ging. Meine Mutter und meine Schwester. Und dann habe ich in meinem Bett gehofft, dass ich endlich weinen kann. Ich habe nur nachgedacht und bin irgendwann eingeschlafen. Heute zittere ich wieder. Er ist weg. Die Pathologie hat bis jetzt noch nichts feststellen können. Und ich werde so lange für alle da sein, als scheinbar am meisten Gefasstester bis ich unter all dem Druck endlich einmal zusammenbreche und auch ich endlich weinen kann. Ich würde es so gern. Ich würde so gern irgendetwas zerstören, aus lauter Wut und Zorn auf alles. Aber jetzt beginnen die Begräbnisvorbereitungen. Und ich werde mich auch hier ausgiebig beteiligen. Irgendwie muss ich mich beschäftigen, irgendetwas mus ich immer tun. Es tut da drinnen so weh. Es ist wie ein Messer, dass mir immer wieder kleine Stiche versetzt.

Man kann es nie verstehen. Und auch nicht akzeptieren. Nur der Schmerz. Nur mit dem Schmerz kann man irgendwann besser umgehen.

In Erinnerung.

Und du nimmst mir jetzt also auch den Menschen weg, zu dem ich eine so einzigartige, so innige, so wunderbare Beziehung habe. Du musst das größte Arschloch sein, Gott.

Meine Mutter und meine Schwester sitzen im Wohnzimmer und weinen. Ich kann nicht weinen. Ich habe noch keinen Tränenguss erlebt heute. Ich zittere nur seit mehr als einer Stunde, manchmal eine Träne. Mehr nicht. Ich möchte schreiben. Möchte meine Wut, meinen Zorn, meinen Hass in Worte fassen. So schwer es mir auch fällt.

Am 4. Juni 2006 erblickte Timothée Elias das Licht der Welt. Ein süßes kleines Baby. Mit vielen Haaren am Kopf, und seinen kleinen Händchen und Füßchen. Jeden Tag sah ich ihn, und liebte ihn vom ersten Tag an. Das wohl größte Geschenk, dass unsere Familie geschenkt bekommen hatte. Und er wuchs heran. Begann zu krabbeln. Irgendwann konnte er laufen, konnte Mama, Oma und Nein sagen. Er brachte Energie in dieses Haus. Er war der Sonnenschein. Er war der Lichtblick. So beschissen es mir auch ging, ein Lächeln von ihm, und meine Welt schien sorgenfrei zu sein. Heute, am 29. Oktober 2007 wachte er nicht mehr auf.

Ein Anruf meiner Mutter in meiner Zivildiensteinsatzstelle erreichte mich. Es ist etwas Schlimmes passiert. Ich habe ehrlich mit allem gerechnet. Aber nicht damit. Im Alter von einem Jahr und fünf Monaten stirbt ein Mensch, der noch so viel vor sich hatte. Ein Engel auf Erden, so kitschig es auch klingt, er war es. Sein Lächeln, seine Energie, den Spaß beim Spielen, den er hatte. Seine Liebe, sein Sein. Alles hat unsere Familie gebraucht. So zerstritten wir manchmal auch waren, Timi war unser Fixpunkt. Bei ihm waren wir alle die besten Menschen.

„Timi ist tot“. Ich beginne zu zittern, der Telefonhörer lässt sich nur mehr unfreiwillig in meiner Hand halten. „Er ist nicht mehr aufgewacht“. Ich möchte am liebsten weinen. Ich zittere. Melde mich vom Dienst ab und fahre mit dem Auto nach Hause. Die ganze Zeit „The Drugs Don’t Work“. All these talks of getting old. Du hättest alt werden sollen. So viele Pläne hatte ich mit dir. So viele Träume. Gestern nacht habe ich an dich gedacht. Heute morgen. Als du wahrscheinlich schon tot warst.

Und ich warte. Warte auf meine Tränen. Ich hasse es, wenn ich weinen möchte, aber ich nicht kann. Irgendwann kommt dieser Moment. An dem alle Dämme brechen. Ich hätte dir doch noch so vieles sagen wollen. Ich wollte so vieles mit dir teilen. Ich wäre der beste Onkel gewesen, den man sich nur wünschen kann. Ich hätte dir die Welt vor deinen Füßchen ausgebreitet. Wäre mit dir in hinaus gezogen. Und jetzt liegst du tot da. In irgendeinem Krankenhaus, wo festgestellt wird, woran du gestorben bist. Und ich kann nicht zu dir. Kann dich nicht ein letztes Mal drücken. Dir einen Kuss geben. Kann mit dir nie mehr die Katze fangen, und dir nie mehr Süßigkeiten zustecken. Alles was mir jetzt bleibt ist die Trauer und die Erinnerung an den besondersten Menschen, den es je gab.

Du warst das Beste was mir je passiert ist. Du warst ein Engel. Jetzt bist du es wieder. Ich liebe dich so sehr. Und ich habe dich verloren. Du bist weg. Aus meinem Leben. Mir bleiben nur die Gedanken an dich. Und all die wunderbaren Momente mit dir. Ich würde so gerne noch einmal mit dir kuscheln. Deinen Kopf an meiner Schulter spüren. Dein Lächeln sehen.

Du bist weg. Für immer. Ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr. Du fehlst mir. In jedem Moment. Ich hasse die Welt. Hasse Gott. Hasse jeden, der dazu beigetragen hat, dass du jetzt nicht mehr da ist. Ich liebe dich. Verdammt. Ich liebe dich. Ruhe in Frieden, mein kleiner Timi. Ruhe in Frieden.

We Never Change.


Über mein Unvermögen zu Weinen, aus tiefstem Inneren heraus, habe ich schon geschrieben. All die Erlebnisse, Erfahrungen, all die Worte der letzten Tage lassen mich aber irgendeine verdammte Fernsehsendung sehen und die Tränen finden von ganz alleine ihren Weg.

Oper ist für mich ja sowieso Gänsehauterzeuger Nummer Eins. Wenn ein dicker Paul Potts Nessun Dorma vorträgt, kann ich kaum atmen. Und wenn ein siebzehnjähriger Deutscher seine Opernstimme nach außen trägt, sitze ich einfach nur da, bekomme ein Gänsehaut, fange an zu zittern und kämpfe gegen die Tränen an. Bis ich nicht mehr kann. Und all diese Gedanken, all diese erdrückenden Gefühle, die Angst, die Wut, der Zorn, die Liebe, alles auf mich einstürzt und die Welt immer mal wieder etwas mehr aus den Fugen gerät.

Ich habe nicht geheult, ich habe auch nicht zu weinen angefangen, wegen der Ereignisse. Ich habe durch die Musik zu weinen angefangen. Die mich so sehr bewegt hat, und mich nicht mehr losließ. Die mich dazu brachte, alles rauszulassen. Und seit eben diesen drei, vier Stunden bringt mich das kleinste Melancholische, das minimalste Gänsehauterzeugende aus der Fassung. Und so soll ich mich jetzt also aus dem Haus trauen? So soll ich jetzt also in einen Taizé-Gottesdienst gehen, wo es um Besinnung, um innere Ruhe und inneren Frieden geht. Ich befürchte fast, dass ich die eine oder andere Träne vergießen werde.

Nichts hält mich wach und nichts lässt mich schlafen. Ich bin gerade in so einer Welt, aus der ich aufwachen möchte. Aus der ich mich rausboxen möchte. So lange möchte ich meinen Kopf gegen die Wand schlagen, meine Faust gegen meinen Kopf, bis die Welt wieder ruhig ist. Bis alles wieder passt. Gott sei Dank habe ich es nicht unbedingt so mit selbstzerstörerischen Aktivitäten. Aber es ist nicht nur ein Tag, an dem sich die Welt bitteschön ins Knie ficken soll. (Erstauspruch: hoch21) Nein, es sind schon mehrere Tage. Es werden vielleicht Wochen. Bis die Welt entgültig aus den Fugen geraten ist, und ich endlich dazu bereit bin, mich umzustellen.

Coldplay in Momenten wie diesen zu hören, tut gut und weh. I never meant to do you wrong. Es tut weh. Die Gedanken. Das Gefühl vollkommener Hilflosigkeit.

Winding Road.

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Gedanken nach einem Tag wie diesem.

Die Wärme der Nacht umhüllt die Wiesen und Wälder um mich herum. Ich, geschützt in meinen vier Mauern meines Zuhauses, in dem ich mich mit jedem Tag und jedem Streit weniger wohlfühle. Die Tränen eines eineinhalbjährigen kleinen Jungen, der mit der vollkommenen Erkältung seines kleinen Körpers leben muss. Ich, in der Versuchung, ihn mit meiner Mutter alleine zu lassen. Die Welt da draußen ruft mich, ich, mit Kopfhörern und Bonnie Sommerville bewaffnet, will mich so lange wie möglich in dem Schutz meiner Einsamkeit weiterleben.

Dieser Tag hat einem neunzehnjährigen Jungen mit Fernweh wieder einmal gezeigt, wie unwichtig der Begriff Familie ist. Familie ist nicht gleich Eltern und Geschwister und Großeltern und Tante. Familie sind die Personen, zu denen man eine innige Verbindung hat. Und das sind, mit Verlaub, zurzeit nur meine Eltern und mein Neffe. Und selbst mit meinem Papa kann ich kaum über Weltbewegendes sprechen. Dass meine Mutter den Frust der Welt auf ihren Schultern trägt, hinterlässt mich in Sorge um ihre Psyche. So lange kann man das nicht aushalten.

Dieser Tag hat mir wieder einmal gezeigt, wie unterschiedlich diese Charaktere in einer „Familie“ sind. Dass meine Schwester eigentlich nichts mit uns gemein hat, lässt meine Mutter trotzdem fragen, was sie bei ihrer Erziehung falsch gemacht hat. Ich kann es ihr nicht sagen. Es muss irgendetwas gewesen sein. Dass man es jetzt sowieso nicht mehr rückgängig machen kann, ist leider Fakt aber ebenso auch noch nicht Grund zum Aufgeben. Aber ich kann sowieso meiner Mutter nicht sagen, wie sie mit meiner Schwester umgehen soll. Ich habe keine Ahnung von bedinungsloser Liebe von Mutter zu Kind.

Dieser Tag hat einem neunzehnjährigen Jungen wieder einmal gezeigt, wie schön die Zeit mit Freunden ist. Wie schön, selbst die Zeit alleine zuhause ist. Die Einsamkeit, die Melancholie, die Zwei-, Drei-, oder Dreizehnsamkeit, der Spaß. Alles hat seinen Reiz. Aber von Streit und Kreischen und psychopatischen Ausbrüchen meiner Schwester geweckt zu werden, das gehört sicherlich nicht zu den reizvollen Dingen meines Lebens. Dass mein Leben beschissen ist, ist wohl Fakt. Aber natürlich gibt es auch ein Leben zwischen den beschissenen Facetten.

Die Wärme der Sonne, wenn sie durch den Wald, auf diese windige Straße voller Laub fällt. Der Weg ins Ungewisse, ins Helle, Erleuchtete. Das Neue. Die Dunkelheit zurücklassen. Die Dunkelheit, die Vergangenheit. Die Jugend. Die Kindheit. Mit all ihren wunderbaren Momenten, mit all ihren beschissenen Facetten. Mit allem.

Einfach mal wieder alles neu. Entweder mit den Beatles „The Long And Winding Road“ oder mit Bonnie Sommerville und der „Winding Road“. Oder einfach dem gesamten Garden State Soundtrack.

You On My Mind In My Sleep

Warum ich mich erst heute wieder um 15 Uhr melde. Was in den letzten dreißig Stunden passiert ist. Und was denn heute noch stattfindet. Und warum ich mir wohl wahrscheinlich diese Woche die Haare nicht mehr schneiden lassen werde.

Gestern war, durch den heute stattfindeten österreichischen Nationalfeiertag, mein letzter Arbeitstag dieser Woche. Und nachdem man von Montag bis Mittwoch gequälte Langeweile nach sich zog, so war dieser Donnerstag definitiv etwas anders. Etwas zu spät angekommen, trotz eigener Autofahrt. Den Kopf woanders und mit der Motivation am Ende. Kurz noch den Computer eingeschaltet, die Blogs auf Kommentare überprüft. Und dann, ab ca. 9 Uhr,  bis ca. 15 Uhr in der Küche // dem Seminarraum hässliche bunte Würfel zur Lärmdämmung aufgehängt. Mit Bohren, Dübeln, Schrauben und Aufhängen. Vierzig Mal übrigens, für zwanzig Würfel. Und um 15 Uhr war es dann das erste Mal, dass ich mich hinsetzen konnte, und einfach mal sagen konnte. Fertig. Auch wenn diese selbstverliebte Frau (meine Chefin) es vollbrachte, mich innen zu kochen zu bringen, aber nach außen hin eiskalt ruhig zu halten. Denn irgendetwas musste ja nicht passen.

So what. Mit dem Auto nach Hause. Noch brav einkaufen. Und dann irgendwann um neunzehn oder zwanzig Uhr auf der Couch eingeschlafen. Und aufgewacht, ca. zehneinhalb Stunden später. Der gestrige Tag schien mich also wirklich geschlaucht zu haben. Und als hätte ich noch nicht geschlafen, fiel ich heute vormittag auch immer mal wieder zurück in diese Lage. Jetzt noch mal schnell ein Feiertagsessen bei McDo geholt. Und nochmal schlafen.

Und was dann noch alles so passierte? Ein verpasster Tee mit Sarah, eine verpasste ICQ-Anfrage von Thomas und ein verpasster Anruf von Stefan. Die erste Tag nach der Abreise meines Vaters nach Amerika. Das Haus ist still und beinahe leer. Der Tag verliert seine vierundzwanzigstündigen Daseinsberechtigung. Und die drei freien Tage werden stressreich aber hoffentlich wunderbar lustig. Heute findet beim Lukas eine Glühwein und Punsch-Session statt, die erste in diesem Jahr. Morgen ist ein Maturaball, der zweite für mich in dieser Saison. Und am Sonntag findet ein Taizestunde in einer Kirche statt, und da mir die Idee von Taizé und die Lieder gefallen, werde ich auch dort sein. Und dann beginnt die 11. Woche meines Zivildienstes auch schon wieder.

Den Kopf woanders. Am Donnerstag weckte mich meine Mutter wie immer um 5:30 Uhr auf. Gerade als ich seit langem wieder einmal einen Traum träumte, an den ich mich auch später erinnern konnte. Ein Traum mit ihr. Wo ich überraschend anders reagierte. Und alles so ungewohnt war. Sie kam zu mir. War total anders drauf und alles war perfekt. Und dann ist der Traum zu Ende, da ich geweckt wurde. Dieser Traum. Träume können war werden. Werden sie es denn wirklich? Ich weiß es nicht.

Ein Traum. Eine viel zu lange Schlafnacht. Eine vollgeplantes Wochenende. Und ich.

Bottomless Seas.

Und ich liege wach. Und du siehst mich nicht an. Hast mich schon lange nicht mehr angesehen und angefangen, zu glauben, ich sei Teil des Inventars. Unverzichtbar aber doch absolut unnötig.

Und ich öffne die Augen. Und du atmest durch. Unsere Blicken treffen sich, doch deine Augen sind leer. Alles in dir ist leer. Und während wir uns in die AUgen sehen, saugst auch du ganz langsam alles aus mir raus. Ich spüre es zwar, ich fühle. Doch ich fühle mich leer.

Und ich erhebe mich. Und du stößt mich zurück. Mit einer Wucht und einer Gewalteinwirkung. Du schlägst mir gegen die Schulter und weißt, dass ich da schon lädiert bin. Es ist dir egal. So wie dir alles egal ist.

Und ich blicke mich um. Und du siehst mir entgegen. Stehst unter dieser Schneewolke. Du und ich. Wir beide. Als Einheit in all dem Chaos. Du bist nicht mehr. Und ich schon. Und ich spüre den Schnee kalt auf meinen Schultern.

Und ich verlasse mein Zimmer. Und du bleibst. Ich schließe die Türe. Verliere den Schlüssel. Du bleibst unverschlossen. Und so gerne ich nun gehe, so ist mir doch bewusst, dass ich wiederkommen muss.

Und ich sitze im Zug. Und du mir gegenüber. Du sprichst mich nicht an, und ich höre Musik. Oder lese. Oder schreibe. Versuche auf andere Gedanken zu kommen. Und doch gehört jeder Gedanke einem Menschen.

Und ich beginne zu arbeiten. Und du bist überall. Ob ich denn nun im Internet surfe oder meine E-Mails überwache. So vieles erinnert an dich. Gespeicherte Mailausgänge. Gästebucheinträge oder persönliche Nachrichten. Blogs, Videos. Bilder. Verdammt. Und überall bist du.

Und ich bereite mich auf mein Bett vor. Und du bist bei mir. Ich beginne meistens zu schreiben. Höchstprofessionell, manchmal in ein Büchlein. Manchmal auf einen Block. Und die Worte sammeln sich. Alles wird schon in meinem Kopf konstruiert. Auch du.

Und ich drehe das Licht ab. Und du hältst mich. Es ist viel zu früh zu gehen. Die Gedanken seien noch nicht zu Ende gedacht. Und ich schreibe weiter. Bitte um Erlösung und um künstlerischen Beistand. Ich setze hinter das letzte Wort einen Punkt.

Und ich verlasse diese Welt und schließe die Augen. Und du hauchst mir ins Ohr oder fährst mir mit der sanften Haut deiner Hände um meinen Nacken. Es ist kalt. Ich zittere, doch nicht aus diesem Grund. Ich taste um mich.

Und ich liege wach. In diesem großen Haus mit den alten, dicken Mauern. Und du wirst schlafen. In eurer Wohnung in dieser Siedlung. Du wirst schon tagelang wahrscheinlich nicht mehr an mich gedacht haben. So wie ich. Ich habe schon lange nicht mehr an mich gedacht.

Und dann fragst du mich, warum ich dich nicht aus dem Kopf kriege? Und dann frage ich dich: Wie? Wie verdammt noch mal soll ich das schaffen? Wie nur. Denn überall bist du.

Remembering Your Touch. Your Kiss. Your Warm Embrace

Deine Hand, wie sie die meine hält. Meine Hand, an deinem Rücken. Deine Fingerspitzen auf meinem Körper. Gänsehaut. Das Gefühl deiner Haut immer noch im Gedächtnis. Den Geruch deiner Finger. Der Duft von dir. Die Nähe. Als Zeichen der Gemeinschaft. Der lösende Körperkontakt nach einer Nacht, in der wir miteinander eingeschlafen sind. Das ruhige Atmen meinerseits, wenn ich als erster munter werde und dich noch minutenlang beobachte. Dein Gesicht. Diese sanften Züge. Das langsame Heben deiner Nasenflügel, wenn du ausatmest. Deine geschlossenen Augen.

Das Gefühl übermutiger Freude. Die Berührung unserer Lippen, nach so vielen Tagen. Das Entdecken, dass unsere Küsse salzig schmecken. Dunkelheit. Und deine Augen voll Tränen. Deine Erleichterung und wahrscheinlich auch die Gedanken voller Sorge. Die Zuversicht in unseren beiden Gesichtern. Die Hoffnung. Die Ernüchterung, Tage, Wochen später. Der letzte Kuss, an den ich mich erinnern kann. War der Kuss, der uns zum zweiten Mal vereinte. Gefüllt mit Tränen. Voll Freude. Und vielleicht voll Angst.

Die Ungewissheit. Das Unvermögen, die Situation richtig einzuschätzen. Ein Kuss auf die Wange, zum Abschied? Nach diesen Tagen. Viel zu früh, vielleicht. Eine Umarmung. Lange. Zärtlich. Voller Verliebtheit. Und voller Fragen. Unser erster richtiger Kontakt, nach den Tagen des Kennen- und Liebenlernens. Das Ende und das Danach. Treffen ohne Kuss auf die Wange. Manchmal ohne Umarmung. Das Gefühl innerer Leere und die Frage, wie so etwas passieren konnte. Kalter Schauder. Unsichtbare Tränen und ein Kopf voll Bright Eyes.

Erinnerungen an deine Berührung, dein Kiss. Deine warme Umarmung. Alles und noch so vieles mehr. In meinem Kopf.

Wait Till Tomorrow.

Das Morgen eine Vision des liebenen Heute. Und das Gestern als Grund für dieses Heute.

Ich habe ehrlich alles versucht. Gefühle bekämpft, Gedanken unterdrückt. Mich verrückt gemacht, mit dem Versuch alles zu verdrängen. Der Zusammenbruch. Und das Einsehen, dass vielleicht vieles verloren ist. Ich aber zu aufgeben nicht bereit bin.

Angst vor ungefragter Sprachlosigkeit. Verzicht auf Anrufe. Viele andere Versuche, um Kontaktaufnahme. Und so viele anschließende Enttäuschungen. Das Wachliegen und das Warten. Die Erlösung und ein kleiner Hauch von Wut. Verständnis. Einschlafen mit der Freude darüber, überhaupt eine Antwort bekommen zu haben.

Viele Male über mein leben nachdenken. Über mein alter. Meine Erfahrung, meine Ziele. Ernüchterung. Viel Verlorenes. Vermisste Erlebnisse und immer diese ungeschehenen Dinge aus lauter Angst. Wie viele Tage werde ich noch an mein Warten verlieren? Wie viel Leben versuche ich mir für später aufzusparen?

Ich will keinen Schluss sehen. Sehe die Hoffnung im Warten. Und in der Veränderung. Werde anwesend sein, ohne bekämpfte Gefühle, ohne unterdrückte Gedanken. Werde die Tage zählen; die, die ich verloren habe, und jene bis es soweit ist. Nur bleibt hinter dieser Zahl stets ein Fragezeichen.

Ich fühle mit gut mit dieser Entscheidung. Auf Verständnis werde ich wohl nicht stoßen, aber Verständnis benötige ich in meinem Zustand auch nicht. Nur Geduld. Zeit. Vielleicht irgendwann später die Einsicht. Oder die entgültige Erlösung. Um mehr bitte ich doch gar nicht.

As Time. Goes By. Verhasste Neue. Welt.

Eine Erinnerung an die Zeit, als es noch ein Wir gab. Ohne euch, euch und euch.

Viel zu oft wollte ich schon darüber schreiben. Wie sich die Welt verändert hat, während ich derselbe geblieben bin. Jahre zogen vorbei und ich hatte immer nur diesen einen Wunsch. Es sollte so bleiben, wie es war. Doch es kam, verständlicherweise, ganz anders.

Ich rede von meiner „Clique“. Wie soll ich es denn auch anders beschreiben. Freundeskreis. Ja, stimmt. Das ist schöner. Und vielleicht auch passender. Ich erinnere mich immer noch gerne an diese Zeit zurück, an dem wir uns stets als „Single“ trafen. Du hattest zwar einen Freund, der wohnte jedoch kilometerweit von uns entfernt. Und deine Freundin, war eben nicht Teil unseres Freundeskreises. Sie hätte es nie werden wollen, und wäre es auch nie geworden. Das war egal. Und wir alle. War jeder Einzelne Teil des Gesamten. Und wir traten auch bevorzugt gemeinsam auf. Fehlte einer, fehlte ein Teil des Gesamten.

Vielleicht habe auch ich den Anstoß am Zerfall dieses Wir gemacht. Du und ich. Als wir unsere ersten Bekanntschaften machten, während du eigentlich noch in deiner schwierigen Beziehung verheddert warst. Ja. Vielleicht bin ich Schuld. Oder die Evolution. Der Zyklus der Jugend. Das Leben itself. Wir traten nie als Paar auf. Weil wir selbst nicht wussten, was wir wollten. Wir waren zwar immer noch Teil des Wirs, wir beide, und beanspruchten nie ein eigenes Wir für uns.

Aber dann begannen weitere Veränderungen in unserem Freundeskreis. Als ich mich plötzlich von dir lossagte, sollten wir keine Beziehung führen können, und du dich in ihn verlorst, er, der noch Teil eines anderen Wirs war. Als plötzlich küssen und sexueller Kontakt innerhalb des Freundeskreises normal waren. Und ich doch immer nur „zusehen“ konnte. Wir hatten zwar nach außen hin immer noch dieses Wir über uns stehen. Die anderen sprachen von Denen. Diese Gruppe. Diese fünf, sechs, sieben, acht. Unser Freundeskreis eben.

Aber sie bemerkten nicht, dass sich hier so viele weitere Wirs enstanden sind. „Hey, was machen wir heute?“ – „Ich weiß nicht, was du machst. Aber ich und X werden heute zuhause bleiben.“ Ach. Ja. Hatte ich ja ganz vergessen. Nicht nur einmal. Viel zu oft passierte das. Ich fühlte mich wie das neunte Rad am Wagen. Jeder schien eine Beziehung zu haben. Und als dann auch ich endlich eine Freundin hatte, außerhalb des Freundeskreises gefunden, da wollte ich plötzlich nicht mehr mit all diesen vier oder fünf Wirs auftreten. Ich hätte mir wieder ein großes Wir gewünscht. Egal wer jetzt mit wem was tat. Wir waren Freunde. Sind es immer noch. Und doch hat sich durch all diesen Austausch von Körperflüssigkeiten für uns alle etwas verändert.

Wir haben uns verändert. Ich wiederhole mich. Ich weiß. Aber gerade diese Veränderung finde ich schade. Ich habe so viel in diesem Wir verloren, dass nun, durch die Aufspaltung durch Zivildienste und Studiums entstanden, wohl nie mehr dieses Wir werden wird, das es einmal war. Und wovor ich am meisten Angst habe? Vor dem Auseinanderbrechens eines dieser kleinen Wirs. Dann heißt es sich entscheiden. Nord- oder Südpol. Diesen Teil des Freundeskreises verlieren, oder diesen behalten. Ja, genau davor habe ich Angst. Ich bin wieder das Ich. In einem Wir aus lauter Euch. Irgendwann werde ich auch wieder mit irgendjemandem ein Wir bilden. Aber an euch habe ich mich schon lange verloren. Tell Me. What Went Wrong?

Unausgesprochene. Gedanken.

Jedes Mal wenn ich dich sehe, sind die Gefühle wieder da. Ich kann dich nicht vergessen. Und an manchen Tagen will ich dich auch nicht vergessen. Du warst meine erste große Liebe, für dich habe ich zum ersten Mal wirkliche Liebe empfunden, zu dem Zeitpunkt, als bei dir die Schmetterlinge schon wieder verschwunden waren. Wir dachten, es wäre richtig, was wir taten. Und trotzdem sitze ich hier da, mit der Gewissheit, dass der Weisheitszahn rechts unten mir Spaß bereiten wird, und meine Gedanken bleiben doch bei dir. Ich kann keine Geschichten, keine Texte schreiben, mit dem blauen Bild à la „Erwachsen werden“. Ich lebe zwar. Aber ich liebe auch. Und Liebe bestimmte schon immer mein Leben. Ich möchte dir so viel sagen. Ich möchte dir wütend ins Gesicht brüllen. Möchte dir sanft über deine Haare streichen. Möchte dich küssen. Möchte dich sehen. Möchte dich sprechen. Möchte mit dir schweigen. Was willst du. Weichst du mir aus. Kennst du dich überhaupt noch in meinem Leben aus. Kennst du mich überhaupt noch. Willst du mich überhaupt noch kennen. Hat dir eigentlich in letzter Zeit irgendjemand gesagt, dass du immer noch hübscher wirst. Du hast mich nie ernst genommen, als ich dir sagte, dass du wunderschön seist. Es hörte sich alles so kitschig an, aber es war mein einzigstes Empfinden, wenn ich dich sah. Du hast Schluss gemacht. Wir haben es noch einmal probiert. Ich // Wir haben Schluss gemacht. Es fühlte sich so richtig an. Doch es war einfach nur falsch. Ich will nicht mehr. Ich will dich nicht mehr so lieben müssen. Ich will dich lieben können. Ich will, dass du mich auch liebst. Ich will. Aber vielleicht wird es nie dazu kommen. Vielleicht wird sogar die gewünschte Freundschaft keinen Fortbestand haben. Aber ich vermisse dich. Du fehlst mir. Es tut weh. Es tut so verdammt weh. Und dass sage ich nicht nur, weil sich gerade der Zahn durch das Zahnfleisch bohrt. Nein. Innen drinnen tut es weh. Du fehlst. Es ist nicht. Wie es sein sollte.