
Die Widerspiegelung des Mondlichtes im Wasser.
Du sprichst kein einziges Wort mehr mit mir. Ich denke. Denke nach. Erinnere mich an die Zeit, als du immer von mir verlangtest, über alles zu reden. Dir meine Sorgen und Gedanken zu offenbaren. Du konntest das immer. Konntest mir erzählen, wie es dir gerade geht. Ich war meist still. Musste schweigen, weil die Gedanken mein Stimmorgan blockierten. Jetzt wäre ich bereit, zu sprechen. Könnte dir alles erzählen. Wie es ist, so danach. Wie es sich anfühlt, ehemaliger Onkel zu sein. Wie es ist, wenige Monate vor dem Verlassen der Heimat eine so mächtige Portion an Schiss in sich zu spüren. Weil man nicht weg will und Angst hat vor dem Neuen und so. Wie es ist, sich nach der ersten Enttäuschung sofort wieder zu verkriechen. Ich habe es dir angeboten, habe gehofft, du würdest dich melden. Habe gehofft, auch dir würde etwas daran liegen. Scheinbar tut es das doch nicht. Ich muss das akzeptieren, so schwer es mir fällt. Es ist nun mal so. Du konntest mich immer verändern, und ich dich nie. Ich wollte das auch nicht. Und so lass‘ ich es.
Ich bin es, der sich verkriecht, nach einer Enttäuschung, die so subtil von mir selbst erzeugt wurde. Eine Enttäuschung in Folge utopischer Träume. Viel zu schnell habe ich sie gesponnen, und jetzt sind sie wieder weg. Sind verschwunden, als wären sie nie da gewesen. Doch sie waren da. Und es tut manchmal auch weh. Es sind genau diese Schmerzen, die ich nach jeder Enttäuschung habe. Ich bin aufgelebt, in dem Glauben an etwas, was niemals war. Und auch nicht sein wird. Habe die Wochenenden ausgenützt, bis zum letzten Minute bin ich aus gewesen. Habe die Zeit genossen und jetzt sitze ich wieder hier. Verliere wichtige Tage. Bin ich traurig. Bin ich wütend. Was bin ich überhaupt. Wenn man zurückblickt, sieht man, wie glücklich mich diese wunderbaren Tage machten. Und soll ich jetzt wieder in die Melancholie zurückfinden. Die mich zwar auch durchs Leben tragen kann, aber niemals so schön sein kann.
Mir fehlen die Worte. Fehlen die Blicke. In der Widerspiegelung des Mondlichtes im Wasser spüre ich die Sanftheit des Lebens. In unserem Wohnzimmer hat sich etwas verändert. Der Tisch, aufbereitet wie ein Altar, hat seine Bilder verloren. Meine Mutter hat die Bilder nun schön an eine Wand gehängt. Ich frage mich, wie lange der Schmerz noch anhält. Täglich reden wir darüber, jedes Mal, wenn ich vor dem Kühlschrank stehe, beginnt ein kurzer Moment der Sprachlosigkeit. Die Bilder erinnern. „Es könnte so schön sein.“ Du hast Recht, Mama. Es könnte. Aber es ist nicht so, wie wir uns es vorgestellt haben. Es ist anders. Wir müssen damit umgehen, ändern können wir nichts. Wir haben uns und die Erinnerung. Und den Schmerz. Der Schmerz, der einfach nicht gehen will. Wie oft, verdammt noch mal, habe ich den Traum gehabt, zu leben. Um ja nichts zu versäumen. Und dann drückt mich wieder etwas auf den Boden und ich wehre mich nicht dagegen. Soll ich es schon wieder ankündigen. Nein. Ich müsste einfach mal nur die Augen schließen. Und keine Angst vor dem Erleben haben.
Yakamoz wurde zum schönsten Wort gewählt. Ein türkisches Wort, dass in sieben Buchstaben ein wunderschönes Phänomen beschreibt. Mir gefällt es auch. Wegen dem Mond, der Widerspiegelung und dem Wasser.
