Leserlich.

Axolotl Roadkill
Helene Hegemann
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Und im Zweifel für dich selbst
Elisabeth Rank
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Leben. Liebe. Ende. Anfang

I am Airen Man
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Drogen. Rausch. Mexico. Airen (27.03.2010)

Oh ja.
Ich lese wieder. Endlich.

Und nun ein Aufruf: Welche BloggerInnen oder Twitter-User kennt ihr, die einen Roman geschrieben haben? Ich würde sie alle gerne in einem Blogeintrag zusammenfassen. Beinahe so als Sammlung aller relevanten BloggerInnen-Werke. Ihr kennt jemanden? Dann bitte als Kommentar posten!

Gesamtscheiße.

Und du „Nein!“
Und ich „Doch!“

Und beide sind wir müde, von dieser Diskussion und niemand schenkt uns Glauben, und wir selbst uns ja sowieso nicht. Ich weiß, was ich weiß und the same are you. Zwei Sturköpfe ohne Wand laufen eben einfach gegen sich selbst, bis es weh tut und man nicht mehr kann. Wir hören nicht auf und doch ist es so als könnten wir uns doch noch irgendwie einig werden.

Ich höre dir nicht zu, bin nicht interessiert an deinen Vorträgen, an deinen Worten, nicht interessiert an dir. Wobei. Letzteres würde ich eben doch in Frage stellen. Es ist die falsche Zeit, der falsche Moment, es ist das Nichts, das zwischen uns herrscht und irgendwie alles so furchtbar scheiße macht. Scheiße ist mein neues Lieblingswort, du weißt das. Alles ist gerade scheiße, obwohl ich von schönen und netten Begegnungen, tollen Erfahrungen und einem fresh growing self-awareness begrüßt werde.

Wobei man natürlich diese self-awareness aufgrund der allgemein herrschenden Grundscheiße in Frage stellen darf. Nicht muss. Darf. Und überhaupt. Fehlt mir gerade das Gespür für mich selbst, obwohl ich mich schon lange nicht mehr so gefühlt habe. So gespürt habe. Ich weiß aktuell einfach nicht, was ich mit mir tun soll, und habe doch den perfektesten Plan und die erreichbarsten Ziele seit langem. Um es kurz zu sagen: Ich verstehe mich gerade selbst nicht. Und ja. Leute, Leute, Leute. Das fühlt sich echt mal scheiße an. Kaum zu glauben.

Hier  noch mal ein „Nein!“. „Doch, verdammt!“, die Retourkutsche. Scheiße. Was für ein bescheuerter Teufelskreis. Dieser verdammte Endloskreisverkehr und dieser Stau bei meiner Ausfahrt.  Und ich vollkommen perplex und ohne Ahnung und einfach nur dumm. Gewollt dumm? Ich weiß nicht. Vielleicht auch einfach nur … ja, sagen wir es so. Scheißratlos. Im negativen Sinne, wohlgemerkt. Und das gekoppelt mit meiner Scheißnaivität, dieser furchtbaren Scheißmanipulierbarkeit und der vorhin schon genannten Gesamtscheiße gibt das kein gutes Bild. Aber irgendwie auch doch wieder toll. Oder unterhaltsam. Oder legend- … wait for it, wait for it … -dary!

Vielleicht wisst ihr, was ich meine. Vielleicht versteht ihr auch nur ansatzweise meinen aktuellen Gefühlszustand. Und dann noch diese Scheißdiskussion um. Ja, verdammt. Um was eigentlich? Ich habe es schon wieder verdrängt, oder einfach nicht aufgepasst. Leute, sowas interessiert mich ja echt mal nicht. Wo bin ich hier eigentlich, und warum tue ich mir das jetzt überhaupt an? Und während ich immer Schimmer meines eigenen Wahnsinns weitertanze, schwöre ich mir, dass mein „Doch!“ schlussendlich doch noch gewinnen wird. Nur um sowieso schon zu wissen, dass ich irgendwann einfach zu müde bin, zu … disktutieren, zu streiten. Eigentlich bin ich ja sowieso gerade nur zum Schweigen aufgelegt. Vielleicht sollte ich das mal versuchen.

„Nein!“
„Doch!“

Die Inakzeptanz des Momentwechsels

You know what? I’m done being single, I’m not good at it. Look, obviously you can’t tell a woman you just met that you love her, but it sucks that you can’t.

Ich habe ja schon ausgiebig darüber sinniert, dass das „Ich liebe dich“ viel zu sehr überbewertet und glorifiziert wird, und das – der Wahrheit viel mehr entsprechende – „Ich brauche dich“ noch sehr, sehr selten den Weg in unseren Sprachgebrauch gefunden hat.

Weiters gibt es ja meine Theorie des perfekten Moments. Dass man selbst  für einen kurzen Moment, nennen wir es Tag, Woche, vielleicht sogar Monat, einen Menschen aus ganzem Herzen lieben kannst. Vom tiefsten Grund deiner Sammlung an Gefühlsregungen. Weil man den Menschen zu diesem Zeitpunkt liebt, weil man ihn braucht und weil man manchmal sogar selbst gebraucht wird. Und nur für diesen Moment. Für diese kurze Dauer deines, ihres Lebens ist es genau das. Das, was den Moment perfekt, die Liebe außergewöhnlich, die Zeit erinnerungswürdig macht. Ja, ich mag meine Theorie des perfekten Moments. Wirklich.

No it’s not… You were right. There’s no off switch… God, I wish there was an off switch!

Und dann stolpere ich selbst über die Inakzeptanz des Momentwechsels. Dass  alles abbricht, und alles neu beginnt. Warum das Ganze? For what? Um wieder einmal die falschen Worte, das falsche Lächeln, die falschen Bewegungen zu sagen, zeigen, machen? Um wieder und tausendmal die falsche Entscheidung zu treffen? Um neue Momente nicht mehr zuzulassen? Um mich nur mitunter unglücklicher zu machen? Ich verneige mich vor mir. Wegen dieser unglaublich banal anmutenden Idiotie des aktuellen Seins.

You’re not the one for me.

Ist es das? Diese utopische Suche nach the one? Bin ich wirklich so freaky-awesome-begriffsstutzig? The one kennt keine Theorie des perfekten Moments. Sie kennt kein inflationär gebrauchtes „Ich liebe dich„, oder gar ein „Ich brauche dich“ für Lebensabschnittspartner. Nein. Das bin ich nicht. Oder etwa doch?

Ich weiß es nicht und sehe weiter. Wisst ihr, manchmal, da fühle ich mich ernsthaft etwas gestört. Derzeit zeigt alles auf dieses 30. Juni 2010. Und vielleicht kann ich mich erst dann wieder richtig ernstnehmen. Das ist dumm. Ich weiß. Ich bin mir über die Tragweite des Ichs nach dem Erreichen meiner Ziele bewusst, ihr wahrscheinlich noch nicht. Trotzdem ist es eine Utopie, die mich anspornt. Um die Einfachheit der Vergangenheit wieder zu entfachen. Um mich wieder etwas mehr selbst zu akzeptieren. Es ist verrückt, ich weiß. Aber jetzt sehe ich einfach mal, was sich in den kommenden Monaten so ergibt. Vielleicht mehr, als ich aktuell vermuten mag.

Zitate: How I Met Your Mother (Staffel 1, Episode 1, 2 und 4)
Foto: http://howimetyourmothersource.tumblr.com/

A victim of a dirty good time.

Nichts überstanden.
Nichts verstanden.

Am selben Punkt wie von vor 3 Jahren.

Mache ich das alles nur wegen all dem?
Bin ich doch nur ein Vergangenheitsmensch ohne Gegenwartsbezug?

Aber selbst diese Utopie spornt mich an.
Spornt mich an, endlich das zu werden, was ich mir schon so lange vorgenommen habe.
Und wahrscheinlich nur, um von dieser Utopie ein weiteres Mal enttäuscht zu werden.

Nein, es ist nichts vorüber.
Nichts vorbei.

Und ja.
Verdammt.

Es geht mir doch eigentlich so gut.
Es geht etwas weiter.
In mir.
Mit mir.
Und ohne mir.

Und vielleicht bedrückt mich gerade das Letzte so sehr.
Dass ich bei Gedanken an die Vergangenheit am liebsten Türe zu und Licht aus machen würde.
Aber Leute, wenn es so einfach wär.

Und deshalb genieße ich es jetzt mal.
Ganz einfach. (Ja, Leute, es geht mir wirklich gut, ernsthaft!)
Ich genieße meine Veränderung.
Und freue mich auf das Resultat. Mal sehen.

Habe ich mich verirrt?

Du bist ausgestiegen, ich hab‘ dich aussteigen lassen. Wollte dich eigentlich noch behalten, ihn behalten, den Moment. Doch mit dem Knall der zugeschlagenen Autotür weiß ich, dass es vorbei ist. Er vorbei ist. Du drehst dich noch einmal um, dein Blick? Ein Rätsel, wie immer. So oft. Gehst weiter,  zu deinem Haus, deiner Tür, gehst hinein, ich fahre heim.

Fahre los, gebe Gas, ganz langsam. Ich krame in meinen Taschen, suche nach meinen Zigaretten, nach nur einer von ihnen und stecke sie mir in den Mund. Es raschelt und als ich das Feuerzeug gefunden habe und das Fenster leicht geöffnet, erhellt das Licht einer kleinen Flamme den ansonsten lichtscheuen Raum meines Autos. Es ist heiß hier, ist es nicht? Ich gebe Gas, verlasse deine Straße, deinen Ort, deine Stadt. Gebe Gas und vergesse zu bremsen, gebe Gas und vergesse. Zu lenken. Ich kenne den Weg. Kenne den Weg schon genauso gut, wie ich glaube, dich zu kennen. Habe ich mich verirrt?

Lichthupe. Ständig werde ich geblendet. Immer diese Leute, die wohl überall den vollen Überblick behalten wollen und trotzdem so blind und so. Menschlich? Ich möchte bremsen, stehen bleiben, hier in diesem Auto, auf dieser Straße, in diesem Tunnel. Seit wann bin ich im Tunnel? Habe ich irgendetwas versäumt? Es rattert.  Die vorperforierte Mittellinie schubst mich zurück auf meine Seite. Ich wische mir den Schlaf aus meinen Augen und ziehe beständig an dieser Zigarette, und sie wird nicht weniger, und ich werf‘ sie nicht weg. Das leichte Glimmen, es spiegelt sich in der Windschutzscheibe. Du bist nicht mehr da.

Nicht mehr da. Nur ich allein. Auf dieser Straße, in diesem Tunnel, mit diesem Auto. Du hättest mich nicht allein lassen sollen. Hättest mich nicht enttäuschen sollen. Du hättest mir vielleicht nicht gerade heute alles erzählen sollen. Mir erklären, das nichts mehr Sinn macht und wir keine Zukunft haben. Vielleicht hättest du einfach noch etwas warten sollen. Mit der Wahrheit und der Faust und meiner Magengrube. Vielleicht hättest du damit warten müssen …

Sprühende Funken. Ich bin kurz weggenickt und habe die Leitplanke gestreicht, ich reiße herum, bekomme mit der neu gewonnenen Wachheit das Auto gerade noch unter Kontrolle. Es ist spät hier. Eine Träne, ihr Weg, meine Wange. Es ist wohl soweit.

Die menschenleere Bundesstraße verlassen, durchs Ortsgebiet eiern und mit lauter Musik, mit Brüllen, mit Schreien, mit Stille, Piano, Gitarre. Und Tränen. Die Wahrheit scheint akzeptiert.

Hier sein.

„Komm, rück‘ näher“, sagt Noah und legt seinen Arm um mich.

Und mit einem Mal bestimmt plötzlich dieses unangenehme, einengende Gefühl diesen Moment. Ich fühle mich nicht wohl. So soll es nicht sein. Ich erinnere mich noch an Noahs Worte, als er von diesem fünfzehnjährigen Jungen an diesem einen Bahnhof sprach, den er einmal beobachten konnte. Er ließ seiner Freundin keinerlei Freiraum, gab ihr vielleicht einen halben Quadratmeter zum Atmen und das vielleicht nur aus pubertärer Liebe, nicht aus Bosheit. Und Noah erklärte auch, dass ihn dass auf so einige Fehler in seinen vergangenen Beziehungen aufmerksam machte und er sich schwor nie wieder so zu werden. Nicht einmal ansatzweise. Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, der Ansatz  ist bereits überschritten.

„Du, Noah?“
– „Hm?“
„Komm. Lass es sein.“
– „Hm?“
„Ich … ich brauche etwas … Abstand, verstehst du?“

Etwas missmutig nimmt er seine Hand von meinem Körper und rückt etwas zur Seite. Er ist schnell beleidigt. Sehr schnell.

„Ach, Noah.“
– „Hm?“
„Du musst jetzt nicht so tun. Ich … ich … ich fühlte mich einfach unwohl. Es hat gerade einfach nicht so gepasst, wie ich wollte. Es ist nichts gegen dich. Nimm es nicht persönlich, okay?“

Und ob er es persönlich nimmt. So gut kenne ich Noah nun  schon. Und obwohl er gerade eine seiner grimmigsten Blicke aktiviert hat, finde ich dieses Schmollen auch wieder unglaublich … süß. Wobei, Männer wollen nicht süß sein, nicht nett, nicht lieb. Sagen wir es so. Ich mag es, wie er da jetzt dasitzt und mit leicht zusammengepressten Augen aus dem Fenster blickt.

„Ach, komm schon.“
– „Nein, schon gut.“

Ich gehe in den Frontalangriff über und blicke ihn unentwegt an. Mit einem Lächeln auf meinen Lippen und einem neugierigen Blick. Als er sich zu mir dreht und mich sieht, kann auch er nicht anders. So gut kenne ich ihn schon, ja. Und scheinbar begreift er jetzt auch.

„Gut, dass du es gleich sagst, Emily.“
– „Mhm.“
„Weißt du, weil manchmal erkennt man es ja selbst nicht. Ich kenn‘ das ja.“

Ja. Noah ist vielleicht nicht so … offen. Sagst es nicht so selbstbewusst stotternd frei raus. Aber er gibt einem auf einem anderen Weg Zeichen. In seinen Bewegungen, seinen Worten. Was jetzt nun besser ist, werde ich sicher nicht bewerten. Ich verstehe es zum Beispiel, so glaube ich zumindest sehr schnell.

„Ich, ich brauche einfach gerade. Du weißt ja. Mir gehts gerade nicht so gut. Und wo sonst immer eine Umarmung oder ein Zärtlichkeit wahre Wunder bewirkt. Da hilft heute genau das eben nicht. Ich brauche Abstand. Brauche ein paar Zentimeter zwischen uns. Ein paar Zentimeter zwischen der Welt und mir.“

Noah nickt und ich weiß, dass er mich spätestens seit jetzt verstanden hat. Er ist eben nicht dieser fünfzehnjährige Junge in seiner ersten Beziehung mit diesem fünfzehn- oder vierzehnjährigen Mädchen, welches all das über sich ergehen lässt, bis es irgendwann zum Bruch kommt, zum Streit, zum Ende. Und sich dann in der Schule vermehrt ein fahler Beigeschmack dieser Beziehung breit macht, wenn er über ihre kleinen Brüste und sie über seinen kleinen Schwanz herzieht. Dinge, die wahrscheinlich beidseitig nicht stimmen. Aber dadurch fällt vielleicht das Ende leichter, ihr wisst schon.

Dann schmeißt man sich in Rage, und erzeugt einen Lügenkomplex, spricht von Dingen, von denen man keine Ahnung hat, gibt sich als Wunderkind auf genau diesem Gebiet aus, und hat eben doch keine Ahnung. Und erst wenn dieser Turm zu Babel, dieser schiefe Lügen-Pisa einstürzt, ist man wahrscheinlich erst in der Lage zu trauern und zu begreifen, dass einige wenige Worte diese Beziehung hätten retten können und einige Kubikzentimeter mehr Atemluft sicherlich sehr gut getan hätten. Und dann ist es meistens zu spät, weil man schon zu viel zerstört hat, und macht sich auf die Suche nach etwas Neuem und behält diese eine Geschichte im Hinterkopf und erklärt, nie wieder in eine solche Situation zu kommen und kommt es eben doch wieder und verläuft sich in den selben Scheiß Tag für Tag.

Aber was rede ich. Die Gedanken haben sich irgendwie selbstständig gemacht. Und während ich wieder zu mir zurückkehre und, aufgrund von Müdigkeit und aufgrund von dem plötzlich wieder auftretenden Wunsch nach Nähe, meinen Kopf auf seine Schulter lege, warte ich nur noch auf den gewohnten, liebgewonnenen, zärtlichen Kuss seinerseits auf meine Haare.

Nein. Nicht Noah. Diesmal Emily.

Nicht schon immer.

Jetzt fahre ich schon 21 Jahre
in diesem verdammten Kreisverkehr
und finde einfach nicht
diese eine, verschissene, richtige Ausfahrt
.

Ein Drittel des Tages verschlafen, ein Drittel des Tages gedöst, ein Drittel des Tages gesurft. Mein Valentinstag 2010. 2009. 2008. Ich halte mich nicht mehr aus, habe eine solche Wut gegen mich im Bauch. Möchte über allem stehen und weiß es, dass es nicht funktionieren wird und kann und vielleicht auch soll. Wenn man nach 3 Jahren (ungewolltem) [verdammten] Singleleben immer noch einen umgedrehten Magen hat, wenn man von knutschenden Pärchen umgeben ist. Vor lauter Neid. Vor lauter Selbstmitleid.

Ich bin. Und das ist wirklich etwas, was ich einerseits nicht verstehe, und andererseits auch gerne verheimliche, seit 3 Jahren Single. Habe vor zweieinhallb Jahren das letzte Mal eine Frau geküsst. Und das wars. Seither jage ich den falschen Lieben hinterher, werde enttäuscht, enttäuschte selbst. Deshalb suche ich seit Monaten nach einem Buckel, einer Riesenwarze auf meiner Nase, überprüfe ob ich eh kein Holzbein habe, und versuche stets, zu eruieren, ob mein Humor noch gesellschaftsfähig ist. Und nein. Ich habe keinen Buckel, keine Riesenwarze, kein Holzbein und bin lustig. Vielleicht bin ich einfach nur …

… einfach nur in dieser einen beschissenen langandauernden furchtbaren verdammten … ja, nennen wir es … Phase. Und leider habe ich mich zu tief mit dieser Phase eingelassen. Habe vergessen, wieder aufzutauchen, Luft zu holen. Es hat lange gedauert, bis ich mich auch nur wieder irgendwie in Richtung Normal gewendet habe. Und dann wieder das. Die Angst vor allem. Keine Ahnung. Wut gegen sich selbst aufgrund des all zu sehr fehlenden Mutes. Ich denke an Abbruch, weil schon zuviel verloren. Da hat man einmal die Erfahrung und wünscht sich, nun alles besser zu machen. Und macht dieselben und noch viele neue Fehler und möchte aufgeben. Hat es denn Sinn?Und dann denkt man wieder nach, wie einfach all das damals war. Wie perfekt abgestimmt und wie wunderschön. Man denkt daran, obwohl man das eigentlich vor mehr als einem Jahr wirklich aufgehört hat. Und so wird alles größer. Alles. Die Probleme, der Unmut. Ihr wisst schon.

Sehe Bilder von mir. Von früher. Und möchte umkehren. Pause. Rewind. Stop. Play. Und diesmal richtig. Möchte zurück, kann es aber nicht. Fühle mich so von ganzem Herzen außergewöhnlich beschissen. Und kann einfach nicht anders.

Nichts mehr mit Heimweh nach Liebeskummer. Nichts mehr mit ‚glücklicher Single‘. Nichts. Eher das Aufbauen neuer Dinge. Neuer Ziele. Und wie schon wieder so oft angekündigt. Veränderung. Und der Kampf. Das Erreichen dieser Ziele. Weil sie mir wieder Mut geben. Mir die Anerkennung verschaffen, auf die ich schon so lange vergebens hoffe. Meine Anerkennung. Gewicht verlieren, Buch schreiben. Kurz gesagt.

Und ja. Ich packe es professioneller an. Werde in Kürze beginnen, mit einem Freund in St. Pölten ein Fitnessstudio zu besuchen. Stelle die Ernährung um. (Eines hatten wir ja schon des Öfteren. Aber nun … ganz neu: Mit Bewegung!)

Und das Buch? Ja, verdammt. Ich arbeite daran, ihr seht, ich komme weiter. Mache mir ständig Gedanken. Habe mir das Ziel gesteckt: Juni 2010. 30. Juni. Muss es erreichen, weil (wie ich hier schon mehrmals schrieb) Herzblut dranklebt. Weil alles dranhängt. Alles, ohne Übertreibung.

Und vielleicht bin ich erst nach dem Erreichen dieser Ziele wieder bereit, zu mir zu stehen. Mutig zu sein. Über meinen Schatten zu springen.

Vielleicht bin ich erst dann wieder im Stande, frohen Mutes einen Fuß vor den anderen zu setzen. Vielleicht klappt es erst dann wieder, und ist wieder zu spät für das eine, aber eine Möglichkeit für so viel anderes. Vielleicht sollte ich einfach nur Nichts  tun und mich verdammt noch mal diese 4 Monate voll und ganz auf mich konzentrieren. Weil ich muss und es brauche und mir das Resultat schließlich verdient habe.

Alles andere würde – verdammt noch  mal – sowas von weh tun. Und nein. Das will ich. Nicht schon wieder. Nicht schon immer.

Alle Fotos: just4ikarus | flickr | 2008

Hegolotl Kokskill.

Warum Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ für mich nie und nimmer das Zeug zu einem Generationsbuch hat … und warum eigentlich so … unrealistisch?

Ihr könnt es nicht mehr hören, ich weiß. Auf Twitter, in den Online-Medien und auch in Print-Magazinen und im TV hört man nur mehr „Hegemann!“ oder „Axolotl!“ oder „Strobo?“, „Airen?“. Aber das interessiert mich jetzt (noch!) nicht. Bis jetzt habe ich mir nur „Axolotl Roadkill“ gekauft, aber „Strobo“ schon nur bestellt.

Ich muss diesen Beitrag hier einfach schreiben. Weil Hegemann ja bis vor kurzem die neue junge … Goethe (?), Schiller (?) war. Weil sie … jung … und Theaterstück, Drehbuch, Bestsellerbuch. Sowieso alles großartig. Und dann lese ich dieses Buch und denke ich mir: Ja, natürlich. Sie hat ein Talent, sie ist eine sichtlich begabte Schriftstellerin. Aber dieses Buch? Bitte?

Brauchen wir immer diese Bücher über Koks, Nutten, Speed, schmerzhaften Analsex, Vergewaltigungen, Ecstasy, Diskothektoiletten, Selbstzerstörung und nochmal zwanghafter schmerzender Sex. Brauchen wir das wirklich? Weil wir noch nie auf Koks oder Speed waren? Noch nie Nutten oder schmerzhaften Sex hatten? Nicht vergewaltigt wurden, womöglich auf dreckigen Diskothektoiletten (die übrigens nur in wenigen, und dann sind es wirklich abgefuckte Discos, wirklich so dreckig sind, wie so oft beschrieben). Und weil wir uns womöglich selbst mögen, und somit gerne an der Selbstzerstörung eines anderen Menschen beteiligt sein wollen, zumindest als Leser, als diese Typen, die bei einem Autounfall auf der anderen Fahrspur auf der Autobahn natürlich langsamer werden, um ja sehr viel Schrott, Blut und Körperteile zu sehen. Brauchen wir diese Bücher also wirklich um unser Neugier am Exhibitionismus zu befriedigen?

Und was ich so furchtbar finde: Wird „Axolotl Roadkill“ wirklich ein Buch für diese Generation? Und die wichtige Frage: Bin ich überhaupt noch in dieser Generation? Ich fürchte ja. Und als Generationenbücher bisher wurde was gehandelt? Benjamin Leberts „Crazy“? Charlotte Roches furchtbare „Feuchtgebiete“? Die Biografie von Dieter Bohlen? Keine dieser Bücher hätte es auch nur annähernd verdient. Und von allen am Ehesten noch „Crazy“.

Lebe ich meine Generation falsch? Klar, ich leb‘ ja schon anders, als wie ich es mir von einem normalen Menschen in meinem Alter erwarte, leider. Aber bin ich der Einzige, der nicht misshandelt wurde, der nicht jeden Abend Drogen nimmt, der sich nicht Tag für Tag  selbst zerstören muss? Reicht denn ein ganz normales Leben nicht mehr für die Literatur? Wo Leben, Liebe, Eifersucht, Ängste, Freude, Scham und all das einfach in einer nachvollziehbareren Umgebung stattfinden.

Ich denke, auch genau diese Literatur, eine Abbildung dieses Lebens, kann berühren, fesseln. Und da muss es nicht unbedingt dem menschlichen Abgrund entsprechen. Denn manchmal geht Selbstzerstörung auch ohne Rasierklingen und gezwungen brutalem Sex. Manchmal zerstört man sich selbst, von innen. Ganz leise.

Und genau eine solche, leise Literatur suche ich. Und schreibe ich.

Und nein. Ich kritisiere nicht unbedingt all diese Bücher. Ich kritisiere den Hype, der darum gemacht wird. Woah, fuck. Da betritt eine Protagonist schon halb zerstört die Bühne, die erste Seite. Wow. Was will man mehr? Ich selbst lese diese Bücher (weil sie im Gegensatz zu z.B. Zafons „Der Schatten des Windes“, Boyles „Drop City“ oder vor allem Wallaces „Unglaublicher Spaß“ schnell zu lesen sind, so mal zwischendurch). Diese Bücher sind nicht schlecht sie sind mitreißend und eine tolle Literatur. Aber meiner Meinung nach sind genau solche Bücher furchtbar unrealistisch. Beziehungsweise nicht für eine ganze Generation sprechend, nur für Einzelne. Und darauf sollte man wieder einmal wert legen.

Handyfeuerzeug gratis dazu.

„Wir dürfen uns nie sehen.“, sagt sie und ich lächle, weil ich sie gerade schon seit gefühlten Stunden anstarre, ihre Bewegungen aufsauge, ihre  Worte aus ihrem Mund in meine Ohren locke. „Wir dürfen uns nie sehen.“, wiederholt sie sich und schüttelt ihren Kopf, so, als müsse sie ihre Gedanken, ihre Worte, ihre Vorstellungen noch einmal kräftig bestätigen.

„Ich glaube, Noah, ich glaube, diese besondere Beziehung, die wir gerade leben, würde aufhören. Wenn wir uns einmal in der Außenwelt treffen würden, wäre der Zauber vorbei. Und wir werden uns auch nie anrufen, oder auf Facebook oder was auch immer als Freund hinzufügen. Weißt du, Noah, sowas haben wir nicht nötig. Das wäre so 2009.“
– „Und das sind wir nicht. Wir sind anders. Hach.“

Emily blickt mich an, verdreht die Augen, nimmt meine rechte Hand und zieht mich zu ihr ran. „Du nimmst mich nicht Ernst, nicht wahr, Noah?“ Puh. Wieder einmal wäge ich ab, ob ich mir jetzt für den harten, zerstörerischen Weg der Ehrlichkeit entscheiden soll, oder mich hinein in eine fruchtbare Notlüge flüchten soll. Aber schließlich kommt mir noch ein anderer Ausweg in den Sinn. „Warum? Warum, Emily, sollen wir das tun? Warum sollten wir uns selbst hier einsperren. Unsere Beziehung zu einer Beziehung des Extremen machen?“ Das ist mein Ernst. Welche Sinn hat es, sich jede Woche für eine oder zwei Stunden zu treffen und in diesen sechzig bis einhundertzwanzig Minuten zu versuchen, sich nah zu sein? Ich möchte sie anrufen, um ihr von meinen Erlebnissen zu erzählen, möchte sie unnötigerweise auf Facebook anstupsen und sie täglich in den Schlaf skypen. Ich möchte mir ihr genau dasselbe Verhältnis haben, wie ich es mit sonst einem jeden Menschen habe.

„Weil…-“
„Nein. Schon okay. Ich glaube, ich verstehe, was du meinst.

Damit wir nichts verlieren. Nicht dieses Gefühl in unseren Bäuchen und die Gedanken aus unseren Köpfen. Damit wir nicht die ganzen Momente verlieren, in denen wir in unseren Betten liegen und uns überlegen, was wir bei unserem Wiedersehen unbedingt erzählen müssen. Und es schließlich doch nicht tun. Wir würden unseren vollkommen falschen Blick auf uns verlieren, wir wären nun nicht mehr nur Emily und Noah, die Beiden aus dem Zug. Wir würden mit jedem gemeinsamen Schritt aus dem Zug nicht nur unsere Beziehung auf irgendeine hässliche Art und Weise zerstören. Alle Illusionen, die wir beide voneinander erschaffen haben, würden genauso brutal zusammenstürzen wie die WTC-Towers am 11. September. Zwar würden hier dann nicht Millionen vor den Fernsehern diesen Zusammenbruch miterleben können. Aber wir. Ja, wir würden die Überreste, den Schutt und die Asche zu Gesicht bekommen.

Wobei wir wahrscheinlich doch nur maßlos übertreiben.

„Es wird eine Herausforderung.“, sage ich und bemühe mich, sie dabei nicht anzusehen. „Aber ja. Es wäre etwas Besonderes und zumindest einmal etwas wirklich Außergewöhnliches in meinem Leben. Damit wir eben „die aus dem Zug“ werden. Emily aus dem Zug. Und Noah aus dem Zug. Bis sich unsere Freunde von …“, ich lache, „… von außerhalb daran gewöhnt haben, dass es zwischen den beiden Orten, zwischen welchen wir immer pendeln, eine gewisse Konstante gibt.“

„Und du darfst mich anrufen. Natürlich. Aber es müssen außergewöhnliche Nachrichten sein, es dürfen keine banalen Dinge erzählt werden. Es müssen Breaking News sein, über geniale Errungenschaften oder furchtbare Todesfälle. Und wenn wir mit dem Erzählen fertig sind, machen wir nicht das Spiel, wer denn hier nun auflegt. Oder fragen auch nicht nach dem Wetter oder dem zuletzt zu sich genommenen Essen. Lass uns uns bitte nicht in Banalitäten verlieren.“

Sie hat Recht. Mal wieder. Emily baut zwar für unsere Beziehung eine beinahe erschreckende Mauer auf, mit all diesen Bedingungen. Aber wie ich schon gesagt habe: Es ist eine Herausforderung, und … Leute, ich liebe Herausforderungen. Vor allem solcher Art. Emily ist kein Kontrollfreak, nein. Sie ist „Bewahrerin des Guten“, „Realitätsfantastin“ oder was auch immer. Und während ich so ihren Blick aus dem Fenster beobachte, weiß ich, dass sie immer noch weiterdenkt. Weiter plant.

„Ein einziges Stück des Anderen darf man sich in die Außenwelt mitnehmen. Jetzt sofort. Gib mir ein Stück, was du gerade dabei hast, und vielleicht nicht unbedingt sofort wieder brauchst.“

Ich fasse zielsicher in meine Tasche hinein und krame es hervor, mein uraltes Handyfeuerzeug, welches ich damals als Zwölf-, Dreizehnjähriger unbedingt haben wollte, zu feig, um selbst zu rauchen, zu dumm, um einzusehen, dass Feuerzeuge ansonsten relativ unnütz sind. Sie lacht, als ich es ihr in die Hand drücke. Von ihr bekomme ich ein kleines Stofftier. Ihr wisst schon, ein solches, welches jedes Mädchen zwischen dreizehn und siebzehn an der Schultasche hängen hat. Von einer Sicherheitsnadel durchstochen, mit Watte vollgestopft.

Mit all ihren Ideen baut Emily eine gewisse Magie auf. Eine Magie, die unsere Beziehung einzigartig macht. Diese Magie verlangt zwar von beiden Menschen sehr viel, aber wenn  einem die Freundschaft wichtig ist, ist man bereit, so viel zu geben. Okay, ich habe schon oft Enttäuschungen in diese Richtung erlebt. Ungleiche Anstrengungen hauen nicht nur eine Beziehung aus dem Gleichgewicht, sondern manchmal auch den Glauben an das Gute im Menschen. Aber … Emily wird doch wohl wissen was sie tut.

„Darauf müsse wir anstoßen.“, sage ich und beginne in meiner Tasche zu wühlen, werfe Emily eine Flasche Eistee zu und nehme mir meine Wasserflasche raus.

„Auf uns.“
– „Nicht nur das, Emily. Auf uns, auf diesen Zug, auf diese eine Stunde.“
„Prost.“
– „Prost“

Wir müssen lachen, ist es doch ein sehr schräger Moment in diese ungewohnte Feierlichkeit hinüberzuschwanken. Aber damit haben wir es besiegelt. Haben besiegelt, dass wir bis auf Weiteres unsere Freundschaft, unsere Beziehung auf diesen Zug beschränken. Auf dass wir weiter mutig alleine durch die Ruinen dieser Welt da draußen stapfen und hier drinnen die Pläne entstehen lassen, um die Welt schließlich doch noch vor dem endgültigen Abgrund zu bewahren. Unsere Welt natürlich.