Der Tag Danach. Und Er Ist Immer Noch Nicht Da.

Entweder habe ich es bis jetzt noch nicht realisiert, oder ich will einfach den starken Mann spielen. Ich weiß es nicht. Aber ich kann einfach nicht weinen.

Außer ein paar kurzen Tränen blieb ich nach außen hin gefasst. Innerlich schien ich zu zerbrechen. Mehrere Stunden lang zitterte ich. Ohne Halt, einfach so vor mich hin. Psychischer Schock nennen es wohl die leute vom Psychosozialen Notdienst. Und die Zigaretten schienen mich zwar in keinster Weise zu beruhigen, aber sie lenken einen ab.

Durch meine Unfähigkeit zu Weinen habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, der Ansprechpartner für alle zu sein. Für meine Schwester, die immer noch mit seinem Bild und seiner Kuscheldecke auf der Couch liegt, in Tränen aufgelöst. Meine Mutter, die ihre Tochter so gerne irgendwie trösten möchte, doch selbst an diesem Schmerz fast zerbricht. Und wahrscheinlich auch dann für meinen Papa, der von seiner Reise aus Amerika heute frühzeitig zurückkommt. Meine Mutter weinen zu sehen, meinen Vater. Fixpunkte und Felse in der Brandung weinen. Und ich stehe da, zittere vielleicht noch und doch ist die Welt ganz anders.

Ich möchte mich hier für die Anteilnahme und die angezündeten Kerzen bedanken. Es hat mir irgendwie geholfen. Man kann es sowieso nie verstehen, aber durch euer Mitgefühl, fühlt man, dass die Welt nicht komplett sinnlos ist. Ich danke euch.

Meine Mutter hat mich gebeten, eine Rede am Begräbnis zu halten. Ich habe sie schon geschrieben. Und sofern ich mich imstande fühle, würde ich es auch gerne tun. Gestern abend habe ich noch meine Freunde, die Leute, die meinen Blog nicht lesen, angerufen. Elisabeth hat vollkommen zu weinen angefangen, und als ich dann auch noch zur Magdalena und später zum Lukas gefahren bin, habe ich auch die beiden weinen sehen. Nur ich stand da. Sozusagen als Seelsorger für die Freunde der Angehörigen.

Ich habe gestern so lange gewartet bis sie eingeschlafen sind, so gut es eben ging. Meine Mutter und meine Schwester. Und dann habe ich in meinem Bett gehofft, dass ich endlich weinen kann. Ich habe nur nachgedacht und bin irgendwann eingeschlafen. Heute zittere ich wieder. Er ist weg. Die Pathologie hat bis jetzt noch nichts feststellen können. Und ich werde so lange für alle da sein, als scheinbar am meisten Gefasstester bis ich unter all dem Druck endlich einmal zusammenbreche und auch ich endlich weinen kann. Ich würde es so gern. Ich würde so gern irgendetwas zerstören, aus lauter Wut und Zorn auf alles. Aber jetzt beginnen die Begräbnisvorbereitungen. Und ich werde mich auch hier ausgiebig beteiligen. Irgendwie muss ich mich beschäftigen, irgendetwas mus ich immer tun. Es tut da drinnen so weh. Es ist wie ein Messer, dass mir immer wieder kleine Stiche versetzt.

Man kann es nie verstehen. Und auch nicht akzeptieren. Nur der Schmerz. Nur mit dem Schmerz kann man irgendwann besser umgehen.

4 Gedanken zu „Der Tag Danach. Und Er Ist Immer Noch Nicht Da.“

  1. hab gestern abend an dich denken müssen.

    Nicht weinen zu können ist schlimm. Das kenn ich.

    Mir ist es nach dem Tod meiner Großtante nicht anders gegangen obwohl es nur meine Großtante war.

    Aber wie gesagt du kannst mich jederzeit anrufen wenn du wem zum reden brauchst.

    ganz liebe grüße

    Alex

  2. bin heute ab halb 7 oder 8 zuhause… wennst noch nix vorhast, könnt ma ja a packerl tschik verheizen. 😉

    weinen is in der hinsicht nicht das wichtigste, irgendwann – vollkommen unerwartet – werden die tränen kommen und es bedeutet ja nicht, dass du ein vollkommen gefühlsloser klotz bist, im gegenteil… du weißt doch genau, dass du ein mensch mit unendlich vielen emotionen bist.

    weinen… hm… kommt nicht immer… es funktioniert nicht, wenn man drauf wartet. es geht einfach nicht, weil du jetzt instinktiv weißt, dass sie dich zuhause als starken menschen brauchen.
    deswegen kommen sie nicht so einfach.

    es wird wieder besser werden… irgendwann kannst du wieder lächeln und scherzen, wenn du an ihn denkst. irgendwann. es wird dauern, aber es wird kommen.

  3. Lieber Dominik,

    ich schaffe es nicht anzurufen, würde kein Wort sagen können. Mein aufrichtiges Mitgefühl Euch allen.ich wünsche auch ganz viel kraft für diese schwere Zeit. Euer Sonnenschein bleibt immer in Eurem Herzen, er hatte eine sehr schöne Zeit hier bei Euch.
    Manuela

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