In Den Fängen.

„Why does my heart.“ – In der einen Hand das Messer.

Langsam führe ich es näher. Bis es knackst und ein Meer aus Bröseln auf dem Teller zurückbleibt. Eine Semmel habe ich in meiner anderen Hand. Ich lese die Tageszeitung. Mord im Pfarrhaus. Explosionen in der Hand. Steuerhinterziehung und Politikerversprechungen. Verärgert schlage ich sie zu, lege sie beiseite und beginne zu essen.

Was doch nur alles in dieser Welt falsch läuft, denke ich mir. Normal ist das nicht. Aber was ist schon normal. Wieder eine Frage, auf die es keine Antwort gibt. Ein Brösel hat sich zwischen zwei Zähne geklemmt. Zuerst mit der Zunge und dann mit einem Fingernagel versuche ich, es rauszubekommen. Jetzt zu sprechen, wäre ein fataler Fehler. Würde komisch klingen, denke ich.

Das Summen eines fast stehenden Automotors. Als ich aus dem Fenster blicke, blendet mich mal wieder der Schnee. Das kleine bisschen Sonne schlägt sich auf die Schneefläche und schießt ihren hellen Schein hoch zu dem Fenster, an dem ich stehe, aus welchem ich sehe. Bekomme ich Besuch, frage ich mich. Ich bin so gar nicht vorbereitet auf Besuch, das ganze Geschirr ist im Wohnzimmer verteilt, die getragenen Kleidungsstücke liegen herum. Doch nur die Post. Ich setze mich auf die Couch. Die Semmel habe ich schon wieder vollkommen vergessen.

Mir ist kalt. Ich hätte vorhin doch nicht auf den Balkon gehen sollen, um eine zu Rauchen. Die Decke schenkt mir ein kleines bisschen Wärme und der Kerzenschein vor diesem scheinbaren Altar schenkt der Dunkelheit etwas Licht. Ich lasse mich zurückfallen, nur der Polster fängt meine Wucht auf. Mein Kopf rollt zur Seite, die Gedanken schwappen, bis ihre Flüssigkeit wieder waagrecht ist. Und während sie langsam aus meinem Ohr tropfen, beginne ich über das Jahr zu fluchen. Ich benutze Schimpfwörter, von denen ich nicht mal wusste, dass sie existieren.

Aber aus dem Augenwinkel heraus erblicke ich wieder die Semmel. So schmackhaft wie es da liegt auf ihrem Teller. Ich richte mich auf, halte mit der einen Hand aufs Ohr und warte, bis sich das Gleichgewicht in meinem Kopf wieder hergestellt hat. Stehe auf und esse einen weiteren Bissen. Nun fällt der Blick aus dem Fenster nicht mehr ganz so schwer. Die Sonne hat sich zu den Bergen am Horizont zurückgezogen. Mit ihren Strahlen streichelt sie all die Nadel- und Laubbäume und senkt sich nieder auf die weiße Fläche. Ein schöner Anblick, eigentlich.

Und plötzlich hascht ein Lächeln über mein Gesicht. Die zwei Katzen tapsen rund um meine Beine herum. Ich bin zu müde, um sie wegzustupsen. Und als ich mich das nächste Mal in den Sessel sinken lasse, denke ich mir. Das hat schon was. Das wird schon. Schön. Und im Gedanken nehme ich all die gedachten Schimpfwörter zurück. Mein Herz schlägt, es ist warm und schmiegt sich an die Rippen. Und in den Fängen der Zeit freue ich mich auf das Jetzt.

Als Dunkelheit.

„Aber das wäre ungerecht.“

Überall schon schießen sie. Abermillionen von sinnlos verbrauchtem Schießpulver. Ich liege auf der Couch und sehe mir die frühabendlichen Jahreswechselfilmalbträume an. Die Katze springt hoch, die Katze springt runter. Will raus und will gleichzeitig noch fressen. Fest eingewickelt klammere ich mich an meine warme Decke. Soll es doch kommen. Ich habe keine Angst davor.

Irgendwann richte ich mich auf, strample die Decke von mir und kleide mich an. Es ist defintiv nicht mehr Sommer. Ein dicker Pulli, warme Socken, Schuhe, Jacke, Schal. Alles du, um mir die Wärme zu bieten, die ich jetzt gerade brauche. Das Auto, in der Garage. Und ich. Bald weg.

Einige Stunden. Dreisam-, Viersam-, Achtsamkeit. Gemütliches Zusammensitzen, betrinken. Ich selbst bleibe nüchtern. Will nicht irgendwo schlafen, will nicht mit dem Taxi nach Hause fahren. Der Countdown und der ewig lange Walzer. „Hast du Vorsätze für dieses Jahr?“ – „Es soll besser als das letzte werden.“ „Schlimmer kann es wohl nicht mehr werden.“, meint sie. „Doch. Es könnte noch so viel passieren“, kontere ich. „Aber das wäre ungerecht.“, möchtest du mir sagen. Wir sehen uns an, und lachen. „Weil ja gerade das letzte Jahr so schön gerecht war.“ Wir lachen. Und erfinden Dinge, die nur wir witzig finden. Irgendwann die angestaute Müdigkeit. Der Abschied. Das Ende. Der Feier zumindest.

Heimfahrt, zuhause angekommen. Garagentor geöffnet, Auto abgestellt. Alles ist Dunkel. Nur die zwei Katzen wuseln noch herum und warten, bis ich ihnen die Tür zu ihrem Fressen öffnen. Stille. Vollkommene Stille in diesem Haus. Hier sitze ich und warte. Warte auf mein Bett, auf morgen, auf die nächsten Tage, auf alles. Ich bin allein. Keine Eltern im Haus, kein reger Verkehr von Besuchern. Nur ich. Und diese Katzen, die ich einfach nicht ausstehen kann.

Allein. Einsamkeit. Die ich genießen kann. Manchmal verfluche ich sie, dann suche ich einen Weg, um ihr zu entkommen. Aber an manchen Tagen tut sie einfach nur gut. Dann brauche ich sie, um wieder zu mir zu finden. Jetzt sitze ich hier. Es ist dunkel um mich herum. Eine Woche werde ich hier alleine zuhause sein. Vielleicht kommen manchmal Freunde zu mir. Vielleicht aber auch nicht. Ich werde mich ins Bett legen und nachdenken. Zumindest heute habe ich noch ausgiebig Zeit dafür. Und irgendwann werden auch sie wieder nach Hause kommen, werden das Haus wieder beleben und ich werde dabei sein. Bis dahin ist hier eigentlich fast nichts. Als Dunkelheit.

Neu.

Einfach nur mal feiern. Die Sorglosigkeit genießen. Der letzte Kuss von allen. Und der Beginn des Zivildienstjahres. Das dritte Quartal. 

Es ist schon ein mächtiges Stück, wenn man weiß, dass man die Schule, die neun Jahre so etwas wie ein Zuhause, eine verdammte Hassliebe war, bis auf eine Ausnahme nicht mehr besuchen muss. In dieser Zeit liebte ich es, von Abschnitten zu sprechen. Dieser eine lange Abschnitt war nun vorbei. Jetzt dürfte ich wohl genießen und der Welt den Stinkefinger zeigen. Dass ich den letzten Kuss des Jahres von einem betrunkenen Mädchen bekommen habe, ist mir eigentlich egal. Ich selbst war ja ebenso betrunken. Und schließlich und endlich flogen wir auf die Maturareise. In einen Club in die Türkei. 3000 Gleichgesinnte. Ihr glaubt mir ja gar nicht, welche Träume und Vorstellungen ich von dieser Woche hatte. Eigentlich wurde nichts Realität. Und doch war es für mich eine wunderbare Woche. Vor allem, weil sie mir zeigte, dass unsere Klasse, trotz der unglaublichen Abwechslungsmöglichkeiten doch meistens vereint irgendwo am Strand abchillte.

Als hätte ich nichts anderes zu tun, kam ich von dieser Reise, leicht braungebrannt, etwas rötlich verbrannt nach Hause. Und musste sofort für die theoretische Führerscheinprüfung lernen. Obwohl eigentlich alles so aussah, als würde ich sie nie und nimmer schaffen, habe ich sie eigentlich, mit meiner Übungsvorbereitung doch sehr bravourös geschafft. Und auch die praktische Prüfung schien leichter zu sein, als erwartet. Mit meinem Führerschein, einem schrecklichen Foto bewaffnet, hatte ich endlich das, was ich immer wollte. Freiheit. Ich war nicht mehr auf wenige Kilometer rund um mich herum beschränkt, soweit mich eben mein Moped trug. Jetzt konnten andere Wege betreten werden. Und doch. Dann kam all das, was ich zwar schon wusste, aber doch nicht wahrhaben wollte.

Der Zivildienst. Die ersten drei Tage zur Einschulung in der Landeshauptstadt, und ab dem sechsten August schlussendlich jeden Tag nach Bad Goisern, einem etwas größeren Dorf als meinem Wohnort, ca. 50 Kilometer davon entfernt. Es war schon eine wilde Umstellung, so früh aufzustehen, eine Stunde mit dem Zug zu fahren und mehr und mehr wurde mir bewusst, dass ich nun schon in einem Alter bin, oder eben in einer Phase, an dem Schulkinder nerven. Selbst wenn sie nur drei Jahre jünger waren als ich. Und so führte mich ein gutes Buch und mein Mp3-Player in dieses Käffchen, wo ich meine Zivildiensteinsatzstelle fand. Dass die Tage doch eher langweilig werden würden, das hatte ich fast befürchtet.

Anfang August war übrigens auch die Zeit, als zwei Texte von mir in einer österreichischen Tageszeitung mit einer Auflage von über 100.000 Stück (Platz 3 aller österreichischer Zeitungen) veröffentlicht wurden. Das Gefühl, der Stolz am Anfang, schlug nach das eine Mal auch ein Wut um, weil ich einfach mal nicht genug recherchiert hatte. Und doch war es ein schönes Gefühl, das ich schon in dieser Art und Weise für meinen Berufswunsch trainieren konnte. Und in einer solchen Zeitung veröffentlicht zu werden, konnte ja auch nicht jeder von sich behaupten.

Welche Bekanntschaften ich in diesen Monaten machte? So einige. Hängengeblieben bin ich zum ersten Mal richtig bei diesem einen Mädchen. Anfangs nur Blicke. Dann Worte. Dann Lächeln. Und irgendwann redete ich mir ein, dass ich einfach über sie noch nicht hinweg sei. Und brach den Kontakt zu dem Mädchen für eine beachtlich lange Zeit ab. Jetzt, im Nachhinein, bereue ich es. Denn ich denke, es hätte ehrlich etwas werden können. Jetzt sehe sie zwar öfter, doch es ist nichts mehr. Ich finde sie noch hübsch, sie hat eine wunderbare Ausstrahlung, aber irgendwie habe ich alles durch das Ausweichen zerstört.

In diesen drei Monaten war alles neu für mich. Das Ende der Schule, der Führerschein und der Beginn des Zivildienstes. Dass ich mich schon von Anfang an auf das Ende des Zivildienstes freute, ist ganz logisch, irgendwie. Freue ich mich doch immer auf das Danach. Auf Wien, mein Studium und der erste richtige Ausbruch von Zuhause. Das halbwegs selbstständige Leben. Und doch ist in diesen Monaten relativ wenig geschehen.

Lied des Quartals: Love Hurts von Incubus
Buch des Quartals: Elementarteilchen von Michel Houellebecq

Was von diesen drei Monaten bleibt: Das Gefühl, vor eine komplett neue Aufgabe gestellt zu werden. Und sowieso alles andere. Es waren interessante und doch ruhige und langweilige Tage. Eigentlich die leblosesten des ganzen Jahres. So gesehen. Neu bedeutet nicht immer, dass alles gut ist.

// Jahresrückblick 2007. Teil 3. Juli, August, September.

Über Den Weg.


Als ich das Fenster runterlasse und sie frage, wohin es denn gehen soll, lächelt sie herein, öffnet die Tür, nimmt den Platz neben mir ein und sagt:“Bis ans Ende der Welt.“

Ich kupple aus und gebe gleichzeitig Gas. Die Red House Painters erklären mir irgendetwas über ein Sommerkleid. Ich stell die Lautstärke zurück. Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, wohin ich jetzt gerade fahren soll. Ich habe ja Zeit und sicherlich genug Benzin.

„Wie heißt du?“
– „Emily“

Das gefällt mir. Wenigstens fragst du nicht nur aus reiner Höflichkeit zurück. Mein Name scheint dich nicht zu interessieren. Ich gebe Gas, schalte langsam aber beständig auf den vierten Gang hoch. Das Tacho zeigt irgendetwas Zweistelliges an. Das milde Abblendlicht sucht sich den Weg durch den Nebel. Dir scheint kalt zu sein. Ich mache die Heizung an.

„Denkst du nicht, dass es extrem gefährlich ist, nachts irgendjemanden von der Straße aufzusammeln?“
– „Du bist doch Emily. Und nicht irgendjemand.“

Ich lächle. Wunderbar gekontert. Doch du blickst verstört zuerst zu mir, und dann aus der Windschutzscheibe. Als würde ich mich nach etwas umsehen, blicke ich immer unscheinbar nach dir. Du hast wunderschöne dunkle Haar, beeindruckende Augen, sanfte Gesichtszüge. Plötzlich bemerke ich vor mir dieses rote Licht. Ich bremse ab und komme irgendwann hinter der wartenden Kolonne zu stehen.

„Nun sag schon, wohin soll ich dich bringen.“
– „Ich sag’s schon, wenn ich raus will.“
„Was hast du hier denn gemacht, wenn ich fragen darf.“
– „Mir die Landschaft angesehen.“

Ich blicke sie überrascht an. „Die Landschaft? Soweit ich mich erinnern kann, ist das wohl eine der trostlosesten Gegenden der Umgebung.“ – „Für dich vielleicht.“ Und zaghaft erklärt sie mir, wie schön es ist, den wandernden Mond zu beobachten. Zu sehen, wie die letzten Autos in ihre Garagen fahren und Hunde ein letztes Mal ausgeführt werden. Zu sehen, wie am Schrottplatz gegenüber sich Metallteile sammeln und zu riechen, wie diese tote Katze in der Wiese verrottet. Ich stelle es mir vor und kann schon ein kleines Bisschen verstehen, was du meinst.

„Lebst du hier?“
– „Was heißt schon ‚leben‘. Ich wohne hier, hier in der Umgebung. Ich lebe in meinen Gedanken, in meinem Kopf. Lebe, wenn ich auf Freunde treffe oder neue Bekanntschaften schließe.“

Dein Schal wickelt sich immer enger um deinen Hals. Ich bin fasziniert von deiner Person. Mit wenigen Worten scheinst du meine Gedanken wieder aktiviert zu haben. Und dein Lächeln. Dein Lächeln ist verzaubernd. Irgendwann fahre ich wieder der Kolonne hinterher, krieche auf einer dieser normalerweise um diese Uhrzeit wenig befahrene Straße. Einen Jux wollte ich mir machen, als ich plötzlich blinke und in eine kleine Seitenstraße einfahre. Du sagst nichts, sitzt ruhig neben mir, den Kopf an das Fenster gelehnt, scheinbar die Straßenlaternen zählend.

„Was denkst du? Was sind Sterne für dich?“
– „Sterne sind für mich Anhaltspunkte. Wenn die Einsamkeit mit mir Spielchen treibt blicke ich zum Nachthimmel. Und sehe meine Freunde, meine Familie. Sehe die Verstorbenen und alle die ich liebe. Sterne bedeuten mir sehr viel.“

Du nickst. Es scheint so, als wolltest du diese Antwort hören. Du setzt die Konversation fort.

„Sex?“
– „Aber ich kenn dich doch gar nicht.“
Du lachst. „Ähm, was bedeutet für dich mehr, Sex oder Liebe. Oder besser gesagt, kannst du dir Liebe ohne Sex und Sex ohne Liebe vorstellen?“
Peinlich berührt antworte ich ihr: „Nein. Liebe ist etwas so Wunderbares, etwas so Berührendes. Sex ist nur ein wundervoller Beigeschmack. Ich möchte Sex nicht aufs Abstellgleis schieben, aber es muss immer erst die Liebe gebe. Liebe und Vertrauen.“

Du richtest dich etwas auf, fährst dir mit der Hand ins Gesicht, um eine Strähne zu verscheuchen. Du stellst interessante Fragen, dafür, dass wir uns erst fünf oder zehn Minuten kennen. „Hier, bleib an diesem Parkplatz stehen.“ – „Aber wo willst du dann hin?“ Du antwortest mir nicht. Als das Auto zum Stillstand kommt, steigst du aus. Und stellst mir noch eine letzte Frage: „Bist du verliebt?“ Ich blicke bei meinem Fenster raus, und anschließend durch die Windschutzscheibe. Als ich mich wieder zu dir umdrehe, bist du schon aus meinem Auto ausgestiegen. Du hast nicht auf eine Antwort gewartet.

Und doch gehst du mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich hätte dir sowieso keine eindeutige Antwort geben können. Ich weiß es nicht. Weiß nur, dass du ein wundervoller Mensch bist. Beeindruckend, wie offenherzig du bist. Gabst kaum Antworten und hast mir doch vieles gezeigt. Ich verlasse den Parkplatz, sehe mich noch um, ob ich dich irgendwo erblicken kann. Doch du bist schon über alle Berge. So scheint es zumindest. Und mit einem Blinken setze ich mein Auto wieder auf die Bundesstraße.

Zweifel.

Wohnen

Nichts ist so wie wir denken. Vor allem bist du nicht so, wie ich es mir erhoffte. Das zweite Quartal.

In einer Beziehung steckend und mir immer die Frage stellen, warum es nicht mehr so ist, wie es früher einmal war. Wie es in unseren ersten vier Monaten, den letzten des Vorjahres, war. Nein, es musste anders werden. Wir haben uns gestritten, haben uns getrennt. Sind für kurze Zeit getrennte Wege gegangen, bis wir wieder zusammenfanden. Und da standen wir nun. Ich zählte die Tage, an denen ich dich nicht sah, und jene, an denen wir uns trafen, verkamen zu krampfhaften Liebesbekundungen.

Die Schule trug mich hin, durch all diese drei Monate. Ende April hatte ich meinen letzten richtigen Schultag. Was danach folgte, waren Prüfungen. Die Matura, also das österreichische Abitur. Anfang Mai schriftlich, und nach etlichen Vorbereitungsstunden in unzähligen Fächern Ende Juni auch mündlich. Ich machte mir nicht viele Gedanken. Lernte für einige Fächer mehr, für einige weniger und habe es schlussendlich in diesem ersten Halbjahr des Jahres nicht geschafft. Nur knapp nicht. Kein Bomben-Bauchfleck vom Zehnmeter-Turm. Aber doch irgendwie ein Rückschlag.

All die Dinge, die ein Jahr zuvor noch das große Leben bedeuteten, Tage am See, Grillfeste und Parties. Nichts war mehr interessant. Stets nahm ich mir vor, mich auf die Schule zu konzentrieren, doch auch das war nicht sehr hilfreich. Die Anteilnahme war relativ gering. Nichts ließ mich mehr kalt, als diese dämliche Schule, aus der ich mich so gerne herauswünschte. Doch auch das ging vorbei. Und trotz des Missgeschickes in Englisch, was mich am meisten überraschte, trotz dieses Missgeschickes war ich stolz. Stolz, es so weit geschafft zu haben. Stolz, beinahe die Matura bestanden zu haben.

Im Mai feierte ich meinen neunzehnten Geburtstag. Zum Feiern kam ich ehrlich gesagt nicht. Denn einen Tag später musste ich vier Stunden lang etwas über Konformismus und die Jugend von heute in meiner Deutschmatura schreiben. Und zwei Tage vor meinem Geburtstag fasste ich auf den Weg zu ihr einen Entschluss. Durch Kettcars 48 Stunden inspiriert, endete ein langer Nachmittag bei ihr, in ihrer Küche am Boden. Diskutierend. Und das war seit langem wieder einmal das erste Mal, dass ich streng auf meinen Kopf gehört habe. Mein Herz bließ außen vor. Diesmal habe ich Schluss gemacht, und doch sagten, wir, es war eine friedliche Trennung. Dass anfangs alles perfekt schien und schlussendlich doch wieder die Gefühle da waren, davon will ich hier jetzt gar nicht sprechen.

Im Juni feierte auch mein Neffe seinen ersten Geburtstag. Das es sein letzter werden sollte, damit konnte damals niemand rechnen. Durch Frust wegen meiner Schwester wollte ich gar nicht an der Geburtstagsparty ihm zu Ehren nicht teilnehmen. Ich konnte dieses scheinheilige Getue nichts mehr abgewinnen und kroch dann doch irgendwann in den Garten, aß mein Grillfleisch und versprühte negative Energie. Wunderbare Tage waren das, vor allem mit ihm. Es war sonnig und heiß,, und das Leben schien zwar stressvoll aber lebenswert. Kurz vor meiner mündlichen Matura dann heiratete meine Cousine Manuela ihren Ernst. Durch die ganze Aufregung, kurz vor diesem wichtigen Tag, begann ich schließlich auch wieder zu Rauchen. Etwas, das ich bis heute noch nicht aufgegeben habe.

Lied des Quartals: 48 Stunden – Kettcar
Buch des Quartals: Ein Kind unserer Zeit  – Ödön von Horvath.

Was von diesen drei Monaten bleiben: Erinnerungen an einen großartigen Menschen. Eine Trennung, die ich erst jetzt wirklich zu überwinden bereit bin. Das Ende meiner Schulzeit und Musik. Wie immer und überall, begleitete sie mich auch in dieses Mal immer und überall hin. „Zweifel“ eben deswegen, weil es mir irgendwann bewusst wurde, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich fühlte mich unwohl und wollte ein Ende. Wo Ende doch so entgültig ist. Dass ich danach ausging, Freundschaft führen zu können, zeigt wohl auch noch meine jugendliche Naivität. Aber trotz allem waren es schöne Frühlingsmonate.

// Jahresrückblick 2007. Teil 2. April, Mai, Juni.

Wäre Er Echt.

Der Traum. Ein Leben.

Langsam öffne ich die Augen. Fest in meine Decke eingewickelt wache ich in meinem Bett auf. Das Zimmer ist kalt, die Heizung wieder einmal ausgefallen. Es ist noch dunkel, noch vollkommen schwarz. Nur kommende und gehende Autos bringen Licht. Ich richte mich auf und denke nach. Lasse die letzte Nacht und die letzten Gedanken Revue passieren. Irgendwann überkommt es mich dann, und ich schüttle den Kopf. Strample die Decke von mir weg und zieh mir warme Socken an.

Minutenlang blicke ich den Kaffee vor mir an. Zwei Pillen Süßstoff, viel Milch. Und außerdem automatisch viel Kaffee. Er ist noch zu heiß, denke ich mir. Mir geht das Ganze nicht mehr aus dem Kopf. Hat sich eingenistet und irgendetwas anderes, vielleicht Sinnfreies, vielleicht Nützliches hinausgestoßen. Als ich auf die Uhr blicke, fasse ich noch einmal die Tasse. Trinke in einem Zug die Tasse leer, stehe auf. Putze mir die Zähne und suche noch irgendeine Kleidung zusammen. Ich habe nie darauf Wert gelegt, dass etwas irgendwie modisch aussieht. Schnell habe ich irgendeine Jeans und irgendein Shirt gefunden. Garniert mit irgendeinem Pullover.

Die fast eine Stunde andauernde Autofahrt lässt mich auch nicht ruhen. Die müden Augen, die Gedanken im Kopf und der Versuch, mich richtig auf die Straße und ihren frühmorgentlichen Verkehr zu konzentrieren, lässt einen Strudel entstehen. Nichts kann mehr in meinen Kopf hinein, und nichts geht mehr raus. Dieser eine Abend also. Er bleibt. Und alles was danach war. Alles was in meinem Kopf entstanden war, alles, was so banal und doch nicht so abwägig ist. Nachdem ich angekommen bin, und meinen Platz gefunden habe, blicke ich immer wieder auf die Uhr.

Es muss doch endlich mal vorbei sein. Und alles und überall und irgendwie kommen sie immer wieder, die Gedanken. Jonglieren sich selbst vor meinem geistigen Auge. Und die Pupille zentriert auf dieses einzelne kleine Ding. Keine große Sache und doch gehts nicht mehr raus. Ich bin froh, als ich mir wieder den Schlüssel schnappe und nach Hause fahren kann. Deutscher Indie-Pop erzählt mir etwas von Leben und Sterben. Von Im-Taxi-Weinen und dem Typen vom Balkon gegenüber. Ich ziehe langsam an der Zigarette an, das Fenster ein kleines bisschen gekippt. Um nicht neben dem aktiven Rauchen auch noch passiv getötet zu werden.

Zuhause ist alles gleich. Der ewige Kreisverkehr aus Verständnis und Endnis. Aus „Du musst“ und Verlust. Alles, wie es war. Nur eben anders. Ich versumpfe vor meinem Notebook, zähle die geschriebenen Worte und höre mein Handy vibrieren, um mir einen versäumten Anruf mitzuteilen. Ich ignoriere ihn. Der Media-Player rotiert. Immer und immer wieder diese Lieder. Alles doch nur eingebildet und dieses Bild in meinem Kopf. Es wird Mitternacht. Draußen schneit es nicht, es stürmt nicht, es friert nur. Und ich krabble unter die Decke. Lege mir den Polster zurecht und schließe die Augen. Nur, um zu wissen, dass sich alles morgen wiederholt. Und doch so anders sein wird.

Träume haben die Macht, schier Unmögliches plötzlich möglich erscheinen zu lassen. Man wacht auf, mit einem Lächeln auf dem Gesicht, und Minuten später erfährt man aus eigener Erkenntnis, dass es doch alles nur ein Traum war. Dieser Traum. Mein Leben.

Perfekt.

‚Du bist perfekt“, sagst du mir, lächelst und ich blicke dich vollkommen verstört an.

Was ist schon perfekt. Immer wieder denke ich mir, wie unsorgsam mit diesem Wort umgegangen wird. Was ist schon perfekt. Langsam taste ich mich vor. An mich. Nichts ist an mir perfekt. Ich gebe manchmal nur mein Bestes. Ich will doch gar nicht perfekt sein. Will nicht das Nonplusultra sein. Und bin sowieso meilenweit davon entfernt. Ich kann solche Sätze nicht ernstnehmen.

Der perfekte Schwiegersohn. Der perfekte Freund (in einer Beziehung). Der perfekte Freund (einer Freundschaft). Der perfekte Mensch. Alles doch nur ein Versuch, irgendetwas als großartig zu bezeichnen. Und doch fühle ich mich wie ein Mensch mit viel mehr Möglichkeiten. Ich weiß meine Stärken, noch besser meine Schwächen. Und lehne mich langsam zurück. Blicke in den Spiegel und betrachte mein Leben.

Ich will nicht perfekt sein. Ich will ich sein. Ich habe kein Problem, Fehler zu haben, sie zu zeigen. Wir alle sind doch perfekt, jeder auf seine / ihre Art und Weise. Bitte sag doch nicht, ich sei perfekt. Ich kann es nicht zurückgeben. Ich kann nicht sagen: „Du bist perfekt.“ Weil ich damit etwas aussprechen würde, was nicht mehr zurückzunehmen wäre. Ich will niemanden um mich haben, den man als perfekt bezeichnet.

Gut, schön, wunderbar, großartig, einzigartig, toll, nett, wundervoll, lieb, süß, atemberaubend, beeindruckend, besonders, anders, du, verstörend, belebend, Halt gebend, liebend.

Das kann ich sein. Das kann jeder um mich herum sein. Aber nicht perfekt. Da gäbe es nichts mehr darüber. Und ich brauche immer etwas, um noch größer zu werden. Um noch besser zu werden. Auf Perfektivität habe ich noch nie hingearbeitet. Wollte ich nur mal sagen. Inspiriert durch eine wunderbare Freundin.

Liebe.

Wohnen

Meine Hand um ihre Hüfte gelegt. Aus der Ferne das Feuerwerk beobachten. Das erste Quartal.

Wie stellt man sich den schönsten Jahreswechsel vor? In den Armen des Menschen, den man liebt, oder? Ich zumindest sehe alles als schön an, wenn man es mit wundervollen Personen erleben kann. Den ersten Jänner dieses Jahres begann ich, in der Wiese stehend, mit ihr. Alles schien so großartig, so einzigartig. Das musste doch einfach ein wundervolles Jahr werden, dachte ich mir. Es hätte eben nicht besser starten können. Ich spüre immer noch dieses Gefühl, als alle Blicke auf den Himmel gerichtet waren. Und zwischen den Sternen und den vereinzelten Wolken Feuerwerksraketen explodierten.

Dass ich nun im letzten Teil meiner Schulkarriere stehen würde, wurde mir erst durch den Stress bewusst, mit welchem ich konfrontiert wurde. Dass sie sich dann auch noch auf eine Trennung einigte und irgendwann einmal mir davon erzählte, schien ich, mit nichts mehr zurecht zu kommen. Dass schon damals Liebe kurzzeitig in Wut umschlug, fiel mir erst kürzlich wieder auf. Heftige Einträge hier und all das. Ich hatte mächtigen Kummer und wusste einfach nicht, warum das Ganze. Warum es vorbei sein sollte.

Und irgendwann kamen die Gefühle wieder zurück. Ich nannte es von da an „Gefühlsflashback“. Manchmal kurzzeitig, und manchmal auch für lange Zeit. Dass zwei oder drei Wochen plötzlich wieder alles perfekt schien, und sie alles bereute und hoffte, alles besser zu machen, ließ auch mich wieder strahlen. Von nun an sollte alles besser werden. Nun würde auch sie richtig viel in diese Beziehung investieren.

Doch es wurde nicht so, wie wir es uns erhofften. Wie ich es mir erhofften. Dass jemand keinen Mumm hat, oder einfach nur ein Darmausgang ist, stelle ich jetzt mal einfach so in den Raum. Aber anfangs schien doch wirklich alles wieder zu passen. Schulisch wurde ich extrem gefordert. Die Noten sahen alle ganz anders aus, als ich sie mir immer erträumte. Probleme in Mathe, Französisch, Biologie, Chemie. Und ich wusste einfach nicht, wie ich das alles noch lernen sollte. Doch an die Matura war noch gar nicht zu denken. Dazu hatte man ja noch drei Monate Zeit.

Am Ende dieser ersten drei Monate habe ich sogar mit meinem ersten Buchprojekt angefangen. Und bis zu diesem Zeitpunkt insgesamt sechzehn Kapitel fertiggestellt.

Lied des Quartals: Nobody’s Girl – Ryan Adams.
Buch des Quartals: Jugend ohne Gott – Ödön von Horvath.

Was von diesen drei Monaten bleiben: Viele Erfahrungen. Gedanken. Und die Frage, ob nicht alles besser geworden wäre, hätte man das Ende eingesehen. Dieses Quartal steht unter dem Überbegriff „Liebe“. Weil das eigentlich das Haupterlebte in diesen drei Monaten war. Viel mehr möchte ich sowieso hier nicht mehr darüber kommentieren. Würde wohl entweder zu melancholisch oder zu brutal werden. Schon gut.

// Jahresrückblick 2007. Teil 1. Jänner, Februar, März.

Read My Mind.

Du liest dieses Buch. Als du aufblickst, ist die Welt ganz anders, als du sie in Erinnerung hattest. 

‚Nothing’s going right today, cos‘ nothing ever does.‘ Richard Ashcrofts Worte rotieren schon die ganze Zeit in deinem Kopf. Langsam lehnst du deinen Kopf gegen das kalte Fenster des Zuges. Blickst auf die eisigen Schneeflächen, du durch das schräg einfallende Licht durch die Dunkelheit leuchtet. Und wieder fällt dein Blick in dieses Buch. Du hasst es, wenn Bücher Abnützungserscheinungen zeigen, und doch machst du immer ein Eselsohr auf die zuletzt gelesene Seite.

Mehr und mehr Leute steigen hinzu. Und doch ist der zug viel leerer als er es normalerweise ist. Die ganze Welt hat frei, denkst du dir. Wie lange fährt er wohl dieses Mal. Und wohin fährst du eigentlich. Diese Gedanken sind dir egal, viel zu vertieft bist du in dieses Buch. Als der Schaffner dich nach deiner Zugfahrkarte fragt, hältst du ihm dein Lesezeichen hin. Er sieht es an, erfährt wohin du fährst, stempelt es und geht weiter. Keine schlechte Idee, denkst du. Eine Zugfahrkarte als Lesezeichen.

Du folgst den Geschichten durch den kalten Schnee. Als sie zu laufen beginnen. Als die Küsse folgen. Und am Dachboden gekramt wird. Als man schmerzvoll erlebt, wie sich Liebe anfühlt und man folgt. Ohne nachzudenken. Kann das Buch nicht mehr weglegen und verliert sich selbst auf den Weg zum Ende.  Der Zug hält. Am bekannten Bahnhof, du packst dein Buch in deine Tasche, wickelst dir den Schal um deinen Hals und steigst aus. Begibst dich zu dem Ort, der dir vorbestimmt ist. Und er-, ver-, belebst deinen Tag.

Die Geschichte und die Personen. Du bekommst sie einfach nicht mehr aus dem Kopf. Wanderst in achtzig Tagen um die Welt. Suchst Elementarteilchen oder hilfst bei der Ausweitung der Kampfzone. Siehst diesen Dorian mit schrecklich verzerrtem Blick am Boden. Erlebst die Wandlung zwischen Jekyll und Hyde. Formst den Mord an den Clutters nach. Lebst brutal mit Alex De Large. Bis du wieder in den Zug einsteigst.

Und irgendwann befindest du dich in der Mitte der Welt. Dorthin fährt auch der Zug, in dem du gerade sitzt. Es lässt alles vergessen und die Worte Richard Ashcrofts verlieren an Bedeutung. Bücher haben die Macht, welche sonst nur Musik und außergewöhnliche Filme haben. Sie sind Teil des Lebens. Wenn man es denn zulässt.

Wollte nur mal zeigen, dass Lesen vielleicht „retro“ ist. Aber ich liebe es.

Hier Sein.

Ja, ich weiß. Die Sorglosigkeit der Tage wird nie mehr so sein. Es ist alles anders und doch fühle ich mich wohl.

„Wie in guten alten Tagen.“, meinte Stefan, als wir während unserers Aufstieges mit dem Schlitten mal wieder eine Rauchpause machten. „Vollkommen sorglos. Absolut unbekümmert.“ „Wie in guten alten Tagen“, wiederholte er sich. Ich musste nicken. Es fühlte sich an, trotz der Kälte und dem Schnee und dem Schweiß wie der Sommer, den ich geliebt habe, und der mich lieben lernte. Wunderbare Tage, einige der schönsten meines Lebens. Und ich gerade erst mal siebzehn Jahre alt.

Alte Tage. Immer wieder rotieren diese Worte in meinem Kopf. Und was hält uns jetzt auf? Es war doch einzig und allein die Schule, die uns die Welt sorglos erscheinen ließ. Jetzt machen wir Zivildienst, oder Studieren schon. Warum nicht gute neue Tage. An mir soll’s nicht liegen. Ich wäre bereit, habe Zeit und Lust. Und habe einfach nur Verlangen nach diesem Gefühl vollkommener Unbekümmertheit.

Und trotzdem wird das Leben anders. Das ist es doch schon. Der Tod eines so sehr geliebten Menschen kann nicht einfach so vorübergehen. Dass man sagt, es ist geschehen, was soll man machen. Schön ist das Leben und ich mag mich auch. Nein. Das geht nicht einfach so vorüber. Es ist vielmehr eine Herausforderung. Und das Lernen, Momente im Leben viel mehr zu genießen. Man weiß nie wann es vorüber ist. Weiß nicht, ob solche Momente in ähnlicher Zusammensetzung wieder auftauchen.

Ich fühle mich sorglos. Ja, trotz allem. Weiß, dass noch nichts richtig verarbeitet ist. Aber ich scheine zu realisieren, schön langsam. Dass er nicht mehr kommt. Dass sie nicht mehr liebt. Ihn werde ich für immer lieben. Und sie. Hat ihre Chance vertan. Ich bin frei. Und liebe mein Leben. Ich habe mein Leben schon immer geliebt. Selbst wenn Texte von Suizid handelten, war das nur der Gedanke daran. Ich hätte viel zu viel zu verlieren. Vor allem meine Familie und meine Freunde. Menschen, die ich liebe. Und meine Träume. Viel zu kostbar.

Ich sehne mich nach meiner Zeit in Wien. Die nächstes Jahr, in zehn Monaten anfangen wird. Aber genieße jetzt auch noch die Zeit des Zvildienstes, freue mich auf den dreimonatigen Ferienjob. „Sag nicht, dass das ein sinnloser Tag ist. Einen Sinn hat jeder Tag.“, sagte sie immer zu mir, wenn ich mich über scheinbar sinnbefreite Tage ausließ. Jeder Tag hat einen Sinn. Das weiß ich nun. Ich bin unverliebt und fühle mich wohl in dieser Rolle. Bin kein unbedingt glücklicher Single. Aber auch keineswegs unglücklich. Froh über den beschissenen Abschluss einer teils wunderschönen, teils beschissenen Zeit.

Ich fühle mich wohl. Ich finde mich schön. Und bin froh. Froh, dass ich Menschen um mich habe. Menschen, die mich mögen, mich vielleicht sogar lieben. Menschen, die mit mir nachdenken, und mit denen ich grübeln kann. Menschen, die ebenso große Träume haben. Ich liebe das Leben und denke mir immer öfter. Eigentlich ist mein Leben sorglos. Eigentlich trage ich zwar eine verdammt schwere Last auf mir. Die Trauerverarbeitung. Und so weiter. Und doch hoffe ich nicht mehr auf einen so schönen Sommer wie damals. Ich bin bereit, ihn wieder so schön werden zu lassen. Ich helfe nach. Und werde all die Zeit, die nun noch folgt, wunderbar werden lassen. Eigentlich bin ich froh, einfach nur hier zu sein.