Eisige Gedanken.

Im Strom der Zeit. Gefroren dein Gesicht. Verstört dein Blick.

Dein Atem kommt nur sehr langsam aus deinen Nasenflügeln gekrochen. Du frierst. Die kleinen Härchen auf deinen Händen sind ummantelt von riesig großen Schneeflocken, die an deiner restlichen Körperwärme zu schmelzen scheinen. Du suchst dir einen Unterstand. Eine überdachte Bushaltestelle. An diesem von Wind geschütztem Platz fühlst du dich seit langem wieder einmal wohl. Es ist zwar noch immer so unerbitterlich kalt, doch mit deinen zur Brust herangezogenen Beinen speicherst du all die Wärme nur für dich.

Plötzlich hat dich jemand gesehen. Der Bus bremst. Und hält an deiner Bushaltestelle. Du fühlst dich peinlich berührt, stehst auf, kramst nach Kleingeld und steigst ein. Der Buschauffeur verlangt erst gar nichts und so fährst du los. Du bist fast alleine in diesem riesigen Gefährt. Nur der Busfahrer, eine alte Dame und du. Die von der kaputten Heizung stinkende Luft atmest du ein. Wärmst dich langsam auf, mit deinem Kopf an die Fensterscheibe gelehnt. Die alte Dame stinkt nach alt. Alte Menschen stinken, denkst du dir. Sie haben ihren ganz eigenen Geruch. Jedes Mal, wenn du das Zimmer oder das Haus einer alten Frau oder eines alten Mannes betrittst, kommt dir der gleiche Gedanke. Vielleicht riecht die Haut so, wenn sie langsam alt wird und beinahe zu schimmeln anfängt.

Du lachst. Erst jetzt fällt dir auf, dass du keine Ahnung hast, wohin diese Fahrt geht. Es müsste die letzte Fahrt sein. Kein Weg zurück. Wo du jetzt aussteigst, da musst du bleiben. Zumindest bis zum nächsten Morgen. Zumindest bis zur ersten Busfahrt. Aber um das Ziel zu erfahren, müsstest du wieder den ganzen Bus durchschreiten, sitzt doch du hinten, und diese Fahrer ganz vorne. Du bleibst sitzen. Du wirst doch wohl noch diese Gegend kennen, denkst du dir. Doch es ist dunkel. Du hast keine Ahnung wo du bist. Nur erahnen kannst du es, durch den Blick auf den leuchtenden Horizont, auf die Skyline der nahegelegenen Stadt.

„Endstation.“

Emotional unberührt stehst du auf, steigst aus dem Bus aus. Als du die noch einmal umdrehen möchtest, um ihn zu fragen, wo denn das nun genau ist, hatte er schon wieder die Türe geschlossen und ist zu all den anderen Bussen in die Garage gefahren. Die alte Dame ist übrigens auch schon zwei oder drei Stationen vorher ausgestiegen. Sie war weg, aber den Geruch hast du immer noch in deiner Nase.

Langsam irrst du herum. Die Kälte hat dich wieder. Dein Körper beginnt wieder zu erzittern. Deine Zähne schlagen wie der Hammer auf die Nägel aufeinander ein. Und du hast keinen blassen Schimmer wo du bist. Nirgendswo brennt mehr Licht. Nur das blaugetränkte Licht der Fernseher stößt durch die Fenster an die Außenwelt. Du machst dich zu verschiedenen Türen auf, läutest Klingeln von unbekannten Menschen. Die Meisten machen sich erst gar keine Mühe, in ihrer Wohnung auf einen Knopf zu drücken. Und die Anderen wimmeln dich mit den Worten: „Keine Zeit“ wieder ab.

„Keine Zeit.“

Immer und immer wieder hörst du diese Sätze. Du hast nichts dabei. Kein Geld, kein Mobiltelefon, kein Nichts. Und so setzt du dich wieder in diese überdachte Bushaltestelle, bei der du gerade erst ausgestiegen bist. Ziehst die Beine bis zur Brust hoch. Und irgendwann packt dich der Schlaf. Doch diese Grade unter Null, du weißt, dass sie gefährlich sind. Du darfst jetzt nicht einschlafen, denkst du dir. Jetzt nicht. Nicht für diese Nacht. Und unter dem Bellen der Hunde, dem Wandern der Ratten von einem Kanaldeckel zum nächsten, wachst du die ganze Nacht in diesem überdachten Zuhause.

Am nächsten Morgen ist wohl auch noch die letzte Zelle von Kälte ummantelt. Dein Blick wirkt verstört, all die Angst, die Kälte und die Furcht hat dich wachgehalten. Mit der Zeit kommen die Menschen aus ihren Häusern, machen sich auf den Weg in die Arbeit, zu ihren Autos oder sie bringen ihre Kinder in den Kindergarten oder die Schule. All diese Menschen gehen an dir vorbei und schütteln den Kopf. Schütteln den Kopf und wissen dabei nicht einmal, dass sie es waren, die gestern ‚Keine Zeit‘ hatten.

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All The Things I’ve Got.

All the things you I need.

Mit einem festen Druck auf die Stirn beginnen. Mit langsamen, festen Bewegungen den Träger meines Wissens leicht massieren. Dabei den ungewaschenen Haaren immer näher kommen. Auf meinen aufgerissenen Lippen herumkauen und mit der anderen Hand über mein unrasiertes Kinn streichen. Leicht genervte Gesichtszüge erkennen lassen. Den Blick zu ungeduldig wirkenden Augen verringern. Das Jucken in den Winkeln versuche ich mal zu ignorieren.

Von außen fällt Licht herein in dieses abgedunkelte Zimmer. Es prallt ab. Zuerst auf das in der Einfahrt geparkte Auto meines Vaters. Und dann tastet es sich langsam bis zu einem meiner vier Fenster vor. Das erste Links, wenn man es von meiner Tür aus betrachtet. Das Einzige ohne Gardinen. Mir Gedanken machend. Das ist jetzt also das Ende. Mhm. Es fühlt sich anders an. Ich fühle mich befreiter. Fühle mich anders. Fühle ich mich gut?

Ich fühle. Das ist schon mal ein gutes Zeichen. Und nein, ich habe mich nicht schon wieder verliebt, in eine Person, die schöne große Augen hat, und ein bezauberndes Lächeln. Nein. Und nein, ich warte auch nicht. Viel zu lange habe ich schon gewartet. Von all meinen Verliebtheiten habe ich fast drei Viertel gewartet. Gehofft. Dass alles besser wird. Gefühle und Gedanken auch für das Gegenüber das werden, was sie für mich sind. Wahre Gefühle. Liebe. Erst jetzt fällt es mir so gut auf, dass das alles schon einmal war. Schon einmal, zweimal, nein, dreimal. Dreimal vor ihr war ich ernsthaft verliebt. Immer wieder diese Rückfälle, das Warten und Hoffen und der Bruch. Hier ist er also. Der Bruch. Der Murenabgang, der den Weg, der uns verbindet, versperrt. Vielleicht wird er irgendwann weg sein. Aber bis dahin ist alles anders.

Ich habe jemand Besseren verdient, als dich. Denke ich mir die ganze Zeit. Überlege. Es gibt so viel mehr Menschen, die eine größere Fähigkeit haben, zu lieben als du. Ich frage mich, ob du überhaupt diese Fähigkeit hast. Ich atme diesen Duft ein. Aus meinem Zimmer. Als würde hier irgendetwas vermodern. Höchstwahrscheinlich ist das auch der Fall. Was mich immer noch zum Schmunzeln bringt, ist deine Aussage: „Ich mag deine Freunde nicht.“. Du hast es nie so wortwörtlich gesagt, es ist sicher kein O-Ton. Aber oft genug hast du mir genau das gesagt. Das Problem: Du hast dich nicht bemüht. Nie hast du dich bemüht. Du wolltest meine Freunde nicht nett finden. Wie so oft. Hast du dich nicht bemüht.

Das hier klingt wie ein weinerlicher Prozess der Abnabelung. Es ist aber viel eher eines der vielen Revue-passieren-lassen-Stadien. Du wirst mir jetzt auch noch immer in meinen Gedanken unterkommen. Aber nicht als die Person die ich bedingungslos liebe. Ich will mir nicht weiter weh tun. Aber es fühlt sich anders an. Es fühlt sich an, wie diese warme Musik. Mit dem zittrigen Cello im Hintergrund. Die Flasche neben mir, nein, kein Alkohol, nur geschmackverzerrtes Mineralwasser, leert sich von Minute zu Minute. Das Lied wiederholt sich zum fünfzehnten Mal. Ich reibe mir die Augen, so müde bin ich. Wie schon jeden Tag in den letzten drei Wochen. Das Bett neben mir, aber die fehlende Motivation vor mir.

Wo war er, der Neubeginn. Nach all den Jahren der Schule. Nichts wurde neu. Alles blieb beim Alten. Erst jetzt fühlt es sich richtig an. Zum ersten Mal seit langem spüre ich einen Schritt nach vorne. Ein Fortschritt auf dem Hundertmeter-Rückwärtslauf. Und mein Kopf fällt langsam zurück. Ich gähne. Viel zu lange und vulgär. Und so tippt mir die Dunkelheit mal wieder auf die Schulter. Freundschlaftlich begrüße ich sie. Aber hey, würdest du jetzt wohl sagen. Was ist schon Freundschaft.

في مكان ما على الجانب الأكثر إشراق.

عندما يأتي ضوء الانخفاض ، ويبدأ قلبي الى الابتسام

Zitternd ziehe ich einen Zug nach dem anderen aus diesem glühenden Stengel heraus. Über die Ärmel, die Öffnung der Jackengliedmaßen strömt Kälte an meinen nur durch einen maroden Pullover geschützten Körper. Ich habe schon aufgehört, zu zählen. Zu zählen, all das viele Nikotin. Es ist egal. Während ich hier auf dieser schneegeschützten Parkbank sitze, Asche für Asche in den Becher versenke, regnet es, schneit es. Dunkel ist es. Das ist das Einzige, was ich definitiv feststellen kann.

Verdammt, ich habe die Schuhe vergessen. Denke ich mir, als ich mit den dicken gestrickten Socken auf den nassen Boden steige. Als ich mich hier hinsetzte, hat es noch nicht geregnet. Ich habe die Welt betrachtet, das Laub verfolgt, den Wind verstört mit meinen Blicken. Bis das Wetter es sich anders überlegte und nun alles herunterwirft, was er so zu bieten hat.

Irgendetwas habe ich vergessen. Hätte ich nicht. Ähm. Nein. Ich hätte niemanden anrufen sollen. Ich warte doch nur. Auf den nächsten Zug. Auf die nächste Liebe. Auf Freunde. Auf den Sommer. Und so hebe ich schnell wieder meine Beinchen, bevor sie vollkommen regenwasser- und schneematschdurchtränkt sind, lege mich auf die Parkband, blicke in den Himmel. Ein Glasdach schützt mich vor Direkteinschlag, doch die Massen kommen durch die Schräglage trotzdem auf mich zu. Langsam, am Boden dahergekrochen.
Plötzlich gehst du vorbei. Siehst mich, sagst nichts. Setzt dich nieder. Du hast heute wohl auf die Jacke vergessen. Dein Pullover ist vollkommen nass. Neben mich setzt du dich, genau neben mir sitzt du. Ich habe mich erst kurz vorher wieder aufgerichtet, als ich dich erblickte. Du sagst nichts. Ich rauche die Zigarette fertig und lasse meinen Kopf sinken. Strecke mich soweit nach vorne, dass der Regen auf meinen Kopf trifft und ich gehe.

Du bleibst sitzen. Zündest dir eine Zigarette an, legst dich auf die Parkbank und wartest, ob irgendjemand vorbeikommt. Ich gehe aber weiter. Weil mir die Zeit zu wichtig ist, und sie heute mal wieder rast. Keinen Sekunde scheint die Uhr auszulassen, ohne zumindest einen Zeiger zu bewegen. Wo er jetzt wohl sein wird, rufst du mir nach. Ich weiß nicht, brülle ich zurück. Ich hoffe nur, somewhere on the brighter side. Die Dunkelheit hat mich wieder und ich tauche ein in dieses Gefühl aus schöner, gewollter Einsamkeit und schwarzer Unberührbarkeit. Und zünde mir eine Zigarette an.

Sotto Il Tiglio.

Sotto il tiglio del mio cuore, c’è posto per una sola cosa. Ma io sono convinto, che non mi vuole lei.

Die Überraschungen der alltäglichen Wettereinstürze üben Eindruck auf mein Gemüt. Kurze Zeit Schneeschauer, dann Regen, Sonne, Regen, Dunkelheit. Die Kälte hier macht mir zu schaffen. Meine Füße frieren, und mit ihnen mein ganzer Körper. Ich richte mich auf. Das abgedunkelte Zimmer bekommt nur elektrisches Licht zu Gesicht.

Ich sehne mich nach Sommer. Nach Sonne. Nach der Heiterkeit des Seins. Der Leichtigkeit des Lebens. Ich weiß, dass im Sommer wieder alles besser ist. Winterdepression scheint bis dahin vergessen, und mit ihr hoffentlich so vieles, was mich jetzt noch beschäftigt. Ich freue mich auf die saftig grüne Wiese, auf der ich mein hässliches Lignano-Badetuch ausbreite, und von einer wunderschönen Welt träume.

Wie schon lange, habe ich auch heuer keinen Brief ans Christkind geschrieben. Jahrelang, als kleines Kind legte ich meine Briefchen, sorgfältig geschrieben und korrigiert, auf mein Fensterbrett. Wünschte mir Weltfrieden und eine Autorennbahn. Weltfrieden und eine Laubsäge. Weltfrieden und einen Globus. Bekommen habe ich alles. Außer Weltfrieden. Und deswegen bin ich wohl der Meinung, dass das Christkind keinen Brief mehr von mir verdient. Ich glaube immer noch an Weltfrieden. Irgendwann. Nennt mich Träumer und weltenfremd. Irgendwann einmal kommt die Zeit. Und ich bin der festen Überzeugung, dass ich selbst es noch erleben darf.

Ich sehne mich nach der Sonne, die mich auftankt und mich leuchten lässt. Freue mich auf den Sonnenbrand, den ich nach meiner ersten Session am See immer mit nach Hause mitnehme. Freue mich auf die Gesichter meiner Freunde und auf dein Gesicht. Ich kenne dich noch nicht. Kenne nicht deinen Namen, kenne nicht deine Gesichtszüge. Aber ich weiß, es gibt dich irgendwo, irgendwo, da draußen. Und ich werde an deinen Worten hängen und mich an deinem Lachen verzehren. Ich werde Gefühle fühlen, so befreit und sorglos, dass selbst ich von diesem Gefühlsmonotismus beeindruckt sein werde.

Dieses Jahr stellen wir keinen Christbaum auf. Uns ist nicht nach Feiern zumute. Auch kein Adventskranz auf unserem Tisch. Kerzen brennen zur Genüge in unseren Räumen. Rund um diese vielen Bilder von ihm. In der Badewanne, an seinem ersten Geburtstag, schlafend. Der Adventskranz hat so sehr an Bedeutung verloren, als meine Schwester und ich nur noch zwanghaft auf der Blockflöte die alten Leiern vollführten. Und diese Stimmung einfach nicht mehr aufkommen wollte. Und der Christbaum, mit seinen eineinhalb Metern und den Strohsternen, den matten roten Kugeln, er stand nur, um zu zeigen. Es ist Weihnachten. Das Fest der Geburt. Zweithöchster Feiertag in unserem Glaubenssektor. Diesmal wird alles anders. Diesmal ist alles anders geworden.

Ich sehne mich nach dem Geruch des Chlors, wenn wir wieder einmal ins Schwimmbad gehen. Den Geruch des natürlichen Sees. Das Schlucken mehrere Münder voll Seewasser, wenn man sich mal wieder verschätzt hat, und die Tiefe des Sees unbegreiflich ist. Freue mich auf den Geruch, frisch gegrillten Fleisches. Auf die alkoholischen Getränke, die langsam über unsere Gaumen hinabsinken. Freue mich auf die frische Luft. Auf die Spontanität.

Freue mich auf Weihnachten. Anders als normal. Aber ich freue mich. Und wünsche mir, dass nächsten Sommer wieder alles anders ist. Anders als all die anderen Sommer und anders als jetzt.

Die Wahrheit Ist.

Man hat uns nichts getan.

Mit einem kleinen Zittern der Augen liegen wir am Boden. Die ganze Welt scheint surreal. Die Farben werden intensiver und die Sinneseindrücke exzessiver. Die Stimmen erklingen nur mehr wie ein dumpfes Geräusch. Ihr Körper zittert und zeigt Anzeichen für Krämpfe. Ich liege daneben und warte auf den Höhepunkt. Schließe die Augen und schwebe weg. Der von Erbrochenem und Verschüttetem getränkte Boden dient uns als Ablagefläche für unsere unnütz gewordenen Körper. Mit der Hand greife ich nach einer weiteren Pille und lege sie mir auf die Zunge. Die Wirkungen vermischen sich. Ich verliere alles. Die Übersicht über das Sein und die Kontrolle über mich.

Als ich die Augen wieder öffne, liege ich neben einem hässlichen Mädchen. Fast gänzlich nackt wache ich auf in einem stinkenden Bett. Entwische, während ich meine Kleidungsstücke schnell zusammenpacke und im Badezimmer verschwinde. Die Kopfschmerzen lassen mich auf der Toilette niedersinken. Durch das Heben des Kopfes erblickt zum ersten Mal seit gestern mein Spiegelbild diesen Anblick. Ich schrecke zurück. Ich sehe aus, als wäre ich gerade eben erst von den Toten auferstanden.

Auf den Weg, die Treppe nach unten, vorbei an all den Alkoholleichen und Drogenjunkies sammle ich den einen oder anderen Freund auf. Bei manchen, wenn ich mich so umblicke, ist es nicht bei diesen Pillen geblieben. Als wir die Tür öffnen, über die verstreute Kotze steigen und das Tageslicht spüren, schließen sich unsere Augen fast wie automatisch bis auf einen kleinen unscheinbaren Schlitz. Einige von uns sind von diesem Anblick zu sehr beeindruckt, sodass sie sich einen Sitzplatz auf der Stiege vor dem Eingang reservieren. Diese kleine Stufe dient uns nun allen als Sitzfläche um den Morgen kommen zu sehen. Leute gehen vorbei, schütteln nur den Kopf.

Und wir blicken in die Stadt hinein. Sehen zu, wie sie zu leben beginnt, während unsere Leben immer mehr den Bach hinuntergehen. Plötzlich macht noch ein wohlgeformter und wunderbar gedrehter Joint die Runde. Der langsame Zug, das Aufsteigen des sanften, weißen Rauches. Kein hartes Zeug. Etwas zum gemütlichen Abschlusschillen, wie wir immer zu sagen pflegen. „Wir sind der letzte Dreck. Der Abschaum der Menschheit. Das erbärmlichste, elendste, unterwürfigste, jämmerlichste Gesindel das jemals ins Leben geschissen wurde.“, sage ich. Ich zitiere gerne aus Trainspotting. Wir sind Renton und Spud, Sickboy, Tommy und Begby, Diane und Swanney. Mehr sind wir nicht.

Wir hassen das Leben. Hassen den Konformismus der Massen. Nichts, aber auch gar nichts lässt uns an irgend etwas Geregeltes denken. Wir sind anders. Wir wollen, wir müssen anders sein. Sonst fühlen wir uns nicht wohl. Wir wollen nicht ja sagen, zu den anderen, zu den Spießern, die mit Anzug und Krawatte, Lederschuhen und Haargel Tag für Tag in ihre verdammten Büros marschieren. Wir wollen unser Leben leben. Selbst wenn es so schlimm zu ertragen ist, als dass wir diese Kicks wie letzte Nacht brauchen. Wir zerstören uns selbst und mit uns geht auch die ganze andere Welt unter. Ihr seid Idioten, die ihr glaubt, ihr könntet die Welt retten. Wir können sie nicht retten, und wir versuchen es auch nicht. Wir gehen langsam aber sicher mit ihr unter und haben wenigstens gelebt.

Doch die Wahrheit ist. Man hat uns nichts getan.

Am Ende Der Liebe.

Bleibt ein leises Hoffen. Und die drei Worte, fest im Herz verschlossen.

Wie sehr wünsche ich mir, am Ende der Liebe angelangt zu sein. Jeden einzelnen Tag hoffe ich, endlich von dir loszukommen. Du gibst mir nichts. Schenkst mir keine Kraft. Raubst mir Energie. Es ist hart durchs Leben zu schreiten mit deinem Namen und deinem Gesicht in meinem Kopf. Schon zu Beziehungszeiten war ich jener, der 164 Proeznt von mir gab. Nur die restlichen 36 kamen von dir. Manchmal musste ich sogar noch mehr geben. Doch dieses Gefühl, welches eine Beziehung in einem aufkommen lässt, ist so wundervoll, dass man lange genug dazu bereit ist, viel mehr zu geben, als der andere verdient.

Vielleicht verdienst du mich nicht. Vielleicht verdiene ich dich nicht. Aber je älter die Tage werden, desto klarer scheint mir zu werden, dass auch das Warten keine Lösung ist. Wenn dir etwas an mir liegen würde, dann würdest du dich schon melden. Würdest dich melden, wenn du bei mir sein möchtest. Wenn du mir in dieser schweren Zeit beistehen möchtest. Dass du es nicht willst, zeigt mir ein weiteres Mal, wer du bist. Ich werde dich zwar nie begreifen können, aber schön langsam gebe ich es auch auf.

Ich erinnere mich noch an den Moment, als du irgendwann einmal diese drei Worte mir an den Kopf warfst. Einige Zeit, nachdem sie mir über die Lippen gerutscht waren. Meine schienen gezwungen, deine ehrlich. Ich weiß noch, wie wir bei dir in der Küche stehen, und ich dich total verwundert anblicke. Diese Worte hättest du nicht sagen sollen. Ich kann dir irgendwie nicht glauben, dass du mich jemals so richtig geliebt hast. Dass du mich geliebt hast, als die Schmetterlinge sich schon wieder verabschiedet haben. Als bei mir diese Propellerblätter in meinem Bauch weg waren, war Liebe da. Bei dir Rezession. Ich hätte es schon von Anfang an spüren müssen. Hätte viel früher auf mein Gehirn hören müssen, doch dagegen habe ich mich immer gewehrt, und werde es wohl auch noch lange Zeit tun. Ich bin ein Herzensmensch, werde geleitet durch das Herz, das rein nach Gefühl agiert.

Ich wünschte, ich wäre endlich am Ende der Liebe angekommen. Du bist es scheinbar schon. Ich möchte mal wieder einschlafen. Und wenn ich aufwache, soll ich dieses Lächeln auf meinem Gesicht finden. Und im Büro aus dem Fenster blicken, und still und leise meinen Tagträumen folgen. Weil ich einen Menschen kennengelernt habe, der mir geben kann, wonach ich mich verzehre. Zärtlichkeit, Wärme, Hoffnung, Zugehörigkeit, Sanftheit, Anmut, Grazie, Humor, Reife, einem Lächeln, Intelligenz und Liebe. Ohne den Versuch dich zu vergessen, beginne ich mehr und mehr, dich nicht als mögliche Freundin anzusehen. Nicht in der Liebe oder rein platonisch. Die Mail gestern sollte vieles klarstellen, und doch steckt sie voller Zweifel und fragender Ungewissheit. Ich will dich nicht mehr. Will nicht mehr Marionette meiner träumerischen Vorstellung sein, Spielzeug meines verrückten Herzens.

Hier bin ich. Am Ende der Liebe. Strecke noch einmal die Hand aus. Um alles noch einmal zu erfassen. Mit Remy Zero und Life in Rain. Und dann ziehe ich sie wieder ein. Ganz nah zu meinem Körper. Um jetzt einmal nur für mich da zu sein.

Zwischen Himmel Und Erde.


Wir können das, denn wir sind anders. Flüstert ein Engel in mein Ohr.

Für immer“, hast du zu mir gesagt. Ich habe gelächelt. Zu oft habe ich diese Worte aus dem Mund eines mir vertrauten Menschen gehört. Ich kann dir nicht vertrauen, nicht in dieser Angelegenheit. Vertrauen ist etwas so Wertvolles, als dass ich es so einfach herschenken könnte. Sage nicht Worte, die in wenigen Tagen, Wochen, Monaten, ihre Bedeutung verlieren. Für hoffentliche lange Zeit, wäre passend. Um die Hoffnung zu betonen, die einen oft lange zusammenhält, obwohl es sonst nichts Gemeinsames mehr gibt.

Die Stadt, und alles hier liegt in den Scherben eines Regeneinsturzes. Der Himmel brach über uns herein und die Wassermassen strömten über unsere Wangen. „Hast du geweint?“, frage ich dich, als ich dir die Regentropfen aus den Augen wische. Salzig schmecken meine Finger nun. Nein, du hast nicht geweint. Hast dich nicht mal bewegt, als die Welt zusammenbrach. Hast nur deine Augen geschlossen und den Moment zu lieben gelernt.

Nicht ein Wort hat deine Lippen verlasse. Nicht einen Gedanken verschwendetest du an all die Probleme, die dein Leben ausmachen. Sorglos stehst du da. Vom Regen durchtränkt, zitternd vor Kälte, den rauhen Wind abprallend. Auch ich versuche, all das zu spüren, was dich gerade ausmacht. Strecke meine Arme von meinem Körper und schließe die Augen. Blicke in den wieder blau gewordenen Himmel. Unsere nasse Kleidung lässt uns sinken. In den Boden der Ernüchterung. Und doch öffnen wir die Augen nicht. Bis wir bis zum Hals in diesem Feld stecken. Wir uns nicht mehr bewegen können.

Dieser Fehler„, sagst du, „diesen Fehler machen wir nicht mehr. Leben wir doch nur alleine. Jeder für sich. Sodass keiner mehr versucht, so leben wie der andere. Um sich nicht weiter anzupassen. Um nicht auf das Trittbrett aufzuspringen. Um nicht gemeinsam einzusinken. Sonst könnte einer von uns den anderen aus diesem Sumpf herausziehen. Ich nicke nur, kann mich kaum bewegen, das Atmen bereitet Schmerzen. Doch plötzlich wandelt sich dieses Sumpfgebiet in ein stilles Gewässer um

Zu anderen Ufern machen wir uns auf, als wir uns treiben lassen. Egal wohin man blickt, man sieht nur dieses Wasser. Die Sonne, die sich darauf zu spiegeln versucht. Und all die Kreise, die durch die kleinen geworfenen Steinchen verursacht werden. Wir lassen uns treiben. Und es treibt jeder für sich. Auf ein Mal wird unsere Umgebung zu einem Fluss. Wir halten uns fest, und uns.

Unsere Liebe kann uns aber nicht mehr halten. Als der Wasserfall uns entzwei reißt. Ich versuche, dich zu erblicken, als ich aus unzähligen hunderten Metern in das darunterliegende Wasser abstürze. Doch du bist weg. Alles ist weg. Nur mehr der Himmel bleibt als stetiges Symbol stehen und lässt nun plötzlich alles blau erscheinen. In diesem schönen Azurblau, voll Sanftheit und Anmut.

Mit deinen Augen möchte ich nun sehen. Wo du jetzt stehst, ganz alleine. Jetzt lebst du ganz für dich alleine. Wir haben uns verloren. Sind nicht mal mehr existent füreinander. Du bist auf der anderen Seite des Wasserfalls. Auf der anderen Seite des Regenbogens. Ich sehe nach dir. Immer noch keine Spur von Leben auf deiner Seite. Nichts. Nur diese unzähligen gelben Lilien, die sich zu einem Meer aus Blumen versammeln.

Liebe mich, Leben„, brülle ich. Hinein in dieses Meer, mit den Wellen, die der Wind mit diesen Blüten schlägt. Neben mir baut sich ein kleines Gestrüpp aus lauter Dornen und giftigen Kräutern auf. Nichts kommt so, wie es kommen sollte. Man kann nicht damit rechnen. Mit nichts kann man rechnen.Und plötzlich stolpere ich und falle genau in … dieses Meer aus Gelb.

Ich vermiss dich, my dear‘, denke ich mir. Wo magst du nur sein. Sagtest du nicht, für immer. Und dann versuchtest du mich wegzustoßen. Du hast gelogen. Hast nicht gewusst, was du sagen solltest und sagtest einfach das, was man in Momenten wie diesen zu sagen hat. Ich richte mich auf, knie mich hin. Blicke in die Sonne und die Blätter des Ahornbaumes neben mir. Und suche mir Schatten.

Der größte Moment mag wohl schon vorbei sein. Alles scheint nun vorbei. Alles. Und doch geben diese Blumen mir ein Zeichen der Regeneration, der Wiedergeburt, dem Auferstehen aus dem Reich der Vergessenheit. Jedes Jahr zu Frühling wird die Natur wieder lebendig, Blumen sprießen, Gefühle leben. Vielleicht sollte ich mich auch darauf freuen. Sollte hoffen, dass es wieder wird, wie damals.

Bis an den Rand der Klippen wandere ich. Kurz vor der Kante schrecke ich zurück. Ich habe Höhenangst. Massive Höhenangst. Alleine der Blick hinunter erzeugt bei mir Schwindelgefühl und Übelkeit. Plötzlich spüre ich deine Hand. Sie greift mich an der Schulter und zieht mich zurück. Ich falle zurück, auf dem Rücken lande ich, ich sehe dich. Wo warst du, möchte ich dich fragen. Wer bist du, bleibt mir immer im Gedächtnis.

Am Ende der Liebe angekommen, lächelst du mich an. Alles soll wieder so sein, wie es früher war. Du möchtest wieder im Regen tanzen und das Leben leben. Das Leben, das du dir erwartet hast. Doch ich habe genug. Als ich vor dieser Klippe am Boden liege, schließe ich meine Augen. Ganz langsam. Um noch einen letzten Blick von dir erhaschen zu können. Deine Lippen berühren die meinen. Du versuchst mich wach zu küssen. Doch es ist zu spät. Die Augen sind geschlossen. Wir sind angekommen. Am Ende der Liebe.

//Zwischen Himmel Und Erde, Klee, 2006, Ministry O, Link 1

When It All Comes Crashing Down.



Leave the broken hearted with their pain.

Eine Telefonat, mehr nicht. Eines pro Woche. Vielleicht auch zwei. Mehr nicht. Mehr als diesen Kontakt lässt irgendeiner von uns beiden nicht zu. Und jedes Mal, beziehungsweise fast jedes Mal, enden sie so, wie sie nicht enden sollten. Dass irgendjemand wütend den Hörer aufs Telefon schlägt. Das war früher nicht so, und deswegen frage ich mich, was alles anders geworden ist.

Du bist älter geworden, ich auch. Ich habe mit vielen Dingen abgeschlossen, habe einen weitere Tür zum nächsten Abschnitt in meinem Leben geöffnet. Habe maturiert, die Schule somit beendet und bin nun Teil des Zivildienstprogrammes. Irgendwann, im nächsten Oktober, werde ich dann nach Wien ziehen. Nicht mal mehr jedes Wochenende nach Hause kommen. Mein Leben durchläuft einen heftigen Wechsel. Alles wird anders sein, und doch hoffe ich, dass es schön wird. Ich träume von diesem Abschnitt. Träume, wie toll die Zeit als Student sein wird. Ich, in meinem Metier. Von welchem ich schon als Vierzehnjähriger gesprochen habe. Und auf jenem Weg habe ich in den letzten Jahren einige Fortschritte erzielt. Endlich. Meine Träume scheinen sich mit der gehörigen Arbeit zu verwirklichen. Ich könnte nicht glücklicher sein.>

Ich kann nicht glücklicher sein. Mein Neffe ist gestorben. Du weißt das. Warst bei seiner Taufe dabei, warst bei seinem Begräbnis. Du hast ihn von meinen Freunden am öftesten gesehen. Mein Neffe ist tot. Timi, der Sonnenschein, der mich zum Lächeln brachte, als die Welt zu zerbrechen schien. Als du mit mir zum ersten Mal Schluss gemacht hast, Anfang des Jahres. Er war der Erste, nach diesem Gespräch. Der Erste, den ich gesehen habe. Und er machte die Welt irgendwie wieder zu einem schönen lebenswerten Platz. Dass du mir dann, zu meiner Rede, sagtest, sie sei zu bedrückend, hat mich irgendwie geschockt. Okay, man kann nicht überall einer Meinung sein. Man kann nicht überall sagen: Gut gemacht. Aber ich habe diesen Text am Montag, an dem Tag, an welchem Timi gestorben ist, geschrieben. Soll ich da himmelhochjauchzend von seinem Tod und seiner Auferstehung predigen. Du hast es vielleicht schon akzeptiert und realisiert. Aber ich wünsche niemanden, vor einem Meer aus Tränen, bekannten und unbekannten Gesichtern stehen zu müssen, um die innersten Worte, die einem eingefallen sind, vorzutragen. Worte an einen toten Menschen, der für dich der Mittelpunkt des Universums war.

Warum ich dir die vielen Worte schreibe. Weil du mich plagst. Überall verfolgst du mich. Täglich denke ich tausende Male an dich, träume von dir, schreibe über dich. Nein, ich bin noch nicht über dich hinweggekommen. Nein, selbst jetzt nicht, mehr als sieben Monate nach dem Split-Up. Am 4. Mai sagten wir unsere Beziehung Good Bye. Doch ich konnte nie „Leb Wohl“ sagen. Ich konnte nie richtig damit umgehen. Konnte nicht realisieren, konnte nicht akzeptieren. Irgendwann wieder einmal diese Gefühls-Flashbacks. Der Versuch der Ablenkung. Der Frust. Der Kummer. Ich habe jeden einzelnen Tag für dich Liebe empfunden. Habe an dich gedacht, und das Bild von dir, in meinen Gedanken, hat mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Fühle dich nun betroffen, überrascht und desillusioniert. Schön und gut.

Nein, ich rede hier nicht von Beziehung und alledem. Das hatten wir schon. Schön war es. Jeder einzelne Tag war schön. Hat mich geprägt und mich gelehrt. Und so knapp nach diesem tragischen Todesfall denke ich, dass ich noch nicht dazu in der Lage bin. Du sowieso nicht. Das hast du mir schon so manches Mal erklärt. Du nicht. Mir fehlt einfach so viel, was für mich die schönsten Momente mit dir waren. Das Miteinandereinschlafen und Aufwachen. Wenn du mir Haare aus dem Gesicht strichst. Oder wenn du mit deinem Kopf auf meinem Bauch lagst und einfach nur lachtest. Solche Dinge fehlen mir.

Du bedeutest mir so viel. Frage mich nicht warum. Ich weiß es nicht. Du traust mir Dinge zu, die ich nie tun würde. Ich habe etwas Anstand, und auch Intelligenz habe ich einiges bekommen. Dass du dann irgendwie sekundenlange Stille während des Telefonates aufkommen lässt, nur weil ich ein Späßchen gemacht habe, ist doch schon irgendwie sehr … ähm … kindisch. Ich dachte immer, du kennst mich besser. Und jedes Mal denke ich mir, warum rufe ich dich überhaupt immer wieder an. Und wenn ich das nächste Mal deine Telefonnummer wähle, wünsche ich mir, dass du mich jetzt endlich besser kennst. Und ich werde bitterlich enttäuscht. So oft rufe ich dich an, oder schreibe dir eine SMS, ob du Zeit hättest. Ob du mit mir etwas unternehmen möchtest. Ob du mit mir ins Kino fährst. Es ist das letzte uneingelöste Versprechen, das ich dir je gegeben habe. Und wenn ich dir versprechen müsste, mich nie mehr bei dir zu melden, würde ich es tun, nur um dich nicht zu enttäuschen.

Doch ich scheine dich immer wieder zu enttäuschen. Aus unbegreiflichen Gründen. Dein kindliches Gemüt schlägt schnell um. Du bist manchmal anstandsloser und unintelligenter als du es von mir glaubst. Vielleicht sollte man sich oft an der eigenen Nase packen. Ich habe es schon gemacht, und werde es immer wieder tun. Ich traue mich schon lange nicht mehr, so schnell über jemanden zu urteilen. Nein, ich kenne dich nicht. Kenne keinen einzigen Mikroben deines Wesens. Du bist ein so einzigartiges Wesen. Im positiven, wie im negativen Sinne.

Nie hast du Zeit für mich. Weichst mir aus. Versuchst „realen“ Kontakt zu blockieren. Telefonieren, schön und gut. Aber sich wirklich sehen. Das magst du nicht. Jedes Mal wenn ich zur Rahel, oder zur Sarah, oder zur Elisabeth fahre, fahre ich ganz langsam an deinem Haus vorbei und sehe nach, ob du vielleicht davor stehst. Noch nie bist du davor gestanden, doch ich sehe immer wieder nach.

Was ich dir mit dieser viel zu langen E-Mail sagen möchte. Ich könnte dir zum Beispiel sagen, dass du mir etwas bedeutest, dass ich nicht richtig schlafen kann, weil ich daran denke, ob du überhaupt noch eine Freundschaft oder mehr haben möchtest. Und dass ich lieber in das eisklate Gewässer der Erde springen würde, bevor für mich ein „Was-wäre-wenn“ im Raum unbeantwortet hängen bleiben würde. Und deswegen würde ich einfach noch mal beide Augen zudrücken und in eine ungewisse – gemeinsame – Zukunft springen, um zu wissen, dass es sicher nicht funktioniert. Ich würde einfach lieber zweimal denselben Fehler machen, als mit einem bescheuerten „Was-wäre-Wenn“ zu leben.

Oder ich könnte auch sagen, dass ich dich vermisse. Dein Lachen. Dein Gesicht. Deine Augen. Dass mir so viel an dir liegt. Und ich einfach todtraurig darüber bin, dass es gerade so ist, wie es ist. Du fehlst. Jeder zweite Eintrag auf meinem Blog hat in irgendeiner Art und Weise mit dir zu tun. Oder ich denke zumindest an dich, wenn ich ihn schreibe. All der Kummer und das Leid und alles verschafft mir vielleicht auch die nötige Kreativität, die ich eben jetzt gerade in meinem Blog an den Tag bringe. Alles könnte schön werden. Wenn ich dich aus meinen Gedanken verbannen könnte. Aber ich möchte dich nicht vergessen. Möchte nicht diese eine Seite des Buches schließen und sagen, das war ein schönes Kapitel, aber es ist vorüber. Ich habe mir einmal vorgenommen, dass ich warte. Bis du dich selbst entwickelt hast, oder wie du es eben nanntest. Bis du wieder bereit für eine Beziehung bist. Vielleicht dauert es noch lange. Ich weiß es nicht. Aber ich habe auch nicht die Energie dafür, irgendetwas anderes zu tun. Ich bin viel zu ausgelaugt, psychisch an irgendeinem schwierigen Punkt. Und deswegen ist das Warten die beste Möglichkeit, mit einem Wunschtraum zu leben.

Vielleicht sagst du dir jetzt, fast am Ende dieser E-Mail, dass ich wieder einmal so viel Sinnloses geschrieben habe. Wie ich es auch in meinem Blog mache. Ja, vielleicht ist es sinnlos. Aber es ist für mich ein Versuch, dir vieles klar zu machen. Du brauchst mir nicht zurückschreiben. Brauchst nie mehr mit mir reden. Brauchst mich nie mehr ansehen und mich in deiner Biografie auch nur erwähnen. Aber wenn nur ein Fünkchen Wahrheit in diesem Text steckt, würde ich mich gerne über eine Nachricht freuen. Für mich ist diese Mal eine Art, um dir alles zu sagen, was mir auf dem Herzen liegt. Warum ich nie meine wahren Gefühle und Gedanken nach Timis Tod dir sagen konnte? Weil durch deinen Anblick meine Gefühle und Gedanken für dich sich mehr und mehr nach vorne reihten. Es hätte nicht so enden sollen. Es soll nicht so enden. Und sollte es dennoch so enden, so gib mir bitte Bescheid.

Mit einer festen Umarmung im Gedanken
und Einigem zum Nachdenken

Dominik

//Eine E-Mail. An sie.

Break The Night.

… with colour.

Das Meer aus Dunkelheit vor mir, das Nichts dahinter. Ich wandere durch diese dunklen Gassen, durch diese unheimliche Gegend, die ich normalerweise mein Zuhause nenne. Hier die Brücke, die mich vor dem mitreißenden Wasser schützt. Eine Katze. Sie streicht über meine Füße, fast stolpere ich, ob ihrer unglaublichen Unfähigkeit.

Da, da hinten. Sehe ich eine Straßenlaterne. Ihr graues Licht wirft sie auf die Straße. In den hellsten Grautönen. Die Welt in den verschiedensten Schatten. Ich führe meine Hand vor mein Gesicht, um zu sehen, wie weit ich in dieser schwarz-grauen Nacht eigentlich sehe. Erst als ich die Wärme meiner Hände schon an meinem Gesicht spüre, schrecke ich zurück.

Ich kenne den Weg nach Hause. Kenne den Weg zurück ins Nichts. An das Ende der Welt und dem Anfang von allen. Kenne den Weg zum Tod und den Weg zurück. Ich kenne die Abkürzung und die längste Strecke für dieses Ziel. Doch ich sehe nichts. Will nichts sehen. Vielleicht sind meine Augen auch geschlossen, so dicht ist die Dunkelheit heute.

Langsam taste ich mich nach vorne. Der Strauch, der große Stein, die Silbertanne. Wie lange gehe ich eigentlich schon hier. Wie lange stehe ich eigentlich schon hier. Wie lange geht das noch so weiter. Alles ist dunkel. Und wo auch überall Licht hinfällt, es färbt sich nur in ein undurchdringliches grau.

Doch plötzlich erblicke ich dich. Du leuchtest. Im den schönsten Technicolor-Farben. Du durchbrichst die Dunkelheit, während du vor meinem Haus sitzt, auf dieser kleinen alten Gartenbank. Ich spüre die Wärme, die von dir ausgeht. Du hast die Macht, hast die Magie, die alles Leben besonders macht. Du bist einzigartig und der Beginn der Welt. Und ich schließe noch einmal die Augen, um erst richtig zu erfassen, was du für mich bist.

Als ich die Augen öffne, ist es wieder dunkel. Du bist weg. Ohne Vorwarnung. Genauso wie du gekommen bist.

World Keeps Turning.

Man kann die Welt nicht aufhalten. Nicht stoppen. Nicht zurückdrehen. 

Wie viele Dinge würde ich gerne ungeschehen machen. Wie viele Worte sollten lieber ungesagt bleiben. Wie oft habe ich mir schon gewünscht, die Zeit zurückzudrehen, um mein Leben zu einem perfekten Leben zu machen. Um die Welt zu leben, mit all den Fehlern, aus denen ich gelernt habe. Und wie oft habe ich gehofft, einen Knopf zu haben, um eine schreckliche Zeit schneller zu erleben. Damit das Ende früher da ist, als es normalerweise ist. Doch nichts geht. Rein gar nichts. Es ist einfach so wie es ist.

Momente, die mein Herz brennen, meine Gedanken ruhen und mein Leben sein ließen. Momente, die für mich ständig in Erinnerung bleiben werden. Und die keine Bedeutung für irgendjemand anderen haben. Nur für mich. Diese Momente, ich hätte sie gerne gespeichert, um sie mir immer wieder vor den Augen zu halten. Gerüche, die für einen kurzen Moment meines Lebens, meine Nasenflügel benetzten. Sie hätten auch bleiben sollen.

So beschissen die Welt ist, so unverständlich ihr Verlauf. Die Welt. Sie dreht sich weiter. Weiter bis zum Ende ihrer Zeit. Bis zum Ende des Lebens. Allen Lebens. Der Tod, die schlimmste Erfahrung eines Menschen. Diese Momente bleiben. Immer und immer wieder ist man mit denselben Gedanken, mit den selben Bildern im Kopf unterwegs. Mit dem letzten Moment, als man die so sehr geliebte Person noch einmal gesehen hat. Eiskalt, mit unbegreiflichen Flecken am Kopf. Dem Gefühl, einer Puppe über die Wange zu streichen. Nicht ihm. Nicht ihm. Nicht.

Diese Gedanken bleiben, und in solchen Momenten wünschte ich mir, dass mir zwar diese Erinnerungen irgendwie im innersten Inneren gespeichert bleiben. Aber ich doch weiterleben kann, ich mich weiterdrehen kann, wie die Welt es macht. Zur Routine zurück, würde ich sagen. Einer veränderten Routine. Einer Routine, die ich früher niemals als so etwas angesehen hätte. Es gibt keinen Pause-Button. Kein Rewind. Kein Fast Forward. Nein. Das Leben hat so etwas nicht vorgesehen für uns. Nicht für uns Menschen.

Die Welt dreht sich weiter, mit ihr drehen sich wir. Es wird nie mehr so sein. Nie mehr. Es gibt keine Stop-Taste, nur um alles erst einmal zu erfassen. Nein. Das muss alles im Laufe des Seins passieren. Nicht in einem pausierten Leben. Man kann nicht mehr irgendetwas gut machen. Nie. Man kann nur versuchen, das Leben zu leben. Nur um nie das Gefühl zu haben, solche Momente vermissen zu müssen. Diese Momente sind gut, wichtig, Teil des Lebens. Man kann nicht aufhören, bevor es zu Ende ist.